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Druck, Machtspiele, Geheimnisse und nichts ist wie es scheint

Most Hated Girl von Kirsty Lockwood

Die neunzehnjährige Odette lernt durch Zufall den achtzigjährigen Amos bei einem Museumsbusch kennen und freundet sich langsam mit ihm an. Dankbar, dass sie nach dem Tod ihrer Mutter Anschluss findet. Schließlich zieht sie aus der Sozialwohnung zu ihm und teilt Videos über das Zusammenleben in den Sozialen Medien.

Während eines Livestreams attackiert die junge Odette Amos, den Mann, der sie bei sich aufgenommen hat. Für die Öffentlichkeit scheint der Fall durch den Livestream eindeutig zu sein. Doch warum schweigt Odette beharrlich, als sie von der eintreffenden Polizei auf die Wache gebracht wurde. Welches Motiv hat sie, was ist passiert.

Die Erzählung wird in zwei Zeitebenen präsentiert – der Gegenwart in der Odette auf der Polizeiinspektion einvernommen werden soll, und der Vergangenheit zuvor, die dem Leser zeigt, wie es zur derzeitigen Situation kam. Die Kapitellänge ist passend, um immer wieder die Perspektive zu wechseln und gewisse Geschwindigkeit aufzubauen. Allein im Mittelteil war es für mich etwas langatmig. Der Schreibstil ist flüssig und schafft es gut die zunehmend unheimliche Stimmung der Situation auf den Leser zu übertragen.

Die Charaktere erscheinen in ihren Handlungen und Dynamik zueinander nachvollziehbar. Odette, die durch den Lebensstil ihrer Mutter etwas Schwierigkeiten im sozialen Umgang hat. Erstaunlicherweise erscheint sie dennoch sehr positiv, wenn auch etwas eigenwillig und naiv. Ihre kindlichen Ansichten und das Sehnen nach Freundschaften, die sie in der Vergangenheit nie schließen konnte, erscheinen authentisch und man erkennt, dass sie im Laufe der Zeit Amos gegenüber entspannter wird. Zu Amos selbst lässt sich wohl nicht zu viel schreiben, ohne zu viel der Geschichte preiszugeben. Gelungen fand ich auch die Ermittler: Roger und Esther. Ein Duo, das sich im Zuge der Ermittlungen findet und man irgendwie auch ins Herz schließt. Denn es ist hart: sie werden durch die Öffentlichkeit und die eigenen Vorgesetzten unter Druck gesetzt wird, rasch Ergebnisse in diesem scheinbar eindeutigen Fall zu liefern.

Das grundlegende Thema der Erzählung könnte nicht aktueller sein – wie rasch glauben wir uneingeschränkt Bilder und Erzählungen, die uns in den Sozialen Medien präsentiert werden. Wie schnell schaukelt es sich hier zum Hass und Verfolgung auf. Vieles wird gekürzt und vereinfacht präsentiert. Doch was steckt hinter dieser Fassade. Wie schnell kann die Stimmung kippen (dargestellt auch durch die Sozialmedia Posts im Innenteil des Covers).

Ein Roman bzw. psychologischer Thriller, wobei ich ihn eher bei psychologischem Roman einordnen würde, der wichtige Themen aufgreift. Vielleicht etwas anders als ich erwartet habe, aber dennoch finde ich das Buch empfehlenswert.

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Umgang in Alltagssituationen in typischer Tiptoi Manier

tiptoi® Abenteuer Großwerden - Smilla lernt ein gutes Miteinander von Sandra Grimm

Smilla lernt gutes Miteinander ist ein weiteres Buch der tiptoi Reihe von Ravensburger zum Thema Groß werden. Alle richten sich an die Altersgruppe 2-3 Jahre, und sollen für die Kleinen eine Welt im Buch zeigen, die ihrem Alltag ähnlich ist.

Hier geht es um den Umgang miteinander und den Gefühlen dabei: Wut, Streit und Entschuldigen, Rücksicht nehmen.

Eben dem Umgang mit Alltagssituationen. Man ist zu Hause, im Kindergarten, am Wochenmarkt, bei einer Kinderfeier, im Park und beim Abendritual. Also alles vertraute Situationen.

