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Rezensionen von peedee:
Berührende Momente
Polwenna Bay – Wo die Liebe Wunder wirkt von Ruth Saberton
Polwenna Bay, Band 2: Morwenna Tremaine führt einen Reiterhof, doch die finanzielle Situation ist nicht rosig. Ein Sieg bei einem Turnier als Vielseitigkeitsreiterin wäre dringend nötig. Ihr ganzes Leben dreht sich um Pferde, für einen Mann ist da keine Zeit. Erst recht nicht für Ashley Carstairs, der erfolgreiche Geschäftsmann, der meint, er müsse nur mit dem Finger schnippen und alle gehorchen ihm.
Hinter seiner Fassade steckt jedoch – wie so häufig – viel mehr: Ashley weiss, dass er sich von Morwenna fernhalten soll, denn er hat ein Geheimnis, das alles zerstören kann…
Erster Eindruck: Ein schönes Cover, aber aufgrund dessen, dass sich die Geschichte um Pferde handelt, hätte ich etwas in dieser Richtung erwartet.
Dies ist Band 2 der Reihe, kann aber unabhängig vom Vorgängerband gelesen werden. Für mich war es der Einstieg in die Reihe und daher gab es etliche Protagonisten kennenzulernen, denn die Tremaines sind eine grosse Familie. Aber das wird dann mit jedem Band einfacher…
Ich sah Morwenna „Mo“ gleich vor mir: immer in Bewegung, das Herz überquellend vor Liebe zu ihren Pferden, stets in Sorge um die Finanzen machen keine Pause. Mal feiern oder ins Kino gehen? Auswärts essen? Keine Zeit – und kein Geld. Wenn dann dieser Ashley nach Polwenna Bay kommt und durchs Dorf spaziert, als würde es ihm gehören, regt sich Mo auf. Dabei tut Ashley gar nichts dergleichen. Und dass er vermögend ist, dafür kann er ja nichts. Wenn er und Mo sich zufällig sehen, fliegen Funken – er stichelt und sie reagiert prompt. Wie sagt man so schön „Was sich liebt, das neckt sich“? Es wird keine Überraschung sein, dass die beiden sich näherkommen, doch dann kommt es zu einem Zwischenfall, der alles verändert. Selbstverständlich…
Ich bin grosser Fan von Kleinstadt-Romanen wie „Gilmore Girls“ oder „Virgin River“, daher war ich sehr gespannt auf dieses Buch, wenn ich auch unkonventionell mit Band 2 begonnen habe. Und? Das Buch hat sich flüssig lesen lassen, uferte in puncto Beschreibungen zuweilen etwas ins Schwülstige aus (z.B. „sein Mund auf ihrem weicher als der abblätternde Teig“), aber bei einem Liebesroman darf das auch mal sein. Es gab einige sehr berührende Momente und daher vergebe ich gerne 4 Sterne. Ich freue mich auf weitere Geschichten rund um die Tremaines.
Schräg, schräger, Mistelzweig und Bartók
Ziemlich beste Verbrecher von Sunil Mann
Eine interessante Wohngemeinschaft wider Willen: Alois Mistelzweig und Berta Bartók, ihres Zeichens ehemaliger Gesellschafter sowie ehemalige Köchin der verstorbenen Arbeitgeberin sitzen in einer Villa in Zürich zusammen fest. Nun ja, es könnte schlimmer sein, oder? Wenn nur nicht das Problem mit dem lieben Geld wäre.
Mistelzweig, einst Pianist und Klavierlehrer, und Bartók, pensionierte Köchin, bestreiten mit Gelegenheitsdiebstählen ihren Lebensunterhalt. Einer dieser Coups missglückt und das Opfer will sie anzeigen. Sie handeln einen Deal aus: Keine Polizei, stattdessen suchen sie die verschwundene Freundin. Im Wald finden sie eine Leiche, dabei haben sie zu Hause schon das grösste Problem unter dem Birnbaum liegend…
Erster Eindruck: Ein herrschaftliches Anwesen ziert das Cover; die beiden schaufelnden Schatten rechts unten habe ich tatsächlich erst beim zweiten Mal gesehen – gefällt mir.
