Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ryria:
Ende, Neubeginn und der Sommer dazwischen
Little Hollywood von Inga Hanka
Wir befinden uns im Sommer von 1999: Leo hat gerade ihr Abi gemacht, nun bleibt ein letzter Sommer zwischen Kindheit und erwachsen werden, ein Sommer um zu entscheiden, wo das Leben sie hinführen soll.
Wir als Leser dürfen sie in diesem Sommer begleiten, es ist nur eine Momentaufnahme ihres Lebens, was sich auch auf die ganze Erzählung auswirkt.
Statt ihre ganze Geschichte zu verfolgen erhalten wir nur einen kleinen Einblick, statt aufregenden Ereignissen und Spannung setzt die Autorin auf die Atmosphäre und zarte Gefühle.
Die Perspektive ist auf Leo als Ich-Erzählerin beschränkt, durch kluge Beobachtungen und Beschreibungen werden aber auch die Gefühle der Nebencharaktere gut dargestellt. Hiervon gibt es auch nur eine überschauliche Menge, sodass man sich besser auf ihre Beziehungen zu Leo fokussieren kann.
Besonders gut gefallen hat mir die langsame Entwicklung der Liebesgeschichte.
Es wurde sehr authentisch dargestellt, ohne es zu überstürzen oder künstliches Drama. Eine Sache war für mich jedoch ein wenig unnötig bzw. manchmal mochte ich die Aktionen der Charaktere nicht wirklich.
Dafür wurden verschiedene Beziehungen behandelt, zu den Eltern, zum Bruder und auch zu Freunden, was ich gerne gelesen und verfolgt habe.
Generell fand ich den Schreibstil sehr schön, manche Abschnitte habe ich auch doppelt gelesen und die Worte auf mich wirken lassen.
Auch der Nostalgie-Faktor wurde getroffen: Ich war zwar noch wesentlich jünger als die Protagonisten, aber habe sehr vieles aus der damaligen Zeit wiedererkannt und mich in das Lebensgefühl zurückversetzen können.
Dazu wurde die Thematik rund um Kinofilme passend in die Handlung eingebaut, stand aber nicht im Fokus.
Es gab zwischendurch mal manche Abschnitte, die sich ein wenig gezogen haben, insgesamt war es aber ein schönes nostalgisches Leseerlebnis mit einer Coming of Age Story.
Rezensionen von Lydia_Te:
Leicht wie eine Feder
Ich erzähle von meinen Beinen von Cornelia Travnicek
Beim lesen habe ich mich gefragt, wie der Titel zum Buch passt. Jetzt am Ende, während ich die Geschichte in meinem Kopf nochmal Revue passieren lasse, ist es ganz eindeutig.
Die Geschichte dreht sich zu Beginn um Wallys Tochter - Vallie. Bei ihr wird ADHS diagnostiziert. Schnell aber dreht sich die Geschichte und Wally rückt in den Mittelpunkt.
Wie es ihr selbst geht, wenn der Tag zu wenige Stunden hat. Warum sie das Thema ADHS ganz besonders beschäftigt. Aber auch ihr Ehemann und ihre Tochter spielen im Roman weiterhin eine wichtige und tragende Rolle.
Cornelia Travnicek schafft es, ernste Themen wie ADHS, Familie, Beziehung, Freundschaft in einem Roman mit knapp 400 Seiten zu packen, ohne das es dabei überladen wird oder zu viel wirkt.
Zu Beginn hatte ich etwas Respekt vor der Seitenanzahl, aber ich bin nur so durch den Roman geflogen und wollte immer mehr lesen.
Ihr Schreibstil und die Sprache sind sehr gut lesbar und verständlich.
Ganz besonders gut gefallen hat mir der Schriftsatz. Man ist es gewohnt das die Seiten voll bedruckt sind. Nicht aber hier. Manchmal reicht ein kurzer Satz für eine ganze Seite, ganz unten, am Rand, rechtsbündig. Und alles ist gesagt.