Jede Doppelseite ist von einem kurzen Text begleitet, um die Situation zu umrahmen. Doch die zeichnerische Gestaltung gibt auch ohne Text genug Kontext und viel zu entdecken. Mit dem tiptoi-Stift, lassen sich fast alle Darstellung antippen und es gibt entsprechend Geräusche, Dialoge und auch Gedichte. Aber auch die Illustrationen allein bieten viel zum Entdecken. Zusätzlich gibt es auch noch auf zwei Seiten ein Liedersymbol. Das Nein-Sagen-Lied fand ich hier sehr wichtig, da auch vermittelt werden soll, dass auch Kinder nein sagen dürfen. Und auch das Hörspiel war sehr gelungen.

Die Handhabung des Tiptoi Stiftes ist wie bei den anderen Büchern der Serie. Alles sehr übersichtlich und gleich lokalisiert. Schnell können sich die Kinder damit auch selbst beschäftigen.

Eine wirklich schöne Ergänzung der Tiptoi-Reihe, weil sie so nahe am Alltag ist. Wir haben uns auch noch für Piet kommt in den Kindergarten entschieden.

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Sommergefühl, Freundinnen, viel Zeit und auch etwas Chaos

Seaside Sisters 1: Lenes Inselsommerglück von Mia Andersen

Die Sommerferien stehen vor der Tür- auch auf der Insel Rosenholm. Lene lebt mit ihrer Zwillingsschwester Elsa auf der Ferieninsel, ihre Eltern betreiben eine Ferienpension. Gemeinsam verbringen sie mit Amber gerne Zeit am Strand. Der Sommer bringt aber noch viel mehr: Lene sucht nach einem Thema für den Schreibwettbewerb.

Und auch Mats ein Junge in den Lene verliebt ist, treibt durch ihre Gedanken. Eine der Sommergäste in der Pension ist Frida, die gemeinsam mit ihrer Mutter, der Schriftstellerin und ihrem Dackel Liselotte anreist. Doch so begeistert ist Lene nicht von Frieda, einerseits weil sie sich über einiges in der Pension kritisiert und auch auch weil Lene glaubt, dass Frieda ihm Mats ausspannen möchte.


Die Sprecherin des Hörbuches hat es wirklich gut geschafft, die Atmosphäre des Sommers zu transportieren. Ein angenehmes Tempo, die Unterescheidung der Charaktere war gelungen. Und selten habe ich eine so gelungene Intonation einer Whatsapp Kommunikation gehört. Wir fanden es wirklich entspannend, das Hörbuch neben dem Puzzeln zu hören.


Flüssig und altersentsprechend mit einer ordentlichen Portion Humor wird die Geschichte erzählt. Knackige Dialoge, passende Kapitelüberschriften und über allem ein Gefühl von Sommer und Strand durch die bildhaften Schilderungen.


Alles realistisch: Ein Sommer wie man ihn auf einer Ferieninsel erleben könnte. Man verbringt Zeit mit Freundinnen und lernt auch neue kennen. Die Tage sind lang und sonnig, man hat viel Zeit sich mit Hobbies zu befassen und versucht auch neue Ziele zu erreichen. Und auch die ersten Gefühle – Liebe, Verliebtsein – mischen sich darunter. Alles passend für das Alter. Schön war auch zu sehen, wie unterschiedlich Interessen und Stärken sein können, auch wenn es Zwillinge sind.


Ich habe mir neben dem Hörbuch auch das Buch angesehen und kann auch hier sagen, dass es sehr gelungen ist. Die Gestaltung ist schön, vor allem die im Comicstil gestalteten Elemente, die unter anderem auch die Charaktere vorstellen

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eine Mordserie mit Bezug zur Antike und zum Vater im Gefängnis

Der Prätorianer von Tobias Bukkehave

November in Kopenhagen, es wird düsterer und kälter. Fast direkt von einem erfolgreichen Einsatz werden die Kriminalkommissarin Sara Levin und ihr Kollege Janus West, zu einem neuen Fall gerufen. An einer abgelegenen Trafostation wurde eine Leiche gefunden, doch dem nicht genug, sie wurde speziell inszeniert, mit diversen Bezugspunkten zur römischen Antike.

