Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Paul Kretzschmar:
Code 26155
Guilty Pleasure von Linda Schipp
Mit "Guilty Pleasure" hat die Autorin Linda Schipp einen ziemlich außergewöhnlichen Thriller verfasst, der Grenzen auslotet, die heutzutage in der Welt der Reality-Formate immer weiter verschoben werden. Im Trash-TV geht es bei der Profilierung der Protagonisten heute nur noch darum, Aufmerksamkeit um jeden Preis zu erringen, nach dem Motto: Sex Sells.
Scham ist für Akteure und Zuschauer inzwischen ein Hindernis im Wettkampf um den Quotenwahnsinn. Die Frage, wo dies alles noch hinführen soll, mit Hilfe von Darknet und den neuesten KI-Möglichkeiten, versucht die Autorin in diesem fesselnden Thriller spektakulär zugespitzt zu ergründen. Die Kulisse dafür bietet ein, auf einer einsamen Insel gelegenes Hotel, in dem tabulos und ohne Regeln, allen noch so verbotenen Gelüsten gefrönt werden kann, auch wenn sie in Albträumen enden. Als Höhepunkt wird diese Reality-Show mit Hilfe von Fliegenähnlichen Mini-Kameras live in die ganze Welt gestreamt .
Ich muss gestehen, dass ich anfangs einige Probleme hatte, mich in die Handlungskomplexe hineinzufinden, da alle Akteure sich in Geheimnisse verstrickten, deren Zusammenhänge nicht immer leicht zu durchschauen waren, und ständig wechselnde Schauplätze ein aufmerksames Lesen erforderten.
Das farbenfrohe Cover sowie der von Anfang an moderne, zunehmend spannendere Schreibstil, mit clever gesetzten Cliffhangern, sorgten dafür, dass das Interesse nicht abflaute.
Je weiter die Handlung fortschritt, desto extremere Wendungen sowie überraschendere, komplexere, mitunter grausame und schockierende Ereignisse, bis zum genialem Ende, ließen keine Lesepause mehr zu.
Viele falsche Fährten und Vermutungen führten zu krassem Rätselraten , wobei die Fantasie der Autorin bemerkenswert, und mitunter sogar etwas übertrieben wirkte. Außerdem ist für sensible Leser eine Triggerwarnung empfohlen.
Zusammenfassend kann ich feststellen, dass ich mich gut unterhalten gefühlt habe und eine wohlwollende Leseempfehlung geben kann!
Rezensionen von Immenhof:
Spannend
Du musst mich vergessen von Rosie Walsh
„Du musst mich vergessen“ überzeugt durch einen sehr angenehmen Schreibstil und gut gewählte Kapitellängen. Gerade dadurch lässt sich das Buch sehr flüssig lesen und man bleibt schnell in der Geschichte.
Der Einstieg ist zunächst etwas verwirrend, da nicht sofort alle Zusammenhänge klar sind.
Mit der Zeit wird die Vergangenheit jedoch schrittweise aufgearbeitet, sodass sich das Gesamtbild nach und nach erschliesst. Auch wenn die Handlung nicht unbedingt alltagsnah ist, bleibt sie dennoch nachvollziehbar.
Besonders gelungen ist die durchgehende Spannung. Immer wieder sorgen neue Wendungen dafür, dass man unbedingt weiterlesen möchte. Auch die Darstellung der Familienkonstellationen ist spannend und gibt zusätzliche Einblicke in die Hintergründe der Figuren. Die Charaktere wirken dabei authentisch und vielschichtig, sodass man ihre Entscheidungen gut nachvollziehen kann.
Insgesamt ein spannender Roman mit guter Struktur, der durch seinen Schreibstil und die dynamische Handlung überzeugt.
