Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Anja:
langatmig
A Study in Drowning (A Study in Drowning, Band 1) von Ava Reid
Ein Buch mit Magie und ernsten Themen – doch der Funke wollte nicht so recht überspringen.
Effy hätte gern Literaturwissenschaft studiert, doch Frauen sind in diesem Studiengang nicht zugelassen. Stattdessen ist sie nun die einzige Frau im Architektur-Studium. Die Chance, das Haus ihres verstorbenen Lieblingsautors zu restaurieren, bietet Effy die Möglichkeit, sich zu beweisen und der belastenden Situation an der Uni zu entfliehen.
Das Haus, Hiraeth Manor, ist allerdings in einem sehr viel schlechteren Zustand als erwartet. Außerdem gehen dort eigenartige Dinge vor sich… Effy und Literaturstudent Preston, der ebenfalls für ein Uniprojekt vor Ort ist, gehen den Rätseln gemeinsam nach.
Effy hat keinen leichten Stand an der Uni.
Über sie kursieren zahlreiche Gerüchte, die ihr schwer zusetzen, lasten doch die tatsächlichen Ereignisse genug auf ihr.
Zudem hat Effy mit Schlafstörungen und Halluzinationen zu kämpfen, weshalb sie seit Jahren Medikamente nimmt. Arztbesuche sind dabei die einzige Unterstützung, die sie von ihrer Familie bekommt. So muss die junge Frau mit vielen Erlebnissen und Eindrücken allein fertig werden. Dies spiegelt sich auch in ihrem oft unsicheren Verhalten wieder.
Die Geschichte ihres Lieblingsautors, Angharad, ist für sie zu einer Zuflucht geworden.
Umso empörter reagiert sie, als Literaturstudent Preston sich kritisch über den Autor äußert.
Auf Preston ist Effy ohnehin nicht gut zu sprechen – hat er doch das Studium, dass sie so gern wollte und geht so „respektlos“ mit dem Erbe „ihres“ Autors um. Zudem verhält er sich oft eingebildet und besserwisserisch und so können die zwei sich zu Beginn gar nicht ausstehen. Dennoch ist Effy bereit, zuzuhören und Prestons Gedanken – wenn auch nicht sofort – anzuhören und zu überdenken.
Die Handlung ist sehr zäh. Zwar liegt eine unheimliche Stimmung über dem Haus und seinen Bewohnern und es gibt mehrere rätselhafte Ereignisse, aber so wie auch Effy oft an ihrem Verstand zweifelt und mit Tabletten versucht, die Bilder zu vertreiben, war es auch für mich schwer einzuordnen, was vor sich geht.
Eine gewisse Neugier war daher geweckt und Teile der Nachforschungen fand ich sogar richtig spannend.
Insgesamt kommt mir die Geschichte aber zu schleppend voran. Richtig viel passiert nicht, Effy zieht sich häufig in sich selbst zurück, kämpft mit ihren Zweifeln und träumt sich in ihr geliebtes Märchen.
Allerdings macht die junge Frau im Verlauf eine gewisse Entwicklung durch, wenn sie versucht, sich von ihren Dämonen frei zu machen.
Die Auflösung der Suche kommt nicht völlig überraschend, gab es doch durchaus im Verlauf kleine Hinweise.
Die düstere, mysteriöse Atmosphäre, die sich durch das ganze Buch zieht, hat mir gut gefallen.
Der Schreibstil ist ein wenig geschwollen und poetisch, nicht zuletzt durch die eingefügten Zitate aus Angharad, verschiedenen Gedichten oder Abhandlungen über die Literatur der Zeit.
Das Thema Wasser und Ertrinken zieht sich durch das ganze Buch, nicht nur wortwörtlich, schließlich befindet sich Hiraeth Manor an einer Klippe, sondern auch metaphorisch, wenn Effys Ohnmacht in vielen Situationen ausgedrückt wird. Verschiedene Dinge werden nur umschrieben und angedeutet, aber nicht klar ausgesprochen.
Die Weltenaufbau kommt leider sehr kurz. In dem historisch angehauchten Setting gibt es Autos und Telefone, richtig greifbar wurde die Lebensweise der Figuren für mich aber nicht, da die Uhren in Hiraeth Manor ohnehin etwas anders zu ticken scheinen.
Und auch die Welt an sich wird kaum beschrieben. Zwar erfährt man, dass es zwei Länder gibt, die sich im Krieg befinden, aber abgesehen davon, dass Effy Preston aufgrund seiner Herkunft dumm findet, weil er ihrer Meinung nach den Studiengang nicht verdient hat, spielt es keine weitere Rolle.