Nach den beiden Reihen „Vijay Kumar“ bzw. „Marisa Greco und Bashir Berisha“ war dies für mich nun der erste Cozy Crime aus der Feder von Sunil Mann – ich war sehr gespannt.
Das Älterwerden macht vor niemandem halt. Auch wenn die Knie oder der Rücken schmerzen, das Bücken nicht mehr so einfach geht, die kriminelle Energie scheint nicht weniger zu werden! Es wird den Leser:innen schon kurzum klar, was da mit dem Birnbaum nicht stimmen könnte. Wobei, eigentlich ist mit dem Baum selbst alles in Ordnung. Es ist mehr die Bodenbeschaffenheit oder… ach, lassen wir das.
Die Gelegenheitsdiebstähle sind sehr schön inszeniert: Alois hat so seine Art, Menschen in Cafés zu bezirzen. Für seine Zwecke benötigt er dafür einen Latte Macchiato, obwohl er diesen eigentlich gar nicht mag. Aber für seinen Einsatz ist dieses Getränk unabdingbar. Berta ist nicht so für Small Talk und hält sich im Hintergrund – bis zu ihrem Einsatz und dann muss es schnell gehen!
Ich sah die beiden Oldies vor mir: Im Alltag möglichst weit weg voneinander am Esstisch sitzend (beide an den Stirnseiten 4 Meter Distanz), aber beim gemeinsamen Kiffen schön nebeneinander, mit glücklich-beseeltem Blick einen kurzen Moment der Harmonie geniessend. Berta ist eine tolle Köchin, kann aber nicht einmal einen gescheiten Joint drehen! Gut, dass Alois diesen Part übernehmen kann.
Ist die Geschichte schräg? Und ob! Mag ich das? Aber hallo! Ich gehe davon aus, dass dies der Beginn einer neuen Reihe ist (ich bin nur ein klein-wenig-fast-gar-nicht-spürbar reihenanfällig); ich freue mich und vergebe 5 Sterne.
Wenn das Puzzle immer grösser wird
Bretonisch mit Meeresrauschen von Gabriela Kasperski
Tereza Berger, Band 7: Neuzuzüger haben es in Camaret-sur-Mer nicht immer leicht. Das weiss Tereza Berger vom „DEJALU“ aus eigener Erfahrung nur zu gut. Nach einem Konzert bei der neu eröffneten Musikbar „Breizhbleu“ wird die Besitzerin, die vorübergehend bei Tereza logiert, brutal zusammengeschlagen und liegt im Koma.
Ein junger Musiker ist tatverdächtig und wird gesucht. Tereza glaubt nicht an seine Schuld. Sie beginnt zu ermitteln und ist kurzum überrascht, welche kriminelle Energie in manchen Gemeindemitgliedern steckt…
Erster Eindruck: Wie immer ein sehr schönes Cover – man hört förmlich die Brandung!
Dies ist Band 7 der Reihe, kann aber ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden. Die Geschichte beginnt mit der Sage von der Grotte „Le Château de la Mer“ – ein spannender Einstieg.
Tereza und Gabriel sind getrennt! Wie bitte? Das passt meinem Romantikerherzen so gar nicht! Aber es ist ja ein Krimi, da geht es um etwas anderes. Okay, stimmt. Aber der Liebeskummer führt bei Tereza zu einem gewaltigen Kater. Als sie frühmorgens bei der Tankstelle Jo Kervella, ihre Untermieterin, niedergeschlagen auffindet, ist ihr gleich bewusst, dass sie mit ihrem Alkoholpegel auf keinen Fall dort bleiben darf, denn so gerät sie noch selbst unter Verdacht! Ach, Tereza, das Übel nimmt seinen Lauf… Da Tereza nun nicht mehr Polizist Gabriel Mahon an ihrer Seite weiss, „muss“ sie – sobald ausgenüchtert – selbst ermitteln, es geht gar nicht anders. So begibt sie sich mit ihrer omnipräsenten Boule rouge-Tasche und ihrer geliebten Schokolade in den Miss-Marple-Modus. Wo soll sie nur beginnen? Es gibt so viele mögliche Anknüpfpunkte, z.B. der Gastroverein, der die Bigouden (nicht „Bigoudis“, liebe Tereza! *laut lach*) vergibt – eine undurchsichtige Organisation; die Besitzverhältnisse des „Breizhbleu“; handgeschriebene Schmähbriefe gegen die Musikbar; die Musikerszene in Paris, eine Peugeot-Recherche…
Wie gewohnt war es eine komplexe Geschichte, bei der das meiste nicht so war, wie es auf den ersten Blick aussah. Auch dieses Mal war die Liebe zu den Menschen und der Region sehr gut spürbar. Das Buch hat sie flüssig lesen lassen und ich wurde ausgezeichnet unterhalten – 5 Sterne.