Rezensionen von gabiliest:
Ein Opfer sucht seinen Mörder
Noch fünf Tage von Helena Falke
Dieses Opfer ist Liz, Sterneköchin und angestellt bei Familie Harman, Milliardäre, mit diversen Wohnsitzen und zu Sylvester in ihrem Chalet in Davos, das die Lesenden schon auf dem gelungenen und düster-einprägsamen Cover kennen lernen. Liz wird ein besonderes Sylvesterdinner vorbereiten, das sie natürlich abschmecken muss.
Dazu taucht sie immer einen Zahnstocher in die Speisen und leckt ihn ab. Doch das Dinner läuft anders als erwartet: Die Harmans sind tot, die Eltern John und Reeta, die Kinder Calliope und Percy. Und Liz weiß, sie hat nur noch fünf Tage zu leben.
Unausweichlich zeigt die Digitaluhr ihres Krankenzimmers die verrinnende Zeit. Liz möchte nur eines, ihre Tochter Cosima bei sich haben. Doch das erlaubt die Polizei nicht, Liz ist verdächtig. Um sich zu entlasten muss Liz schnellstens ihren Mörder finden.
Helena Falke hat ihren Roman “Noch fünf Tage” eingeteilt in die verbleibenden Tage, Stunden, Minuten und Sekunden. Die Lesenden fühlen mit Liz, wie ihr die Zeit zwischen den Fingern zerrinnt und sie versucht, im Geist ihre Anstellung im Milliardärshaushalt und das Sylvesterdinner zu rekonstruieren. So überprüft sie alle Familienmitglieder und findet kein Motiv, wiewohl John entschlossen war, gesellschaftlich und politisch weiter aufzusteigen. Auch ist er überzeugt, dass Reichtum dazu benutzt werden sollte, die Welt nach seinen Vorstellungen umzuformen- hat er sich dadurch Feinde gemacht?
Reeta gehört eigentlich nicht in diese Kreise und braucht Tipps von Liz, um ihren Platz zu finden. Allerdings ist sie arrogant und rücksichtslos. Zudem stellt sich heraus, dass die Familie durch ein ungewöhnliches, schwer zu beschaffendes und teures Gift getötet wurde. Auch an ihre frühere Anstellung in einem Nobelrestaurant denkt Liz. Da gab es einmal einen Vorfall, an dem Liz keine Schuld traf, trotzdem verlor sie ihren Arbeitsplatz. Ist dieser Vorfall mittlerweile vergessen? Auf Empfehlung ihres damaligen Chefs kam sie zu den Harmans.
In beklemmender Weise fühlen die Lesenden in diesem Thriller die Unausweichlichkeit des Geschehens und den verzweifelten Versuch von Liz, ihre Tochter auch nach ihrem Tod versorgt zu wissen. Der unaufhaltsame Verfall ist spürbar und immer wieder erinnern sie die sich verändernden Digits daran, wie wenig Zeit ihr bleibt. Soll sie das Angebot von Esme, ihrer Pflegerin, annehmen, und sich sedieren lassen? Nein, Liz muss klar denken können und Esme muss ihr bei ihrer atemlosen Suche nach dem Mörder helfen. Hier beschreibt der Roman weitläufig, welche Essen Liz zubereitet hat und wie sich ihr Leben im Nobelhaushalt gestaltete. Dazu auch alle Macken dieser reichen Familie und die Demütigungen, die Liz hinzunehmen hatte. Dabei gab sie sich wirklich Mühe, auf alle Vorlieben und Neurosen einzugehen, immer im Bestreben, das Leben der Familie zu verbessern.
Wenig schreibt die Autorin über Cosima, die geliebte Tochter von Liz, in den Schilderungen über das Leben bei den Harmans kommt sie kaum vor. Umso berührender ist die Szene, als Cosima von Liz erfährt, dass sie sterben werde. Doch Liz hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden, seit sie weiß, dass Cosima versorgt sein wird. Allerdings hätte ich mir hier gewünscht, mehr über das Verhältnis von Cosima und Liz zu erfahren.
