Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PMelittaM:
Lachen oder Weinen - das ist hier die Frage
Memories of Heidelberg von Heinz Strunk
Isolde und Bertram, seit 17 Jahren verheiratet, sind von Oldenburg nach Heidelberg gefahren, um den 80. Geburtstag von Isoldes Mutter zu feiern. Leider erkrankt diese lebensgefährlich und muss ins Krankenhaus. Bedauerlicherweise ist das nicht das einzige, was schief läuft. Das sehr teure und für eine Woche gebuchte Hotel bietet weder Komfort noch Service, im Restaurantschiff gegenüber werden die beiden zunächst freundlich empfangen, doch mit jedem Besuch wird es unerfreulicher, und die beiden erleben ihre Heidelbergreise eher nebeneinander als miteinander.
Erzählt wird der recht kurze Roman, er hat weniger als 200 Seiten, aus Bertrams Perspektive, so kommt er einem auch um einiges näher als Isolde. Beim Lesen habe ich mehr als einmal gedacht, ich würde ganz gerne auch Isoldes Sicht erfahren, aber dann wäre die Geschichte wohl eine andere geworden, und sie sollte eben so erzählt werden, wie man sie hier liest.
Bertram hat es nicht leicht, die Ehe der beiden ist schon länger ein Trauerspiel, Isolde verweigert körperliche Nähe, was Bertram mit Essen kompensiert, zum großen Teil heimlich. In Gegenwart von Isolde ist er sehr vorsichtig mit dem, was er sagt und tut, er scheint sogar Angst vor ihr beziehungsweise ihren Reaktionen zu haben.
Dass die beiden fast jeden Tag das Restaurantschiff aufsuchen, kann man als Leser:in nicht so ganz nachvollziehen, die Szenen dort werden immer absurder, und aus den Lautsprechern hört man jedes Mal das titelgebende Lied von 1968, gesungen von Peggy March.
Manchmal wusste ich wirklich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, man könnte den Roman vielleicht als voyeuristisches Vergnügen bezeichnen, der Humor hat peinliche Züge, man kann nicht wegsehen und leidet mit Bertram mit. Das Ende hätte ich mir anders gewünscht, aber das sollte wohl nicht sein.
Ich tippe mal, dass dieser Roman nicht für jede:n etwas ist, mich hat er allerdings erreicht, obwohl ich die beiden Hauptcharaktere am liebsten geschüttelt hätte. Ich wusste meistens nicht, ob ich lachen oder weinen soll, habe mit Bertram mitgelitten und bin froh, dass ich, mittlerweile leider verwitwet, keine solche Ehe führen musste, vielleicht ist das sogar die Moral von der Geschichte.
Rezensionen von gletscherwoelfchen:
Abenteuerlicher Romantasy-Auftakt
Nobody's Quest von Alyssa Day
Schon auf den ersten Blick macht Nobody's Quest einiges her. Die hochwertige Gestaltung mit den liebevollen Details und der insgesamt sehr edlen Aufmachung sorgt dafür, dass das Buch im Regal sofort ins Auge fällt. Umso schöner ist es, dass sich hinter der ansprechenden Optik auch eine Geschichte verbirgt, die Lust auf mehr macht und einen gelungenen Grundstein für die Reihe legt.
Der Einstieg gelingt angenehm leicht und führt Schritt für Schritt in eine Welt ein, die vor allem durch ihre Quests und das durchdachte Magiesystem ihren ganz eigenen Reiz entwickelt. Gerade diese Aufgaben haben mir während des Lesens besonders viel Spaß gemacht. Sie lockern die Handlung immer wieder auf, sorgen für Spannung und vermitteln das Gefühl, gemeinsam mit den Figuren immer tiefer in die Geheimnisse dieser Welt einzutauchen. Dadurch entsteht stellenweise fast ein Abenteuercharakter, der sich angenehm von vielen anderen Romantasy-Titeln abhebt.
