Kunden em pfehlungen
Rezensionen von peedee:
Allein glücklich – oder doch nicht?
Blumen schenke ich mir selbst von Blanca Imboden
Die Autorin Romy Reichlin ist erfolgreich, denn ihr Buch über das Alleinsein wurde zum Bestseller. Nur gibt es ein kleines Problem: Ihre heimliche Liaison mit einem erfolgreichen Anwalt passt natürlich überhaupt nicht zu ihrem Motto, dass man auch allein glücklich sein kann. Für die Medien ein gefundenes Fressen – für Romy ein Alptraum, denn einerseits trennt sich ihr Partner von ihr und andererseits verdonnert ihr Verleger sie, einen einwöchigen Schreibkurs im Kempinski Palace Engelberg zu halten.
Darauf hat sie nun so gar keine Lust, aber was sein muss, muss sein…
Erster Eindruck: Ein knalliges Cover mit einem sehr dezenten Blumenstrauss – aber hallo! Das gefällt mir.
Es ist eine verzwickte Situation für Romy: Als sie ihr Buch über das glückliche Alleinsein schrieb, war sie es auch – glücklich und allein. Doch das Leben bleibt nicht stehen und so hat das Liebesglück sie getroffen. Und nun? Die Partnerschaft nur im Geheimen führen? Wo und in welcher Zeit leben wir eigentlich?
Der Kurs findet im Kempinski Palace Engelberg statt. Die Autorin – ich meine hier Blanca Imboden – sucht sich immer sehr schöne Locations aus, bravo! Ich war zwar noch nie im vorgenannten Hotel, aber immerhin in Engelberg, wo es mir gut gefallen hat. Der Kurs besteht aus einer bunt zusammengewürfelten Truppe, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen angemeldet haben. Hierfür gibt es ein sehr hilfreiches Personenregister.
„Ich denk, ich denk zu viel.“ Tja, da fühlte ich mich irgendwie ein-ganz-klein-wenig-fast-gar-nicht-spürbar angesprochen. Warum bloss? Ich gebe zu, ich habe auch die Tendenz, persönliche Sachen zu stark durchzudenken. Ich sage nur „was wäre, wenn…?“
Ich war der Meinung, dass die Autorin ein neues Wort erfunden hatte, und zwar das „Glückchen“. Ich hätte nicht gedacht, dass es diese Diminutiv-Form vom Wort Glück tatsächlich gibt. Doch dem ist so – wenn es im World Wide Web steht, ist das einfach so (im Duden ist das Wort aber noch nicht). *laut lach*
Das Buch hat sich wie gewohnt flüssig lesen lassen. Was immer gut spürbar ist, ist die Liebe der Autorin zur Natur, insbesondere zu den Bergen. Am besten, und zwar mit Abstand, haben mir die Monatsbriefe nach dem Kurs gefallen. Aber darüber will ich selbstverständlich nichts verraten. Von mir gibt es 3 Sterne.
Nur 117 Seiten
Winter im Kamelienhaus von Tabea Bach
Kamelienhaus, Band 3: Der Winter hat auch auf der Insel Soshima Einzug gehalten. Lucinde „Lucy“ Riwall freut sich sehr auf die kommenden Feierlichkeiten, denn über Weihnachten wird sie in die Bretagne reisen, wo ihre beste Freundin Lili heiraten wird. Finn wird ebenfalls dort sein und erstmals ihre Heimatinsel sehen.
Danach geht es zurück nach Japan, wo das japanische Neujahrsfest vorbereitet wird. Doch manchmal läuft nicht alles nach Plan…
Erster Eindruck: Ein schönes, winterliches Cover mit Berg und Wasser – gefällt mir.
Dies ist Band 3 der Reihe, kann jedoch ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden. Da ich die Bände 1 und 2 mit grosser Freude gelesen habe, habe ich Band 3, der erstaunlich kurz ist – dazu unten mehr – lange vorbestellt.