Mein Fazit:
“Noch fünf Tage” beschreibt in beklemmender Weise, wie es sich anfühlt, in kurzer Zeit dem sicheren Tod entgegen zu gehen. Der Roman ist ebenso traurig wie spannend geschrieben, durch die genauen Zeitangaben fühlt man mit der sterbenden Protagonistin und ist wie sie lange nicht bereit, das Schicksal zu akzeptieren und entschlossen, den Mörder zu stellen. Mit großer Empathie wird das entsetzliche Geschehen erzählt, das extravagante Leben der Milliardärsfamilie spiegelt gesellschaftliche Vorgänge. Helena Falke wird somit zu einer sprachsensiblen Chronistin des letzten Weges, ohne je pathetisch zu werden. Auch wenn dieser Roman kein positives Ende zulässt, lohnt es sich, die Protagonistin bei ihrem Abschiednehmen zu begleiten.
Rezensionen von Julia:
Düster, intensiv und lange nachhallend
Der Fährmann von Regina Denk
Der Fährmann ist ein Buch, das sich deutlich von vielen anderen abhebt – und genau das macht für mich seinen besonderen Reiz aus. Der Schreibstil ist zu Beginn noch etwas gewöhnungsbedürftig, doch je weiter man liest, desto mehr entfaltet er seine Wirkung. Mit der Zeit habe ich ihn nicht nur akzeptiert, sondern wirklich zu schätzen gelernt.
Die Geschichte selbst ist düster und atmosphärisch dicht erzählt. Sie beschönigt nichts, sondern zeigt die harte Realität der damaligen Zeit in all ihren Facetten. Themen wie Gewalt, Untreue und die Auswirkungen des Krieges werden offen dargestellt und tragen zur eindringlichen Wirkung der Handlung bei.
Angesiedelt ist die Geschichte an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, was sich auch in den Dialogen widerspiegelt. Der eingesetzte Dialekt verleiht dem Ganzen zusätzliche Authentizität und unterstreicht die besondere Atmosphäre des Settings.
Erzählt wird aus den Perspektiven von Hannes, Josef, Elisabeth und Annemarie. Sie alle verbindet ihre Heimat und ein enges Geflecht an Beziehungen, und doch könnten ihre Lebenswege und Entwicklungen kaum unterschiedlicher sein. Gerade diese Vielschichtigkeit macht die Geschichte besonders spannend.
Dieses Buch ist sicherlich keine leichte Kost und auch nicht darauf ausgelegt, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen oder die Vergangenheit zu romantisieren. Stattdessen überzeugt es durch seine schonungslose Ehrlichkeit und emotionale Tiefe. Für mich ein gelungenes und eindringliches Werk, das noch lange nachwirkt und das ich definitiv weiterempfehlen kann.
Rezensionen von Anno:
Und wer liest nun vor?
Widdersehen von Leonie Swann
Es geht zurück zu Georg, und das schneller als gedacht. Die Schafe träumten schon von ihrer Heimatheide und waren insgeheim dem Reisen bereits etwas überdrüssig, als Rebecca die Nachricht bekam, die sie alle zurück nach Glennkill bringen sollte. Doch dort angekommen gestaltet sich das Ganze überhaupt nicht wie erwartet.
Georg war natürlich nicht da, dafür aber fremde Schafe, die sogar die Georges Place abgeweidet hatten und ein beißender Zaun hindert die Herde in ihrem Freiheitsdrang. Doch als dann auch noch Rebecca verschwindet, der Metzger ist zurück ist und Finger fliegen, ist rasch klar: die Schafe müssen über alle Berge, vielleicht sogar bis ins Paradies um ihre Schäferin wiederzufinden.
