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Rezensionen von peedee:
Es hätten mehr Seiten sein sollen
Randulina von Jürg Wirth
Ida Spinnler ist 1924 in Italien zur Welt gekommen. Ihre Eltern aus dem Engadin waren sogenannte „Randulins“, also Schwalben, die nach dem Ersten Weltkrieg ins Ausland emigrierten. In Piacenza wachsen Ida und ihre Geschwister auf, in den Ferien geht es zurück in das Haus der Grosseltern in Lavin.
Ida ist mittlerweile über hundert Jahre alt und lebt seit über dreissig Jahren in Lavin, in Graubünden. Sie erzählt aus ihrem Leben, der Familiengründung, den Umzügen, ihren Berufen und auch über ihren Ein- und Auszug aus dem Altersheim.
Erster Eindruck: Eine sympathisch lächelnde Ida Spinnler auf dem Cover – das gefällt mir gut.
Als ich das Cover gesehen und den Buchtitel gelesen habe, musste ich einfach zu diesem Buch greifen. Ich wusste zwar nicht, was „Randulina“ bedeutete – ich dachte, das sei Idas Spitzname –, aber der Begriff wurde sodann gleich erklärt.
Wenn jemand über hundert Jahre alt ist, hat er/sie viel erlebt, und im wahrsten Sinne gute und schlechte Zeiten durchgemacht. Ida erzählt aus ihrer Kindheit, der Schulzeit in Piacenza, Italien, und den Ferien im grosselterlichen Haus in Lavin, Schweiz. Wenn ich nur las, wie beschwerlich die Reise seinerzeit war, war ich schon müde. Ja, es waren damals definitiv andere Zeiten!
Mit ihrem späteren Mann Rolf, einem Künstler, hat sie mehrfach den Wohnort gewechselt und auch eine Familie gegründet. Sie selbst hat mehrere Berufe ausgeübt, am längsten wohl den als Lehrerin. Erstaunlicherweise kam es in den 1960er Jahren zur Scheidung, was Ida eigentlich nie gewollt hatte, aber das Zusammenleben mit ihrem Mann war nicht mehr möglich. Eine geschiedene Frau mit drei kleinen Kindern… keine einfache Situation.
Am Ende des Buches gibt es ein Glossar; es wäre hilfreich, einen Vermerk vorne (ausserhalb des Inhaltsverzeichnisses) anzubringen, denn Nicht-Schweizer:innen könnten ansonsten gewisse Verständnisprobleme haben. Das Buch ist leider nur ein Büchlein mit 140 Seiten, das ist schade. Ein Leben, das bereits über hundert Jahre andauert, hätte auf mehr Seiten erzählt werden sollen. Mir war der Sprung von ihrer Scheidung zur Gegenwart zu abrupt; ich hätte gerne noch mehr über jene Zeit erfahren. Es gab sehr viele Namen und Verbindungen, die Fremden wenig sagen werden, aber halt zu der Geschichte gehören. Die Erzählungen und die Fotos haben mir gut gefallen – 3 Sterne.
Guter Reiheneinstieg
The Season of Us - Winterträume in Pinewood Creek von Jana Schäfer
Hazel wurde von ihrem Ex-Freund betrogen, und zwar mit ihrer Chefin! Sie sieht keine Möglichkeit mehr, in der Konditorei weiterzuarbeiten und kündigt. Die Anfrage ihrer Grosstante Ginger, ob sie ihr in der Vorweihnachtszeit in ihrem Feinkostladen in Pinewood Creek aushelfen könnte, kommt wie gerufen.
Ein Ortswechsel ist genau das, was sie jetzt braucht. Aber Grady, Gingers einziger Mitarbeiter, macht ihr den Einstieg nicht leicht, denn er ist mürrisch, wortkarg und von Weihnachten wenig begeistert. Das kann ja was werden…
Erster Eindruck: Das Cover ist bunt, auffällig; es entspricht nicht ganz meinem Geschmack. Aktuell scheint es zudem in zu sein, deutsche Bücher mit englischen Titeln zu versehen – das mag ich leider nicht.
