Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Pusteblümchen:
Ein spannendes Buch voller Wendungen
Was sie nicht weiß von Shari Lapena
Da ich bisher alle Bücher von Shari Lapena geliebt habe, waren meine Erwartungen hoch und tatsächlich hat es die Autorin wieder einmal geschafft, mich von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln.
Bryden und Sam Frost leben mit ihrer dreijährigen Tochter Clara in New York.
Zunächst wird der ganz normale Alltag einer Familie geschildert.
Clara ist im Kindergarten, Bryden möchte sie mit dem Auto abholen, ist kurz abgelenkt und es kommt zu einem Unfall. Bis hierhin ahnt man noch nichts Böses. Aber was dann kommt, wie sich die Ereignisse entwickeln und wie immer wieder neue Wendungen entstehen, das hat dafür gesorgt, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Bryden verschwindet und wird tot aufgefunden.
Die Polizei beginnt direkt zu ermitteln. Jeder in ihrem Umfeld ist verdächtig: ihr Ehemann, ihre Familie, ihre Freunde und Nachbarn.
Es entstehen immer wieder neue Verdachtsmomente und ich musste meine Vermutungen ständig revidieren. Dieses Herumrätseln hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.
Das Ende war überraschend und kam für meinen Geschmack ein wenig plötzlich, hier hätte die Autorin gerne etwas langsamer vorgehen können.
Ein rundum gelungener, nervenaufreibender Thriller mit Suchtfaktor, den ich trotz kleinerer Schwächen am Ende Genre-Fans empfehlen kann.
Zwischen Nähe und Rivalität
Maja & Natascha von Elyse Durham
Die Geschichte beginnt im Jahr 1941 in Leningrad mit der Geburt der Zwillingsschwestern Maja und Natascha. Ihre 19-jährige Mutter Elisaweta ist Tänzerin im Kirow-Ballett und nach dem Verlust ihrer Eltern und in der bedrohlichen politischen Lage überfordert. Sie nimmt sich das Leben. So werden die Zwillinge im Kirow-Ballett groß, das für sie zur Ersatzfamilie und Heimat wird.
Nach einem Zeitsprung erleben wir Maja und Natascha als 17-Jährige. Beide teilen den gleichen Traum: Sie wollen tanzen und die Welt sehen. Doch die Realität des Balletts ist unerbittlich, und dieser Traum wird nur für eine von ihnen in Erfüllung gehen.
Maja und Natascha sind emotional tief und eng miteinander verbunden. Dennoch entsteht zwischen ihnen eine tragische Rivalität.
Ich liebe die Welt des Balletts und diese wird so lebendig und bildhaft dargestellt, dass man die Atmosphäre beim Lesen förmlich greifen kann. Man spürt den Schweiß, die Disziplin und die Leidenschaft auf jeder Seite.
Die düsteren, historischen Hintergründe werden nicht einfach nur erzählt, sondern sind gelungen in die Handlung eingewoben. Dadurch wirkt alles authentisch, stimmig und emotional tiefgründig.
Es ist bewegender, atmosphärischer Roman in dem es um Träume, Konkurrenz, Freiheit, Familie, Freunde und Loyalität geht und in dem die Kontraste zwischen familiärer Nähe, Konkurrenzkampf und historischer Kulisse gut eingefangen werden.
Intensive Erinnerungen
Löwe von Sonya Walger
Die Autorin ist niemand anders als Penny Widmore aus der Serie „Lost“. Diese Rolle hat aber nichts mit ihrem Buch zu tun. Hier berichtet sie rückblickend über ihren Vater.
Inzwischen ist sie selbst Mutter und ihr Vater gestorben. In ihren Erinnerungen schildert sie die Ereignisse so, wie sie diese als Kind wahrgenommen hat.
Ihr Vater war für sie wie, schon der Titel des Buches sagt, ein Löwe: stark, kämpferisch, unberechenbar, voller Energie und Kraft.
Dieser Blick eines Kindes auf seinen Vater ist nicht ungewöhnlich, aber ihr Vater ist ungewöhnlich.