Haltet euch fest, es wird spannend, skurril und urkomisch. Ja, alles zusammen. Einen Krimi aus Schafsicht erzählt zu bekommen und zu sehen, wie Schafe unser menschliches Leben deuten, ist schon sehr speziell. Ich kannte diesen Humor aber bereits aus ‚Glennkill‘, hatte dann jedoch Leonie Swanns Bücher aus den Augen verloren, so dass ich dieses dritte Band ohne die Kenntnis des dazwischen liegenden las. Doch das machte keinerlei Probleme. Ich war schnell wieder drin und konnte nicht anders als mich vom Charme der Schafe, Fastschafe und Neuschafe einwickeln zu lassen. Das Abenteuer ist immens kreativ und großartig und das Verbrechen gewaltiger als gedacht. Doch es gibt auch sehr schöne, nachdenkliche Momente, die besonders ein Schaf betreffen, und einen faszinierenden, unbekannten Mann, der unverhofft zu Schäferfreuden kommt.
Mir hat dieses Buch immens gut gefallen und ich bin wieder neu fasziniert von dieser Serie. Das fehlende Band hab ich bereits bestellt und Kino (Glennkill wurde ja nun sogar verfilmt) steht nun auch ganz oben auf meiner to do Liste. Und das alles verdanke ich ‚Widdersehen‘.
Rezensionen von tinten_fischchen:
Strategien gegen Angst
Wenn kleine Igel mutig sind von Sandra Grimm
Angst ist normal. Vor der Dunkelheit, vor lauten Geräuschen, vor fremden Situationen. Auch in "Wenn kleine Igel mutig sind" ist Angst ein normales Gefühl. Nicht nur der kleine Igel kennt sie, selbst der Hund und der Leuchtkäfer kennen sie. Wobei es schön gewesen wäre, wenn der kleine Igel auf seiner Reise auch ein richtig großes, starkes Tier getroffen hätte.
Die Geschichte ist recht simpel und kann auch von kleineren Kindern nachvollzogen werden. Im Laufe der Geschichte lernt der Igel die unterschiedlichsten Bewältigungsstrategien kennen und probiert sie auch aus. Nicht jede passt für ihn, nicht alles kann er umsetzen. Erzählt wird dies mit einem Augenzwinkern und Humor.
Die hübschen Bilder zeigen freundliche Tiere. Bei uns waren die Katze und die Glühwürmchen der Hit. Die Bilder sind schlicht und übersichtlich gehalten. Witzige Details findet man kaum. Dadurch eignet es sich sowohl für kleinere Kinder als auch perfekt zum Anschauen vor dem Schlafengehen.
Hilfreich ist auch die Zusammenfassung des "Gelernten" auf den letzten beiden Seiten.
Die hochwertige Verarbeitung, sei es in der Haptik oder in der Gestaltung und den Zeichnungen hat mein Herz als Elternteil höher schlagen lassen. Die gewohnte Ravensburger Qualität, aber trotzdem erwähnenswert. Der einzige Schnitzer: Auf manchen Seiten ist ein schwarzer Text über einen dunklen Hintergrund auf manchen Seiten bei gedimmten Licht etwas schwer zu lesen.
Rezensionen von Shilo:
Zwischen Not und Zusammenhalt
Die Titscha von Odilo Abgottspon
Die Geschichte spielt in einer kargen, schwer zu bewirtschaftenden Landschaft, in einem Oberwalliser Bergdorf, Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Brüder Gustav und Alphons Briggeler müssen aus Not das Dorf verlassen und arbeiten als Melker in Schlesien. Dort lernen sie die Schwestern Anna und Elisabeth kennen.
Jahre später kehren die Familien ins Wallis zurück. Nach Annas frühem Tod bleibt Elisabeth zurück und wird von den Dorfbewohnern ausgegrenzt. Sie wird die Titscha genannt und muss sich ihren Platz im Dorf mühsam erkämpfen. Gustav und Elisabeth stehen gemeinsam vor Herausforderungen, die von harter Arbeit, wenig Geld und einem schweren Unfall geprägt sind.
Die Geschichte wird ruhig und klar erzählt, ohne dass die Härte des Lebens übertrieben dargestellt wird. Alles wirkt glaubwürdig, und die Figuren sind nachvollziehbar. Die Ausgrenzung von Elisabeth und ihr leiser Kampf berühren, ohne dass es gekünstelt wirkt. Auch der Zusammenhalt innerhalb der Familie sorgt für kleine, warme Momente, die die Handlung lebendig machen.
