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Rezensionen von peedee:
Nicht wirklich unerwartet
Unerwartete Veränderungen von Danielle Steel
Melanie „Mel“ Adams ist eine erfolgreiche TV-Moderatorin in New York, alleinerziehende Mutter von Zwillingstöchtern. Ein Mann an ihrer Seite fehlt ihr nicht – sie hätte gar keine Zeit für einen. Aus beruflichen Gründen trifft sie in Los Angeles auf den Herzchirurgen Dr. Peter Hallam. Sie ist beeindruckt von seiner Leidenschaft für seine Tätigkeit; sie spürt seine Liebe zu seinen drei Kindern und auch für seine vor zwei Jahren verstorbene Frau.
Mel fühlt sich zu ihm hingezogen, redet sich aber ein, dass das nichts zu bedeuten hat, denn sie leben mit Kindern und Karriere dreitausend Meilen auseinander. Doch auch Peter ist von ihr fasziniert…
Erster Eindruck: Ein schönes Cover – gefällt mir sehr gut.
Die Originalausgabe erschien 1983 („Changes“), also vor über 40 Jahren. Dies ist zu bedenken, da im Buch Festnetzgespräche geführt oder noch Briefe geschrieben werden.
Der Job als TV-Moderatorin in New York verlangt viel von Mel ab: Sie muss kurzfristig viel reisen, um am Puls der News zu sein – vor Ort zu sein und zu berichten ist wichtig und auch befriedigend. Sie versucht zudem, möglichst viel Zeit mit ihren Töchtern zu verbringen. Wo hätte ein Mann da Platz? Peter hat als Herzchirurg einen aufreibenden Job. Für ihn ist es wohl mehr Berufung als nur Arbeit: Er operiert Herzen, transplantiert Spenderherzen, freut sich mit seinen Patienten, die gesunden, verzweifelt aber, wenn sie trotz aller Prognosen versterben. Und zu Hause sind seine drei Kinder, für die seit dem Tod der Mutter vor zwei Jahren die Zeit still steht. Was kann Peter tun, damit es allen wieder besser geht?
Mel und Peter haben mir beide sehr gut gefallen. Ich war jedoch kurzum erschöpft, als ich nur von ihrem hektischen Tagesablauf las. Es ist keine Überraschung, dass Mel und Peter zusammenkommen. Und auch, dass es dadurch grosse Herausforderungen geben wird: Sie hat ihren Lebensmittelpunkt in New York, er seinen in Los Angeles. Beide können ihre Jobs nicht einfach so aufgeben. Und auch ihre Kinder können sie nicht einfach so entwurzeln. Es versteht sich von selbst, dass der Moment kommt, wo sie sich entscheiden müssen. Die Entscheidung fällt, aber damit ist nicht das Happy End in Sicht, sondern der Beginn ganz neuer Probleme…
Das Buch ist mit seinen 496 Seiten ein ziemlicher grosser Brocken, aber die Geschichte hat diese Anzahl Seiten auch gebraucht. Ich war sehr gespannt, welche Lösung sich in dieser Problematik finden lässt. Von mir gibt es 5 Sterne.
Roman ja, Thriller nein
Er lügt von Rebecca Taylor McKay
Positano, Italien, 1961. Clara Carmichael ist eine glückliche Frau, denn sie ist mit ihrem Mann Spencer in den Flitterwochen an der Amalfiküste. Sie ist wirklich glücklich. Wie könnte sie es auch nicht sein? Spencer ist reich, charmant, und er liebt sie. Die letzten Monate waren nicht einfach für das Paar.
Aber jetzt wird alles besser. Oder? Clara erhält eine mysteriöse anonyme Botschaft: „Er lügt“. Sie beginnt, Spencers Verhalten zu analysieren. Und auch dasjenige der neuen Bekannten Fred und Vivian aus dem Hotel. Was verschweigen sie? Und was Clara?
Erster Eindruck: Das Buchcover gefällt mir sehr gut; Buchtitel und insbesondere der Untertitel sind gut gewählt und neugierig machend.