Einzig die Rolle der Frau in der Gesellschaft, unter der auch Effy arg zu leiden hat, wird ausführlicher ausgeführt.
Inzwischen habe ich ein paar mal gelesen, dass es sich um einen Auftakt handelt. Für mich ist die Geschichte abgeschlossen und ich werde eher keinen weiteren Band lesen.
Fazit
Tolle, düstere und geheimnisvolle, oft bedrückende Atmosphäre, aber abgesehen von kurzen spannenden Momenten empfand ich die Handlung leider als sehr zäh. Überraschungen bleiben leider aus, da die Auflösung sich andeutet.
Rezensionen von Astrid:
Familienbande, Familien-Bande ...
Benefiz. Ein Plädoyer für weibliche Solidarität von Sabine Lehmbeck
Die Protagonistinnen sind aus dem Leben gegriffen: Besonders mochte ich Karla und Sima. Das sind insofern gute Charaktere, weil die Eine aufgrund ihrer Jugendlichkeit und Verletzlichkeit besonders ist (Karla), Oma Sima hingegen hat schon viel gesehen und erlebt.
Mit allen Personen der Handlung wurde ich rasch warm.
Alle haben sie ihre Wünsche und tragen ihre Bürden. Von allen findet sich immer ein Stückchen oder eine Charaktereigenschaft auch in mir. Das bewirkt, dass ich mich leicht hineinlesen und nicken oder den Kopf schütteln konnte.
Gleichzeitig zeigen die Geschichte ein Sittenbild und eben das normale Leben. Ein Leben, das man von außen nicht sieht, weil man nicht in der Haut dieser Frauen steckt.
Das Buch war fast zu flott zu Ende, über diese Heldinnen des Alltags hätte ich noch gern mehr gelesen.
Rezensionen von Novalie:
Süße Geschichte
Die Duellantin. Kein Herz ist unbesiegbar von Regina Meissner
Süße Geschichte
Mailand im Jahr 1850. Während Elenas Familie versucht, sie gut zu verheiraten, ficht sie lieber mit ihrem besten Freund Matteo und träumt von einem selbstbestimmten Leben. Als sie bei einem Duell für Matteo einspringt, kämpft sie gegen den berüchtigten und geheimnisvollen Valentino.
„Die Duellantin“ ist eine richtig süße Geschichte über Freiheit und Leidenschaft. Elena ist eine typische feministische Protagonistin, die in der damaligen Zeit wahrscheinlich als weltfremd gegolten hätte, aber aus heutiger Sicht durchaus sympathisch wirkt. Sie bewegt sich zwischen zwei Welten voller illegaler Duelle und eleganten Bällen und versucht währenddessen, sich selbst treu zu bleiben.
Am Anfang hat sich die Handlung etwas gezogen, aber dann wurde es richtig gut und ich habe extrem mitgefiebert. Es hat sich noch zu einer richtig spannenden Geschichte, mit unvorhersehbaren Wendungen und jeder Menge Emotionen entwickelt.
Ich war nicht mit jeder Entscheidung der Protagonistin einverstanden, aber ich hatte beim Hören richtig viel Spaß und wurde sehr gut unterhalten.
Wer Lust auf eine süße Liebesgeschichte mit einer sturen Kämpferin und einem Typen voller Geheimnisse hat und sich nicht vor ein paar Schock-Momenten fürchtet, ist hier auf jeden Fall richtig.
Rezensionen von Julchentim:
Fesselnd und atmosphärisch: Ein literarisches Meisterwerk!
Das Haus der Bücher und Schatten von Kai Meyer
Das Haus der Bücher und Schatten von Kai Meyer ist ein beeindruckender Roman, der Mystik, Krimi und historische Tiefe meisterhaft miteinander verwebt. Die Geschichte entfaltet sich auf zwei Zeitebenen: Leipzig 1933 und das Baltikum 1913. Der ehemalige Kommissar Cornelius Frey wird in einem düsteren Mordfall verstrickt, während die junge Lektorin Paula in einem abgelegenen Herrenhaus unheimlichen Geheimnissen nachspürt.
Beide Stränge entwickeln sich scheinbar unabhängig, bis sie auf geniale Weise zusammengeführt werden.
