Kunden em pfehlungen
Rezensionen von tinten_fischchen:
Eine Kuh will mehr
Ella, die schlaue Kuh von Marc-Uwe Kling; Astrid Henn
“Ella, die schlaue Kuh” erzählt von einer kleinen Kuh, die allen Widerständen zum Trotz ihren Weg geht. Auch wenn andere sich über ihre Träume lustig machen und sie deshalb auch fast schon mobben, lässt sie sich nicht unterkriegen. Eine der großen Stärken der Geschichte ist, dass Ella sich auch blöde Kommentare von anderen anhören muss.
Das spiegelt die Realität leider zu oft wider und bietet eine super Chance, mit Kindern solche Situation zu reflektieren und zu verarbeiten.
Zum Text von Marc-Uwe Kling muss ich nicht viel sagen: Als Autor hat er seinen eigenen Stil und Humor, den man ständig durchblitzen sieht. Es sind lustige Reime, witzige Namen, nicht immer reimt sich alles so schön, aber das macht es irgendwie auch aus.
Die Zeichnungen von Astrid Henn wirken ruhig und aufgeräumt. Das liegt auch an den warmen Erdtönen, in denen sie gehalten sind. Die Illustrationen passen gut zum Text, nehmen sich aber auch etwas zurück. Wobei der Stil mich nicht wirklich umgehauen hat. Jedoch wird Ellas Entwicklung von der kleinen bis zur großen Erklärkuh gut abgebildet.
Altersmäßig finde ich vier als untere Grenze etwas zu hoch gesteckt. Ich würde es aufgrund der Thematik eher für ältere Kinder sehen, die sich dann mehr mit Ella identifizieren können.
Fazit: Humorvolle Geschichte über Empowerment, die ganz die Handschrift von Marc-Uwe Kling trägt.
Authentischer Blick auf das Berlin der 20er und 30er Jahre
Berliner Flair von Joseph Roth
Joseph Roth kannte ich bisher nur als Romanautor. Die von BeBra Verlag unter dem Titel “Berliner Flair” herausgegebene Sammlung von Essays und Zeitungsartikeln zeigt eine unbekannte Seite des Schriftstellers. Teils beißend, teils poetisch wirft Roth einen ungeschönten, authentischen Blick auf das Berlin der Zwischenkriegszeit.
Das lesenswerte Nachwort von Ingrid Feix beginnt mit dem Satz “Joseph Roth war kein Berliner”. Dies erklärt auch die Distanz, aus der Roth erzählt.
Die Texte kreisen hauptsächlich um gesellschaftliche und politische Themen. Dazu zählen auch Sportereignisse, der technische Wandel und Alltagsbeobachtungen. Vieles regt zum Nachdenken an, mancher seiner messerscharfen Einsichten kann man auch auf unsere heutige Zeit ummünzen. Siehe “Das ganz große Warenhaus”. Durch die Vielfalt an Themen ist für alle etwas dabei und man kann einiges mitnehmen.
Nicht immer sind die Texte leicht zu lesen. Seien es nun alte Begriffe, die in der Ausgabe nicht erklärt werden, oder speziell Berliner Gebäude. Sowie historische Ereignisse. Manchmal wäre eine Einordnung schön gewesen. So bleibt es nun beim Leser zu recherchieren. Da das Buch sich aber an Leute richtet, die Interesse an einem authentischen Bild der damaligen Zeit haben, ist das nicht zu viel verlangt.
Die Texte bringen einen zum Staunen, zum Nachdenken, Vermögen zu berühren und sorgen hie und da auch für Lacher. Roth zeigt aber auch Abgründe auf. Beinahe schon prophetisch sah Roth schon sehr früh die Gewalt und das Grauen, das vom Nationalsozialismus ausging und auch die Angst und das Schweigen.
Roths Stil ist eine interessante Mischung aus trockener Beobachtung und poetischen Umschreibungen. Ich persönlich fand ihn aber auch weniger zugänglicher als Erich Kästner.
Die Ausgabe im dicken Pappband des BeBra Verlags sticht sofort ins Auge und gibt dem ganzen einen hochwertigen Anstrich. Natürlich hat der Einband auch etwas fragiles und durch den fehlenden Schutzumschlag taugt das Buch nicht zum Transport im Koffer oder im Rucksack.
Wie man sich ein Land aneignet
Territorium von Sabrina Janesch
“Territorium” von Sabrina Janesch ist alles andere als leichte Kost. Weder thematisch noch lyrisch. Wie die meisten hatte ich vor dem Lesen keine Ahnung über die Geschichte Hawai’is und wie es dazu kam, dass Hawaii ein amerikanischer Bundesstaat ist. Nach der Lektüre verspüre ich großen Frust über die Aneignung und auch darüber, dass so viel in Vergessenheit geriet.
