Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Shilo:
Die Vergangenheit ist nie ganz vorbei
Ozean von Katharina Höftmann
Friedchen und Paula, zwei junge Frauen, lernen sich 1932 in Berlin kennen und verstehen sich auf Anhieb. Sie gehen zusammen tanzen und erzählen sich, was sie sich für ihr Leben wünschen. Beide glauben fest daran, dass sie immer Freundinnen bleiben werden. Friedchen verliebt sich in Paulas Cousin Max und ahnt noch nicht, was in den kommenden Jahren auf sie zukommt.
Als Hitler an die Macht kommt, ist es mit dem unbeschwerten Leben vorbei. Paula und Max sind Juden und müssen erleben, wie sich ihr Alltag verändert. Was für andere selbstverständlich ist, wird für sie immer schwieriger. Die politischen Ereignisse machen auch vor den Menschen, die ihnen nahestehen, nicht halt. Für Friedchen und Paula beginnt eine Zeit, in der vieles anders kommt als erwartet.
Die Verbindung zwischen Friedchen und Paula zieht sich durch viele Jahre. Im Laufe der Zeit müssen beide mit vielem fertig werden, das sie sich früher nicht hätten vorstellen können. Auch in der Liebe läuft nicht alles so, wie sie es sich wünschen. Ihre Lebenswege verändern sich, und nicht jede Entscheidung lässt sich später wieder gutmachen. Ich habe mit den beiden mitgefühlt und mich oft gefragt, was ich an ihrer Stelle getan hätte.
Die Geschichte führt von den dreißiger Jahren bis in unsere Zeit. Dabei bleibt es nicht bei dem, was Friedchen und Paula selbst erleben. Auch die jüngeren Generationen gehören dazu. Was in einer Familie früher geschehen ist, kann noch viele Jahre später eine Rolle spielen. Manche Dinge werden weitergegeben, andere bleiben lange unausgesprochen und kommen erst viel später ans Licht.
Mir gefällt an solchen Romanen, wenn persönliche Schicksale mit den Ereignissen der Zeit verbunden werden. Hier erlebt man, wie politische Veränderungen das Leben ganz normaler Menschen durcheinanderbringen und wie unterschiedlich sie damit umgehen. Gleichzeitig geht es um Menschen, die einander nahestehen und trotzdem nicht immer verhindern können, dass sich ihre Wege verändern.
Die Geschichte von Friedchen und Paula reicht weit über ihre gemeinsame Jugend hinaus. Aus den beiden jungen Frauen, die einst voller Pläne waren, werden Menschen, die mit den Folgen ihrer Erlebnisse leben müssen. Der Roman erzählt von Freundschaft und Liebe, aber auch davon, was Menschen verlieren und was sie über viele Jahre hinweg begleitet. 5 Sterne.
Rezensionen von askyfullofpages:
Verbotene Liebe
Love's Anatomy von Anna Hensel
Fast wie in alten Zeiten! Dieses Hörbuch hat mich direkt zurück in meine eigene Zeit in der Klinik versetzt. Eine Romanze hatte ich dort zwar nicht, beobachtet habe ich aber so einiges.
Mit „Love's Anatomy“ ist Anna Hensel eine mitreißende Romance mit einem wirklich sehr guten Hospital-Setting gelungen.
Dazu kommen Enemies to Lovers und eine verbotene Liebe zwischen Oberarzt und Assistenzärztin. Die Autorin ist selbst Ärztin, und man merkt, dass sie weiß, wovon sie schreibt. Der Klinikalltag hat für mich wunderbar funktioniert. Als ehemalige Kollegin kann ich sagen, dass das Ganze sehr realistisch dargestellt ist.
Wir begleiten Leevke, eine junge Assistenzärztin, die seit einem Unfall große Probleme mit ihrer Hand hat. Ausgerechnet in der Unfallchirurgie eines Hamburger Klinikums muss sie sich nun beweisen. Dort hat sie es nicht nur mit dem rauen Umgangston in einer männerdominierten Abteilung zu tun, sondern auch mit ihrem überaus anziehenden Oberarzt Veith. Und gerade vor ihm will sie keine Schwäche zeigen.
Ein ganz großes Kompliment möchte ich Victoria Schätzle machen, die das bei Argon erschienene Hörbuch großartig eingesprochen hat. Leevkes Innenleben und ihre Verzweiflung, sich auf ihre eigene Hand nicht mehr verlassen zu können, konnte man richtig spüren.
