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Rezensionen von verhei:

ein neuer Regionalkrimi mit Cold Cases und einem neuer Mord

Tramezzini und Triumphpforte von Herbert Dutzler

Der Innsbrucker Chefinspektor Romed Stock bekommt eine neue Kollegin zugeteilt – die sportliche Kärntnerin Hedwig – Hedi- Dobernig. Gegensätzlicher könnte das Duo kaum sein: Stock ist doch der gemütliche, ja schon eher übergewichtige, nicht so fitte Genussmensch. Ist geschieden und hat eine zwölfjähre Tochter, zu der er doch wenig Kontakt hat.

Die beiden beschäftigen sich zu Beginn mit zwei ungelösten Cold Case fällen- jeder für sich. Doch dann wird in den frühen Morgenstunden eine Frau auf einem Friedhof gefunden und es scheint eine Verbindung zu dem Fall in der Vergangenheit.

Herbert Dutzler, der vielen bisher vor allem für seine Altaussee-Krimi-Reihe um den Inspektor Gasperlmaier bekannt ist, verschlägt es nun nach Innsbruck. Und auch hier wurde ein solider Regionalkrimi an einem neuen Ort geschaffen.

Der Schreibstil ist wie immer humorvoll, unaufgeregt und flüssig. Klassische Ermittlungen wechseln sich mit atmosphärischen Beschreibungen der Region und hier auch der Kulinarik ab. In der Erzählung folgt man abwechseln dem Blickwinkel der beiden Ermittler, und bekommt so manchen inneren Monolog präsentiert. Dabei gefielen mir vor allem Stocks Alltagsbeobachtungen, die doch sehr feinsinnig waren und die treffenden teils trocken-humorigen Bemerkungen.

Auch die Charaktere wurden gut gewählt, sind sie doch sehr gegensätzlich und jeder für sich liebenswert. Chefinspektor Stock, der behäbig, ruhig und besonnen agiert und immer einen Schmäh auf den Lippen hat. Der Genießer und auch etwas der Kritiker der Tiroler Klischees. Als Gegenpol die sportliche, dynamische neue Kollegin. Durchsetzungsstark und zu Beginn sehr kritisch gegenüber ihrem Kollegen.

Und trotz Humor und Atmosphäre, kommt der Kriminalfall nicht zu kurz. Die Ermittlungen sind logisch und solide, klassische Polizeiarbeit eben. Man liest typische Befragungen und Spurensuche, doch keine Sorge alles nicht so trocken wie man es vielleicht vermuten möchte, da das Ermittlergespann gut funktioniert.

Wie auch bei den Altaussee-Krimis wurde ich auch hier nicht enttäuscht und habe das Ermittlerteam sehr ins Herz geschlossen. Ich bin gespannt, ob es ein Einzelband in Innsbruck bleibt.

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Wer klaut schon eine Leiche??

Madame Mort und der tote Onkel von Pierre Lagrange

Dr. Berthe Saunier, auch Madame Mort genannt, arbeitet in der Gerichtsmedizin von Nimes in der Provence. Doch gemeinsam mit ihrem Mann César wohnt sie in St. Pierre, einem eher beschaulichen Ort mit ausreichend Abstand zu ihrem Arbeitsort Nimes. Als eine Frau im Ort in den Wehen liegt und die Hebamme nicht zeitnah auftaucht, wird Berthe gerufen.

Dabei erfährt sie durch die kleine Dorfversammlung vor Ort, dass Gustave Moreau, Onkel ihres Gemüsehändlers, verstorben ist. Doch dem nicht genug, bei einem Einbruch beim Bestatter Comtant wurde neben etwas Geld auch die Leiche des Onkels entwendet. Auch wenn der Fall nicht in ihrem direkten beruflichen Zuständigkeitsgebiet liegt, fängt Madame Mort an Erkundigungen einzuholen.


Dies ist nun der erste Band einer neuen Reihe des bekannten Autors Pierre Lagrange. Bekannt ist dieser für die durchwegs lange Serie von Krimis aus der Provence. Ermittler war jedes Mal Commissaire Albin Leclerc, doch Dr. Berthe Saunier hatte schon ihren Auftritt als Gerichtsmedizinerin.


