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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Lerchie:

Hendricks Mutter

Die Austernfischerin von Celine Edinger

Lydia verbringt ihren Urlaub mit ihrem Freund bei seiner Mutter Elna. Da Hendrick durch die Prüfung gefallen ist, ist er zum Lernen verdammt und Lydia sucht Beschäftigung. Die findet sie bei Elna, die Austernfischerin ist. Sie hilft bei der ernte und die beiden Frauen kommen sich näher. Während Hendricks Verhalten rätselhafter wird, erkundet Lyydia eine zarte Zuneigung zu Elna.

Dann macht Lydia eine Entdeckung, die alles auf den Kopf stellt, denn nich6ts ist so wie es scheint. Das Buch erzählt von Intimität und einem Tabubruch.

Meine Meinung
Tja, leicht und flüssig ließ sich dieses Buch schon lesen, aber es war einfach nicht mein Stil. Zwar gab es keine Unklarheiten im Text, aber auf mich wirkten die Sätze einfach so willkürlich aneinandergereiht. Wobei die Idee des Buches gar nicht schlecht war, aber meines Erachtens schlecht umgesetzt. Während Elna mit Lydia viel sprach, richtete sie kaum ein Wort an Hendrick, der doch ihr Sohn sein sollte. Oder war er es etwa nicht? Ein Tabubruch wird im Klappentext erwähnt und das war wohl, dass Lydia in ihrem Zimmer, in dem sie letztendlich schlief ein Foto fand. Ein offensichtlich aufschlussreiches Foto. Doch ganz aufschlussreich war es doch nicht, denn wirklich aufgeklärt wurde die Sache in dem Buch nicht. Es blieb alles etwas diffus, auch wenn man auf bestimmte Vermutungen kommen konnte. Eine wirkliche, deutliche Aussage machte das Buch nicht. Das ist etwas, das mir gar nicht gefällt, wenn etwas nicht wirklich gesagt, bzw. geschrieben wird. Klar, man kann Vermutungen hegen doch es ist mir auch noch unklar, ob Hendrick etwas wusste. Mir hat diese Buch auf jeden Fall nicht gefallen, denn es hat auch noch nicht wirklich ein Ende, denn dieses ist ziemlich abrupt. Dahervon mir nur 2 Sterne, denn für 3 reicht es bei mir nicht.

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Rezensionen von Ryria:

Leerstellen füllen

Über vier Leben von Pauline Hatscher

In der Gegenwart stellt sich Mirabell im Rahmen ihrer Therapie die Frage, über die wir vermutlich viel zu selten nachdenken: Wer waren unsere Vorfahren als Menschen, abseits ihrer Rolle als Mutter, Großmutter etc.? Welche Gedanken bestimmten ihr Handeln, welche Probleme hielten sie nachts wach - und welche Auswirkungen hat all dies auf die nachfolgenden Generationen?
Die gleichen Fragen beschäftigten auch die Autorin dieses Buches und so ist dies eine interessante Mischung aus Ahnenforschung und quasi doppelter Fiktion: Die Autorin denkt sich diese Geschichten aus, genau wie Mirabell im Buch die Leerstellen in der Geschichte ihrer Vorfahrinnen selbst ausfüllt.

Im Ergebnis haben wir so vier Zeitebenen und Perspektiven, 1930, 1968, 1994 und 2023, vier Generationen von Frauen.

Während ich diese Struktur grundsätzlich sehr mochte, liegt hierin allerdings auch mein größter Kritikpunkt. Immer wieder springen wir zurück in die Gegenwart und lesen, wie sich Mirabell all das gerade Gelesene nur ausgedacht bzw. anhand grober Fakten erschlossen hat. Dies ist zwar irgendwie auch das Grundthema des Buches, mich hat es aber leider etwas auf Distanz gehalten und ich konnte weniger mit den Charakteren mitfühlen, da sie ja teilweise so nur eine Schöpfung von Mirabell waren. Es ist ein wenig paradox dies über einen Roman zu sagen und im Grunde mochte ich die Idee auch, jedoch wünschte ich, man wäre seltener "herausgerissen" worden.
Dabei ist dies vermutlich eigentlich gar nicht so schlecht, denn die behandelten Themen waren fast durchgängig recht düster und traurig.
Vererbte Traumata, toxische Beziehungen, Depressionen, sexuelle Gewalt, die damalige Rolle der Frau - dies ist wahrlich kein Buch für schlechte Tage oder um es mal eben am Stück wegzulesen.
Abseits davon öffnet es einem aber auch die Augen dafür, selbst mal über die eigenen Familienmitglieder als Menschen nachzudenken und vielleicht eigene Nachforschungen vorzunehmen.

