Kunden em pfehlungen
Rezensionen von uncletom:
Wenn das Leben andere Pläne hat
Es ist hell und draußen dreht sich die Welt von Dita Zipfel
Das Buch ist eine nachdenkliche Geschichte über zwei Frauen, deren Leben sich um das Thema Mutterschaft, Erwartungen und innere Konflikte dreht. Da ist Linn, die sich ein Kind wünscht, jedoch trotz verschiedener Bemühungen nicht schwanger wird. Auf der anderen Seite Eva, die mit 2 Kindern die perfekte Mutter zu sein scheint.
Ihre Männer sind seit Kindertagen befreundet und beschließen, gemeinsam Urlaub zu machen. Während dieser Zeit erfährt der Leser einiges über die wirklichen Geschichten der Protagonisten.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, wodurch man schnell Zugang zur Geschichte findet. Die Handlung ist insgesamt gut nachvollziehbar aufgebaut. Innere Zerrissenheit, Schuldgefühle und Ängste werden glaubwürdig und einfühlsam beschrieben. Die Protagonistinnen sind insgesamt sehr gut ausgearbeitet. Ihre Gedanken und Emotionen wirken authentisch, sodass man ihre Entscheidungen und Reaktionen gut nachvollziehen kann.
Weniger überzeugen konnte mich allerdings das Cover, das auf mich eher unscheinbar wirkt, und das offene Ende. Es lässt einen fragend zurück.
Rezensionen von Anndlich:
Aufgepasst
Obacht! von Kerstin Hau
Vor einer Stadt liegt ein großes Tier, das den Eingang zur Stadt versperrt. Die Bewohner:innen versuchen das Problem auf ihre eigene Weise zu lösen, nur Mienchen ist damit nicht zufrieden, denn das Problem ist immer noch da. Also nimmt sie all ihren Mut zusammen und spricht das riesige Tier einfach an.
Obacht! von Kerstin Hau und der Illustratorin Stella Dries vermittelt die Macht von Worten und dass sich Probleme dann am besten lösen lassen, wenn man miteinander redet. Auf humorvolle Art und mit einer wunderschönen Zeichenart wird den Leser:innen gezeigt, dass es manchmal einfachere und sinnvoller ist, den direkten Weg zu wählen und die Kommunikation mit dem Unbekannten zu suchen, anstatt das Problem anders lösen zu wollen und dadurch nur noch mehr Probleme zu erschaffen.
Ein schönes Bilderbuch, dass zum Kommunizieren animiert und auch den Kleinen eine Stimme gibt.
Rezensionen von Immenhof:
Solide
Sonne und Regen - So ist unser Leben von BarbaraSofie
„Sonne und Regen“ ist ein Bilderbuch aus stabilem, hartem Material, das sich gut für jüngere Kinder eignet. Die liebevollen Zeichnungen sprechen sofort an und zeigen vertraute Alltagssituationen, die Kinder gut wieder erkennen können. Thematisch handelt es sich um gute Alltagssituationen, wie z.
B. das Gehen des Vaters zur Arbeit. Die dargestellten Szenen wirken ruhig und nahbar, auch die Textmenge ist gut gewählt und überfordert nicht. Insgesamt umfasst das Buch elf Doppelseiten, was für diese Altersgruppe gut passt.
Positiv fällt auf, dass Diversität zumindest ansatzweise vorkommt, allerdings beschränkt sich auf Nebencharakter. Hier hätte ich mir eine etwas breitere Darstellung gewünscht. Wie in vielen Büchern, sind Kinder mit asiatischem Hintergrund selten anzutreffen. Kritisch sehe ich zudem die Szene mit dem Trampolin, da sie aus meiner Sicht ein eher fragwürdiges Vorbild darstellt. Es mag kleinlich klingen, aber Trampoline werden für Kleinkinder nicht empfohlen und das Buch wäre problemlos ohne ausgekommen, Insgesamt ist es jedoch ein solides Bilderbuch mit alltagsnahen Themen, schöner Gestaltung und einer guten Balance zwischen Text und Bild.