Zeit für einen Neubeginn
Der Buchclub am Strand von Susan Mallery
Der Buchclub in Los Lobos ist in der Sommerzeit auf zwei Personen reduziert: Laurel und Paris. Erfreulicherweise stösst Cassie dazu; zu dritt wollen sie Liebesromane lesen, Zeit verbringen, ein Glas Wein trinken. Sie brauchen diese Auszeit, um über die Liebe zu lesen, wenn sie sie schon nicht selbst erleben.
Laurel fühlt sich wie die schlechteste Mutter aller Zeiten, da sie ihrer älteren Tochter offenbar ein schlechtes Männerbild vermittelt hat. Paris hat den einzigen Mann, den sie je geliebt hatte, durch ihre Wutausbrüche verjagt. Und Cassie verliebt sich immer nur in Männer, die sie abservieren. Es ist an der Zeit, im wahren Leben für einen Neubeginn zu sorgen…
Erster Eindruck: Ein sommerlich Cover, das mit seinen Farben an Süssigkeiten erinnert – passt gut zum englischen Buchtitel.
Wie bei der Autorin gewohnt, werden die Geschichten häufig aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt: Laurel ist alleinerziehende Mutter; ihre Töchter sind 10 und 12 Jahre alt. Die grössere Tochter bereitet ihr Kummer, da sie eine schlechte Meinung von Männern hat. Kein Wunder, denn ihr Vater ist einfach abgehauen und meldet sich nur sporadisch. Aber halt, nein, das darf nicht die Begründung sein. Paris, seit Kindertagen mit Laurel befreundet, hat vor vielen Jahren ihren Ex-Mann durch Wutausbrüche vertrieben. Viele Therapiestunden und harte Arbeit haben sie jedoch verändert. Cassie wurde von ihren Geschwistern von der Ostküste an die Westküste geschickt, um dort das Erbe ihres Onkels anzusehen und endlich ein eigenes Leben zu leben. Das ist hart. Sie hat aber Glück, in Los Lobos auf Laurel und Paris zu treffen, mit denen sie sich gleich anfreundet.
Mir haben die drei Frauen von Beginn an gut gefallen. Jede hat – wie üblich – ein eigenes Päckchen zu tragen und ich konnte mich gut in ihre jeweilige Situation hineinfühlen. Alle drei haben aufgrund ihrer Erlebnisse Angst vor der Liebe; sie schliessen sie sogar kategorisch aus. Sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen, birgt grosse Gefahr von Verletzlichkeit. Aber die Liebe ausschliesslich in Liebesromanen erleben? Das kann es auch nicht sein, oder? Es war interessant, die Männer kennenzulernen, die sich in das Leben der drei Frauen wagten. Das Buch war im Nu ausgelesen (warum ist das bei Susan Mallerys Bücher eigentlich immer so?) – von mir gibt es 5 Sterne.
Ein schöner Abschluss
Herz über Bord in der Karibik von Catherine Bybee
Ein D'Angelo zum Verlieben, Band 5: Mari d’Angelo ist seit zehn Jahren verwitwet, ihre Kinder sind erwachsen und bereits glücklich verheiratet, Enkel sind auch schon da und das Familienrestaurant in „Little Italy“ läuft quasi von alleine. Was will sie mehr? Ihre Freundin Rosa, noch nicht lange geschieden und ebenfalls in ihren Fünfzigern, bucht kurzerhand eine Single-Kreuzfahrt für zwei – Mari muss mit, dabei sucht sie doch gar keinen Mann! An Bord lernt sie den charmanten James Russell kennen, der die Reise nur seinen Töchtern zuliebe gebucht hat, und auch nicht auf der Suche ist.
