Kunden em pfehlungen
Rezensionen von verhei:
Cozy-Crime in der Miniaturstadt
Klein aber tot von Jo Fischler
Johannes Jojo Wunder ist Kriminaloberkommissar in der doch beschaulichen Kleinstadt Knuffingen. Doch irgendwie läuft es gerade etwas unrund. Seine Mutter, Restaurantbesitzerin, erhält eine doch eher vernichtende Kritik vom Journalisten Friedrich Frank. Die meisten Kollegen der Dienststelle sind auf Urlaub oder Fortbildung und den neuen Chef hat er noch nicht kennengelernt.
Und gerade jetzt wird der große Kritiker Friedrich Frank ermordet aufgefunden – zu allem Überfluss werden am Auffinde Ort verschiedene Dinge gefunden, die auf seine vernichtenden Kritiken hindeuten. Unter anderem eben auch auf Johannes Mutter und Liora Märklin, Blumenhändlerin und Jojos Schwarm.
Die Idee des Romans fand ich faszinierend, denn der Roman spielt in der fiktiven Stadt Knuffingen die sich in der Miniatur Wunderwelt, einer Touristenattraktion befindet. Schon die Covergestaltung macht dies klar – sind doch Miniaturszenen hier festgehalten. Über weite Teile wird die Geschichte hier, wie ein normaler Krimi erzählt, doch als Leser ist man sich des besonderen Settings natürlich bewusst und ab und an haben auch die Figuren so ihre Momente, in denen sie denken überwacht zu werden.
Die Charaktere sind teilweise doch etwas kauzig und greifen so manche Stereotypen einer Kleinstadt auf. Jedoch wachsen sie einen sehr ans Herz. Man darf sich auf eine Portion Humor und viel Situationskomik freuen – und ich denke so manche Eigenart, wie der immer abwesende Chef könnten vielleicht auch noch bei den Folgebänden auftreten.
Der Schreibstil ist flüssig und grundsätzlich kommt man ohne Längen durch den Roman. So manche Wendung war für mich allerdings absehbar. Dennoch würde ich das Buch als soliden Cozy-Crime bezeichnen. Vor allem Kenner der Miniaturwelt haben sicher besondere Freude damit Knuffingen hier literarisch verarbeitet zu sehen.
Ein sympathisches Cozy-Crime für zwischendurch. Ich freue mich schon auf Fortsetzungen und nehme mir definitiv auch vor das echte Knuffingen zu besuchen.
spannende Kunst, Mord, Hochzeit und der Abschluss einer Serie
Lavendel-Jagd von Carine Bernard
In Carpentras in der Provence herrscht der übliche Trubel auf dem Wochenmarkt. Einem Touristen und gleichzeitig Teilnehmer des aktuellen Street-Art-Festivals wird das Portemonnaie gestohlen. Zum Erstaunen aller wird dieses Portemonnaie schließlich bei einer Leiche im Park gefunden – doch dieser starb laut Gerichtsmedizin, bevor die Geldbörse überhaupt gestohlen wurde.
Die weiter Besonderheit – auch der Tote war Teilnehmer der Kunstveranstaltung. Die junge Kommissarin Lilou Braque taucht in die Kunstwelt ein und ist gleichzeitig sehr gefordert, findet doch ihre Hochzeit in wenigen Tagen statt.
Eines vorneweg: Auch wenn dies nun schon der achte Band und leider auch der Serie ist, ist der Einstieg definitiv auch ohne Vorkenntnisse gut möglich. Man bekommt zwar doch eine gewisse Anzahl an Personen präsentiert – etliche aus dem Polizei- und Ermittlungsreihen, jedoch werden sie mit ausreichend Hintergrund präsentiert.