Bald ist klar, dass dies kein einfacher Fall wird, und Saras Bruder Adam Levin, Psychologe, wird zu den Ermittlungen hinzugezogen. Doch dem nicht genug, kämpfen doch sowohl Sara als auch Adam mit ihrer Vergangenheit, einem Vater der als hochintelligenter Mörder im Gefängnis sitzt. Und nun führt der Bezug zur Antike auch noch zu ihm.

Der Schreibstil ist klar und temporeich. Die Spannung durchwegs hoch. Hauptsächlich wird die Geschichte aus der Sicht von Sara, Adam und dem Täter erzählt, ergänzt durch ein Paar Kapitel der Opfer. Teilweise ist man als Leser dem Ermittlerteam natürlich auch etwas voraus, teilweise wird man genauso überrascht wie diese.

Das Ermittlerteam im Fall ist neben den Kernpersonen Sara, Janus und dem Psychologen Adam doch von beachtlicher Größe, auch der Brisanz des Falls geschuldet. Ich fand die Charaktere sehr gelungen- Ermittler der alten Schule, treffen auf junge „Wilde“, offen für andere Methoden. Man erkennt, dass so mancher neue Ansatz hilfreich sein kann, allerdings auch nicht allein die Lösung bringt. Sara und Janus, ein doch eingespieltes Team, das sich gut ergänzt und unterstützt. Janus der eher offener und sozialere Charakter und Sara, die eher verschlossen bleibt – beide leben für die Arbeit. Adam, zu Beginn des Buches noch Privatmann, kämpft mit seinem Wunsch die Geschichte des Vaters gemeinsam mit seiner Schwester aufzuarbeiten. Und auch mit seinen eigenen Dämonen. Spannend war auch Christian Levin, der Vater und verurteilte Mörder.

Der Plot ist gut gestrickt, denn rasch wird klar, dass es nicht ein normaler Mord ist, sondern durch die antike Symbolik die private Vergangenheit der Levin Geschwister mit ihrem Vater eingeflochten wird. Noch lange nicht fertig ist die Aufarbeitung der Taten des Vaters, so dass Raum für weitere Bände um das Ermittlerteam bleibt. Die Auflösung des Falles ist schlüssig, wenn auch Kommissar Zufall hier einen großen Beitrag geleistet hat. Aber so ist es auch manchmal in der Realität.

Für mich ein gelungener Thriller, wenn auch vielleicht etwas brutal. Ich mochte die Verflechtung der antiken Symbole mit der Familiengeschichte der Ermittler.

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Mord und Genuss - auch in der Schönheitsklinik läuft nicht alles glatt

Mira Belgusto und der schöne Tote von Angelika Lauriel

Mira Belgusto, deutsche Reisejournalistin, reist für ihre neue Reportage in die kleine Stadt Monopoli in Apulien. Begleitet wird sie dabei von ihrem Bekannten, dem italienischen Ex-TV-Star Claudio Bertani. Doch schon auf einem der ersten Punkte der Recherchereise, einer Schönheitsklinik im ehemaligen Gutshof wird es turbulent.

Wird doch der gefeierte Schönheitschirurg und Chef der Klinik Stefano Belletti tot in seinem Büro aufgefunden. Und rasch stellt sich heraus, dass in der Klinik nicht alles so glattgebügelt lief wie man denkt. Enttäuschte Patienten gab es einige.

Ein schönes Cozy-Crime um ein herzliches Amateurermittlerpaar. Wie schon im ersten Band, stolpern Mira und Claudio zufällig auf einen Mordfall. Und auch hier können sie es wieder nicht lassen, auch selbst etwas zu ermitteln bzw. eher wie zufällig Personen zu befragen. Man ist schließlich neugierig. Eine zusätzliche Motivation ist nun auch, dass Natalinas Onkel Zio unter dem Schönheitschirurgen zu leiden hatte. Ja jene Natalina, die als Polizistin im ersten Band der Serie, jegliche Privatermittlung verboten hat. Und nun unterstützt sie die beiden auch noch etwas, da auch sie zu Beginn in Verdacht gerät.