Die Anziehungskraft ist unleugbar. Da erinnert Mari sich an das Versprechen, das sie ihrem verstorbenen Mann gab…
Erster Eindruck: Das Cover ist – wie ich es von Catherine Bybees Büchern gewohnt bin – sehr schön gestaltet.
Dies ist Band 5 der Reihe um die Familie D’Angelo, kann aber unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden (die Beziehungen werden jedoch besser verstanden, wenn die Familie von Anfang an begleitet wird).
Die Freundinnen Rosa und Mari kennen einander durch und durch. Aber dass Rosa nun nach ihrer Scheidung so aufdreht und auf Männersuche geht, kam für Mari doch überraschend. Und noch mehr überrascht es sie, dass ihre eigene Tochter Chloe einen neuen Mann an ihrer Seite befürworten würde. Sie geht sogar mit ihr shoppen und schenkt ihr ein völlig nutzloses Negligé für die Kreuzfahrt. Wann soll sie so etwas überhaupt tragen?
James hat mit seiner geschiedenen Frau Zwillingstöchter, die kurzum achtzehn Jahre alt werden. Sie machen sich Sorgen, dass ihr Vater vereinsamt, da er viel zu selten eine Frau datet. Um diesen vorwurfsvollen Blicken zumindest ein paar Tage zu entgehen, bucht er diese Kreuzfahrt. Er hat nicht damit gerechnet, auf diese eine wundervolle Frau, Mari, zu treffen.
Es hat mir sehr gefallen, Mari und James auf der Kreuzfahrt lesetechnisch zu begleiten. Für Mari war es völlig unerwartet, dass sich jemand so um sie bemüht, mit ihr flirtet. Sie sagt James gleich zu Beginn, dass sie nicht auf eine neue Beziehung aus ist, was er als Herausforderung sah. Nach der Kreuzfahrt wollen sie sich weiter treffen, aber die Familie soll noch nichts davon wissen. Hach, es kam, wie es kommen musste, aber darüber kann ich nichts schreiben. Diese Geschichte hat mir ausgezeichnet gefallen und war ein schöner Abschluss – 5 Sterne.
Sehr guter Reiheneinstieg
Amalfi Mortale. Kein Urlaub ohne Mord von Catherine Mack
Vacation Mysteries, Band 1: Eleanor Dash ist eine Bestsellerautorin und dabei, das zehnte Buch mit ihrer Hauptfigur Connor Smith zu schreiben. Vorher muss sie jedoch noch auf eine Lesereise an die Amalfiküste, die der Verlag organisiert hat. Ja, für sie ist diese Reise ein Müssen, denn sie hat absolut keine Lust.
Auch nicht darauf, Connor Smith, den es in echt gibt und der ebenfalls an dieser Reise teilnimmt, wiederzusehen. Sie will ihn lesetechnisch umbringen, was er jedoch noch nicht weiss. Als der echte Connor nur knapp einem Attentat entkommt, wird sie zu Hilfe gerufen, um den Fall zu lösen. Literarische Konkurrenten, eine Gruppe Fans, ein Stalker mit Kontaktverbot, zwei Ex-Freunde – und darunter muss die Täterschaft sein…
Erster Eindruck: Ein auffälliges Cover, eine geprägte Schrift – passt gut.
Eleanor wird von ihrer Schwester Harper, die als ihre Assistentin arbeitet, begleitet. Harper ist topporganisiert und managt Eleanors berufliches und privates Leben. Selbstverständlich hat sie Eleanor eine detaillierte Reisebeschreibung vorgelegt, die sie nicht gelesen hat – wie immer. Wenn sie diese gelesen hätte, hätte sie auch gewusst, auf welche Teilnehmer sie stossen würde. Aber mit solchen Dingen will sie sich nicht beschäftigen. Ihr geht es nur darum, wie sie Connor am besten loswerden könnte. Nun, man könnte denken, dass sie ihn im Buch einfach umbringen könnte und fertig, oder? Nein, so einfach ist es eben nicht, denn die beiden haben seit zehn Jahren ein Geheimnis. Nicht einmal Harper weiss davon. Connor ist wie eh und je nervig. Und nun jammert er davon, dass ihn jemand umbringen will! Wirklich? Beweise dafür hat er nicht. Will er sich nur wieder in den Mittelpunkt drängen? Nachdem zwei, drei merkwürdige Dinge passieren, stellt sich die Frage, ob an Connors Behauptungen doch etwas dran ist. Als Krimiautorin wäre es doch gelacht, wenn sie nicht selbst die Lösung herausfände…
Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Mir hat insbesondere der schräge Humor von Eleanor gefallen. Des Weiteren fand ich die Fussnoten, die sie zuhauf verwendet hat – und die die Lektorin eigentlich nicht wollte – absolut gelungen! Witzig war die Zwiesprache, die sie mit den Leser:innen hält. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen; ich fühlte mich sehr gut unterhalten. Ich vergebe gerne 4 Sterne und freue mich auf die Fortsetzung.