Der Fall gestaltet sich etwas kurios, wird jedoch durch die Polizei gründlich aufgearbeitet. Man darf mit mehr als einer Wendung rechnen, darunter einige rasante. Lilou erscheint als gewissenhafte Ermittlerin, lässt sie sich doch nicht einmal von ihrer bevorstehenden Hochzeit von ausgefüllten Arbeitstagen abbringen. Für mich als Einsteigerin in die Serie, war es etwas wunderlich, wie wenig Lilou sich von ihrer Hochzeit stressen lässt. Allerdings ist es wohl einfach schwierig zwei wichtige Sachen unter einen Hut zu bringen, denn ein Tag hat nur vierundzwanzig Stunden und Lilou eine gewissenhafte Ermittlerin.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und leicht, und ebenso leicht verliert man sich im Geiste auf dem Wochenmarkt des Ortes. Nicht zu kurz kommen auch die Beschreibungen lukullischer Genüsse.
Ich habe den Fall und den Abstecher in die Provence definitiv genossen und werde sicher die Vorgängerbände auch noch nachholen.
Hören und Suchen- eine gute Einstimmung auf den Urlaub
Hör mal (Soundbuch): Wimmelbuch: Wir machen Urlaub von Enni Bollin
Wer die Serie Hör Mal Wimmelbücher schon kennt, kann sich sicher vorstellen, was einem im Thema wir machen Urlaub erwartet., reiht es sich doch vom Prinzip nahtlos in Reihe der anderen Themen wie Zoo, in der Stadt, Bauernhof ein.
In bekannter Manier werden auf den vierzehn Seiten sechs verschiedene Urlaubsszenen präsentiert.
Pro Doppelseite hat man so eine buntgestaltete Wimmelbuchseite wie z.B. ein Tag am Strand. Ein Teil der Seite enthält einen kurzen Text zum Vorlesen und der auch Hinweise gibt, was denn gesucht wird. Weiters werden auch noch Bildausschnitte gezeigt, die man sucht. Außerdem gibt es zu jeder Szene auch eine Tonausgabe, die einen weiter Dinge suchen lässt.
Die Gestaltung ist altersgerecht – bunt, aber nicht zu überladen, wobei dies sicher auch auf das Kind ankommt und den Entwicklungsschritt. Aber man entdeckt leicht immer wieder neues, verirrt sich dennoch nicht zu sehr im Bild.
Das Buch selbst kann man mit einem USB-C Stecker laden, und es ist auch mit einem Schalter ausgestattet – auch um vielleicht mal nur zu schauen.
Die Tonwiedergabe funktioniert problemlos und die Tondateien sind passend- Möwenkreischen, eine Unterhaltung, Kuhglocken – und immer wird der Verursacher gesucht. Pro Seite wird dabei die ganze Sounddatei wiedergegeben, also eine kleine Reihe von Geräuschen passend zur Szenerie.
Auch das Format ist für Kinderhände praktisch gewählt und stabil.
Für uns war es eine schöne Einstimmung auf den Urlaub und erlaubt auch etwas Selbstbeschäftigung.
Licht und Schatten - und das Flirren eines Sommers
The Artist von Lucy Steeds
In der Provence im Sommer 1920: Joseph Adelaide, Journalist bei einem kleinen Kunstmagazin, erhält die Chance seines Lebens. Edouard Tartuffe, legendärer Maler, lädt ihn zu sich auf den Bauernhof ein, auf den er sich zurückgezogen hat, ein. Doch es sollte nicht einfach werden, ein Interview zu bekommen.
Joseph wird vom Maler als Model engagiert und lebt fortan zusammen mit dem exzentrischen Künstler und seiner ruhigen Nichte Ettie. Ettie scheint ein Rätsel für sich zu sein, hält sie sich doch ruhig im Hintergrund und ist als Haushälterin und Assistentin wichtig für die Entstehung all der Kunstwerke. Schrittweise erlangt Joseph immer mehr Zutritt zur Gedankenwelt von Ettie.
Der Roman beginnt, indem man Joseph auf seiner Reise zur abgelegenen Künstlerunterkunft folgt und schon in den ersten Seiten merkt man eine gewisse Grundstimmung des Romans – lange heiße, ja eher brütende Tage des Sommers in der Provence, ein Gefühl, das für mich allgegenwertig war.