Welch ein Glück kann man als Ort nur haben, wenn Madame Mort zufällig in eine Ermittlung stolpert. Gut der Täter möge es anders sehen, aber sie hat wahrlich Talent zur Ermittlung. Sie ist eine neugierige, charmante Ermittlerin - markant durch rote Brille und knallgrünem Auto. Und genauso agiert sie auch: etwas eigen. Immerhin führt sie Zwiegespräche mit ihrem Kunststoffskelett Hugo aus Studienzeiten und plant schon den Mord an ihrem Nachbarn, als der in der Nacht anfängt Musik zu machen. Doch auch die Nebencharaktere sind charmant, teilweise auch skurril: Wie ihr ausgleichender Mann César, der sich mit dem Nachbarn anfreundet und gemeinsam Musik macht. Laborleiter Dr. Pascal Laroche, der ein Auge auf Berthe geworfen zu haben scheint und sie mit Süßigkeiten versorgt. Besonders unterhaltsam fand ich auch die resolute Madame Moreau mit ihren scharfen etwas bissigen Kommentaren und ihrer alten Waffe im Einkaufsbeutel.


Der Schreibstil ist flüssig und man darf sich auf viele humorvolle, ja skurrile Szenen freuen – wie eine ältere Frau, die eben eine ebenso alte Waffe mit sich trägt und mit den Kugeln haushalten muss. Oder ein Bürgermeister der mit Schärpe bei einer Geburt auftaucht. Neben diesen Szenen mit viel Situationskomik, schafft es der Autor aber auch ausreichend Lebensgefühl aus der Provence mitzutransportieren. Man sollte ein Croissant bereitlegen.


Der Fall als solches erscheint glaubhaft. Man trifft auf so manche alten Geheimnisse der Dorfbewohnter und eigenartigen und altmodischen Bräuchen im Dorf. Im Stil der klassischen Kriminalfälle werden Hinweise kombiniert und man kommt ohne große Gewalt aus.

Im Gegensatz zur anderen Provence- Reihe des Autors ist die Ermittlung hier etwas chaotischer, das Verbrechen harmloser und die Charaktere des Dorfes doch skurriler. Ich wurde grandios unterhalten.

Also ein Cozy-Crime aus der Provence mit einer charmanten Ermittlerin und viel Humor.

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weihnachtlicher Krimi im Stil von Agatha Christie - nicht nur für Jugendliche

Falsches Spiel im Herrenhaus - Ein Weihnachtskrimi von Alexandra Fischer-Hunold

Weihnachten steht vor der Tür und Teddy reißt gemeinsam mit ihrem Bruder nach Pollock Island in Cornwall, eine Insel mit Anwesen, die ihrer Familie gehört. Doch dieses Jahr ist es etwas anders, da ihr Onkel Guy, amerikanischer Mann ihrer Tante, das Anwesen übernommen und verändert hat. Alles scheint amerikanischer und moderner, nicht mehr wie die Weihnachten davor und zahlreiche weitere Veränderungen stehen bevor.

Und schließlich stirbt auch noch Guy während eines Escape-Room-Spiels, in welches er die Familienmitglieder verstrickt hat. Teddy und Patrick, ihr Freund aus Kindertagen, beginnen zu ermitteln.

Wie schon im letzten weihnachtlichen Band von Alexandra Fischer-Hunold Letzter Halt Mord, ermittelt auch hier eine Jugendliche ganz im Stil von Agatha Christie. Gekonnt wird kombiniert und der Täter gesucht, auch so manche direkte Referenz zu Agatha Christie findet man. Man bekommt falsche Fährten präsentiert, Charaktere mit Geheimnissen und ergänzt wird dies mit weihnachtlichem Flair und den Geheimissen eines alten Hauses – Geheimgängen.

Die Gestaltung des Buches ist ansprechend und man weiß gleich, was man erwartet: ein weihnachtliches Cover und entsprechende Seitengestaltung. Sehr gemocht habe ich auch die hilfreiche Darstellung im Einband: ein Plan des Hauses und eine Ahnengalerie.

Auch wenn das Zielpublikum jugendliche Krimiliebhaber ab dem Alter von 14 Jahren sind, erfreuen sich auch sicher ältere Leser an dem klug konstruierten Fall im klassischen Stil.

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Verletzter Stolz und Rachegelüste im bitterbösen Stil

Das habe ich wegen dir getan von John Lanchester

Seit der Universität sind Jack und Kate ein glückliches Paar und leben nun schon einige Jahrzehnte wohlhabend in London. Jack stirbt unerwartet und Kate kämpft mit dem Verlust. Ihr Leben gerät noch mehr ins Wanken als eine Serie bekannter wird. In dieser findet sie intime Details und Momente ihrer Ehe wieder und Jack scheint sie betrogen zu haben.

