Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Tara:
Ein anderer Blick auf Berlin zur Zeit des Nationalsozialismus
Berlin im Nationalsozialismus von Christoph Kreutzmüller; Bjoern Weigel
„Berlin im Nationalsozialismus: Abriss einer Stadtgeschichte“ ist ein interessantes und gut recherchiertes Buch der beiden Autoren Christoph Kreutzmüller und Bjoern Weigel.
Über Berlin zur Zeit des Nationalsozialismus gibt es bereits viele Bücher, die das Zeitgeschehen lebendig werden lassen.
Dieses ist anders, es berücksichtigt Perspektiven, die es bisher nicht oder nur wenig in die Öffentlichkeit gerückt wurden. Dabei geht es um die ganz normale Bevölkerung der Stadt, deren Alltag und die Veränderungen, die die Zeit mit sich gebracht hat.
Der Schreibstil der Autoren liest sich flüssig und man merkt, dass sie ausgiebig recherchiert haben müssen. Neben vielen Einzelheiten finden sich Fotografien der Vergangenheit, die die Ereignisse verdeutlichen und lebendig werden lassen.
Ich kann dieses gut strukturierte Buch historisch interessierten Lesern, die sich neben den historischen Ereignissen auch für das Leben der Bevölkerung interessieren, nur empfehlen.
Rezensionen von Petra Sch.:
jetzt mag ich Schildkröten nicht mehr ganz so gern wie zuvor ;)
Die Kollegin - Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste? von Freida McFadden
4,5 Sterne
Natalie Farrell arbeitet erfolgreich im Vertrieb der Firma Vixed; direkt in der Bürozelle neben ihr sitzt Dawn Schiff von der Buchhaltung, die seit ca. einem dreiviertel Jahr im Unternehmen tätig ist.
Dawn hat autistische Züge, sie ist äußerst unbeholfen im sozialen Umgang; dafür ist sie verlässlich.
Sie ist jeden Tag zur selben Zeit an ihrem Schreibtisch, isst zur selben Zeit zu Mittag und geht zur selben Zeit nach Hause. Und sie liebt Schildkröten über alles. Das häufige Vorkommen derselbigen hat manchmal etwas genervt - und ich mag diese lieben Tierchen jetzt nicht mehr ganz so gerne wie früher ;)
Natalie ist das ganze Gegenteil von Dawn: sie ist hübsch, selbstbewusst, dadurch erfolgreich im Verkauf und denkt, alle müssen sie lieben.
Als Dawn eines Tages nicht um 8.45 Uhr an ihrem Platz sitzt, macht sich Natalie Sorgen. Als dann auch noch Dawns Telefon läutet und eine leise Stimme um Hilfe bittet, in der Natalie eindeutig Dawn erkennt, macht sie sich auf den Weg zu Dawns Wohnung, findet dort jedoch nur eine große Blutlache und reitet sich immer tiefer in Probleme rein.
Freida McFadden hat es wieder geschafft, mich mit dem Verhalten der Protagonistin beim Verhör und auch danach, als sie versucht, ihre Unschuld zu beweisen, in den Wahnsinn zu treiben.
Wie in ihrer vorigen Housemaid-Reihe verteidigt sich die Protagonistin - hier Natalie - nicht bzw. stellt falsche Verdächtigungen nicht richtig. Überhaupt sagt sie nicht klipp und klar, wie es war, sondern erfindet ein Alibi usw., das sie natürlich NOCH verdächtiger erscheinen lässt. Da könnte ich sie einfach nur packen und schütteln.
Doch Natalies Verhalten bessert sich im Laufe der Geschichte, es wird nachvollziehbarer und sie tut einem wirklich leid - der Polizist hat es von Anfang an auf sie abgesehen, egal was sie noch vorbringt. Und man fragt sich, ebenso wie Natalie: wer hat Dawn so sehr gehasst, um sie umzubringen? Bzw. wo ist die Leiche?
Toll waren auch die beiden unterschiedlichen Sprecherinnen für Natalie und Dawn, sodass man jedes mal mit der jeweiligen Protagonistin mitfühlt, um beim Wechsel auf die andere Protagonistin die vorherige plötzlich total unsympathisch zu finden. Das ist richtig gut gelungen!
Auch decken sich im Verlauf immer mehr Puzzleteilchen auf, sodass sich am Ende ein überraschendes, aber stimmiges Ergebnis präsentiert.