Mir hat es wirklich sehr viel Spaß gemacht, dieses Hörbuch zu hören. Es hat mich in Erinnerungen schwelgen lassen und mich super unterhalten.
Wer Romance mit ein wenig Spice mag und gerne in den Klinikalltag eintaucht, dem kann ich „Love's Anatomy“ von ganzem Herzen empfehlen.
Ich habe das Hörbuch als Rezensionsexemplar von Argon und der Autorin erhalten. Meine Meinung bleibt davon wie immer unbeeinflusst.
Rezensionen von Ele:
Weihnachten alleine
Zwolf magische Nachte von Christiane Wolter
Zwölf magische Nächte Roman von Christiane Wolter, 240 Seiten Ullstein EBooks /Taschenbuch
Eine Reise durch die Rauhnächte.
Anne und Carsten haben sich getrennt, es ist eine schwierige Zeit für die knapp 40jährige. Dennoch wollen sie beide Kinder gemeinsam erziehen, vor allem die Feiertage wollen sie gemeinsam begehen.
Als Carsten jedoch ankündigt seine neue Freundin zum Weihnachtsfest bei seiner Mutter mitzubringen, kann es Anne nicht mehr ertragen. Auf Anraten ihrer Freundin Gesa, eine spirituelle Lebensberaterin, begibt sie sich in eine abgelegene Hütte im Schwarzwald um dort die Feiertage zu verbringen und die Rauhnächte zu zelebrieren. Erstaunliche Geschehnisse erwarten Anne.
Ein Roman der mich sehr berührt hat, atmosphärisch dicht. Eine perfekte Mischung aus Wohlfühlbuch und inspirierender Selbstfindung. Die einzelnen Kapitel sind in die verschiedenen Rauhnächte aufgeteilt. Eine Zeichnung zum Kapitelanfang stimmt den Leser auf die Geschichte ein. Die Aufgaben und Fragen, die Anne in Gesas Briefen findet, sind in kursiver Schrift deutlich hervorgehoben. Die Briefe und auch ein Rauhnachtkit hat Anne zur Hütte mitbekommen, sozusagen als Weihnachtsgeschenk. Es muss ein riesiges Geschenk gewesen sein. Das alles ist mir schon ein wenig dick aufgetragen vorgekommen. (einschließlich Räucherwerk und Spitzenhöschen) auch die ausführlichen Anleitungen, die die Freundin vorbereitet hat. Christiane Wolter schafft es mit Worten ausgezeichnet, eine winterlich verschneite Wohlfühlatmosphäre zu erschaffen. Sie verwendet den personalen Erzählstil aus der Sicht der Protagonistin.
Besonders glaubwürdig wird in diesem Buch die charakterliche Entwicklung der Protagonistin herausgearbeitet. Jede der zwölf Rauhnächte steht symbolisch für einen Monat des kommenden Jahres und ist auf einen speziellen spirituellen oder emotionalen Fokus ausgerichtet. Wer sich selbst für diese Zeit interessiert findet im Buch wertvolle Impulse für die eigene Besinnung. Das hat mich inspiriert in den kommenden Rauhnächten auf den Spuren von Anne, konkrete Impulse für mein eigenes Leben zu gewinnen.
Die Figuren im Roman sind charakterlich gut gezeichnet, vor allem natürlich Anne. Sie alle handeln nachvollziehbar. Sie schafft es durch die Anleitung ihrer Freundin, sich den Mut für einen Neuanfang zu finden. Sich von der, von ihren Ex-Mann, abhängigen Gattin und der aufopferungsvollen Mutter, zu einer entspannt in die Zukunft blickenden selbstbewussten Frau zu entwickeln. Neue Hobbies, Aufgaben, neue Liebe, alles ist möglich. Jonas als männlicher Gegenpart hat mir gut gefallen, nicht als strahlender Held und Retter, sondern als aufmerksamer Beobachter. Eine Freundin wie Gesa wünscht sich jede Frau, sie ist absolut ehrlich, ohne Anne zu verurteilen, holt sie immer wieder in die Realität zurück, sie ist der entscheidende Antrieb für Annes Befreiungsschlag.
Mir hat das Buch gutgetan, es hat mich dazu gebracht viel über mich nachzudenken. Für alle die den Zauber der Rauhnächte für sich nutzen wollen.
4 Sterne
Rezensionen von clematis:
Widrigkeiten
Intrigen in Wien von Ada Caine
Im dritten Band der Reihe „Die Gouvernante“ muss Hanna von Wildermuth erneut Widrigkeiten die Stirn bieten, denn auch in Wien wallt böses Blut, will man doch der durchsetzungsstarken Gräfin Valeria wieder einmal das sprichwörtliche „Hackl ins Kreuz hauen“.
