Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Anndlich:
Zugfahrt durch die Unterwelt
Serpentis 1. Das Rätsel der Schlangen von Silja Sillanpää
Stein wächst nach dem mysteriösen Verschwinden bei seinen Großeltern auf. Als Stein 12 ist, können die beiden sich jedoch nicht mehr um ihn kümmern und Stein macht sich auf die Suche nach seiner Mutter, gewappnet mit seiner kleinen Schlange Niji und einem sehr alten Foto von seiner Mutter. Schon bald stürzt Stein durch ein Loch in die Tiefen der Erde, dort trifft er auf Dia und einem geheimnisvollen Schlangenzug.
Kann er hier seine Mutter finden?
Das Rätsel der Schlangen von Silja Sillanpää ist der erste Teil der Serpentis-Reihe, die von Pasi Pitkänen mit ausdrucksstarken Illustrationen ausgeschmückt wurde und durch sehr kurze Kapitel zu einem kurzweiligen Lesevergnügen wird.
Stein erzählt seine Geschichte aus der Ich-Perspektive, dabei spricht er die Leser:innen immer wieder direkt an. Ein Stilmittel, dass Stein sehr schnell sympathisch und nahbar wirken und uns in die ungewöhnliche Welt eintauchen lässt. Besonders gut gefallen hat uns die Bedeutung Nijis (und ihrer Artgenossen).
Die Welt, in die Stein eindringt ist ungewöhnlich und erscheint innovativ. An manchen Stellen war das für meinen 10-jährigen Mitleser auch etwas zu neu und es war für ihn etwas schwierig der Geschichte zu folgen bzw. zu Erkennen, zu welchem Zweck manche Figuren auf diese Art handeln. Diese Fragen werden hoffentlich die folgenden Bände beantworten.
Hervorzuheben ist auch noch, dass das Buch sehr hochwertig erscheint. Die festen Blätter geben haptisch ein tolles Feedback und die Illustrationen machen die Geschichte zu einem echten Hingucker.
Rein ins Leben
Der Sommer, in dem Henry die Tiere verstand und sein Herz verlor von Robert Isaacs
Henry verbringt sein erstes Date mit Molly im Central Park, alles läuft verblüffend gut, bis ein Magnolienwaldsänger die beiden aus seinem Revier vertreiben möchte. Während Molly das süße Zirpen des Vogels vernimmt, hört Henry den Vogel klar und deutlich „Verpiss dich aus meinem Revier“ sagen.
Während Henry zuerst von Halluzinationen ausgeht, muss er erkennen, dass er nicht nur den Vogel versteht, sondern auch die Ratten aus der Kanalisation und die Kampffische seines Mitbewohners Yaryk.
Der Sommer, in dem Henry die Tiere verstand und sein Herz verlor von Robert Isaac hat einen erfrischenden Schreibstil und mit Henry einen wundervollen Protagonisten. Henry ist geprägt von Selbstzweifel, Pessimismus und dem Bedürfnis nach uneingeschränkter Harmonie, dafür geht er gekonnt jedem vermeintlichen Konflikt aus dem Weg. Generell haben mir Isaacs Charaktere sehr gut gefallen, alle waren komplett different und doch in ihrer Art sehr sympathisch.
Die Entwicklung Henrys über das Buch zu verfolgen, war nicht nur amüsant, sondern auch erfrischend und wohltuend, weil ich mich schnell in Henry hineinfühlen und mit ihm sympathisieren konnte. Molly und Yaryk waren tolle Nebencharaktere, aber auch Henrys Nachbarin war ein toller Nebencharakter.
Doch so gut mir die menschlichen Charaktere und ihre Entwicklung gefielen, so schwach fand ich den Aspekt, von dem ich mir am meisten erwartet habe. Henrys Gehör für die Tierwelt. Ich hätte mir Interaktion zwischen Henry und den Tieren erhofft und vor allem, dass es abwechslungsreicher gestaltet wird. Bei den ersten Malen musste ich über die Tierwelt noch schmunzeln, doch irgendwann hat sich der Effekt verlaufen und es hätte etwas anderes benötigt, um mich weiterhin unterhalten zu können.
