Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Petra:
Überzeugung
Die Akte Alma von Sabine Welk
Nele hilft ihrer Oma beim Umzug, zurück nach Rügen. Dabei findet sie die Stasi Akte und hat auf einmal dutzende Fragen. Langsam taut Alma auf und erzählt wie es zu dieser Akte kam. Die Erzählungen sind aus den letzten Jahren der DDR, wir wissen heute das Regime war da schon am Ende. aber der Umgang mit den Bürgern blieb bis zur Wende brutal und menschenverachtend.
Nele hat sich für die Vergangenheit nie interessiert. Als Medizinstudentin ist das auch nicht wichtig. Oma und Vater haben nie erzählt, kurze Erwähnung das sie aus der DDR ausgereist sind aber mehr nicht.
Dieser Roman beruht auf wahren Begebenheiten, die Erlebnisse von Alma die als Ärztin sich nicht mit dem Regime gemein machen wollte. Nele ist fiktiv, Sie steht für die meisten Menschen die sich nicht betroffen fühlen. Es ist lange her, nach vorne schauen, ähnliche Argumente gab es schon einmal. Das sie ihre Meinung ändert, liegt an der Nähe zu einem Opfer des Systems. Durch die Nachforschungen kommen Tatsache zutage die nicht in der Akte standen. Emotional wird es dadurch noch einmal alles aufgerührt und vor allem entstehen neue Sichtweisen.
Genau so müssen wir die damaligen Zustände betrachten. Denn wenn wir nicht endlich Lehren aus diesem Wissen ziehen, wie Menschen manipuliert und drangsaliert werden, kann es immer wieder geschehen.
Die Autorin schafft es Wissen und gleichzeitig Respekt für Menschen die zu ihrer Überzeugung stehen zu vermitteln. Auch entsteht für uns Leser ein Bild wie sich Einstellungen und Überzeugungen ändern können.
Bücher, Biber, Bäume
Im Dorf der Biber und Bücher von Emma Hamberg
In diesem Buch verschwinden, Bücher oder tauchen in rauen Mengen auf. Es verschwinden Männer und einer taucht auf. Es verschwindet ein Baum und das ist das seltsame an der Geschichte. Er ist mit Wurzelballen und allen drum und dran weg., nicht gefällt oder durch einen Sturm zerstört. Die Menschen haben Verluste erlitten.
Sie sind emotional verletzt. Sie haben sich in ihr Schneckenhaus zurück gezogen.
Mit vielen Beschreibungen und Zitaten versucht die Autorin uns die Menschen näher zu bringen.
In einem Ort in dem mehr Biber als Menschen leben, die auch ein ähnlich soziales Leben führen, gibt es wenig Gesprächsstoff oder Aufregungen. Ein neues Gesicht ist ein Highlight.
Diese Atmosphäre überträgt sich beim Lesen. Das vorsichtige Öffnen einem Fremden gegenüber erleben wir live mit. Nicht nur die Alleinerziehende lernt wieder zu vertrauen, auch die Frau die sich von den Menschen komplett verabschiedet hat, taut auf.
Eine seltsame Geschichte die berührt und am Ende auch überzeugt.
Entgegen meinen Erwartungen
Der Sommer, in dem Henry die Tiere verstand und sein Herz verlor von Robert Isaacs
Henry ist harmoniesüchtig, er lässt immer allen den Vortritt und kann nicht Nein sagen. Frauen die er datet, wollen ihn nicht noch einmal sehen. Da trifft er auf Molly, das genaue Gegenteil von seinem Wesen. Sie ist laut wo er leise ist, sie redet und redet, während er schweigt. Trotzdem treffen sie sich ein zweites mal, Gegensätze ziehen sich an.
Auch als Henry feststellt das er der Unterhaltung von Tieren folgen kann, hält Molly zu ihm.
Ein interessanter Plot, ein schönes Cover, aber die Geschichte hat mich enttäuscht. Es war die Umsetzung, denn die Unterhaltungen der Tiere waren nicht sehr freundlich. Die Beleidigungen die sie sich gegenseitig an den Kopf werfen sind unterirdisch. Die Kommentare zu ihren Menschen sind lieblos. Da hatte ich etwas anderes erwartet.
