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Rezensionen von Pusteblümchen:

Das Leben einer ungarischen Adelsfamilie

Lázár von Nelio Biedermann

Das Buch beginnt mit der Geburt von Lajos Lázár. Seine Familie lebt im Waldschloss im südlichen Ungarn.

Schon mit den ersten Seiten bin ich an den Beginn des 20. Jahrhunderts gereist. Der Autor beschreibt alles sehr detailliert, das Leben der Familie Lázár, ihr Schloss und die Atmosphäre dort.

Alles wirkt ein wenig steif, passt aber auch gleichzeitig gut ins Zeitgeschehen und die Familienhierarchie.

In diesem Roman hat Nelio Biedermann seine Familiengeschichte und das historische Zeitgeschehen miteinander verwoben. Der Leser begleitet die Familie durch drei Generationen, lernt ihre Traditionen kennen und erlebt wie ihr Leben durch äußere historischen Ereignisse verändert wird. Gleichzeitig gibt es Einblicke in das innerste der Charaktere und ich bin im Nachhinein beeindruckt wie das alles auf so wenige Seiten gepasst hat.

Es ist ein beeindruckendes und intensives Leseerlebnis, das durch Krieg, politische Veränderungen, staatliche Macht seine Leser fordert, aber durch seinen angenehmen Schreibstil auch gut unterhält.

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Der zweite Fall Fall für Svea und Jon

Schwüre, die wir brechen von Roman Voosen; Kerstin Signe Danielsson

In Malmö gibt es einen äußerst bizarren Leichenfund. Die Leiche hat einen Krokodilskopf und bei ihr findet sich eine verschlüsselte Nachricht. Damit haben Kommissar Jon Nordh und seine Kollegin Svea Karhuu ihren zweiten Fall. Es bleibt nicht bei einer Leiche und die Protagonisten und das Ermittlerteam haben jede Menge zu tun.

Es gibt nicht nur den Erzählstrang in der Gegenwart, sondern auch Rückblicke in die Vergangenheit. Die Zusammenhänge waren mir zunächst vollkommen unklar, aber jeder Handlungsstrang für sich ist spannend und interessant. Ebenso interessant gestalten sich die Ermittlungsarbeiten.

Die Protagonisten Svea und Jon sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und absolut keine Mainstreamcharaktere. Sie und das Team arbeiten Hand in Hand, so dass es Spaß macht den Ermittlungsarbeiten zu folgen.

Der Fall ist gut gelöst, es bleiben lediglich Fragen im privaten Bereich der Protagonisten offen.

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Musik ein Lebensgefühl

Deep Cuts von Holly Brickley

In diesem Roman geht es um Musik, um die Musik der 1990er und 2000er Jahre, eine Zeit, in der ich selbst permanent Musik gehört habe.
Die Protagonistin Percy spielt weder ein Instrument noch singt sie, aber sie liebt Musik, beschäftigt sich mit ihr, indem sie die Texte und Akkorde zerlegt und durchleuchtet.

Joe schreibt Songs und möchte dazu ein Feedback von Percy, da er schnell merkt, welches Talent in ihr steckt. Ihr Blick auf die Musik, die Bedeutungen und Emotionen, die dahinter stecken in Worte zu fassen, ist beeindruckend. Die Beziehung zwischen Percy und Joe ist von Anfang an kompliziert und basiert auf ihrer gemeinsamen Leidenschaft für die Musik. Neben Percy und Joe lernen wir u.a. noch Zoe, Joes Freundin, kennen, die immer mit dabei ist.
Die Gespräche über die einzelnen Songs sind interessant, teilweise auch ausgesprochen witzig. So habe ich mir bekannte Musik von einer anderen Seite kennengelernt. Percys Begeisterung für Musik wird richtig spürbar und ist ansteckend. Schon während des Lesens habe ich permanent Musik gehört und nehme sie auch nun noch mit anderen Ohren war als zuvor.

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Ostberliner Kindheit

Adlergestell von Laura Laabs

Die Ich-Erzählerin wird 1990 gemeinsam mit Lenka und Chaline in Berlin eingeschult. Es ist die Zeit des Umbruchs, alles verändert sich. Dabei ist der Blick der jungen Protagonistin auf die Ereignisse ausgesprochen interessant. Diese rückblickende Sicht aus Kinderaugen ist ungewöhnlich, wird hier aber gut umgesetzt.