Fazit: Der Sommer, in dem Henry die Tiere verstand und sein Herz verlor glänzt mit tollen Charakteren und einer schönen Entwicklung, mit Liebe, Akzeptanz, Selbstfindung und dem vollen Vertrauen von anderen. Das Verständnis von Tiergeräuschen ist ein netter Nebeneffekt, der aber nicht vollumfänglich ausgenutzt wurde und sich im Laufe der Geschichte abnutzt.
Gruselfaktor: 0
Other Mommy von Josh Malerman
Die 8-jährige Bela hütet ein Geheimnis vor ihren Eltern, denn nachts, wenn keiner bei ihr ist, kommt die andere Mommy aus ihrem Schrank. Früher hat sich Bela auf ihren Besuch gefreut, doch mittlerweile macht die andere Mommy ihr Angst, vor allem weil sie diese eine Frage stellt. Darf ich in dein Herz?
Other Mommy von Josh Malerman ist mir in der damaligen Verlagsvorschau direkt ins Auge gesprungen, als dann auch noch der Kinotrailer lief, musste ich das Buch einfach holen.
So gut der Klappentext und der Kinotrailer waren, so enttäuschend war dann doch die Umsetzung.
Wir erleben die Geschichte aus der Perspektive der 8-jährigen Bela. Die Sichtweise hat mir unfassbar gut gefallen, macht das Lesen teilweise aber auch holprig und den lässt den Schreibstil ungewöhnlich wirken. Was jedoch mein größtes Problem war, ich konnte Belas Alter absolut nicht greifen. In manchen Momenten wirkte sie deutlich jünger, in anderen wiederum extrem reif, das passt zwar grundsätzlich zu Kindern, aber in dem Fall hat mir in dem Wechsel die Konstante gefehlt bzw. das Erkennen, wann Bela eher jünger und wann älter wirkt.
Perspektive und Idee waren für mich das Positive an dieser Geschichte, der Inhalt blieb durchgehend schwach. Ich habe ständig darauf gewartet, dass etwas gruseliges passiert. Die Grundsituation ist das natürlich, aber es kam bei mir einfach nicht an. Vielleicht, weil Bela die andere Mommy nicht durchweg beängstigend empfindet und mir als Leserin damit auch der Effekt und die Anspannung genommen wurde.
Other Mommy hat sich für mich daher leider als riesiger Flop herausgestellt, dem zwar eine tolle Idee zugrunde liegt, aber mehr dann eben nicht. Für alle die am Film interessiert sind, ich habe das Buch im Trailer nicht wiedergefunden und bin daher optimistisch, dass der Film deutlich besser ist.
An(ge)kommen
The Peppermint Hot Chocolate Dilemma von Kyra Groh
Olive hat ihr Leben perfekt durchgeplant, doch dann steht sie mit 25 Jahren vor der Scheidung und ist kurz davor, ihr zuhause zu verlieren. Hätte da nicht ihre Schwester Jude eine Idee, die Olive finanziell unterstützen könnte. Doch dafür muss Olive ausgerechnet dem Bestseller-Autoren Casey O’Leary und seine 12-jährige Tochter in ihr zuhause lassen.
Mit den beiden kommt nicht nur Geld ins Haus, sondern auch Chaos und Olive hasst nichts mehr als Unordnung.
The Peppermint Hot Chocolate Dilemma von Kyra Groh ist der letzte Teil der Reihe, die uns in das gemütliche Kleinstädtchen Lower Whilby entführt. Nachdem Olive in den beiden Vorbänden als Nebencharakter äußerst präsent war, war ich super gespannt auf ihre Sicht, denn es war absehbar, dass in ihr mehr steckt als die Perfektionistin.
Olive und Casey waren zwei super sympathischer Protagonist:innen, die aus unterschiedlichen Gründen bereits etwas reifer wirkten als ihre Vorgänger:innen. Aus dem Grund wirkten auch die Themen, welche die beiden beschäftigten, sehr tiefgründig und sie verliehen der Geschichte eine gewisse Ernsthaftigkeit. Olive, die alles zu verlieren droht, auch sich selbst und sich genau darin vielleicht zum ersten Mal richtig findet. Casey, der eine Schreibblockade durchlebt und dessen Single-Dad-Alltag ihn prägen und ängstigen. Gefühle, die sicherlich sehr viele Menschen kennen. Man versteht nicht nur die Protagonist:innen, sondern fühlt sich regelrecht verstanden.