Cornelia schafft es dadurch, dass diese einprägsamen Sätze einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Rezensionen von nessabo:
Ein sprachlicher und inhaltlicher Donnerschlag, der mich noch immer festhält
Der Fährmann von Regina Denk
Ich schreibe diese Rezension drei Wochen nach Ende der Lektüre und mein Körper reagiert beim Hineindenken direkt wieder intensiv auf die Geschichte. Mit historischen Romanen hab ich sprachlich oft meine Schwierigkeiten, aber Regina Denk ist nun schon wiederholt so positiv besprochen worden, dass ich ihrem neuen Werk gern eine Chance geben wollte.
Und diese hätte gar nicht besser genutzt werden können!
Denk beherrscht ihr Handwerk auf schlicht bemerkenswerte Weise. Sie schafft sprachlich eine dichte Atmosphäre, der sich ihre Leser*innen unmöglich entziehen können. Dabei trifft sie nicht nur den Ton dieser Zeit mit bewundernswerter Präzision, sondern transportiert auch zwischen den Zeilen eine Fülle an Details und Emotionen.
Die Geschichte ist dabei alles andere als leicht und in ihrer Danksagung bzw. auf Social Media erklärt Denk auch, warum sie sich für diese in jedem Sinne gewaltige Erzählung entschieden hat. Ich habe übrigens erst nach dem Lesen erfahren, dass sie mit dem Titel in Kontrast zum Inhalt (der sich weniger um Männer als um die Frauen dreht) auch schon eine politische Botschaft vermitteln will. Denn wem wird am ehesten eine Heldenrolle zugeschrieben, unabhängig von der tatsächlichen Leistung?
Und das führt sie makellos auf 380 Seiten fort. Sie bleibt als Autorin zwar im Hintergrund, aber ich habe immer wieder ein gutes Gefühl dafür bekommen, was ihre Meinung zu Dingen wie Krieg, Militärdienst, Nationalismus und patriarchale Prägung ist. Diesen Bogen so elegant zu schlagen zwischen einer historischen Geschichte und allem, was heute in ähnlicher Weise wieder oder immer noch Relevanz hat, zeugt von purem Talent.
Die Handlung ist spannend gestrickt und wechselt in gutem Tempo zwischen den vier Figuren mit einem starken Fokus auf die Frauen der Geschichte. Ihre Resilienz, Solidarität und Beständigkeit haben mir viel abverlangt - vor allem aber die Gewalt, die sie erfahren.
Und das ist für mich wirklich der einzige Grund, aus dem ich nicht mit vollen 5 Sternen bewerte. Ich kann total verstehen, warum Regina Denk hier auch explizit geworden ist. Mich hat es aber besonders am Ende schlicht ein wenig überfordert. Die Intensität ist enorm, was allerdings auch dazu führt, dass ich die Geschichte nicht mehr vergessen werde. Deshalb verbleibe ich mit einer unbedingten Empfehlung und dem Hinweis, sich zu wappnen. Diese Autorin hat einen Platz auf allen Bühnen dieser Welt verdient - schaut sie euch an, auch wenn ihr mit historischen Settings wie ich vielleicht gar nicht so viel anfangen könnt.
4,5 Sterne
Rezensionen von lanaliest:
Unsichtbare Frauen
Mit anderen Augen von Jane Tara
Jane Tara geht in diesem Buch auf unkonventionelle Art und Weise an weibliche alltägliche Lebensrealität heran.
Schon der Klappentext zeigt eindeutig, auf was die Autorin hinauswill … Frauen im mittleren Alter „verschwinden“ aus dem Sichtfeld der Gesellschaft, im Berufsleben wie im Privaten.
Ich finde es toll, dass die Autorin dieses Thema als physische Realität aufgreift … ein für mich ganz neuer Ansatz.