Die Autorin punktet wieder mit einer fesselnden Erzählweise, einem spannenden Verlauf und einer (bzw. mehreren) überraschenden Wendung(en) am Schluss, die man nicht kommen sieht.
Fazit:
Psychothrill vom Feinsten - Freida McFadden punktet wieder mit mit einer fesselnden Erzählweise, einem spannenden Verlauf und einer überraschenden Wendung am Schluss.
Rezensionen von @lust_auf_literatur:
Wunderbarer Roman über Mutterschaft, übers Loslassen und über das Freisein.
Sunbirds von Penelope Slocombe
Bei diesem Roman gab eindeutig das wunderschöne Cover den Ausschlag, ihn lesen zu wollen. Ja, ich bin ein oberflächlicher Mensch und Buchcover sind für mich schon entscheidend dafür, ob ich einen zweiten Blick auf ein Buch werfe oder nicht.
Aber auch die Kurzbeschreibung klang einigermaßen ansprechend, wenn auch vielleicht etwas abgenudelt.
Die große Selbstfindung im Himalaya und „Eat, Pray, Love“ als Referenz? Ich war nicht wirklich sicher, ob der Roman was für mich ist.
Aber ja doch, der Roman war was für mich. Er hatte ein Wahnsinns Schmöker-Potential und ich bin total gerne darin versunken.
„Sunbirds“ ist das Debüt der Englischlehrin Penelope Slocombe und er ist sehr einfühlsam und emotional erzählt. Ihre Figur Anne ist seit sieben Jahren auf der Suche nach ihrem Sohn Torran, der damals in einem indischen Bergdorf verschwand. Inzwischen lebt sie selbst im Himalaya und hält nach Hinweisen Ausschau. Ihr Mann Robert, der nicht mehr glaubt, dass sein Sohn noch lebt, ist in Schottland geblieben.
Jetzt hat Annes Nichte Esther, eine Journalistin, neue Hinweise zum Verbleib Torrans erhalten und reist zu Anne in die abgelegene Bergregion. Esther, die als Kind eine Zeit bei Anne und Robert lebte, hatte vor einige Jahren einen sehr kritischen Artikel zu Torrans Verschwinden geschrieben, der zum Bruch der beiden Frauen führte.
Können sie sich während der gemeinsamen Suche wieder annähern?
In Slocombes Roman geht es nur vordergründig um das Verschwinden von Torran. Das Verfolgen der neuen Hinweise und die Suche dient vielmehr dazu die Psychologie und die Beziehungen der Figuren zu exponieren. Wenn du also auf Grund des Klappentextes eine Art Krimi mit stringenter Auflösung erwartest, wirst du wahrscheinlich enttäuscht sein.
Ich bin Anne und Esther gerne auf ihrer Reise gefolgt, und es gibt tatsächlich Hinweise, dass Torran noch lebt. Aber was würde das bedeuten?
Mir gefällt es besonders, wie Slocombe diesen Aspekt benutzt um die Erwartungen an Mutterschaft zu hinterfragen. Anne wird von Schuldgefühlen geplagt, dass sie für Torran keine ausreichend gute Mutter war und sein Verschwinden damit zusammenhängt.
Auch Esther glaubt das und sie hat ihre eigenen Gründe, warum sie von Anne enttäuscht ist.
Zwischen den beiden Frauen liegen viele alte Verletzungen, die während ihres erneuten Zusammentreffens aufbrechen.
Ebenfalls arbeitet Slocombe feinfühlig die Ambivalenz zwischen Bindung und Freiheit heraus und ebenso wie ein alternative Leben aussehen könnte.
“Aber dann fängt man an zu begreifen, dass auch eine andere Lebensweise möglich ist. Man kann die Fesseln seiner Bindungen durchtrennen. Man kann frei sein. Man kann ein Sunbird sein.«”
Als kleine Kritikpunkte könnte ich anführen, dass Annes und Esthers Leben und Reisen in einem finanziell luftleeren Raum stattfindet, was ich allerdings so in vielen Romanen lese und vielleicht kein echter Kritikpunkt ist. Weiterhin kann ich eine gewisse vereinfachte Darstellung dieser bergigen Region im Himalaya nicht von der Hand weisen.
Aber wie immer, wenn ich mit einem Roman eine gute Zeit hatte, kann ich die erwähnten potentiellen Kritikpunkten zwar wahrnehmen, aber auch großzügig überlesen.