Die Geschichte wird abwechslungsweise aus der Sicht von Hazel und von Grady erzählt. Hazel freut sich auf die Herausforderung, eine Zeit lang in Pinewood Creek zu leben und arbeiten. Während dieser Zeit kann sie sich Gedanken über ihre Zukunft machen. Der Betrug ihres Ex-Freundes macht ihr nach wie vor schwer zu schaffen. Wie konnte sie das nicht sehen? Eigentlich direkt vor ihren Augen? Doch sie will sich auf die Gegenwart konzentrieren. Und dazu gehört neuerdings Grady. Er macht seinem Spitznamen „Grumpy Grady“, den Hazel ihm gleich zu Beginn gegeben hat, alle Ehre: Er wirkt unnahbar und ist sehr in seinen Routinen behaftet, zudem ist er wenig an Weihnachten interessiert, was Hazel selbstverständlich herausfordert.
Mir haben die Protagonisten sehr gut gefallen: Da wir Gradys Seite miterleben, wissen wir, dass auch Männer mit Ängsten und Selbstzweifeln zu kämpfen haben. Seine unnahbare Art ist eine Mauer, mit der er sein Herz zu schützen versucht. Hazel hat etwas sehr Gewinnendes und Überwältigendes an sich, so dass sein Schutzwall Risse bekommt. Jeder Leserin wird klar sein, dass sich die beiden näherkommen, was jedoch nicht ohne Schwierigkeiten von sich geht. Die Freundschaft von Grady und Lucas hat mir ebenfalls sehr gefallen.
Ich mag ja Kleinstadtromane à la „Gilmore Girls“ oder „Virgin River“ sehr gerne und ich sage es geradeheraus: Ich bin ein klein-wenig-fast-gar-nicht-spürbar reihenanfällig! Das vorliegende Buch hat sich flüssig lesen lassen und ist prädestiniert dazu, eine Reihe zu werden. Beim nächsten Band bin ich wieder mit dabei. Falls es für die Autorin noch nicht klar wäre, welches Paar die Hauptrolle spielen könnte, hier mein Tipp: Lucas und Roxy. Von mir gibt es 4 Sterne.
Wiederum 5 Sterne
Temptation Trails von Claire Kingsley
Die Haven Brothers, Band 3: Garrett Haven ist Deputy mit Leib und Seele. Aber in erster Linie ist er alleinerziehender Vater. Nachdem seine Ehe zerbrochen ist, will er von Frauen nichts wissen; er muss sein Herz schützen. Aber seine verkupplungsfreudige Tante Louise hat ganz andere Pläne für ihn. Harper Tilburn übernimmt die Konditorei ihrer Tante und freut sich auf einen Neuanfang in der Kleinstadt ohne Beziehungsstress.
Die erste Begegnung mit Garrett ist jedoch regelrecht magisch. Aber sie glaubt nicht an ihr Glück in Liebesdingen, ebenso wenig wie Garrett. Ein Cold Case fordert seine volle Aufmerksamkeit – erst recht, als Harper ins Visier gerät…
Erster Eindruck: Das Cover gefällt mir sehr gut. Aktuell scheint es in zu sein, deutsche Bücher mit englischen Titeln zu versehen – das mag ich jedoch nicht.
Dies ist Band 3 der Reihe, kann aber unabhängig vom Vorgängerband gelesen werden. Ich mag die Havens und bin seit Band 1 begeistert dabei.
Garrett wurde von seiner überzeugungskräftigen Tante Louise zu einem Date mit einer gewissen Harper überredet. Louise sollte es einfach akzeptieren, dass er nicht daten will. Aber er selbst sollte akzeptieren, dass das nicht passieren wird. Zu seinem Glück wird er durch einen kurzfristigen polizeilichen Einsatz daran gehindert, zum Date zu gehen.
Als Deputy hat man eine gewisse Vorbildfunktion, insbesondere in einer Kleinstadt, wo jeder jeden kennt. Garrett ist wenig erfreut, dass sein vierzehnjähriger Sohn Owen in der „Angel Cakes Bakery“ ein paar Dinge mitgehen liess. Sie werden bei der Inhaberin Doris vorstellig, damit Owen sich entschuldigt und die Wiedergutmachung besprochen werden kann. Garrett hat nicht mitbekommen, dass die Konditorei neu von Doris‘ Nichte geführt wird: Harper. Ja genau, DIE Harper! Ein peinliches und zugleich magisches Treffen. Harper macht sich jedoch aufgrund ihres Spiegelfluchs, der noch ein paar Monate andauern wird, keine Hoffnung. Oder nur eine ganz kleine Hoffnung…
Es war lesetechnisch wieder ein gelungener Ausflug nach Tilikum: Aberglaube, Familie, Liebe, Freundschaft, Cold Case, Spannung… und selbstverständlich Eichhörnchen. Wie bitte? Ja, die Eichhörnchen und die Eichhörnchen-Schutztruppe sind in Tilikum sehr wichtig. 493 Seiten waren schnell ausgelesen; ich freue mich, dass noch weitere Bände rund um die Havens folgen. Von mir gibt es erneut 5 Sterne.