Lucy hat alle Hände voll zu tun, sowohl für die Kamelienölmanufaktur als auch für die bevorstehende Reise nach Frankreich. Doch sie weiss, dass sie sich auf ihre Mitarbeitenden verlassen kann und sie während ihrer Abwesenheit alles gut handeln werden. Kurz vor der Abreise erreicht sie ein Hilferuf eines befreundeten Grafikers, der für seine Manga- und Anime-Convention aufgrund einer Doppelbuchung händeringend einen Ersatzaustragungsort sucht. Und jetzt?
Mein Lieblingszitat in diesem Buch: „Wenn du feststellst, dass du unrecht hast, dann korrigiere deine Haltung und stehe offen dazu.“
Die Herausforderung war auch dieses Mal, die zahlreichen Protagonisten gedanklich korrekt zuzuordnen; in den Umschlagsklappen gibt es Personenlisten.
Mir haben die Einblicke in die Manga- und Anime-Kultur sehr gefallen. Der Bürgermeister meinte zu Lucy, dass sie wohl viel über Japan wisse, aber nicht über deren Manga- und Anime-Kultur. Ich wusste genauso wenig darüber wie Lucy, denn ich hätte auch gedacht, dass dies „nur“ die jungen Leute ansprechen würde, was aber nicht stimmt. Wieder etwas gelernt!
Ein Buch mit 144 Seiten lässt sich flüssig lesen. 144 Seiten sind nicht viel, umso grösser war für mich die Entdeckung, dass bereits auf Seite 117 „Ende“ stand – eine herbe Enttäuschung! Der Rest des Buches war sodann eine Leseprobe zu einem anderen Buch. Von mir gibt es für die zu kurze Geschichte 2 Sterne.
Ein stiller Zauber
Wie Großvater Ostap Weihnachten wiederfand von Larisa Kaminska
Weihnachten ist ein Fest, das alle lieben. Alle? Nein, denn Grossvater Ostap hasst Weihnachten und alles, was damit zusammenhängt. Wenn Kinder an seine Tür klopfen und sodann Weihnachtslieder singen, schickt er sie weg. Doch auch Slawko, der Junge aus dem Haus gegenüber, freut sich dieses Mal nicht auf Weihnachten, obwohl er mit Freunden wieder von Haus zu Haus ziehen und er auf seiner Geige spielen würde.
Seine kleine Schwester Jarynka hätte dieses Mal auch dabei sein können, aber sie ist im Krankenhaus. Ostap und Slawko brauchen ein Wunder… Zum Vorlesen für Kinder ab 5 Jahren.
Das Buch ist wunderbar illustriert und allein das Durchblättern macht viel Freude.
Zur Geschichte: Was ist mit Grossvater Ostap passiert? Er ist ein verbitterter alter Mann, der alleine über seiner Werkstatt, in der er alles rund um Instrumente verkauft, wohnt. Er wird respektvoll „Herr Meister“ angesprochen, denn er kann alles reparieren. Aber Freundlichkeit bekommt man bei ihm nicht, und schon gar nicht zur Weihnachtszeit. Viele Kinder haben deswegen Angst vor ihm. Auch Slawko geht nur ungern dorthin, wenn er etwas für seine Geige braucht. Aber dieses Mal braucht er Hilfe, da er auf seine Geige gefallen ist und er dringend zum Krankenhaus zu seiner Schwester gehen muss…
Wie oben erwähnt, ist dieses Buch für Kinder ab 5 Jahren ausgeschrieben. Aufgrund des Inhaltes, der einerseits viel Text beinhält und andererseits ziemlich melancholisch ist, würde ich das Buch jedoch erst für etwas ältere Kinder empfehlen. Es ist eine Geschichte von Trauer, aber auch von Hoffnung und der Liebe zur Musik – das hat mir gefallen. Der stille Zauber, der das Buch beinhält, wird von mir mit 5 Sternen honoriert.
Weihnächtlich, schokoladig, kitschig-süss
Hot Chocolate Kisses von Harper Graham
Maple Falls, Band 2: Cassidy ist unweit von Maple Falls aufgewachsen, hat aber lange Zeit in Paris gelebt. Indem sie nun hier ihre eigene Chocolaterie eröffnet, geht ein Traum in Erfüllung. Sie liebt Weihnachten, obwohl es für sie auch mit schmerzlichen Erinnerungen verbunden ist, doch sie will trotz allem die Weihnachtszeit mit allen Sinnen geniessen.
