Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von leopol:

Familiengeheimnisse und Schicksale in Irland

Und das Glück duftet nach Wolken und Meer von Susa Bartel

Kayla lebt in Berlin, weit weg von ihrer Heimat, einem kleinen Ort an der Küste Irlands. Der Weggang zum Studium war wie eine Flucht vor dem Leben dort, dass durch den Weggang ihrer Mutter im Kindesalter geprägt war. Die Stimmung zu Hause war als Kind nicht einfach, doch ein Streit mit ihrem Bruder im Erwachsenenalter hielt sie in den letzten Jahren auf ihre Heimat inklusive Großmutter und Vater zu Besuchen.

Doch die Rückkehr scheint durch einen Trauerfall unvermeidlich und Kayla nicht zuletzt dadurch verletzlich und unsicher. Läuft doch auch in Berlin nicht alles rund – geschäftlich und privat. Mit großer Unsicherheit reist Kayla in ihren Heimatort und wird mit der Vergangenheit konfrontiert. Manche Dorfbewohner reagieren verhalten. Auch bei Freundschaften müssen die letzten Jahre ohne physischen Kontakt aufgeholt werden Doch Kayla lernt auch interessante neue Leute kennen.

Eines vorneweg, der Roman bzw. die Themen sind leider nicht immer so leichtfüßig, wie das Cover suggeriert. Allerdings zahlt sich das Durchhalten dafür umso mehr aus, denn nicht jedes Leben ist immer Friede, Freude, Eierkuchen.

Susa Bartel nimmt uns vom quirligen Berlin, wo man als Trauerbegleiterin für Tiere anscheinend zumindest etwas Geld verdienen kann, ins doch eher bodenständigere Old Quay- einen kleinen Ort an der Küste Irlands. Man taucht ein in gut gelungene Landschaftsbeschreibungen und lernt auch so manches über irische Köstlichkeit. Garniert wird das ganze mit so manchem spannenden, vielleicht für ein kleines Dorf typischen Charakter wie der immer neugierigen älteren Nachbarin.

Das große Thema, bzw. der rote Faden des Romans sind die Überlegungen um das Familiengeheimnis – dem Verschwinden von Kaylas Mutter und wie dies alle Familienmitglieder geprägt hat. Eine Tatsache, die auch auf andere Probleme umgelegt werden kann und dadurch die Möglichkeit bietet auch für einen selbst etwas neue Hoffnung mitzunehmen. Man kann sein Glück finden, auch wenn die Situation traurig anmutet. Es bringt allerdings auch nichts eine traurige Situation komplett auszuklammern.

Etwas verwundert hat mich die Tatsache, dass Kayla die Familengeschichte nicht früher hinterfragt hat. Kayla erscheint zu Beginn des Romans auch etwas unreif zu sein, etwas das ihr von ihrem Freund auch vorgeworfen wurde. Das eine bedingt hier allerdings wahrscheinlich das andere und manchmal ist es einfacher mit dem Status quo zu leben und es zu verdrängen, als sich dem ganzen zu stellen.

Ein Roman der das Irland-Feeling wundervoll transportiert und auch sehr versöhnlich und rund endet.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von leopol

Turbulenzen im Offshore-Windpark

Trügerisches La Rochelle von Jean-Claude Vinet

Auf der Baustelle eines Offshore-Windparks nahe Rochelle wird ein Toter gefunden – Unfall, Selbstmord, Mord es ist nicht ganz klar. Commissaire Chevalier wird von seiner beschaulichen Arbeit mit seinem Schwager zum Einsatz auf dem Installationsschiff gerufen. Hier begegneter er einer eingeschworenen Crew, die durch die Distanz zum Festland isoliert ist, ist man doch einige Wochen am Stück auf dem Installationsschiff – ohne Empfang.

Bald ist klar, dass es kein Unfall sein kann- trotz stürmischer See. Doch wer ist der Täter, er muss sich doch noch auf dem Schiff befinden.

Die Erzählung folgt dem klassischen Whodunit Prinzip der Kriminalromane: Ermittlungen des Teams um Commissaire Chevalier verlaufen in klassischer Polizeimanier. Man verfolgt Spuren, sucht Motive, landet in Sackgassen und wird durch so manche Entwicklung überrascht. Besonders spannend ist dabei die Tatsache, dass sich der Täter an Bord dieses Installationsschiffes befinden muss.

