Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Pusteblümchen:
Harry Hole ist zurück
Kill Shot (Ein Harry-Hole-Krimi 14) von Jo Nesbø
Für mich gehört Jo Nesbø zu den besten Spannungsautoren Norwegens, und seine Harry-Hole-Krimis sind für mich jedes Mal wieder ein Highlight unter den Krimis. Von daher waren meine Erwartungen hoch, und ich wurde nicht enttäuscht.
Es ist Silvester. Harry lässt seine Gedanken in die Vergangenheit schweifen, sodass auch Neueinsteiger der Serie einen guten Einblick in Harrys Seelenleben bekommen.
Im Anschluss nimmt die Handlung direkt an Fahrt auf. Ein Serienmörder treibt in Oslo sein Unwesen und stellt mit seinen Morden Szenen aus Filmen nach. Harry wird durch Chefermittlerin Katrine Bratt zur Unterstützung herangezogen.
Harry ist auch dieses Mal wieder brillant. Stück für Stück setzen er und sein Team die Spuren, die der Mörder hinterlässt, zu einer Fährte zusammen, der sie folgen können. Das Erzähltempo ist extrem hoch, und es kommt immer wieder zu Wendungen, die nicht vorherzusehen sind. Die Perspektivwechsel sorgen für eine interessante Dynamik und die des Täters für Gänsehaut.
Harry ist älter geworden, hat Narben davongetragen und polarisiert durch seine Vorgehensweise. Aber er ist auch eine Kultfigur, der man es gerne nachsieht, wenn er durch nicht ganz legale Methoden zum Erfolg kommt.
Wem kann Paula trauen?
Purpose. Kannst du deinem Herzen vertrauen? von Antonia Wesseling
Als True-Crime-Podcasterin brennt Paula für ihren Job, auch wenn er innerhalb ihrer Familie regelmäßig für Spannungen sorgt. Die Lage spitzt sich zu, als ein Serienmörder ihre Heimat Juist unsicher macht. Dann kommt der Schock: Die Polizei nimmt ausgerechnet Tristan, Paulas charismatischen One-Night-Stand, fest.
Für sie bricht mehr als eine Welt zusammen, denn er passt nicht in ihr mühsam erstelltes Täterprofil und ihr Herz sagt auch, dass das nicht sein kann.
Antonia Wesseling baut von der ersten Seite an Spannung auf. Zu wissen, wie nah Paula dem Täter und der Gefahr ist, verpasst einem beim Lesen echte Gänsehaut. Paulas innerer Konflikt ist dabei greifbar. Sie ist zerrissen zwischen der emotionalen Anziehung zu Tristan und ihrer berufsbedingten Skepsis.
Dank unvorhersehbarer Wendungen und Überraschungen bleibt die Spannungskurve durchgehend hoch. Für mich ist es eine gelungene Mischung aus Nervenkitzel und Romantik. Das raue Nordseeklima passt hier perfekt und unterstreicht die Atmosphäre des Romans.
Über Musik und Liebe
A Song I Wrote for Charlotte von Caitlin Devlin
Connie und Charlotte sind zwei sehr unterschiedliche Protagonistinnen, die sich genau dadurch perfekt ergänzen. Die ehrgeizige Connie ist sehr verschlossen und muss gerade damit klarkommen, dass sie nicht an der Royal Academy of Music angenommen wurde. Stattdessen ist sie nun in ein Studentenwohnheim gezogen und studiert englische Literatur.
Dort trifft sie auf Charlotte, die Musikproduktion studiert. Charlotte ist warmherzig und versprüht Energie und Leben pur.
Ich habe es geliebt, wie sich die beiden Protagonistinnen langsam kennenlernen und sich zwischen ihnen eine Dynamik entwickelt, der man einfach gerne nachspürt. Die Emotionen wirken authentisch, die Charaktere nahbar und es kommt immer wieder ein Humor durch, der mir großen Spaß gemacht hat und hier einfach perfekt passt.
Mir gefiel es, welche zentrale Rolle hier die Musik spielt. Durch sie sind Connie und Charlotte verbunden, sie wird zum Ausdruck für alles, was sich nicht in Worte fassen lässt.
Das Buch verbreitet aber nicht nur gute Laune, es hat auch traurige Momente und regt zum Nachdenken an. Ich würde sagen, es ist aus dem Leben gegriffen und genau das hat mir gefallen.
Absturz eines Hedgefonds-Analysten
Dirty Money von Amran Gowani
Der Hedgefonds-Analyst Ali Jafar hat innerhalb von vier Stunden dreihundert Millionen Dollar versiebt. Er rechnet damit, umgehend gefeuert zu werden. Aber stattdessen gibt sein Chef ihm etwas mehr als drei Monate Zeit, um diese wiederzubeschaffen. Es ist ein absoluter Irrsinn, aber Ali hat keine Wahl.
Schnell gerät er dadurch in ein tödliches Machtspiel aus Erpressung, Intrigen und Insiderhandel. Mir blieb beim Lesen regelrecht die Luft weg.