Ich bin zwar noch nicht ganz im mittleren Alter, aber ich kann mich total mit der Protagonistin identifizieren. Frauen kümmern sich tagtäglich um ihre Familien, stellen deren Wünsche und Bedürfnisse an die erste Stelle und vergessen darüber ihre eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte und verlieren sich schließlich selbst, können ihr eigenes Befinden gar nicht mehr wahrnehmen … Bin ich eigentlich glücklich? Was tut mir gut? Was wünsche ich mir? Genauso geht es Tilda, einer erfolgreichen Unternehmerin, Mutter von zwei Töchtern, die ihre beruflichen Ziele erfolgreich umsetzen, Ex-Frau eines Mannes, der sie immer nur runtergemacht hat. Und genau hier setzt die „Therapie“ der Autorin an … wieso wird eine attraktive, intelligente Frau mit künstlerischen Ambitionen, die mit einer ihrer Freundinnen ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat, plötzlich unsichtbar? Die Autorin beleuchtet in dem Buch mehrere Ursachen dieser „Krankheit“ und gibt auch gleich Tipps, wie man lernen kann, diese Ursachen zu bekämpfen. So gesehen ist dieses Buch nicht nur ein Roman, sondern vielleicht sogar ein bisschen Selbsthilfebuch … wenn es die Leserin/der Leser zulässt.
Das Cover ist nicht besonders auffällig oder stylish, aber es passt zum Text. Für mich zeigt es, wie eine Frau die Vorurteile, die sie sich selbst gegenüber hat und die ihr seit Kindertagen eingeimpft und immer wieder vor Augen geführt wurden, beiseiteschiebt und endlich einen klaren Blick auf ihr eigenes unverstelltes Selbst werfen kann … sich selber „mit anderen Augen“ sieht.
Außerdem finde ich es toll, dass die Freundschaft zwischen Tilda, Ali und Leith so herausgestellt wird und die Leserin ganz intensiv spürt, wie wichtig Frauenfreundschaften sind und welchen positiven Einfluss sie auf unser Wohlbefinden haben.
Die Figuren wirken authentisch … alles, was sie tun, wie sie miteinander umgehen und reden, was sie alles miteinander teilen, finde ich sehr gelungen und aus der Realität gegriffen.
Womit ich mir anfangs etwas schwergetan habe (so wie Tilda auch), ist der esoterische Touch, den vor allem Leith in die Geschichte mitbringt. Aber mit der Zeit habe ich gelernt, diese Aspekte auf mich wirken zu lassen und ihnen vielleicht ja etwas abzugewinnen, schließlich geht es in dem Buch auch darum „mal was ganz anderes auszuprobieren“.
Was ich auch schade fand und meiner Meinung nach die weibliche Stärke, die im Buch deutlich wird, etwas geschmälert hat, war die Tatsache, dass auch ein neuer Mann eine Rolle gespielt hat … wäre für mich persönlich entbehrlich gewesen.
Der Aufbau des Buches und der Kapitel hat mir gut gefallen. Bis auf ein paar Rückblenden verläuft die Geschichte chronologisch und es gibt keine komplizierten Herausforderungen beim Lesen. Besonders mochte ich die Zitate, die am Anfang jedes Kapitels stehen … immer eine kleine Inspiration und ein Ausblick auf das folgende Kapitel.
Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil und das Buch ist flüssig zu lesen. Jane Tara schreibt sehr bildhaft … ich konnte mir alles lebhaft vorstellen, wie ein innerer Film sozusagen ????.
Mein Fazit: Tolles Buch für Frauen, die ihr Inneres näher erkunden und sich mit anderen Augen möchten … und keine Probleme mit etwas Esoterik haben.
Rezensionen von Marie aus E.:
Vergnüglicher Start, unbefriedigendes Ende
Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson
La Dolce Vita in Rom. Es ist Anfang der 90er Jahre und der Kalte Krieg ist Geschichte. Die russische Botschaft in Rom feiert ihr Gartenfest und alle sind da.
Auch Dieter Germeshausen, Agent und gar nicht amused vom plötzlichen Frieden zwischen den Supermächten, da er nun Angst vor Enttarnung hat. Auch Jakob Dreiser feiert mit, ein junger Dichter, der es schon zur Berühmtheit in der Literaturszene gebracht hat.
