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Fast ein Leben

Fast ein Leben

Autor*in: Kiran Millwood Hargrave

Übersetzt von: Andrea Stumpf; Gabriele Werbeck
Deutsch
2026 - Kein & Aber

Hardcover

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Inhalt

Kurztext
»Der packendste Liebesroman seit 'Zwei an einem Tag'.«STYLIST

Textauszug

»Aber dieses einzigartige Ganze, meine persönlichen Erfahrungen mit ihrer Folgerichtigkeit und ihren Zufällen [__...__], all die Dinge, von denen ich erzählt habe, andere, die ich verschwiegen habe - das alles wird niemals wiederauferstehen.« - Simone de Beauvoir


TEIL EINS

1978__-__1979

»Die Liebe auf den ersten Blick wird immer in der einfachen Vergangenheit ausgesprochen. [__...__] Das Bild verträgt sich gut mit dieser temporalen Illusion: deutlich, überraschend, sauber gerahmt, ist es bereits (noch, immer nur) Erinnerung (das Wesen der Fotografie besteht nicht darin darzustellen, sondern wieder in Erinnerung zu rufen) [__...__] die[se] Szene hat [die] Großartigkeit [eines Zufalls]: ich erstaune unaufhörlich, die Gelegenheit gehabt zu haben: dem begegnet zu sein, der meinem Verlangen entgegenkommt ...«

Aus: Fragmente einer Sprache der Liebe von Roland Barthes

Kapitel eins

Sie begegneten sich auf den Stufen von Sacré-Coeur unter einem Himmel von einem so intensiven und gleichmäßigen Blau, so makellos, dass man meinen konnte, ein Maler habe den Horizont lichtblau überpinselt, ohne jede Schattierung oder Schliere und dennoch zweifelsohne eine Übermalung. Vielleicht erschien er auch nur so blau gegen die Kuppeln von Sacré-Coeur, die ebenfalls wie arrangiert wirkten, Scherenschnitte aus jungfräulich weißem Papier, die auf den perfekten Himmelsgrund gelegt worden waren.

Laure saß auf der linken Treppe, sie las und rauchte, die langen Beine hatte sie vor sich ausgestreckt, die vorzeitig ergrauenden Haare fielen ihr in das schmale Gesicht. Erica kam näher, der Aufstieg über die kopfsteingepflasterten Gassen von Montmartre hatte sie ins Schwitzen gebracht, ihr Polyesterrock mit dem großen Blumenmuster warf Falten und klebte an ihren Oberschenkeln. Sie schwört, es sei die rechte Treppe gewesen, in ihrer Erinnerung hat sie sich nach links gedreht, um hinauf zu der sich scharf gegen den Himmel abzeichnenden Kuppel zu blicken. Rauch in ihren Augen, ein unwillkürlicher Anflug von Gereiztheit, die ihr in Paris nicht guttat. Jede von ihnen erinnert sich anders daran, aber in einem sind sie sich einig: Es war Erica, die zuerst lächelte und sagte -

***

»Bonjour.«

Selbst an ihren besten Tagen lächelte Laure kaum. Sie war verkatert, und der Fußmarsch zu diesem Leseplätzchen in der brütenden Julihitze war eine Strafe, von der sie sich erst wieder erholen musste, ein Bußgang für die Sünden der vergangenen Nacht. Sie hatte nicht erwartet, einem Engel auf den Stufen der Basilika zu begegnen, wo sie nichts weiter hatte tun wollen als lesen, Leute beobachten und sich im Stillen über die Touristen aufregen, die in Scharen in ihre Stadt einfielen. Doch als sie den Kopf hob, stand dieses unglaublich schöne Mädchen vor ihr. Lange kastanienbraune Haare, gebräunte Haut, die weit auseinanderstehenden Augen mit dem misstrauischen Blick eines scheuen Rehs erinnerten an Marie Laforêt. Rasch und ohne sich dessen bewusst zu sein, fällte Laure ihr Urteil. Eigentlich bestand sie darauf, dass sie keinen großen Wert auf Äußerlichkeiten legte. Alles an ihr sollte das unterstreichen, von dem Männerhemd bis zu der zu kurzen grauen Hose. Ihre strähnigen Haare rochen nach Bier und Rauch, und dennoch fiel ihr die Nervosität im Gesicht des Mädchens auf, als sie es noch einmal versuchte, mit stärkerem Akzent, vorsichtiger, und ihr war klar, dass diese Touristin gerade das erlebte, was Michel als ihr ravissement bezeichnete, Laures starke und ein wenig furchterregende Ausstrahlung, wie bei einem Wolf, der ein Beutetier in die Enge trieb.

»Bonjour.«

»Hi.«

»Je m'appelle Erica.«

L

Hauptbeschreibung

Laure ist Doktorandin an der Sorbonne in Paris - selbstbewusst, charmant und rebellisch. Erica, die noch versucht herauszufinden, wer sie ist, entscheidet sich für einen Auslandsaufenthalt in Frankreich. Schon bei der ersten Begegnung vor Sacré-Coeur springt der Funke über, und die beiden beginnen eine Affäre, geprägt von Eifersucht und Anziehung.

Der Sommer vergeht, Erica und Laure verlieren sich aus den Augen, doch die Erinnerung an die gemeinsame Zeit bleibt und führt die beiden über vier Jahrzehnte hinweg immer wieder zueinander. Erica geht zurück nach England, heiratet, wird Mutter und ringt mit einer Schreibblockade, während Laure mit politischen Umbrüchen und persönlichen Herausforderungen zu kämpfen hat. Mit jeder erneuten Begegnung müssen sich die beiden Frauen die Frage stellen, ob sie sich damals richtig entschieden haben. Eine Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten.

Autor*in

Kiran Millwood Hargrave ist eine mehrfach ausgezeichnete Sunday Times-Bestsellerautorin von elf Büchern für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihre Werke wurden in über dreißig Sprachen übersetzt, und Theater- sowie Filmadaptionen sind in Planung. Fast ein Leben ist ihr erster Roman, der bei Kein & Aber erscheint. Kiran Millwood Hargrave lebt mit ihrer Familie in Oxford.

Andrea Stumpf studierte Germanistik und Philosophie. Sie lebt als freie Übersetzerin in München. Zu den von ihr übersetzten Autorinnen und Autoren zählen neben Nicola Upson u._a. Jessica Anthony, Annie Proulx, David Graeber und Louise Penny.

Gabriele Werbeck hat Amerikanistik und Germanistik studiert. Sie lebt und arbeitet als freie Lektorin und Übersetzerin von literarischen und wissenschaftlichen Texten in München. Sie ist u.a. die Übersetzerin von Nicola Upson, Jessica Anthony und Louise Penny.

Buchdetails

Titel: Fast ein Leben
Untertitel:Übersetzt von: Andrea Stumpf; Gabriele Werbeck
Verlag: Kein & Aber
Erscheinungsjahr:2026
Sprache:Deutsch
576 Seiten
30 mm x 130 mm
ISBN-13: 978-3-0369-5090-7

Produktsicherheit

Hersteller: Kein & Aber AG
Bäckerstrasse 52, 8004 Zürich CH
E-Mail: berlin@keinundaber.deHersteller: Kein & Aber Verlag
Bäckerstrasse 52, 8004 Zürich CHWürttembergallee 12, 14052 Berlin DE
E-Mail: berlin@keinundaber.de

Hardcover

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