Die ganzen Kämpfe, Heldentaten und diplomatischen Bemühungen, scheinen umsonst, und das Unrecht setzt sich durch.
Es ist ein faszinierendes Zeitbild, das Janesch beschwört. Erst im Anhang wird einem klar, wie viel Zeit und Kraft es gekostet haben muss, diese längst vergessenen Ereignisse zumindest annähernd wieder ans Licht zu holen. Die Erzählung ist sehr dicht, Janesch lässt unzählige Figuren auftreten. Vor allem Anfangs wird vom Leser viel abverlangt, da hilft auch das Personenverzeichnis zu Beginn wenig. Erst nach und nach kristallisieren sich einzelne wichtige Personen heraus und die Geschichte nimmt im zweiten Teil Fahrt auf. Der dritte Teil bietet Spannung pur.
Auch stilistisch ist das Buch phasenweise anstrengend. Dennoch fand ich es lohnend. Alleine als Denkmal für Gertrude Wolf, Königin Lili’uokalani, Carl Pana’ewa Widemann, Hermann Widemann und all die Anderen. Das Buch endet ohne dass man vom weiteren Schicksal der handelnden Personen erfährt. Und leider ist es irrsinnig schwer, im Internet brauchbares zu finden. Ein Zeugnis von der Arbeit, die sich Janesch da angetan hat. Für historisch interessierte Leser, die gerne über den Tellerrand schauen, ein Muss.
Spoiler-Alarm
Der Furzfuchs von Jan Kaiser
Ganz ehrlich: Ich mag den Furzfuchs – und meine Kinder auch! Beim Vorlesen hat die Geschichte dann aber doch nicht ganz wie gedacht funktioniert. Auf die Frage, woher der laute Knall kam, antwortete der Kleine sofort: „Der hat gefurzt, der Fuchs!“ Tja, bei dem Titel ist das wohl kein Wunder… Mit dem Mitraten und dem Rätselspaß war es damit natürlich vorbei, weshalb meinem Sohn am Ende auch die Ausdauer für die Geschichte fehlte.
Richtig gut gefallen haben ihm dafür die Reime, die er auch sofort nachgesprochen hat. Ich selbst fand neben den Reimen vor allem die Bilder wunderschön. Auf den Seiten gibt es unheimlich viel zu entdecken und die comichafte, übertriebene Darstellung der Szenen kam super an.
Mittlerweile haben wir das Buch schon einige Male zur Hand genommen, es wird also nicht so schnell weggeräumt und weckt definitiv das Interesse der Zielgruppe. Meistens schauen wir uns jetzt einzelne Szenen an – wobei die Seite mit dem furzenden Fuchs (wenig überraschend) der absolute Dauerbrenner geworden ist. Der Furzfuchs und seine Freunde haben bei uns jedenfalls schon für viele Lacher gesorgt. Das Einzige, was meinem Kind noch fehlt, wären lustige Namen für die einzelnen Charaktere.
Eine Freundschaft die man nie mehr vergisst
Honey und Blondie von Ubin Eoh
In "Honey & Blondie" beschreibt Ubin Eoh eine Freundschaft deren Intensität, Intimität und Dauer wohl die wenigsten Leute jemals erleben dürfen. Dies liegt nicht nur an der geheimen Superkraft die beide verbindet. Honey & Blondie sind mehr als nur Freundinnen, die beiden sind sich enger als die meisten Geschwister und in der Lage gemeinsam über sich selbst hinauszuwachsen.
Eine wunderschöne Idee und als Leser ertappe ich mich oft bei der Frage wie mein Leben wohl verlaufen wäre, hätte ich als ich jung und unsicher war, einen Partner der mich pusht, ohne amouröse Absichten, an meiner Seite gehabt. Hätte ich meine Träumen dann eher verfolgt?
Ubin Eoh macht aber auch vor schweren Themen wie Rassismus und Gaslighting nicht halt. Immer wieder bekommt "in den Schuhen der anderen zu gehen" eine neue, teils auch düstere Bedeutung. Dazu beinhaltet das Buch ganz, ganz viel Retro. Die meisten 90er Kinder werden wohl den einen oder anderen Flashback bekommen.
Das Buch ist in kurzen Passagen, die meist nur ein paar Seiten lang sind, unterteilt. Meist wechseln sich Honeys und Blondies Perspektive ab. Manche Passagen beinhalten auch nur den Chat-Verlauf zwischen den Beiden. Ihre Sprache ist gepickt von Jugendwörtern, was ich so mit 30+, die die Beiden gegen Ende sind, nicht ganz plausibel finde. Aber vielleicht ist Deutschland anders, aber nicht mal meine U30 Coworker verwenden magic und crazy in ihrem normalen Sprachgebrauch.