Das Buch startet aber nicht nur mit Feierlichkeiten, sondern auch gleich dramatisch.
Dann lernt man die verschiedenen Charaktere kennen und das war sehr vergnüglich. Spion oder Spionin zu sein ist ganz normal und niemand macht sich groß eine Kopf.
Ich mochte das Buch über weite Strecken wegen seiner Absurdität und der so herrlich gezeichneten Charaktere. Auch Nebenhandlungen werden so lebendig und humorvoll geschildert, dass das Lesen Spaß machte. Ein Highlight war eine Lesung in einem Goethe-Institut, eine anderes ein Sauna-Besuch.
Geschichten erzählen kann der Autor!
Gleichzeitig ist es aber auch beklemmend, denn während sich in der Buchhandlung alle in friedlicher Zeit wähnen, wissen wir es 2026 leider besser, so dass ich beim Lesen das "Little did we know-Gefühl" hatte.
Die Handlung nimmt dann aber immer absurdere Züge an. Es war irgendwann schon ziemlich abgefahren und gegen Ende hin auch eher zäh als spaßig. Das ging dann leider so weit, dass ich keine Lust mehr auf das Weiterlesen hatte, ich habe mich aber irgendwann doch aufgerafft.
Am Schluss saß ich mit großen Fragezeichen da und dachte mir - ist plötzlich das Papier ausgegangen? Schön und gut, dass man sich etwas für Fortsetzungen aufheben will, aber so kann man ein Buch nicht beenden. Jedenfalls nicht, wenn man mich für Folgebände begeistern will.
Rezensionen von Annaja:
Die Rettung
Mäc Mief und die rätselhafte Schafentführung von Carola Becker
Ein wundervolles und lustiges Cover. Das Buch wurde von Carola Becker geschrieben.
Mac Mief, ein Schaf, das keinen Regen mag, dafür aber die Gemütlichkeit ihres Lieblingsmenschen sehr genießen kann. Es verliebt sich in die Cousine seiner Nachbarschafherde, in die süße, dunkelhaarige Malvina. Als er sie besuchen will, ist sie aber plötzlich verschwunden.
Eine irrtümliche Schafentführung, ja, so muss es wohl gewesen sein. Doch Mäc Mief bleibt nicht untätig. Er muss etwas unternehmen und so beginnt eine abenteuerliche Schafsuche, bei der Hütehund Bonnie hilft. Per LKW und Zug reist es sich bequemer, auf jeden Fall aber schneller. Sind sie auf der richtigen Spur? Ja, Malvina staunt auch nicht schlecht, als die beiden plötzlich vor ihr auftauchen und als sie hört, dass sie verwechselt wurde. Sie freut sich sehr über die Hilfe und ihre Rettung durch ihre tollen Freunde.
Die besonders liebevollen Illustrationen von Ina Krabbe gliedern sich wunderbar in die 15 Kapitel der entzückenden Kinderlektüre.
Lesenswert und liebenswert!
Rezensionen von kuhasi:
Leseempfehlung April
Du musst mich vergessen von Rosie Walsh
Als ich den Roman in den Händen hielt, bin ich zuerst etwas erschrocken, weil er dicker war als ich gedacht hatte. Mit 492 Seiten ein recht üppiges Werk, aber spannend bis zum Schluss.
Carrie hat einiges hinter sich und ist nach Jahren mit schwerer psychischer Last endlich wieder stabilisiert in ihrem Leben, da holt sie ein einziges Bild unsanft zurück in die Vergangenheit.
Nach und nach erfahren wir die derzeitige Situation und was vor 12 Jahren geschah und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Die einzelnen Kapitel sind durch das jeweilige Datum gut gekennzeichnet und o findet man sich leicht in der Gegenwart aber auch in Carries früherem Leben ein.
