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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Ryria:

Eine Geschichte, die Zeit braucht

Das Buch der gefallenen Blätter von A. S. Tamaki

Um es direkt vorweg zu sagen: Dies ist kein Buch, das man mal eben nebenbei lesen kann. Besonders am Anfang wird man als Leser direkt mit einer Masse an Charakteren, Orten, politischen Verwicklungen und Geschichte konfrontiert.
Dementsprechend ist mir der Einstieg auch nicht so leicht gefallen und ich habe eine Weile gebraucht, um alles einzuordnen.

An dieser Stelle auch der Hinweis, dass sich am Ende des Buches ein Personenregister versteckt.
Zusammen mit der Weltkarte am Anfang ist dies dann doch sehr hilfreich und quasi auch erforderlich.

Die dadurch erschaffene Welt hat mir dann aber doch sehr gut gefallen: Eine Fantasywelt, die durch ihre Namen und Kultur oft an das damalige Japan erinnert. Der Fantasyaspekt steht dabei jedoch nicht wirklich im Fokus, vielmehr hat mich das Ganze zwischendurch immer wieder mal an eine Art Game of Thrones erinnert.
Es gibt sehr viel Politik, zahlreiche Clans, Häuser und Familienfehden, ebenso viele Charaktere und blutige Kämpfe.
Besonders mochte ich die Atmosphäre, der Text wird durch schöne Beschreibungen und eine Menge Details angereichert.
Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven, auch ähnlich wie bei GoT, wobei jede Perspektive ihre Eigenheiten aufweist.
Was mir im direkten Vergleich jedoch gefehlt hat ist das Spannungselement: Es geht generell nur recht langsam voran, es wird viel Zeit für den Weltenaufbau aufgewendet. Anstatt das Buch zu verschlingen, habe ich daher nur immer wieder mal ein paar Kapitel gelesen.
Insgesamt von daher kein klassisches Spannungsbuch, sondern ein ausführliches Werk, auf das man sich konzentriert einlassen muss.

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Magie, Taktik und spannende Ideen

Queen of Faces – Die Königin der tausend Gesichter von Petra Lord

Queen of Faces zeichnet eine interessante Welt: Ein Großteil der Welt ist bereits vom Meer überflutet worden, die verbliebenen Länder sind von Kriegen und Rebellionen geprägt. Menschen haben die Fähigkeit, ihre "Seelen" in neue Körper zu transferieren - und dazu gibt es natürlich auch noch Magie.

Eine wilde Mischung, die aber recht faszinierend ist, sobald man einmal in der Geschichte angekommen ist.
Im Fokus steht Ana, die nur einen billigen, kränklichen Jungenkörper ihr Eigen nennt. Um dem drohenden Tod zu entgehen lässt sie sich auf eine Arbeit als Söldnerin ein, während sie gleichzeitig auch noch eine magische Eliteschule besucht. So zusammengefasst klingt es nach recht viel, daher ist es nicht verwunderlich, dass einige Aspekte durchaus zu kurz geraten dabei.
Während das Buch als Dark-Academia-Sensation beworben wurde, ist dieser Teil der Handlung wohl mit am kürzesten ausgefallen. Ja, es gibt die Schule, und zwischendurch ist man auch mal kurz dort, aber insgesamt spielt das Leben dort keine große Rolle.
Viel öfters ist man bei den Söldnermissionen dabei und ich muss sagen, dass mir diese doch gut gefallen haben. Sie waren oft sehr spannend und ich habe mich jedes Mal darauf gefreut zu verfolgen, mit welcher Strategie diesmal die Probleme gelöst wurden.