Das Buch wird aus der Sicht von Clara erzählt. Clara ist mit 22 Jahren noch sehr jung und verhält sich oftmals naiv. Spencer hat eine auf mich sehr herablassend wirkende Art, das mag ich gar nicht. Ebensowenig wie den Spitznamen „Bambi“ für seine Frau. Wie kam es, dass der Firmenchef „ausgerechnet“ die junge Clara aus der Schreibstube als seine Zukünftige auserwählt? Liebe? Hm, das kann ich nur sehr schwer glauben, denn schliesslich ist dies kein Hollywood-Märchen. Wieso kann sich Clara an so vieles nicht erinnern? War es die Krankheit? Welche? Sind Drogen im Spiel? Es ist schon merkwürdig, wenn der eigene Ehemann „plötzlich“ fliessend eine Fremdsprache spricht, obwohl er vorher nie etwas derartiges erwähnt hat. Oder hat er doch und Clara weiss es nur nicht mehr? Die Gedanken kreisen… und zwar lang. Sehr lang.
Die Autorin liess mich von Beginn an diverse Vermutungen anstellen, weshalb Clara so krank war bzw. es ihr nach wie vor nicht viel besser ging. Und ich hatte diverse Szenarien im Kopf, was auch die Bekannten, das Ehepaar Fred und Vivian, miteinschloss. Für meinen Geschmack zog es sich jedoch viel zu lange hin, bis effektiv etwas passierte, dass der Geschichte Schwung verlieh.
Fazit: Die Inhaltsbeschreibung versprach Spannung, ebenso der Aufdruck „Thriller“. Aber beides habe ich in dieser Story nicht gefunden, schade. Der Ausgang der Geschichte ist für mich unbefriedigend. Für einen Roman gut (3 Sterne), als Thriller leider keine Empfehlung;
Zeit des Loslassens
Polwenna Bay – Wo Mut Neues schafft von Ruth Saberton
Polwenna Bay, Band 7: Meg Lyle hat ihre Karriere im Marketing aufgegeben und ist nach Polwenna Bay zurückgekommen, um im elterlichen Imbiss „Codfather“ mitzuarbeiten. Das Lokal steht kurz vor dem Aus. Unzählige harte Arbeitsstunden liegen vor ihr; sie hofft, den Betrieb umstrukturieren zu können.
Für Spass bleibt keine Zeit. Das versteht ihr bester Freund Nick Tremaine nicht. Er lebt in den Tag hinein, wenn er keinen Job auf dem Fischerboot hat, trinkt gerne einen oder zwei über den Durst, lacht sich immer neue Sommerflirts an, hält Versprechen nicht ein. Wie kann er nicht erkennen, dass Meg Hilfe braucht?
Dies ist Band 7 der Reihe, kann aber unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden. Ich freue mich sehr, lesetechnisch wieder in Polwenna Bay zu sein.
Als Leserin weiss man mehr als die Protagonisten. Die Freundschaft zwischen Meg und Nick war schon lange viel mehr als „nur“ eine Freundschaft, obwohl beide sich niemals amouröse Gefühle für ihren „Kumpel“ hätten vorstellen können. Meg ist enttäuscht und müde. Enttäuscht, dass sich insbesondere ihr Vater gegen all ihre Vorschläge und Pläne stellt. Müde, weil sie vor lauter Arbeit kaum noch Schlaf kriegt. Und sie vermisst ihren besten Freund. Er ist zwar da, aber er sieht nicht, dass sie seine Unterstützung bräuchte. Nick ist ein junger verletzlicher Mann, der gegen aussen gerne den sorglosen Sonnyboy gibt, aber damit nur sein Innerstes schützen will – das wissen jedoch nur seine Granny und Meg. In letzter Zeit hat er es mit seinen Eskapaden zu weit getrieben. Seine Entschuldigungen will niemand mehr hören, denn sie ändern eh nichts. Ach ja, er badet in Selbstmitleid und hasst Veränderungen…
Meine Lieblingsfigur unter all den zahlreichen Protagonisten ist Alice, die Grossmutter der Tremaine-Kinder. Es freut mich so sehr, dass sie nun mit ihrer Jugendliebe verheiratet ist. Sie trifft einige Entscheidungen, die ihr ganz und gar nicht leichtfallen, aber sie weiss, dass nun die richtige Zeit dafür ist.