Überhaupt gehört das Worldbuilding für mich zu den größten Stärken des Buches. Alyssa Day erschafft eine Welt, die interessant aufgebaut ist und nach und nach immer mehr Facetten offenbart. Dabei wird nicht jede Information sofort erklärt, sondern vieles ergibt sich erst im Verlauf der Handlung. Das hat mir gut gefallen, weil ich das Gefühl hatte, die Welt gemeinsam mit den Figuren zu entdecken. Gleichzeitig merkt man, dass hier noch einiges an Potenzial für die Folgebände vorhanden ist und längst nicht alle Fragen beantwortet wurden.
Mit den Figuren bin ich insgesamt ebenfalls gut zurechtgekommen. Die Protagonistin entwickelt sich im Laufe der Geschichte nachvollziehbar weiter und findet sich gemeinsam mit den Leserinnen und Lesern erst nach und nach in ihrer neuen Realität zurecht. Auch die Nebenfiguren machen neugierig auf die Fortsetzung und bringen ausreichend unterschiedliche Persönlichkeiten mit, um für Abwechslung zu sorgen.
Etwas zwiegespalten war ich dagegen bei der Romance. Grundsätzlich fügt sie sich stimmig in die Handlung ein. Gleichzeitig konnte mich die Liebesgeschichte emotional nicht immer vollständig erreichen. Hinzu kommt, dass ich persönlich auf den vorhandenen Spice gut hätte verzichten können. Für mich hätte die Geschichte auch ohne diese Szenen funktioniert, zumal sie der eigentlichen Handlung keinen entscheidenden Mehrwert verliehen haben.
Nichtsdestotrotz empfinde ich Nobody's Quest als einen gelungenen Reihenauftakt, der vor allem mit seinem spannenden Worldbuilding, den abwechslungsreichen Quests und einer Welt überzeugt, die noch viel Entdeckungspotenzial bereithält. Wer Romantasy mit Abenteuercharakter und einem gut durchdachten Weltenbau sucht, sollte sich dieses Buch definitiv näher ansehen.
4/5 Sterne
Rezensionen von gletscherwoelfchen:
Fantasy trifft auf Mystery für junge Leser
Ashfield Academy - Der Ruf des Wasserspeiers von Sophie Oldenstein
Als die Nicky an der Ashfield Academy aufgenommen wird, beginnt für sie nicht nur ein neuer Lebensabschnitt, sondern auch das Leben an einem Ort voller Regeln, Erwartungen und kleiner Geheimnisse. Zwischen Unterricht, neuen Bekanntschaften und den ersten rätselhaften Ereignissen wird schnell deutlich, dass an der Academy nicht alles so gewöhnlich ist, wie es zunächst scheint.
Doch gerade diese Mischung aus Internatsalltag und unterschwelligen Mystery-Elementen macht einen großen Teil des Reizes der Geschichte aus.
"Ashfield Academy" ist ein Jugendbuch, das sich angenehm leicht lesen lässt und dabei genau die Atmosphäre einfängt, die viele Leserinnen und Leser an Academy- bzw. Internatsgeschichten so schätzen. Alte Gebäude, neue Freundschaften und das Gefühl, plötzlich Teil einer ganz eigenen kleinen Welt zu sein, erzeugen schnell eine gewisse Vertrautheit. Gleichzeitig hatte ich beim Lesen aber auch das Gefühl, dass das Setting durchaus noch etwas mehr Raum hätte einnehmen dürfen. Gerade der Alltag sowie Unterricht an der Academy und das Zusammenleben der Schülerinnen und Schüler wären für mich mit die interessantesten Aspekte des Buches gewesen, weshalb ich mir hier stellenweise noch tiefere bzw. überhaupt Einblicke gewünscht hätte.
Ein großer Pluspunkt waren für mich die Figuren und insbesondere ihre Freundschaften. Die Beziehungen untereinander wirken natürlich und ungezwungen, kommen ganz ohne künstliche Dramen aus. Besonders schön fand ich außerdem die selbstverständliche Inklusion innerhalb der Geschichte. Gerade dieser Punkt sorgt dafür, dass sich die Welt der Ashfield Academy lebendig und authentisch anfühlt.