Neben der Hauptermittlung taucht man auch in einem gewissen Maße in das Privatleben des Ermittlerteams ein. Man lernt einerseits ein doch entspannteres Privatleben des Commissaires kennen, andererseits aber auch private Ermittlungen in der eigenen Familiengeschichte. Damit lernt man den Ermittler auch von einer anderen Seite kennen und lernt ihn sehr zu schätzen.

Der Schreibstil des Autors ist angenehm und auch sehr bildhaft. Man nimmt die geschilderte Atmosphäre in der wundervollen Stadt Rochelle gut war, ein maritimes Lebensgefühl, dass gleich Urlaubslüste weckt. Aber auch der Windpark und die technischen Details sind detailliert, aber auch verständlich dargestellt, so dass man auch gleich etwas fürs Leben lernt. Gelungen fand ich, wie das alles miteinander verknüpft wurde.

Für mich war dies der erste Roman aus dieser Krimiserie. Auch wenn dieser ohne Probleme für sich alleine gelesen werden konnte, werde ich bei Gelegenheit die restlichen Bände ansehen, um besser in die Geschichte um den Commissaire einzutauchen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von leopol

ein tiefsinniger, fordernder Roman, für den man Zeit braucht

Alma von Federica Manzon

Alma kehrt nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimatstadt Triest zurück, um ihr Erbe anzutreten. Überreicht soll ihr dies von Vili ihrer Jugendliebe und gleichzeitig Ziehbruder, werden. Die Rückkehr in die Heimat, die sie abrupt hinter sich gelassen hat, lässt Alma an ihre Kindheit und Jugend erinnern.

Ihre Großeltern mütterlicherseits, die das Erbe und Traditionen Triests aus der Habsburger Monarchie hochalten. Ihre Eltern, die sich davon befreien wollten. Eine Kindheit in der sie Tito kenngelernt hat und die turbulenten Jahre danach.

Eines vorneweg, dies ist definitiv ein Buch, dem man Zeit geben muss, denn es ist nicht ein leichtfüßiger Roman in einer italienischen Stadt, wie man vielleicht auf Grund des Covers vermuten mag.

Die Geschichte wird nicht geradlinig erzählt, so wechseln sich die Zeitebenen und aber auch die Blickwinkel sehr häufig ab. Dadurch braucht es einige Zeit einzutauchen. Die Beschreibungen der Orte und Eindrücke sind sehr bildhaft, wodurch man sich natürlich gut orientieren kann. Kunstvolle Satzgestaltungen, machen es allerdings notwendig, ausreichend Konzentration ins Lesen zu legen.

Wie man schon erahnen kann, verknüpft der Roman die persönlichen Erfahrungen einer Person vom Kinderalter beginnend mit den politischen Realitäten der jeweiligen Zeit. Für die politischen Realitäten wäre natürlich ein entsprechender Wissenshintergrund ideal, um die Zeiten besser zu verstehen. Die Einordnung der verschiedenen Kriegsparteien u

Doch auch die Geschichte um Alma, Vili und Almas Familie allein ist spannend. Almas Eltern die eher abwesend sind, und ihrer Tochter Alma, möglichst wenig Grenzen aufzeigen wollen, damit sie sehr frei und selbstbestimmt aufwachsen kann. Vili, der von seinen Eltern getrennt wird und von Almas Vater über die Grenze geschmuggelt wird und nun statt in Belgrad nun in Triest bei der Familie von Alma aufwachsen soll. Auch er fühlt sich durch diese Trennung zerrissen und unsicher, auch da er ja in der Fremde ist. Man merkt im Zuge der Geschichte, wie wichtig die Vergangenheit doch auch für die eigene Identifikation und das Verständnis ist – bewusst oder auch unbewusst.

Ein nachdenkliches Buch, das eine turbulente Zeit in einer Stadt mit wechselhafter Geschichte thematisiert. Man sollte sich allerdings Zeit nehmen sich darauf einzulassen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von leopol

ein internationaler Regionalkrimi der auch die Ermittler persönlich fordert

Solothurn ruft nach Vergeltung von Christof Gasser

Es sind Filmtage in Solothurn und der auszuzeichnende Regisseur taucht nicht auf. Von Pia, Tochter des Chefermittlers Dominik Dornach wird er getötet in seinem Zimmer aufgefunden. Doch was ist das Motiv? Hat es mit seinem Film über Femizide und Frauenhass zu tun. Hat es mit seiner eigenen Herkunft zu tun.

Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, da die Spuren gering sind. Hat alles mit einem spektakulären Fall in der Vergangenheit zu tun.