Zerrissenheit und Hoffnung
Hoffnung leuchtet wie ein Stern von Elisabeth Büchle
Timea hat als Fotografin einen guten Blick für Äusserlichkeiten. Aber für das Innere, ihr eigenes Seelenleben, scheint sie blind, völlig zerrissen. Um den Schmerz zu betäuben, macht sie waghalsige Freizeitaktivitäten. Als sie Job und Wohnung verliert und von einem Erbe in Grönland erfährt, reist sie kurzerhand hin.
Mads, der dänische Kurator, arbeitet an einer Ausstellung zur Herrnhuter Mission und hat Timea mitgeteilt, dass sie eine alte Kiste mit Briefen eines einstigen Missionskindes, das von Grönland nach Deutschland geschickt wurde, geerbt hat. Timea spürt gleich eine tiefe Verbundenheit mit der Vorfahrin – und auch mit Mads…
Erster Eindruck: Ein stimmungsvolles Cover, ein wunderbarer Buchtitel – beides gefällt mir sehr gut.
Die Geschichte spielt in der Gegenwart, aber durch die gefundenen Briefe reist man weit in die Vergangenheit eines einstigen Missionskindes, Phillipine, und zwar beginnend 1835.
Timea trägt tiefe innere Verletzungen mit sich herum; sie hat sich eine raue Schale als Schutzpanzer zugelegt und reagiert auf einzelne Menschen regelrecht schroff. Sie schafft es nicht, sich diesen Menschen zu öffnen und von ihrer Zerrissenheit zu erzählen. Die Reise nach Grönland bewegt etwas in ihr; die Eisberge auf Grönland sind Abbild ihrer seelischen Eisberge. Mads wollte Timea eigentlich nicht mögen, aber sie hat etwas an sich, was ihn sehr berührt.
Phillipine musste, wie so viele Missionskinder, die Familie verlassen, um in einer ausländischen Erziehungsanstalt zu leben und ausgebildet zu werden. Es hat mich sehr betroffen gemacht, mir vorzustellen, dass kleine Kinder im Alter von 5 – 7 Jahren von zu Hause weg mussten und oftmals nur einmal pro Jahr einen Brief der Familie erhielten. Und manchmal haben sie die Eltern erst wieder gesehen, wenn die Schulzeit zu Ende war! Die Briefe von Phillipine an ihre Herzensschwester Pipaluk waren sehr berührend und handelten von einer enormen Sehnsucht nach Grönland.
Das Buch hat sich flüssig lesen lassen, war sehr ruhig, lebte von der Beschreibung der Landschaft und den Briefen aus der Vergangenheit. Die Einblicke in die Herrnhuter Mission und die Erläuterungen zum Herrnhuter-Stern fand ich sehr interessant. Von den Protagonisten hat mir am besten Naja gefallen, auch wenn sie nur eine Nebendarstellerin war. Sie hat Mads immer wieder stoffelig genannt, da er manchmal einfach nicht in die Pötte kommt. In puncto Timea hat sie nämlich schnell erkannt, dass sie und Mads gut zusammenpassen würden. Wie Timea zum erwähnten Erbe kam, habe ich nicht ganz nachvollziehen können. Aufgerundete 4 Sterne.
Lange 560 Seiten
Wie ein Fluss in der Nacht von Tana French
Cal Hooper, Band 3: Es herrscht grosse Aufregung im irischen Ardnakelty, denn Rachel Holohan, Freundin des Sohnes des lokalen Grossgrundbesitzers, ist verschwunden. Das Dorf macht sich auf die Suche, so auch Ex-Cop Cal Hooper. Als Zugezogener aus Chicago kennt und fürchtet er die uralten Verbindungen im Ort nicht – seine Verlobte Lena und seine Ziehtochter Trey jedoch schon.
Die privaten Ermittlungen von Cal, Lena und Trey bleiben nicht lange unbemerkt…
Erster Eindruck: Das Cover des Schutzumschlages gefällt mir (wobei ich jedoch keine Schutzumschläge mag).