Das Buch war trotz der 477 Seiten schnell ausgelesen. Es war wie gewohnt einiges los in Polwenna Bay: die Aufregung um „Morgawr“, der Sagengestalt aus dem Meer; der Besuch von Jules‘ Mutter; Hochzeitsvorbereitungen; ein neuer Vikar; viele Veränderungen. Von mir gibt es 5 Sterne und ich freue mich auf weitere Lesestunden mit den Tremaines und Co.
Märchenhafter Ausgang der Geschichte
Träume von Beauchamp Hall von Danielle Steel
Winona „Winnie“ Farmington wollte immer nach New York, um dort im Verlagswesen Karriere zu machen. Als ihre Mutter erkrankte, kehrte sie jedoch in ihre Heimatstadt zurück, um sie zu pflegen. Die Jahre ziehen ins Land, die Träume scheinen vergessen. Ihr Job ist langweilig, der Chef ein Choleriker.
Als sie bei der überfälligen Beförderung übergangen wird und sie ihren Freund mit ihrer vermeintlich besten Freundin im Bett erwischt, ist das Fass voll: Sie schmeisst alles hin und fährt nach England, um dort das Set der Serie „Beauchamp Hall“, die in den 1920er Jahren spielt und wovon sie ein grosser Fan ist, zu besuchen. Was will sie jetzt tun? Mal abwarten und die Atmosphäre am Filmset geniessen…
Erster Eindruck: Ein stimmungsvolles Cover – gefällt mir sehr gut.
Die Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel „Beauchamp Hall“.
Winnie hat mir gefallen: Sie ist 38 Jahre alt, sympathisch, stark. Eine Schwäche an ihr war jedoch ihr Freund Rob – aus meiner Sicht ein Schmarotzer und ich habe nicht verstehen können, wieso sie bei ihm blieb. Er kommt zwar zum Übernachten zu ihr, aber kann am Morgen, wenn er vor ihr das Haus verlässt, nicht kurz Schnee schippen. Nein, denn es ist ja ihr Haus, also ihre Aufgabe. Oh, sehr charmant! Und so geht es in vielen Dingen. Sie unternehmen so gut wie nie etwas zusammen; es geht immer nur um das Eine. Für mich dauerte es viel zu lange, bis sie sie ihn rausschmiss – und ihre „Freundin“ gleich mit.
In England taucht sie in eine ganz andere Welt ein: Sie ist begeistert vom Schloss und dem ganzen Drumherum. Sie fühlt sich zu Hause. Wie kann das sein? Sie darf eine Statistenrolle übernehmen und als „Mädchen für alles“ ein paar Botengänge erledigen – aufregend! Dabei lernt sie Nigel kennen, einen der Filmtechniker. Sie mag ihn. Sehr sogar. Kann es sein, dass eine neue Liebe ausgerechnet in England auf sie wartet?
Was mir an diesem Buch am besten gefallen hat, war der Mut, den Winnie bewies, indem sie aus ihrem bisherigen Leben ausgebrochen und nach England gefahren ist. Wenn sie „nur“ einen Ausflug dorthin gemacht hätte, wäre es ja nicht so aussergewöhnlich gewesen, aber sie bleibt einfach mal für längere Zeit dort und schaut, wohin es sie treibt. Glücklicherweise hatte sie ein paar Ersparnisse im Gepäck, so dass sie sich das leisten konnte. Der Ausgang der Geschichte ist märchenhaft-kitschig, aber das darf es auch mal sein; 3 Sterne.
Ein Pageturner
Keine Angst, Darling von Vera Buck
Lea hat einen Mann, eine Tochter, lebt in der Luxussiedlung „Sancta Familia“ in Florida, hat Millionen von Followern auf Social Media, wo sie die traditionellen Werte einer Frau hochleben lässt – sie lebt ihren Traum, oder? Ihre Schwester Paula traut dem ganzen Idyll nicht, sie ist misstrauisch, insbesondere als sie Lea über längere Zeit nicht erreicht und sie auch nichts mehr gepostet hat! Sie fliegt aus Deutschland zu ihr, doch sie ist nicht da.