Er führt kein geregeltes Leben, kommt mit dem Gesetz in Konflikt, die Familie wechselt mehrfach ihren Wohnort und das über die Kontinente hinweg.
Die Kapitel sind kurz und zeitlich nicht chronologisch angeordnet. Die zeitliche Einordnung erfolgt durch die Altersangabe der Autorin. Es bestehen auch keine direkten Zusammenhänge zwischen den Kapiteln. Es sind lauter kurze Schnappschüsse, aus denen erst im Nachhinein ein rundes Bild eines turbulenten Lebens entsteht.
In ihrem Buch beschreibt die Autorin einen sehr komplexen Menschen, an dessen Seite das Leben sicherlich nicht einfach war. Es sind intensive und emotionale Einblicke in eine ganz besondere Vater-Tochter-Beziehung und es ist ein facettenreiches Porträt eines unberechenbaren Vaters.
Voller Spannung und Wendungen
Weil sie lügt von Caroline Seibt
Juli ist verschwunden und die Polizei geht von einem Mordfall aus. Verdächtigt wird der Vater. Anna glaubt nicht an seine Schuld und versucht alles, um den wahren Täter zu finden. Gleichzeitig muss sie sich aber auch noch um ihren kleinen Bruder Leon kümmern, da ihr Vater im Gefängnis sitzt und ihre Mutter psychisch krank ist.
Anna ist eine unglaublich starke Persönlichkeit, die in ihrer Verzweiflung sehr viel Mut und Energie aufbringt. Auch die Polizei ermittelt. Während der Ermittler Max Faber überzeugt von der Schuld des Vaters ist, glaubt seine Kollegin Katharina Engels nicht an seine Schuld.
Die Ereignisse werden im Wechsel aus Katharinas Sicht und der von Anna geschildert. Dabei wird eine enorme Spannung aufgebaut. Fast jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, wodurch ein unglaublicher Sog beim Lesen entsteht.
Ich habe durchgehend mitgefiebert und gerätselt, was mit Juli passiert sein könnte, bin aber zu keiner schlüssigen Erklärung gekommen. Es gab immer wieder Wendungen, die für mich absolut nicht vorhersehbar waren. Das Ende hat dann dafür gesorgt, dass mein Mund endgültig offen stehen blieb.
Einfach fantastisch, ich habe wirklich schon viele Krimis und Thriller gelesen, aber dieser war ein ganz besonderes Highlight.
Unterschiedliche Sichtweisen einer gemeinsamen Vergangenheit
Geschwister von Moa Herngren
Bereits der Prolog macht deutlich, dass das Verhältnis der drei erwachsenen Geschwister Ulrika, Andrea und Rasmus zerbrochen ist.
Im Anschluss geht es weiter zurück in die Vergangenheit und man erfährt wie es so weit kommen konnte.
Nach dem Tod des Vaters steht erstmalig der Geburtstag der Mutter an und die Geschwister treffen im Elternhaus aufeinander, um gemeinsam zu feiern.
Bei diesem Treffen kommt einiges an die Oberfläche, was über Jahre hinweg versteckt gebrodelt hat.
Andrea fühlt sich ausgeschlossen, da zwischen ihrer Schwester Ulrika und der Mutter eine enge Bindung besteht, an der sie nicht teilhat. Für Ulrika war sie stets das Lieblingskind des Vaters. Rasmus ist es nie gelungen aus dem Schatten seiner Schwestern herauszutreten.
Durch das Treffen kommen alte Erinnerungen hoch. Jeder hat eine andere Sicht auf die Vergangenheit. Als Leser erfährt man diese aus der Sicht der einzelnen Geschwister und unglaublicherweise fand ich jede Sichtweise glaubhaft. Die Autorin versteht es darzulegen, dass es nicht die eine Wahrheit gibt, sondern dass die Wahrheit durch das eigene Erleben, unterschiedliche Empfinden ein wenig anders aussieht. Alles ist so realistisch und lebensnah geschrieben, dass die Situationen auf die ein oder andere Weise in das Leben eines jeden passen.