Alles in allem eine emotional mitreißende Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Die Charaktere sind mir ins Herz gewachsen und ich habe gerne mit ihnen mitgefiebert, in guten wie in schlechten Zeiten.
(K)Ein Haus fürs Leben
Alleinruhelage von Eva Menasse
“Alleinruhelage” ist ein Buch, das mich ein wenig ambivalent zurückgelassen hat. Dabei hätte das Cover mir schon eine Warnung sein sollen. Stellt das Bild nun ein Paradies dar? Oder einen Alptraum? Oder beides?
Hier kurz und knackig die Fakten: Eva Menasse kann schreiben. Der Einstieg, ach was das ganze erste Kapitel ist ein Traum.
Jedes Wort sitzt, Sätze für die Ewigkeit. Leider neigt die Ich-Erzählerin zum Lästern und ist mir daher zuwider und ganz und gar unsympathisch. Neben dem Lästern schafft sie es auch nicht, auf andere Menschen zuzugehen, abgesehen von ihren Freunden, die sie mit den köstlichen Anekdoten der Leute aus dem Osten unterhält. Quasi die Städterin, die auf die ungehobelte Landbevölkerung herab schaut und auch stark auf Abgrenzung Wert legt. Leider ist alles ziemlich schwarz-weiß, die Welt in “Alleinruhelage”. Aber vielleicht ist das Leben in Vogelsang ja so simpel, was weiß den ich. Aber als Leser sind mir die komischen Nachbarn oft sogar sympathischer als die Freunde der Ich-Erzählerin.
Dadurch, dass ich mich mit der ich-Erzählerin schwer tat, kam ich nur langsam voran. Erst das letzte Drittel, als sie endlich Verantwortung für das Haus übernimmt und die ganze Arbeit nicht mehr nur auslagert, konnte ich mich wieder ein wenig mit dem Buch versöhnen.
Der Stil, das szenische, anekdotische, sprunghafte und poetische, ist natürlich nicht jedermanns Sache. Teils erinnert es an Tagebucheinträge, teils an Anekdoten, die man sich bei einem Glas Wein erzählt. Ich lese solche Texte aber ganz gerne, wenn sie gut gemacht sind. Und handwerklich gibt es an Eva Menasses Text nichts auszusetzen, sie beherrscht das nichtlineare, eher fließende Schreiben wunderbar. Ein paar Szenen und Metaphern sind mir auch in Erinnerung geblieben und werden mich sicherlich noch länger begleiten.
Zwischen Physik und Philosophie
Die Wirklichkeit ist auch nicht wahr von Florian Aigner
Der Titel schreit ja direkt nach “Sience Busters”. Tatsächlich scheint der Autor auch Teil des Teams, oder zumindest als Gast an deren Bühenauftritten beteiligt zu sein. Das passt, denn Aigner zeigt in seinem Buch, wie man Wissenschaft für alle verständlich erklärbar macht. Ich bin alles andere als ein Physik-Nerd und konnte gut folgen.
Aigner ist ein großartiger Story-Teller, dadurch bleibt auch mehr hängen als bei einem Buch in dem nur Fakten herunter gebetet werden. Dazu gibt es auch Sätze die man sich gerne aufs T-Shirt drucken lassen möchte wie “Nachdenken ist wie Evolution ohne Todesopfer.”
Ich hatte mir ehrlicherweise aber ein Buch erwartet, das mehr in die Tiefe geht. Vor allem anfangs werden ein paar Basics erklärt, die man auch im Schulunterricht lernt, ansonsten werden recht viel Anekdoten erzählt. Als Einstieg sicher super und auch für Kinder und Jugendliche geeignet. Der Spagat zwischen Physik, Wissenschaft und Philosophie ist interessant und lädt zum nachdenken und diskutieren ein. Aber meine Weltsicht hat das Buch nicht unbedingt verändert, dazu habe ich einfach schon zu viel Vorbildung. Aber gelernt habe ich sehr viel, da der Autor wirklich viel Wissen einbringt.
Für alle die gerne mehr in die Tiefe gehen, liefert das Buch gleich ein umfangreiches Literatur-Verzeichnis mit.
Shoutout auch an den Brandstätter-Verlag für diese schicke Ausgabe. Das Cover-Design ist einfach nur genial und die Zeichnungen, die aus der Feder des Autors stammen, passen auch gut.
Bei uns eher unbekannter Klassiker im neuen Gewand
Sie flogen einen Sommer lang von Penelope Farmer
“Sie flogen einen Sommer lang", sticht sofort ins Auge. Der poetische Titel, das wunderschöne Cover, alles wirkt sehr hochwertig. Die wunderschönen Illustrationen von Barbara Yelin tun ihr Übriges. Die Geschichte selbst hat schon über 60 Jahre auf dem Buckel, und das merkt man. Die Erzählweise und Figurenzeichnung wirkt teils etwas angestaubt, vor allem im Hinblick der Haushälterin.