Bildreich lässt Ada Caine die Kaiserzeit aufleben, zeichnet das prächtige Wien um 1998 so nach, dass man sich bald selbst in dieser Epoche wähnt.
Der Prater mit dem eindrucksvollen Riesenrad und dem Dampfkarussell sind ebenso spektakulär wie das Automobil und die Konstruktion des Traktors, rauschende Ballnächte gehören genauso zu Wien wie die feinen Kaffeehäuser. All das und noch viel mehr steckt hier drinnen, Intrigen sorgen für Wirbel während ausgefuchste Männer auf Brautschau gehen. Locker im Schreibstil, detailliert in den Charakterbeschreibungen und durchaus realistisch, was die laufende Handlung betrifft, so passt sich Teil 3 gut in die Reihe ein. Natürlich kommt das Ende wieder abrupt daher und lässt noch einige Fragen offen.
Trotz einiger Aufregung erzählt Ada Caine gewohnt ruhig und präzise, lässt etliche historische Details einfließen ins Geschehen und weckt Neugierde darauf, wie es weitergeht rund um die sympathische Gouvernante.
Rezensionen von Zwerg:
Bizarre Weihnachten im London der 80er
Der große Weihnachts-Kaufhaus-Klau von David Walliams
Vorweg möchte ich sagen, dass ich dem Buch wahrscheinlich nur 3 Sterne gegeben hätte. Aber meine Tochter möchte es sehr gerne und da es ein Kinderbuch ist, hat sie da mehr zu sagen.
Das Cover hat uns direkt begeistert und Lust auf eine witzige Weihnachtsgeschichte mit Abenteuer gemacht.
Die Story spielt in London in den 80er-Jahren. Ich finde es schön, wie im Buch durch Fußnoten erklärt wird, wie Weihnachten in England gefeiert wird und auch, wie es damals zu dieser Zeit war.
Die Kapitel sind alle nach Elvis-Songs benannt, die ich selbst nicht alle kannte.
Der Hauptcharakter ist der kleine Elvis, der seinen Vater nachts in einem Kaufhaus suchen möchte. Nachdem er herausgefunden hat, dass dieser dort als Weihnachtsmann arbeitet und wohl auch dort schläft, macht er sich auf den Weg.
Im Kaufhaus trifft er dann auch auf Gauner, die dieses ausrauben wollen – und da beginnen die Abenteuer.
Die Kapitel sind von der Länge her super für Kinder, die Leseanfänger oder Lesemuffel sind. Dazu sind sie schön gestaltet und mit passenden Illustrationen versehen. Auch die Schrift ist gut gewählt und es gibt immer wieder etwas zu lachen.
Für mich wurden die Situationen irgendwann allerdings zu viel. Es wurde immer abstruser und die lustige Stimmung wurde dadurch für mich immer wieder gedrückt.
Außerdem kommt doch immer wieder ein komisches Gefühl auf, da der Vater die Familie verlassen hat. Auch die Gauner haben einen Sohn und behandeln diesen wirklich abscheulich.
Dazu geht es mir in zu vielen Kapiteln um sehr ernste Gefahren. Man muss ziemlich oft um das Leben von Elvis und Co. bangen. Das sind für mich einfach zu ernste Themen für eine Weihnachtsgeschichte.
Ich dachte irgendwann: So bizarr, wie diese Geschichte ist, kommt doch bestimmt zum Schluss heraus, dass der kleine Elvis sich das alles nur erträumt hat – in der Nacht vor Weihnachten, vor lauter Aufregung.
Aber es soll wohl tatsächlich so passiert sein und auch das Ende schließt für mich die Geschichte nicht so richtig ab. Schade.
Für Kinder, die nicht zimperlich sind, kann man das Buch aber durchaus mal lesen.
Rezensionen von Bibibabby:
Mutmacher für kleine Geschichtenschreiber
Eine Tür für den Pomps von Judith Spörl
"Eine Tür für den Pomps" ist ein liebevoll geschriebenes Büchlein, das seine Leser:innen dazu ermutigt, selbst kreativ zu werden.
Wir begleiten den Pomps, während er die Kinderbuchwerkstatt erkundet, einen Ort voller Magie und lustiger Wesen, wo Geschichten zur Leben erweckt werden. Dort trifft er Marie, ein kleines Mädchen, das mit seiner eigenen Geschichte unglücklich ist.