Die Erzählperspektive wechselt kapitelweise zwischen Joseph und Ettie und umfasst neben dem Alltagsleben und den Malsessions auch Gedanken und Rückblicke der jeweiligen Personen. Beide tragen ihr eigenes Päckchen und man erlebt als Leser so manchen herzzerreißenden Rückblick. Schrittweise setzen sich so die Biografien der Figuren zusammen, wie auch die Bewohner des Hauses sich immer mehr aneinander gewöhnen.
Der Roman transportiert gut das Gefühl des Sommers in der Provence und die Exzentrik der Künstler, da die Beschreibung einfach bildhaft, atmosphärisch und ausdrucksstark ist. Doch es geht nicht nur darum, wie der Leser bald merkt. Taucht man doch vor allem in Rückblicken in verstörende und herzzerreißende Szenen ein, die das Leben aller Beteiligten bis zur Erzählebene prägen. Es waren damals andere Zeiten, der erste Weltkrieg gerade erst vorbei und die Wahrnehmung speziell von Frauen eine andere. Und bald erkennt man die weitere Botschaft des Buches – es ist möglich sich aus der Dunkelheit zu befreien und ins Licht zu treten, egal wie unwahrscheinlich es einem erscheinen mag.
Ein Roman der auf Grund der Aufmachung gerne als Sommerroman für Kunstinteressierte gesehen werden kann, aber eben auch eine viel tiefere Botschaft vermittelt.
moderner Cyberterrorismus - man vertraut auf KI
Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln von Florian Schwiecker
Berlin, an einem Sonntag um 16:05 und für einen kurzen Moment fallen flächendeckend die Navigationssysteme aus. Der Hintergrund – Cyberterroristen aus der Gruppe Time Out haben Kontrolle über die Galileo-Satelliten übernommen und erpressen die EU – natürlich mit möglichen drastischen Folgen.
Der Angriff ist massiv, so dass er auf bisher klassischem Weg wohl nicht abgewehrt werden kann – man möchte die KI bemühen. Dafür engagiert man die junge Hackerin Charlie mit ihrer selbst programmierten KI KIM. Doch welche Risiken tun sich damit auf für Charlie selbst und durch ihre KI KIM.
Ein definitiv spannender und moderner Ansatz, den ich so noch nicht kannte. Verknüpft werden die neuen technischen Möglichkeiten durch KI mit Elementen eines Politthrillers. Definitiv spannend und neu, und wahrscheinlich nicht so futuristisch wie man als Laie vielleicht denkt.
Der Schreibstil des Autors ist leicht und man kommt flüssig durch das Buch. Man spürt die beklemmende Stimmung der Situation. Unterstützt werden der Lesefluss und die Spannung durch kurze Kapitel aus Sicht der Behörden und der Erpresser – man ist mitten im Strudel der Erpressung und der Jagd.
Die technischen Hintergründe erscheinen mir als Laien, so weit ich das beurteilen kann, als schlüssig und gut recherchiert. Das ergibt sich natürlich aus dem beruflichen Hintergrund des Autors. Trotz der vielen Begriffe war es für mich verständlich und mir wurde umso klarer wie sehr man sowohl Nutzen als auch Gefahren bzw. generell Einsatzmöglichkeiten der KI unterschätzt. Jedoch lassen sich kleine Längen im Text durch die technischen Erklärungen auf Kosten der Spannung nicht wegdiskutieren – in meinen Augen jedoch in einem vertretbaren Maß.
Besonders ins Herz geschlossen habe ich Charlie, die neurodivergente Hackerin, die sich in der eher Männer dominierten Techbranche gut durchsetzen kann. Mutig und dennoch ruhig schreckt sie nicht davor zurück, sich auch selbst in Gefahr zu bringen und ab und an die Regeln zu brechen, selbst wenn sie neu in ihrem Job bei der Spezialeinheit für Cybersecurity ist.