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Rezensionen von ingri:

Entspannend und Entspannung als Thema

Cozy Coloring - Love Yourself von

Ein klassisches Malbuch zum Thema Selbstliebe und selfcare bzw. allgemein Entspannung.
Man begleitet kleine Figuren durch verschiedene entspannende Szenen. So zum Beispiel Musik hören, Drachen fliegen, Meditation, ein Tag am Pool und noch so vieles mehr.

Die Seiten sind einzeln bedruckt und heraustrennbar.

Die Gestaltung des Covers durch Kartoneinlagen schön stabil, so dass auch das Malen möglich ist, wenn einmal kein stabiler Untergrund zur Verfügung steht. Auch die integrierte Malunterlage, um das Durchdrücken zu verhindern ist eine schöne Idee. Generell ist das Papier aber auch angenehm dick und hochwertig, so dass sich bei mir noch nichts durchgedrückt hat.
Liebevoll gestaltet ist auch die Seite, die erlaubt das Buch mit Namen zu versehen und die um Farben zu testen.

Das Buch richtet sich vor allem an Erwachsene und Teenager. Die Szenen sind aber generell eher großteilig und klar umrandet, so dass sicher auch Jüngere oder nicht so geübte oder einfach Personen, die nicht fitzeln möchten, Spaß haben und ein stimmiges Bild bekommen. Außerdem erlaubt dies natürlich auch einen gewissen größeren kreativen Freiraum, denn Flächen mit Mustern oder speziellen Farbverläufen zu gestalten ist so einfacher.

Nach Disney Coloring Cuties, ist dies nun schon das zweite und gleich hochwertige Buch der Malbuchreihe. Wenn ich wieder Entspannung suche, oder ein kleines Geschenk werde ich definitiv weiter in den Designs schmökern.

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Rezensionen von C. P.:

Was wäre, wenn es immer die gleiche Uhrzeit für alle bliebe?

Juli im Land der Zeitgeister von Wieland Freund

Pünktlich um 14.30 Uhr bleiben alle Uhren in Omas Haus stehen. Selbst die Oma ist stehengelieben. Das geht so natürlich nicht! Also macht Juli sich gemeinsam mit Zeitgeist Trim und dem alten Uhrmacher auf ins Land der großen Uhr, welche sich hinter der alten Standuhr im Keller verbirgt. Die dortige Welt gleicht einem großen Ziffernblatt, über welches die Zeiger am Himmel hinweg gleiten.

Doch die Zeiger bewegen sich keinen Millimeter, seitdem der Zauberer das Uhrwerk manipuliert hat. Zu welchem Zweck bloß?
Während ihres Abenteuers treffen die drei auf weitere Zeitgeister, eine pfiffige Reporterin sowie auf die Hexe Unruh. Deren Riesenfledermaus ist allerdings nachtaktiv, was das Reisen um ständige 14:30 Uhr schnell problematisch macht. Zudem macht Juli sich weitere Gedanken, was es für Vor- und Nachteile mit sich bringen könnte, wenn es dauerhaft Mittagszeit bleibt. Von der stillstehenden Oma ganz zu schweigen. Ein interessantes Gedankenspiel.
Der Weltenbau ist als wunderschöne Illustration mitsamt aller relevanten Details und einiger Zeitgeister im Buch abgebildet; viele weitere kleine Illustrationen verschönern das Buch. Zeitgeist Trim ist das katzenartige Wesen auf dem Cover, das zurecht ziemlich sauer auf den Zauberer ist und eine amüsante Art zu fluchen hat. Auch sonst hat das Buch viele unterhaltsame Details zu bieten.
Kritisieren muss ich allerdings ebenfalls ein paar Punkte. Generell tendiert das Buch wiederholt zu einer leicht aggressiven Grundstimmung, bedingt durch die Verhaltensweisen einiger Charaktere. Das könnten einige Kinder als unangenehm empfinden. Trim gestehe ich zu, ab und an ein kleiner Wüterich zu sein, immerhin ist es seine Himmelsuhr, die da manipuliert wurde. Was mich jedoch störte war, dass einige Charaktere zu Handlungen gezwungen werden, die sie nicht wollen. Einmal betrifft es Juli (sie soll mit alten Damen Torte essen), wo ich mir gewünscht hätte, dass sie, statt brav mitzuspielen, ihre Grenzen aufgezeigt hätte, dass fremde Erwachsene nicht einfach alles mit ihr machen können. Sowas ist wichtig. Ebenso wie an anderer Stelle, als die Hexe Unruh, die optisch leider dem Klischee der bösen Hexe von Oz entspricht, mal ihre Fledermaus, mal einen Zeitgeist mit Gewalt zu etwas zwingt. Alle wissen, dass es falsch ist. Das fühlt man mit jeder Silbe. Doch niemand sagt etwas gegen ihre Übergriffigkeit. Das sind so Stellen, an denen das Buch falsche Signale sendet, über welche mit den Kindern geredet werden sollte.
Aufgrund der nicht allzu komplizierten Handlung, des lockeren Schreibstils und der recht niedlichen Illustrationen würde ich das Buch zum Vorlesen oder (je nach Lesestärke) Gemeinsamlesen je nach Kind ab 7 Jahren oder zum späteren Selbstlesen empfehlen. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 9 Jahren.