Rezensionen von LeserinLu :
Wichtiges Thema
Obacht! von Kerstin Hau
Obacht ist ein Bilderbuch über den Umgang mit dem Unbekannten und darüber, wie wichtig es ist, miteinander zu sprechen, statt voreilig zu urteilen und Fremdes auszuschließen. Vor einer Stadt liegt plötzlich ein großes Tier und versperrt den Weg. Die Bewohner:innen reagieren sofort: Sie decken es zu, bauen eine Brücke darüber und eine Straße darum herum.
Für sie ist das Problem damit immer nur kurz gelöst und es gibt durch die Lösungen neue Probleme. Nur Mienchen entscheidet sich, das Tier direkt anzusprechen – und eröffnet damit eine ganz andere Perspektive auf die Situation.
Die Geschichte ist kindgerecht, verständlich und mit einfachen, klaren Worten erzählt. Die Figuren tragen humorvolle Namen, die Kinder ansprechen und zum Mitsprechen einladen. Text und Bild ergänzen sich gut: Die reduzierten Illustrationen und Leerstellen im Text lassen Raum für eigene Deutungen und bieten viele Gesprächsanlässe. Besonders geeignet ist das Buch für den Einsatz in der Grundschule. Themen wie Fremdsein, Angst, Kommunikation und gegenseitiges Verstehen lassen sich daran gut mit Kindern besprechen. Das zusätzlich angebotene pädagogische Begleitmaterial ist dafür eine hilfreiche Ergänzung. Ich kann mir gut vorstellen, das Buch als Ausgangspunkt für Projekte zu nutzen, zum Beispiel: Was ist dir fremd? Wie kann man es kennenlernen? Kinder können dazu selbst etwas ausprobieren und eigene Geschichten erfinden oder Bilder gestalten.
Rezensionen von liesmal:
Leider konnte ich mich nicht auf das Buch einlassen
Lightfall 1: Das verlorene Licht von Tim Probert
„Tief im Herzen des fantastischen Planeten Irpa leben Bea und ihr Großvater, der weise Zauber-Eber, in einem Haus voller Tränke, Heilkräuter – und Geheimnisse.“ Allein dieser erste Satz aus der Buchbeschreibung hat mich neugierig gemacht auf die Geschichte und auf die beiden als Hüter der ewigen Flamme.
Die Vorstellung, die Welt könne in völlige Dunkelheit kippen, ist wie ein Alptraum. Doch das Abenteuer beginnt, nachdem der Großvater verschwunden ist und Bea nun allein die Verantwortung für die Flamme trägt. Sie muss sich nicht allein auf die Suche nach ihrem Großvater begeben, denn sie trifft Cad, der sein Volk, die Galdurier sucht und glaubt, dass der Zauber-Eber ihm dabei helfen kann.
Es ist eine aufregende Geschichte, in der es um Hoffnung, Mut, Freundschaft und Zusammenhalt geht – und natürlich darum, die Flamme zu hüten und aufzupassen, dass sie nicht verlischt.
Leider hat mich das Buch nicht so gepackt, wie ich es mir gewünscht hätte. Vielleicht hat es daran gelegen, dass es sehr stark riecht (von Duft mag ich hier nicht sprechen). Auch nach drei Wochen ist der Geruch nicht weniger geworden. Das hat mich so sehr gestört, dass einfach keine Lesefreude bei mir aufkommen konnte.
Es tut mir leid, dass ich hier nur drei von fünf Sternen vergeben kann.
Rezensionen von Ryria:
Schmerzende Worte
Da, wo ich dich sehen kann von Jasmin Schreiber
Emma ist 30, hat eine Tochter im Grundschulalter, liebende Eltern, eine tolle beste Freundin und einen Mann, der sie ermorden wird.
Dieses Buch tut mit jeder Seite weh und doch ist es so unheimlich wichtig und wundervoll geschrieben.
Emmas Geschichte wird aus vielen Perspektiven erzählt, wir verfolgen ihre eigenen Gedanken vor ihrem Tod, aber auch das Leben danach von ihrer besten Freundin, ihrer Tochter und ihren Eltern.
Dazwischen gibt es auch Textabschnitte, die alles nochmal realer wirken lassen, wie ein Sektionsgutachten oder das Transkript des Notrufs, als Maja ihre tote Mutter findet.