Dies ist Band 3 der Reihe; für mich aber die erste Begegnung mit Cal Hooper und Co.
Cal Hooper hat vor ein paar Jahren seinen Job als Cop in Chicago aufgegeben und ist nach Ardnakelty gezogen. Was er nun mit seiner freien Zeit macht? Tischlern und den Bewohner des Ortes helfen, wenn seine Hilfe gefragt ist. Und da sind ja auch noch seine Freundin Lena und Ziehtochter Trey. Aber wie heisst es so schön? „Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.“ Rachel, die junge Freundin von Eugene Moynihan, hat etwas erfahren, das für den Ort gefährlich sein würde. Was genau, hat sie niemanden gesagt. Dann ist sie verschwunden und die Gerüchteküche brodelt – plötzlich scheinen alle genau zu wissen, was passiert ist. Eine Sensation überbietet die nächste. Interessant, solange man selbst nicht Zentrum der Gerüchte ist. Was hat der selbsternannte King von Ardnakelty, der Grossgrundbesitzer Thommy Moynihan, mit allem zu tun? Es kommt zu diversen Zwischenfällen im Dorf – bricht nun alles auseinander?
Dies war für mich nicht nur das erste Buch dieser Reihe, sondern überhaupt das erste Buch der Autorin. Ich hatte sehr lange Mühe, in die Geschichte hineinzufinden (bis über die Hälfte des Buches), denn ich konnte nicht genau nachvollziehen, wie die Dorfbewohner ticken, weshalb mir die Beziehung zu Lena so distanziert vorkam oder auch wie Cal zu seiner Ziehtochter Trey gekommen ist. Dafür wäre es wohl hilfreich gewesen, die Bände 1 und 2 zu kennen. So blieb für mich alles irgendwie in der Schwebe. Als spannend oder atmosphärisch empfand ich das Buch auch nicht wirklich; die 560 Seiten haben sich ziemlich gezogen. Aufgrund der auf dem Buch aufgedruckten Vorschusslorbeeren „Gekürt zu einem der besten Bücher 2026 von der New York Times, der Financial Times und der Washington Post“ hatte ich hohe Erwartungen. Leider wurden diese nicht erfüllt und daher gibt es von mir nur 2 Sterne, schade.
Bin schwer beeindruckt
Im Rollstuhl um die Welt von Nora Welsch
Nora Welsch sitzt aufgrund einer Muskelerkrankung im Rollstuhl und ist auf eine 24-Stunden-Assistenz angewiesen. Sie kann nicht mal eben so schnell irgendwohin, alles muss genau geplant werden. Auf ihren Plan, eine Weltreise zu machen, reagieren viele ablehnend. Aber Nora organisiert sich neun Assistenzpersonen, die sie unterschiedlich lang auf ihren Etappen begleiten werden.
Die Reise lockt mit Freiheit und zwingt sie aus ihrer Komfortzone, doch sie ist zu allem bereit. Als Dreierteam geht es nach Kenia, Dubai, Oman, Ägypten, Japan und noch viel weiter. Es läuft nicht alles nach Plan – das wäre ja zu schön gewesen…
Erster Eindruck: Die sympathische Autorin auf dem Cover, in der Mitte des Buches ein grösserer Bildteil – sehr schön.
Ich selbst bin nicht so die grosse Abenteurerin; ich bin nicht der Typ für Backpacking-around-the-World, aber lesetechnisch reise ich gerne überall hin mit. Allein die Inhaltsbeschreibung hat mich schon beeindruckt: Mit einer solchen Beeinträchtigung so etwas wagen – Chapeau! Es hat sehr viele Momente gegeben, die mich sehr beeindruckt oder berührt haben. Diese vollständige Abhängigkeit von anderen Menschen stelle ich mir sehr schwer vor. Nora weiss, dass sie das nicht ändern kann, aber dennoch ist es für sie nicht immer im gleichen Masse einfach, dies anzunehmen. Sie reist stets mit einem Mann und einer Frau als Assistenzen. Weshalb? Nun, der Mann muss Nora des Öfteren tragen, was eine Frau in der Regel nicht so kann.
Ein kenianisches Sprichwort auf Deutsch übersetzt heisst „Das Feuerholz holen“. Das bedeutet, dass man sich auf das konzentrieren soll, was man machen will. Neudeutsch quasi „Prokrastiniere nicht“. Das hat mir sehr gefallen.