Auch die Liebesgeschichte wirkt farblos. Die Plapperei von Molly nervt auf die Dauer, genau wie die Liebeswürdigkeit von Henry. Ein Ausraster weil er allmählich überfordert ist, hätte dem Buch gut getan.
Enttäuschend
Mary und der Tote im Schrank von Susanne Arnold
Dieses Buch erinnert stark an die Serie von Colleen Cambridge über die Haushälterin Phylllis Bright die für Agatha Christie arbeitet. Die Parallelen sind sehr stark. Sehr ordentlich und selbstbewusst, besser im Ermitteln als die Polizei. Damit hören die Gemeinsamkeiten auf. Hier war sehr schnell klar wer der Mörder war und warum.
Es war nur die Frage wie sich das Drumherum auflöst. Die Figuren waren sehr überzeichnet und dadurch klar zu erkennen welche Rolle sie zu spielen hatten. Auch wenn jemand noch nie einen Krimi gelesen hat, konnte den Fall schnell lösen. Damit ging jede Spannung verloren. Einige Figuren agierten hölzern so das sie nicht in das Geschehen passten. Sie waren in meinen Augen Staffage weil ein Pferdebursche und ein Gärtner nun mal zu einem herrschaftlichen ländlichen Anwesen gehören.
Auch Logikfehler tauchten auf.
Dieses Buch war eine Enttäuschung.
Exlibris
Das Alphabet der Masken von Kai Meyer
1930 und 1970, zwei Handlung Stränge und in beiden geht es um Bücher. Besonders um Exlibris, Besondere Einkleber um das Eigentum zu kennzeichnen. Amalia findet sie in der Bibliothek ihres Stiefvaters und sucht nach der Künstlerin dieser Druckstöcke. Jahre später ist es Timm der nach Informationen dazu sucht.
Dabei stößt er auf die Buchraubaktionen während des 2, Weltkriegs und forscht weiter.
Der Autor überzeugt wieder mit der Darstellung des Graphischen Viertels in Leipzig. Buchherstellung und Verkauf alles in einem Viertel. Antiquariate und auch neue Bücher. Für jeden Leser und oder Sammler ein Paradies. Auch schon 1930. Die politische Entwicklung zeigt sich überall. Geheimbünde gibt es vielerorts. Okkulte Zirkel sind modern. Alles das vermischt er zu einer spannenden Geschichte die bis nach Monaco reicht.
Auf zwei Ebenen geschieht die gleiche Suche. Aus anderen Gründen, mit anderen Vorzeichen, Es ist faszinierend wie unterschiedlich das Thema dadurch wirkt. Wie am Ende alles zusammen geführt wird, bleibt bis zum Schluss ein Geheimnis. Die geschichtlichen Informationen sind gut verpackt in eine fabulöse Suche durch Menschen die mit der politischen Entwicklung und ihren Folgen nichts gemein haben.
Verdrängte Schuld ist ein weiteres Thema, auch ist dieses Buch eine Familiengeschichte nicht ausführlich aber ein wichtiges Element.
Ich hoffe das auf diesen fünften Band ( alle lassen sich unabhängig von einander lesen ) weitere folgen werden.
Musik liegt in der Luft
Sea of Charms von Sarah Beth Durst
Der Inhalt des Buchs ist genau so schön wie das Cover. Leicht, bunt und fröhlich. Marin liebt das Meer, sie segelt allein nur begleitet von einer Seeschlange und erledigt Aufträge als Handelsschifferin. Nach einer toxischen Beziehung traut sie niemanden mehr, vor allem ihrem Urteilsvermögen nicht.
Sie hält sich nicht für liebenswert, geeignet als Freundin oder mehr.. Als sie ihren Komponistenfreund an Bord nimmt, taucht ein Gefühl auf dem sie wieder nicht traut.
Diese Reise ist magisch. Dax und seine Musik, die Seeschlange, eine sprechende Pflanze sie alle fühlen sich als Marins Mannschaft und auch als Familie. Sie erleben wunderbare Abenteuer und über alledem schwebt Musik.