Nett für zwischendurch
Der Küstenhof - Kleine Kühe, großes Glück von Sonja Flieder
Der Küstenhof, Band 1: Bei Alice dreht sich alles um ihren Job in einer Hamburger Marketingagentur. Und wenn es nicht um die Arbeit geht, geht es um ihren Freund. Für sich selbst hat sie so gut wie keine Zeit. Als ihr geliebter Onkel Ernst stirbt, reist sie zurück an die Nordseeküste, um ihrer Tante Elisa und ihrer Schwester Caro zur Seite zu stehen.
Der kleine Küstenhof ist nicht mehr gut in Schuss, doch es fehlt das Geld, um die nötigen Arbeiten vornehmen zu lassen. Auf dem Hof gibt es seit neustem Mini-Kühe und zwei störrische Esel, was Alice sehr überrascht. Sie ist auch überrascht, dass sie plötzlich zur Ruhe kommt, entschleunigt. Die Begegnung mit ihrer Jugendliebe Tom treibt ihren Puls in die Höhe... wieso?
Erster Eindruck: Mit diesen süssen Kühen auf dem Cover hatte man mich schon gepackt – ich „musste“ dieses Buch lesen!
Alice ist in einem Hamsterrad gefangen: Der Job in der Agentur verlangt ihr alles ab, es bleibt kaum Zeit für etwas anderes. Und wenn sie dann doch mal einen Abend frei hätte, muss sie ihren Freund Maximilian, der als Schönheitschirurg arbeitet, auf irgendwelche wichtigen Events begleiten, zu denen sie so gar keine Lust hat. Der letzte Besuch bei Tante Elisa und Schwester Caro liegt auch schon über ein Jahr zurück, denn Maximilian hasst es, auf dem Land zu sein. Und das lässt er die anderen auch spüren. Nun ist also ihr Onkel verstorben und sie muss zurück – ein trauriges Wiedersehen. Ihre Tante und ihr Onkel haben den Schwestern so viel gegeben, denn sie haben sie aufgenommen, als ihre Eltern verstorben sind. Die drei Frauen haben mir gut gefallen: Alice, bei der man merkt, dass sie nicht mehr lange in diesem Tempo weitermachen kann; Caro, die halbtags als Tierärztin arbeitet; Elisa, die versucht, sich durch die Tiere auf dem Hof vom Verlust ihres Mannes abzulenken. Der Zustand des Hofes ist besorgniserregend. Eine zündende Idee muss her, ansonsten übernimmt die Bank! Alice und Caro machen sofort einen Plan (Stichworte Crowdfunding und Social Media)…
Dies war mein erstes Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen, war jedoch ziemlich vorhersehbar, keine Überraschungen, für mich etwas zu wenig Mini-Kuh-Content. Nett für zwischendurch – 3 Sterne.
Natalies göttliche Mission
Yesteryear von Caro Claire Burke
Natalie Heller Mills ist eine gute Christin, eine liebevolle Ehefrau, Mutter von sechs Kindern, die sie zu Hause unterrichtet. Mit ihrem Mann bewirtschaftet sie eine idyllische Farm – alles scheint ihr mühelos zu gelingen. Dies ist zumindest das Bild, das sie auf Social Media vermittelt, wo ihr Millionen Menschen folgen.
Die helfenden Hände im Hintergrund sollen bleiben, wie sie sind, nämlich unsichtbar. Eines Tages wacht sie auf und muss das echte Leben einer Pioniersfrau leben, das sie immer nur vorgetäuscht hat…
Erster Eindruck: Das Cover des Schutzumschlages gefällt mir nicht wirklich (ich bin kein Fan von Schutzumschlägen), aber das umlaufende Bild auf dem Hardcover ist sehr schön – schade, dass nicht dieses Bild das Cover ist.