Die Schar an Verdächtigen wächst sukzessive an und man erkennt rasch, dass der Ermordete eher ein Ungustl war. Als Leser rät man fleißig mit und ist froh, wenn auch das Ermittlungsteam in der Mitte der Ermittlungen ein Brainstorming veranstaltet. Der Krimi selbst löst sich schlüssig auf und man ist erstaunt wie gut auch Amateure ermitteln können, wenn sie nur hartnäckig dran bleiben.

Als Leser folgt man dem charmanten Ermittlerpaar aber nicht nur zu Befragungen, sondern lernt auch ja fast nebenbei die Gegend kennen. Etwas Sightseeing und Geschichte der Architektur und Region allgemein. Aber allem voran viel Sightseeing der kulinarischen Genüsse. Man taucht so wunderbar in die Region ein und plant in Gedanken gerne schon ein Urlaub dahin.

Ergänzt wird das Ganze noch durch Rezepte im Anhang. Ein nettes Gimmick und passend zur Reihenbeschreibung – Genusskrimi.

Definitiv empfehlenswert, da der Kriminalfall kunstvoll mit einer Entdeckungsreise in die Region verbunden wird. Schön zum Entspannen und zum in die Ferne träumen und wer möchte nebenbei nicht gerne einen Mörder finden.

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Überall Geheimnisse und Probleme

Tod in heller Sommernacht von Lisa Sarah Brandstäter

Die Studentin Lina wird in einem Küstenort mit ihrem Moped von einem Auto abgedrängt und mehrfach überfahren. Kommissarin Leena Victor aus Helsinki wird mit ihrem Kollegen Sebastian Nyberg zum Fall hinzugezogen, auch da ihr Instinkt legendär ist. Die Ermittlungen sind nicht einfach – viele Widersprüche und Geheimnisse.

So manche Lüge und auch Affären. Und nun passiert ein zweiter Mord und eine junge Frau verschwindet.

Der Schreibstil der Autorin ist ruhig, angenehm und modern. Man taucht langsam in die Situation im kleinen Küstenort ein. Dabei erkennt man rasch, dass hier nicht alles so idyllisch ist wie man annimmt. Geheimnisse jeglicher Art tauchen auf und rasch erkennt man, dass etwas Düsteres sich über die Geschichte zieht. Dies steht im starken Kontrast zur hellen Sommernacht im finnischen Norden. Es wird also eine bedrückende Atmosphäre geschaffen und man bleibt durch all die Wendungen leicht am Ball. Die Schilderung aus verschiedenen Blickwinkeln trägt dazu bei, ebenso wie eher kurze Kapitel.

Die Ermittlungen werden von Leena Victor und Sebastian Nyberg durchgeführt. Für den Ort Eindringlinge von außen. Die beiden arbeiten gut zusammen und nähern sich auch immer weiter an. Auch das Privatleben der beiden eröffnet einen angenehmen Nebenschauplatz, der nicht zu viel Raum einnimmt. Meiner Ansicht nach authentische und angenehme Ermittler, die auf auch durchwegs unangenehme Charaktere treffen.

Der Fall wird schrittweise immer komplexer, durch all die Geheimnisse und Lügen, die aufgedeckt werden. Bald sind viele Protagonisten am Fall beteiligt mit all ihren eigenen Nebenschauplätzen und Geheimnissen. Man trifft auf Betrug, Depression, Alkoholismus, Eifersucht, Stalking, Gewalt in Beziehungen, sexuellen Missbrauch und noch so einigem. Wichtige Themen, die auch eine unheilvolle Stimmung erzeugen, jedoch verliert man schon fast den Überblick. Ich brauchte lange, um auf den Täter zu kommen.

Auch wenn dies das zweite Buch einer Reihe um die Kommissarin Leena Victor ist, ist dieser Band ohne Probleme unabhängig vom ersten zu lesen.

Definitiv ein lesenswerter Krimi, der zeigt welche Geheimisse ein Dorf alles zu verbergen hat und was hinter verschlossenen Türen so alles passiert. Vielleicht nur fast etwas zu viele Geheimnisse, allerdings bleibt man dadurch wirklich am Rätseln.