Eines vorneweg - auch wenn dies bereits der siebente Band einer Reihe um den Ort Solothurn und den Ermittler Dominik Dornach ist, viel mir der Einstieg leicht. Man lernt die Charaktere und ihre Geschichte peu à peu kennen und erkennt, dass viele der Personen eine lange und turbulente Geschichte verbindet.

Auch wenn dies ein Regionalkrimi ist, mit einer tiefen Verflechtung im Ort, hat er überraschend viele internationale Züge. So gesellen sich zu regionaltypischen Ausdrücken und eine schon fast pittoreske Beschreibung der Gegend, Ausflüge ins Ausland, aktionreiche Szenen und Hintergrundinformationen in verschiedenste internationale Ermittlungseinheiten, die man so vielleicht nicht erwartet.

Auch die Themen, die aufgegriffen werden, sind sehr aktuell – Femizide sind in vielen Ländern ein großes Problem. Weiters Mobbing, Belästigung und häusliche Gewalt. Alles von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Als Leser ist man versucht, gleich einen bestimmten Personenkreis zu verdächtigen, doch man darf sich als Leser auf die ein oder anderen überraschende Wendung einstellen. Doch in diesem Netz aus Ehrenmord, Hass, Schuld, Lüge und Misstrauen ist nichts so einfach wie es zunächst scheint.

All dies lässt das Buch dann doch auch temporeich und düster erscheinen, präsentiert allerdings mit einem flüssigen und leichten Schreibstil. Man befindet sich als Leser im Strudel der Ermittlungen und Wendungen und bekommt schließlich aber eine schlüssige Aufklärung präsentiert.

Ich werde in nächster Zeit sicher auch noch die Vorgängerbände lesen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von leopol

Hinter den Kulissen einer Urlaubsinsel

Heaven's Gate von Daniel Faßbender

Auf einer philippinischen Insel – Surogao – genießt Caruso de facto sein Nichtstun. Als ehemaliger Profi-Surfer, frönt der Deutsche nach wie vor seiner Leidenschaft dem Surfen. Um doch ab und an Rechnungen bezahlen zu können ermittelt er dann und wann als Privatdetektiv. Nichtsdestotrotz haben sich Schulden angehäuft und so kommt eine Spanierin, die auf der Suche nach ihrem Sohn ist, gerade recht.

Schnell kratzt der Ermittler an der Oberfläche des Surfparadies und taucht in eine Welt ein in den Drogen, Korruption und Gewalt regieren.

Caruso ist als Charakter ein klassischer Antiheld, eine Person, die seine beste Zeit schon hinter sich hat. Gefeiert als Surfer, strandet er nach seiner Karriere auf dieser traumhaften Surferinsel. Doch es ist eben nicht alles so großartig wie es scheint, und auch er muss – wie auch der Leser erkennen – dass der Schein trügt. Noch dazu ist eben auch das Leben im Paradies nicht kostenlos und arbeiten notwendig. So gerät er eher widerwillig zu diesem Auftrag und stolpert eher unbeholfen in diesen Fall. Durch seinen trockenen Humor und den Ecken und Kanten, und eben der Tatsache, dass er eher ungewollt in einen Strudel gelangt, wirkt er authentisch. Auch die Nebencharaktere wie Carmelita, seine Vermieterin und Restaurantbesitzerin sind interessant, geben sie Caruso doch einen guten Gegenpart. Teilweise vielleicht etwas überzeichnet, allerdings bleiben sie einem dadurch gut in Gedanken.

Der Schreibstil ist atmosphärisch, bildhaft und schafft es den Leser an das entschleunigte Tempo einer Ferieninsel anzupassen. Kapitel sind in angenehmer Länge, so dass man leicht am Ball bleibt. Die Beschreibung des Insellebens und das Surfen werden in einer weise mit dem Roman verknüpft, dass es als authentische Betrachtung wahrgenommen wird. Und während man zu Beginn noch bei einem leichten Krimi an einem Urlaubsort ist, landet man schließlich in einer doch viel spannenderen Geschichte.

Von mir gibt es definitiv eine Leseempfehlung vor allem auf Grund des Settings und des eigenwilligen Ermittlers wider willens.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von leopol

Spurensuche in der Vergangenheit, Spionage und etwas Okkultismus

Das Antiquariat am alten Friedhof von Kai Meyer

Das titelgebende Antiquariat am Friedhof liegt im berühmten Graphischen Viertel von Leipzig, ein Stadtviertel in dem wie der Name vermuten lässt viele Unternehmen der Buchbranche angesiedelt waren. Und es wirkt im Großen und Ganzen als Dreh- und Angelpunkt der unterschiedlichen Erzählebenen.