Immer wieder habe ich beim Lesen einen Kloß im Hals bekommen, manchmal auch Tränen in die Augen, viele Sätze habe ich mehrmals gelesen oder eine Weile auf mich wirken lassen. Die Charaktere und ihre Gefühle und Gedanken wirken so authenthisch, dass man sich viel zu gut in sie hineinversetzen kann. Die Freundschaft zwischen den Frauen hat mich (trotz Unterschieden) so an meine beste Freundin erinnert, dass ich teilweise auch um Emma mitgetrauert habe und mich gefragt habe, was ich machen würde, wenn meine Freundin so plötzlich stirbt.
Der Schreibstil hat etwas ganz Besonderes, manche Sätze sind ewig lang, aber wirken dennoch nicht übertrieben oder kompliziert, sondern erinnern an einen menschlichen Gedankenfluss.
Dazu werden auch Themen des "Was wäre wenn" oder Paralleluniversen durchdacht, was passend zur Thematik der Trauer war.
Femizide sind leider ein immer noch sehr aktuelles Problem in unserer Gesellschaft, daher finde ich es umso wichtiger, dass darauf aufmerksam gemacht wird und jeder in der Weise hilft, wie es ihm möglich ist. Die Autorin trägt mit diesem Buch ihren Teil dazu bei, nun ist es an uns, auf unsere Lieben und auch auf uns selbst achtzugeben.
Absolute Leseempfehlung alleine für das Thema, aber auch Stil und Inhalt konnten mich sehr überzeugen!
Rezensionen von Mara:
Perfekter Einstieg für Anfänger - toll illustriert
Hochbeet für Ahnungslose von Anja Klein; Véro (Veronika) Mischitz
„Hochbeet für Ahnungslose“ von Anja Klein und Véro Mischitz ist ein praxisnaher Ratgeber, der blutigen Anfängern alle Infos zu Hochbeeten liefert – von Planung und Bau bis zur Pflege und Ernte. Mit vielen cleveren Tricks zeigt es, wie man platzsparend und ertragreich gärtnern kann.
Der Ratgeber wirkt wie ein illustriertes Bilderbuch für Erwachsene: Die bunten Illustrationen und der klare Aufbau machen das Blättern zum Spaß und vermitteln tonnenweise Infos bildlich – ohne endlosen Text.
Was mir neu war, war eine Step-by-Step-Anleitung für eine Wurmfarm, durchlässige Ollas als Gießhilfe und die Regenrinne als smarte Anzuchtlösung – alles super praxistauglich!
Ein sehr empfehlenswerter Begleiter, der mich bestens auf die kommende Pflanzsaison vorbereitet hat. Absolut kaufen für alle, die endlich loslegen wollen!
„Hochbeet für Ahnungslose“ von Anja Klein und Véro Mischitz ist ein praxisnaher Ratgeber, der blutigen Anfängern alle Infos zu Hochbeeten liefert – von Planung und Bau bis zur Pflege und Ernte. Mit vielen cleveren Tricks zeigt es, wie man platzsparend und ertragreich gärtnern kann.
Der Ratgeber wirkt wie ein illustriertes Bilderbuch für Erwachsene: Die bunten Illustrationen und der klare Aufbau machen das Blättern zum Spaß und vermitteln tonnenweise Infos bildlich – ohne endlosen Text.
Was mir neu war, war eine Step-by-Step-Anleitung für eine Wurmfarm, durchlässige Ollas als Gießhilfe und die Regenrinne als smarte Anzuchtlösung – alles super praxistauglich!
Ein sehr empfehlenswerter Begleiter, der mich bestens auf die kommende Pflanzsaison vorbereitet hat. Absolut kaufen für alle, die endlich loslegen wollen!
Rezensionen von Francesca :
Ein Sommercamp voller Herz, Vielfalt
Camp Rainbow - Über mir der Himmel von Alicia Zett
"Camp Rainbow - Über mir der Himmel" war für mich ein echtes Wohlfühlbuch, das mich mit seiner warmen Atmosphäre und den authentischen Figuren begeistert hat. Ich habe es in zwei Etappen gelesen: Die ersten 150 Seiten habe ich in einem Rutsch verschlungen, dann eine kurze Pause eingelegt, ein anderes Buch dazwischengeschoben, und schließlich den Rest innerhalb weniger Tage beendet.