Amran Gowani gewährt damit einen beunruhigenden Einblick hinter die glamouröse Fassade der Wall Street. Hier zählt nichts außer Geld und dessen Vermehrung. Einen Fehltritt kann sich hier neimand leisten, dem sein Leben lieb ist. Verlieren ist keine Option, für Ali erst recht nicht und damit steckt er schneller und tiefer in einem äußerst bedrohlichen Umfeld, aus dem es kein Entkommen gibt.
Es ist ein wirklich rasanter und spannender Finanzthriller, der mit jeder Seite mehr an Fahrt gewinnt. Obwohl ich mich bisher nur wenig mit der Börse, Aktien und Finanzhandel beschäftigt habe, war es für mich ein richtiges Lesehighlight.
Ein Familiendrama, das unter die Haut geht!
Aprikosenkind von Judith Merchant
Nathalie und ihr Mann Gabriel leben mit ihrer fünfjährigen Tochter Ruby das perfekte Bilderbuchleben auf dem Land. Als Ruby beginnt, sich im Kindergarten auffällig zu verhalten und der Kindergarten die Eltern darauf anspricht, beginnt das makellose Familienleben ins Wanken zu geraten.
Das daraus resultierende Familiendrama habe ich nicht kommen sehen und es ist mir direkt unter die Haut gegangen.
Judith Merchant versteht es, eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, von der ich zunächst keine Ahnung hatte, worauf die Handlung hinauslaufen könnte. Die Charaktere bleiben lange rätselhaft und die unterschwellige Spannung hat bei mir für Gänsehaut gesorgt.
Ich lese gerne Thriller und mag es, wenn die Spannung durch psychologische und manipulative Vorgehensweisen hervorgerufen wird, es toxische Beziehungen und düstere Familiengeheimnisse gibt.
„Aprikosenkind“ ist kein lauter oder blutiger Thriller, sondern einer der leisen Töne und durch psychologische Tiefe fesselt.
Einblicke in die Filmbranche und Social Media
Hollywood, Ending von John Green
Im Mittelpunkt der Ereignisse stehen Kai und Juniper. Zwei Jungschauspieler, die gerade die erste große Rolle ihres Lebens erhalten und in einem Hollywood-Film über Andy Warhol mitspielen dürfen.
Der Film wird zum Erfolg. Aber nicht nur das, zwischen Kai und Juniper entwickelt sich eine wunderschöne Vertrautheit und sie verlieben sich.
Jackpot, könnte man meinen, aber wie lebt es sich, wenn einem das eigene Leben plötzlich nicht mehr alleine gehört, sondern die Öffentlichkeit daran teil hat?
Ich habe bisher alle Bücher von John Green gelesen und auch wenn dieses sein erster Erwachsenenroman ist, sein Schreibstil ist unverkennbar. Er beschreibt seine Charaktere authentisch und einfühlsam. Er lässt seine Leser direkt in die Seele seiner Charaktere blicken und ich denke, dass sich jeder an irgendeiner Stelle in ihnen wiederfinden kann.
Aus unserer schnelllebigen Welt lassen sich die sozialen Medien und die Presse nicht mehr wegdenken. Der Autor ist kritisch und macht deutlich, wie belastend und rücksichtslos diese sein können.
Neben Gesellschaftskritik kommt auch hier wieder der Humor nicht zu kurz. Durch diese Kombination wird das Buch zu guter Unterhaltung, die nachdenklich macht.
Es ist ein gewohnt tiefgründiger, humorvoller und herzergreifender Roman des Autors, der den perfekten und kritischen Blick hinter die Kulissen von Hollywood und Social Media wirft.
Zwischen Erinnerungen, Neuanfängen und Träumen
Die Regenschwimmerin von Romy Fölck
Die drei Frauen Judith, Evi und Marga treffen auf einer kleinen Insel in den Stockholmer Schären aufeinander.
Judith hat es aus Hamburg dorthin zurückgezogen, da ihr Mann sie nach zwanzig Jahren Ehe verlassen hat und sie einfach etwas Abstand und Ruhe braucht.
Sie und Evi waren als Teenager gut befreundet, bis ihre Freundschaft ein jähes Ende fand.
Nun kämpft Evi gegen eine Krankheit, die ihre Existenz als Künstlerin bedroht.
Marga ist deutlich älter als die beiden und hat bereits vor dreißig Jahren ihren Mann und ihre Tochter bei einem Fährunglück verloren. Um irgendwie mit dem Leben wieder klar zu kommen, hat sie begonnen zu schwimmen und das bei jedem Wetter.
Das Buch lebt von der Dynamik zwischen den Protagonistinnen. Jede von ihnen ist auf ihre eigene Art und Weise verletzt und steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Dabei ist Marga diejenige, die Judith und Evi vorlebt, dass aufgeben keine Option ist.
Ich kannte bisher nur die Spannungsromane von Romy Fölck und war überrascht, wie anders dieses Buch ist. Es ist ruhig und atmosphärisch. Die Fäden zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart werden flüssig und ohne unnötiges Drama miteinander verwoben. Dabei fängt die Autorin die Kulisse der schwedischen Natur ein und malt Bilder vor das innere Auge ihrer LeserInnen.
