Kunden em pfehlungen
Rezensionen von heinoko:
Eine prall volle Wundertüte
Die wunderkammer der Deutschen Sprache von Thomas Böhm; Carsten Pfeiffer
Ich gebe zu, ich bin sprachverliebt. Die oft zu hörende Verwechslung von „anscheinend“ und „scheinbar“ verursacht mir zum Beispiel regelrecht Schmerzen. Insofern war ich auf das Buch sehr gespannt. Ist es langweilig-öde? Ist es reine Wissensvermittlung? Oder was ist überhaupt eine Wunderkammer? Dass die Wunderkammer eine Wundertüte ist, prall vollgefüllt mit Sprachschätzen, war für mich eine freudige Überraschung, umso mehr, da sie dank einer gekonnten graphischen Gestaltung kein bisschen langweilig daherkommt.
Allem voran: Das ist ein Buch für viele Monate, ja länger noch, ein Buch, das man ein Leben lang immer wieder in die Hand nehmen kann und sollte. Um immer wieder aufs Neue auf Entdeckungsreise zu gehen, um sich zu amüsieren, um sich erstaunen zu lassen, um auf unterhaltsame Weise neue Achtsamkeit im Umgang mit Sprache zu erlangen. Was alles haben die beiden Autoren/Herausgeber da zusammengetragen: Über Nachtjargon in St. Pauli bis Homonyme und Homophone, über 10 Lieblingswörter von Autoren bis zur Auflistung von 55 verschiedenen Entenvögeln, über schwäbische Mundartwörter bis zu Titeln von Heftchenromanen, über Grabinschriften bis zu Schlusssätzen alter Märchen.
Wenn ich in der „Wunderkammer“ blättere, stelle ich mir den legendären Will Quadflieg vor, wie er aus dem Buch in seiner unvergesslichen Sprach-Gestaltungs-Kraft Wortschätze hervorholt und sie uns zu Ohren bringt, Diamanten und Glassteine, glitzernd oder stumpf, transparent oder bunt, mit Leuchtkraft oder erloschen – unermesslicher Reichtum der deutschen Sprache. Will Qadflieg konnte das. Das Buch kann es auch. Es ist gleichermaßen Schatztruhe, Entdeckerlandkarte, Theaterfundus, ein Dachboden voller sprachlicher Fundstücke. Genial!
Rezensionen von begine:
Zeitgenössisch
Die Parade von Dave Eggers
Der zeitgenössische Romane schreibende amerikanische Autor Dave Eggers hat für seine Werke schon zahlreiche Preise bekommen.
Nach der Lektüre seines neuen Romans „Die Parade“ bin ich sehr begeistert. Er wirft Fragen auf, denen man sprachlos gegenüber steht.
In diesem Roman geht es um ein Entwicklungsland, in dem Jahre lang Bürgerkrieg herrschte.
Zwei Straßenbauer, deren Namen man nicht kennt bauen eine Straße durchs Land, damit der Präsident eine Parade abhalten kann.
Die Beiden werden von dem Autor lebendig geschildert, einer verhält sich vorschriftsmäßig, der Andere ist ein Hallodri, der die Leute kennen lernen will.
Das Ende ist ernüchternd, aber realistisch.
Der Roman ist spannend geschrieben. Ich werde auf jeden Fall weitere Romane von dem bedeutendem Autor Dave Eggers lesen.
Rezensionen von Petra Sch.:
toller Reihenauftakt mit süßen Ponys, viel Freundschaft und Spannung
Die Schule der kleinen Ponys - Ein Heuhaufen voller Geheimnisse von Anne Wolff
Kurz zum Inhalt:
Die zehnjährige Monka Winter lebt auf einer großen Pferdefarm, auf der Springpferde und Connemara-Ponys gezüchtet werden.
Als endlich die Sommerferien beginnen, muss Mo die Leitung der Ponyschule übernehmen, weil sich ihre Mutter den Arm gebrochen hat. Gemeinsam mit ihrem Lieblingspony Dr.
Paul soll sie die jungen Connemara-Ponys in Reiterspielen, Hindernisspringen und Ponysport unterrichten.
Doch plötzlich taucht ein fremdes Mädchen auf, das am benachbarten Fuchsenhof wohnt. Welches Geheimnis verbirgt Sarah? Diesem Rätsel muss Mo natürlich unbedingt nachgehen...