Kai Meyer beweist einmal mehr sein Talent, vielschichtige Charaktere zu erschaffen, die den Leser in ihren Bann ziehen, sowie atmosphärische Szenen, die das Unheimliche greifbar machen. Der Wechsel zwischen Perspektiven und Zeiten sorgt für eine spannende Dynamik, die das Buch zu einem echten Pageturner macht.
Für Fans von mitreißenden Geschichten voller Spannung, historischem Flair und einer Prise Grusel ist dieser Roman ein absolutes Muss. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und freue mich schon auf weitere Werke aus Meyers Feder. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung!
Rezensionen von Novalie:
Kreativer Ansatz
Hey guten Morgen, wie geht es dir?,1 Audio-CD, 1 MP3 von Martina Hefter
Kreativer Ansatz
Juno ist Künstlerin, pflegt ihren erkrankten Mann und verbringt ihre schlaflosen Nächte damit, heimlich mit Love-Scammern zu chatten. Diese Männer lügen Frauen die große Liebe vor, um an ihr Geld zu kommen. Doch Juno lügt zurück. Sie belügt die Männer und sich selbst, bis sich immer wieder neue Wahrheiten hineinschleichen.
Aber dann trifft sie online den Love-Scammer Benu, der sie durchschaut.
Die Idee der Geschichte fand ich sehr kreativ und auch der Erzählstil hat mir richtig gut gefallen. Juno wirkt auf mich ein bisschen suchend und orientierungslos. Sie war mir nicht wirklich sympathisch, hatte aber einen sehr eigenen Blick auf die Welt, den ich gerne verfolgt habe und der im Hörbuch auch sehr gut rübergekommen ist.
Als sie begonnen hat mit den Love-Scammern zu chatten, habe ich fast schon etwas Mitleid mit den Männern bekommen, weil sie so gnadenlos war. Diese Unterhaltungen haben mir richtig gut gefallen.
Es werden viele verschiedene Themen angesprochen. Juno ist ein Mensch mit verschiedenen Diversitätsmerkmalen und beginnt durch ihre Unterhaltungen mit Beno zu recherchieren, zu kontextualisieren und zu hinterfragen. Dadurch werden sehr viele Dinge, die angesprochen wurden, für meinen Geschmack nicht genug behandelt, sondern nur gestreift und einiges bleibt offen.
Die Geschichte ist sicher nicht Main-Stream, aber mir hat es ganz gut gefallen, auch wenn ich glaube, dass ich nicht alles verstanden habe.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Nicht so ganz meins
Monas Augen – Eine Reise zu den schönsten Kunstwerken unserer Zeit von Thomas Schlesser
Als die zehnjährige Mona plötzlich und ohne medizinischen Grund für eine Stunde ihr Augenlicht verliert, verändert sich ihre Welt dramatisch. Die Ärzte sind fast ebenso hilflos wie die Eltern und raten, Mona einem Kinderpsychiater vorzustellen, denn es scheint, dass diese Blindheit eher ein psychische Leiden denn ein körperliches ist.
Kann es sein, dass das kleine Mädchen die Alkoholsucht des Vaters und die lieblos erscheinende Mutter nicht mehr „sehen“ will?
Jedenfalls übernimmt Monas Großvater die Aufgabe, seine Enkelin zum Kinderpsychiater zu bringen, unter der Bedingung, dass sich die Eltern nicht einmischen. Doch statt zum Arzt, gehen die beiden jeden Mittwoch in die drei wichtigsten Museen der Stadt Paris: in den Louvre, in das Musée d’Orsay und schließlich ins Centre Pompidou.
Allerdings wird bei jedem der Besuche nur ein einzige Werk, das dafür ausgiebig betrachtet und analysiert. Und hier setzt meine Verwunderung und Kritik ein: Die Gespräche, die Großvater und Enkelin miteinander führen, passen so gar nicht zu einer Zehnjährigen, auch wenn sie durch das schockierende Erlebnis der rund einer Stunde dauernden Blindheit, gereift sein mag.
Zunächst erscheint mir das Buch noch interessant, doch mit jedem Kapitel und Kunstwerk wird es für mich persönlich unglaubwürdiger. Es mag Leser geben, die solche fantasievollen Romane mögen, für mich grenzt der eigenartige Umgang der Eltern mit ihrer Tochter beinahe an Kindesmisshandlung. Vater und Mutter scheinen mit ihrer eigenen Agenda beschäftigt zu sein.
Sprachlich ist das Buch gut gelungen, was den 3. Stern rettet. Vom Inhalt her hat es mich nicht so begeistert. Die Idee ist grundsätzlich gut, die Umsetzung hat mir dann nicht so gefallen. Die Beschreibung der einzelnen Kunstwerke hat mir anfangs gefallen, driftet aber dann für mich in eine Art Übersättigung ab.