Das Buch spielt auf verschiedenen Ebenen, was durchaus etwas Konzentration benötigte, da man ein paar Seiten in der Gegenwart war, dann wieder zurück in der Vergangenheit.
Wow, Natalie konnte mitnichten Sympathiepunkte bei mir sammeln. Gegen aussen die perfekte Fassade, aber innen – was wir Leser:innen natürlich vermittelt bekamen – ist sie bösartig. Aus ihrer Sicht ist ihr Ehemann wohl der dümmste Mann auf Erden. Und ihre Kinder kann sie ebenfalls nicht leiden. Ihre Mutter geht ihr auf die Nerven, und ihre Schwester mit deren Nichtsnutz von Ehemann sowieso. Und von den Schwiegereltern wollen wir gar nicht erst anfangen. Oha! Aber: Auf Social Media sieht man nur wunderbare Fotos ihrer Familie, es werden Koch- und Backrezepte ins richtige Licht gestellt (und selbstverständlich gibt es auch die nötigen Merchandise-Produkte zu kaufen), alles mühelos, alles easy. Die „wütenden Weiber“, die sich im Netz abfällig zu ihren Posts, Reels und Stories äussern, sind im tiefsten Innern einfach neidisch. Recht so – meint Natalie.
„Manchmal wurde mir fast schlecht, wenn ich darüber nachdachte, wie perfekt mein Leben war und wie gut mir alles gelang.“
Dies ist wieder einmal eine Rezension, die mir nicht leicht fällt. Aber nicht, weil mir das Buch nicht gefallen hätte, nein, ganz im Gegenteil: Ich fand es ein aussergewöhnliches Buch und möchte in meiner Rezension auch die richtigen Worte finden ohne zu spoilern. Und das ist das Schwierige. Die Tradwives wurden in letzter Zeit vermehrt in den Medien thematisiert. Wenn eine Frau als Tradwife („traditional housewife“) die traditionelle Rollenverteilung für ihre Familie als richtig ansieht, ist das ihre Sache, aber das sich dem Manne Unterordnen, ist für mich nicht stimmig. Ebenso wenig dieses „Theater“, das Inszenieren einer Perfektion, einer romantisierten Idylle.
„Eine Frau hatte drei Aufgaben. Eine gute Mutter zu sein, eine gute Ehefrau zu sein und das Haus sauber zu halten. Ach, und immer schön lächeln!“
Als sich Natalie plötzlich effektiv in der Rolle einer Pioniersfrau von 1800 befindet, merkt sie, wie wenig glamourös diese Zeit ohne all ihre Helfer – Mensch oder Maschinen – in Wirklichkeit war. Ich war sehr gespannt, wie diese Verschiebung in die Vergangenheit am Schluss aufgelöst werden würde und konnte fast nicht schnell genug lesen. Und? Die Auflösung war mehr als gelungen, bravo! 5 wohlverdiente Sterne – dieses Drama gehört auf jeden Fall zu meinen Highlights des Jahres 2026.
Aufgerundete 3 Sterne
Die dunkle Seite der Schokolade von Dina Casparis
Serafine Montalin wird als interne Ermittlerin im Schokoladenkonzern „CacaoBest“ eingestellt. Als Lebensmittelchemikerin und Juristin mit Doktortitel bringt sie das richtige Rüstzeug mit. Ihr heimliches Ziel ist, den vermeintlichen Unfalltod ihres Vaters aufzuklären. Bei ihren Ermittlungen, auch in Bezug auf den Übernahmekampf um die Schokoladenfabrik „Chocolat Grison“, stösst sie auf düstere Kapitel der Vergangenheit…
Erster Eindruck: Das Cover, das wie eine Schokoladentafel gestaltet ist, gefällt mir sehr gut, ebenso der Buchtitel.