Meine Meinung:
"Ein Heuhaufen voller Geheimnisse" ist der Auftakt der "Schule der kleinen Ponys"-Reihe.
Die Geschichte ist in ich-Form aus Sicht von Mo geschrieben - man hat das Gefühl, Mo erzählt dem Leser direkt ihre Erlebnisse und Abenteuer. Dadurch bekommt man noch besseren Einblick in Mo's Gedanken und Gefühlswelt und man kann noch tiefer in die Geschichte eintauchen - meine Tochter konnte sich ganz besonders gut mit Mo identifizieren, denn sie ist auch 10 Jahre alt und ebenso ein riesen Pony- und Reit-Fan!
Durch das Geheimnis, das Sarah hat, ist das Buch spannend zu lesen; man möchte unbedingt wissen, was denn dieses Geheimnis ist und welchen Plan die beiden Mädchen aushecken. Leider wurde die Auflösung etwas zu lange hinausgezögert; meine Tochter hat mich ständig gefragt, wann denn endlich dieses Mysterium gelüftet wird.
Das Buch beinhaltet wichtige Themen wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt, die spielerisch integriert sind. Die Geschichte spiegelt ein tolles Leben auf einem Reiterhof wider, und ist sehr authentisch gezeichnet - sowohl die Geschichte und das Abenteuer als auch das Leben auf einem Pferdehof.
Natürlich gibt es ein Happy End - aber die Auflösung von Sarahs Geheimnis war dann doch ganz anders, als wir gedacht hatten! :)
Sehr hilfreich ist der Plan im Buchdeckel, auf dem man einen genauen Überblick über den Hof bekommt und Mo's Wege ganz genau verfolgen kann.
Zu betonen sind auch die viele tollen farbigen Illustrationen, die das Gelesene nochmals untermalen und auf denen es viel zu entdecken gibt. Meiner Tochter gefiel ganz besonders das Huhn an jedem Kapitel-Anfang, das jedesmal anders dasaß.
Am Ende der Geschichte gibt es noch ein Rezept für Haferflockenkekse - die haben wir natürlich gleich nachgebacken und sie schmecken superlecker! Und eine Bastelanleitung für ein Dr. Paul-Lesezeichen gibt es auch noch!
Fazit:
Ein gelungenes Buch in allen Aspekten: tolle Sprache und somit direkte Einbindung der Leser; süße Ponys (und andere Tiere); spannende Abenteuer und ein große Prise Freundschaft und Hilfsbereitschaft! Und das alles unterlegt mit wunderschönen färbigen Illustrationen - Top!!
Rezensionen von yellowdog:
Poesie
Die Schule der kleinen Ponys - Ein Heuhaufen voller Geheimnisse von Anne Wolff
In den Knochen (Bone) ist eine Sammlung von Gedichten der Spoken word-Künstlerin Yrsa Daley-Ward, die letztes Jahr in Deutschland schon mit ihrem autobiografischen Roman Alles, was passiert ist“ aufgefallen war.
Bones ist das ältere Buch, aber durch den Roman kennt man jetzt doch viel vom Leben der Schriftstellerin und kann viele Inhalte der Gedichte zuordnen.
Übersetzt wurden die Gedichte von Nora Bossong und Gregor Runge.
Es gibt einige Themen, die Yrsa Waley-Ward mit ihrem intensiven Sound behandelt: Familie, Sexualität, Gewalt, Liebe und ihrem Temperament etc. Ihre Themen haben oft auch viel mit ihr selbst zu tun. Ihr Verhältnis zu ihrem Bruder, der Mutter oder den Großeltern.Oft haben die Poems etwas körperliches. Manche sind sehr kurz, andere gehen über drei oder mehr Seiten.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Einfach schön!
Die Schule der kleinen Ponys - Ein Heuhaufen voller Geheimnisse von Anne Wolff
Anne Barns schreibt einfach schöne Romane. Muss ich noch mehr sagen?
Eventuell, dass ich dermassen in den Roman eingetaucht bin, dass ich auf Instagram das Gefühl hatte, jemand hätte mich gespoilert? Ich war lesend gerade kurz vor der Seebestattung von Maries Vater - und da schrieb jemand, dass da eine Fremde auftaucht.