Die fantastischen Geschichten die sie erleben sind voller Fantasie trotzdem sind sie warm und fürsorglich erzählt. Alle gehen bis auf eine Ausnahme respektvoll und achtsam miteinander um. Sei es Menschen die in allen Farben zusammenleben, Drachen die mit Menschen befreundet sind oder fliegende Katzen als außergewöhnliche Haustiere. Es wird nicht nach dem woher, oder den Vorlieben gefragt, nur ob Hilfe gebraucht wird.
Es liegt eine bedingungslose Fahrnis über dem Ganzen das macht es so cozy zu lesen.
Es gibt mehrere Bücher die man unabhängig von einander lesen kann, denn es handeln verschiedene Personen in einem gleichen Zeit Fenster..
Die Klammer ist die Revolution durch die die große Bibliothek in Gefahr geraten ist.
Frauenpower
Die Spionin von London von Julius Arth
Emma wird auf dem Weg nach London überfallen, nur durch sehr viel Glück überlebt sie und kommt mithilfe eines Gentlemen in London an. Dies sit einer von vielen Zufällen die in kürzester Zeit geschehen. Ihr Ehemann der sofort nach der Eheschlie0ung wieder abgereist war, wegen wichtiger Aufgaben in London, Nun hört sie er ist nach Übersee abgereist.
Auf der Suche nach Informationen trifft sie Ruth. Die beiden Frauen werden aus einem besonderen Grund Freundinnen. Denn ihre Männer sind Verschwörer gegen die Krone. Sie wollen ihnen einen Strich durch die Rechnung machen und werden die Spionin von London.
Eine spannende Geschichte im frostigsten Winter in London, sogar die Themse ist zugefroren.
Emma macht nichts anderes als Fragen zu stellen und sticht damit in ein Wespennest. Sie kann das denn als Frau wird sie nicht vollgenommen. Diese Beschreibung passt gut denn so war das Denken lange Zeit über Frauen. Der Autor zeigt dabei auf wie falsch diese Gedanken sind und natürlich für die Widersacher auch gefährlich. Seine Frauen haben Verstand, Mut und Mitgefühl. Sie erreichen damit mehr als jeder Mann. Für uns Leser sind sie sympathisch und es macht Spaß zu verfolgen wie sie den Verbrechern ein Schnippchen schlagen.
Es ist eine gelungene Mischung aus Abenteuer, geschichtliche Hintergründe und Frauenpower.
Dieser Autor ist für mich ein neuer Star am historischen Bücherhimmel.
Die Seherin
Die Herrin vom See – Schatten über Avalon von Sabrina Qunaj
Nimue ist eine besondere Frau, als sie noch ein junges Mädchen war hat sie eine Flut vorher gesehen und ihr Dorf gewarnt. Alle überlebten. Seitdem ist sie als eine Frau mit besonderen Fähigkeiten bekannt. Der große Merlin will sie zur Frau um eine gemeinsame Zukunft zum Wohle der alten Religion zu gestalten.
Sie ist unsicher ob sie die richtige Frau dafür ist, oder vielmehr ob Merlin die richtigen Gründe für sein Verhalten hat. In einer Zeit in der Frauen nur das Mittel zum Zweck war, wertvolle Verbindungen knüpfen und Kinder bekommen, kämpft sie um ihre Eigenständigkeit und persönliche Freiheit. Sie will Frieden zwischen den Religionen und zwischen den Völkern Britanniens.
Es ist die Artussage neu erzählt.
Es hat mir Spaß gemacht die Sage aus Sicht einer Frau zu lesen. Vor allem weil die anderen Figuren im Gegensatz zu sonst weniger einseitig beschrieben wurden. Artus war nicht nur klug und weise, für Merlin gilt das Gleiche auch er ist in erster Linie ein Mann. Die Frauen haben eine Meinung auch wenn sie nicht oft gehört wird. Die neue Religion, das Christentum wirkt genau so verwirrend wie die alten Götter. Der eine tot, die anderen lebendig aber niemand sichtbar, der Glaube machts.
Die Autorin beschreibt starke Frauen die trotz der gesellschaftlichen Ohnmacht nicht aufgeben, weitermachen und am Ende ein kleines Stück erreicht haben. Es geht nicht um Liebe sondern letztendlich um Macht über das eigenen Geschick.