Ihr Mann Matt sagt, sie sei in einem Retreat, dessen Namen ihm gerade entfallen war und wo sie telefonisch nicht erreichbar sei. Paula ist zutiefst beunruhigt – die scheinbare Perfektion der Siedlung ist nur vordergründig. Strenge Regeln sind zu befolgen. Ansonsten sind drastische Konsequenzen die Folge…
Erster Eindruck: Ein schlichtes Cover, das durch seine dunkle Farbgebung wirkt – gefällt mir.
Das Buch wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt; der Wechsel der Perspektive ist gut vermerkt.
Die Schwestern Paula und Lea haben ein kompliziertes Verhältnis, das sich über die Jahre und die Entfernung noch verschlechtert hat. Aber Paula ist und bleibt die grosse Schwester, die sich um Lea sorgt. Paulas Mann kann ihre Sorge nachvollziehen; sie fliegt nach Amerika und er bleibt zu Hause bei den Kindern. Die Ankunft in der Wohnsiedlung ist befremdlich: Sie kann nicht hereingelassen werden, da Besuche 24 Stunden vorher angekündigt und genehmigt werden müssen. Und für sie liege keine solche Genehmigung vor. Das fängt ja gut an! Paula kann den Pförtner überreden, ihren Schwager Matt anzurufen. Gesagt, getan, Paula darf rein. Aber wo ist Lea? Matt redet sich raus – er ist ein gewiefter Rhetoriker –, doch Paula beruhigt dies überhaupt nicht.
„Sancta Familia – Home as it should be.” Da lief bei mir schon ein Schauer über den Rücken, aber definitiv nicht aus Verzücken! Das Leben in einer Gated Community, einer bewachten und in sich abgeschlossenen Wohnanlage, bedeutet Sicherheit und Idylle. Oder doch eher Gefängnis und kollektives Wegschauen?
Vor ein paar Monaten habe ich bereits ein ausgezeichnetes Buch zum Thema Tradwives gelesen, dasjenige ein Roman, das vorliegende nun ein Thriller. Für mich war es das zweite Buch der Autorin, nach „Der dunkle Sommer“, das letztes Jahr zu meinen Highlights gehörte. Meine Erwartungen an das vorliegende Buch waren hoch. Und? Die Geschichte war ein regelrechter Pageturner mit unerwarteten Twists. Ein Blick hinter die Fassade einer ach so perfekten Welt: in Leas Küche, in die „Sancta Familia“. Dabei ist nichts perfekt, sondern das Gegenteil! Die Beweggründe der Autorin, dieses Buch zu schreiben, und die ergänzenden Informationen im Nachwort sind eindrücklich. Von mir gibt es 5 Sterne; dieses Buch gehört definitiv zu meinen Highlights des Jahres!
Märchenhaft zum Zweiten
Cordina's Royal Family 2. Ein königlicher Kuss von Nora Roberts
Cordina's Royal Family, Band 2: Der Thronfolger Prinz Alexander de Cordina weiss sich in jeder Situation tadellos zu benehmen. Nichts und niemand macht ihn nervös. Wirklich niemand? Schauspielerin Eve Hamilton, eine Freundin der Familie, gastiert mit ihrer Truppe am Hof der Fürstenfamilie. Sie ist die Einzige, die ihn aus der Ruhe bringt.
Als eine Serie von Anschlägen auf Mitglieder des Hofes erfolgt, ist auch Eve in Gefahr…
Erster Eindruck: Ein zum Buchtitel passendes Cover – gefällt mir.
Dies ist Band 2 der Reihe, kann jedoch ohne Kenntnis des Vorgängerbandes gelesen werden. Das englische Original erschien 1987.
Kronprinz Alexander und seine Geschwister könnten unterschiedlicher nicht sein: Bennett, sein Bruder, der als „Playboy-Prinz“ bekannt ist; Brie, seine Schwester, die mit Reeve verheiratet ist und vier Kinder hat. Auf Alexanders Schultern lastet viel. Eve hat sich sehr gefreut, als sie das Angebot erhalten hat, mit ihrer Schauspieltruppe vier Stücke in Cordina aufführen zu können. War das der einzige Grund für ihre Freude? Nein. Sie freut sich auch auf Alexander. Nein, tut sie nicht. Tut sie doch!