Hilfe, Spoiler, dachte ich noch, bis sie mir sagte, hey, das steht doch schon im Klappentext... Ha, stimmt! Den hab ich wie vieles anderes ausgeblendet, da ich voll in der Geschichte gefangen war.
Wie ihr sieht, hat mich der Roman total mitgerissen, von der ersten bis zur letzten Seite. Die Geschichte um Marie, ihren Vater, die unbekannte Frau, die Reise zusammen mit Maries Mutter und ihrer Oma und das Wiedersehen auf Juist mit altbekannten Figuren aus Anne Barns anderen Romanen. Einfach schön!
Sehr gut gefallen hat mir, dass für ein Mal nicht die Beziehungskiste aka Lovestory der Protagonistin an sich im Vordergrund steht, sondern man sich auf die Spuren von Maries Vater macht und eher seine Beziehungen das Thema sind.
Ebenso wird Frauenpower gross geschrieben, nicht nur das tolle Verhältnis von Marie zu ihrer Schwester Lena, auch das zur Mutter und Grossmutter ist sehr innig, ebenso die Aufnahme durch die Juister Frauengang.
Der Roman versprüht eine angenehme Wärme und erzählt über das Leben von Familienmitglieder, die man aus den Augen verloren hat. Voll schön!
Am Ende erwartet die Leser wieder einige Rezepte, allen voran das legendäre Kirschkompott, durch das Marie an ihre Kindheit erinnert wird.
Fazit: Um auf den Anfang zu kommen, und ich weiss, ich wiederhole mich: einfach eine schöne Geschichte!
5 Punkte.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein "Mut-mach-Buch"
Corona - Nichts wird mehr sein wie es war. Life is a Story - story.one von Sonja Schiff
In diesem kleinen „Mut-mach-Buch“ haben 17 Personen ihre Gedanken zum „Corona-Virus“ aufgeschrieben. Darunter bekannte Namen wie Matthias Strolz oder Uwe Böschemeyer.
Es sind Gedanken die ebenso unterschiedlich wie ihre Autoren sind. Manche muten philosophisch an, andere beschreiben einfach den geänderten Alltag.
Die 17 Gedankensplitter sind:
Mama, die Corona-Fighterin!
Korrektur ohne Angabe von Gründen
Pasta mit Kaviar - in Zeiten von Corona
Der Grund für unsere Hoffnung
Verkehrt herum
Er hat Eier
#CorCooning - und du so!
Corona - nichts wird mehr sein wie es war
Nachbarschaftshilfe
Wahrnehmung
Geht’s ham!
Kaffeehaus im Kopf
Wenn der Wienfluss wieder leuchtet
Frau Mann
Die Rückkehr des Topfschnittes
Die Linse scharf stellen
Keine Schule
Es ist schwer, hier einen Favoriten zu wählen. Ich probier’s dennoch:
Sehr gut gefällt mir „Kaffeehaus im Kopf“: die plötzliche Einschränkung, nicht mehr in das Lieblingskaffeehaus gehen zu dürfen, weckt Sehnsüchte, die durch Betrachten der Website nur unzureichend gestillt werden können. Allerdings entwickelt sich eine Vorfreude dort, wenn alles Beschränkungen aufgehoben sind, einen Kaffee zu trinken.
Berührend finde ich „Frau Mann“ und „Keine Schule“. Wir machen uns vermutlich viel zu wenig Gedanken, wie es den Kindern mit den geänderten Rahmenbedingungen geht. Die erste Freude über „keine Schule“ ist einer Bangigkeit gewichen, FreundInnen, Lehrkräfte oder auch nur die gewohnte Routine wiederzusehen. Es scheint, als hätten viele Erwachsene nicht geahnt, wie gerne ihre Kinder in die Schule gehen.
Über „Er hat Eier“ muss ich herzlich schmunzeln, da der erste Impuls, den jungen Mann anzukeifen übermächtig gewesen sein muss. Allerdings hat die Autorin der Zeilen die Situation völlig verkannt.