Serafine nimmt also einen Job als interne Ermittlerin an, scheint aber in erster Linie nur ihrem persönlichen Ziel, der Aufklärung des vermeintlichen Unfalltodes ihres Vaters, nachzugehen. Hat sie gedacht, sie müsste nur mal eben ein bisschen in den Archiven stöbern und ein paar Mitarbeitende befragen, und dann wüsste sie, was wirklich vor fünfzehn Jahren passiert ist? Tja, schön wärs. Der neue Job hat so seine Tücken, denn die Geschäftsführerin von „CacaoBest“ sagt nicht deutlich, was sie erwartet. Aber sie will es auf jeden Fall sofort erledigt haben. Geht klar! Und selbstverständlich sollte sich Serafine an den Dresscode halten, von dem sie jedoch meilenweit entfernt ist. Sie wird nicht von Seiten der Rechtsabteilung unterstützt: Die Chefin des Rechtsdienstes opponiert zuerst, doch dann macht sie plötzlich einen auf neue beste Freundin? Als Serafine wegen der geplanten Übernahme der „Chocolat Grison“ nach Chur reisen muss, werden viele Emotionen und Erinnerungen an die Vergangenheit aufgewühlt...
Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Das Buch war für mich deutlich mehr eine Familiengeschichte als ein Krimi, d.h. mir hat die Spannung gefehlt. Es war auch nicht Cozy Crime, dafür fehlte mir der Humor. Die Geschichte zeigte interessante Details über die Schokoladenproduktion oder die Rohstoffbeschaffung, was sicherlich eine grosse Recherchearbeit bedingte. Die familiären und beruflichen Verbindungen der Montalins mit den von Vilans waren komplex, für mich mit der Zeit zu viel, zu erschlagend. Am besten hat mir Salomé, Serafines Mutter, gefallen. Von mir gibt es aufgerundete 3 Sterne.
Märchenhaft
Cordina's Royal Family 1. Eine königliche Affäre von Nora Roberts
Cordina's Royal Family, Band 1: Prinzessin Gabriella „Brie“ de Cordina wurde entführt, konnte sich aber selbst befreien. Nun leidet sie unter Gedächtnisverlust. Ihrem Vater, Fürst Armand, ist bewusst, dass sie nach wie vor in Gefahr schwebt, denn die Entführer wurden noch nicht gefasst. Wenn sich Brie wieder erinnert, wird es brenzlig.
Der Fürst engagiert den ehemaligen Geheimagenten Reeve MacGee, der für ihre Sicherheit sorgen soll…
Erster Eindruck: Ein zum Buchtitel passendes Cover – gefällt mir.
Dies ist Band 1 der Reihe; das englische Original erschien 1986.
Ein Alptraum: Die Prinzessin wurde entführt! Glücklicherweise konnte sie entkommen, aber sie erinnert sich nicht, erkennt nicht einmal ihren Vater oder ihre beiden Brüder. Die Ärzte meinen, es ist nur eine Frage der Zeit. Eine sehr schwierige Zeit für alle. Der Fürst ist nicht nur Vater, sondern auch der Regent von Cordina. Und dabei muss er dafür sorgen, dass der Gedächtnisverlust nicht ans Licht kommt. Er engagiert Reeve MacGee, den Sohn eines langjährigen Freundes, zu Bries Sicherheit. Er hat auch einen Plan.
Der Gedächtnisverlust ist schlimm: Nicht zu wissen, wer man selbst ist oder nicht weiss, wo man aufgewachsen ist. Oder wer der Mann ist, der ihr sagt, dass er ihr Vater sei. Geduld ist nicht Bries Ding – wer kann es ihr verübeln? Sie ist zudem wenig erfreut, dass Reeve nun andauernd an ihrer Seite zu sein hat. Sie mag ihn nämlich nicht. Oder vielleicht doch ein bisschen. Ein bisschen zu sehr…
Das Buch ist vor vierzig Jahren geschrieben worden; diese Zeitspanne musste ich im Hinterkopf behalten, da sich der Schreibstil von Nora Roberts bestimmt verändert hat. Des Weiteren musste ich mir bewusst sein, dass es ein Märchen ist und die zuweilen etwas schwülstigen Formulierungen (und das Machogehabe einiger Männer) einfach so hinnehmen. Es hat mich überrascht, dass gegen aussen wenig passierte, um die Entführer zu finden (erst spät erfährt man mehr darüber, was im Hintergrund lief); das ist schade. Der Aufenthalt im fiktiven Cordina hat mir gut gefallen – 3 Sterne.