Gemeinsam lernen die beiden, ihre eigene Geschichte zu schreiben.
Besonders toll finde ich die Botschaften, dass man einfach irgendwo anfangen muss, auch wenn nicht alles perfekt ist, dass auch aus Fehlern was tolles entstehen kann, und dass man seinen eigenen Fähigkeiten vertrauen sollte. Für mein Kind, das mittlerweile in die dritte Klasse geht und nicht besonders gut daran ist, Geschichten zu schreiben, ist die Botschaft sehr hilfreich.
Auch die kreative Energie des Pomps finde ich richtig toll. Ich glaube, wir alle brauchen manchmal jemanden an unserer Seite, der uns anfeuert und uns Mut macht, wenn wir Angst haben, den nächsten Schritt zu wagen.
Die Aufmachung des Buches gefällt mir gut. Das Cover und die vielen Illustrationen sehen manchmal wie Doodles aus, und das Buch wirkt ein bisschen als wäre es ein Notizbuch, was ich sehr passend zum Thema Geschichtenschreiben finde.
Rezensionen von Phija:
Zwischen Weinbergen, Widerstand und großen Entscheidungen
Die Winzertochter von Martina Frey
Wenn es hart auf hart kommt, für wen stehst du ein? Für dich oder deine Familie? Für deine Träume oder die Tradition? Blut oder Wasser? Oder Wein? Als die Winzertochter Klara erfährt, dass ihr Familienweingut im Rheingau vor dem Ruin steht, kann sie nicht tatenlos zusehen. Egal was es kostet, sie ist bereit, das Schicksal des Guts zum Guten zu wenden.
Doch im Jahr 1899: Wer traut einer Frau da schon Großes zu? Diese Geschichte erzählt „Die Winzertochter“.
Martina Frey hat eine wirklich bildgewaltige Art zu schreiben. Beim Lesen hatte ich tatsächlich das Gefühl, den Rheingau direkt vor Augen zu haben, selbst durch die Flure und Gänge des Herrenhauses zu laufen, den Garten und die Weinberge zu erkunden oder im Kelterhaus die Gerätschaften und Weinfässer zu begutachten. Zwischenzeitlich war ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich noch lese oder eine ZDF-Dramaserie über ein Familienweingut schaue. Man könnte also sagen, dass dieses Buch die günstigere Alternative zu einem Kurztrip in den Rheingau ist. Wobei man nach dem Beenden des Buches vermutlich gar nicht anders kann, als sich die Landschaften doch selbst einmal anzusehen.
Die Handlung an sich hat einen angenehm überraschenden Verlauf. Zu Beginn geht es zugegebenermaßen etwas ruhig zu; für meinen Geschmack fast ein wenig zu ruhig. Doch nach dem ersten Drittel, spätestens aber nach der Hälfte, nehmen die Ereignisse deutlich an Fahrt auf. Immer wieder passieren Dinge, mit denen ich so nicht gerechnet hatte. Gerade das produzierte so eine Spannung, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Das Einzige, womit ich bei "Die Winzertochter" nicht so richtig warm geworden bin, ist die Winzertochter Klara. Ziemlich schnell wird deutlich: "Ganz oder gar nicht" ist ihr Lebensmotto. Was zwar prinzipiell löblich ist, äußert sich in ihrem Verhalten jedoch oft als überstürzt und in Teilen unüberlegt. Das wiederum bringt ihr natürlich auch regelmäßig Probleme ein. An sich ist das natürlich in Ordnung, ja sogar ein guter Ausgangspunkt, jedoch scheint sie aus ihren Fehlern bis zum Ende nicht wirklich zu lernen. Gerade angesichts all der Veränderungen, die sie durchmacht, hätte ich gerne gespürt, dass sie daran wächst und sich weiterentwickelt. Stattdessen habe ich mir bei manchen ihrer Entscheidungen leider eher die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.
Das Beziehungsgefüge zwischen Klara und ihren Freunden Hannes, Leonard und Helena empfand ich dagegen als sehr gelungen und es hat ordentlich Schwung und Abwechslung in die Geschichte gebracht. Ihre Freunde wirkten wirklich wie authentische Heranwachsende, die Träume haben, aber auch Fehler. Anders als Klara haben sie sich durch das Geschehene auch sichtbar weiterentwickelt.