Sie will den Wettbewerb um den schönsten Weihnachtsladen gewinnen. Doch das will auch der sexy Grinch von gegenüber: Liam mit seinem Hofladen. In der Weihnachtszeit ist er nicht sich selbst; er ist stets froh, wenn wieder der normale Alltag einkehrt. Was ist mit ihm los?
Erster Eindruck: Das Cover passt gut zur Reihe und zu Weihnachten. Aktuell scheint es in zu sein, deutsche Bücher mit englischen Titeln zu versehen – das mag ich nicht (und ich verstehe auch nicht, wieso man dann nicht gleich den Originaltitel „The Spiced Cocoa Café“ gewählt hat).
Dies ist Band 2 einer Reihe, kann jedoch unabhängig vom Vorgängerband gelesen werden. Da ich erst vor kurzem lesetechnisch in Maple Falls war, ist es für mich ein schönes Wiedersehen.
Cassidy ist wirklich eine Frohnatur, die Weihnachten über alles liebt. Sie trägt schon früh Weihnachtspullis, hat eine Playlist von Weihnachtsmusik und -filmen, ein Rezept für den besten Kakao. Nachdem ihre Beziehung in Paris in die Brüche gegangen ist, hat sie sich geschworen, ein Jahr ohne Männer zu machen. Diese Frist ist noch nicht vorbei und die Anwesenheit des sexy Holzfällers, wie Cassidy Liam insgeheim nennt, gefährdet ihren Plan ungemein.
Liam ist – wie die anderen Bewohner von Maple Falls sagen – im Dezember ein anderer Mensch. Sie wollen Cassidy aber nicht verraten, weswegen dies so ist. Er hat Schuldgefühle und Angst, eine neue Beziehung einzugehen. Cassidy gefällt ihm. Sehr. Aber das darf nicht sein. Hinter seinem sicheren Auftreten steckt viel mehr Unsicherheit als man denkt.
Es war wieder sehr unterhaltsam in Maple Falls. Zwei kleine Kritikpunkte: Cassidy hat beim Abladen eines Weihnachtsbaumes eine allergische Reaktion, die dann aber kurz darauf – beim Schmücken des gleichen Baumes – keine Rolle mehr spielt. Auch die Inaktivität in Bezug auf den „Weihnachtsvandalen“ fand ich merkwürdig. Das Weihnachtsfeeling und die Kleinstadtatmosphäre waren zur Genüge vorhanden – 4 Sterne.
Ein Weihnachtswunder
Das verschwundene Weihnachtsbuch von Jenny Colgan
Happy Ever After, Band 5a: Mirrens Grosstante Violet wohnt in einer Seniorenresidenz und ist krank. Früher liebte sie ein handillustriertes Kinderbuch, das leider verschollen ist. Sie wünscht sich nichts sehnlicher als dieses Buch nochmals in den Händen zu halten. Mirren verspricht ihr, es bis Weihnachten zu besorgen.
Irgendeine Ausgabe des Buches zu finden, ist nicht schwierig, aber die von einem bekannten Künstler illustrierte Ausgabe gilt in Fachkreisen nur als Gerücht. Mirren sucht in Antiquariaten von London bis Schottland. Sie trifft auf Antiquar Theo, der sich mit ihr auf die Suche macht…
Erster Eindruck: Das Cover ist ziemlich bunt und entspricht gestalterisch nicht meinem Geschmack.
Dies ist eine Kurzgeschichte zwischen den Bänden 5 und 6.