Dieser taktische Aspekt neben der Magie ist eine schöne Kombination, aber auch das Magiesystem mochte ich. Es ist nicht zu kompliziert und wird Stück für Stück eingeführt, und auch Ana muss erst noch viel lernen, was sie mir sympathisch gemacht hat. Generell gab es einige coole Charaktere, auch wenn diese manchmal ein wenig verwirrend waren.
Die Autorin ist eine Transfrau und so fühlte sich vieles wie ihre eigenen Gedanken an, wie Anas Wunsch ihrem Jungenkörper zu entkommen. Im Laufe der Handlung kommen nur sehr viele Charaktere hinzu, die irgendwie in einem anderen Körper sind - während dies zwar die Botschaft unterstreicht, dass es nur auf die Seele ankommt, war es für das Kopfkino beim Lesen doch manchmal ein wenig erschwerlich. Prinzipiell also sehr cooles Konzept, in dieser Masse fand ich es aber leicht zu viel.
Trotz vieler düsterer Themen wirkte das Buch auch irgendwie öfters noch recht jung, die Hauptcharaktere sind 17.
Insgesamt hat mir vor allem das Worldbuilding und die Mischung aus Taktik und Magie gut gefallen, daher bin ich auf die Fortsetzung gespannt.

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Schöner Abschluss mit Überraschungen

Curseborn von Celine Leonora

Curseborn ist der zweite Band einer Dilogie und ich würde auch empfehlen, den ersten Teil zuerst zu lesen. Zwar gibt es zu Beginn des Buches einen QR-Code, der zu einer Videozusammenfassung führt, jedoch ist dies eher super nützlich, um sich nochmal die groben Eckpunkte ins Gedächtnis zu rufen. Um Edens Gefühle besser verstehen zu können sollte man daher bestenfalls ihre bisherige Reise verfolgt haben.

Abseits davon ist die Gestaltung des Buches wieder wunderschön, es gibt eine passende Playlist und der Farbschnitt fügt sich perfekt an den ersten Band an.

Auch inhaltlich knüpft die Handlung nahtlos an, die Geschichte startet dort, wo sie zuvor aufgehört hat.
Zwar gibt es einen kleinen Zeitsprung, jedoch finden wir nach und nach alles zusammen mit Eden raus und werden nicht verwirrt am Anfang zurückgelassen.
Passend dazu gibt es ein Wiedersehen mit den wohlbekannten Charakteren, aber auch neue Nebenfiguren werden eingeführt, jedoch in einer überschaubaren Menge. Insgesamt nehmen sie auch nicht viel Raum in der Geschichte ein, dafür wird der Beziehung zu Ace umso mehr Zeit gewidmet.
Dieser Teil hat mir gut gefallen, die Liebesgeschichte steht nicht im Vordergrund und ist auch sehr Slow Burn, wirkt dafür aber umso authentischer und man kann besser mitfühlen.

Ansonsten werden auch wieder neue magische Feiertage/Feste eingeführt, den Teil mochte ich im ersten Band auch schon. Ich hätte generell auch noch gerne mehr von der Welt kennengelernt, aber das ist vermutlich schwierig in nur zwei Bänden umzusetzen.
Tempomäßig fand ich es im Mittelteil kurzzeitig ein wenig zu langsam, dafür hat sich am Ende alles quasi überschlagen und ein Plottwist jagte den nächsten. Auch schön, dass offene Fragen und lose Fäden nach und nach alle geklärt werden, sodass man am Ende zufrieden das Buch schließen kann.
Ein runder, spannender Abschluss!

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Recht einseitig

Das Projekt von Annie Lord

Irgendwie bin ich so gar nicht mit diesem Buch warm geworden, weder mit den Charakteren noch mit dem Schreibstil.
Dabei fand ich die Idee eigentlich sehr interessant und auch der Anfang des Buches hat mir sehr gefallen: Daisy und Maya sind beide Mitte 20, haben kein Glück mit den Männern und probieren Kumpel James "umzuerziehen", damit er besser für eine ernsthafte Partnerschaft "geeignet" wird.

