Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Pusteblümchen:
Aus dem Leben
Gib mir alles von Alexandra-Maria Pipos
Mich haben die ersten Seiten direkt mitgerissen. Der Job der Protagonistin Ioana ist fordernd und sie kann sich gedanklich nur schwer davon lösen. Gleichzeitig ist da ihre Familie, von der ein Teil noch in Rumänien lebt, während sie mit ihren Eltern ausgewandert ist. Nachdem ihr Großvater gestorben ist und die Beerdigung ansteht, zieht es sie zurück.
Damit bricht sie aus ihrem bisherigen Leben aus und steckt stattdessen in einem Leben voller Familie und Erinnerungen.
Eigentlich ist mir das Leben von Ioana eher fremd. Da die Story aber aus ihrer Perspektive geschrieben ist, fiel es mir leicht, mich in die Gedanken und Gefühle der Protagonistin hineinzubegeben. Das Leben steckt voller Herausforderungen, wir müssen jeden Tag unzählige Entscheidungen treffen und genauso geht es auch Ioana. Gleichzeitig steckt sie im Alltagswahnsinn zwischen zwei Kulturen.
Diese Situation hat die Autorin gekonnt und unterhaltsam in Worte gepackt.
Damit zeichnet sie ein realistisches Bild ihrer Protagonistin, die zwischen Leistungswahnsinn und Selbstoptimierung und auch noch zwischen zwei Kulturen steht.
Ich habe das Buch gerne gelesen und es hat mich nachdenklich zurückgelassen.
Über Umweltschutz und bedrohte Artenvielfalt
Der Einsiedlersommer von Anne Sverdrup-Thygeson
Der Eremitenkäfer gilt als ausgestorben, wurde aber in einem alten Eichenwald in Norwegen gesichtet. Die Biologin Eva Wist erhält den Auftrag, nach diesem zu suchen. Für sie ist es nach einer Fehlgeburt eine willkommene Auszeit, um ihre Gefühle aufzuarbeiten.
In dem Eichenwald lebt auch Olga, eine Einsiedlerin, der Evas Anwesenheit zunächst wenig gefällt, da sie allen Menschen gegenüber misstrauisch und skeptisch ist.
Eva und Olga freunden sich trotz des großen Altersunterschiedes an und zwischen den ungleichen Frauen entsteht eine wirklich tiefe und einzigartige Beziehung, die auf der Liebe zur Natur und deren Schutz sowie der Erfahrungen eines Verlustes basiert.
Die Autorin schreibt bildhaft und flüssig. Dabei beschreibt sie die Natur so lebendig und fesselnd, dass ich alles direkt vor Augen hatte.
Wer die Natur liebt und wem diese wichtig ist, der wird sicherlich auch gefallen an diesem Buch finden. Dabei merkt man, dass Anne Sverdrup-Thygeson sich beruflich mit Naturschutz beschäftigt.
Insgesamt ist „Der Einsiedlersommer“ ein lehrreicher Roman, der den Blick für Natur und Umwelt schärft und dabei gleichzeitig gut unterhält. Wer die Natur liebt und wem ihr Schutz am Herzen liegt, der wird an diesem Buch große Freude haben.
Auf der Suche nach der richtigen Liebe
Das Projekt von Annie Lord
Liebe und Beziehungen sind immer ein schwieriges Thema. Hier ist die Autorin dem Ganzen auf eine ungewöhnliche Weise nachgegangen.
Daisy ist eine Protagonistin, die wirklich direkt aus dem Leben gegriffen ist. Ich hatte von Beginn an das Gefühl, sie zu kennen. Ihre Gedanken und Gefühle und die damit verbundenen Enttäuschungen, den Drang, etwas zu verändern, das alles konnte ich total nachvollziehen.
Dabei steht im Grunde nur ein Gedanke im Vordergrund: Sie möchte nichts weiter, als geliebt zu werden.
Gemeinsam mit ihrer Freundin Maya ruft sie das titelgebende Projekt ins Leben.