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Rezensionen von Schlafmurmel:

wenn der Lockdown zur tödlichen Falle wird

Corona-Killer von Roman Just

Mit dem Thriller Corona Killer von Roman Just, habe ich mich in die beklemmende zeit der Corona Pandemie zurückversetzt gefühlt. Daran möchte ich gar nicht mehr denken das war eine grausame Zeit, denn schon nach wenigen Seiten waren die Bilder von die Bilder von von leeren Straßen, Ausgangssperren und der unerklärlichen Unsicherheit wieder vorhanden.

Genau diese beklemmende Atmosphäre macht das Buch bzw die Geschichte zu etwas besonderen. Ich fand die Idee richtig klasse einen Serienkiller während dieser Zeit, in dem Lockdown morden zu lassen. Die Pandemie spielt hier jetzt nicht nur im Hintergrund, sondern diese wird geschickt in die Handlung eingebaut, das ist das besondere daran. Dadurch wirkt das ganze noch einen Ticken bedrückender und beklemmender, weil die Menschen da eh schon voller Angst sind. Die Ermittlungen haben mir sehr gut gefallen und ich habe bis zum Schluss mitgerätselt, wer wohl hinter den Morgen steckt, immer wieder dachte ich, ha ich weiß es, aber leider lag ich wie immer falsch. Genau solche Wendungen liebe ich bei den Thrillern. Roman Just schreibt immer sehr flüssig und angenehm, ich liebe es seine Thriller zu lesen, es war nicht der erste Thriller den ich von ihm gelesen hatte und auch nicht der letzte. Die Spannung bleibt über weite Strecken erhalten und die düstere Stimmung zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Sehr gelungen und auf jeden Fall Empfehlenswert

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Rezensionen von tinten_fischchen:

Eine Freundschaft die man nie mehr vergisst

Honey und Blondie von Ubin Eoh

In "Honey & Blondie" beschreibt Ubin Eoh eine Freundschaft deren Intensität, Intimität und Dauer wohl die wenigsten Leute jemals erleben dürfen. Dies liegt nicht nur an der geheimen Superkraft die beide verbindet. Honey & Blondie sind mehr als nur Freundinnen, die beiden sind sich enger als die meisten Geschwister und in der Lage gemeinsam über sich selbst hinauszuwachsen.

Eine wunderschöne Idee und als Leser ertappe ich mich oft bei der Frage wie mein Leben wohl verlaufen wäre, hätte ich als ich jung und unsicher war, einen Partner der mich pusht, ohne amouröse Absichten, an meiner Seite gehabt. Hätte ich meine Träumen dann eher verfolgt?

Ubin Eoh macht aber auch vor schweren Themen wie Rassismus und Gaslighting nicht halt. Immer wieder bekommt "in den Schuhen der anderen zu gehen" eine neue, teils auch düstere Bedeutung. Dazu beinhaltet das Buch ganz, ganz viel Retro. Die meisten 90er Kinder werden wohl den einen oder anderen Flashback bekommen.

Das Buch ist in kurzen Passagen, die meist nur ein paar Seiten lang sind, unterteilt. Meist wechseln sich Honeys und Blondies Perspektive ab. Manche Passagen beinhalten auch nur den Chat-Verlauf zwischen den Beiden. Ihre Sprache ist gepickt von Jugendwörtern, was ich so mit 30+, die die Beiden gegen Ende sind, nicht ganz plausibel finde. Aber vielleicht ist Deutschland anders, aber nicht mal meine U30 Coworker verwenden magic und crazy in ihrem normalen Sprachgebrauch.