Fazit:
17 Gedankensplitter, die so unterschiedlich wie die Menschen sind. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hat mich nicht vollends überzeugt
Die Kleider der Frauen von Natasha Lester
Dieser Roman spielt auf zwei Zeitebenen, nämlich im Paris des Zweiten Weltkriegs und im Jahr 2015 in New York. Die beiden Handlungsstränge werden durch die Figur Estella verbunden.
Wer ist sie nun?
Paris im Jahr 1940: Gemeinsam mit ihrer Mutter Jeanne arbeitet die 22-jährige Estella für die großen Couturiers.
Nachdem das Geld für den Lebensunterhalt nicht reicht, kopiert die begnadete Zeichnerin Estelle heimlich die neuesten Modelle und verkauft die Skizzen für wenig Geld an amerikanische Modenhäuser. Deren kaufkräftige Kundschaft findet jeden Trend aus Paris „très chic“ und trägt mit mehr oder weniger Gespür kopierte Maßkleider aus Paris. Dabei ist es Estellas großer TRaum, selbst Kleider zu entwerfen. Das kreative Potential dazu hat sie.
Als Estella irrtümlich in eine Aktion der Résistance gerät, muss sie Hals über Kopf nach Amerika fliehen. Warum Amerika? Jeanne gesteht erst jetzt, dass ihr Vater nicht der brave französische Soldat, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist, war, sondern ein Amerikaner.
Im zweiten Handlungsstrang begegnen wir der 95-jährigen Estella und ihrer Enkelin Fabienne 2015 in New York. Die alte Dame hat ihren Traum wahr gemacht und unter dem Label „Stella Design“ erstklassige Mode designt. Fabienne ist schüchtern, beinahe verzagt, fühlt sie sich doch durch den Schatten der Großmutter erdrückt. Denn die will, dass Fabienne nach ihrem Tod, der nicht mehr allzu ferne ist, das Familienimperium übernimmt. Doch Fabienne trauert um ihren Vater Xander, der vor kurzem verstorben ist. Bei der Durchsicht der väterlichen Dokumentenschatulle entdeckt sie Ungereimtheiten, die ihr weiteres Leben ziemlich auf den Kopf stellen werden .....
Meine Meinung:
Die Autorin hat um historische Personen und reale Ereignisse einen Roman gesponnen, wie man ihn derzeit häufig zu lesen bekommt.
Armes Mädchen flieht aus Deutschland oder einem von den Nazis besetzten Ländern und schafft es in England/Amerika oder wo auch immer, ein kleines oder größeres Familienimperium aufzubauen. Natürlich warten das Böse sowie das Gute gleich ums Eck. Zufälle gibt es en masse und die Liebe kommt auch nicht zu kurz.
Während der Erzählstrang um Estelle noch ein bisschen dramatisch ist, erscheint der von Fabienne doch ein wenig langweilig und vorhersehbar. Meiner Ansicht hätte man den durchaus weglassen können.
Schöne Kleider spielen natürlich eine große Rolle. Manchmal habe ich dann schon ein wenig an den Recherchen der Autorin gezweifelt, wenn, wie auf Seite 20 zu lesen ist, Estelle aus goldfarbener Seide binnen 1,5 Stunden ein piekfeines Couturekleid nähen kann. Auf S. 37 braucht sie dann für eine Bluse aus derselben Seide die ganze Nacht. Hm, ich habe früher selbst Ballkleider aus Samt und Seide genäht, aber ich habe schon ein paar Tage dazu benötigt.
Die Räume auf einem Schiff heißen Kabine oder Kajüte, aber nicht „Zimmer“. Und das Kapitel Nr. 24 trägt die Überschrift „Juli 1941“, spielt aber unmittelbar bei Estellas Begräbnis 2015. Solche und ähnliche Ausrutscher kommen immer wieder vor, was auf mangelnde Sorgfalt bei der Übersetzung bzw. Lektorat vermuten lässt.
Wer über solche Mängel hinwegsehen mag oder dem sie nicht auffallen oder stören, kann diesen Roman interessant finden und gerne lesen.
Der Schreibstil ist leicht zu lesen, da nicht besonders anspruchsvoll.
Fazit:
Ein netter Roman, aber auch nicht viel mehr, der von mir gerade noch 3 Sterne erhält.
Rezensionen von Minangel:
Vergebung im Krieg?