Die Mystery-Elemente fügen sich ebenfalls gut in die Handlung ein. Sie sorgen für Spannung und werfen immer wieder neue Fragen auf, übernehmen aber nie komplett die Kontrolle über die Geschichte. Wer einen hochkomplexen Fantasy- oder Mysteryroman erwartet, wird hier vermutlich nicht vollständig auf seine Kosten kommen. Für mich war die Dosierung allerdings genau richtig, da der Fokus weiterhin klar auf den Figuren und ihrem Alltag liegt.
Insgesamt ist Ashfield Academy ein gelungenes Jugendbuch mit sympathischen Figuren und einer angenehmen Mischung aus Fantasy und Mystery. Wer Geschichten rund um Academys und neue Freundschaften liebt und sich an einer nicht zu intensiven, aber dennoch atmosphärischen Handlung erfreuen kann, sollte sich dieses Buch definitiv näher ansehen. Ich persönlich hätte gerne noch etwas mehr Zeit im Alltag der Academy verbracht – und genau das ist vermutlich das beste Zeichen dafür, dass ich mich dort durchaus wohlgefühlt habe.
4/5 Sterne
Rezensionen von gabiliest:
Sehr spannend: Eine Leiche zum Hafengeburtstag
Tatort Hafen - Der Tote von Lagerhaus F von Kästner & Kästner
Die SPIEGEL Bestseller-Autoren Angélique und Andreas Kästner haben mit “Tatort Hafen –Der Tote von Lagerhaus F” den vierten Band ihrer “Wasserschutzpolizei Hamburg-Reihe” vorgelegt. Diesmal ist der Schauplatz der pulsierende Hafengeburtstag und daneben ein vergessener, heruntergekommener Platz: das Lagerhaus F im Moldauhafen.
Natürlich passt das Cover perfekt und nimmt sofort mit ins Geschehen.
Der Hafengeburtstag ist in vollem Gang und der leitende Wasserschutzpolizist Tom Bendixen hat alle Hände voll zu tun, um das Spektakel zu koordinieren und zu überwachen. Doch abseits des Rummels wird von drei jungen Leuten eine Leiche in einem Oldtimer entdeckt, der dem Reeder Viktor Blankenhagen gehört. Bei der Untersuchung des Falles stellt sich heraus, dass im Kofferraum auch das Blut einer jungen Frau gefunden wird, die vor zwanzig Jahren ermordet wurde. Für Tom Bendixen und Jonna Jacobi vom LKA deutet alles auf den Reeder als Täter hin. Doch es gibt einen Zeugen: den alten Säufer Henri, der auf einem vergammelten Schiff im Moldauhafen lebt. Aber Henri schweigt – auch diesmal, wie er das schon seit zwanzig Jahren tut. Auch die Rolle der drei jungen Leute ist unklar: Moritz, dessen Vater bereits verstorben ist, ist der Neffe des Reeders; Vanessas Vater hat den alten, bisher ungeklärten Mordfall untersucht und ihr Freund Finn hat den Oldtimer ins Lagerhaus F gefahren. Schwierige und langwierige Ermittlungen bringen keine Ergebnisse, auch wenn sich der Verdacht gegen Viktor immer weiter konkretisiert. Welche Spur ist brauchbar, welche führt ins Leere? Bringt die Lösung des Cold Case auch den aktuellen Mörder zur Strecke?
Angélique und Andreas Kästner haben wieder einen interessanten, spannenden und realitätsnahen Krimi geschrieben, der auch Landratten mitnimmt in die glitzernde und mondäne Atmosphäre des Hamburger Hafengeburtstags. Alles an diesem Krimi ist real – alle Polizeieinsätze, alle Funksprüche und auch das seltsame und gefährliche Verhalten mancher Teilnehmer an der Schiffsparade. Das Ehepaar Kästner weiß, wovon es schreibt, denn Andreas war bis vor einigen Jahren Hauptkommissar der Wasserschutzpolizei im Hamburger Hafen. Angélique wiederum kennt als Psychologin und Psychotherapeutin die menschliche Seele und ihre Abgründe nur zu gut. Beide haben unverwechselbare Charaktere mit Ecken und Kanten erschaffen, die nicht nur mit der Lösung der beiden Fälle zu tun haben, sondern deren Privatleben auch nicht immer geradlinig verläuft. In dieser Mischung aus True Crime und Fiktion führen die Autoren die Lesenden gekonnt und lustvoll in die Irre und präsentieren Verdächtige auf dem Serviertablett, sodass man glaubt, die Story durchschaut zu haben – nur um dann zu erkennen, dass man wieder einer falschen Spur aufgesessen ist.