„Sunbirds“ war für mich ein wunderbarer Roman über Mutterschaft, übers Loslassen, und über das Freisein mit all seinen Konsequenzen.
Rezensionen von Niko:
Ein warmherzig und humorvoll geschriebener Roman
Der Junge aus dem Meer von Garrett Carr
Ich liebe irische Geschichten, und "Der Junge aus dem Meer" von Garrett Carr war genau das, was ich erwartet habe – ein warmherziger und humorvoll geschriebener Roman. Das Buch erzählt die Geschichte von Brendan Bonnar, einem Jungen, der von dem Fischer Ambrose an der Küste gefunden und aufgenommen wird.
Brendan lebt weiterhin mit seinem Stiefbruder Declan und seiner neuen Familie in einem kleinen irischen Dorf. Die Geschichte umfasst etwa 20 Jahre des Familienlebens und wir bekommen viele Gelegenheiten das Leben in einer kleine irische Gemeinde kennenzulernen.
Der Autor erzählt die Geschichte mit viel Wärme und Humor aus der Perspektive der Dorfbewohner, deren Leben immer wieder vom Meer beeinflusst wird und die vor allem stets zusammenhalten. Dort ist man nie allein, sondern immer ein Teil der Gemeinschaft.
Ich habe die Erzählweise von Garrett Carr geliebt – er beschreibt die Bewohner und das Leben in der kleinen irischen Gemeinde meisterhaft.
Wenn man einen Eindruck vom Leben in Irland bekommen möchte, ist man mit "Der Junge aus dem Meer" von Garrett Carr genau richtig. Ich habe das Buch geliebt und empfehle es sehr gern weiter.
Rezensionen von Anjulia :
Das bronzene Schuljahr
Magisterium - Das 3. Jahr von Cassandra Clare; Holly Black
Das Buch beginnt wieder in den Sommerferien. Nach den Geschehnissen aus dem zweiten Band wünschen sich Call und seine Freunde eigentlich ein ruhiges Schuljahr. Doch es kommt anders. Bei einer Feier zum Kriegsende und zu Ehren der Freunde, wird ein Anschlag auf Call verübt. Er und Tamara entkommen knapp, während eine Mitschülerin ermordet aufgefunden wird.
In der Schule wird ein Elementartier auf Call losgelassen. Call, Aaron und Tamara machen sich auf die Suche nach dem Attentäter, auch weil sie befürchten das ein Zusammenhang mit Calls Verbindung zum Feind des Todes besteht.
Das Buch ist eine Neuauflage des Titels Magisterium -Der Schlüssel aus Bronze. Das neue Cover und der Farbschitt passen inhaltlich sehr gut zum Buch. Besonders schön finde ich die Abstimmung der Farbschitte zum jeweiligen Schuljahr. Da die Bücher der Reihe aufeinander aufbauen, empfehle ich Band 1 und 2 vorher gelesen zu haben. Während Band 2 eher ein Roadtrip war, konzentriert sich der dritte Teil wieder auf die Geschehnisse innerhalb der unterirdischen Schule. Die Protagonisten sind etwas älter geworden. Gefühle, Unsicherheiten und erste Beziehungen spielen verstärkt eine Rolle. Die Geschichte ist humorvoll, teilweise auch düster, aber vorallem spannend und sehr dramatisch zum Ende hin. Gerade ab der zweiten Hälfte konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Der ziemlich offene Schluss macht dann auf den vierten Teil neugierig. Insgesamt kann das Buch den hohen Standard des Vorgängers halt. Von mir gibt es ein Leseempfehlung.
Rezensionen von CanYouSeeMe:
ein ungeschönter Erfahrungsbericht
Emotional Female von Yumiko Kadota
"Emotional Female" von Yumiko Kadota trägt den Zusatztitel "Mein Weg in den Burnout und wieder heraus: Eine junge Ärztin berichtet". Schon hier wird klar, dass die Beschreibungen nichts für all zu zarte Nerven werden.
Die Aufmachung des Buches gefällt mir gut. Das Color-Blocking in den kräftigen Farben wirkt stark und auffällig - als würde es sagen wollen "bei diesem Thema muss sich nicht versteckt werden".
Der Schreibstil von Kadota in Übersetzung durch Anke Angela Grube war relativ nüchtern und sachlich, aber für mich sehr flüssig zu lesen. All zu große emotionale und ausschweifende Umschreibungen sind nicht zu finden, was natürlich im Kontrast zum grundlegenden Thema steht.