Die Weltreise erfolgte in zwei Etappen. Als sie nach der ersten Etappe zurück nach Heidelberg kommt, kann sie endlich die Kontrolle abgeben, da ihre Eltern in dieser Zeit für sie sorgen werden. Sie kennen ihre Bedürfnisse aufs Beste und Nora merkt, welche Last von ihr abfällt. Die Zeit in Deutschland ist jedoch vom Dengue-Fieber überschattet. Dengue-Fieber? In Deutschland? Ja, das hat sie als „Souvenir“ von Thailand mitgebracht und beutelt sie stark. Nach ihrer Genesung und Neuplanung der weiteren Reise geht es auf die zweite Etappe.
„Jeder Mensch hat seine Limitationen und seine Geschichte.“ Wohl wahr!
Das Buch hat mir unwahrscheinlich viele Einblicke gegeben, sei es in die verschiedenen Reiseziele und deren Kulturen, aber auch, mit welchen Herausforderungen das Reisen im Rollstuhl daherkommt. Nicht überall bedeutet „barrierefrei“ auch das, was man sich landläufig darunter vorstellt. Nora weist beim Buchen einer Unterkunft vorgängig stets darauf hin, dass sie im Rollstuhl sitzt, was grundsätzlich „no problem“ ist, aber dann tauchen vor der Unterkunft „plötzlich“ zig Stufen auf – nun ist es eben doch ein Problem! Wie einleitend erwähnt, bin ich nicht die Abenteurerin und daher bewundere ich ihren Mut gleich doppelt. Vielen Dank für diese persönlichen Einblicke! Von mir gibt es 5 Sterne.
Leider nicht meins, schade
Irgendwann verglüht die Sonne von Andrea Profetto
Teenager Carla und ihre Schwester Nora haben sich nicht viel zu sagen. Auch ihrer Mutter Monika nicht. Oder ihrem Stiefvater Matthias. Irgendwie spricht niemand. Und doch ist greifbar, dass etwas in dieser Familie überhaupt nicht stimmt. Was genau es ist, will niemand benennen. Solange niemand etwas sagt, ist schliesslich auch nichts.
Oder doch?
Erster Eindruck: Das Cover des Schutzumschlages (ich mag keine Schutzumschläge) ist durch seine Farbe und die plakative Schrift sehr auffällig.
Es sind vier Personen, wovon die Leser:innen aus der Sicht von drei Personen, den Frauen der Familie, mehr erfahren:
- Monika: Einerseits findet sie ihre Aufgabe als Hausfrau gut, andererseits eben doch auch nicht. Und Matthias findet sie gut, aber ihren Ex, den Vater ihrer Kinder, findet sie nach wie vor deutlich besser. Aber Matthias kümmert sich um sie. Und daher bleibt sie mit ihm zusammen? Manchmal überwiegt bei ihr das Selbstmitleid.
- Nora: Sie isst nichts; macht, was sie will; bleibt von zu Hause weg, wie es ihr gerade passt. Sie hat ganz offenbar Probleme – wie auch ihre Mutter und Schwester –, versucht aber, diese „auszusitzen“. Irgendwie lösen sie sich von selbst. Oder eben nicht. Sie sucht Nähe, lässt sie aber nicht zu.
- Carla: Sie scheint – wie ihre Schwester – auch auf verlorenem Posten. Sie weiss nicht, was sie fühlen soll. Sie mag Mädchen. Irgendwie mehr als Jungs. Aber darf das sein? Sie ist sich noch nicht sicher. Eigentlich würde sie sich gerne Nora anvertrauen. Aber dann doch auch wieder nicht.
Ich dachte immer nur „Sprecht doch endlich miteinander!“ Aber nein, niemand wollte auf mich hören. Ich weiss nicht, was ich von diesem Buch halten soll. Es war bedrückend, richtiggehend deprimierend, alle blieben zu lange Zeit passiv. Dieses Ausharren hat mich sprachlos und zugleich wütend gemacht. War DAS die Absicht der Autorin? Mir hat das Buch leider nicht so gut gefallen, schade. Von mir gibt es daher nur 2 Sterne.
Ein düsterer Thriller
Weißer Rausch von Anu Ojala
Lappland-Trilogie, Band 1: Kommissarin Ronja Jentzsch von der Polizei Lappland ist erschöpft – bis tief in die Knochen. Nicht nur die Arbeit mit den vielen Überstunden fordert ihren Tribut, sondern auch die privaten Probleme mit ihrer Mutter. Diese Probleme muss sie hintan stellen, denn die Verbrecher im finnisch-schwedischen Grenzgebiet schlafen nicht: Ein Mann wird mit einer Nagelpistole getötet, eine polizeibekannte Frau gefoltert und erschossen, eine Drogenparty verlassen nicht alle lebend.