Es ist ein emotionaler Roman, mit dem mich die Autorin davon überzeugt hat, dass sie wesentlich mehr kann als Kriminalromane schreiben.
Sehr unterhaltsam aber auch ausgesprochen böse
Das habe ich wegen dir getan von John Lanchester
Kate und Jack sind ein eingespieltes Ehepaar, das ein angenehmes Leben in London führt.
Nach Jacks Tod stößt Kate auf eine erfolgreiche Netflix-Serie und muss zu ihrem Entsetzen feststellen, dass diese Serie ihr Eheleben spiegelt. Klar ist, dass sich hier jemand an Kate rächen will.
Aber wer und warum?
Viel mehr möchte ich über den Plot selbst gar nicht verraten, das muss man einfach selbst lesen.
Die Anzahl der Charaktere ist zu Beginn recht hoch und ich habe ein wenig gebraucht, um in die Geschichte hineinzukommen. Leider war mir niemand so richtig sympathisch. Das muss auch nicht unbedingt sein, aber es fällt mir dadurch schwerer mitzufiebern.
Kates und Jacks Umgang fand ich durchaus unterhaltsam, auch die Dialoge mit ihren Freunden und Bekannten haben mich zum Schmunzeln gebracht, da sie sehr humorvoll mit einer guten Portion Boshaftigkeit geschrieben sind. Vieles ist, wenn auch stark übertrieben, direkt aus dem Leben gegriffen – das mag ich.
Das Buch bietet tolle Unterhaltung, ist aber auch ein wenig vorhersehbar. Was ich ein wenig schade fand, war, dass es am Ende aus meiner Sicht nur Verlierer gab und ich trotz amüsanter Momente kein positives Gefühl mitnehmen konnte.
Über wahre Freundschaft
Die Ballade von Ronan McCoy von Colin Morgan
Ronan und Brendon sind seit dem ersten Tag an der weiterführenden Schule miteinander befreundet. Brendon ist ein unscheinbarer Einzelgänger, der niemanden außer Ronan hat. Ronan weiß alles über ihn, beschützt ihn und ist immer da, wenn sein Freund ihn braucht. Bis zu dem Tag, als Brendon vor der Schule vergeblich auf ihn wartet.
Niemand erzählt Brendon, was passiert ist. Schließlich erfährt er, dass Ronan einen Unfall hatte und nun schwerst behindert ist. Für Brendon ist das der Punkt, an dem ihm klar wird, dass er nun für Ronan da sein muss, so wie dieser zuvor für ihn da gewesen ist.
Die Story ist herzerwärmend und herzzerreißend zugleich.
Durch Brendon wird deutlich, was hinter dem Begriff Freundschaft steckt. Er gibt nicht auf, steht zu Ronan und tut alles in seiner Macht stehende, um ihm weiterhin am Leben teilhaben zu lassen. Dabei wirkt er geerdeter als die Erwachsenen um ihn herum, die überhaupt nicht sehen, welche Veränderungen Ronans Unfall für Brendon bedeutet. Zwischen den beiden entsteht eine innere Verbundenheit, wie sie sich kaum in Worte fassen lässt.
Colin Morgan ist dies dennoch gelungen und ich bin zutiefst beeindruckt von dieser eindringlichen Geschichte.
Unerwartet intensiv
Suki von Salih Jamal
Im Mittelpunkt der Ereignisse steht Suki, eine Sechzehnjährige, die bereits mehrfach eine Klasse wiederholt hat und in ihrer Klasse nur wenig Kontakt zu ihren Mitschüler*innen hat.
Durch ihre deutsch-japanischen Wurzeln weiß sie, was Rassismus bedeutet und auch ihre familiäre Situation macht ihr das Leben schwer.
Ihr Vater ist nach Japan zurückgegangen, ihre Mutter lebt mit ihrer neuen Familie zusammen und Suki wohnt bei ihrer Großmutter. In Suki hat sich einiges zusammengebraut. Sie ist wütend, fühlt sich verlassen und allein.
Nach einem Unfall, der durch ihre Lehrerin Frau Fischer verursacht wurde, kommen sich die beiden näher. Auch Frau Fischer trägt eine tiefe Traurigkeit in sich.
Obwohl die Perspektive zwischen den beiden Protagonistinnen wechselt, bleibt die Lehrerin im Vergleich zu Suki eher blass. Dennoch ist es schön zu verfolgen, wie sich das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden langsam aufbaut.
Das Buch ist kein unterhaltsamer Roman, den man liest und wieder vergisst, sondern einer, der auf Einsamkeit, Verluste und Enttäuschungen und die damit verbundenen Auswirkungen auf Menschen aufmerksam macht. Das zeigt, dass kleine Gesten oder die passenden Worte ganz viel Menschlichkeit vermitteln können und einfach nur gut tun.