Zu Beginn fühlten sich die Gespräche zwischen den Freundinnen und Daisys Gedanken doch recht authentisch an, manche Szenen haben mich an Erzählungen aus meinem eigenen Freundeskreis erinnert und ich war gespannt, wie sich das Projekt und die Beziehung zu James weiterentwickelt.
Das Problem war nur, je weiter ich las, desto zäher wurde alles. Irgendwie ist kaum noch etwas passiert, es gab kleinere Ausflüge und Partys, die sich dann gefühlt ewig gezogen haben.

Der Schreibstil hat dabei nicht geholfen, viele Textpassagen wirkten unnötig und mit vielen Beschreibungen konnte ich so gar nichts anfangen. Vielleicht hilft es anderen Leser*innen, sich in die Szene hineinzuversetzen, ich war hingegen eher davon verwirrt, auf einer Party plötzlich mit 10 neuen Namen konfrontiert zu werden und zig Gesprächsfetzen aufzuschnappen. Dazu wurden ständig Alkohol und Drogen konsumiert, was die Erzählung durch Daisy nur noch wirrer gemacht hat.
Generell habe ich in diese Feierkultur der Geschichte nicht wirklich hineingefunden, das war so gar nicht meine Welt, aber das kann ja gut auch Geschmackssache sein. Auch hatte ich öfters das Gefühl, dass man viele Anspielungen eventuell besser versteht, wenn man selbst aus London oder der Gegend kommt.

Irgendwann wandelte sich dann auch meine Freude über die feministischen Themen zu einer Art Genervtheit um. Vieles hat sich ständig wiederholt und es fühlte sich recht einseitig an. Aus Daisys Perspektive hat es vielleicht Sinn gemacht, dass sie die Männer als das große Problem sieht, aber ich fand es halt nicht spaßig zu lesen, wenn laufend nur darüber gemeckert wird.
Dadurch ist sie mir nicht richtig sympathisch geworden, auch die sich entwickelnde Beziehung zu James habe ich nicht wirklich gefühlt.
Insgesamt eine interessante Idee mit teils guten Textpassagen, die Umsetzung insgesamt hat jedoch leider nicht so meinen Humor und Geschmack getroffen, daher nur aufgerundete 2,5 Sterne.

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Schatten der Vergangenheit

Home Before Dark von Eva Björg Ægisdóttir

Zehn Jahre ist es her, dass Marsibils Schwester verschwand, nie hat sie herausgefunden, was passiert ist. Ein unerwarteter Brief ihres damaligen Brieffreundes treibt sie an, sich nun als Erwachsene erneut auf die Suche nach der Wahrheit zu machen, doch es scheint, als ob jeder irgendwas verbergen würde.

Ich mochte das Setting total, ein Dorf in Island, mit dieser ganz eigenen Mischung aus düsterer Atmosphäre und nordischen Vibes. Dazu spielt die Geschichte in den Jahren 1966/7 und 1977, was zugleich eine spannende Zeitreise ist, aber auch gut zur Stimmung beiträgt: Es werden alte Krimis im Fernsehen geguckt, es gibt noch keine Handys oder Internet, die Kriminaltechnik ist wesentlich schlechter als heute - kurzum, die perfekten Voraussetzungen um einen Menschen verschwinden zu lassen.

Ich fand den Anfang ein klein wenig zäh, es hat ein wenig gedauert, bis ich ins Buch gefunden habe, was teilweise auch daran lag, dass mich Marsi als Charakter aufgeregt hat. Ihre Handlungen waren für mich nicht immer nachvollziehbar, jedoch habe ich dann mehr und mehr gemerkt, dass sie eine unzuverlässige Erzählerin ist und all dies Teil ihres Charakters ist, was später auch Sinn ergeben hat.
Nach dieser anfänglichen Hürde war das Buch aber echt spannend und hat trotz des eher ruhigen Tempos doch Fahrt aufgenommen.
Besonders gut gefallen haben mir die zwei Perspektiven/Zeitebenen, so konnte man auch die verschwundene Schwester selbst noch kennenlernen und unterschiedliche Spuren erkunden.
Ich hatte im Laufe der Geschichte unzählige Theorien, die Autorin schafft es irgendwie, dass jede Person verdächtig ist und man ein Motiv finden könnte.
Dies bleibt auch bis zum Ende so, es gibt so einige Überraschungen und doch kann man auch super miträtseln und Hinweise entschlüsseln.
Insgesamt ein spannender Thriller in düsterer Kulisse, der alte (Familien-)Geheimnisse und zwischenmenschliche Beziehungen erkundet.