Die Vorfälle scheinen irgendwie zusammenzuhängen. Was hat Kristian, ein Zöllner, damit zu tun? Und weswegen ist plötzlich der Geheimdienst involviert?
Erster Eindruck: Das Cover und insbesondere die Haptik (Buchstaben und „Eisspuren“) gefallen mir sehr gut.
Ronjas Partner Janne ist auf einer Fortbildung, daher ist sie mit Toni bei einem Einsatz. Dieser läuft jedoch aus dem Ruder und Toni wird verletzt. Als Janne davon erfährt, bricht er seine Fortbildung ab, um Ronja und die Kollegen vor Ort unterstützen zu können. Wenn ein Polizist bei einem Einsatz lebensgefährlich verletzt wird, hat das auch immer Auswirkungen auf die Kollegen, die dabei waren. Die Gefahr ist Teil ihres Jobs und gerade deshalb müssen sie immer 100% geben und achtsam sein. Die Polizei findet einen jungen Mann, dem zuerst in die Knie geschossen und sodann getötet wurde. Seine Eltern wurden im Haus an den Tisch genagelt. Wie bitte? Ja, genau! Huch, das ging gleich deftig los! Im zweiten Erzählstrang geht es um Kristian, einen jungen Zollbeamten, der grosse private Probleme hat, sich aber niemanden anvertrauen kann.
Demenz, Drogen, Gier und häusliche Gewalt sind einige der behandelten Stichworte. Häusliche Gewalt für einmal von der weniger bekannten Seite, denn die Frau misshandelt ihren Mann! Schlimm! Wenn ich mir nur vorstelle, wie ein fast zwei Meter grosser Mann von seiner Frau immer und immer wieder Schläge, Tritte, Demütigungen einkassiert und sich nicht wehren kann… nicht wehren darf, denn Aussenstehende würden nicht verstehen, dass seine kleine Frau zu solcher Gewalt fähig sein würde. So erduldet er alles, da er seine kleine Tochter um jeden Preis schützen muss. Tragisch!
„Und dann, irgendwann, fiel der erste Schlag. Seitdem stand die Tür zur Hölle weit offen.“
Fazit: Ein düsterer Thriller, der viele für mich erbarmungslose Bilder vor meinem inneren Auge entstehen liess. Auch wenn die für mich ungewohnten skandinavischen Namen der Protagonisten etwas schwierig waren, hat sich das Buch flüssig lesen lassen und ich war auf die Auflösung gespannt. Von mir gibt es für den Reihenauftakt sehr gute 4 Sterne und bei der Fortsetzung bin ich wieder mit dabei.
Komplexe Geschichte
Solothurn ruft nach Vergeltung von Christof Gasser
Dominik Dornach, Band 7: Die Solothurner Filmtage gehören zu den Highlights im Jahresprogramm der Stadt. Filmemacher Tom Kurti soll eine Auszeichnung für seine umstrittene Dokumentation „Seelenrisse“ über Femizid, Frauenhass und Zwangsverheiratung erhalten. Am Tag der Verleihung wird er tot aufgefunden.
Im Darknet gibt es viel Hetze gegen Kurti. Dominik Dornach, Chefermittler der Solothurner Kapo, und sein Team beginnen zu ermitteln. Die Hintergründe sind tiefgreifend…
Erster Eindruck: Wie gewohnt ein gutes Cover – gefällt mir.
Dies ist Band 7 einer Reihe; er kann ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden – für die Kenner:innen ist es ein Wiedersehen mit Altbekannten. Ein weiteres Mal in Solothurn… wie ich erst unlängst gelesen habe, soll Solothurn übrigens die gefährlichste Stadt der Schweiz sein. Oha! Das war mir gar nicht bewusst, obwohl ich häufig dort zu Besuch bin. Ich war sehr gespannt auf Dominiks neusten Fall. Wer hätte gedacht, dass dieser so persönlich würde?