Kyra Grohs Schreibstil ist wie immer erste Klasse, der Humor kommt trotz der Ernsthaftigkeit nicht zu kurz, zahlreiche Metaphern sorgen für sehr viel Lesespaß und ein kurzweiliges Lesevergnügen. Die winterliche Stimmung konnte mich nicht ganz erreichen, dafür war möglicherweise Lower Whilby zu wenig präsent und der Fokus lag viel mehr auf Casey und Olive. Vermisst habe ich bei Olives ganzem Struggle ihre Arbeit, wäre nicht ein paar Mal erwähnt worden, dass sie Grundschullehrerin ist, dann hätte man dies anhand ihres Alltags eher nicht wahrgenommen. An der Stelle hat es mir daher etwas an Authentizität gefehlt.
The Peppermint Hot Chocolate Dilemma ist ein gelungener Abschluss der Lower Whilby Reihe. Eine Kleinstadt, die ich ins Herz geschlossen habe und deren Bewohner:innen ich gerne immer wieder über den Weg laufen würde, denn alle (Neben-)Charaktere haben mich über die drei Bände zum Schmunzeln gebracht und eine tolle Atmosphäre versprüht.
Vom TSV Lehnerz zum FC Bayern München
Jamal Musiala. Ein Traum. Ein Ball. Meine Geschichte. von Jamal Musiala; Julien Wolff
Jamal Musiala hat früh den Durchbruch bei den Bayern geschafft, in diesem Buch für Kinder ab 10 Jahren berichtet er von seinem Werdegang. Wie es seine Familie aus dem Schwabenland nach England zog und wie er aus dem Nachwuchsbereich des FC Chelseas zu den Bayern kam. Eine Geschichte über einen großen Traum und den Zusammenhalt einer Familie.
Jamal Musiala - Ein Traum. Ein Ball. Meine Geschichte von Jamal Musiala und Julien Wolff erzählt über den Werdegang Musialas. Das empfohlene Alter von zehn Jahren erscheint mir fast zu hoch, da der Schreibstil sehr einfach ist, eignet sich dieser auch für jüngere Kinder.
Musiala berichtet von seinem Werdegang, den ersten Erfahrungen beim TSV Lehnerz, dem NLZ bei den Blues und seinem Durchbruch bei den Bayern. Wer Interviews von Musiala kennt, der kann erahnen wie sympathisch er seine Geschichte rüberbringt. Dem Autor Julien Wolff ist es definitiv gelungen, die Stimme Musialas rüberzubringen und das Gefühl zu übermitteln, dass Musiala neben einem sitzt und seine Geschichte erzählt.
Außerdem finden Musialas Mutter Carolin, sein ehemaliger Jugend-Coach James Simmonds und Leroy Sané weitere Einblicke in den Charakter Musialas. Während Musialas Geschichte das Gefühl gibt, dass er von unheimlichen Talent gesegnet wurde, wird aus den anderen Perspektiven bewusst, dass Musiala ebenso sehr viel Arbeit und Fleiß in seine Karriere gesteckt hat, um sein Ziel zu erreichen. Perspektiven, die es durchaus benötigt, um als junger Mensch mit dem Wunsch Profifußballer:in zu werden, Hoffnung aus solchen Geschichten mitzunehmen und alles für den eigenen Traum zu geben.
Besonders schön wird das Band innerhalb der Familie beschrieben, das von gegenseitigem Respekt und viel Liebe geprägt ist. Ein tolles Vorbild für Klein und (!) Groß.
An einigen Stellen hat uns der Text etwas verloren, weil er sehr sprunghaft wurde und zeitlich schwierig einzuordnen war oder, vor allem ab der Station beim FC Bayern, uns zu schnell abgehandelt wurde. Auch wenn für den FC Bayern Meisterschaften an der Tagesordnung stehen, so war für Musiala die Meisterschaft 2023 sicherlich etwas besonders und obwohl es erwähnt wurde, kam das Ausmaß dessen bei uns nicht wirklich rüber.