Woher kommen diese Informationen und warum werden sie überhaupt Thema? Autorin dieser überaus beliebten Serie ist die junge Pheobe. Doch auch ihr erfolgreiches Leben scheint ins Wanken zu geraten.

Mir fiel der Einstieg in das Buch durch den langsamen Beginn etwas schwer. Grund dafür ist, dass der Autor sich zu Beginn, viel Zeit für die Charakterisierung der Hauptfiguren und deren Beziehungen nimmt. Zwei Paare unterschiedlichen Alters und damit unterschiedlicher Generationen und damit doch unterschiedlich - es gibt viel zu erzählen. Die Handlung nimmt jedoch danach deutlich an Fahrt auf, gegen Ende gibt es meiner Meinung nach stellenweise wieder Längen. Auch hätte ich mich über so manche zusätzliche Wendung gefreut.

Charakterlich bekommt man einiges geboten: Beide Protagonistinnen sind egozentrisch, toxisch, verbissen und unsympathisch. Auch wenn ich zu Beginn noch Verständnis für Kate hatte und zwischenzeitlich Mitleid mit Pheobe, kam ich bald zum Schluss, dass ich mich in diesem Buch noch eher für die Unbeteiligten wie Pheobes Mann erwärmen kann. Die Charaktere sind einfach nicht sympathisch, doch es macht das Buch dadurch keineswegs schlechter.

Man muss sich einfach auf diesen schwarzen Humor und diese hinterlistige Handlung einlassen und zusehen, wie sich beide Charaktere aneinander abarbeiten und alles kippt. Dann kann man nicht mehr wegsehen – fast wie bei einem Unfall. Man empfindet Mitleid, Abscheu, Wut, Scham und den Wunsch nach Rache. Und als Leser fragt man sich, wie man in so einer Geschichte wohl selbst reagiert hätte.

Ein Roman über verletzten Stolz und Rache mit bissigem schwarzen Humor.

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Spannend, düster und nichts für zartbesaitete Leser

Weißer Rausch von Anu Ojala

In der finnisch-schwedischen Grenzregion, im Norden in der Region Lappland, ereignen sich einige Verbrechen. Ein Toter durch eine Nagelpistole. Eine Frau wird in einem Einkaufszentrum gefoltert und wurde davor gefoltert. Und eine neue Droge verbreitet sich und sorgt für Todesfälle. Alles scheint im Zusammenhang zueinander zu stehen und grenzübergreifende Ermittlungen scheinen notwendig zu sein.

Eine Spur deutet nach Schweden, ein junger Zollbeamter taucht öfters in den Ermittlungen auf und schließlich scheint auch der Geheimdienst auf den Fall anzuspringen.

Das Tempo ist durch kurze Kapitel, flüssigen Schreibstil und Perspektivenwechsel hoch. Der Schreibstil ist modern und man folgt ihm leicht. Erzählt wird aus der Perspektive der Ermittlerin Kommissarin Ronja Jentzsch und des Zollbeamten Kristian. Alles wird atmosphärisch und doch sehr drastisch und ungeschönt geschildert. Die schaurige Atmosphäre im winterlichen Schauplatz in Lappland wird gekonnt transportiert. Dies bildet den perfekten Hintergrund für die Verbrechen, die geschehen. Man trifft auf organisierte Kriminalität, Drogenmissbrauch, häusliche Gewalt und zerstörte Familien. Ein breites Spektrum an Themen und durch die drastische Darstellung für den Leser auch sehr emotional.

Zwei Figuren begegnet man in diesem Roman, der Kommissarin Ronja Jentzsch und dem Zollbeamte Kristian. Beide empfand ich als authentisch. Die Kommissarin erscheint als kompetent und professionell. Sie kämpft mit den Hindernissen der Bürokratie und dem plötzlichen Interesse des Geheimdienstes. Belastet wird sie auch durch das Privatleben – pflegt sie in der Nacht doch ihre demente Mutter und leidet dadurch unter wenig Schlaf. Der Zollbeamte Kristian trägt indes ein tiefes Geheimnis mit sich und ist gezeichnet durch häusliche Gewalt.

Etwas herausfordern an diesem Thriller sind zu Beginn die ungewohnten Namen für Personen und Orte, aber dies meistert man für den Roman gerne.

Für mich ein gelungenes Beispiel eines Thrillers aus dem Norden. Ich freue mich schon auf den nächsten Band.