Gespannt bin ich wie es mit der Serie weiter geht, denn rein aus dem Titel darf man nur mit Charlie und KIM fix rechnen. Wie wird es mit den Charakteren drum herum weitergehen. Nachdem sich Charlie und der Ermittler Lukas Philips einem Ermittler der CSA5 nach anfänglichen Schwierigkeiten gut zusammenarbeiten, würde ich hoffen auch ihm wieder zu begegnen.
Alles in allem kann ich den Thriller definitiv empfehlen, speziell wenn man gerne etwas mit einem modernen technischen Ansatz lesen möchte und dabei bietet sich die KI derzeit einfach an.
toskanischer Cozy-Crime mit einer ganzen Schar an Verdächtigen
Vino, Mord und Bella Italia! Folge 9: Der letzte Ausritt von Christian Homma; Elisabeth Frank
Der Reiterhof von Fontenaia wird endlich von der Spanierin Carmen Casals neu übernommen. Die Pläne sind groß, doch das Vorhaben ist teuer und damit die Herausforderung groß. Eines Tages kommt das Pferd Maestro allein zum Stall zurück, seinen Besitzer Lorenzo Riverto findet man schließlich tot auf einem Reitweg im Wald.
Doch es ist mehr als ein tragischer Unfall – der Geschäftsmann wurde ermordet. Die einzige Spur eine Schnur die gespannt wurde. Der Kreis der Verdächtigen ist groß, und Anna schlägt vor ihren Freund Malte als Undercover Ermittler auf den Hof einzuschleusen.
Ein Roman der sich perfekt in die Reihe Vino, Mord und Bella Italia einreiht. Für Kenner der Reihe sei gesagt, dass man bekannte Gesichter wieder trifft, und es fühlt sich auch wieder an wie nach Hause zu kommen, zu alten Bekannten. Doch auch so manche Charaktere, die man bisher eher aus Anekdoten kennt, lernt man näher kennen wie Annas besten Freund Malte und Tameos Onkel Cristiano.
Für Neulinge: Wie man durch das Cover ja schon vermuten kann, handelt es sich um eine Cozy-Crime Reihe die in einem fiktiven Ort in der Toskana spielt. Man begegnet einer illustren Schar an Dorfbewohnern und Polizeikollegen, die man rasch ins Herz schließt. Die Kriminalermittlungen, bei denen Polizeireporterin Anna gerne mitmischt, wechseln sich mit Anekdoten aus dem Privatleben der Charaktere ab. Zum Drüberstreuen gibt es dann noch atmosphärische Landschaftsbeschreibungen, kulinarische Köstlichkeiten und etwas Fernweh. Und keine Sorge, auch ein Einstieg bei diesem Band ist möglich.
Ich freue mich jetzt schon sehr auf den nächsten Band, um mehr vom illustren Ort Fontenaia zu erfahren und eine kleine Auszeit vom Alltag zu genießen.
Ein typischer Marc Raabe
Im Morgengrauen von Marc Raabe
Spannung um den deutschen Kanzler Henrik Westphal. Eine junge Frau – KessyX und Mitarbeiterin in einem Burgerladen- veröffentlicht im Netz Videos, in denen sie von ihrer Affäre mit dem Bundeskanzler spricht. Über mehrere Wochen erscheinen Videos zu dem Thema – KessyX immer unkenntlich nur durch ein Tattoo am Unterarm identifizierbar.
Was steckt dahinter. Schließlich verschwindet der Bundeskanzler spurlos. Rasch beginnt die Suche nach ihm durch mehrere Dienststellen. Die Ermittler Art Mayer und Nele Tschaikowski werden zu einer entstellten Leiche tief im U-Bahn-Tunnel gerufen. Es stellt sich die Frage, ob es die junge Frau aus den Videos ist. Welche Rolle spielen andere Bekannte des Kanzlers und wie geht Art Mayer damit um, dass auch die Rolle Julis, der Frau des Kanzlers und seine Jugendliebe, fraglich ist.