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Unter der Oberfläche verborgen

Weavingshaw von Heba Al-Wasity

Weavingshaw verbirgt so einiges: Illustrationen unter dem Cover (die Sonderedition von Thalia ist besonders schön!), unzählige Geheimnisse, Geister und die Seele der Autorin.
Genau wie Leena im Buch ist auch Heba Al-Wasity das Kind von Flüchtlingen und so wirken die Beschreibungen der verschiedenen Kulturen und der dazugehörigen Gefühle oft sehr persönlich.

Generell mochte ich diesen Aspekt der Buchwelt echt gerne, nur eine Karte hätte alles noch schön ergänzt, diese war leider nicht vorhanden.
Aber von Anfang: Leena hat die seltsame Gabe, Geister sehen zu können. Als ihr Bruder schwer erkrankt, geht sie einen Deal mit dem mysteriösen und bedrohlichen Saint Silas ein und arbeitet fortan für ihn. Ehrlich gesagt habe ich diesen Einstieg (Geschwister erkranken schwer) in letzter Zeit zu oft gelesen, aber zum Glück wurde nicht allzu viel Zeit darauf verwendet.
Das restliche Konzept hat mir dafür gut gefallen, beim Saint können die Menschen ihre Geheimnisse eintauschen, Leenas Fähigkeit ist hierbei natürlich besonders nützlich.
Nach und nach lernt man so mehr von der Welt kennen, enthüllt lange Verborgenes und blickt hinter die Fassade der Charaktere.

Die Atmosphäre wurde wundervoll eingefangen, sehr gothic wie versprochen, zwischendurch recht düster, der Geister-Aspekt toll eingewebt.
Die Handlung ist zwischendurch dafür recht langsam, statt auf schnelle Fortschritte wird auf stetigen Aufbau gesetzt. Besonders am Anfang konnte mich dies noch nicht so ganz packen, auch wenn ich durchaus neugierig war.
Zu der Entwicklung der Beziehung zwischen Leena und Silas hat dies aber gut gepasst, generell mochte ich beide Charaktere echt gerne, auch wenn es bei Silas natürlich etwas länger gedauert hat.
Auch Themen wie Rebellionen, die Kluft zwischen arm und reich und natürlich auch einige Fantasy-Elemente wurden spannend eingebaut.
Ein gelungener Auftaktband, ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

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Leerstellen füllen

Über vier Leben von Pauline Hatscher

In der Gegenwart stellt sich Mirabell im Rahmen ihrer Therapie die Frage, über die wir vermutlich viel zu selten nachdenken: Wer waren unsere Vorfahren als Menschen, abseits ihrer Rolle als Mutter, Großmutter etc.? Welche Gedanken bestimmten ihr Handeln, welche Probleme hielten sie nachts wach - und welche Auswirkungen hat all dies auf die nachfolgenden Generationen?
Die gleichen Fragen beschäftigten auch die Autorin dieses Buches und so ist dies eine interessante Mischung aus Ahnenforschung und quasi doppelter Fiktion: Die Autorin denkt sich diese Geschichten aus, genau wie Mirabell im Buch die Leerstellen in der Geschichte ihrer Vorfahrinnen selbst ausfüllt.

Im Ergebnis haben wir so vier Zeitebenen und Perspektiven, 1930, 1968, 1994 und 2023, vier Generationen von Frauen.