Erinnerungen verändern sich, so wie die Wahrnehmung je nach Perspektive vollkommen unterschiedlich ist.
Das Buch ist erschütternd, die familiären Konflikte sind schwierig und ohne Hilfe von außen kaum zu lösen. Ob es immer so enden muss wie hier? Nein, ich denke nicht. Dennoch fand ich diese eindrückliche Schilderung interessant zu lesen.
Ein Sommer zwischen Trauer, Familie und Drama
Sommerhaus von Rachel Joyce
Der 76-jährige Vic Kemp ist ein großartiger Künstler. Dessen ist er sich auch sehr bewusst, von seiner eigenen Genialität ist er völlig überzeugt und an Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. Seine vier Kinder Netta 40, Susan 39, Goose 36 und Iris 33 Jahre verehren ihn, was vielleicht auch ein wenig dem frühen Tod ihrer Mutter zuzuschreiben ist.
Nun eröffnet Vic ihnen, dass er wieder heiraten will und zwar die 27-jährige Bella-Mae. Seine Kinder sind entsetzt.
Vic zieht mit Bella-Mae in die Familienvilla am norditalienischen See Lago d’Orta. Dort wird er kurz nach der Hochzeit tot aus dem See geborgen. Seine Kinder reisen hin, um zu erfahren, was passiert ist bzw. um Bella-Mae als Erbschleicherin oder sogar Mörderin zu überführen.
Der Originaltitel zu diesem Buch lautet „The Homemade God“ und ich finde es wirklich schade, dass dieser nicht beibehalten wurde, da er absolut treffend ist.
Die Villa am See nimmt viel Raum ein. Die Hitze des Sommers wird dort regelrecht spürbar. Das Buch ist eine Familiengeschichte und zugleich spannend wie ein Kriminalfall. Die Dynamik der Beziehung zwischen den Geschwistern verändert sich, durch den Tod des Vaters gestaltet sich ihre Rolle im Familiengefüge neu. Sie beginnen, die Vergangenheit und das idealisierte Bild ihres Vaters zu hinterfragen. Es werden Risse freigelegt, von denen zunächst nichts zu ahnen war.
Während mir keiner der Charaktere so richtig sympathisch geworden ist, habe ich das Setting, das Haus am See und die sommerliche Hitze geliebt. Da kam ich schon beim Lesen ins Schwitzen.
Trotz der unsympathischen Charaktere war es für mich ein absolut fesselndes Sommerdrama, das mich vor allem durch sein Setting und die spürbare Hitze begeistert hat.
Mehr Schein als Sein
Seven Rules For A Perfect Marriage von Rebecca Reid
Das Buch passt perfekt in unsere Zeit, da es um zwei erfolgreiche Influencer geht.
Jessica und Jack haben sieben Regeln für die perfekte Ehe erarbeitet. Nach ihrem Erfolg auf Instagram steht nun die Veröffentlichung ihres Buches an.
Leider ist ihre eigene Ehe nicht ganz so perfekt. Nun wollen sie diese durch ihre Regeln kitten.
Was nach außen so perfekt klingt, ist es leider nicht, aber es wäre auch zu einfach, wenn sich eine Beziehung durch sieben Regeln in ein schönes Förmchen pressen ließe.
Das echte Leben ist einfach viel komplexer als der Schein, den es nach außen zu wahren gilt.
Der durch Social Media entstehende Druck lässt sich nicht durch eine Regel beseitigen, da es so viel mehr ist, was auf die beiden einströmt. Obwohl Jessica und Jack das gleiche Ziel haben und sie sich über die Regeln einig sind, gibt es mehr als einen Weg, um an das Ziel zu kommen. Ohne Gespräche und Kompromisse geht es einfach nicht.
Die Idee hinter dem Buch gefällt mir sehr, es regt zum Nachdenken an und trifft den Nerv unserer Gesellschaft.