Schade fanden wir auch, dass an manchen Stellen bestimmte Fotos erwähnt wurden, diese aber (ohne Hinweis) gesammelt und nicht chronologisch in der Mitte des Buchs aufgeführt wurden. Wir hätten es schöner gefunden, wenn man diese Fotos in den Text eingebaut hätte oder zumindest auf die entsprechende Seite hingewiesen worden wäre.
Jamal Musiala - Ein Traum. Ein Ball. Meine Geschichte ist ein Buch über einen sympathischen Fußballer, der in jungen Jahren schon viel erreicht hat und dennoch auf dem Boden geblieben ist. Ein Buch für jedes Kind, dass sich für Fußball interessiert, über einen Spieler und eine Familie, die ein tolles Vorbild ist.
Das Blut der Fabelwesen
Die Schule der Fabelhaften, Band 1 - Das Erbe des Phönix von M. J. Brandon
Colt fühlt sich bei seiner aktuellen Pflegefamilie endlich wohl, bis ihm erneut etwas ungewöhnliches passiert und er sonderbare Kräfte während eines Football-Spiels entwickelt. Zwei Unbekannte sammeln Colt ein und klären ihn darüber auf, was er ist: in seinen Adern fließt das Blut eines mächtigen Fabelwesens.
Um herauszufinden, welches Fabelwesen-Blut es ist, wird Colt an die geheime Schule der Fabelhaften gebracht.
Das Erbe des Phönix von M. J. Brandon ist der erste Teil der fantastischen Reihe Die Schule der Fabelhaften für Kinder ab zehn Jahren. Der Einstieg beginnt direkt turbulent und packend, der Schreibstil und Weltenaufbau gefiel uns dabei sehr gut.
Im Laufe der Geschichte verlor sich jedoch etwas das Tempo, die große Frage des Klappentexts wird schnell beantwortet und die Suche nach der Quelle seiner Kraft ist damit schnell beendet. Im Fokus standen eher das Ankommen an der Schule, die Fehden, die wiederum die einzelnen Kräfte der Fabelwesen etwas erklären konnten und das Kennenlernen der Mitschüler:innen. Außerdem entdeckt Colt etwas mysteriöses, dem er auf die Spur kommen möchte.
Gerade am Anfang war alles etwas viele, viele neue Gesichter, die alle unterschiedlichen Fabelwesen zugehörten und unterschiedliche Kräfte besitzen. Viele Informationen, die zu Beginn eher erzählt und weniger gezeigt wurden.
Doch Colton, der von allen lieber Colt genannt werden möchte, wurde sehr schnell zu einem sympathischen Protagonisten, weswegen wir die Welt unbedingt mit ihm erkunden wollten und seine Gefühle komplett nachvollziehen konnten. Zwar ist das Tempo der Geschichte etwas abgeflacht, dennoch haben sich immer wieder Fragen ergeben, die zum Weiterlesen animierten und insgesamt das Gefühl vermittelten, dass Das Erbe des Phönix einen erstmal die neue Welt zeigen wollte. Das Ende lässt vermuten, dass es im nächsten Teil spannend(er) weitergeht. Band eins hat mit der Einführung auf jeden Fall das Potenzial für eine herausragende Reihe gelegt.
Zwei Leben
Chimaira: Malin & Maira von Sabine Giebken
Malin liebt es auf der Bühne zu stehen und zu tanzen, doch sie kann ihre Nervosität nicht bändigen und wenn sie Sarina scheinbar mühelos den perfekten Tanz abliefern sieht, packt Malin die Unsicherheit noch mehr und sie verliert ihre Leichtigkeit. Und dann ist da auch noch Yannick…
Maira ist die Neue an der Schule und um sie gibt es viele Gerüchte.
Das alles interessiert Maira jedoch nicht, sie möchte nur ihren Durst stoppen. Doch vielleicht benötigt sie mehr als ein bisschen Zeit…
Chimaira von Sabine Giebken ist ein Jugendbuch für Kinder ab 12 Jahren. Das Wendebuch erzählt die Geschichte von Malin und Maira, deren Leben sich auf ungewöhnliche Weise kreuzen.