Fazit:
Die Idee, einer Zehnjährigen, insgesamt 52 Kunstwerke der drei wichtigsten Museen von Paris vorzustellen und das Mädchen anzuregen, eigene Beobachtungen und Gedanken dazu anzustellen, hat mir gut gefallen, die Umsetzung weniger. Daher gibt es von mir nur 3 Sterne, die den kunstgeschichtlichen Kenntnissen des Großvaters zuzuschreiben sind.
Rezensionen von froschman:
Ewiger Jungbrunnen
Bis in alle Endlichkeit von James Kestrel
Im gefährlichsten Viertel von San-Francisco wird eine junge Frau auf dem Dach eines Rolls-Royce tot aufgefunden. Laut Polizei bzw. Gerichtsmedizin handelt es sich dabei um einen Selbstmord. Doch die reiche Mutter Olivia Gravesend der Toten kann das nicht glauben und engagiert den Privatdetektiv Lee Crowe für eigene Ermittlungen.
Crowes Untersuchungen ergeben allerdings bald ein anderes Bild als das der Behörden und aus einer Detektivgeschichte entwickelt sich ein rasanter Thriller, in dem die Reichsten glauben, sich einen Jungbrunnen kaufen zu können, zum Teil mit aller Gewalt.
Kestrell schreibt im Stil eines Jussi Adler Olsen einen spannenden Regionalthriller rund um San Francisco, in dem auch eine Verschwörung eine große Rolle spielt. Auch wenn die Todesursache eine gewisse Originalität aufweist und das Buch einen spannenden Erzählstrang besitzt, kommt es doch nicht an Adler-Olsen heran.
Rezensionen von Pusteblümchen:
Schwere Kost
Suche liebevollen Menschen von Julian Borger
Auch lange nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kommen immer wieder Schicksale ans Tageslicht, die bis heute erschüttern und berühren.
Hier hat Julian Borger die Geschichte seines Vaters Robert, der zu damaligen Zeit zu seiner Rettung per Zeitungsanzeige inseriert wurde, aufgeschrieben. Neben Roberts Erlebnissen hat er die von sieben weiteren Kindern, die auch in Wien lebten und in unterschiedliche Länder verschickt wurden, aufgegriffen.
Das Buch geht unter die Haut.
Wie verzweifelt müssen Eltern sein, damit sie versuchen ihre Kinder über eine Annonce zu retten?
Die Ereignisse sind biografisch, erschütternd und hervorragend recherchiert.
Zusätzlich gibt es Bildern der betroffenen Familien, die alles noch greifbarer machen.
Es fließt aber auch viel Zeitgeschehen und Sachliches mit ein, was leider auch nicht leicht verdaulich ist. Dennoch oder auch gerade deswegen ist es ein wichtiges Buch, das dafür sorgt, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät.
Rezensionen von PMelittaM:
Becky Chambers bleibt eine meiner Lieblingsautorinnen
Ein Psalm für die wild Schweifenden von Becky Chambers
Vor Jahrhunderten wurden die Roboter sich selbst bewusst. Mit den Menschen kamen sie überein, sich die Welt zu teilen und zogen sich in die Wildnis zurück. Ohne Maschinen verzichteten die Menschen auf weitere Industrialisierung und lebten mehr mit der Natur in Einklang.
Geschwister Dex fühlt die Berufung, ein Teemönch zu werden, also zu reisen und Menschen mit Problemen jeglicher Art ein paar ruhige und entspannte Stunden zu gönnen, in dem ser ihnen zuhört und passenden Tee serviert.
Nachdem ser in dieser Berufung erfolgreich ist, spürt ser das Bedürfnis auf mehr, und macht sich auf den Weg, eine ehemalige Einsiedelei zu finden. Unterwegs trifft ser auf den Roboter Helmling, eigentlich Grüngefleckter Helmling, denn Roboter benennen sich nach dem, was sie als erstes wahrnehmen. Helmling wurde ausgesandt, nach den Menschen zu sehen, und ist somit der erste, der wieder auf einen solchen trifft. Die beiden reisen fortan zusammen und erhalten nach und nach tiefe Einblicke in das jeweilige andere Wesen.
In Becky Chambers Wayfarer-Romanen bin ich das erste Mal auf queere Pronomen gestoßen, sehr passend, denn auf anderen Planeten gibt es andere Fortpflanzungsmöglichkeiten. Auch dieser Roman spielt nicht auf unserer Erde, auch wenn die Welt sehr erdähnlich ist, sondern auf einem Mond namens Panga.