Alles in allem eine emotional mitreißende Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Die Charaktere sind mir ins Herz gewachsen und ich habe gerne mit ihnen mitgefiebert, in guten wie in schlechten Zeiten.

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Rezensionen von Ameland:

Schnell und kurzweilig

Flip 7 von Ubin Eoh

Nachdem ich so viele Lobeshymnen zu diesem Kartenspiel gehört bzw. gelesen habe, wollte ich es auch unbedingt kennenlernen und spielen. Ein Spieleabend mit Freunden war schnell geplant.

Die wenigen und gut verständlichen Spielregeln waren schnell vorgelesen und die einzige Vorbereitung war das Mischen der Karten.

Und schon konnte das Spiel beginnen.

Ziel ist es, möglichst viele Punkte in jeder Runde zu sammeln. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn zieht man einen bereits vorhandenen Kartenwert ist man in der Runde raus und bleibt ohne Punkte. Es gilt also immer wieder zu entscheiden, ob man aussteigt und seine bisherigen Punkte sichert oder das Risiko einer weiteren Karte eingeht. Ein paar Sonderkarten können den bisherigen Verlauf zusätzlich auf den Kopf stellen.

Aufgrund der einfachen Regeln und der kurzen Spieldauer eignet sich Flip 7 auch für Kinder ab ca. 8 Jahre. Zudem ist keine ausgeklügelte Strategie erforderlich, sondern überwiegend ist Glück gefragt.

Insgesamt ein kurzweiliges Spiel, das je mehr Leute mitspielen, desto mehr Spaß macht. Wir hatten jedenfalls einen vergnüglichen Abend.

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Rezensionen von C. P.:

Wut der letzten Jahrhunderte bahnt sich ihren Weg

Honey von Imani Thompson

Yrsa schreibt als Woman of Colour an ihrer Doktorarbeit an der Fakultät für Soziologie in Cambridge. Nebenbei unterrichtet und betreut sie Studentinnen und Studenten der ersten Semester. Schon früh wurde sie mit Vorurteilen einer misogynen und rassistischen Gesellschaft konfrontiert. In der Sonntagsschule z.

B. mit Auflagen und Verboten, um als ehrbares und wohlerzogenes Mädchen zu gelten. Und zugleich die Erfahrung, wie sich in ihrer Jugend Männer auf einer Datingplattform schamlos bei ihr meldeten, die doppelt so alt waren wie sie und danach gierten, bei ihr zum Zug zu kommen.

[Er] hatte aus ihr ein Objekt gemacht, eine Ware mit zugeschriebenem Wert; machtlos. Und sie hatte ihn totgemacht. (Zitat S. 112)

Durch das Thema ihrer Doktorarbeit beschäftigt sich Yrsa stark mit der Ausbeutung der People of Colour (PoC), insbesondere der Frauen. Doch auch in ihrem eigenen Umfeld beobachtet sie, dass die Frau von vielen Männern als Konsumgut betrachtet wird. Frauen werden ausgebeutet bzgl ihres Körpers, ihrer Fähigkeiten, ihres Wissens, bei gleichzeitiger Ignoranz ihrer Sichtweisen. Nachdem ein Professor schamlos ihre Studienkollegin in mehrfacher Hinsicht ausgenutzt hat, besitzt Yrsa keine Skrupel die Gelegenheit zu nutzen, ihm zu schaden. Kein Mord, sie hat nur ein wenig nachgeholfen. Ein Tod, rein durch Zufall entstanden und offiziell als Unfall registriert. Eine Biene war Schuld. Etwas, was Yrsa eine unerwartete Befriedigung verschafft.
Bis zu diesem Punkt bietet der Roman eine brisante Aktualität aus Sicht einer Woman of Colour, die emotional gut mitzuverfolgen ist. Arroganz und Verhaltensweisen einiger männlicher Individuen lassen beim Lesen schnell die Alarmglocken schrillen. Möglich, dass dieser Moment mit der Biene der Wendepunkt in Yrsas Leben ist, ab welchem sie eine Kanalisation für ihre Wut findet. Im Verlauf des Romans vermischt sich die ganze misogyne Gewalt der Männer, welche Frauen im Laufe der Geschichte erfahren mussten (und mit welcher sie sich beruflich durchgängig befasst), in ihrem Kopf mit den Taten der Männer in der Realität. Immer mehr Wut staut sich in ihr auf, immer stärker ist ihr Wunsch nach tödlicher Vergeltung. Und immer größer wird die Gefahr, die eigene Objektivität, sich selbst zu verlieren.