Über die Jahre hinweg zeigt sich, wie das Dorf sich langsam verändert. Die Entwicklungen sind nachvollziehbar und realistisch. Dadurch entsteht das Gefühl, ein Stück Leben mitzuverfolgen, das über Generationen hinweg geprägt ist.
Am Ende bleibt eine bewegende Geschichte, die im Gedächtnis bleibt.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die ruhige, lebensnahe Geschichten schätzen, in denen es nicht um große Dramen geht, sondern um das, was Menschen durch schwierige Zeiten trägt.
Rezensionen von Bibibabby:
Wunderschöne England-Reise
OTTO fährt los - Eine Reise nach England von Madlen Ottenschläger
Meine Kinder waren absolut begeistert, ein neues Otto-Buch zu bekommen. Sie lieben den kleinen VW-Bus und seine tollen Abenteuer.
Diesmal reist Otto in den Sommerferien mit Freda und Arthur nach England und besuchen viele aufregende Sehenswürdigkeiten: Tower Bridge, Buckingham Palace, Big Ben, Stonehenge, Sherwood Forest.
.. Wie immer sind die Bilder absolut traumhaft, und die Figuren wirken sehr sympathisch.
Diesen Band finde ich deutlich besser als die vorherigen: Die Erzählung ist strukturierter und die Übergänge von Ort zu Ort machen das Lesen auch flüssiger, zumindest in der ersten Hälfte. Besonders gut gefallen hat mir die Karte, wo alle Anhaltspunkte eingezeichnet sind, und die Packliste, mit allen Gegenständen. Auch der kleine Handlungsstrang mit Sherlock Holmes finde ich süß, auch wenn meine Kinder die Figur noch gar nicht kennen.
In der zweiten Hälfte wirkt der Schreibstil leider schon wieder ein bisschen abgehakt, und auch die besuchen Orte sind nicht mehr so gut dargestellt (Tintagel Castle, Bedruthan Steps).
Insgesamt: schönes Buch mit tollen Bildern. Hat meinem Vierjährigen gut gefallen.
Rezensionen von nessabo:
Ganz große Unterhaltung, aber für mich passen die Männer dieser Reihe nicht
The Night We Met von Abby Jimenez
Ich weiß nicht, was genau es bei dieser Reihe ist, aber ich sehe hier schon eine leichte Veränderung im Stil der Autorin. Gleich bleibt natürlich, dass die Geschichten überhaupt nicht auf Spice bauen, sondern vielmehr auf aus dem Leben gegriffene Probleme, bei deren Bewältigung Therapie und psychische Stabilisierung eine Rolle spielen.
Auch werden wie gewohnt ernste Themen angesprochen, die sehr passend in die romantische und gut lesbare Geschichte eingebettet werden.
Allerdings habe ich hier ein ähnliches Problem wie schon beim Vorgänger „Say You’ll Remember Me“: Die männliche Hauptfigur kippt mir zu sehr in ein Aufopfern. Es wird wortwörtlich gesagt: „So sollte es mit den Menschen sein, die man liebte. Dass man permanent das Bedürfnis verspürte, sich um sie zu kümmern.“ Das sehe ich nicht so und ich finde diesen Ansatz ehrlicherweise auch sehr problematisch. Ich verstehe, dass er in Romance funktioniert. Allerdings mag ich die Autorin ja gerade dafür, dass sie derartig platte Rollenbilder nicht nötig hat und ihre Figuren authentisch und aus dem Leben gegriffen sind.