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Jungend-Dystopie - mit erschreckend aktueller Botschaft

Wenn die Bienen schweigen von Caryl Lewis

Die Welt und das Leben sind anders: Bienen sind vor einigen Jahren ausgestorben, die Erde ist heiß und trocken und Wasser und Nahrung ist knapp. Junge Mädchen ab elf Jahren werden in Camps gezwungen in denen sie per Hand Blüten bestäuben. Auch die Jungen verlassen ihre Familien und leisten Militärdienst als Wachen.

Jess, die im Camp eine Außenseiterin ist, weil sie erst spät dazu kam, träumt von der vergangenen Welt, die ihr ihre Mutter und die ältere Nachbarin geschildert haben. Als ihr Eliot, ein junger Soldat, Farben zukommen lässt, malt sie mit diesen und dem Pinsel, der sonst zum Bestäuben genutzt wird, ein ergreifendes leuchtendes Bild. Ein Gedanke an Freiheit ist gesät.

Das Buch wird als Jugendbuch beworben, eignet sich aber durchwegs auch als Lektüre für Erwachsene. Eben auch weil diesen ein solcher Ausblick nicht schadet, denn man bekommt durch dieses Buch doch die Folgen einer Änderung des Klimas, der Tierwelt und der politischen Gegebenheiten mit. Man denkt gerne, dass alles utopische Fantasie ist. Doch viele Aspekte der Geschichte sind durchwegs schon in gewissen Formen in gewissen Regionen Realität.

Die Sprache ist doch eher einfach gehalten, allerdings dennoch schön, gefühlvoll und auch atmosphärisch packend. Die bedrückende Atmosphäre schwappt auf den Leser über. Es fällt leicht sich in die Lebensrealität von Jess und den anderen jungen Mädchen hineinzuversetzen. Viele Themen, die auch in einer nicht dystrophischen Welt bedeuten sind kommen vor: Umgang mit Mobbing, Frauenrechten, Freundschaft, Hoffnung, Liebe und schlichtweg das Erwachsen werden.

Der Roman selbst, konzentriert sich hauptsächlich auf das Leben im Camp der jungen Mädchen und deren Arbeit. Etwas weniger erfährt man über die Welt darum herum. Unklar ist in welchem Jahr und in welcher Region die Geschichte spielt und wie es dazu kam das dieses ja sagen wir Regime so gestaltet ist wie es ist. Allerdings funktioniert die Erzählung auch ohne diesem.

Definitiv lesenswert - nicht nur für Jugendliche - , da man neben Unterhaltung auch viel Stoff zum Nachdenken bekommt.

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Ein bisschen wie Leute beobachten im Cafe?

FIVE - Das Ticken der Zeit von Ilona Bannister

Ein Bahnsteig in einem Londoner Vorort am Morgen eines Werktages. Mehrere Personen warten auf einen einfahrenden Zug. Emma, Mutter des unbändigbaren Gideon, die mit der Mutterrolle hadert. Geschäftsmann Liam, am Weg zu einem Investorentermin, der mit Emma in Streit gerät. Mrs. Worth auf den Weg zum Begräbnis ihrer verhassten Schwiegertochter.

Der junge Sonny, der Spielschulden hat. Und der Leser weiß nur eines – in fünf Minuten wird jemand sterben.

Der Klappentext lässt eine spannende Idee vermuten und auch die Erzählweise ist anders. Der Erzähler spricht den Leser direkt an, anstatt die Figuren selbst erzählen zu lassen. Wie ein Direktor orchestriert er die Beobachtungen, stellt leichte Ausblicke in die Zukunft und die Verbindungen der Personen an. Der Einstieg in das Buch erfolgt mit der Echtzeitbetrachtung des Bahnsteigs um 7:01, dem folgen weitere. Unterbrochen wird der Rhythmus durch einzelne Kapitel zu den jeweiligen Personen am Bahnsteig – Emma, Liam, Mrs. Worth, Sonny und Gideon. Jeweils mit einem Rückblick, um die Personen besser zu verstehen.