Neben all der Unterhaltung und all den schönen Bildern wird auch auf die Stellung der Frau Ende des 19. Jahrhunderts geblickt und das in einer sehr intensiven und greifbaren Form. Diese Szenen sind mir besonders im Gedächtnis geblieben und haben mir nochmals deutlich vor Augen geführt, was Frauen vor mir alles ertragen mussten. Der ungeschönte Blick, den Frey hier bietet, sorgt dafür, dass wir nicht vergessen, was eins gewesen ist.
Für Liebhaber des Rheingaus oder von Wein im Allgemeinen wird „Die Winzertochter“ angenehme Lesestunden bereiten. Aber auch wer einfach Lust darauf hat, eine neue Region und eine unbekannte Zeit kennenzulernen, sollte es wie Klara einfach mal wagen und ausprobieren!
Rezensionen von Herwig Oberlerchner:
Edel-Steine
Diamanten von David Vajda
Diamanten
Der Leidensweg der Mutter zieht sich über Jahre, trotz mehrerer Gehirnoperationen ist die Erkrankung progredient, ihr Verfall, ihr Kampf, ihr Tod werden aus einer Beobachterperspektive eindringlich und schonungslos gleichzeitig aber berührend erzählt. Vier Geschwister und der Vater bleiben zurück, besuchen sich und andere Familienmitglieder regelmäßig bei diversen Anlässen.
Es bleibt unklar, was von den mitunter bizarren Formen der Beziehungsgestaltung und Kommunikation durch das Trauma und die stockende Trauer, durch den noch immer siedenden Schmerz bedingt ist und was durch Lebensumstände und kulturelle Besonderheiten gefärbt ist. Das Drama einer Familie nach einem schmerzvollen, unbesprochenen Verlust. Mit den Protagonisten ringt man nach Worten und teilt die Sehnsucht nach der Mutter, der Ehefrau. Die psychologischen Analysen überlässt der Autor und Filmemacher gänzlich den Leser*innen. Ein berührendes Debüt.
Rezensionen von haberlei:
Wer ist Louisa? Spannende Mördersuche
Verlorene Kinder von Beate Winter
„Verlorene Kinder“ von Beate Winter ist der dritte Fall, den Kommissar Frommelt und sein Team zu lösen haben.
Sowohl das Cover der mir vorliegende Ausgabe aus dem Jahr 2021 mit dem Kind vor dem zerbrochenen Spiegel als auch jenes der aktuellen Ausgabe mit dem einsamen Häuschen haben Bezug zum Inhalt.
Die Hervorhebung des Titels ist bei der Neuausgabe eindeutig besser. Der Schreibstil ist flüssig, gut beschreibend, mit Schwerpunkt Ermittlungsarbeit, wobei durch den Einblick in das Privatleben der Menschen deren Charaktere gut beleuchtet, lebendig und authentisch werden. Trotz des roten Fadens steht jeder Band für sich alleine, kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.
Der Fall gestaltet sich von Anfang an sehr mysteriös. Welches Motiv hatte der Mörder, eine alte ehemalige, allseits beliebte Hebamme zu töten? Wer ist Louisa? Diesen Namen schrieb die Sterbende noch mit ihrem Blut. Frommelt und seine Leute tappen lange im Dunkeln. Keiner im Ort kennt eine Louisa. Im Zuge der Recherchen stoßen sie auf mehrere seltsame Unglücksfälle, die sich in der Ortschaft vor Jahren zugetragen hatten, und auf streng gehütete Geheimnisse. Eigenartig erscheint auch ein frisch zugezogenes Ehepaar, das ein altes, verfallenes Haus gekauft hat. Vor allem die junge Frau verhält sich psychisch auffällig.
Der Spannungsbogen hält sich konstant auf gutem Niveau. Es bietet sich reichlich Gelegenheit mit zu rätseln, eigene Theorien aufzustellen. Auch Frommelt und sein Team verfolgen diverse Spuren, es kristallisieren sich Verdächtige heraus. Dennoch hakt es immer wieder am Motiv, der Gelegenheit oder dem Alibi. Es war interessant zu verfolgen, wie sich Puzzlesteinchen um Puzzlesteinchen die wahre Geschichte um Louisa enthüllte, sich auch die Hintergründe der früheren Unglücksfälle offenbarten. Die Handlung entwickelte sich abwechslungsreich und bot immer wieder Überraschendes. Erst in einem dramatischen Finale gelingt es, den Mörder zu fassen.