Mirren (ein für mich ungewöhnlicher Vorname) ist Baukostenplanerin und liebt Bücher – nun ja, wer nicht? Und genau wie ihre Grosstante Violet liebt sie ein ganz bestimmtes Buch, aus dem ihr in frühster Kindheit immer vorgelesen wurde. Violet weiss, dass ihr nicht mehr viel Zeit auf Erden bleibt, so wünscht sie sich nur, dieses alte Buch nochmals in Händen halten zu können. Sie fühlt sich dadurch mit ihrem Vater verbunden. Selbstverständlich will Mirren dieses Buch für Violet besorgen, stellt aber sehr schnell fest, dass das kein einfaches Unterfangen ist, insbesondere wenn das Buch offiziell gar nicht existiert. Wie bitte? Internetrecherchen und mehrere Antiquare haben ihr gesagt, dass die gesuchte Ausgabe nur ein Gerücht sei, das sich seit Jahrzehnten hartnäckig halte. Aber Mirren bleibt auch hartnäckig. Der junge Antiquar Theo, den sie zufällig getroffen hat, gefällt ihr. Er kann ihr bestimmt helfen…
Die Geschichte hat sich flüssig lesen lassen und beinhaltete ein Weihnachtswunder – von mir gibt es 3 Sterne.
PS: Ich habe dieses Buch als E-Book gelesen; die Printausgabe soll 208 Seiten haben. Nach 76% war die Geschichte zu Ende, es folgten Rezepte, dann bei 79% ein Interview mit der Autorin und ab 81% eine XXL-Leseprobe aus „Die geheime Weihnachtsbibliothek“. Ich fand es irritierend, dass die Geschichte bereits bei zwei Dritteln des angegebenen Buchumfanges zu Ende war.
Sport ist Mord
Prost, auf die Sportler von Friedrich Kalpenstein
Kommissar Tischler, Band 13: Profi-Biathlet Moritz Binder ist es gewohnt, auf dem Siegertreppchen zu stehen. Für seine Kontrahenten hat er nur ein müdes Lächeln übrig. Bei der Eröffnung des neuen Sportgeschäftes seines ehemaligen Trainers in Brunngries ist er als prominenter Gast eingeladen – am nächsten Morgen ist er tot.
Hauptkommissar Constantin Tischler beginnt zu ermitteln. War es ein Unfall? Oder eine Abrechnung? Die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht und Binders arrogantes Verhalten wird nicht gut angekommen sein. Polizeiobermeister Felix Fink wird von Bürgermeister Gmeinwieser zu einem Tatort gerufen…
Erster Eindruck: Wenn die Resi auf dem Cover ist, kann das nur ein gutes Cover sein, oder?
Dies ist Band 13 einer Reihe, kann aber ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden (es ist jedoch schöner, das Team von Anfang an zu begleiten). Ich gelte in Brunngries schon als Einheimische *laut lach*. Es ging auch gleich zünftig los! Fremde Leute würden denken, dass in Brunngries nie etwas passieren würde, aber wir „Quasi-Einheimischen“ wissen es natürlich besser…
Ein Toter im neuen Sportgeschäft – und das gleich am Eröffnungstag! Und wie es sich herausstellt, war es der bekannte Profisportler Moritz Binder! Dieser Umstand sorgt dafür, dass das Medienecho noch grösser als sonst sein wird. Der nunmehr tote Binder scheint ein arrogantes anstatt kollegiales Verhalten an den Tag gelegt zu haben! Constantin Tischler und Felix Fink ermitteln zwar grundsätzlich in gewohnter T-U-F-Manier, aber vorerst werden sie zu zwei unterschiedlichen Fällen gerufen: Constantin zum Sportgeschäft und Felix ins Chaletdorf. Dort wartet Bürgermeister Gmeinwieser auf ihn und bittet dringend darum, den Fall nicht unnötig aufzublasen – seine Frau müsse nicht damit behelligt werden und seine Wähler auch nicht. Was soll denn das bedeuten?
Das übliche Geplänkel zwischen Constantin und Felix hat mir gefallen. Und auch die Stimmung unter den anderen Polizeimitarbeitenden. Der Mechaniker Franz Steiner, der sich ja schon einiges geleistet hat, erhält dieses Mal positives Feedback: Als Aushilfs-Taxifahrer verhindert er, dass sein Fahrgast auf den Enkeltrick hereinfällt und viel Geld los wurde. Bravo! Hach, das war wieder ein Lesegenuss: Spannung und Humor – was will ich mehr? Von mir gibt es ein weiteres Mal die wohlverdienten 5 Sterne und ich freue mich auf die Fortsetzung.