Durch weitere Perspektiven ergibt sich ein rundes Bild der damaligen Zeit, der Stimmung unter den Menschen und der Atmosphäre im Land.
Die Zeitebenen wechseln, die Charaktere haben sich in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt. Ich habe diese Entwicklung gerne verfolgt.
Obwohl die Handlung eher ruhig ist, bleibt es spannend das Aufwachsen in der Nachwendezeit und wie diese das Leben der Menschen geprägt hat, mitzuerleben.

Da ich diese Zeit miterlebt habe und diese parallel zu meiner Kindheit und dem Erwachsenwerden lag, kam es mir vor als ob ich ein Stück Geschichte, einen Teil meines Lebens erneut erlebe.

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Unfassbare Schicksale

Der Sommer am Ende der Welt von Eva Völler

Ich lese sehr gerne historische Romane, bin aber immer wieder erschüttert über das, was in der Vergangenheit passiert ist. In diesem Buch geht es um ein Stück Zeitgeschichte, über das ich bisher nur wenig wusste, das zeitlich nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt ist und das sich mit dem Schicksal der Verschickungskinder befasst.

Die Mutter der Journalistin Hanna ist 1963 zu einer Kinderkur nach Borkum geschickt worden und hat dort Schreckliches erlebt. Hanna möchte mehr darüber erfahren und begibt sich zum Nachforschen nach Borkum. Dort hilft ihr der Inselarzt Ole in den sich Hanna prompt verliebt und dessen Familie eine dunkle Vergangenheit hat.
Das Schicksal der Kinder, die damals zur Kur nach Borkum kamen, ist einfach schrecklich. Ich musste beim Lesen mehrfach pausieren, da mich die Ereignisse so mitgenommen haben. Durch die Liebesgeschichte in der Gegenwart werden die heftigen Ereignisse der Vergangenheit dankenswerterweise ein wenig abgemildert.

Das Buch hat mich wirklich mitgenommen und war alles andere als leichte Kost. Dennoch finde ich es wichtig, dass es gelesen wird, damit diese Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten.

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Schmerzhaft und voller Poesie

Öffnet sich der Himmel von Seán Hewitt

James ist sechzehn, lebt auf dem Land und möchte das ewig gleiche Dorfleben nur noch hinter sich lassen. Er fühlt sich fremd, ist unsicher und wird von seinen Mitschülern ausgegrenzt. Als der siebzehnjährige Luke in sein Leben tritt, wächst in ihm eine unglaubliche nie dagewesene Sehnsucht.

Die Ereignisse werden aus der Ich-Perspektive von James erzählt.

Dadurch wird seine Verletzlichkeit, sein Gefühl der Verlorenheit so greifbar, dass es beim Lesen schmerzt. Die Beziehung zwischen ihm und Luke steckt voller Spannungen. Eine unerfüllte Liebe, ein schwierige Freundschaft, Annäherung, die immer durch Distanz gekennzeichnet ist, da die beiden einfach zu unterschiedlich sind.

Ich war tief beeindruckt von der poetischen Sprache, der empathischen Erzählung, die mich berührt und ganz für sich gefangen genommen hat.

Das ist für mich der beste Coming-of-Age-Roman gewesen, den ich bisher gelesen habe und das sowohl inhaltlich als auch literarisch.

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Auf der Flucht!

Deckname: Bird von Louise Doughty

Die gesamte Handlung dreht sich um Heather Berriman genannt Bird. Sie arbeitet für eine Abteilung des britischen Geheimdienstes. Völlig unerwartet gerät sie während einer Besprechung in die Rolle der Verdächtigen. Dank ihrer jahrelangen beruflichen Erfahrung weiß sie, was das bedeutet. Sie muss weg, jetzt und sofort.

Ihre Flucht liest sich wie eine Reise durch unterschiedliche Länder. Dabei muss sie immer wieder neue Rollen einnehmen.
Es ist ein spannender Thriller, der weniger von Action, sondern mehr von seiner atmosphärischen, stets leicht beklemmenden Stimmung lebt und der mit Tiefgang brillant geschrieben ist.
Der Schreibstil ist ruhig und beobachtend, aber stets voller Spannung, eine Kombination, die mich beeindruckt hat. So war ich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt.
Für mich war es das erste Buch von Louise Doughty, aber nun bin ich durchaus gespannt auf weitere Werke von ihr.