Die Aufmachung von Chimaira fand ich unfassbar spannend. Eine Geschichte, die aus zwei Perspektiven geschrieben wurde und wir können selbst entscheiden, mit welcher wir beginnen.
Aber egal mit welcher Perspektive wir starten, auf beiden Seiten werden weitere Fragen aufgeworfen, sodass man Lust auf die nächste Sicht bekommt. So beantworten beide Seiten nicht nur Fragen über die eigene Person, sondern auch über die jeweilige andere und das hält einen auch in der zweiten Perspektive bei Laune.
Maira ist ein interessanter Charakter, ihre Sichtweise ist durchweg eher düster und mysteriös, teilweise kaum greifbar, aber dennoch authentisch und interessant. Ihrer Persönlichkeit kommen wir im Laufe der beiden Perspektiven immer näher, dennoch fehlte mir am Ende etwas mehr Information zu dem, was sie ist und warum sie diese Dinge macht. Das wird zwar durchaus erläutert, hätte aber gerne noch etwas mehr Tiefe besitzen können. Malin hingegen hat typische Teenagerprobleme, die sie zu einem nahbaren Charakter machen und im Laufe ihrer Geschichte entwickelt sie sich zu einer starken Persönlichkeit, die eine tolle Entwicklung nimmt.
In den Handlungen der Geschichte schwingen sehr viele Botschaften mit, die aber meist eher durchdrungen und weniger offensichtlich da liegen.
Die Aufmachung sorgt natürlich auch dafür, dass manche Handlungsstränge repetitiv wirken. Die Sorge hatte ich bereits vor dem Lesen und war positiv überrascht, dass es meist dennoch unterhaltsam blieb. Nur einmal hat die Geschichte dadurch etwas an ihrer Sogwirkung verloren. Auch das wir das Ende der zweiten Perspektive bereits durch die erste Geschichte kannten, machte das Lesen überraschenderweise nicht uninteressanter.
Die beiden Enden der Geschichten waren mir jedoch zu plötzlich und hätten gerne noch mehr Tiefe besitzen können, dennoch hat mir gefallen, dass die eine Perspektive, die jeweilige Zukunft der anderen Perspektive erahnen lässt und somit dann doch ein ganz gutes Ende findet.
Chimaira ist ein tolles Jugendbuch, das durch starke Figuren und eine ganz besondere Geschichte zu überzeugen weiß.
Welcher Wunsch leitet dich?
Wolkenberührpunkt von Christoph Kramer
Christoph Kramer trifft in einer Buchhandlung auf Roman, einen jungen Mann, der Kramers Romandebüt mit abgezählten Münzen zahlt. Die beiden kommen ins Gespräch und Roman erzählt Kramer seine Geschichte.
Romans Leben ändert sich in der Silvesternacht 2000 schlagartig, sein Leben wirft Fragen auf und die Suche nach dem mysteriösen „J“ beginnt.
Auf dem „Wolkenberührpunkt“ fühlt er sich frei von seinen Problemen und er eignet sich perfekt, um seine Wünsche in die Welt zu tragen.
Wolkenberührpunkt ist der zweite Roman des ehemaligen Fußballers Christoph Kramer. Diesmal steht jedoch nicht Kramer im Mittelpunkt, sondern Roman und seine Kindheit. Kramer schreibt in einfachen Sätzen über eine Kindheit, die nicht immer leicht war. Und obwohl der Satzbau simpel ist, die Worte leicht gewählt und dadurch ein Gefühl von Einfachheit vermittelt wird, gibt der Text zwischen den Zeilen so viel mehr mit und baut dadurch eine schöne Tiefe auf!
Romans Leben ändert sich zum Jahreswechsel ohne Vorwarnung und er beginnt alles zu hinterfragen. Romans Zerrissenheit, den Blick auf die Welt und auf seine familiären Strukturen ist sehr gut gelungen, alles war spürbar und es fühlte sich an als lege sich die Last Romans auf die eigenen Schultern. Seine Gefühle sind nicht nur nachvollziehbar, sondern spürbar.