Im Jahr 1930 trifft sich hier eine Gruppe von vier Freunden aus wohlhabenden Häusern in einem Antiquariat eines dieser Freunde Vadim.

Um all dies zu finanzieren, stielt man ab und an wertvolle Bücher, die an geheime Sammler verkauft werden. Zu den Freunden stößt nun auch Eva, Schwester eines Mitglieds. Doch all dies bleibt nicht dauerhaft ohne Konsequenzen, und so mancher neue Raub bringt mehr Risiko als der vorherige. Die Mitglieder des Clubs hadern immer mehr mit der Situation und den Beziehungen untereinander.

Im Jahr 1945, kehrt nach Kriegsende jener Felix wieder nach Europa zurück, nachdem er in die USA ausgewandert war. Aber er kommt nicht zum Spaß, er tourt im staatlichen Auftrag durch verschieden Länder Europas, um Buchschätze zu sichern. Doch der Auftrag wird erweitert, da in Leipzig eine Person aufgegriffen wird, die angibt der Vorleser von Hitler gewesen zu sein. Als Felix diesen Mann mit einer Maske trifft, wird ein Tor in die Vergangenheit geöffnet, gibt er doch vor Felix zu kennen.

Kai Meyer schafft es uns die Geschichte sehr geschickt Atmosphäre der jeweiligen Orte einzufangen, sei es das Kloster mit Bibliothek auf der Insel Patmos, das zerstörte Nachkriegsleipzig oder eine Villa im schönen Italien. Eine sehr bildhafte Sprache fängt den Leser ein und erlaubt es wirklich sich zu fühlen, als wäre man dabei. Schrittweise, mit einem kapitelweisen Wechsel der Erzählzeit, taucht man tiefer in die Geschichte ein, und erfährt, wie es zum Bruch im Jahr 1930 kam.

Die historischen Elemente waren sehr spannend und auch lehrreich. Wie Geschichtsunterricht nur nicht in trocken. Wo hätte ich sonst über die Tatsache gelernt, dass es offiziell autorisierte Buchdiebe auch auf Seiten der USA gab. Dass im Nazireich Kunstschätze geraubt wurden, war mir schon bekannt. Auch die Tatsache, dass manche Personen Lenin wieder aufwecken wollen, kannte ich vorher noch nicht.

Durch diese leichte Spannung, einen gewissen übernatürlichen Einschlag und dem leicht melancholischen Blick auf die Vergangenheit, wurde ich regelrecht vom Buch gefesselt und habe die Zeit wirklich genossen. Es ist gewiss schon auf Grund der länge kein Buch für zwischendurch, und hätte in manchen Bereichen vielleicht gestrafft werden können, aber es liest sich sehr stimmig.

Da ich die Vorgänger Bände noch nicht kannte, werde ich diese bestimmt auch in absehbarer Zeit lesen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von leopol

Thriller trifft Fantasy. Märchen einmal anders

Böser, böser Wolf von Alexandra Benedict

Eine Autorin Katie wird entführt, um für ihren Entführer Märchen zu schreiben, im modernen Stil bei dem Menschen den Tod finden. Auf einem Dachboden in einem Haus im Wald versucht Katie sich zu retten, indem sie Hinweise in die Geschichten einwebt. Ihr Entführer, der sich hinter einer Wolfsmaske verbirgt, setzt diese dann in die Realität um.

Für eine Geschichte im Stile von Cinderella wird Grace entführt und von Zeugen wird beschrieben, dass sie von einer maskierten Figur in den Wald verschleppt wird. Alle Morde werden entsprechend bizarr inszeniert und der Ermittlerin Detective Inspector Lyla Rondell schwant bald übles. Wird sie doch dadurch an ihre eigene Vergangenheit und damit das Verschwinden ihrer besten Freundin Allison erinnert, das eben so etwas von einem Märchen in sich hatte.