Man wird vom allwissenden Erzähler regelrecht durch das die Geschichte geführt und jede Beobachtung von ihm erklärt. Der Ton etwas spöttisch und ohne Mitleid. Er legt dem Leser eine Interpretation und Vermutung vor und erhöht die Spannung dadurch, dass er ihm gleichzeitig vor Augen führt, wo auf der Zeitachse die Geschichte sich derzeit befindet. Gegen Ende des Buches wird diese Erzählweise allerdings sehr eigen.

Gelungen ist die Sprache: Typischer trockener britischer Humor kommt nicht zu kurz. Die Kapitel über die einzelnen Personen, sind teils aus Sicht dieser geschildert und erlauben im Gegenzug die Person unvoreingenommener zu sehen und besser zu verstehen. Für den Spannungsbogen war dieser konstante Wechsel zwischen Bahnhofsszenen und Personenkapiteln allerdings etwas abträglich.

Zu Beginn kommt einem kaum ein Charakter sympathisch vor, alle tragen etwas unsympathische Züge – Narzissmus, Spielsucht, Hass auf Verwandte. Doch man taucht durch die Rückblenden tiefer in deren Schicksal ein und gewinnt so manch einen auch lieb.

Definitiv eine spannende Idee mit einem interessanten Erzählstil, den ich so noch nicht kannte.

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Freundschaft, Geldprobleme und andere Herausforderungen

Mädchen allein zu zweit von Daniela Dröscher

Issa und Grace sind schon lange Freundinnen und besuchen gemeinsam das Gymnasium eines Internats, das hauptsächlich Rich Kids besuchen. Welten prallen aufeinander, haben es doch beide Familien nicht recht üppig. Issa wächst mit einer Alleinerziehenden Mutter auf, die jeden Euro doppelt umdreht und einer Schwester Livvie, die nicht mehr spricht.

Nun wurde ein Betrag für die Schule nicht beglichen und die Bezahlung durch den Sozialfonds der Schule steht in Frage. Doch auch Grace hat derzeit Probleme – neue, medizinische. Sie kämpft mit Brüsten, die über den Sommer deutlich gewachsen sind und Schmerzen erzeugen. Die Lösung aller Probleme scheint Geld zu sein, doch wie kommt man dazu?

Das Buch greift viele Themen auf, die für Jugendliche relevant sind, aber eben nicht nur für Jugendliche: Freundschaft, Geld, Erwachsenwerden, soziale Unterschiede, Körperbild, Kapitalismus und ja auch etwas Feminismus.

Allen voran Freundschaft, die die beiden doch eher unterschiedlichen Hauptcharaktere Issa und Grace schon lange verbindet. Während Issa eher etwas ruhiger und bodenständiger zu sein scheint, scheint Grace unerschrockener, mutiger zu sein. Man erkennt einmal mehr wie wichtig es ist Freunde allgemein Unterstützung auch im selben Alter zu haben. Mädchen allein zu zweit eben. Egal mit welcher Herausforderung sich die jeweilige gerade konfrontiert sieht.

Ein weiteres großes Thema, wie schnell ersichtlich ist, ist Geld bzw. allgemein Kapitalismuskritik. Das Spannungsfeld zwischen den reichen, privilegierten Internatsschülern und den ärmeren Schülern des Ortes ist klar sichtbar. Und umso markanter wird das Thema, als Geld für die ausstehenden Kosten an der Schule und aber auch für Graces Operation gesucht wird. Schafft man es rein durch Arbeit genug aufzutreiben. Welche Schritte darf man dafür setzen. Was ist vertretbar – gesellschaftlich und moralisch.

Der Erzählstil ist flott, ansprechend und man folgt hauptsächlich Issa. Interessant waren die Einwürfe aus Graces ABC des Geldes und das Tagebuch von Livvie, die den Blickwinkel erweiterten. Beide Hauptcharaktere fand ich nahbar und authentisch mit all ihren Sorgen. Man fühlt sich manchmal ohnmächtig, wenn alles über einen einbricht, selbst als Erwachsener. Wie frustrierend ist es dann erst recht als Jugendlicher mit begrenzten Mittlen. Allein die Herangehensweise an die Brustverkleinerung fand ich etwas eigen, aber welche anderen Möglichkeiten hätte es schon gegeben. Ich hätte mir gegen Ende gerne auch ein paar Seiten mehr zum Ausklang gewünscht, auch wenn die großen Fragen auch so geklärt wurden.