Die Verstoßene von Michael Meinert
Meine Meinung: Nach den ersten paar Seiten war ich enttäuscht: nämlich enttäuscht, dass ich jetzt erst in diese Saga eingestiegen bin! Es war genau mein Erzählstil, genau meine Zeit, ein gutes Kennenlernen der Hauptprotagonisten und ich mochte Lydia, eine der Hauptprotagonisten. Mit ihr geht es ins Forstschloss, wo sie Gouvernante eines entzückenden, vorlauten Mädchens wird.
Der Ort und die Umgebung werden prächtig beschrieben, dass ich mich gleich heimelig fühlte. Da kam dann auch gleich meine Lieblingsfigur in Form der Großmutter Rahel ins Spiel, weil sie ein spüriger, weiser, liebevoll gläubiger, offener Mensch ist. Sofort würde ich mich zu ihr ins Forsthaus auf ein Pläuschchen setzen. Dass der alleinstehende Graf in dieser Geschichte eine entscheidende Rolle spielt, ist vorsehbar, doch dann muss er in den Krieg ziehen…
Der Roman wird aus zwei Perspektiven erzählt: aus der Sicht von Lydia und aus der Sicht des Grafen Claudinand. Der Glauben prägt beide, er gibt vor allem dem Grafen Halt, als er in den ersten Weltkrieg an die Front muss. Genau hier entstand auch etwas mein Missfallen mit Lydia, weil ich ihre Handlungsweise teilweise nicht nachvollziehen konnte bzw. sie meiner Meinung nach als gute Christin andere nicht in ihre Angelegenheiten mithineinziehen sollte (ich möchte dazu nicht zu viel erzählen wegen spoilern). Genauso war ich irgendwann kurzweilig vom unbeugsamen Grafen genervt - gepaart mit etwas unrealistischen Handlungen. Doch insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten und konnte die Wichtigkeit der Vergebung zwischen den Zeilen erspüren...
Fazit: ein Roman mit guten Strukturen, wo der Glaube eine wichtige Rolle spielt, wobei ich manchmal ungläubig emotional den Kopf schütteln musste. Nachdem mich aber insgesamt die Erzählung berührt hat, obgleich der angeführten Kritik möchte ich 4 verzeihliche Sterne geben.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine detailreiche Biografie
Florence Nightingale Die Frau hinter der Legende. 03.2020. Hardback. von Herold-Schmidt Hedwig
Wer kennt ihn nicht, den Namen von Florence Nightingale, der „Lady mit der Lampe“?
Autorin Dr. Hedwig Herold-Schmidt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Jena, Abteilung Volkskund/Kulturgeschichte. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Sozial- und Kulturgeschichte von Gesundheit und Krankheit bzw.
Adelsgeschichte im 19./20. Jh.. Da kommt sie natürlich an Florence Nightingale (1820-1910) nicht vorbei.
Diese ausführliche Biografie einer Unbequemen ist das Ergebnis ihrer Arbeiten. Die Autorin versucht die Frau hinter der Legende" heraus zu arbeiten, was nicht immer ganz einfach ist. Florence Nightingale polarisiert auch heute noch.
Die einen sehen in ihr eine Querulantin, eine frustrierte alte Jungfer, die ihre Upperclass-Herkunft dazu benutzt hat, allen möglichen Leuten auf die Nerven zu fallen und sich selbst zu inszenieren. Die anderen stellen sie auf das Podest der Nächstenliebe und stilisieren quasi zur „Heiligen“, zum Engel der Schlachtfelder. Beides ist vermutlich falsch. Wie immer ist ein gesunder Mittelweg das Maß der Dinge.
Auf die einzelnen Lebensstationen, die hier beschrieben sind, will ich gar nicht näher eingehen. Interessant habe ich gefunden, dass sie Statistiken über die Kranken geführt hat. Sie hat Fragebögen entworfen, Daten gesammelt und daraus ihre Schlüsse gezogen. Etwas, was sehr modern anmutet und derzeit in aller Munde ist. Natürlich können ihre Statistiken nicht mit den Hochrechnungen unserer Zeit verglichen werden, aber allein die Tatsache, dass sie sich damit beschäftigt hat, ist erstaunlich. Sie gilt als Erfinderin des „Polar-Area-Diagramms“, einer Darstellung mittels Kreisdiagramm mit unterschiedlicher Radien. Und da alles ohne Tabellenkalkulation und Hightech.