Die Geschichte wird fesselnd erzählt und man merkt, wie gut die Autorin sich mit Märchen auseinandergesetzt hat. Die Spannung wird gut transportiert und man ist inmitten in der gruseligen und grausamen Atmosphäre. Interessant ist aber vor allem wie das Thema transportiert wird. Beginnt die Geschichte relativ normal, als klassischer Thriller mit Ermittlungen, einem Täter und der üblichen Polizeiarbeit, mischen sich im Zuge der Erzählung andere Elemente mit hinein. Man wird mit Fantasy und Horrorteilen konfrontiert und es bilden sich immer mehr Metaebenen aus. Man driftet in das Fantasy Genre über und ist sich immer mehr im Klaren, dass das Miträtseln und Mitlösen nicht mehr so einfach, wenn nicht gar unmöglich ist. Weiß man doch nun nicht, was wirklich war ist.

Die Gestaltung und der Titel lassen auch ohne Klappentext schon gut auf das Thema schließen – Märchen werden eine Rolle spielen.

Definitiv eine Geschichte die ich so noch nicht kannte. Spannend und anders durch die Verknüpfung von Thriller und Fantasy.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von leopol

Essen und Büroalltag - wie schafft man die Balance

Richtig gutes Essen von Junko Takase

In einem japanischen Büro arbeitet ein buntes Team von Arbeitskräften unter anderem Nitani, Oshino und Ashikawa als Vollzeitkräfte.

Nitani, der Essen als Notwendigkeit erachtet und am Instantsuppensüchtig ist, hat seine liebe Not mit dem Brauch gemeinsam als Abteilung essen zu gehen, oder mehr Zeit in die Zubereitung von Speisen zu verwenden.

Oshio, die auch eher unkonventionellere Ansichten hat und öfters mit Nitani nach der Arbeit einen trinken geht. Ashikawa ist nicht unbedingt die belastbarste Arbeitskraft und genießt den Schutz ihres Chefs und etlicher anderer Arbeitskräfte. Sie ist öfters krank und beendet ihren Arbeitstag im Gegensatz zu den anderen Vollzeitkräften pünktlich, auch bei größerem Arbeitspensum. Um die Stimmung im Büro für sich positiv zu gestalten, bringt sie immer wieder Süßspeisen mit. Nitani und Oshino entwickeln eine gewisse Abneigung gegen Ashikawa, auf Grund der Tatsache, dass sie nicht in der Lage ist ihre Arbeit entsprechend selbst zu erledigen. Doch die Sache wird auch komplizierter als Nitani eine Beziehung mit Ashikawa beginnt.

Es ist ein Roman der sich neben dem Thema Essen, vor allem um das Thema Umgang und Beziehungen am Arbeitsplatz dreht.

Man lernt viele japanische Gerichte kennen, hilfreich dabei ist das Glossar im Anhang. Zusätzlich bekommt man aber damit eben auch einen Einblick in die japanische Arbeitswelt bzw. in den Büroalltag. Die Tatsache, dass die Arbeitstage in Japan sehr lang sind, weiß man aus so manchem Klischee. Auch die Tatsache, dass alles sehr strikt hierarchisch bzw. sehr höflich gehandhabt wird, ist bekannt. Mit dieser Tatsache im Hintergrund, ist die Geschichte, die hier erzählt wird, natürlich in Japan brisanter als für unseren Kulturraum. Dort kann das Buch sicher leichter als Gesellschaftskritik verstanden werden als in unseren Breiten. Nichtsdestotrotz wird man sich auch hier in manchen Bereichen wiederfinden.

So manches wird sehr repetitiv erzählt und die effektive Handlung ist gering. Arbeitstage und Probleme wiederholen sich. Die Personen leben größtenteils nebeneinanderher. Generell ist der Erzählstil eher distanziert, wobei dennoch zwischen der Ich-Perspektive und der der dritten Person gewechselt wird.

Für mich war es aber eine leichte Lektüre für zwischendurch, wie ein kurzer Blick in ein Büro auf der anderen Seite der Welt. Und trotz aller kulturellen Unterschiede gleichen sich hier die Probleme auch.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von leopol

Ist denn nichts heilig? Ein toter Pater in der Kirche

Vino, Mord und Bella Italia! Folge 8: Unheilige Geschäfte von Christian Homma; Elisabeth Frank

Auch im achten Band der Cozy Crime Reihe um den wunderschönen Ort Fontenaia in der Toskana wird es turbulent.

Ein Pater aus dem Vatikan besucht Fonteneia um Kunstschätze der Kirche zu katalogisieren. Mit seinem Charme versucht er den Ort zu bezaubern. Doch dann wird es turbulent. Don Benedetti der Pfarrer des Ortes wird von Tameo und seinem Hund Peppo gefunden – er wurde niedergeschlagen.