Es ist ein sympathisches, harmonisches Team, das Kilian Frommelt umgibt. Arbeitsmäßig ergänzen sie einander, jeder hat so seine Stärken. Für private Probleme der anderen haben alle stets ein offenes Ohr und Verständnis. Frommelt verfügt zwar über guten kriminalistischen Spürsinn, seiner Partnerin gegenüber holpert es etwas mit dem Gespür. Doch auch hier helfen Freunde und KollegInnen, dass es letztlich doch ein Happy-End gibt. Sehr gut gefiel mir auch die neue Staatsanwältin Bernie. Sie ist erfrischend unkompliziert.
„Verlorene Kinder“ ist nicht nur ein spannender Krimi mit psychologischer Tiefe, sondern punktete bei mir auch mit dem privaten Bezug. Das macht die Ermittler so menschlich und lebendig. Ich habe übrigens noch nie einen Krimi mit so einem romantischen, berührenden Ende gelesen. Gerne empfehle ich das Buch mit 5 Sternen.
Rezensionen von haberlei:
Packender Wettlauf gegen die Zeit
Der Tarotkartenmörder von Drea Summer
„Nordseesünde“ von Drea Summer ist der zweite Band der Nordsee-Krimireihe mit dem Ermittlerduo Stefanie Teufel und Jan Graf. Es handelt sich hiebei um die Neuauflage des bereits 2023 unter dem Titel „Der Tarotkartenmörder“ erschienenen Krimis.
Das Cover ist ansprechend, stimmt auf den Schauplatz ein.
Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft. Die Autorin versteht es meisterlich, Atmosphäre zu vermitteln. Durch stetige Perspektivenwechsel zwischen Polizei, Opfern und Täter hält sich der Spannungsbogen stets auf hohem Niveau. Die Kapitel sind kurz, mit Orts- und Zeitangaben übertitelt. Die Handlung spielt in der Gegenwart in Niebüll und auf Sylt. Zwar hatte ich seinerzeit den ersten Band (Der Nordseeritzer/Nordseebestrafung) gelesen, stieg aber jetzt quasi wie neu in die Geschichte ein, weil ich mich an Details des Vorgängerbandes nicht mehr erinnern konnte. Somit ist jeder Band problemlos für sich lesbar.
Mehrere Frauenmorde beschäftigen die Polizei. Das Ermittlerduo Stefanie Teufel und Jan Graf sieht sich mit seltsamen Gemeinsamkeiten konfrontiert: die Frauen wurden mit Farbe besprüht und jeweils liegt eine Tarotkarte bei den Leichen. Besonders pressant wird der Fall durch die Tatsache, dass auch eine Journalistin von dem sogenannten Tarotmörder bedroht wird, die über die Mordfälle berichtet hat. Da es sich bei dieser Journalistin um Stefanies Halbschwester Sophie handelt, werden die offiziellen Ermittlungen Kollegen übertragen. Steffi und Jan müssen die Entführung eines jungen Pärchens aufklären.
Für mich war der Krimi ein Pageturner. Schon allein, die kryptischen Botschaften des Mörders zu entschlüsseln – die Bedeutung der Farben, der Tarotkarten und Bibelsprüche – war unheimlich interessant. Sowie das Aufspüren der Zusammenhänge. Die Frauen kannten sich offenbar nicht. Wo liegt die Gemeinsamkeit? Wie wählt er seine Opfer aus? Zudem stellt sich bald heraus, dass die Mordserie noch im Gange ist. Gibt es noch eine Chance, das nächste Opfer zu retten? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, wobei der Mörder immer wieder der Polizei einen Schritt voraus ist. Bis es in einem dramatischen Showdown gelingt, den Mörder zu stoppen. Für einen Überraschungseffekt am Ende sorgt schließlich das Motiv für die Taten.
Das Ermittlerduo arbeitet harmonisch zusammen, ist auch privat befreundet. Jan erscheint als der ruhigere, überlegtere Part der beiden. Steffi wirkt für ihr Alter von über 40 stellenweise für eine Kriminalbeamtin zu emotional, zu impulsiv, zu unbeherrscht, auch manchmal zu ängstlich. Insbesondere hat sie ihre seit Kindheit bestehende Aversion gegenüber der jüngeren Schwester anfangs überhaupt nicht im Griff. Rein grundsätzlich sind die beiden jedoch sympathische Protagonisten.
Es war ein Krimi ganz nach meinem Geschmack: ein kniffliger Fall mit höchstem Spannungsniveau und einem Ermittlerduo, das ich noch recht oft beim Ermitteln begleiten möchte. Mit Vorfreude auf den nächsten Band vergebe ich 5 Sterne! Eine unbedingte Leseempfehlung!