Während ich diese Struktur grundsätzlich sehr mochte, liegt hierin allerdings auch mein größter Kritikpunkt. Immer wieder springen wir zurück in die Gegenwart und lesen, wie sich Mirabell all das gerade Gelesene nur ausgedacht bzw. anhand grober Fakten erschlossen hat. Dies ist zwar irgendwie auch das Grundthema des Buches, mich hat es aber leider etwas auf Distanz gehalten und ich konnte weniger mit den Charakteren mitfühlen, da sie ja teilweise so nur eine Schöpfung von Mirabell waren. Es ist ein wenig paradox dies über einen Roman zu sagen und im Grunde mochte ich die Idee auch, jedoch wünschte ich, man wäre seltener "herausgerissen" worden.
Dabei ist dies vermutlich eigentlich gar nicht so schlecht, denn die behandelten Themen waren fast durchgängig recht düster und traurig.
Vererbte Traumata, toxische Beziehungen, Depressionen, sexuelle Gewalt, die damalige Rolle der Frau - dies ist wahrlich kein Buch für schlechte Tage oder um es mal eben am Stück wegzulesen.
Abseits davon öffnet es einem aber auch die Augen dafür, selbst mal über die eigenen Familienmitglieder als Menschen nachzudenken und vielleicht eigene Nachforschungen vorzunehmen.

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Geschwisterbande

Ein Riesenspaß für die ganze Familie von Jennifer E. Smith

Vier Geschwister, Ende 30 bis Anfang 40, darunter ein Profisportler, ein Schriftsteller und eine Oscar-nominierte Schauspielerin - und trotz ihrer engen Beziehung in der Kindheit besteht aktuell fast kein Kontakt mehr. Ein gemeinsamer Wochenendtrip soll dies ändern, doch jeder bringt seine ganz eigenen Probleme mit auf die Reise und eine von ihnen hütet dazu noch drei Geheimnisse, die nun aufgedeckt werden sollen.

Zunächst mochte ich es sehr, dass man auch wirklich alle vier Perspektiven verfolgen kann, so steht keiner der Geschwister komplett im Fokus, sondern man lernt alle gut kennen. Ich hatte tatsächlich auch keinen Favoriten, alle Perspektiven hatten ihren ganz eigenen Charme und ich habe alle gleich gerne gelesen.
Immer wieder werden durch diese Perspektivwechsel auch Brücken zwischen den Geschwistern gespannt und man kann Gemeinsamkeiten und Verbindungen besser erkennen, was ich ganz schön geschrieben fand.
Generell hat mir der Schreibstil gut gefallen, es gab zwar keine sprachlichen Highlights, dafür bin ich durch die Seiten geflogen und konnte es entspannt lesen. Im Mittelteil gab es kleinere Längen, insgesamt war das Tempo aber durchaus angenehm.
Die Handlung selbst ist nicht großartig spannend, auch die Überraschungen und Geheimnisse konnte man eigentlich recht gut vorhersehen. Von daher sollte man es nicht lesen, wenn man auf so etwas Wert legt - stattdessen sollte man Gefallen an Familienbeziehungen und Geschwisterinteraktionen haben, denn diese stehen eindeutig im Fokus.
Es gibt emotionale Momente, viele witzige Stellen und Rückblicke in die Kindheit, während derer mir die Charaktere auch ans Herz gewachsen sind und auch wenn man sich das Ende denken konnte, fand ich den Weg dorthin doch sehr unterhaltsam.
Als Einzelkind war das Buch ein schöner Ausflug in die Welt einer größeren Familie und ich hätte gerne noch mehr Zeit mit dieser Familie verbracht.

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Ein dunkler Sog

Mein zärtlicher Schatten von Johanna van Veen

1953 muss Roos für ihre Ziehmutter das Medium bei Seancen spielen, den Gästen werden Besuche von den Geistern ihrer verstorbenen Liebsten vorgegaukelt. Dabei ist nur Ruth wirklich dort, der Beschützergeist von Roos.
Die Begegnung mit Gast Agnes verspricht Befreiung und ein neues Leben, doch auch auf dem alten Familienanwesen von Agnes lauern Schrecken und Geheimnisse.