Sie hasst sie alle. (Zitat S. 20)

Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich Yrsas Entwicklung mitverfolgen. Ein paar Einblicke in die Thematik ihrer Doktorarbeit waren da hilfreich oder zumindest interessant. Und dennoch tat ich mich im Verlauf der Handlung immer schwerer damit, Yrsas Charakter zu verstehen, insbesondere der Verlauf ihrer tödlichen Obsession. Es ist nicht allein ihre Distanziertheit, sondern auch ihr Hang zur Unehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber. Sie wirkt über Längen wie emotionslos, nur um im nächsten Moment ihre angestaute Wut wie bei einem Vulkan ausbrechen zu sehen. Doch eine Auseinandersetzung mit gewissen Geschehnissen bleibt den Lesenden oft verwehrt. Auch fehlten mir ausreichend ehrliche Interaktionen, um sie als Charakter greifbar zu machen. Für mich ging die Mischung aus Provokanz, Fakten und Gesellschaftskritik final nicht auf, weil langatmige Abschnitte wiederholt die Handlung ausbremsten, ohne bei mir ein Gefühl des Mehrwertes erzeugen zu können. Für die für meinen Geschmack stellenweise zu langatmige Umsetzung einer gelungenen Idee gebe ich 3,5/5.

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Rezensionen von Eternal-Hope:

Selbstverwirklichung um jeden Preis

Ellen von Franziska zu Reventlow

Die deutsche Schriftstellerin Franziska zu Reventlow, geboren in einer adeligen Familie und später als "Skandalgräfin" bekannt geworden, kam wohl schon mit einem sehr großen Freiheitsdrang zur Welt. Zumindest, wenn wir von dem Alter Ego "Ellen" aus ihrem gleichnamigen autofiktionalen Roman auf ihre Persönlichkeit schließen möchten.

Der Vergleich liegt nahe, da Leserinnen und Leser, die sich auch mit der Biografie der Autorin beschäftigt haben, viele Parallelen entdecken werden.

Somit kann "Ellen" als ein frühes autofiktionales Werk angesehen werden, das ein ausführliches und inspirierendes bis abschreckendes - je nach Lebensphase der Ellen sowie persönliche Wertehaltung derer, die das Buch lesen - Porträt einer sehr eigenwilligen künstlerisch interessierten Frauenpersönlichkeit zeichnet, die in einer Zeit lebt, in der individuelle Entfaltung insgesamt für die Menschen und noch einmal mehr für Frauen gesellschaftlich nicht erwünscht war und die ihren Weg geht, gegen alle Widerstände und um jeden Preis.

Schon das Kind Ellen ist ein Wildfang, tobt ständig mit dem Bruder und dessen bestem Freund durch die Natur, zerreißt sich dabei die schönen Kleider und versteht nicht, warum es sich in irgendeiner Weise mehr einschränken sollte als männliche Kinder, denen das doch auch alles erlaubt ist. An dieser Stelle hatte das Kind meine großen Sympathien.

Das Kind wächst zu einem jungen Mädchen und dann zu einer jungen Frau heran, die zunehmend radikaler wird in ihrem Freiheitsdrang und sich durch nichts und niemanden einschränken lassen will, dabei aber dennoch einige Zeit lang vorgibt, als Verlobte eines ehrenwerten Mannes den Konventionen ihrer Epoche und Schicht zu folgen, um sich gesellschaftlich nicht gleich alle Chancen zu verspielen, während sie mit verschiedenen Männern schläft.

Introspektiv finde ich die Gedanken und Gefühle Ellens sehr gut dargestellt, wie sich zum Beispiel an dieser Stelle zeigt, als sie über sich nachdenkt und ihre Neigungen mit denen anderer Menschen vergleicht:

„Wie fingen es wohl andere an, um glatt durchs Leben zu kommen, und warum wurde es einem immer so schwer gemacht durch all dies Binden und Verpflichten. In ihrem eigenen Gefühl war nichts, was dem widersprach, mit beiden das Leben zu teilen, weil jeder ihr etwas war, was der andere nicht sein konnte.“ (S. 167)

Ethische Grenzen scheint Ellen kaum zu kennen, so versucht sie sogar, ihrem Verlobten und dann Ehemann das Kind eines anderen unterzuschieben und sie bricht mit ihrer Familie, als diese sie in ihre Schranken weisen will.