Eines vorneweg, dies ist der vierte Band um den Ermittler Art Mayer und man trifft viele Personen aus den vorherigen Bänden wieder. Ich kannte die Vorgängerbände, wodurch der Einstieg leicht viel und der Hintergrund und Beziehungen so mancher Figuren leicht nachvollziehbar war.
Man folgt der Erzählung auf zwei Ebenen und aus verschiedenen Perspektiven. Einer regulären Zeitebene in der Gegenwart und wo man vor allem den Ermittlern folgt. Regelmäßig sind Rückblicke eingestreut, in der Kapitelüberschrift passenderweise mit einer Zeitangabe versehen, um die zeitliche Einordnung zu erleichtern. Man liest so quasi wie bei einem Countdown mit – der Beginn 42 Tage vor Tag Null. Scheibchenweise bekommt der Leser dabei die wahre Geschichte präsentiert.
Der Schreibstil ist typisch Marc Raabe – flüssig, modern, umgangssprachlich, mitreißend. Man kann der Geschichte leicht folgen und bekommt jede Szene sehr bildlich präsentiert, das Kopfkino läuft auf Hochtouren. Man bekommt eine Mischung aus Politik- und Spionagethriller präsentiert – in sehr modernem Setting und dennoch kommt die private Komponente um die Ermittler nicht zu kurz. Charaktere aus den vergangenen Bänden werden wieder präsentiert, offene Fragen geklärt. Für Ermittler Art Mayer ist vor allem die Geschichte mit Juli, der Frau des Kanzlers fordernd. Definitiv ein zu der Serie passender Band, den ich nicht missen möchte, klärt er doch so manches offenen Fragen aus den Vorgängerbänden auf.
Für Neulinge der Serie – die Bücher sind wirklich lesenswert, die Geschichte gut aufgebaut, Schilderungen erzeugen sofort ein entsprechendes Bild im Kopf. Jedoch würde ich zum besseren Verständnis raten, mit Band eins zu beginnen – es zahlt sich aus!
Ermittlungen in der Grenzregion - mit Herausforderungen
Strandopfer von Frank Goldammer
Am Strand an der polnischen Ostseeküste bei8 Swinemünde wird ein deutscher Tourist tot aufgefunden – das besondere in seinem Rachen steckt ein großer Bernstein. Ermittlerin Lena Schuldt aus Berlin wird nach Polen geschickt um dort gemeinsam mit ihrem polnischen Kollegen Adam Krawczyk zu ermitteln, auch da nicht gänzlich klar ist, ob es nicht auch politische Verstrickungen gibt – ist doch ein Mitreisender in einem Ministerium angestellt.
Doch rasch bekommt der Fall noch größere Züge, ist doch die zehnjährige Luise verschwunden, seit sie vermutlich mit dem Toten zum Schwimmen aufbrach. Fieberhaft sucht die gesamte Region nach dem Kind und es taucht auch eine zweite Leiche auf, die ebenfalls einen Bernstein im Mund trägt.
Dieser Band ist der Auftakt einer neuen Krimireihe, die im deutsch-polnischen Grenzgebiet spielt, etwas das ich so noch nicht kannte. Rasch merkt man auch, dass die Ermittlungen nicht einfach sind. Einerseits scheinen die deutsche und polnische Polizei, etwas anders zu arbeiten, was Befehlsstrukturen betrifft. Auch spielen immer wieder Vorurteile in die Teamarbeit hinein.