“Tatort Hafen –Der Tote von Lagerhaus F” ist ein durchkomponierter, logisch und folgerichtig aufgebauter Kriminalroman. Ebenso einfallsreich wie detailreich wird man in ein kriminelles Geschehen verstrickt, das sofort großes Kopfkino auslöst. Besonders beeindruckend ist, wie viel Realität in diesem Krimi steckt – von der Schilderung der Polizeiarbeit bis zur” Pfanne der unwissenden Köche”, die die hungrigen Polizisten nach ihrer Schicht zubereiten. So darf man zwischendurch auch ein bisschen schmunzeln. Nur die Morde sind erfunden.
“Tatort Hafen –Der Tote von Lagerhaus F” ist ein absoluter Pageturner, den man am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Glücklicherweise ist auch Band fünf schon im Entstehen, daher sind Entzugserscheinungen von dieser gelungenen und spannenden Krimireihe nicht zu befürchten.
Rezensionen von praja:
ich fands mega
Death of a Witch von E. V. Woods
Grundlegend eigentlich ne geile Idee. Zwei verfeindete Hexenfamilien, schwindende Magie, alte Geheimnisse und dazu diese absolut geniale, düstere, herbstliche Atmosphäre. Im Grunde genau mein Ding! Vor allem das Setting und die ganze Idee hinter der Magie haben es mir echt angetan und auch die Dynamik zwischen Iris und August war grundsätzlich spannend.
So richtig rund hat es sich dann aber leider doch nicht angefühlt. Im Moment treffe ich immer wieder auf Bücher, die sich in der Mitte echt ziehen, und hier war das leider auch so. Vielleicht hab ich einfach mit Leseflauten-Symptomen zu kämpfen ... wer weiß. Aber dadurch hat irgendwie alles eher nur oberflächlich gut gewirkt. Mir haben Spannung, Hintergründe und ein bisschen mehr Figurentiefe gefehlt, to be honest. Man hätte da einfach noch ein bisschen mehr rausholen können.
AAAAAber die Atmosphäre war mega und die Idee wirklich, wirklich gut!!!! Vielleicht bin ich auch einfach zu anspruchsvoll geworden!
Aber lest es! Es war super!
Rezensionen von M:
Jedes Kind ist ein Künstler
Dieses Buch zeigt dir, wie’s geht : Kunst von Ruth Millington
Dieses Buch zeigt Dir wie‘s geht: Kunst, zeigt und erklärt Kindern und auch interessierten Erwachsenen tatsächlich wie Kunst geht. Am Anfang in der Einführung gibt es interessante Informationen zu Material und allgemeinen Fragen. Im Rest des Buchs ist jeweils eine Doppelseite einem Künstler, einer Künstlerin gewidmet.
Man erfährt ein wenig über den die KünstlerIn selber und sein ihr Leben und wird danach angehalten in der Art des Kunstschaffenden selber ein Kunstwerk zu schaffen. Dabei sind die Techniken ganz unterschiedlich, von Malen über Mosaik legen, Höhlenmalerei, Pop Art wird ganz unterschiedlich mit ganz unterschiedlichen Materialien gebastelt. Die Erklärungen dazu sind gut für Kinder zu verstehen und der Leser, die Leserin werden persönlich angesprochen. Die Illustrationen dazu sind interessant und vereinfachen das Verstehen der jeweiligen Technik. Schön, dass nicht nur die KünstlerInnen vertreten sind, die sowieso jeder kennt.
Rezensionen von bus:
Magie der Träume
Ms Atkins und die Bibliothek der Träume von Vanessa Göcking
"Eine berührende Geschichte über Freundschaft, Hoffnung und die Magie der Bücher – für alle, die sich nach einem Ort sehnen, an dem Träume bewahrt werden."