Die Protagonistin ist mittlerweile verheiratete Ärztin und hat sich diesen Weg hart erkämpft. Allerdings pausiert sie seit ihre Zwillinge als Frühchen zur Welt kommen, da sie medizinisch viel Zuwendung benötigen.
Aber Carrie möchte wieder zurück in den Beruf und bewirbt sich für ein Praktikum in Stockholm um wieder einen Fuß in die richtige Tür zu bekommen.
Leider ereilt sie genau hier ein Treffen mit ihrem Ehemann für einen Tag: Johan.
Aus einer spontanen Aktion haben die beiden vor 12 Jahren in Thailand geheiratet und sogleich im Anschluss wurde Johan verhaftet und Carrie hat nie erfahren, was wirklich passiert ist.
Wie schon oben angedeutet enthüllt sich nach und nach die ganze Geschichte und wir lernen unsere beiden Hauptfiguren gut kennen und auch lieben.
Zum Glück geht der Roman so aus, wie ich mir erhofft habe, aber nicht wirklich vorstellen konnte. Absolute Leseempfehlung.
Rezensionen von Annaja:
Plötzlich ist da etwas
Solange ein Streichholz brennt von Christian Huber
Christian Huber hat hier einen Roman über eine Begegnung zwischen zwei gesellschaftlich völlig konträren Menschen geschaffen, die etwas Bleibendes hinterlässt.
Bohm ist ein junger, sympathischer Kerl, aber obdachlos, er sieht für sich keine Perspektive, hat keinen geregelten Tagesablauf, aber er hat sich arrangiert, er kommt so zurecht.
Alina dagegen ist ehrgeizig, möchte vorwärtskommen, Karriere machen, ihren Job richtig gut erledigen. Sie darf eine Reportage machen und hat sich das Thema Obdachlosigkeit dafür ausgesucht.
Hier begegnet sie Bohm, dem sie auch direkt ein Angebot für ihren Film macht und ihm € 1000,-- Honorar dafür bietet. Er lehnt vorerst ab, doch als sein Hund Fox schwer verletzt wird und eine kostspielige lebensrettende Operation benötigt, willigt er ein. Bei dieser Arbeit kommen die beiden sich näher, viel mehr als beide eigentlich wollen. Bohm bleibt jedoch verschlossen, verrät nicht, wie er in diese Situation geraten ist. Alina spürt, dass mehr dahinter steckt, doch sie fragt nicht nach und wartet ab.
Viele Menschen werden von unvorhergesehenen Ereignissen und Schicksalsschlägen überrollt und wissen keinen anderen Ausweg, als die Flucht.
Diese Geschichte berührt zutiefst, zeigt den Schmerz und die Enttäuschung, sie lehrt uns auch, dass starke Kontraste emotionale Reaktionen hervorrufen, aber auch positives soziales Verhalten bewirken und tiefe Nähe herstellen können, wenn man es zulässt.
Solange ein Streichholz brennt, ist eine tolle Gelegenheit, diesen großartigen Autor kennenzulernen.
Rezensionen von Lori:
Den Tod vor Augen
ZIMMER 706 von Ellie Levenson
Es handelt sich hier keineswegs um einen Thriller, wie manch einer fälschlicherweise annehmen könnte. Es ist eine Geschichte über das Verzeihen und die Liebe. Eine Geschichte, die mehr zu bieten hat, als man auf den ersten Blick ahnt. Mich hat sie von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt.
Als Kate morgens aus dem Haus geht, ahnt sie nicht, wie sehr dieser Tag ihr Leben verändern wird. Seit zehn Jahren glücklich mit ihrem Mann verheiratet, lernt sie irgendwann James kennen und trifft sich mit ihm alle paar Monate in Hotels für ein paar Stunden. Dieses Mal läuft alles anders, denn das Hotel wird von Terroristen besetzt.
Zu diesem Zeitpunkt erkennt sie, wie wenig sie mit James verbindet, wie wenig sie von ihm weiß. In den Stunden, in denen sie in ihrem Zimmer festsitzen, lässt sie ihr Leben Revue passieren und fragt sich, ob sie ihre Affäre beichten soll.