Ich habe sowohl das Hörbuch mit dem Buch ergänzt und kann beides herzlich empfehlen. Der Roman ist eben sprachlich modern, klar und auch einfühlsam. Dennoch fehlt nicht der Witz. Die Stimme der Hörbuchleserin ist angenehm und auch passend jugendlich.

Definitiv empfehlenswert für die Altersgruppe, aber auch abseits davon.

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Ein gesamter Ort hat Geheimnisse

Septembermord von Chris Chibnall

Fleetcombe, ein kleiner, ja schon idyllischer Ort nahe der Küste Englands erlebt sein erstes Gewaltverbrechen seit langer Zeit. Eine Leiche wird mitten auf der Bundesstraße gefunden, doch dem nicht genug die Inszenierung ist sonderbar: Nackt und mit einem Plastiksack eingehüllt, auf einem Stuhl sitzend und ein Hirschgeweih am Kopf fixiert.

Wie zu vermuten eine wahre Herausforderung, ist die polizeiliche Ausstattung doch auf ruhiges Landleben ausgerichtet. Nicola Bridge, eine Einheimische, die nach Jahren in Liverpool in die ruhige Heimat zurückkehrt, ist ebenso gefordert wie das neue Team um sie. Die Dorfgemeinschaft scheint ihre eigenen Geheimnisse zu haben, jeder scheint etwas zu verbergen und nur die halbe Wahrheit mit der Polizei zu teilen.

Das Tempo der Geschichte ist zu Beginn doch sehr rasant, denn die Leiche wird rasch gefunden und die Auffindesituation ist durchwegs bizarr. Während man zu Beginn noch denkt, dass die eher knappen Ressourcen und das doch unerfahrene Team – Nicole Bridge ausgenommen- die großen Herausforderungen sein werden, erkennt man als Leser doch bald, dass vor allem die Geheimnisse, die die Dorfgemeinschaft und jeder einzelne zu verbergen versucht, der wahre Hemmschuh sein werden. Das Tempo nimmt damit auch immer wieder ab. Für mich allerdings vertretbar und eben realistisch auf Grund der Hindernisse. Man erfährt dadurch einfach realistischer die teilweise etwas langatmigere Ermittlungsarbeit.

Der Plot und die Charaktere der Geschichte funktioniert für diesen Krimi, aber eben auch als Auftakt einer Reihe. Das Team muss sich erst finden und ist doch etwas gegensätzlich. Nicola Bridge, polizeilich erfahren, die es auch um ihr Privatleben willen in Zukunft gerne etwas ruhiger hätte. DC Harry Ward, Westlife genannt, Quereinsteiger bei der Polizei, der es in Zukunft gerne etwas turbulenter hätte, sehr eifrig ist aber ohne Erfahrung. Dann noch den eher mürrischen DC Mel Hardiman der vor allem an Datenanalyse im Innendienst interessiert ist. Ein spannendes Ermittlungsteam, dass sich finden muss.
Doch auch die Dorfbewohner sind spannende und etwas kauzige Charaktere. Farmer Deakins der mit allem und jedem im Kampf zu sein scheint – Nachbarn, Touristen und auch seiner familiären Geschichte. Ein Mädchen Shannon, dass den Tag lieber am Spielplatz versteckt verbringt, da es sich vor seinem Zuhause fürchtet. Der alternde Paketbote Eddie, der mit seinem Beruf hadert und der nichtbinäre Friseur Frankie, der wie alle anderen auch etwas zu verbergen scheint.

Für mich war es ein gut gelungener Krimi im britischen Setting, eine klassische Polizeiermittlung. An so mancher Stelle fühlte ich mich auch an die Serie Broadchurch des Autors erinnert, vor allem durch das Setting in einem kleinen südenglischen Ort mit allen Geheimnissen.
Definitiv lesenswert – ich freue mich schon auf das nächste Buch der Serie.

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