Kadota beschreibt in verschiedenen Abschnitten Stationen ihres Lebens, geht dabei auf ihre Erlebnisse und Erfahrungen ein. Vor allem die Beschreibungen der Zeit ihres Medizinstudiums, des "Residence" und der Zeit als Assistenzärztin haben es in sich. Es wird über Machtmissbrauch, Rassismus und Sexismus, gleichermaßen über unmenschliche Arbeitsbedingungen und Nichtbeachtung der Gesundheit von angehenden und jungen Ärzt:innen geschrieben. Mich haben die Schilderungen vor allem wütend gemacht. Andererseits wurde auch klar, dass Kadota nicht in der Lage war früher eine Grenze zu ziehen und auf sich selbst zu achten - immer dem Ziel der Facharztausbildung hinterher rennend. Allein diese Schilderungen zu lesen hat in mir ein sehr beklemmendes Gefühl ausgelöst.
Das persönliche Nachwort hat das Buch für mich rund gemacht, auch wenn Kadota hier viel aufmacht und offen lässt... Für mich haben sich hier aber einige offene Gedanken zur Persönlichkeitsstruktur geschlossen und Gedankengänge und Handlungsweisen somit nachvollziehbarer gemacht. Denn natürlich gibt die Autorin in diesem Buch auch einen hohen persönlichen Anteil, so dass man sich als außenstehende Person manchmal fragt, warum sie sich "das alles" gefallen lassen hat. Hier war es für mich die Hürde mich in Kadota hineinzuversetzen und ihre Beweggründe nachvollziehen zu können.
Insgesamt hat mir "Emotional Female" sehr gefallen, es wirkt wie ein ungeschönter Erfahrungsbericht, der als Warnung verstanden werden sollte. Selbstfürsorge ist wichtig, noch wichtiger wären jedoch eine Anpassung grundlegender Strukturen im (australischen) Gesundheitssystem, um solche Situationen künftig zu vermeiden.
Rezensionen von nessabo:
Ein packend geschriebener Weltraumroman mit zusätzlicher Ebene
Atmosphere von Taylor Jenkins Reid
Der neue Roman von Taylor Jenkins Reid war tatsächlich mein erster von ihr, obwohl mensch an ihrem Namen in der Buch-Bubble natürlich nicht vorbeikommt. Und ich kann es nun sehr gut verstehen: Diese Autorin kann absolut packend schreiben und porträtiert inspirierende Frauen ohne ins Pathetische abzudriften.
Jane Goodwin schafft es als eine der ersten Frauen, ins SpaceShuttle-Programm der NASA aufgenommen zu werden. Entsprechend vorprogrammiert sind natürlich auch patriarchale Strukturen und sexistische Abwertung am Arbeitsplatz. Diese werden thematisiert, nehmen aber keinen allzu großen Raum ein, was ich im Rahmen der Gesamthandlung auch okay fand. Obwohl Reid sich, dem Nachwort entsprechend, einige künstlerische Freiheiten herausgenommen hat, ist der Roman voller technischer und organisatorischer Details. Das mochte ich einerseits total gern, fand es streckenweise aber auch etwas zäh.
Doch „Atmosphere“ ist weit mehr als ein Weltraumroman! Es ist auch eine Geschichte über Queer Awakening, queeres Leben in einer überaus queerfeindlichen Umgebung und über Selbstfindung. Gerade letzteres driftet ja gerne auch mal ins Pathetische ab, was hier überhaupt nicht der Fall ist. Ich mochte nämlich ganz besonders an diesem Roman, dass seine Figuren erwachsen gezeichnet sind und sich auch entsprechend verhalten. Das Drama kommt eher aus dem Rahmen und nicht aus der zentralen Beziehung selbst. Je älter ich werde, desto genervter bin ich von ewig andauernden Kommunikationsproblemen! :D
Die Liebesgeschichte ist ehrlich, authentisch und einfach nett zu verfolgen. Mit geschickten Vor- bzw. Rückblenden hält Reid die Lesenden bei der Stange. Sie schafft es dadurch, eine primär von Alltag geprägte Haupthandlung absolut packend einzurahmen. Denn was sich auf dem zentralen Weltraumflug ereignet, hat mich am Ende mit Tränen in den Augen zurückgelassen…
Besonders erwähnen möchte ich auch noch die Beziehung von Jane und deren Nichte Frances. Absolut ergreifend wird hier noch einmal auf andere Weise das Konzept „Familie“ diskutiert. Janes Schwester Barbara war mir persönlich am Ende zu überzeichnet, was meine Lesefreude minimal getrübt hat.