Dieser eine Satz ist schon sehr verlockend.
Aber das Buch selber ist ein kleines Highlight, die ganze Gestaltung inklusive Extras sind wunderschön.
Ms Amanda Eleonore Atkins, deren Tagesablauf stets gleichbleibend ist, freut sich immer auf den Freitag, den Tag, der sie in die Bibliothek führt!
Dort erhält sie eines Tages eine ganz besondere Eintrittskarte ... die ihr eine völlig neue Welt öffnet.
Wer möchte nicht auch dieses Juwel in der Hand halten und auf völlig andere Art in Geschichten und Träume, eintauchen...
Die vier Hauptcharaktere sind sehr unterschiedlich und kommen sich nach und nach näher. Sie alle haben ihr Päckchen zu tragen und werden mit ihren Erinnerungen, Ängsten und verlorenen Träumen konfrontiert.
Eine ungewöhnliche, aber sehr schöne Geschichte, die einen direkt mitnimmt. Die Autorin schafft es, dass man immer ein Bild vor Augen hat und hautnah dabei ist, was die Geschichte lebendig macht.
Wer Bücher liebt und die Magie spürt, die sie umgibt, der wird diese Geschichte lieben!!!
Rezensionen von Neluna:
Dürfte ruhig etwas lauter flüstern.
Silent Whispers – Wie Stimmen im Wind von Sophia Como
Silent Whispers von Sophia Como handelt von Giulia, die auf ihrer Wanderung durch die Wälder aufgrund eines Unfalls auf Scott trifft, der in der Nähe mit seiner Familie eine Farm bewirtschaftet. Er nimmt Giulia mit und diese beginnt allmählich auf der Farm mitzuhelfen. Giulia und Scott haben eine schwierige Vergangenheit und Vertrauen ist für beide ein Fremdwort.
Die Tatsache, dass beide Protagonisten mit den Dämonen der Vergangenheit kämpfen und eben nicht vom Glück verwöhnte Alleskönner sind, hat für mich den Lesereiz ausgemacht. Zumal die Geschichte ja auch noch eine Romanze versprach.
Leider konnte mich die Vergangenheitsbewältigung bzw. die aufkeimende Romanze nicht gänzlich überzeugen. Die Schicksale beider werden immer wieder angedeutet, wobei die von Scott irgendwie mehr Raum einnimmt. Giulias Geschichte lässt sich erahnen und wirkt bis zum Showdown eher schnell abgehandelt. Vielleicht wäre es besser gewesen, nur einem von beiden einen emotionalen Rucksack umzuhängen. So blieben beide Vergangenheiten an der Oberfläche und konnten mich nicht mitreißen. Irgendwie habe ich auch den Beginn der Romanze verpasst. Um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und dann den prickelnden Moment der Verliebtheit zu spüren, hätten die beiden meiner Meinung nach öfter miteinander konfrontiert werden müssen. So war Scott die meiste Zeit nicht da und wenn, dann war er grantig.
Während mich die Geschichte nicht zur Gänze abgeholt hat, konnte ich dem Schreibstil aber viel abgewinnen. Ich konnte mich dadurch gut auf die Handlung einlassen, wurde von der Ausarbeitung aber etwas verlassen. Solide, aber noch Luft nach oben.
Rezensionen von clematis:
Anna und Emilie
Die Walzerkönigin von Sina Beerwald
Anna und Emilie sind Freundinnen, bis sich herausstellt, dass beide den Walzerkönig Johann Strauss lieben, Anna als Ehefrau, Emilie als Mätresse. Aus Freundschaft wird Feindschaft, ein Riss geht durch die Familie des bekannten Komponisten und Kapellmeisters.
Sehr anschaulich verquickt Sina Beerwald historische Fakten und Fiktives zu einem überaus interessanten Roman, bei dem man tiefe Einblicke in das Leben der Familie Strauss bekommt.