Neben der sehr gefühlvoll erzählten Geschichte Romans gibt es nach jedem Kapitel auch einen Einblick von Christoph Kramer, eine Art Vergleich zwischen den beiden Lebenswelten in denen sich Roman und Christoph befanden. Er erkennt Unterschiede, sucht Gemeinsamkeiten und reflektiert auf eine Art, die auch mich als Leserin zum Nachdenken gebracht hat.
Wolkenberührpunkt hat mich auf eine Weise berührt, die ich nicht für möglich gehalten habe. Eine Geschichte, die direkt in mein Herz ging und eine, in denen sich manche Erwachsene vielleicht wiederfinden, weil sie es kennen, wenn die eigene Kindheit steinig war.
Das Geheimnis um Prašina
DunkelZone von Vojtech Matocha
Die Dunkelzone breitet sich aus. Immer mehr Orte in Prag müssen ohne Strom auskommen. Jirka, En und Tonda ist klar, dass sie den Grund für dieses Phänomen aufdecken müssen, um die Dunkelheit vor ihrer Ausbreitung zu stoppen. Doch dabei bringen sie sich in große Gefahr, denn drei skrupellose Gegenspieler sind auf ihren Fersen und schrecken vor nichts zurück.
DunkelZone von Vojtěch Matocha ist ein aktionsreiches Abenteuerbuch für Kinder ab 11 Jahren, die mit einer düsteren Atmosphäre gut umgehen können.
Die Charaktere waren leider eher schwach ausgearbeitet. Wir erleben die Geschichte aus Jirkas Perspektive und kennen seinen Background daher etwas besser, doch außer den Eckdaten, dass seine Eltern verreist und sein Opa in Prašina lebt, erfahren wir kaum etwas über ihn oder seine Gefühlswelt, das macht es schwer sich ihm und seiner Geschichte anzunähern. Auch seine Freund:innen Anastasia ‚En‘ und Tonda werden nur grob vorgestellt, die Beziehungen untereinander werden zwar leicht thematisiert, aber auch hier fehlt mir das Gefühl für ihre Gefühle, vor allem in Anbetracht der Entwicklung zwischen ihnen.
Die Namen der Figuren, Persönlichkeiten und Orte der Geschichte stammen aus dem tschechischen und sind daher teilweise nicht ohne Hilfe lesbar. Hier hätte ich mir ein Verzeichnis mit der entsprechenden Aussprache gewünscht. Aus Respekt gegenüber der tschechischen Sprache und ihren Namen, aber natürlich auch um Kindern das Lesen zu erleichtern.
Das Setting Prag gefiel mir ausgesprochen gut, vor allem weil es selten in Kinderliteratur zu finden ist. Die Atmosphäre ist durchgehend düster und wird von der Autorin gut transportiert, inhaltlich sind die Gefahren durch den Tod, Gewalt und Verfolgungen spürbar und definitiv nichts für jedes Kind, vor allem weil das Buch in der jetzigen Zeit spielt und damit relativ wenig Abstand zwischen Fiktion und Realität für das lesenden Kind sein könnte.
Das Ende konnte mich wiederum nicht überzeugen. Nicht auf Ebene des Plots, den fand ich durchaus gut, auch wenn er sehr vorhersehbar war. Aber auf der freundschaftlichen Ebene, fand ich es schlecht aufgelöst, weil so viel unausgesprochen und offen bleibt, dass es sich nicht gut anfühlte, das Buch zu beenden. Das Offene ist aber nichts, was sich wie eine offene Frage für den nächsten Band anfühlt und ich war nach Beenden des Buchs überrascht, dass es sich um einen Auftaktband handelt.
DunkelZone gefällt mir in seiner Grundidee, dem Setting und der Atmosphäre sehr gut, verliert mich aber aufgrund der fehlenden Tiefe der Figuren und ihren Beziehungen zueinander. Gestolpert bin ich auch über wechselnde Zeitformen, die nicht in mein Sprachgefühl gepasst haben. Daher konnte mich DunkelZone leider nicht ganz von sich überzeugen.