Als Leserin weiss man mehr als die Protagonisten selbst. Es wird keine Überraschung sein, dass Alexander von Eve hingerissen ist, sich aber meistens kühl und distanziert gibt, und dass Eve ihrerseits Gefühle für Alexander hegt. Alexander ist mit dreissig Jahren der seit Generationen älteste noch ledige Thronfolger in seiner Familie. Es wird ihm des Öftern gesagt, dass er doch heiraten und für Nachwuchs sorgen sollte. Er will aber nur die Eine: Eve. Als Theaterleiterin und Nicht-Adlige aus Amerika ist sie es gewohnt, ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Bei ihm kommt immer zuerst sein Land. Könnte sie sich wohl vorstellen, an seiner Seite Cordina zu dienen?
Das Buch ist vor knapp vierzig Jahren geschrieben worden; diese Zeitspanne ist im Hinterkopf zu behalten. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass es ein Märchen ist. Es war eine unterhaltsame Auszeit mit Liebe und Drama im fiktiven Cordina – 3 Sterne.
Knappe 3 Sterne für das Debüt
Tage am Fluss von Jochen Mariss
In Erlengrund geht alles ein bisschen gemächlicher: Sara betreibt die kleine Fähre, die das Dorf mit dem Rest der Welt verbindet. Sie lebt zurückgezogen mit ihren Tieren auf einem kleinen Hof. Sie hat Sorgen: tiefe Wasserstände, die den Fährbetrieb zuweilen verunmöglichen und ihre Finanzen deutlich schmälern; der geplante Bau einer Brücke, die ihre Fähre und somit ihre Arbeit überflüssig macht; das Haus, das dringend renoviert werden müsste.
Eines Tages taucht ein junger Mann mit einer Verletzung auf ihrer Fähre auf: Leon. Sie verarztet ihn und gewährt ihm Unterschlupf gegen Mitarbeit auf dem Hof. Ein erstes und wichtiges gemeinsames Thema: die Liebe zur Natur…
Erster Eindruck: Das Cover mit der im Fluss badenden Frau gefällt mir; es vermittelt eine Leichtigkeit, Unbeschwertheit.
Sara führt als Fährfrau die Tradition ihrer Vorfahren weiter. Sie lebt ein eigenbrötlerisches Leben; die Gesellschaft ihrer Tiere ist ihr lieber als die der Menschen. Die Schuldgefühle, die sie seit vielen Jahren mit sich herumträgt, hat sie einen Schutzwall um sich herum errichten lassen. Der verletzte Leon taucht aus dem Nichts auf: Ohne sich weiter Gedanken zu machen, gewährt sie ihm Obdach – das hätte ich nicht gekonnt. Leon gibt sich zugeknöpft – er verrät nicht viel über sich, woher er kommt, wohin er wollte, wieso er verletzt ist.
Beim Kennenlernen öffnen sich beide ein bisschen und lassen den anderen ein wenig über ihre Schutzmauer blicken. Sara erzählt von ihren Eltern, ihrem Bruder Jan und ihrem aktuell grösstem Problem, dem geplanten Bau einer Brücke. Er berichtet von seiner Liebe zu den Bäumen, dem abgebrochenen Studium und seiner Teilnahme bei einer Waldbesetzung, die durch die Polizei beendet wurde.
Naturschutz, Klimaangst, Aktivismus, Panikattacken, Fährschifffahrt, Probleme unterschiedlichster Art (Familie, Alkohol, Finanzen) – eine (zu) breite Palette an Stichworten. Was soll ich zu diesem Buch sagen? Lange Zeit war meine Position zum Gelesenen ziemlich neutral: Es war weder ausnehmend gut, noch hat es mich gelangweilt. Es plätscherte ein bisschen vor sich hin, was aber (für mich) zum Thema Fluss passte. Der Ausgang der Geschichte ist mir zu offen. Veränderungen – egal welche – brauchen etwas Zeit. Wäre alles holterdiepolter „perfekt“ aufgelöst worden, wäre es unrealistisch gewesen. Unrealistisch war für mich die Situation mit dem Geld; dies wurde mir zu sehr romantisiert. Für das Debüt gibt es von mir aufgerundete 3 Sterne.