Nach vielen Dates, die immer wieder in einer Enttäuschung endeten, wollen sie Männer so umerziehen, dass sie zum perfekten Partner werden.
Annie Lord hat hier eine außergewöhnliche Liebesgeschichte verfasst, die immer wieder zwischen urkomischen, hoffnungsvollen und romantischen Momenten schwankt. Sie passt in kein Trope und genau das, macht sie in meinen Augen lesenswert, da es sich um etwas Neues, noch nicht Dagewesenes handelt, das erstaunt, verwundert und mitfühlen lässt. Für mich war es aus diesem Grund eine der besten Liebesgeschichten, die ich seit Langem gelesen habe.
Über Freundschaft, Geldsorgen und das Erwachsenwerden
Mädchen allein zu zweit von Daniela Dröscher
Die beiden Protagonistinnen Issa und Grace wachsen in Familien auf, in denen das Geld chronisch knapp ist. Während es in Issas Familie existentielle Geldprobleme gibt, hat Grace ein ganz anderes Problem. Sie leidet unter ihren großen Brüsten und den Bemerkungen ihrer Umwelt.
Die beiden verbindet eine innige Freundschaft, sie teilen alles und machen alles gemeinsam.
Daniela Dröscher ist es gut gelungen, die Gefühlswelt ihrer beiden fünfzehnjährigen Protagonistinnen darzustellen. Die beiden sind sehr reif für ihr Alter, nehmen ihre Probleme in die Hand und können sich gut behaupten. Leider werden sie vielfach nicht richtig ernst genommen, was mich sehr nachdenklich gestimmt hat.
Es geht um aktuelle Probleme unserer Zeit: soziale Unterschiede, Oberflächlichkeit, Freundschaft, Liebe, Unsicherheiten Heranwachsender, Selbstbestimmung, Freiheit, moralische Grauzonen und vieles mehr.
Der Roman ist intensiv und keiner, der einfach nur unterhält. Es ist ein Buch, das kritisch auf unsere Gesellschaft blickt und die Sorgen Heranwachsender ernst nimmt. Gleichzeitig nimmt die loyale Freundschaft zwischen Issa und Grace sehr viel Raum ein, wodurch sich die ernste Thematik spürbar aufhellt und dem Leser ein hoffnungsvolles Gefühl mitgibt.
Ein Buch voller nostalgischer Momente
Honey und Blondie von Ubin Eoh
Ich habe dieses Buch direkt aus zweierlei Gründen geliebt.
Es hat mich zum einen direkt in die 1990er Jahre zurückversetzt – eine für mich herrlich unbeschwerte Zeit –, und es hat zum anderen von einer so tiefen und innigen Freundschaft erzählt, die sich wohl jeder von uns wünscht.
Die Protagonistinnen Honey und Blondie sind in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen und berichten abwechselnd.
Dabei sind die Kapitel mit Schlagworten überschrieben, die den damaligen Zeitgeist perfekt einfangen und machen deutlich, aus wessen Sicht die Ereignisse geschildert werden.
Obwohl die beiden aus total unterschiedlichen Familien kommen, können sie sich perfekt ineinander einfühlen. Honey lebt mit ihren koreanischen Eltern und Geschwistern zusammen, während Blondie von ihrer Mutter alleine großgezogen wird.
Zwischen den beiden entsteht von ihrer ersten Kindergartenbegegnung an eine unglaubliche, regelrecht magische Empathie. Wenn eine von ihnen Angst hat, spürt die andere diese Emotionen am eigenen Körper. Diese tiefe Bindung macht ihre Freundschaft aus, lässt sie miteinander verschmelzen und einander gegenseitig den Rücken stärken.
Es sind nicht nur die unbeschwerten Momente, die Honey und Blondie miteinander teilen, sondern wirklich alles, was das Leben bereithält. Als Blondie schwer erkrankt, wird die Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Damit greift die Autorin auch schwierige Themen auf, verpackt sie aber in leichte und berührende Worte, so dass sich das Buch mit großer Leichtigkeit liest.