Trotz dieser Unterbrechung ist mir die Geschichte sehr positiv in Erinnerung geblieben; ich freue mich schon auf Band 2!
Stimmige Sprache und Atmosphäre
Der Schreibstil war leicht und flüssig, gleichzeitig aber auch einfühlsam und tiefgründig. Besonders schön fand ich, wie das Gendern und die Verwendung verschiedener Pronomen welche sich perfekt in den Lesefluss eingebettet haben.
Einfühlsamer Einstieg in Malins Welt
Zu Beginn des Buches bekommt man einen guten Einblick in Malins familiäre Situation, ihre Beziehung zu ihrem Vater, ihrer Schwester und auch zu ihrer Mutter wird einfühlsam dargestellt. Diese Einblicke erleichtern den Zugang zu ihrer Gefühlswelt und schaffen eine emotionale Grundlage, ohne zu sehr im Mittelpunkt zu stehen. Im weiteren Verlauf rücken dann aber ganz klar die neuen Bekanntschaften im Camp Rainbow in den Vordergrund. Die Dynamik zwischen Malin und den anderen Jugendlichen im Camp, ihre Freundschaften und das sich entwickelnde Liebesinteresse, bilden das Herzstück der Geschichte und haben mich besonders mitgerissen.
Humorvolle und diverse Charaktere
Die Dialoge haben mich oft zum Schmunzeln gebracht, einige Szenen waren einfach herrlich witzig. Die Autorin hat es geschafft, ernste Themen und Humor gut auszubalancieren. Was mich besonders überzeugt hat, war die Vielfalt der Charaktere im Camp. Unterschiedliche queere Identitäten und Lebensrealitäten wurden ganz selbstverständlich in die Geschichte eingebunden, ohne dass sie übermäßig erklärt oder hervorgehoben wurden. Solche Szenen wirkten authentisch und normalisiert, was ich als sehr gelungen empfand.
Liebenswert und überraschend
Die Handlung nahm im weiteren Verlauf eine Richtung, die ich so nicht erwartet hätte, das fand ich spannend und angenehm unvorhersehbar. Auch wenn die Ereignisse im Camp sich über nur drei Wochen erstrecken, war das Tempo für mich in Ordnung. Die Entwicklung von Gefühlen und Beziehungen wirkte nicht überstürzt, sondern glaubwürdig und sensibel erzählt.
Kleine Kritik, große Empfehlung
Wenn ich einen kleinen Kritikpunkt nennen müsste, dann wäre es die Entwicklung einer Nebenfigur gegen Ende. Eine Reaktion wirkte für mich nicht ganz nachvollziehbar, vermutlich, um die Handlung in eine bestimmte Richtung zu lenken. Das hat meinen Gesamteindruck aber kaum geschmälert.
Das Setting im Camp, der Verzicht auf Handys, der Fokus auf Freundschaften und persönliche Entwicklung, all das hat in mir den Wunsch geweckt, selbst mal wieder mehr Zeit in der Natur zu verbringen und den Alltag hinter mir zu lassen. Das Buch regt zum Innehalten und Nachdenken an, ohne dabei schwer zu wirken.
Fazit: 4,5 Sterne – mit Tendenz nach oben
Insgesamt hat mir Camp Rainbow – Über mir der Himmel sehr gut gefallen. Aufgrund der Lesepause hat mich der Flow stellenweise verlassen, daher vergebe ich vorerst 4,5 Sterne. Aber ich bin sicher: Bei einem Reread könnte es sich sehr leicht wie ein echtes 5-Sterne-Buch anfühlen.
Wer queere Geschichten mit Herz, Humor und Tiefgang mag, sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben.
Rezensionen von Francesca :
Zwischen Düften, Kulturen und Schicksalen – eine berührende Reise nach Sansibar
Der Duft der fernen Insel von Christina Rey
Einleitung
Mit Der Duft der fernen Insel legt Christina Rey einen umfangreichen Roman von stolzen 635 Seiten vor. Für mich persönlich war es das erste Mal, ein so langes Buch zu lesen, doch die Reise hat sich durchaus gelohnt. Es handelt sich dabei um den zweiten Band einer Reihe, die jedoch nicht direkt mit dem ersten Teil verbunden ist, sondern vielmehr im gleichen Stil und thematisch ähnlich gestaltet wurde.