Ein großartiger Roman, der mich enorm unterhalten hat und dessen Hauptfiguren ich wirklich sehr mochte. Ich wünsche ihm sehr viele Leser*innen und bin mir sicher, dass er viele auf eine angenehme Art inspirieren kann.
4,5 Sterne
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Sommerliches Highlight
Wenn die Tage länger werden von Anne Stern
"Wenn die Tage länger werden" ist so ein Buch, das man nur mal schnell anlesen will und dann nicht mehr weglegen kann.
Manchmal kommt alles zusammen, zusammen hoch. Lisa ist alleinerziehend, mit Job und Kind kaum zur Ruhe kommend, und dann stehen einige freie Tage an. Erst ist Lisa überfordert, was tun mit plötzlich so viel freier Zeit für sich allein, im Kopf hätte man viele Pläne, aber weil Freizeit so ungewohnt ist, braucht sie einige Tage, bis sie sich daran gewöhnt hat.
Und plötzlich ist da die Lust vielleicht wieder mal Geige zu spielen, das Instrument das sie vor Jahren weggeschlossen hat, weil sie dem Leistungsdruck der eigenen Mutter entgegentrat. Doch nun muss die Geige erst mal wieder generalüberholt werden. Sie bringt sie in eine ihr neue Werkstatt, mitten auf dem Lande, der Restaurator, Hans, ein ruhiger alter Herr, seine Tochter Ute auch nicht mehr jung, noch wortkarger als er. Und doch ist da etwas, was Lisa in den beiden sieht.
Hans entdeckt in der Geige ein Herkunftsschild, das ihm komisch vorkommt. Dadurch ploppt plötzlich wieder die Frage nach Lisas Vater auf. Eine, die weder er noch die Mutter ihr je beantworteten. Es nagt in Lisa, wie schon früher, jetzt will sie dem Geheimnis endlich auf die Spur kommen, da war dieser eine Satz, den sie mal hörte und der nie mehr aus ihrem Gedächtnis verschwand.
Es geht u.a. um Themen, die in der Generation von Hans, Ute und Lisas Mutter gerne verschwiegen werden, weil "darüber spricht man nicht". Doch am Ende lernen sie alle zu sprechen, sogar Lisas Ex, der - ins kalte Wasser geworfen - plötzlich doch merkt, was es heisst alleinerziehend zu sein.
Anne Stern schreibt hier wunderschön und bildhaft. Ihren Sätzen ist eine Leichtigkeit inne, obwohl die Thematik nicht gerade leicht ist. Mir hat diese bewegende Geschichte, die oft melancholisch anmutet, sehr gut gefallen.
Fazit: Eine nachdenkliche, melancholische und bewegende Geschichte, die vollends überzeugt. Ein sommerliches Highlight.
5 Sterne.
Rezensionen von Chrissi:
Highlight
Novel Haven - Levels of Love von Anabelle Stehl
Novel Haven ist mein erstes Buch von Annabelle Stehl, aber definitiv nicht mein letztes. Die Autorin hat es geschafft ein richtiges Herzensbuch zu schreiben, ingesamt ist es ein richtiges Wohlfühlbuch.
Alleine schon das Cover ist ein echter Hingucker und es wurden so viele Details ins Buch eingebaut, das man immer wieder auf neue stößt.
Ich persönlich bin total begeistert von den „Spieltipps“ vor jedem Kapitel, die so perfekt zum Inhalt des Kapitels passen. Es wurde einfach mit so viel Liebe zum Detail gearbeitet, das alleine schon das Aussehen ein echtes Highlight ist.
Auch der Schreibstil hat mir super gut gefallen, man kam so gut in die Geschichte rein und richtig in so einen Lesefluss. Auch das das Buch aus den zwei Perspektiven der Hauptcharaktere erzählt wird ist super, so lernt man beide Charaktere toll kennen.
Sowohl Luca, als auch Lara habe ich richtig ins Herz geschlossen. Aber auch das Team von PixelPulse und Maleek waren mir total sympathisch .