Tohuwabohu mit Glitzer
Glitzer geht immer von Ellen Berg
Anne und Tom freuen sich auf das bevorstehende Weihnachten, denn es ist ihr erstes Weihnachten als Paar. Es versteht sich von selbst, dass die Familienfeier daher bei Anne stattfinden soll. Das sieht Annes Mutter aber ganz anders, denn jahrelange Traditionen sind zu pflegen und somit findet Weihnachten wie gewohnt bei ihr statt.
Der Streit um den Austragungsort ist eröffnet! Zähneknirschend wird ein Kompromiss gefunden, sodass sich die Eingeladenen zuerst bei Anne und Tom einfinden. Es kommt zu unverhofften Gästen und einem Schneesturm…
Erster Eindruck: Das Cover ist wie gewohnt detailreich und witzig – gefällt mir sehr gut.
Bei diesem Buch gibt es ein Wiedersehen mit den Protagonisten aus „Jünger geht immer!“ (diese Geschichte kenne ich noch nicht, werde also damit „nachsitzen“ müssen!).
Hach, Weihnachten, das Fest der Liebe und Besinnlichkeit… Ja, in Filmen oder Träumen! Anne ist fünfzig, ihr Tom etliche Jahre jünger. Das war für Anne zuerst unvorstellbar, aber nun zeigt ihr Tom, dass das Alter eben nur eine Zahl ist. Die meiste Zeit kann Anne das auch glauben, wenn nicht mal zwischendurch die Eifersucht anklopft und sie wieder ins Schwanken gerät. Annes Mutter Felicitas hat auch einen jüngeren Partner, nämlich Toms Vater Johannes. Das wird eine komplizierte Feier werden, da auch die Eltern dabei sind, die auf ihre Ex-Partner treffen. Wird ein konfliktfreier Apéro möglich sein oder gibt es schon die ersten Wortgefechte?
Mir gefällt der Wortwitz von Ellen Berg, wie z.B. „Leise rieselt der Stress“, „Deeskalations-Seminare für Leute […], die die Weihnachtstage im Familienkreis verbringen“ oder „Freundinnen sind bekanntlich Gottes Entschuldigung für Verwandte“. Und dann noch etwas Kitschig-Romantisches: „Wenn das Herz atmet und die Augen sich nicht sattsehen können, ist es Liebe.“ Seufz…
Uh, das gab so viele Krisenherde in der trauten Weihnachtsrunde, da wurde mir bereits als Leserin ein bisschen unwohl! Von den Protagonisten hat mir Tante Beate sehr gefallen. Sie hat ihre eigene Meinung und hält damit auch nicht hinterm Berg. Nun gut, manchmal wäre Diplomatie angesagt, aber das sieht sie ganz anders. Der unverhoffte Gast Charlie hat mich verwirrt: Aufgrund der Beschreibungen hätte ich sie für 10 Jahre alt oder jünger geschätzt. Aber nein, sie ist 15 Jahre alt! Das hat für mich überhaupt nicht gepasst. Der Ausgang der Geschichte war mir too much – es hat sich zwar durchaus abgezeichnet, aber hätte nicht sein müssen. Nichtsdestotrotz gibt es von mir 5 Sterne.
Freundschaft weg, keine Liebe?
Kiss me in Orange von Alix Bente
Emma flüchtet aus Berlin, um in ihrer Heimatstadt Goldried ihrer hochschwangeren Schwester im Café zu helfen und um nebenbei ihren Liebeskummer zu pflegen und auch ein bisschen im Selbstmitleid zu baden. Sie will nicht mehr an ihren einst besten Freund Niclas denken. Siebenhundert Kilometer zwischen ihm und ihr sollten genügen.