Erneut begleiten wir eine Sultanstochter, diesmal die blinde Nunu, und erleben ihre Geschichte über gut ein Jahrzehnt hinweg. Unterstützt wird sie von der jungen englischen Lehrerin Eve, die nach Sansibar kommt, um ihr Lesen und Braille-Schrift beizubringen. Neben ihnen treten zahlreiche Nebenfiguren auf, die die Handlung bereichern und verschiedene Handlungsstränge eröffnen.
Themen
Zentral verknüpft sind die Themen Blindheit, Düfte und die Kunst der Parfümherstellung. Durch Nunus außergewöhnliche Nase wird ein Strang eröffnet, der sich durch den gesamten Roman zieht und in allen drei großen Abschnitten eine Rolle spielt. Gleichzeitig geht es um Politik, Wirtschaft, kulturelle Begegnungen und die Stellung von Frauen im 19. Jahrhundert. Gerade letzteres hat mich stark bewegt: immer wieder werden uns die Grausamkeiten und Leiden vor Augen geführt, die Frauen und Mädchen ertragen mussten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Leben im Palast des Sultans. Wir erleben hautnah, wie das Zusammenleben mit mehreren Frauen im Harem, mit zahlreichen Halbgeschwistern und den ständigen politischen Spannungen funktioniert. Diese Strukturen sind geprägt von Nähe, Rivalität, Abhängigkeit und Machtkämpfen, was der Autorin sehr eindringlich gelingt.
Darüber hinaus zieht sich das Thema Religion wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Wir begegnen Figuren, die im Christentum verwurzelt sind, andere wiederum leben im Islam, und auch Voodoo sowie afrikanische Glaubensvorstellungen rund um Ahnen, Natur und Götter haben ihren Platz. Das Buch bietet dadurch einen vielschichtigen Einblick in das religiöse Leben dieser Zeit. Besonders spannend fand ich, dass es nicht nur bei Beschreibungen bleibt, sondern die Figuren selbst immer wieder Fragen aufwerfen: Welcher Glaube ist der richtige? Wer ist der wahre Gott? Kann die Welt so grausam sein, wenn es wirklich einen Gott gibt, der alle Menschen beschützen soll?
Gerade diese Auseinandersetzungen, die sehr menschlich und nachvollziehbar dargestellt sind, haben mir als Atheistin überraschend gut gefallen. Ich habe die vielen verschiedenen Einblicke geschätzt, ohne dass eine Religion moralisch über die andere gestellt wird. Vielmehr zeigt die Autorin, wie sehr Glaubensvorstellungen das Leben prägen, aber auch, wie Figuren lernen müssen, miteinander zu leben, obwohl sie unterschiedliche Überzeugungen haben.
Orte und Atmosphäre
Wir bewegen uns in diesem Buch nicht nur auf Sansibar, sondern erleben auch andere Teile Afrikas und schließlich sogar Europa. Dadurch treffen ganz unterschiedliche Kulturen, Traditionen und Lebensweisen aufeinander, was die Geschichte unglaublich reich und lebendig wirken lässt. Dieses Zusammenspiel aus Orten und Kulturen hat mir sehr gefallen, weil es das Gefühl verstärkt, wirklich eine weite, facettenreiche Reise zu unternehmen. Erst im Detail merkt man dann, wie sehr auch die Sprachen – Arabisch, Kisuaheli, Französisch und Englisch – miteinander verwoben sind. Das bereichert die Welt zwar, hat mir aber manchmal kleine Schwierigkeiten bereitet, weil einzelne Begriffe oder Anreden ungewohnt waren und ich manches nachgoogeln musste.
Perspektiven und Erzählweise
Der Roman ist in Abschnitte gegliedert, die jeweils bestimmte Figuren stärker in den Vordergrund stellen. So begleiten wir hauptsächlich Eve, Nunu und später auch Fanny. Am Ende kommt noch eine weitere Figur hinzu, die jedoch nur wenige Kapitel umfasst. Auch wenn sich der Fokus verschiebt, bleibt der Erzähler stets allwissend. Das bedeutet, dass wir neben den zentralen Handlungen auch Informationen über andere Orte oder Figuren erhalten. Diese Struktur fand ich grundsätzlich interessant, da sie Abwechslung bietet. Dennoch hatte ich im ersten Teil, besonders während der langen Einführung rund um Eve, Schwierigkeiten, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Erst nach über hundert Seiten stellte sich dieses vertraute Gefühl ein, das ich schon aus Band eins kannte: das Mitfiebern, die Verbundenheit mit den Figuren und die Spannung, welche Konsequenzen ihre Handlungen nach sich ziehen würden.
