Kunden em pfehlungen
Rezensionen von tinten_fischchen:
Ein wunderbares Buch
Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken von Sarah Lorenz
Ganz adrett steht es da, in meinem Regal. Herausfordernd blickt sie mich an. Die Dame auf dem Cover. Und ich merke: Das kleine Büchlein geb ich nicht mehr her.
Der Debütroman von Sarah Lorenz ist voller Leben, Schmerz, Liebe. So viel mehr, als man in einem Leben ertragen kann. Aber man muss. Und wenn es nicht mehr geht, hilft Mascha.
Das Buch ist auch eine Hommage an die Dichterin Mascha Kaleko, deren Gedichte die einzelnen Kapiteln einleiten. Kaleko kannte ich noch nicht. Aber ihre Gedichte gefallen mir sehr. Sowohl Kaleko als auch Lorenz schreiben mit einer gewissen Leichtigkeit über die großen, schweren Themen es Lebens.
Es bleibt das Gefühl, dass das Leben neben all seiner Hässlichkeit auch Liebe bereithält. Ebenso Freundschaft und großartige Literatur.
Das Buch hat allerdings auch eine Trigger-Warnung zu Beginn. Es werden wirklich sehr viele schmerzhafte Themen behandelt. Trotz der Leichtigkeit in der Sprache musste ich an einigen Stellen schlucken. Vor allem das Verhältnis der Ich-Erzählerin zu ihren Eltern hat mich lange beschäftigt. Sie versteht ihre Mutter rational aber ist nicht in der Lage ihr emotional zu verzeihen. Anderseits versteht sie rational dass ihr Vater ein Ars… ist, und ihre Mutter eigentlich missbraucht hat, aber emotional hat sie sich mit ihm versöhnt und konnte eine gute Beziehung zu ihm aufbauen.
Die Last der Vergangenheit
Wo wir uns treffen von Anna Hope
Philip Brooke ist tot. Er war ein schlechter Vater. Ein schlechter Ehemann. Und Besitzer eines über 200 Jahre alten Anwesens inklusive Tausenden von Hektar Land. Nach seinem Tod trifft sich die Familie auf dem Landsitz um den Patriarchen im engsten Kreis zu verabschieden. Und darüber zu diskutieren wie es mit dem Land weitergehen soll.
Hier soll ein Idyll entstehen, ein Ort an dem die Natur sich wieder ausbreiten kann. Doch wie lange lässt sich die Außenwelt aussperren? Wie lange die Vergangenheit?
Anna Hopes Roman erinnert aufgrund seines Aufbaus und der Erzählweise an eine Serie. Die Geschichte spielt an nur fünf Tagen. Es gibt weder eine Haupt- noch eine Heldenfigur. Stattdessen folgen wir dem Schicksal vieler Figuren. In Rückblenden erfahren wir mehr über die einzelnen Akteure. Alte Wunden und Traumata werden hervorgeholt. Dadurch können wir sie besser verstehen. Auch wenn wir keine Sympathie für sie empfinden.
Das Anfangs gemächliche Erzähltempo wird immer schneller. Ein Unheil braut sich zusammen. Anna Hope hat sehr viele Themen in „Wo wir uns Treffen“ gepackt. Von Klimawandel, Tech-Milliardären bis hin zum Älterwerden ist alles dabei. Der Erzählton ist ungewohnt nüchtern, selbst über die rückgratlosen Investoren macht Hope sich nicht lustig.
Aus dem Buch kann man vieles mitnehmen, vieles bringt einen zum nachdenken. Am Ende wird vielleicht etwas zu sehr mit der Moralkeule geschwungen. Aber selbst das wird reflektiert. Auch als Leser bleibt man ambivalent zurück. Ein Buch das zum Nachdenken anregt und meisterlich erzählt ist. Ganz großes Kino.