Amüsante Geschichte für zwischendurch
Himmel, Mord und Wolkenbruch - Die Toten vom Titisee von Martin Heimberger
Himmel, Mord und Wolkenbruch, Band 1: Im Schwarzwald laufen die Uhren anders. Es wimmelt nur so von Kuckucksuhren, Zäpflingen (nicht Wichtel!) und unheimlichen Sagen. Und es findet sich auch ein toter Taucher auf einem Baum. Wie bitte? Die frischgebackene Polizei-Tatortfotografin Sara Gauch und der forensische Meteorologe Teo Eichhorn treffen zufällig aufeinander.
Teo wird von Saras Art überrumpelt und ermittelt wider Willen mit ihr. Denn dass der angeberische Kommissar Hinterwälder mit seinen Ansichten des Vorfalls falsch liegt, müssen sie unbedingt beweisen…
Erster Eindruck: Ein zum Schwarzwald-Krimi gut passendes Cover, auch wenn man sieht, dass einzelne Elemente wie bei einer Collage einfach so darübergelegt wurden (z.B. Wetterhäuschen).
Dies ist Band 1 einer Reihe. Es ist für mich überraschend, dass der Reihentitel grösser aufgeführt ist als der Buchtitel (ich finde es begrüssenswert, wenn der Reihentitel aufgeführt ist, aber so gross müsste er nicht sein).
Sara und Teo – beide ohne „h“ im Namen, so viel Zeit muss sein – waren interessante Charaktere: Sie sprudelt über vor unkonventionellen Ideen; schert sich nicht darum, ob ihr Vorgehen legal ist; handelt, bevor sie zu Ende gedacht hat. Teo stelle ich mir ein bisschen als Nerd vor: ein Meteorologie-Nerd, der stundenlang über Wetterphänomene dozieren könnte. Ich wusste nicht, dass es forensische Meteorologen gibt, die herausfinden müssen, wie das Wetter zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt an einem Ort war, um z.B. Versicherungsfragen klären zu können. Kommissar Florian Hinterwälder (nicht Hinterwäldler!) ist, wie sage ich es bloss diplomatisch, kein Sympathieträger. Ach, lassen wir das mit der Diplomatie: Er ist ein unerträglicher Typ! Aber er ist nun mal Saras Chef, da muss sie durch. Denn er entscheidet darüber, ob sie die Probezeit übersteht. Der Tote im Baum gibt allen Rätsel auf…
Ich kenne noch kein Buch des Autors, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Der Krimi war schnell ausgelesen. Das Wetter war – selbstverständlich – ein grosses Thema und ich fand einerseits diese Faszination für die Meteorologie sehr interessant, aber andererseits hatten diese ganzen Fachbegriffe für mich auch etwas Ermüdendes. Ich habe keine speziellen Interessen an meteorologischen Vorgängen – für mich ist das Wetter einfach, wie es ist. Tja, völlig simpel meinerseits, ich weiss. Eine amüsante Geschichte für zwischendurch; 3 Sterne.
Ungewohnt, aber gut
Die Linkshänderinnen von Heinrich Steinfest
Eine Zufallsbekanntschaft dreier Frauen auf einem Flug. Scheinbar nichts verbindet diese drei ausser das gleiche Reiseziel. Nein, halt, es gibt doch etwas: die Linkshändigkeit! Die Frauen bleiben in Kontakt und das Schicksal führt ihre Lebenswege so, dass sie zusammen eine kleine Cocktailbar, wo alles mit links erledigt wird, eröffnen.
Die Cocktailbar ist weit über die Stadtgrenzen bekannt. Als eines Abends insgesamt 35 französische Gäste scheinbar spurlos verschwinden, erreichen sie einen nicht erwünschten Bekanntheitsgrad. Wo sind die Gäste abgeblieben?
Erster Eindruck: Auf dem Cover ist eine Schere, und sonst nichts – interessant.