Mein ältester Sohn fand die Erzählung etwas langweilig, kamen doch keine richtigen Abenteuer darin vor. Meiner Nichte hingegen, die schon etwas älter ist, hat die Geschichte gut gefallen.
Die Probleme und das Lebensgefühl der Kinder wurden gut eingefangen. Auch heutige Kinder können sich noch damit identifizieren. Die kleinen Gemeinheiten, die Banden, die Rivalitäten und Freundschaften sind zeitlose Themen.
Die Geschichte spielt rein aus Sicht der Kinder und da bleiben die Erwachsenen meist blass. Wobei Penelope Farmer auch andeutet, dass Erwachsenwerden auch mit Verlusten verbunden ist. Mir persönlich hat das Ende sehr gut gefallen und ich denke, dass es ein Buch ist, das einen durch die Adolescence begleiten kann.
Auch wenn streckenweise etwas angestaubt, schafft es die Geschichte zeitlos zu bleiben. Durch ihren Realismus und den Fokus auf Psychologie und weniger Action ist sie eher für ältere Leser geeignet.
Vielschichtiges Porträt einer jungen Frau und Künstlerin
Fünf Tage im Licht von Rhiannon Lucy Cosslett
"Fünf Tage im Licht" ist eines der Bücher die zu überraschen vermögen. Aufgrund des Covers und der Inhaltsbeschreibung rechnete ich mit einem leichten Sommerroman. Bekommen haben ich ambivalente Figuren und eine bittere Abrechnung mit unserer Gesellschaft und Zeit. Die Themen Unterdrückung und Ungleichheit und das daraus entstandene Machtgefälle schwingen im Hintergrund immer mit.
Vor allem der erste Teil, die ersten fünf Tage der Geschichte gehen unter die Haut. Langsam, Stück für Stück werden die Figuren und ihre Beziehungen enthüllt. Neben Feministischen und Sozialen Themen kreisen die Gedanken der Hauptfigur um die Themen Mutterschaft und Kunst. Lassen sich beide Pole vereinbaren und wenn ja wie? Kurz angeschnitten wird noch so viel mehr. Und nichts davon arg mit dem Holzhammer, wie es leider bei "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl der Fall ist.
Rhiannon Lucy Cosslett wirkt noch sehr jung. Sie hat sich mit dem Buch viel vorgenommen und nicht alles geht auf. Der Mittelteil, nachdem die Männer gekommen sind, ist etwas langatmig und gefühlt bewegt sich da alles nur im Kreis. Aber auch eine passende Metapher für die Langeweile und Dröge des Sommers auf einer Touristeninsel ist.
Original-Titel und Cover finde ich übrigens um Welten besser und passender.
Strategien gegen Angst
Wenn kleine Igel mutig sind von Sandra Grimm
Angst ist normal. Vor der Dunkelheit, vor lauten Geräuschen, vor fremden Situationen. Auch in "Wenn kleine Igel mutig sind" ist Angst ein normales Gefühl. Nicht nur der kleine Igel kennt sie, selbst der Hund und der Leuchtkäfer kennen sie. Wobei es schön gewesen wäre, wenn der kleine Igel auf seiner Reise auch ein richtig großes, starkes Tier getroffen hätte.
Die Geschichte ist recht simpel und kann auch von kleineren Kindern nachvollzogen werden. Im Laufe der Geschichte lernt der Igel die unterschiedlichsten Bewältigungsstrategien kennen und probiert sie auch aus. Nicht jede passt für ihn, nicht alles kann er umsetzen. Erzählt wird dies mit einem Augenzwinkern und Humor.
Die hübschen Bilder zeigen freundliche Tiere. Bei uns waren die Katze und die Glühwürmchen der Hit. Die Bilder sind schlicht und übersichtlich gehalten. Witzige Details findet man kaum. Dadurch eignet es sich sowohl für kleinere Kinder als auch perfekt zum Anschauen vor dem Schlafengehen.
Hilfreich ist auch die Zusammenfassung des "Gelernten" auf den letzten beiden Seiten.
Die hochwertige Verarbeitung, sei es in der Haptik oder in der Gestaltung und den Zeichnungen hat mein Herz als Elternteil höher schlagen lassen. Die gewohnte Ravensburger Qualität, aber trotzdem erwähnenswert. Der einzige Schnitzer: Auf manchen Seiten ist ein schwarzer Text über einen dunklen Hintergrund auf manchen Seiten bei gedimmten Licht etwas schwer zu lesen.