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Im Strudel des Lebens - berührend, traurig, schön

Die Ballade von Ronan McCoy von Colin Morgan

Brendan wartet nach den Sommerferien auf seinen besten Freund Ronan. Die beiden verbindet seit dem ersten Tag in der weiterführenden Schule eine Freundschaft, die sich aber auf die Schule beschränkt. Ronan, der begabte in Sport und Englisch, ist für den stillen Außenseiter Brendan ein Anker. Er erfährt das Ronan im Sommer einen Unfall erlitten hat und nun auf den Rollstuhl angewiesen ist und nicht in der Lage ist zu sprechen.

Im letzten Schuljahr ist die Welt nun aus den Fugen und Brendan navigiert zwischen schulischer Realität, seinem Job, dem Vorbereiten auf das Leben danach und einem Freund, den er nun anders unterstützen möchte.

Der Schreibstil war für mich ruhig und passend, aber auch emotional, ohne übertrieben zu sein. Wie auch Brendan schwangt der Leser zwischen humorvollen Szenen und Trauer, Verzweiflung und Verwirrung. Eine emotionale Achterbahnfahrt, die den Leser wirklich mitreißt und authentisch erscheint, eben passend für die Geschichte aus der Sicht des Jugendlichen Ronan. Außerdem bleibt Zeit für die ruhigen Momente, die fast schon philosophisch wirken.

Neben der Gefühlswelt von Ronan, streift man natürlich auch die von den McCoys und auch die von Ronans Eltern. Man erkennt zu Beginn recht rasch, wie unsicher auch Erwachsene im Umgang mit solchen Situationen sind. Bekommt doch Brendan an einem Schultag mit Ronan wenig Rückhalt von Lehrern. Es zeigt sich eben welche Auswirkung diese Extremsituation auch auf Erwachsene hat. Ronans Familie, die nach dem Tod der Großmutter etwas hilflos, sprachlos und separiert wirkt, scheint durch den Schicksalsschlag wieder mehr zusammenrücken. Die McCoys, vor dem Unfall eine eng verbundene Familie, kämpfen nun einen schmerzvollen, aber realistischen Kampf mit der neuen Realität. Sie erkennen wie wichtig Ronan als Bezugsperson ist und nehmen ihn wie einen Ersatzsohn in die Familie auf.

Das Große Thema des Romans ist universal: Wie kommt man mit großen Umbrüchen zurecht? Und worüber darf ich mich freuen, wenn das Leben nun anders verläuft für meine Umgebung. Denn: Für Brendan läuft das letzte Schuljahr doch regulär für ihn ab – Nebenjob, Prüfungen, die Gedanken an den Schulabschluss, das andere Geschlecht, Schulball, Führerschein. Man merkt die Hilflosigkeit und Zerrissenheit von Brendan. Worüber darf man sich freuen, wenn der beste Freund dies nicht mehr tun kann? Berechtigte Fragen. Hilflosigkeit und Wut zu Beginn trifft auf den Wunsch zu unterstützen.

Ein berührender und wirklich gelungener Roman, der weit mehr als ein Coming-of-Age Roman ist. Ich würde mich wirklich auf weitere Bücher des Autors freuen.

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historischer, britischer Weihnachtskrimi - großartig!

Der Tote im Kutter von Denzil Meyrick

Kurz vor Weihnachten im Jahr 1953: Im Norden Englands in einem Fischerdorf Uthley Bay rücken Inspector Frank Grasby und sein Vorgesetzter Superintendent Arthur Juggers zu einem Einsatz aus. Ein alter Fischer wurde erdrosselt – mit einem Weihnachtsstrumpf. Und auch eine weitere Leiche wird gefunden – ebenfalls mit einem Weihnachtsstrumpf ermordet.

Das Dorf scheint Geheimnisse zu haben und die Ermittlungen werden damit nicht einfach.

Dies ist nun schon der zweite Band um Inspektor Frank Grasby und wie der Vorgänger „Der Tote im Kamin“ spielt auch dieser wieder in der Zeit vor Weihnachten. Doch keine Sorge, er lässt sich auch sehr gut ohne Vorkenntnisse lesen.

Und das Buch liefert auch was man sich durch Cover und Klappentext erwartet: ein britischer Krimi im historischen Setting der 1950er Jahre, der auch etwas Weihnachtsatmosphäre mitnimmt. Kein brutaler Kriminalroman, sondern eine klassische Suche nach dem Täter mit der Möglichkeit zu Rätseln. Das Setting im Fischerdorf der 1950er wird durch passendes Vokabular und gut erzeugte Atmosphäre gut transportiert.