Insbesondere die Ehefrau Anna erhält eine wichtige Rolle und ist – insbesondere für die Zeit im 19. Jahrhundert – durchaus modern und fortschrittlich und bietet ihrem Gatten nicht nur einmal die Stirn. Aber auch die Geliebte, Emilie, und Johanns Schwester Ernestine, sowie die Kinder der beiden Frauen, werden sehr detailliert charakterisiert und geben ein lebendiges Bild ab vor der Kulisse des geschichtsträchtigen Wien. Selbstverständlich kommt auch die schwierige Beziehung zwischen Johann Strauss Vater und Sohn nicht zu kurz, sowie bestens recherchierte Details zur Musik der beiden Talente. Abgesehen vom Wort „lecker“, welches man damals in Wien wahrscheinlich nicht verwendet hat, ist auch der Schreibstil sehr ansprechend und setzt das Geschehen schön in Szene.
Mit hat dieser an die Realität angenäherte Roman sehr gut gefallen, die Erzählersicht wechselt gekonnt mit Tagebucheinträgen ab, wodurch die einzelnen Blickwinkel ausgewogen dargestellt werden. Empfehlung!
Rezensionen von carola1475:
Unbedingt lesenswerter tragikomischer Roman um Alkoholsucht
Im falschen Film von Wiebke Lorenz
Niemand wird Nora wirklich glauben, wenn sie von der Entführung erzählt, den vier Tagen Gefangenschaft in einem Keller mit leckerem Büfett, aber ausschließlich alkoholischen Getränken. Die seit drei Jahren trockene Alkoholikerin, Schauspielerin und Mutter hängt nach der Freilassung wieder an der Flasche, ausgerechnet jetzt, da Dreharbeiten anstehen und der Sorgerechtsstreit um die Kinder zu eskalieren droht.
Nora findet Hilfe bei Renate aus der damaligen Selbsthilfegruppe und ist entschlossen, herauszufinden, wer ihr das angetan hat.
Wiebke Lorenz schreibt aus Noras Ich-Perspektive, so dass ich ihre Gedanken und Gefühle teile, was mich oft sehr berührt hat. Die Protagonistin ist sehr selbstsicher und erscheint dadurch gelegentlich arrogant, will am liebsten alles allein schaffen, aber braucht beim Kampf gegen die Sucht nun doch Hilfe.
Der Schreibstil ist humorvoll auch durch Noras Selbstironie, locker, aber gleichzeitig eindringlich und macht Nora zu einer authentischen Figur, die ehrlich den Alltag einer Alkoholikerin beschreibt und deutlich Kritik übt an der Gesellschaft, in der man sich einerseits für Abstinenz rechtfertigen muss und andererseits oft als charakterschwach und „selber schuld“ gilt, wenn man alkoholabhängig wird.
Aus Anmerkungen und der Danksagung der Autorin geht hervor, dass sie zumindest familiär Erfahrungen mit Sucht hat, Wiebke Lorenz engagiert sich gegen den Konsum von Alkohol und die Stigmatisierung von Alkoholabhängigen. Ihre Protagonistin macht sehr klar, dass Alkoholiker eben keine Wahl haben.
Mit den glaubhaft beschriebenen Nebenfiguren kommt es zu unterhaltsamen Dialogen und tragikomische Szenen, nur David finde ich fast 'zu gut, um wahr zu sein', aber er ist natürlich wichtig als Rettungsring für Nora, er bewahrt sie vor dem Untergang, als ihr ihr Leben immer mehr entgleitet. Und er hilft ihr bei ihrem Versuch, den Verursacher ihrer Situation zu finden.
Es ist eher Zufall als Ermittlungserfolg, dass Nora letztendlich herausfindet, wer für die Entführung und die Folgen verantwortlich ist. Die Geschichte ist unterhaltsam, aber am meisten gepackt hat mich die fundierten Aufklärung über die Krankheit Alkoholsucht, die ich jetzt viel besser verstehe als vor 'Voll im falschen Film'.
Gut gefällt mir auch das farblich gelungene, zur Geschichte passende Cover, das sowohl eindeutig ist als auch neugierig macht.