Provokant und verrückt
Just Watch Me von Lior Torenberg
Das Buch passt perfekt in unsere Zeit. Im Internet finden immer extremere Challenges statt und was die Protagonistin Dell hier macht, ist wirklich skurril. Dabei geht es ihr zunächst nicht um Ruhm, sondern um Geld. Das klingt erst einmal ziemlich unrühmlich, ist es aber nicht. Sie braucht das Geld, um die lebenserhaltenden Maßnahmen für ihre Schwester Daisy bezahlen zu können.
Daisy liegt im Krankenhaus im Koma und die Maschinen sollen abgestellt werden.
In einem siebentägigen Livestream isst sie scharfe Speisen und geht dabei immer mehr an ihre körperlichen Grenzen. Ich wusste nicht, ob ich über ihr Handeln geschockt sein sollte, da ihre Beweggründe absolut nachvollziehbar und zutiefst menschlich sind. Dadurch hat sie mich sehr berührt. Gleichzeitig war ich entsetzt über ihre Follower, die ihre gefährlichen Aktionen durch ihr Zuschauen erst finanzieren und Dell dadurch immer weiter anstacheln.
Hier werden die Schattenseiten des digitalen Voyeurismus in der Social-Media-Welt ungeschönt entlarvt.
Caro bricht aus
Au revoir und tschüss von Gudrun Lochte
Caro ist unzufrieden. Sie empfindet ihr Leben als Ehefrau, Mutter und Angestellte langweilig und anstrengend. Immer ist es ihr Mann, der das letzte Wort hat. Bei einem seiner von ihr ungeliebten Essen mit Gästen fasst sie einen Entschluss: Sie will nach Frankreich, einen Sprachkurs besuchen und lässt sich auch von ihrem Mann, der davon wenig angetan ist, nicht aufhalten.
Caro ist eine Protagonistin, mit der ich mich direkt identifizieren konnte. Auch ich liebe Frankreich und habe manchmal von meinem Alltag einfach genug. Allerdings fehlt mir bisher ihr Mut, allein zu reisen und einen Sprachkurs zu besuchen.
Aber dieser Roman macht Mut sich auszuprobieren und Neues zu wagen. Caro lernt in ihrem Sprachkurs nette Menschen kennen, entdeckt Seiten von Frankreich, die Lust auf eine Reise und Veränderungen machen.
Mich hat das Buch nachdenklich gemacht. Gleichzeitig bietet es schöne Unterhaltung und ich habe die Lesestunden sehr genossen.
Eine Familiengeschichte mit Tiefe
Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe
Ich lese sehr gerne Familiengeschichten, jede hat etwas Besonderes und gibt Einblicke in familiäre Bereiche, die ansonsten im Verborgenen bleiben.
In diesem Roman geht es um Margarethe, Marianne, Monika und Miriam. Die Protagonistinnen stammen aus vier Generationen.
1912 ließ die Urgroßmutter der Autorin einen Kirschholzschrank anfertigen.
Dieser machte jeden Umzug mit und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Obwohl Miriam ihn zunächst nicht bei sich haben wollte, entschied sie sich dann doch anders. Zum Glück, denn dieser hatte für jede der Frauen eine andere Bedeutung und die Autorin entschied sich dafür in ihm die Tagebücher ihrer Urgroßmutter, Großmutter und Mutter aufzubewahren, die ihr als Grundlage für diesen Roman dienten.
Die Frauen ihrer Familie haben zwei Weltkriege erlebt und sie selbst wurde als schwarzes Kind in eine weiße Familie hineingeboren. Zur damaligen Zeit war das keine einfache Situation. Überhaupt hatten die Frauen kein leichtes Leben und es wird deutlich wie sehr es sie direkt und indirekt geprägt hat. Dadurch entsteht auch eine Menge Konfliktmaterial.
Die Autorin thematisiert so ziemlich alles, was in das damalige Zeitgeschehen passt, egal ob politisch, gesellschaftlich oder kulturell. Dadurch wird der Roman sehr vielschichtig, fordert aber auch beim Lesen. Wer anspruchsvolle Familiensagas mag, könnte an dem Buch gefallen finden.