Ein Highlight sind die eigenwilligen Figuren und typisch britische Humor.

Erzählt wird die Geschichte aus dem Blickwinkel von Inspektor Grasby und dieser spart nicht mit humorvollen, sarkastischen Bemerkungen auch über sich selbst. Er erscheint etwas als Tollpatsch und dürfte laut seinem Vorgesetzten nur auf Grund von glücklichen Fügungen erfolgreich Fälle abschließen. Die Reibung zwischen den beiden ist konstant zu spüren. Ein schöner Nebenschauplatz ist auch das eigenwillige Leben von Grasbys Vater, dem rebellischen Reverend.

Ein sehr gelungener historischer Krimi im britischen Stil, der alles bringt was man erwartet: britischen Humor, exzentrische Charaktere und einen Kriminalfall in Weihnachtsatmosphäre.

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Gnade? Erlösung? oder schlichtweg Mord?

Gnadenopfer von Viveca Sten

Im schwedischen Bergdorf Åre häufen sich die Todesfälle von älteren Personen in häuslicher Pflege. Es erscheint eigenartig, dass so viele sterben, auch wenn sie alt und gebrechlich sind. Keines der Opfer zeigt Zeichen von äußerlicher Gewalt, aber alle sind auf tägliche Hilfe durch Pfleger angewiesen.

Das Buch Gnadenmorde ist nun schon der fünfte Band der Åre-Mord-Reihe rund um die Ermittlerin Hanna Ahlander. Auch wenn es natürlich Bezüge zu den Vorgängerbänden gibt, lässt er sich aber gut auch allein lesen.
Man findet den typischen Schreibstil von Vivcea Sten wieder: Flüssig, schnörkellos und kurze Kapitel. Die Perspektive wechselt von den Ermittlern zu Opfern und zu der des Täters, hier in kursiver Schrift. Und wie für Scandi-Krimis ja schon typisch, wird die Atmosphäre in diesem Bergdorf wirklich gut eingefangen. Düstere Stimmung durch die eisige unberechenbare Natur.

Die Ermittlungen in diesem Buch werden zu Beginn vor allem Hannah Ahlander vorangetrieben, denn sie vermutet in den vielen Todesfällen einen größeren Zusammenhang. Ein großes Hindernis ist, dass das Verhältnis zu ihrem Kollege Daniel Lindskog nach einem tiefgehenden Streit gestört ist. Zusammenarbeit scheint nicht möglich, da sich dieser abweisend, ja schon fast unterirdisch verhält. Erst mit der Zeit entschuldigt er sich, und man kehrt wieder zur typischen Zusammenarbeit zurück.
Diese Tatsache erschwert die Ermittlungen im Vergleich zu Vorgängerbänden sehr. Und meiner Meinung nach, wird hier auch mehr auf das Privatleben der Ermittler eingegangen als in den ersten Bänden der Reihe. Ein raumgreifender Streit, der in frostiger Atmosphäre mündet und viel erschwert. Daniel der versucht sich mit einer anderen Frau zu trösten, Hannah die mit ihrem Millionär Henry eine Beziehung führt und sich nicht über deren Zukunft sicher ist.

Das große Thema des Romans – Pflegebedürftigkeit - fand ich gelungen. Denn es könnte wohl nicht aktueller sein: der Mangel an Pflegekräften, eine alternde Gesellschaft, Zeitmangel und Stress. Die Frage nach dem Umgang mit Alten ist eine gesellschaftlich relevante.

Für mich war es ein Krimi mit einem starken Einstieg und einem wichtigen Thema. Im Mittelteil hatte er für mich durch die privaten Momente jedoch ihre Längen und ist daher etwas schwächer als die früheren Bände der Reihe.

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Ab ins Uhrenland

Juli im Land der Zeitgeister von Wieland Freund

Um 14:30 bleibt plötzlich die Zeit stehen in Julis zu Hause. Ihre Großmutter ist erstarrt während dem Backen und auch alle Uhren stehen still. Mit dem Zeitgeist Trim steigt sie durch eine Standuhr ins Land der Großen Uhr. Eine ganz eigene Welt, mit eigenen Charakteren und ja sogar Städten. Das Ziel ist das Herz des Uhrwerks, denn hier hat der Zauberer Allrich der hinter dem Stopp der Zeit steht.