Chris opfert einfach alles auf, macht jeden kleinen Handgriff für Larissa und auch wenn ich das gerade in Bezug auf ihre finanzielle Notlage teilweise verstehen kann, finde ich es deutlich übertrieben. Denn es wird zum Beispiel überhaupt nicht klar, was Larissa zur Beziehung der beiden beiträgt. Irgendwie erinnert mich das an typisches Männlichkeitsgehabe, bei dem die Männer „heldenhaft“ alles für ihre Partnerin übernehmen, während diese Partnerin gleichzeitig eher als eine Art Schatz fungiert, deren eigene Rolle in der Beziehung weitestgehend unklar bleibt. Aber eine gute Beziehung baut ja darauf, dass beide voneinander profitieren und sich nicht eine Seite aufopfern muss.
Das Problem hatte ich beim Vorgänger auch schon und ich bedaure sehr, dass die Autorin hier diese etwas platte, unkreative Richtung einschlägt. Ich hoffe wirklich, dass sie bald wieder auf vielschichtigere Charaktere setzt, die wirklich auf Augenhöhe sind. Denn Larissa ist eine echt gut geschriebene Figur und ihre Lebenssituation hat mich berührt. Nur innerhalb der Beziehung verblasst sie leider spürbar.
Auch wenn ich diesen Teil der Reihe etwas besser fand als den Vorgänger, ist mir auch hier wieder die kognitive Dissonanz in Bezug auf Tiere bitter aufgestoßen. Es wird sich liebevoll um einen (übrigens übertrieben brutalen!) Straßenhund gekümmert, während zu jeder Mahlzeit tote Tiere zu gehören scheinen. Mir hat das Lesen trotz dieser Kritikpunkte aber großen Spaß gemacht und ich bleibe Abby Jimenez aufgrund ihrer ernsten und gleichzeitig unterhaltsamen Schreibweise auf jeden Fall treu.
Ein lobendes Wort möchte ich noch verlieren für die Thematisierung von Alkoholismus, Depression und mentaler Gesundheit sowie ehrlichen Freundschaften zwischen cis Männern. Zwischendrin war ich etwas genervt davon, wie sich die Freundschaft zwischen Chris und Mike zu entwickeln schien. Das Ende hat mich aber wieder versöhnt und ich finde, solche erwachsenen Beziehungen zwischen Männern sollte es in Büchern öfter geben.
4,5 Sterne
Rezensionen von Anjulia :
Schärenmord
Bachelorette Party von Camilla Sten
Seit Jahren ist die gescheiterte True-Crime-Podcasterin Tessa fasziniert von dem spurlosen Verschwinden vier junger Frauen von der Schäreninsel Isle Blind. Wo die ermittelnde Behörde von einem alkoholisierten Bootsunfall ausgeht, glaubt Tessa an einen Mord. Als ihre Freundin Anneliese ihren Junggesellinnenabschied auf dieser Insel und dem dort neugebauten Wellnessresort feiern will, ist es für Tessa die Chance, eigene Ermittlungen anzustellen.
Dabei schwebt sie schnell selbst in Lebensgefahr.
Bachelorette Party von Camilla Sten ist ein schwedischer Thriller, der mich besonders durch das Setting des abgelegenen Wellnessresorts gereizt hat. Eine einsame Insel, keine Kommunikationsmöglichkeit und kein Entkommen. Hier wartet der Tod zwischen Wellness und Yoga. Während der Prolog schon die Ereignisse um die Gruppe der vier verschwundenen Freundinnen vorwegnimmt, baut sich die Spannung um Annelieses Junggesellinnengruppe eher langsam, aber dennoch bedrohlich auf und gipfelt in blutigen, brutalen Szenen. Das Buch wird in zwei Zeitebenen erzählt. Etwas bedauere ich, dass die Dynamik der Frauengruppe nicht mehr im Vordergrund steht. Das Potenzial für Konflikte wurde hier nicht ideal ausgenutzt. Auch das Mordmotiv bleibt mir letztendlich etwas zu vage. Trotzdem hat mich der Thriller in seinen Bann gezogen und gut unterhalten, weshalb ich ihn weiterempfehlen kann.