Schreibstil und Lesefluss
Christina Reys Schreibstil zeichnet sich durch eine sehr bildhafte, detailreiche Sprache aus. Schon im ersten Band gefiel mir, wie ausführlich sie Landschaften, Orte oder auch die Atmosphäre beschreibt. Im zweiten Band hatte ich jedoch das Gefühl, dass diese Beschreibungen etwas zurückgenommen wurden. Sie tauchen zwar immer noch auf, sind aber situationsbezogener eingebettet und nicht mehr ganz so dominant wie zuvor. Grundsätzlich gefällt mir diese Art des Erzählens sehr, da sie eine intensive Vorstellung der Welt ermöglicht. Allerdings wurde mein Lesefluss durch bestimmte stilistische Mittel gestört. Mehrfach unterbricht der Erzähler die Gegenwart mit Sätzen wie „Später wird Eve erfahren, dass …“ oder „Später erfuhr sie, dass …“. Solche Einschübe nahmen mir die Spannung und wirkten eher hemmend. Hinzu kommt, dass ich durch die Vielzahl an Figuren, Namen und politischen Verwicklungen gelegentlich den Überblick verlor und Passagen mehrfach lesen musste. Hier hätte ich mir ein Glossar gewünscht, um fremde Begriffe, Titel oder Anreden leichter nachschlagen zu können.
Handlung und Struktur
Die Handlung erstreckt sich über mehr als ein Jahrzehnt, was dem Roman eine große zeitliche Weite verleiht. Dadurch wirkt die Entwicklung der Figuren authentisch, weil Beziehungen wachsen, Fehler begangen und korrigiert werden und das Leben nicht in wenigen Wochen erzählt, sondern über Jahre hinweg entfaltet wird. Der erste große Abschnitt gehört Eve. Wir begleiten sie von Liverpool bis nach Sansibar, lernen ihre Schülerin Nunu kennen und beobachten, wie sie sich auf die neue Kultur und die ungewohnte Umgebung einlässt. Danach rückt Nunu selbst stärker in den Mittelpunkt. Ihre Entwicklung vom neugierigen, etwas frechen Kind hin zur jungen Frau, die Fehler macht, daraus lernt und ihren eigenen Weg findet, war für mich einer der stärksten Teile des Romans. Im letzten großen Abschnitt begegnen wir Fanny, Eves Begleiterin. Leider verlor ich an diesem Übergang kurz den Anschluss an Eve, da ihre Geschichte kaum weitergeführt wurde, was ich etwas schade fand. Dennoch war es spannend, auch Fannys Perspektive genauer kennenzulernen.
Figuren
Die Figuren sind zahlreich und komplex. Besonders Eve hat mir als Einstieg sehr gefallen: eine junge Frau aus England, die zwischen den Kulturen steht, neugierig und doch unsicher, dabei stets bemüht, Nunu zu fördern. Nunu selbst ist eine außergewöhnliche Figur – blind, aber mit einem feinen Gespür für Düfte, das sie später in die Parfümherstellung führt. Ihre Entwicklung war nachvollziehbar und vielschichtig, nie übertrieben, sondern voller kleiner Rückschritte und Fortschritte, die sie lebendig wirken lassen. Fanny bildet schließlich einen Kontrast: eine Figur, die man anfangs eher im Hintergrund erlebt, die aber in ihrem eigenen Abschnitt an Tiefe gewinnt. Insgesamt gelingt es der Autorin, viele Charaktere lebendig zu gestalten, doch es war für mich stellenweise schwierig, bei all den Namen und Verwandtschaftsverhältnissen den Überblick zu behalten.