Wenn sie die Umstände beschreibt, sind sie nachvollziehbar, ihre Charaktere haben Ecken und Kannten, Selbstzweifel und Ängste besonders bei den Frauen, trotzdem wehren sie sich. Sie sind virtuelle Vorbilder.
Ein Zufluchtsort
Die Regenschwimmerin von Romy Fölck
Eine kleine Insel in Schweden ist für drei Frauen der Zufluchtsort. Marga lebt schon lange hier, Judith kommt aus Hamburg nach einer Trennung und Evi hat gesundheitliche Probleme die ihr Leben als Künstlerin in Frage stellen. Vor Jahrzehnten waren die beiden Frauen schon öfter auf der Insel und beste Freundinnen bis sie sich gestritten haben.
Was passiert wenn sie aufeinander treffen, finde sie in ihre alte Bindung zurück oder wird das Verhältnis noch kälter.
Ich mag die Autorin und ihre Figuren, Menschen mit Ecken und Kannten, bereit wenn nötig für einen Neuanfang und ohne viel Gewese um die Vergangenheit. Hier ist es ein anderer Typ Mensch. Evi und Judith sind zwar erfolgreich in ihrem Beruf aber sie zweifeln im Privatleben an sich selber. Auf der einen Seite suchen sie häufig die Schuld für Fehler oder falsche Entscheidungen bei sich selbst, auf der anderen Seite hat aber der Andere Schuld weil er nichts gesagt hat oder zu wenig bzw. zu viel getan hat.
Dieses Hin und Her hat die Dynamik der Geschichte für mich durcheinander gebracht. Auf welcher Seite stehe ich gerade, welche Meinung ist die Richtige, ich geriet genau wie die Protagonistinnen ins Strudeln. Ein neues Leseerlebnis das erstmal verarbeitet werden muss. Auch muss ich die neue Romy Fölck annehmen. Aus dem Bauch heraus würde ich erstmal sagen, die vorherigen Bücher haben mir besser gefallen.
Dieses "Ach, dann habe ich ja doch nicht allein alles falsch gemacht, dieses Aufatmen passt für mich nicht zu erfolgreichen Frauen, die auf ihrem Weg schon augenblicklich erkannt haben das ihre Entscheidung nicht unbedingt gut war.
Flowers
Blumen schenke ich mir selbst von Blanca Imboden
Romy hat nach einem Trauerbuch ein Buch über glückliches Alleinsein geschrieben. Als sie dann eine neue Beziehung eingeht, bricht der Shitstorm los. Man darf nach einem solchen Bucherfolg nicht mehr glücklich zu zweit sein, geht`s noch? Die Beziehung zerbricht, ihr Verleger bestraft sie mit der Aufgabe einen Schreibkurs zu leiten.
Sie geht mit gehöriger Skepsis und Vorurteilen an die Aufgabe. Die Teilnehmer sind sehr verschiedene Persönlichkeiten und haben die unterschiedlichsten Gründe für die Teilnahme. Im Grunde ist nur eine dabei die ein Buch schreiben möchte und außer diesen Wunsch noch nichts hat.
Es ist spannend zu lesen wie Romy an ihrer Aufgabe wächst, ihre Vorurteile überdenkt und sie denkt viel, Wie die einzelnen Frauen und Männer sich öffnen und miteinander zu einem Team werden. Als Coach hat Romy alles richtig gemacht. Und der Titel von Mile< Cyrus Flowers wird ihr neues Lebensmotto..
Es werden viele Probleme angesprochen, eine Lösung gibt es nicht so ohne Weiteres. Aber das eigene Bild von sich überprüfen und gegebenenfalls ändern. Das ist eine gute Möglichkeit. Ein Mensch an meiner Seite sollte Partner, ein positiver Bestandteil in meinem Leben sein, aber ich sollte ihn nicht brauchen müssen um mein Leben zu leben. Weder aus finanziellen noch aus emotionalen Gründen. In verschiendenen Ansätzen wird es hier aufgezeigt.