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An diesem Buch ist wohl alles düster, von der Gestaltung über die Atmosphäre bis hin zu den behandelten Themen. Diese haben es auch durchaus in sich und gehen teilweise richtig unter die Haut, dabei entwickelt sich das Grauen jedoch schleichend.
Man hat zu Beginn Mitleid mit Roos, dann kommen nach und nach immer mehr Details ans Licht und werden zusätzlich noch unterstützt durch Zwischenkapitel, in denen ein Doktor versucht herauszufinden, ob Roos wahnsinnig ist.
Diese Mischung aus Gesprächen in der Gegenwart und Erzählungen über die Vergangenheit schaffen es, durchgängig die Neugier aufrecht zu erhalten.
Zwischendurch gab es allerdings doch auch Abschnitte, die sich ein wenig gezogen haben, vor allem, da manchmal nicht groß was passiert.
Trotzdem gönnt einem die Atmosphäre keine Pausen, wie in einem Sog liest man weiter, irgendwie von der Dunkelheit fasziniert.
Roos als Charakter ist echt interessant, auf ihre ganz eigene Art, Agnes hingegen ist mir im Großteil der Geschichte eher noch ferngeblieben und ich konnte Roos Zuneigung nicht immer ganz nachvollziehen.
Insgesamt ein düsteres Buch, das eigene Interpretationen zulässt und mit einer starken Atmosphäre überzeugen kann.

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Eine schicksalshafte Reise

Threadcut von Isabelle North

Yuna kann die Lebensfäden der Menschen sehen, eine Gabe, die ihr wie ein Fluch erscheint, schließlich erkennt sie so, wie viel Lebenszeit der Person noch bleibt.
Die Begegnung mit Halbgott Zenon führt sie schließlich auf eine Reise in die Unterwelt, auf der Suche nach Antworten und nach Heilung für ihre todkranke Mutter.

Die Einführung in die Geschichte hat sich für mich ein klein wenig gezogen, dafür nimmt das Tempo gut zu, als die Reise dann endlich losgeht. Hierbei lernen wir gefährliche Gegner, neue Verbündete und die verschiedenen Gebiete der Unterwelt kennen, immer schön angelehnt an die griechische Mythologie, so begegnen uns beispielsweise Charaktere wie Hades.
Da ich solche Neuinterpretationen mag, hätte ich auch ruhig noch mehr davon lesen wollen, aber bei einem Einzelband ist dies vermutlich eher schwierig. Dafür kann man die Geschichte tatsächlich bis zum Ende hin verfolgen, erfrischend in einer Welt des Fortsetzungstrends.

Der Schreibstil war angenehm und flüssig zu lesen, lediglich an der Sprache habe ich mich manchmal ein wenig gestört, da teils viele Kraftausdrücke kurz hintereinander verwendet wurden und es hierbei wenig Variation gab.
Die Beschreibungen empfand ich hingegen als gelungen, die verschiedenen Orte in der Unterwelt wirkten fantasievoll und wurden zusätzlich noch von einer Karte begleitet.
Ansonsten steht natürlich die Liebesgeschichte im Fokus, diese konnte mich aber erst gegen Ende wirklich packen. Zuvor ist die Beziehung zwischen Yuna und Zenon doch sehr geprägt von körperlicher Anziehung und lässt ein wenig Tiefe vermissen.
Dafür gab es noch eine sekundäre Romanze, die man nebenbei verfolgt und die mich tatsächlich doch sehr berührt hat.
Insgesamt ist zwar noch Luft nach oben, aber trotzdem habe ich mich gut unterhalten gefühlt, konnte mitfiebern und mitfühlen und mochte den fantasievollen Ausflug in die Unterwelt.

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