An dieser Stelle verliert diese fiktive Persönlichkeit der Ellen für mich an Vorbildwirkung und ist für mich eher ein abschreckendes Beispiel dafür, wozu ein extremer Selbstverwirklichungs- und Darstellungsdrang führt, wenn dabei jegliches Einfühlungsvermögen für davon betroffene Menschen verloren geht.

Im Erwachsenenalter scheint die porträtierte Ellen sich zu einer Egomanin entwickelt zu haben, die sich niemand für die eigene Familie oder im eigenen Freundinnenkreis wünschen würde, dabei spart die Autorin aber auch deren innere Kämpfe und zunehmenden Verfall nicht aus und beschreibt hier, was aus Ellens eigener Sicht alles ihrem extremen Freiheits- und Selbstverwirklichungsdrang zum Opfer gefallen ist:

„Was hatte sie nicht schon alles hingegeben in dem unbändigen Drang nach ihrem innersten Selbst, das so viel zum Opfer wollte – Heimat, Geschwister, selbst den Bruder, den sie so sehr leibte, denn der war schließlich auch von ihr gegangen zu den anderen – den Mann, dem ihre erste große Leidenschaft gehörte – sein Kind – Reinhart, alles, alles von sich geworfen, ihr war, als ob sie immer nur über Leichen hinweg gegangen sei – um schließlich vor ihrer eigenen anzukommen, und daneben stand das Schicksal und grinste sie eisig an: Es ist noch nicht genug – jetzt nehme ich dir auch noch deine letzte Kraft, deinen jungen Körper, der noch blühen wollte, deine jungen Jahre, die noch heißes Verlangen trugen – und schlage dich zum Krüppel. Ohnmächtig sollst du vor mir daliegen, und es war alles umsonst.“ (S. 207)

Es ist also keine reine Lichtgestalt, die im Zentrum dieses Buches steht.

Das mindert die Qualität des Buches aber keineswegs, im Gegenteil dient es genau durch diese ehrliche Darstellung des auch charakterlichen Verfalls einer Person mit einem starken Freiheitsdrang nicht nur als abschreckendes Beispiel und interessantes Zeitporträt, sondern wirft ebenfalls viele interessante philosophische und ethische Fragen zum Thema Grenzen von Freiheit und Selbstverwirklichung und individuelle vs. familiäre und gesellschaftliche Interessen auf, womit es sich auch bestens für Lesekreise und Diskussionsrunden eignet.

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Rezensionen von marli_04:

Zwischen Vergangenheit und Verantwortung

Frieda von Geraldine Oetken

Schon das schlichte Cover hat mich neugierig gemacht, weil es ruhig wirkt und trotzdem etwas Geheimnisvolles ausstrahlt. Der Klappentext hat sofort deutlich gemacht, dass hier keine erfundene Geschichte erzählt wird, sondern eine persönliche Spurensuche. Besonders spannend fand ich, dass Geraldine Oetken ihre fast vergessene Urgroßtante Frieda Schritt für Schritt aus dem Schweigen ihrer Familie herausholen möchte.

Dabei begleitet man sie durch Archive, Akten und viele Recherchen, die zeigen, wie schwierig es sein kann, nach so langer Zeit Antworten zu finden. Gleichzeitig wird deutlich, wie eng ihre Suche mit der Geschichte des Nationalsozialismus verbunden ist und wie Menschen mit Behinderungen damals behandelt wurden. Das hat mich oft nachdenklich gemacht.
Ich mochte, dass die Autorin nicht nur nach Fakten sucht, sondern sich immer wieder fragt, welche Bedeutung Erinnerung heute noch hat. Gerade dieser persönliche Blick hat das Buch für mich lebendig gemacht. Der Schreibstil wirkt ruhig und sehr sorgfältig, an manchen Stellen hätte ich mir allerdings etwas mehr Straffung gewünscht, weil sich einzelne Recherchewege recht ausführlich anfühlten. Trotzdem hatte ich nie den Eindruck, dass das Thema dadurch an Bedeutung verliert. Frieda bleibt zwar in vielem eine unbekannte Person, doch genau das macht die Suche nach ihr so bewegend.
Ich habe das Buch mit vielen Gedanken beendet und finde es wichtig, dass solche Familiengeschichten erzählt werden. Für mich war es eine eindrucksvolle Lektüre, auch wenn ich mir stellenweise etwas mehr Nähe zu Friedas eigenem Leben gewünscht hätte. Deshalb bleibt für mich ein sehr lesenswertes Buch, das ich mit guten 4 von 5 Sternen bewerte.

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