Aber die siebenhundert Kilometer werden auf einen Schlag auf einen Meter Distanz verkürzt, als er bei ihr vor der Türe steht. Sie will nicht mit ihm sprechen, nachdem seinerseits drei Monate Funkstille herrschte. Doch Niclas geht nicht wieder weg…
Erster Eindruck: Das Cover ist zweifellos ein Hingucker – herbstlich, im derzeitig häufig ersichtlichen Stil. Es scheint in zu sein, deutsche Bücher mit englischen Titeln zu versehen; das mag ich nicht.
Nachdem Emma und Niclas über Jahre beste Freunde waren, kam es zu einem verhängnisvollen Kuss – und Emmas Flucht aus Berlin. Eine sehr schwierige Situation, da Emma schon seit Jahren mehr für Niclas empfand als nur Freundschaft. Ist nun alles verloren?
Goldried ist eine sympathische Kleinstadt mit einem überbordenden Eifer, Gemeinschaftsaktivitäten auszurichten. Wenn die Menschen dort nicht arbeiten, feiern sie zusammen. Schön. Kitschig-schön. Ich mag Kleinstadt-Romane wie „Gilmore Girls“ oder „Virgin River“ sehr gerne – für mich als Leserin immer wieder amüsant, wie die Bewohner alles über die anderen wissen. Wenn nicht sie, wer dann? Emma war zuweilen etwas anstrengend (sie kann übrigens nicht gut verlieren). Und es dauerte mir zu lange, bis herauskam, weswegen dieses eine bestimmte Video mit Niclas solche Wellen machte. Niclas mochte ich sehr gerne – wie eigentlich alle anderen auch. Es gab einige ernsthafte Momente, die fast ein bisschen untergingen. Aber es zeigt einmal mehr, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat. Und man die gemachten Erfahrungen mit sich herumträgt: einige verarbeitet, andere unverarbeitet, schmerzend. Das Debüt der Autorin hat sich flüssig lesen lassen und erhält von mir aufgerundete 4 Sterne (aufgrund des Hundes „Riesling“ – eine witzige Namenswahl!).
Reihenstart geglückt
Winterfunkeln unterm Polarstern von Kerstin Garde
Kleine Waldhütte in Norwegen, Band 1: Charlotte hat im Sommer ihre beste Freundin Anka verloren – sie kann es immer noch nicht glauben. Sie wollten doch zusammen noch so viel erleben. Und nun steht auch noch Weihnachten, ihrer beiden liebsten Zeit des Jahres, bevor. Charlotte bleibt nur ein Brief von Anka mit ihrer Bucket List.
Sie wollten gemeinsam nach Norwegen, in die Sjoa-Region in ein Hüttendorf, dort die Nordlichter sehen, etwas typisch Regionales essen und vieles mehr. Nun soll Charlotte dies allein tun; sie, die sich am liebsten hinter ihren Büchern versteckt. Doch sie will es für Anka und sich selbst tun. Norwegen erwartet sie mit viel Schnee und Natur-Guide Kiljan…
Erster Eindruck: Ein wunderbares Cover – was will man mehr?
Charlotte muss aus ihrem Berliner Schneckenhaus rauskommen, ihre Komfortzone verlassen und versuchen, die Schuldgefühle zu verarbeiten. Der Schritt, die Reise anzutreten, ist für sie enorm gross. Aber sie will mutig sein. Sie weiss, Anka wäre stolz auf sie. Und sie will auch stolz auf sich selber sein. Die Ankunft in Norwegen lässt sie gleich wieder verzagen – Das Taxi ist weg. Und nun soll sie mit einem fremden Mann ein Taxi teilen? Das fängt ja gut an. Kiljan hat etwas, was ihn stark belastet, aber er ist noch nicht bereit, sich darauf einzulassen. Charlottes Ankunft in Norwegen löst etwas in ihm aus. Er ist sich noch nicht sicher, ob er dies gut finden sollte oder nicht. Er würde sich wünschen, wieder mehr Fröhlichkeit in seinem Leben zu haben. Aber darf er Glück empfinden?
