Kunden em pfehlungen
Rezensionen von peedee:
Ein klarer Fall von „nichts ist klar“
Gärten, Gift und kalte Rache von Klaudia Blasl
Pauline und Berta, Band 3: Oberdistelbrunn hat sich mehr Biodiversität und sanfter Tourismus auf die Flagge geschrieben. Die Umsetzung ist jedoch alles andere als einfach, denn Veränderungen missfallen vielen. Erst recht, wenn ein Experte von auswärts kommt und ihnen erklären will, wie etwas zu machen ist.
Nach dem Fund eines Hundeskeletts ist die Aufregung gross, kurz darauf wird ein Mann vergiftet aufgefunden. Er bleibt nicht der Einzige. Pauline und Berta, Hobbygärtnerinnen mit Miss-Marple-Gen, wollen dem Täter auf die Spur kommen, bevor es weitere Opfer gibt…
Erster Eindruck: Ein aussergewöhnliches Cover, ein witziger Titel – gefällt mir.
Dies ist Band 3 der Reihe, für mich jedoch die erste Begegnung mit Pauline und Berta.
Paulines Mann macht ihr Sorgen, denn er kommt aus der Reha und verhält sich merkwürdig. Der ehemalige Couch Potato hat plötzlich sportliche Ambitionen! Da steckt bestimmt eine andere Frau dahinter! Paulines Nachbarin und Freundin Berta hat mir gut gefallen – ich konnte sie mir optisch sehr gut vorstellen.
Der Fund des Hundeskeletts bringt etwas in Gang, das ganz Oberdistelbrunn in Angst und Schrecken versetzt. Und selbstverständlich den Kommissar – Entschuldigung, selbstverständlich Hauptkommissar – wütend macht (er hat eine sehr kurze Zündschnur, das heisst, es braucht nicht viel, damit er sich in Rage redet). „Ist in diesem verdammten Kaff eine kollektive Gehirnlähmung ausgebrochen? Oder steht selbstständig denken hier schon auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tätigkeiten?“ Er war eine sehr grosse Herausforderung für meine Geduld. So ein unsympathischer, vorverurteilender Typ, das glaube ich ja nicht! Aber er scheint es mit Pauline & Co. wohl seit Band 1 nicht leicht gehabt zu haben. Aber trotzdem!
„Morde sind schon eine spannende Sache, solange es einen nicht selbst trifft.“
Dies war für mich das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Der Schreibstil war sehr blumig (logisch!), ziemlich überschwänglich (insbesondere auf die Länge hinaus), mit kreativen Vergleichen (z.B. „asthmatische Nilpferde mit Pollenallergie im Stepptanz“). Das Schwarzhumorige hat mir sehr gut gefallen; die Kenntnisse über Pflanzen und deren Wirkungen waren beeindruckend, erst recht für jemanden, der nicht gerne in der Erde buddelt oder sich täglich mit Kulturpflanzenbegleitgrün (schöne Umschreibung für Unkraut) und Nützlingen/Schädlingen beschäftigt. Eine überraschende Auflösung – 3 Sterne.
Auch Papa muss keine Angst haben
Papafant - Angst im Dunkeln? Ich doch nicht! von Nicola Anker
Ein Elefant ist gross, stark und hat vor nichts und niemandem Angst. Zudem ist er nämlich Papa: Papafant. Seine Kinder Rüsselchen und Tröt haben Angst im Dunkeln. Papafant erklärt ihnen, dass sie sich nicht fürchten müssen. Dafür zeigt er ihnen auch Tricks, wie sie die Angst vertreiben können.
Aber im Dunkeln sind Geräusche manchmal doch komisch und so hat plötzlich sogar der stärkste Elefant mal Angst… Für Kinder ab 3 J.; illustriert von Patrick Fix.
Erster Eindruck: Ein süsses Cover mit Papafant und seinen Kindern.
Die Familie von Papafant lebt in einem Baumhaus – wow! Ich habe nicht gewusst, dass Elefanten in Baumhäusern leben können! Und die hat als Ausgang sogar eine Rutsche, die sich um den Baumstamm windet. In einem Teil des Baumhauses sieht man Mamafant, die noch im Büro arbeitet (moderne Elefanten!) und im Badezimmer sieht man Papafant, der sich mit den Kindern fürs Bett vorbereitet. Und dazu gibt es noch ganz viele bunte Details, die zum Weiterspinnen eigener Geschichten verleiten. Die vollflächigen Illustrationen sind wunderbar und der Textanteil pro Doppelseite ist für die noch sehr junge Zielgruppe absolut passend.