Auch sonst sind die Romane der Autorin immer sehr aufgeschlossen für anderes, und tragen eine Botschaft in sich, die mir sehr zusagt, nämlich andere so zu nehmen, wie sie sind. Und so kommen sich auch der Helmling und Dex immer näher, verstehen nach und nach den anderen besser, akzeptieren Unterschiede, wobei es Helmling meist etwas besser gelingt.
Becky Chambers ist nicht umsonst eine meiner Lieblingsautorinnen. Ihre Widmung zu diesem Roman lautet „Für alle, die eine Auszeit gebrauchen könnten“ (Seite 5), und ja, das passt, und zwar nicht nur, weil Dex solche Auszeiten schafft. Ich mochte diesen Roman wieder sehr und freue mich, Dex und Helmling im zweiten Band der Dilogie wiederzutreffen. Absolute Leseempfehlung!
Rezensionen von Hennie :
Abschlussband der Ärztinnen-Reihe
Die Töchter der Ärztin von Helene Sommerfeld
Weiter geht es nun mit den Töchtern der im (Un)Ruhestand lebenden Ärztin Ricarda Thomasius, (die Basis bildet die Trilogie „Die Ärztin“). Sie arbeiten inzwischen selbst erfolgreich als Ärztinnen. Der dritte Band aus der Reihe „Die Töchter der Ärztin" heißt „Zeit des Vertrauens“ und beginnt Silvester 1930 und zeigt Henny Vandenberg bei ihrer engagierten Arbeit als Ärztin in einer kalifornischen Klinik.
Wieder erleben wir die Schwestern getrennt auf zwei Kontinenten. Henny lebt mit ihrem Mann Victor und den beiden Kindern nahe der Traumfabrik Hollywood, wo ihr Mann eine wichtige Größe im Filmgeschäft ist. Antonia Thomasius übernahm inzwischen die Arztpraxis in Berlin und führt sie mit ihrer Freundin Celia Fahrland und ihrem Freund Guntram Harrich.
Der Roman endet im November 1932, wenige Wochen vor der Machtergreifung Adolf Hitlers am 30. Januar 1933.
Dem Autorenduo Helene Sommerfeld gelingt es auch hier Zeit- und Familiengeschichte sowie berühmte Personen der 30er Jahre mit einer unterhaltenden, fesselnden Story zu verbinden. Die Geschehnisse um die Hauptpersonen werden sehr spannend fortgeführt und geschickt verflochten mit real existierenden Leuten, ansprechenden, ausdrucksstarken Nebencharakteren, mit wichtigen Ereignissen und vielen Örtlichkeiten in den verschiedensten Ländern. Der Zeitgeist wird zutreffend und authentisch abgebildet.
Das schreibende Ehepaar hat es wunderbar verstanden, die Schicksale der Menschen miteinander zu verbinden und weitere Beziehungsgeflechte herzustellen. Das alles ereignet sich in der dynamischen gesellschaftlichen Entwicklung der Zeit, die sehr illustrativ geschildert wird mit den Vertretern der weitverzweigten Familien Thomasius und von Freystetten.
Ich liebe historische Romane und wenn wie hier so mitreißend geschrieben wurde wie ein Krimi, dann umso mehr. Der sechsteilige Romanzyklus ist nun zu Ende, leider. Schade, dass es wahrscheinlich keine Fortsetzung mehr geben wird. Der Tod trennte das Autorenehepaar im Sommer 2024. Dieser Band konnte gerade noch fertiggestellt werden.
Zum Schluss noch eine Bemerkung zum ansprechenden Cover und der Ausstattung des Buches. Insgesamt machte alles auf mich einen runden Eindruck. Die Zusammengehörigkeit der Reihe wird rein äußerlich deutlich durch die Farb- und Schriftgestaltung. Ergänzt wird das Ganze im Innenteil noch durch jeweils eine Berlin- und Los Angeles-Karte von 1931, dem Riviera-Express von 1931, dem Stammbaum der Familien Thomasius und von Freystetten sowie durch ein Register der wichtigsten Personen zum besseren Verständnis.
Fazit:
Ich fühlte mich hervorragend unterhalten und verbrachte eine schöne Lesezeit. Deshalb kann ich gern diesen Abschlussband empfehlen und bewerte mit fünf von fünf Sternen!