Die Kakerlaken-Gang
Das verfluchte Gold von Hell Gate von Davide Morosinotto
1927, New York. Rico hat etwas grauenhaftes entdeckt und wendet sich direkt an seine Freunde aus der Kakerlaken-Gang. Ein toter Mann liegt unter der Eisenbahnbrücke. Wer war er und warum musste er hier sterben? Und was hat es mit der Streichholzschachtel auf sich? Gefesselt von ihrem Fund machen sie sich auf die Suche nach Antworten und stoßen auf ein versunkenes Geheimnis.
Die HMS Hussar versank in den Tiefen von Hell Gate und nahm siebzig Truhen voller Gold mit.
Das verfluchte Gold von Hell Gate von Davide Morosinotto ist ein atmosphärisches Jugendbuch für Leser:innen ab 12 Jahren.
Wir erleben die Geschichte aus den Perspektiven der Kakerlaken-Gang, die aus Amy, Lucy, Mario, Rico und Tommy besteht. Die fünf Freund:innen könnten unterschiedlicher nicht sein und doch eint sie, dass sie sich ausgestoßen fühlen. Ihre Familien sind eingewandert und nun leben sie in New York in einem ‚italienischen‘ Viertel.
Tommy und Mario sind zwei Italiener, die in einem Gebäude wohnen, allerdings wird Marios Mutter selbst von den Hausbewohner:innen verachtet und für verrückt erklärt. Mario lebt allein mit seiner Mutter, die immer wieder in Depressionen ertrinkt und damit viel Verantwortung an ihren Sohn übergibt, der sich nicht nur um seine Bildung kümmert, sondern auch um den Verdienst und um einen vollen Kühlschrank. Tommy ist das jüngste Kind einer Großfamilie. Amy ist Koreanerin, deren Eltern ein Pub betreiben, Lucy ist ein kluges Mädchen, dass aufgrund ihrer Hautfarbe jedoch ständig mit Rassismus konfrontiert wird und Rico hat alles in seinem Leben verloren, weswegen er auf die Hilfe von Fremden angewiesen ist.
Die fünf Kinder und ihre Familien sind toll herausgearbeitet, jeder hat seine persönlichen Päckchen zu tragen, die für ihr Alter unfassbar groß sind. Zusammen finden sie etwas, dass sie auf eine aufregende Schatzsuche begibt und den Zusammenhalt ihrer Freundschaft verdeutlicht. Insgesamt gefiel mir die Ausarbeitung der Freundschaft sehr gut, es gab unterschiedliche Meinungen und trotzdem hat man immer einen Weg gefunden, den alle akzeptiert haben.
Neben der Geschichte der Freund:innen reisen wir auch in die Vergangenheit und lernen das Leben des Lotsen Bill Swan kennen. Dieser Part ist gut vom Rest der Geschichte zu unterscheiden, indem es kursiv abgedruckt wurde und bettet sich hervorragend in die Hauptstory ein.
Die Geschichte ist sehr melancholisch und trist, der Tod, Korruption, Gewalt und Angst zieht sich durch das komplette Buch und ist gewiss auch ein Zahn der Zeit. Hinzukommen haarsträubende Aktionen, welche die fünf Freund:innen teilweise durchführen, um dem Schatz näher zu kommen. Immer wieder bringen sie sich in Gefahr und dienen absolut keiner Vorbildfunktion.
Das Ende konnte in jeder Hinsicht überzeugen, sie zeigt das Herz der Fünf und rundet Bill Swans Leben perfekt ab. Ein tolles Buch, dass für manch junge:n Leser:in vielleicht etwas zu langsam erzählt wird, dass aber durch seine Atmosphäre und den Transport des damaligen Zeitgeist bei uns sehr gut ankam und für viel Gesprächsstoff sorgte. Ein Buch, dass sicherlich auch erwachsene Leser:innen abholen kann.
Selten wird es bei mir erwähnt, aber in diesem Fall fühlt es sich nach einem Muss an. Die Aufmachung des Buchs ist der Wahnsinn. Ich liebe es, wenn Cover den Inhalt des Buchs widerspiegeln, das ist hier absolut der Fall und wirklich grandios umgesetzt. Auch die schwarz-weiß Illustrationen vor jedem Kapitel sind toll und machen das Buch zu einem echten Hingucker.