Ziel ist natürlich ihn aufzuhalten und die Uhr zum Laufen zu bringen, denn wenn dieses funktioniert, sollte auch zu Hause die Zeit weiterlaufen.

Dieses Fantasy-Buch richtet sich an Leser ab neun Jahren. Entsprechend ist auch das Abenteuer gestaltet und die Welt, in der sich alles abspielt. Überall ist es 14:30 eine ungewöhnliche Idee, die man in jedem Alter gut fassen kann.

Und schnell stolpert man auch durch diese turbulente Geschichte mit so manchen skurrilen Charakteren. Juli, die fast 11 ist, und sich sehr mutig ins Abenteuer stürzt. Über ihren sonstigen Hintergrund erfährt man nicht viel. Sie trifft im Zuge der Reise auf so manchen skurrilen, aber auch liebenswürdigen Charakter -alle bunt. Neben dem Zeitgeist Trim, der einer Katze ähnelt, auch auf die in Reimen sprechende Hexe Unruh, einer Reporterin, einen Uhrmacher und einer Fledermaus.

Ein bunter Haufen wie man rasch feststellt, die sich gut ergänzen. Ein bisschen fühlten wir uns an Alice im Wunderland und den Zauberer von Oz erinnert. Realistischerweise sind alle Charaktere nicht rein schwarz und weiß, auch der Widersacher der Zauberer.

Erwähnen sollte man auch die Gestaltung des Buches. Viel Mühe hat man sich bei der Gestaltung der jeweiligen Kapitelüberschriften gemacht. Eine passende Zeichnung wird von einem Text zum Kapitel begleitet, der etwa angibt, was in diesem Kapitel passieren wird. Außerdem ist auch eine entsprechende Karte enthalten. Ein sehr nettes Detail wie ich finde.

Mein großer Sohn hat das Buch sehr genossen und angesteckt von all der Freude habe auch ich es dann auch dem kleinen vorgelesen. Definitiv empfehlenswert!

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ruhig mit viel detaillierter Betrachtung - typisch japanische Literatur

Akikos kleines Café von Yoko Mure

Akikos Mutter Kayo stirbt unerwartet und hinterlässt ihr ein Haus mit traditioneller Kneipe und Wohnung darüber. Doch Akiko hat ihren eigenen Beruf. Sie arbeitet als Lektorin bei einem Verlag und betreut vor allem Kochbücher. Doch Akiko entscheidet sich ihr Leben umzukrempeln und ein minimalistisches Cafe zu betreiben.

Angeregt und unterstützt durch eine bekannte Köchin, die sie im Zuge ihrer Arbeit beim Verlag getroffen hat. Sie findet eine wundervolle Küchenhilfe, mit der sie perfekt harmoniert. Privat liefert der ehemalige Streunerkater Taro Ausgleich.

Als Leser folgt man Akiko bei ihrem neuen Alltag im Cafe und im Privaten. Durch Kapitel in Rückblende erfährt man wie die Eröffnung des Cafes ablief. Doch neben den Schilderungen über die Arbeit im Cafe und der Essenszubereitung, nimmt die Gefühlswelt, bzw. zwischenmenschliche Beziehungen viel Raum ein. Dies geschieht vor allem im Fortlauf des Buches, wodurch das Cafe immer mehr in den Hintergrund gerät.

Wie bei anderen japanischen Büchern liegt hier viel Fokus auf der Schilderung eines Momentes und dem Einfangen einer Atmosphäre. Detailliert wird über die Zubereitung von Mahlzeiten geschrieben, dem Reinigen einer Wohnung, und einem Spaziergang durch ein Stadtviertel. Auch Trauer und der Umgang damit wird genau beschrieben. Dies lässt einen doch sehr zur Ruhe kommen und ist fast meditativ. Man darf sich allerdings keine großen Themenwechsel, Spannungswechsel und packende Handlung erwarten.

Man bekommt dafür aber einen entspannenden Einblick in den japanischen Alltag und den etwas anderen Umgang bzw. Wertigkeit von Essen und Trauer. Alles sehr ruhig, entschleunigt, ja fast schon meditativ. Geschickt werden Emotionen der Charaktere eingefangen. Der Fokus liegt auf den kleinen Momenten, an manchen Stellen fast wie das detaillierte Betrachten eines Gemäldes.

Definitiv ein etwas anders Leseerlebnis, vor allem wenn man noch keine japanische Literatur gelesen hat.

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