Ein Flug mit zwei randalierenden Gästen – nein, danke, die Reise fängt ja gut an! Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, platziert das Personal andere Passagiere um. Nachdem die Raufbolde bei der Zwischenlandung das Flugzeug verlassen hatten, bleiben die Neo-Sitznachbarinnen Ruth, Nora und Tilda beieinander sitzen und sind in ihr Gespräch nach der Suche nach Gemeinsamkeiten vertieft. Die Versprechen, nach dem Flug in Kontakt zu bleiben, sind hier nicht nur leere Worte. Als sich Umbrüche in ihren jeweiligen Lebenssituationen ergeben, starten sie zu dritt neu durch und eröffnen eine Cocktailbar. Eine interessante Idee, alles auf ihre Linkshändigkeit einzurichten. Ich hätte jedoch erwartet, dass die Bar auch einen Namen trägt, der darauf hinweist. Aber vielleicht waren ihnen solche Namen zu profan oder sie waren bereits vergeben.
Als ich die Inhaltsbeschreibung gelesen habe, habe ich mich gefragt, wie „einfach so“ 35 Gäste verschwinden können. Nun ja, das war durchaus interessant. Es wurde spannend und dann… Kapitelende! Gefolgt von: 20 Jahre später… Oh, das kam unerwartet. Was soll ich zu diesem Leseerlebnis sagen? Ungewohnt? Überraschend? Schräg? Ja, ja und ein drittes Mal ja. Von mir gibt es 3 Sterne.
Schwierige Beziehungen
Einen Tag nach dem anderen von Danielle Steel
Was macht man, wenn man Tochter einer berühmten Hollywood-Familie ist? Entweder mischt man bei diesem Zirkus ebenfalls mit oder zieht sich vollkommen zurück. Colette „Coco“ Barrington hat sich für den Rückzug entschieden und lebt als Hundeausführerin in Bolinas, Nordkalifornien. Ihre Mutter und Schwester meinen, sie sei ein Hippie und verschwende ihr Leben.
Als sie auf Hund und Haus ihrer Schwester Jane aufpasst, lernt sie Leslie Baxter – den berühmten Schauspieler – kennen, der vorübergehend bei Jane wohnt. Sie fühlen sich gleich zueinander hingezogen. Doch dies hat keine Zukunft, oder?
Erster Eindruck: Ein stimmungsvolles Cover – gefällt mir sehr gut.
Die Originalausgabe erschien 2009 unter dem Titel „One Day at a Time“.
Coco hat mir gefallen. Sie hat ihren Weg gefunden und liebt ihr Leben mit ihrem Hund am Strand von Bolinas. Ihr ist bewusst, dass sie den Job als Hundeausführerin nicht ewig machen kann und wird, aber im Moment ist es das Richtige für sie – und erst noch lukrativ. Jane, ihre Schwester, ist eine berühmte Filmemacherin, und hält überhaupt nichts von Cocos Leben. Sie sei eine Versagerin. Das denkt wohl auch die Mutter, eine berühmte Bestsellerautorin. Oje, das ist ja ein sehr ermutigendes Umfeld! Nein, ernsthaft, das fand ich so abschätzig, wie sich die beiden Frauen benommen haben. Nur was sie sagen, zählt etwas! Leslie Baxter findet für einige Zeit Unterschlupf in Janes Haus. Er muss sich vor seiner verrückten Ex-Freundin verstecken. Als berühmter Schauspieler hat er schon einige Marotten und Verrücktheiten erlebt, aber nicht so etwas wie mit seiner Ex-Freundin. Coco ist ganz anders als alle Frauen, die er bisher kennengelernt hat. Sie kennt den Hollywood-Zirkus, ist aber nicht beeindruckt.
Ich habe schon viele Bücher von Danielle Steel gelesen. Für mich ist das vorliegende Buch eines der schwächeren Werke. Warum? Lange Zeit war es ruhig, wirklich sehr ruhig. Fast drei Viertel des Buches gab es Liebeteuerungen „en masse“. Und dann immer wieder: „Sie liebten sich“; „Sie liebten sich erneut“; gefolgt von „Sie liebten sich nochmals“. Nun ja, das Romantikerherz findet eine funktionierende Beziehung durchaus schön, aber mit der Zeit fand ich dies sehr ermüdend. Denn abgesehen davon, dass sich Coco und Leslie von der Aussenwelt abschotteten, passierte einfach nichts. Und ich meine nichts. Im letzten Viertel kam dann – zum Glück – noch Schwung in die Geschichte. Und nur aufgrund dieses letzten Viertels kann ich nun 3 Sterne vergeben.