Ich habe die Freundschaft der beiden innerlich regelrecht gefeiert. Jeder Mensch sollte solch einen Seelenmenschen treffen und mit diesem durch das Leben gehen dürfen. Ein wirklich tolles Debüt!
Aus dem Leben gegriffen
Laura Clark ist dann mal weg von Helen Russell
Wer kennt es nicht. Man arbeitet für die Familie, im Job, engagiert sich für die Nachbarschaft und wird dennoch nicht wahrgenommen. Genauso geht es Laura Clark. Sie ist eine Frau, die sich um alles und jeden gekümmert hat, aber nie wirklich gesehen wurde. Nun ist sie weg und das wird gesehen, beziehungsweise auf schmerzhafte Weise bemerkt.
Der selbstverständliche Komfort, für den Laura gesorgt hat, kommt vielen Menschen zum Fehlen.
Die Autorin versteht es bestens, das Leben einer Frau, die sich immer und überall für andere eingesetzt hat, auf den Punkt zu bringen. Dabei schlägt sie einen so unterhaltsamen Ton an, dass ich immer wieder vor mich hin lachen musste, obwohl der Hintergrund eigentlich ein sehr ernster ist.
Es ist ein toller Roman, mit viel Wärme und Humor, für alle Frauen, die vergessen haben, an sich selbst zu denken und immer alles und alle anderen in den Vordergrund stellen.
Ich habe dieses Buch geliebt und werde mich nun nach weiteren Büchern der Autorin umschauen.
An der Grenze
Querfeldein von Capus Alex
Ich habe schon einige Bücher von Alex Capus und auch in diesem ist der Schreibstil unverkennbar, obwohl es thematisch wieder einmal ganz anders ist als sein vorherigen Werke. Seine Sprache ist unaufgeregt, ruhig, oftmals poetisch, aber auch amüsant und einfach schön zu lesen.
Dieses Mal geht es um das Leben einer Wirtsfamilie, die zu Beginn des 20.
Jahrhunderts in einem Schweizer Dorf an der Grenze zu Deutschland wohnt. Im Vordergrund steht der Wirt Arnold, der sein Wirtshaus bewusst am Rand des Dorfes im Niemandsland an der Staatsgrenze eröffnet, um den Bauern, Deppen und Dorfbonzen, die ihm schon sein Leben lang das Leben schwer machten, aus dem Weg zu gehen.
Wieder einmal legt der Autor den Fokus auf seine Charaktere. Diese beschreibt er authentisch und facettenreich. Er versteht es, in einer historischen Atmosphäre seine Figuren lebendig werden zu lassen.
Es ist ein ruhiger Roman, der seine Leser*innen in das Leben an der Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland vor über hundert Jahren eintauchen lässt und dabei unterhält, sowie zum Schmunzeln einlädt. Für mich ein echtes Lesehighlight für gemütliche Stunden.
Kurz gesagt: eine kurzweilige Geschichte mit authentischen, fiktiven Charakteren und historischen Bezügen.
Eine Familiengeschichte aus dem Riesengebirge
Geteiltes Haus von Alice Horáčková
Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, da die meine Familie meines Vaters selbst aus dem Sudetenland stammt und ich noch einige mündlich überlieferte Erinnerungen aus dieser Zeit im Kopf hatte.
Die Autorin hat ihre Geschichte in Benetzko angesiedelt.
Im Mittelpunkt stehen Zdenka und Anežka – die eine Tschechin, die andere Deutsche.
Die beiden Frauen erleben Regimewechsel, zwei Weltkriege und das Leben in einem Dorf, in dem Nachbarn zu Feinden werden. Eines bleibt den Frauen aber über Jahrzehnte hinweg erhalten: ihre Freundschaft.
Anhand ihrer Charaktere beschreibt Alice Horáčková eine generationenübergreifende Chronik des Sudetenlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei werden die Gefühle von Heimatverlust, innerer Zerrissenheit und tiefem Überlebenswillen spürbar.