Ihre Beharrlichkeit trägt Früchte. So werden ihre Ideen zu den Reformen des Gesundheitswesen (mürrisch, aber doch) angenommen. Ihre Vorschläge zum Bau eines Modellkrankenhauses, in dem die Kranken in Pavillons unterbracht werden statt in riesigen Baracken, werden zum größten Teil umgesetzt genauso wie ihre Ideen zur Einrichtung von Krankenpflegeschulen. Sie „predigt“ unermüdlich die Mindeststandards der Hygiene. Damit ist sie nicht allein - Mitkämpfer sind u.a. Joseph Lister und Ignaz Semmelweis.
Die Autorin schildert das Leben von Florence Nightingale in chronologischer Reihenfolge sehr sachlich und bemüht, sich von den anderen Biografen nicht beeinflussen zu lassen. Manchmal wirkt es daher ein wenig distanziert.
Am Ende des Buches (S. 291) habe ich einen Fehler entdeckt: Florence Nightingale stirbt am 13.08.1910 und nicht, wie angegeben, 2010. Vielleicht war das auch eine Freud’sche Fehlleistung des Verlages, weil EIN Leben für die Fülle der Aufgaben nicht ausgereicht hat.
Fazit:
Eine ausführliche Biografie zum 200. Geburtstag von Florence Nightingale, die mehr war als der viel zitierte „Angel of Mercy“.
Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne.
Rezensionen von C. P.:
Buch der tausend verpassten Möglichkeiten
Das Haus der tausend Welten von T. S. Orgel
Zuallererst: Vergesst den Klappentext! Der verspricht ein völlig falsches Bild von der Story. Es gibt nicht eine große Schatzsucher-Gruppe rund um Magierin Stern. Stattdessen machen sich drei Gruppen auf, die verschlossenen oberen Etagen eines Hauses zu ergründen, in dessen unterem Bereich sich mittlerweile eine Kombination aus Spielhölle, Kneipe und Freudenhaus befindet.
Warum die Gruppen durch das ansonsten magisch versiegelte Tor schreiten ist nicht immer klar, weder dem Leser noch den Beteiligten. Und auch die Welt selbst im Buch mit seinen verschiedenen Völkern, Tieren, Speisen und Getränken bleibt relativ undeutlich. Da werden Begriffe einfach in den Raum geworfen, welche man zwar in einem Glossar am Ende des Buches nachschlagen kann, aber auf weitere Beschreibungen hofft man meist vergebens.
Nachdem man die Hauptpersonen zunächst in ihrem eigenen Umfeld kennenlernt, treffen diese so nach und nach in dem Haus der tausend Welten aufeinander. Das Haus selbst macht sich allerdings nichts aus Raum und Zeit, ist trotz seiner langen Verschlossenheit besiedelt von merkwürdigen Kreaturen und früheren Neugierigen, die den Ausgang nicht mehr gefunden haben. Eine klare Linie konnte ich beim Erkunden und Überleben der vielen Räumlichkeiten nicht erkennen, das Ziel der Gruppen war in erster Linie, „nach oben“ zu gelangen. Durch die langen Kapitel, welche abwechselnd die Abenteuer der Gruppen beschreiben, hatte ich auch oftmals das Gefühl, den Faden verloren zu haben, wenn es erneut bei einer Gruppe weiterging.
Die Auflösung, was hinter dem Haus steckt, war interessant und ausgefallen, keine Frage. Aber der Weg dahin konnte mich nicht so recht packen. Dadurch, dass das Haus sich nicht an Linearität in Raum und Zeit hält, wurde es zudem zusehends unübersichtlicher. Und aus den Charakteren hätte man auch mehr herausholen können.
Die Idee hinter dem Haus der tausend Welten ist schon klasse, der Weg der Charaktere bzw. des Lesers bis zur Auflösung konnte mich über längere Strecken jedoch nur mäßig begeistern. Mehr Linearität in der Handlung, spannendere Momente und mehr Hintergründe zu den Charakteren und der Welt an sich hätten das Buch sicherlich positiv bereichert. 3,5 von 5 Sternen.