Luca und Lara treffen das erste mal beim GameChanger Wettbewerb aufeinander. Beide wollen sie das Preisgeld gewinnen. Lara mit ihrem Studio PixelPulse und dem cozy Indie Game Novel Haven und Luca mit Maleek, sie haben das Spiel zusammen entwickelt, und seinem Horror Game Desolate Dead, wo der Fokus auf mentaler und physischer Gesundheit liegt. Beide haben sie super viel Herzblut in ihre jeweiligen Spiele gesteckt.
Lara hatte es nicht leicht in der Vergangenheit. In Novel Haven verarbeitet sie nicht nur ihre Vergangenheit, Novel Haven ist auch zeitweise ihr zu Hause. In Lara habe ich mich oft selbst gesehen, dadurch ist sie mehr extrem ans Herz gewachsen und ich konnte in vielen Situationen sehr mit ihr mitfühlen.
Jedoch ist Lara so viel stärker als sie denkt, im Verlauf der Geschichte wird sie mutiger, selbstbewusster, entwickelt sich weiter und blüht richtig auf. Gaming und programmieren ist ihr sicher Hafen, aber auch ihre Freundinnen (Aria und Nataly) geben ihr sehr viel halt und unterstützen sie extrem.
Und ja, Aria hat mich mit ihrer Liebe zu Capybaras angesteckt. :D
Auch für Luca ist sein Spiel extrem wichtig, dort verarbeitet auch er seine Vergangenheit, Ängste und Albträume.
Luca ist eine absolute „GreenFlag“, er unterstützt Lara und steht für sie ein.
Er ist unglaublich selbstlos und war mir sehr sympathisch. Auch er entwickelt sich extrem weiter.
Ihre Beziehung entwickelt sich langsam.
Besonders schön fand ich das die Konkurrenz nicht im Vordergrund steht, sondern eher die Verbindung der Charaktere.
Insgesamt ein echtes Highlight mit emotionalen und tiefen Moment. Für alle die Gaming und Bücher lieben!
Ich freue mich schon unglaublich auf Natalys Band und werde definitiv noch mehr Bücher von Anabelle Stehl lesen. Von mir auf jeden Fall 5 Sterne.
Und ich brauche unbedingt Novel Haven, es hört sich einfach so gut an!!
Und auch nochmal vielen Dank an Annabelle Stehl und Lesejury für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.
Rezensionen von Alo:
Ein Lied voll Poesie und Schmerz
Durch das Raue zu den Sternen von Christopher Kloeble
„Ich nenne solche Leute Pentatoniker. Sie können in fünf Tönen denken. Alles jenseits dieser Töne ist für sie fremd oder, wie die Jungs sagen würden, kacke.“ (S.40)
Arkadia Fink, Moll genannt, ist 13 Jahre alt und laut eigener Aussage musikalisch hochbegabt. Eines Tages wird eine weltberühmte Sängerin aus ihr werden.
Die Liebe zur Musik hat sie von ihrer Mutter vermittelt bekommen, die vor acht Monaten „kurz weggegangen“ ist. Damit ihr Mutter zurückkommt, um sie zu hören, will Arkadia in einem weltberühmten Knabenchor mitsingen. Das Problem ist nur sie ist kein Knabe, allerdings hält Arkadia auch nicht viel von Konventionen.
Der Schreibstil ist wunderschön poetisch und dabei oft humorvoll. Man muss beim Lesen immer wieder schmunzeln. Aber es gibt auch viele traurige und ernste Stellen, die wirklich sehr berühren, es hat mir ganz poetisch das Herz gebrochen.
Besonders toll fand ich die Protagonistin. Sie ist eine Figur, die man einfach ins Herz schließen muss. Sie ist wunderbar klug, verletzlich und charmant und gibt nie auf, obwohl es das Leben nicht gut mir ihr gemeint hat. Egal, welche Mauern ihr in den Weg gestellt werden, sie geht mit dem Kopf voran hindurch. Ich werde sie und ihre Geschichte noch sehr lange mit mir tragen.
Besonders schön ist auch, wie viel Musik in diesem Buch steckt. Es geht nicht nur um Musik, das Buch „spricht“ auch durch Musik. Für mich als ehemalige Chorsängerin war es perfekte Lektüre. Jeder Abschnitt ist wie ein Satz in einem Musikstück aufgebaut, mit Tempoangaben, die man auch beim Lesen spürt. Das macht das Buch besonders und sehr musikalisch – fast so wie Moll, aber auf eine eigene, liebevolle Art.
Leseempfehlung!