Man spürt in jeder Zeile, dass die Worte der Autorin auf wahren Begebenheiten und den Memoiren ihrer eigenen Vorfahren beruhen. Es ist nicht nur ein historischer Roman, sondern ein vielschichtiges Zeitdokument und gleichzeitig eine Liebeserklärung an die Menschen aus dieser Region.
Aufgrund meiner eigenen familiären Historie war es für mich ein echtes Highlight, das mich noch lange begleiten wird.
Familiengeschichte über vier Generationen
Über vier Leben von Pauline Hatscher
Mirabell blickt zurück auf die Frauen in ihrer Familie. Ihre Mutter, die sich von ihrem Vater schlecht behandeln ließ, ihre Großmutter, die Suizid begangen hat und eine Urgroßmutter, die durch eine Vergewaltigung schwanger geworden ist. Drei Frauen, die einen Schmerz in sich getragen und über die Generationen weitergegeben haben.
Sie hat das Gefühl nichts über diese Frauen zu wissen und bei den Geschichten, die in der Familie überliefert wurden, ist ihr unklar, was wahr ist. Es sind einfach zu viele Leerstellen und diese möchte Mirabell füllen.
Der Roman berichtet im Wechsel aus der Perspektive der vier Frauen. Die Autorin erzählt vier Leben, in vier unterschiedlichen Zeiten. Dabei gelingt es ihr gut den jeweiligen Zeitgeist mit seinen unterschiedlichen gesellschaftlichen Zwängen und Normen einzufangen. Die Charaktere der vier Frauen werden authentisch dargestellt.
Die Ereignisse sind nicht immer leicht zu lesen, sondern bedrückend, schmerzhaft und voller Leid.
Es ist kein Roman, den man nebenbei liest, sondern einer, der an die Substanz geht und der sich damit beschäftigt wie die Verletzungen unserer Vorfahren an die nächste Generation weitergegeben werden.
Mit diesem Generationenroman ist Pauline Hatscher ein beeindruckendes Debüt über das Verschweigen generationenübergreifender Traumata gelungen, das noch lange nachklingt und zeigt, wie tief die Wurzeln unserer eigenen Identität in der Vergangenheit liegen.
Familie, Erinnerungen, Geheimnisse und noch viel mehr
Ein Riesenspaß für die ganze Familie von Jennifer E. Smith
Inzwischen ist es drei Jahre her, dass sich die vier Endicott-Geschwister Jude, Gemma, Roddy und Connor zuletzt gesehen haben. Sie können auf viele gemeinsame Erinnerungen zurückblicken: Als Kinder waren sie unzertrennlich, bis etwas zwischen ihnen zerbrochen ist. Inzwischen hat jeder sein eigenes Leben, einen anderen Lebensmittelpunkt und andere Prioritäten.
Nun möchte Jude ein gemeinsames Treffen in North Dakota, um ihnen etwas mitzuteilen.
Das Buch lässt einen fühlen, was Familie ist, was es bedeutet gemeinsame Erinnerungen zu haben, auf Erlebtes zurückzublicken und vergangene Familiendramen aufzuarbeiten. Die Handlung springt zwischen den Orten sowie der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her.
Es sind ganz viele kurze Momente, die berühren oder mich auch zum Lachen gebracht haben. Ich habe mich gerne mit den Geschwistern erinnert und den dramatischen Ereignissen nachgespürt, die letztendlich das Gefühl von Gemeinschaft und Familie ausmachen.
Natürlich hat jede Familie ihre eigenen Erinnerungen, ihre eigene Dynamik und ihre besonderen Familienmomente. Damit ist dieses Buch, wie jede Familiengeschichte, einzigartig und gleichzeitig ist die Geschichte auch so typisch für Familie.
Ein tiefgründiges Buch über das Verzeihen und die Frage, was Familie eigentlich ausmacht.