Beide Ermittler sind jeweils doch eher getriebene Charaktere. Lena, die bei ihrem alkoholkranken Vater und danach bei dessen Eltern aufwuchs auf der deutschen Seite der Region, trägt die Erinnerungen an ein schreckliches Ereignis in ihrer Vergangenheit mit sich. Auch tiefer liegende Erinnerungen, die sie dachte mit ihrer Flucht nach Berlin hinter sich gelassen zu haben, brechen wieder auf, als sie sich in der polnisch-deutschen Grenzregion aufhält. Reaktionen und Gefühle, die für mich sehr nachvollziehbar sind und schrittweise im Zuge der Ermittlungen aufpoppen. Auch Adam scheint sein Päckchen zu tragen, bleibt während dem Großteil der Geschichte allerdings eher verschlossen, für Lena und den Leser – seine Geschichte erfährt man hauptsächlich durch Kollegen.
Der Fall selbst weist viele Wendungen und Höhepunkte auf, die Ermittlung selbst ziehen sich teilweise etwas. Wohl durchwegs so wie es bei echter Ermittlungsarbeit ist. Erzähltechnisch ist es wohl einerseits der Tatsache geschuldet, dass stückweise die Biografie der Ermittler eingebaut wird, andererseits ergibt sich das wahrscheinlich auch aus der Tatsache, dass man bei den Ermittlungen vor allem Lena folgt und diese kein polnisch spricht und in Polen auch nicht selbst agieren kann. Sie ist auf Adam angewiesen und er erhält Anordnungen von weiter oben, ist also weniger frei in der Handlung. Persönliche und kulturelle Konflikte werden thematisiert und verlangsamen damit die Geschichte etwas.
Der Ansatz ist spannend, eben weil neben einem Kriminalfall so viel an Konflikten und Klischees aufgegriffen wird, etwas das anscheinend noch immer ein präsentes Thema in der Region ist. Spannend ist auch zu sehen, wie die Biografien zweier Personen an unterschiedlichen Seiten der Grenze verlaufen sind und welche Schicksalsschläge sie geprägt haben.
Ich werde damit definitiv auch den nächsten Band der Reihe lesen, schon allein um herauszufinden, wie sich die Dynamik des Ermittlerduos entwickelt.
Gaunereien in der Regency-Zeit
Die Queen von Mayfair von Alex Hay
Im London des Jahres 1898 feiert Quinn Le Blanc, bekannt als Queen of Mayfair in der Halbwelt, auf den wichtigsten Bällen der Saison. Sie ist schön, jung, charmant und hat ein Ziel. Sie möchte sich innerhalb von fünf Tagen den begehrtesten Junggesellen Londons Duke of Kendal angeln und mit ihm das gesamte Vermögen.
Ähnliches hat Quinn schon mit anderen Männern durchgezogen – Männer innerhalb von fünf Tagen, um den Finger zu wickeln, ihnen das Vermögen abzunehmen und anschließend zu verschwinden. Doch dieses Mal ist das Ziel eben ein sehr großes und alles nicht so einfach.
Ein Roman der historischen Fiktion mit Elementen eines Kriminalromans vereint und damit ein spannendes Setting aufwirft.
Durch den bildhaften, detailreichen Schreibstil des Autors fühlt man sich schnell in den Bann der Zeit gezogen. Im Kopfkino laufen die Szenen der Bälle ab, die wundervollen Kleider und prunkvollen Räumlichkeiten. Generell folgt man dem Text sehr leicht, auch wenn er, um authentisch zu bleiben, diverse eher altertümliche Begriffe und Stile einfließen lässt. Ja der Vergleich mit der Serie Bridgerton ist nicht von der Hand zu weisen.
Jedoch fand ich auch die Andeutungen in anderen Rezensionen auf Oceans Eleven nicht verkehrt, denn man taucht tief ins Gaunermilieu ab. Ja die Unterwelt der damaligen Zeit plant ihre Untaten nach ihrem eigenen Regelwerk, wie schon im Prolog sichtbar wird. Denn man wählt nicht irgendein Opfer, sondern ein verdientes, das schon schlechtes auf sich geladen hat. Ein spannender Ansatz, der auch gut aufgegriffen wird, wie auch die Tatsache, dass trotz aller Vorkenntnisse nicht immer alles glatt läuft, und eben auch andere Akteure andere Interessen haben können.