Emotionalität
Emotional hat mich das Buch sehr berührt, besonders in den Abschnitten, in denen das Leid der Figuren deutlich wurde. Die Fluchtsequenzen etwa waren voller Spannung, und mehr als einmal fühlte ich mich an den Nervenkitzel aus dem ersten Band erinnert. Gleichzeitig fand ich es schade, dass die Autorin fast ausschließlich negative Höhepunkte setzt. Schöne, positive Momente kamen nur vereinzelt vor, und erst im letzten Abschnitt erlebte ich wirklich rührende Szenen, die mich so bewegt haben, dass ich Tränen vergoss. Diese Stellen wirkten für mich aber zu kurz und kamen zu spät. Ich hätte mir gewünscht, dass das Gleichgewicht zwischen schmerzhaften und schönen Momenten etwas ausgewogener gewesen wäre, denn auch Glück kann eine Handlung vorantreiben und Figuren lebendig machen.
Schluss und Ende
Das Ende empfand ich als sehr abrupt. Nach so vielen Seiten voller Aufbau, Intrigen und Entwicklungen hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte zu schnell abgeschlossen wurde. Neue Figuren wurden eingeführt, die viel Potenzial gehabt hätten, erhielten aber kaum Raum. Besonders bedauerlich war, dass manche liebgewonnenen Charaktere nur noch im Nebensatz Erwähnung fanden, sodass ihre Schicksale nicht die Aufmerksamkeit bekamen, die sie verdient hätten. Zwar gab es einen schönen Ausklang, doch der war für mich zu knapp und hinterließ das Gefühl, dass die Geschichte unausgezählt endete.
Fazit
Der Duft der fernen Insel ist ein groß angelegter Roman, der mich trotz einiger Schwächen beeindruckt hat. Er ist nicht so stark und rund wie der erste Band, doch Christina Rey gelingt es erneut, eine faszinierende Welt voller Figuren, Kulturen und Emotionen zu erschaffen. Besonders die lange Zeitspanne, die wir mit den Figuren verbringen, und die Themen rund um Düfte und Sinneswahrnehmung haben mir sehr gefallen. Kritikpunkte wie der holprige Einstieg, die vielen Namen ohne Glossar, die oft negative Gewichtung der Höhepunkte und das abrupte Ende haben mein Leseerlebnis etwas getrübt. Dennoch war es eine lohnenswerte, intensive Reise, die mich an vielen Stellen berührt hat. Wer sich auf die Länge und den detailreichen Erzählstil einlässt, wird mit einer spannenden, gefühlvollen Geschichte belohnt.
Rezensionen von gerlisch:
Blut und Magie
Magic Drowned in Blood von Christina Rain
Christina Rain beginnt eine Dark‑Romantasy‑Reihe mit einem Mix aus Vampiren, Magiern, Royals und einem intensiven Academy‑Setting, das sofort süchtig macht. Die wechselnden POVs verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe und der fesselnde Schreibstil lässt den Leser nicht los.
Lark ist halb Vampirin, halb Magierin und eine faszinierende, rätselhafte Protagonistin.
Unsicher, zerrissen und am Nightcastle College heftig gemobbt, wächst sie im Verlauf der Handlung spürbar über sich hinaus. Sie muss sich unfreiwillig den grausamen Prüfungen stellen, um Schattengeliebte der Prinzen des nördlichen Königshauses zu werden. Besonders ihre Entwicklung hat mir sehr gut gefallen, obwohl ich manche ihrer Entscheidungen und Handlungen nicht wirklich nachvollziehen konnte.
Die Prinzen Tarabas und Loras könnten unterschiedlicher kaum sein – undurchsichtig, schwer zu greifen, und ihre kursiv gesetzten Gedanken erzeugen bei mir mehr Fragen, als sie beantworten.
Der Genremix funktioniert erstaunlich gut: New Adult trifft Academy trifft Fantasy, dazu moderne Charaktere mit schlummernden Kräften und ein Hauch Dark Romance. Das Why‑choose-Trope war für mich etwas gewöhnungsbedürftig, aber überraschend zurückhaltend umgesetzt, die Spice‑Szenen stehen klar nicht im Vordergrund.
Das Ende? Viele offene Fragen und viele Geheimnisse. Ein gelungener Auftakt, düster, magisch, emotional und voller Spannung, der definitiv Lust auf mehr macht.