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Elefanten, überall Elefanten

Das Geschenk von Gaea Schoeters

Als plötzlich überall in Berlin Elefanten auftauchen ist das Chaos perfekt. Sie sind ein Geschenk des Präsidenten von Botswana an Deutschland, da die deutsche Regierung ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen erlassen hat. Durch Bundeskanzler Winkler wird eiligst eine Krisenstab einberufen. Deutschland steht vor einer enormen Herausforderung.

Das Buch hat gerade mal etwas über 140 Seiten, ist aber gehaltvoller als so manch dicker Wälzer.
Wie schon in ihrem Buch „Die Trophäe“ gelingt es Gaea Schoeters eine ungewohnte Perspektive einzunehmen, um ihren Lesern die Augen zu öffnen.

Natürlich ist der Schutz der Tiere wichtig, aber nicht durch ein einfaches Importverbot von Jagdtrophäen zu erreichen. Die Autorin macht hier auf die weitreichenden Folgen aufmerksam.
Es werden viele aktuelle politische und gesellschaftlich relevante Themen angesprochen wie Globalisierung, ökologische Stabilität, Natur- und Klimaschutz. Obwohl alles einen ernsthaften und wichtigen Hintergrund hat, gelingt es der Autorin dank der skurrilen Situation und ihres satirischen Untertons, mich immer wieder zum Lachen zu bringen.
Für mich ist es ein unbequemes aber gleichzeitig auch unfassbar gutes Buch.

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Verlust und Heilung

Das Geschenk des Meeres von Julia R. Kelly

Der Fischer Joseph rettet nach einen Sturm einen Jungen, der am Strand angespült wird. Er bringt ihn zum Pfarrhaus. Dort kann der Junge nicht bleiben und so kommt es, dass Dorothy, die vor zwanzig Jahren in einer Sturmnacht ihren Jungen an das Meer verloren hat, diesen zu sich nimmt. Kurioserweise sieht das fremde Kind aus wie ihr Sohn.

Das bleibt auch im Dorf nicht unbemerkt und führt dazu, dass die Vergangenheit wieder lebendig wird.
Die Geschichte handelt auf zwei Zeitebenen „Damals“ und „Jetzt“ und auch die Perspektive wechselt immer wieder. Dadurch ergibt sich ein umfassendes Bild der Dorfbewohner, der eingeschworenen Gemeinschaft, in der geklatscht und getratscht wird.

Es geht um verpasste Chancen, Trauer, Verlust und Neubeginn. Durch den angespülten Jungen werden in Dorothy Erinnerungen wach und sie beginnt damit, das was sie über Jahrzehnte verdrängt hat, zu verarbeiten. Aber es geht nicht nur um Dorothy, sondern um das Leben eines ganzen Dorfes, in dem es Dorothy als Fremde nicht leicht hatte.
Der kleine Junge ist in mehrfacher Hinsicht ein Geschenk. Durch ihn ändert sich die Dynamik im Dorf und sein Auftauchen sorgt dafür, dass die Vergangenheit aufleben kann, um im Anschluss für Heilung zu sorgen.

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Auf der Suche nach Zugehörigkeit

Wohin du auch gehst von Christina Fonthes

Mira und Bijoux haben ihren Ursprung im Kongo.
In den 1980er Jahren verliebt sich Mira gegen den Willen ihrer Eltern und zieht nach Europa. Im Jahr 2004 folgt ihr ihre Nichte Bijoux, die ihre Tante als verschlossene und strenggläubige Frau kennenlernt. Bijoux verliebt sich in eine Frau, versucht dies vor Mira zu verbergen, aber nicht nur sie hat Geheimnisse auch ihre Tante hat viel alleine und mit sich ausgemacht.

Der Roman ist bewegend, mitreißend und lebendig zugleich. Ich war total gefesselt von dem kraftvollen, regelrecht lautem Schreibstil der Autorin. Sie nimmt kein Blatt vor dem Mund. Beschreibt komplexe Lebenswege, schreckt ihre Leser auf und macht auf Missstände aufmerksam.
Es sind zwei Leben, unterschiedliche Lebenswege, die aber dennoch miteinander verbunden sind.

Christina Fonthes Erzählstimme hat etwas Einzigartiges. Sie ist schwungvoll und fesselnd, so dass sie dafür gesorgt hat, dass ich trotz der schweren Thematik das Buch nicht aus der Hand legen wollte.

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