Kiljans Familie hat mir sehr gefallen: Sie hält zusammen und auch wenn es unter den Brüdern mal Knatsch gibt, spürt man trotzdem die Liebe untereinander. Und die Oma hält alles zusammen. Das Hüttendorf konnte ich bildlich vor mir sehen: gemütlich, rustikal, verschneit.
Ein Buch über Verlust, Schuldgefühle, aber auch über die Kraft, weiterzumachen, sich neu zu orientieren. Obwohl es schwere Themen gibt, ist es nicht eine erdrückende, sondern hoffungsvolle Geschichte. Mir ist schon bewusst, dass wir Menschen zuweilen stark auf Gerüche reagieren. Aber hier wurde für meinen Geschmack viel zu oft erwähnt, wie gut Kiljan doch rieche, und wie Charlotte mutmasste, wonach er duftete. Mich hat Charlotte übrigens überrascht – sie war sehr viel mutiger und selbstbewusster als zu Beginn. Während der Lektüre habe ich mir gedacht, dass diese Geschichte prädestiniert wäre für eine Reihe; erst im Nachwort habe ich dann erfahren, dass es tatsächlich der Beginn einer Wohlfühlreihe ist. Und da ich ein klein-wenig-fast-gar-nicht-spürbar reihenanfällig bin, freut mich dies ausserordentlich. Für den Reihenstart gibt es 5 Sterne und ich freue mich auf die Fortsetzung.
Kaffee, Kaffee, Kaffee
Das Glück schmeckt nach Meer: Die Kaffeerösterei von Birte Stährmann
Das Glück schmeckt nach Meer, Band 2: Merle betreibt mit grosser Leidenschaft eine kleine Kaffeerösterei in Flensburg. Das Kreieren und Rösten von Kaffeespezialitäten macht sie glücklich. Privat steht sie kurz vor der Hochzeit, die dann ins Wasser fällt – er hat sie betrogen! In einem Ferienhaus in Maasholm versucht sie, sich neu zu finden und sich über die nächsten Schritte bewusst zu werden.
Dabei trifft sie auf Bonbonkocherin Annika, die zu einer guten Freundin wird…
Erster Eindruck: Ein schönes Cover, das gut zur Reihe passt.
Dies ist Band 2 der Reihe, kann aber unabhängig vom Vorgängerband gelesen werden. Es kommt zwar zu einem Wiedersehen mit einigen Protagonisten, aber deren Verbindungen werden kurz erklärt.
Merle ist gelernte Krankenschwester, hat nun aber alles auf die Karte Kaffee gesetzt und ihre eigene Rösterei eröffnet. Die finanzielle Unsicherheit, die eine Selbstständigkeit mit sich bringt, rückte in den Hintergrund, da ihr zukünftiger Ehemann einen festen Job hat. Nun ja, das mit dem „Ehemann“ hat sich kurzerhand erledigt – ich war überrascht, wie vernünftig sie trotz allem reagiert hat. Im Ferienhaus ihres besten Freundes Leif kann sie unterschlüpfen, um zu überlegen, wie es weitergehen soll. Sie muss dringend eine Wohnung finden! Nach den ersten entmutigenden Absagen hat sie aber Glück und findet genau das, was sie gesucht hat – und erst noch in der Nähe ihrer Rösterei! Die Wohnungsbesitzerin ist Margit, eine ältere Dame, die um Mithilfe in ihrem Haushalt und Garten gebeten hat. Margit und Merles Oma Lisbeth haben mir sehr gefallen. Ich würde gerne viel dazu erzählen, will aber keine Lesefreude vorweg nehmen.
Da es in diesem Buch um eine Kaffeerösterei geht, war damit zu rechnen, dass es viel um Kaffee und dessen Zubereitung geht. Und so war es: Ich habe förmlich den frisch gerösteten Kaffee gerochen, das Handwerk des Röstens bewundert, die Atmosphäre im Café genossen. Da ich gerne Kaffee trinke, fühlte ich mich in diesem Umfeld sehr wohl. Ein schönes Buch über Freundschaft, Liebe, Leidenschaft – von mir gibt es 5 Sterne und ich freue mich auf die Fortsetzung.