Alles ist recht humorvoll, etwas verworren, auch auf Grund des ständigen Katz und Mausspiels und rasch kommt die nächste Wendung. Unterhaltung ist damit garantiert, jedoch muss man sich auch auf die Prämisse der Erzählung einlassen. So wie auch auf den etwas eigenwilligen Charakter von Quinn, die mit Intelligenz, Gerissenheit und vor allem Loyalität zu sich selbst glänzt.
Bei der Rezension dieses Buches, darf man etwas nicht unerwähnt lassen: das Buch ist ein gestalterisches Highlight und ein wahrliches Schmuckstück im Regal. Durch die dunkelblaue Gestaltung inklusive goldene Prägungen und goldenem Farbschnitt (zumindest in der ersten Auflage), ganz ohne Schutzumschlag erscheint das Buch sehr wertig, und passend zum Thema.
Ein Roman mit einer spannenden Idee - verknüpft er doch die schillernde Regency-Zeit mit einer Gaunergeschichte.
Unruhe in der Berliner Unterwelt - man sieht sich immer zweimal
Die Toten von morgen - Thriller (Berliner Schattenwelt 2) von Kim Koplin
In Berlin wird im Österreichpark die Leiche eines jungen Mannes gefunden – getötet durch einen Kopfschuss. Zeugen lassen sich keine auftreiben und auch Papiere gibt es nicht. Ermittelt wird durch Kommissarsanwärterin Nihal Khigarian, die nun nach einem Abstecher nach Hamburg wieder in Berlin ist und mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat: einem Vater im Sterben, einen Bruder, den sie selbst in das Gefängnis gebracht hat.
Außerdem denkt sie immer wieder an Saad und dessen Tochter Leila, mit denen sie ursprünglich nach Hamburg geflüchtet war. Nun tauchen auch die beiden wieder auf und auch beruflich wird es turbulent. Denn es scheint einen Kampf um den Absatzmarkt Berlin zu geben – zwei Drogenbosse kämpfen um die Vorherrschaft. Und rasch ist auch Saad involviert.
Auch wenn dies nun schon Band zwei der Serie Berliner Schattenwelten ist und die Geschichte um Nihal, Saad und Leila weitererzählt, ist der Einstieg auch ohne Vorkenntnisse problemlos möglich. Fragen, die sich vielleicht zur Vorgeschichte der Charaktere auftun, werden im Band erklärt und somit findet man leicht in die Geschichte.
Der Schreibstil ist flüssig, aber doch etwas gewöhnungsbedürftig, greift er doch viele umgangssprachliche Begriffe und leicht unvollständige Satzbildungen auf. Eben ein klares Abbild so mancher schnellen Konversation zwischen Figuren, ohne schön literarisch aufgearbeitet zu werden. Etwas das man mögen muss, aber dem Buch so wie ich finde auch durchwegs Charme verleiht.
Gut gefallen hat mir die Tatsache, dass aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird und die Kapitel eher kurzgehalten sind. Das Tempo bleibt damit hoch und man fängt gut ein Gefühl für die Stadt Berlin und deren Bewohner ein.
Die Charaktere sind spannend gewählt, nicht nur die vermeintlich Guten auch die vermeintlich Bösen. King Charles so wie sein Widersacher sind Clement sind schon Unikate, die etliche Klischees über Unterweltbosse aufgreifen. Aber auch auf Ermittlerseite wird es unterhaltsam: ein etwas dümmlicher Polizist aus der Einheit Organisiertes Verbrechen, Nihals Vorgesetzter, der oft sehr wortkarg ist. Und schließlich Nihal selbst, sarkastisch und mit Beziehungsängsten. Die immer mit ihrer Familie kämpft, hart im Nehmen ist und gerne auch auf eigene Faust agiert.
Für mich ein solider Roman über die Berliner Unterwelt – vielleicht allerdings nicht so sehr ein Thriller, als ein normaler Kriminalroman.