Der neuste Fall führt zu einem Wiedersehen mit Angela Casagrande, die vorübergehend ihre alte Funktion als Staatsanwältin übernimmt. Dominik Dornach weiss nicht, wie er damit umgehen soll. Noch weniger weiss er, wie er es handeln soll, dass die aktuelle Ermittlung ihr unbarmherziges Licht auf einen Fall wirft, der vor 15 Jahren nicht zu seiner Zufriedenheit gelöst werden konnte: die „Schwarze Dahlie“. Das macht ihm sehr zu schaffen.
Die Geschichte war sehr komplex, mit zahlreichen Protagonisten, weitreichenden Verflechtungen und Vermutungen. Das empfand ich manchmal etwas ermüdend. Mein Unmut über Pia, Dominiks Tochter, ist seit Band 5 immer weiter angewachsen. Sie will nun bald die Polizeiausbildung machen, verhält sich aber jetzt schon, als wisse sie besser Bescheid, wie etwas anzugehen sei als altbewährte Routiniers. Mit ihrer impulsiven Art – gepaart mit ihrem Helfersyndrom – springt sie selbst rein ins Geschehen und blendet Gefahr und Folgen aus. Dabei ist sie doch alleinerziehende Mutter… Natürlich kann sie nicht nur zu Hause sitzen und den Kleinen in Watte packen, um die böse Welt auszublenden, aber etwas mehr nachdenken, bevor sie handelt, wäre dringend empfohlen. Aber – natürlich gibt es ein Aber – wäre es für uns Leser:innen auch nicht im gleichen Masse unterhaltsam, wenn Pia anders wäre.
Den kleinen Cliffhanger am Ende mag ich nicht so gerne. Von mir gibt es 3.5 Sterne.
Spiel oder tödlicher Ernst?
Falsches Spiel im Herrenhaus – Ein Weihnachtskrimi von Alexandra Fischer-Hunold
Weihnachten – das Fest der Liebe und Besinnlichkeit. Nicht auf Pollock Island. Teddy und ihre Familie sind angereist und sind überrascht, was Multimilliardär Guy Cashner, der Tante Jasmine geheiratet hat, aus dem altehrwürdigen Herrenhaus gemacht hat, das er deren Bruder Richard, dem Lord in Finanzschwierigkeiten, abgekauft hat.
Was viele Jahre ein Zuhause war, wurde völlig umgestaltet. Guy kommt aus dem Prahlen nicht mehr heraus. Doch dann ist Guy tot. Ermordet! Teddy, ein grosser Agatha-Christie-Fan, sammelt Hinweise… Für Jugendliche ab 14 Jahren.
Erster Eindruck: Ein schönes weihnächtliches Cover auf schwarzem Hintergrund – wirkt dynamisch.
Die Geschichte wird aus der Sicht der sechzehnjährigen Theodora „Teddy“ erzählt.
Ich konnte mir die Kulisse sehr gut vorstellen: ein altes, zugiges Herrenhaus mit vielen antiken Möbeln, Bildern und Geheimgängen. Wobei, zugig ist das Herrenhaus beileibe nicht mehr, da Guy flugs mal Fussbodenheizung installieren liess. Der adligen Verwandtschaft ist das aber zu heiss – nur wenn es einen fröstelt, ist es ihr Herrenhaus. Und der traditionelle Weihnachtsbaum hat bei Guy definitiv ausgedient: Er hat etwas Künstlerisches hinstellen lassen, das die Familie jedoch nicht an einen Weihnachtsbaum erinnert. Am ersten Abend haben alle Mitglieder der Familie eine anonyme Einladung erhalten mit Angabe einer Zeit, eines Treffpunktes und dem Hinweis, dass ihr/sein Geheimnis bekannt sei. Mysteriös. Wer ist der Verfasser? Nachdem sie sich am jeweiligen Treffpunkt eingefunden haben, ertönt aus den Lautsprecher Guys Stimme, die sagt, dass er tot sei. Wie bitte? Was soll das? Ein geschmackloses Spiel, oder?
Ein abgeschiedenes Herrenhaus auf einer Insel, ein Sturm, ein Todesfall – Teddy beginnt zu ermitteln…
Teddy ist sechzehn Jahre alt, wobei ich manchmal das Gefühl hätte, sie sei deutlich älter, und ein andermal fand ich sie ziemlich kindlich. Nun ja, sechzehn Jahre ist wohl ein schwieriges Alter… Am besten gefallen hat mir Grandma, pardon, Lady Mary, Dowager Countess of Pollock. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen, war aber für meinen Geschmack zu lang. Von mir gibt es 3 Sterne.