Dann findet man auch noch den Pater aus dem Vatikan ermordet gefunden und ein Kunstwerk aus der Kirche scheint verschwunden zu sein. Auch privat wird es für Anna etwas turbulenter als bisher, ist doch ihre Mutter Paola endlich einmal wieder zu Besuch.

Für alle Kenner der Serie sei gesagt – auch dieser Band ist es wieder als wäre man bei alten Freunden zu Besuch. Man ist rasch drinnen in der Geschichte und trifft alte Bekannte wieder. Eben wie ein Urlaub bei Freunden, in der Toskana, die wir nun in einem Herbstsetting erleben dürfen. Annas Privatleben wird dieses Mal zum großen Nebenthema.

Wie immer kommt man leichtfüßig durchs Buch – Beschreibungen des Alltags in Fontenaia wechseln sich mit kriminalistischen Ermittlungen. Die Charaktere des Buches tragen das Werk und es ist besonders schön ihre Entwicklung mitzuerleben – allen voran bei Comissario Vico, der nun vollkommen im kleinen Ort angekommen zu sein scheint. Auch an der kriminalistischen Front wird es nicht langweilig – bringt die doch auch hier so manche unerwartete Wendung und Höhepunkt hervor.

Für alle die diese Serie noch nicht kennen, kann ich nur sagen, probiert die Serie aus – es ist jedes Mal wie ein Kurzurlaub. Eine schöne Auszeit aus dem Alltag und die Charaktere und der Charme wachsen einem ans Herz. Und ja eigentlich kann man mit jedem Band beginnen. Man darf sich auf eine Mischung von Humor, etwas Crime und viel Urlaubsstimmung freuen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von leopol

ein Roman mit einer tieferen Botschaft als zuerst gedacht

Der unsichtbare Elefant von Max A. Edelmann

In einer renommierten Anwaltskanzlei in Düsseldorf stürzt Thomas Siebenmorgen in den Tod auf ein wertvolles Kunstwerk. Maria, eine Kollegin, beobachtet die Szene und ist sich sicher, dass Thomas es sich mit dem Selbstmord anders überlegt hat, da er wieder auf das Geländer greift. Doch was hat den Anwalt zu generell dazu getrieben.

Viktor kommt als Mitarbeiter der Krisenintervention und betreut nun Maria und dann Thomas Eltern. Parallel dazu wird auch ein Anwalt der Kanzlei mit Untersuchungen beauftragt.

In kurzen Kapiteln wird aus wechselnden Blickwinkeln die Geschichte aufgerollt. Präzise ist der Roman in große Abschnitte unterteilt – Causa, Instruktion und Conclusio, passend zu einem Setting im Rechtsmilieu.

Einerseits wird in der in der Anwaltskanzlei ermittelt und andererseits begleitet man verschiedene Personen im Umgang mit der Trauer um den Tod von Thomas. Warum hat der Anwalt daran gedacht sich umzubringen und wer trägt die Schuld an diesem Unglück. Es zeigt sich, dass die glamouröse Anwaltskanzlei doch auch so einige Abgründe hat. Wie man vielleicht vermuten mag, herrscht großer Konkurrenzkampf und auch ein hohes Arbeitspensum.

Doch auch im Familienleben herrscht nicht nur eitel Wonne wie es die adrette Kleinstadtidylle vermuten lässt. Überall zeigt sich ein unsichtbarer Elefant im Raum, wie die Redewendung die gleichzeitig Buchtitel ist, so schön formuliert. Etwas über das nicht gesprochen wird, das aber dennoch für alle greifbar ist – nämlich die Auswirkung der Familiengeschichte auf nachfolgende Generationen. Speziell Handlungen und Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg prägen hier die Generation um Thomas, auch wenn diese Generation nicht alles direkt erzählt bekommen hat.

Sehr gelungen fand ich auch, wie der Autor es versteht die verschiedensten Personen wie Trauerbegleiter, Kollegin, den Aufklärer aus der Anwaltskanzlei und so etliche Schulkollegen von Thomas in Handlungssträngen miteinander zu verknüpfen. Die Geschichte zieht immer weitere Kreise. Man nimmt die Charaktere sehr authentisch wahr und merkt wie berührt sie von der Geschichte des toten Anwalts sind und wie sehr sie über ihr eigenes Leben nachdenken.

Ein Roman, der sich grundsätzlich leicht liest, allerdings viel mehr transportiert als man zu Beginn denkt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von leopol