In wechselnden Perspektiven, die fortlaufende Zeit im Hotel und die Zeit in der sie Vic kennenlernte bis heute, erfahren wir viel über die Frau, ihr Leben und ihre Familie. Die Autorin lässt uns dabei tief in das Inne
re blicken, ohne zu verurteilen oder nach Schuldzuweisungen zu suchen. Sie lässt uns an diesen Momenten teilhaben, um zu verstehen und selbst zu entscheiden.
Die Szenen in Zimmer 706 bringen Spannng ins Buch und zeigen gleichzeitig auf, wie ernst die Lage ist. Von der Außenwelt abgeschlossen wissen sie nicht, wer das Hotel besetzt hat und ob sie heil aus diesem wieder herauskommen. Die Fragen, was ist wirklich wichtig im Leben, was soll sie ihrem Mann, ihren Kindern mit auf den Weg geben, welche Vorkehrungen kann sie jetzt noch treffen, stehen permanent im Raum.
Kate ist ein Charakter, den man im Laufe des Geschehens immer besser versteht und Sympathie für sie entwickelt. Die Reflektion ihres Lebens ist komplex, tiefgründig und emotional.
Ein Roman, der noch lange nachhallt. Intensiv, berührend, ehrlich!
Rezensionen von nessabo:
Kann aufgrund vieler Nebenhandlungen dem thematischen Anspruch nicht gerecht werden
Gin Boom von Verena Titze
Ich kritisiere gern und lautstark die Allgegenwärtigkeit von Alkohol - im Leben wie auch in Büchern. Was nicht nur als normal angesehen, sondern von Nichttrinker*innen sogar regelrecht eingefordert wird, macht mich sehr wütend. Umso interessierter war ich an dieser Geschichte, die mit persönlicher Erfahrung Abhängigkeit und ihre Folgen in den Blick nimmt.
Und dass Verena Titze weiß, wovon sie schreibt, ist deutlich spürbar. Es gibt entlang dieser Haupthandlung wirklich starke Momente rund um Rückfall, Entzug und die Anstrengungen in einem Alltag voller Alkoholnormalität.
Schade ist nur, dass gleichzeitig unglaublich viele Nebenschauplätze eröffnet wurden: Konsens, sexualisierte Gewalt, vielleicht häusliche Gewalt, Suizid, Hustle Culture und weitere. Zusätzlich gibt es so viele Figuren, die aufgrund der Kürze des Buches aber auch nur wenig Tiefe bekommen und die wir als Lesende irgendwie zusammenbringen müssen.
Denn zwischen einigen gibt es Verbindungen, die teilweise fast krimiartig angedeutet werden. Und an der Stelle hat mich die Geschichte leider ziemlich verloren. Auf so wenigen Seiten geht das Hauptthema Alkoholmissbrauch schlicht unter, wenn so viele weitere Themen und Figuren hinzukommen. Keine der Figuren, inklusive der Protagonistin, konnte ich so richtig in der Tiefe begreifen, weil dafür einfach der Raum und auch die Emotionalität fehlte. Manche Textpassagen wie die Tagebucheinträge empfand ich zudem als sprachlich unpassend zum Alter der Hauptfigur.
So bleibe ich doch etwas unzufrieden zurück und werde das Buch nicht lange im Gedächtnis behalten. Das bedaure ich bei einem so wenig beachteten Thema wirklich sehr. Die guten Ansätze der Autorin können mit der inhaltlichen Dichte und dem rasanten Tempo der Geschichte nicht mithalten, sodass ich mich am Ende gefragt habe, wo denn nun eigentlich der Fokus liegen sollte. Es ist auf jeden Fall eine extrem schnelle Lektüre und wer die in Kombination mit Denkanstößen rund um den Stand von Alkohol in unserer Gesellschaft sucht, kann sich den Roman sicherlich einmal ansehen.