„Ein bisschen Angst darf wohl jeder haben – sogar Papafant!“
Das Buch ist aus meiner Sicht mehr als gelungen: Es zeigt auf, dass die Kinder sich im Dunkeln nicht fürchten müssen, zeigt aber, dass auch ein Erwachsener – sogar der Papa! – mal Angst haben kann, und dass das in Ordnung ist. Wenn das Licht wieder angeht, sieht man, dass es bloss Schatten waren, die Angst machten. Von mir gibt es wohlverdiente 5 Sterne.
Komplexe Beziehungen
Das Geheimnis unseres Sommers von Sarah Morgan
Milly und Nicole waren seit frühester Kindheit die besten Freundinnen. Sie haben wunderbare Urlaube im Resort Forest Nest verbracht, das seinerzeit von Millys Mutter Connie geleitet wurde. Nun führt Milly die Geschäfte, ist geschieden und zieht Teenager Zoe alleine gross. Nicole ist nach LA gezogen und eine berühmte Schauspielerin geworden.
Seit 18 Monaten, dem Zeitpunkt ihrer Trennung von Richard, hat Milly nichts mehr von Nicole gehört. Aber trotzdem ist sie für sie da, als sie um Hilfe bittet. Aber kann Milly Nicole verzeihen, dass sie sie geghostet hat, als sie sie am meisten gebraucht hätte?
Erster Eindruck: Ein sehr schönes Cover, das Urlaubsgefühle vermittelt – gefällt mir sehr gut.
Die Geschichte wird aus den Blickwinkeln von mehreren Frauen erzählt, was einerseits lebendig wirkt und andererseits die Leser:innen mehr wissen lässt als die Einzelperson: Milly, Mutter Connie, Grossmutter Peggy, Tochter Zoe sowie Nicole.
Auf den ersten Blick scheint der „Fall“ glasklar zu sein: Nicole ist eine erfolgreiche Schauspielerin, ergo sie hat alles erreicht und ist glücklich. Nun ja, wenn das nur so einfach wäre. Sie ist wohl berühmt, aber sie hat dadurch auch ihre Privatsphäre verloren. Dank Social Media geht alles sofort viral und Nicole merkt, wie einsam sie in Wirklichkeit ist. Die neuesten Entwicklungen in ihrem Privatleben haben für haufenweise negative Presse, selbstverständlich einzig zu ihren Lasten, gesorgt. Sie wendet sich an Milly, obwohl sie es ihr nicht verdenken würde, wenn sie ihr nicht helfen würde. Das Wiedersehen von Milly und Nicole ist unterkühlt – Milly ist verletzt von Nicoles Verhalten. Sie versteht nicht, was seinerzeit passiert ist und warum sie alle Kontaktversuche abgeblockt hat. Und was ist jetzt passiert, dass sie um ihre Hilfe bittet? Ist ihre Freundschaft zu retten?
„Ich bin nicht genug, hatte sie gedacht. Ich werde nie genug sein.“
Es war eine sehr ruhige Geschichte, die aufzeigt, wie komplex Beziehungen sind, egal, ob es sich um romantische, freundschaftliche, familiäre oder berufliche Beziehungen handelt. Ich sage immer, dass Menschen unwahrscheinlich interessant, aber auch unwahrscheinlich kompliziert sein können. Eins eint so viele Menschen: Das Gefühl, nicht zu genügen – da spielt es keine Rolle, ob jemand bekannt oder unbekannt ist. Ich habe mich mit Millys Familie sehr wohlgefühlt und es ist schade, dass ich sie nun schon wieder verlassen muss. Am besten gefallen hat mir Nanna Peg, Millys Grossmutter. Sie scheut sich nicht, deutliche Worte zu sprechen, und schiebt dabei, wenn es eben gerade erforderlich ist, gerne ihr Alter vor – herrlich! Von mir gibt es 4 Sterne.
Unterhaltsam
39 Grad Mord von Jenny Lund Madsen
Hannah Krause-Bendix, Band 2: Jeder Autor träumt davon, dass das eigene Werk erfolgreich ist. So natürlich auch Hannah Krause-Bendix. Wenn es nur nicht ausgerechnet der vermaledeite Krimi wäre, den sie geschrieben hat. Warum nicht einer ihrer geliebten Romane? Sie soll Band 2 schreiben und wird dafür von ihrem Lektor nach Sizilien geschickt.
Hannah hat jedoch gar kein Interesse, einen zweiten Krimi zu schreiben. Ihre Unlust ertränkt sie im Alkohol. Kurz nach ihrer Ankunft in Italien liegt eine Leiche in der Küche. Stoff für einen Krimi? Nein, denn Hannah steht als Verdächtige im Zentrum der Ermittlungen…
Erster Eindruck: Buchtitel und -cover gefallen mir sehr gut.
Dies ist Band 2 der Reihe, kann aber ohne Kenntnis des Vorgängerbandes gelesen werden. Ich habe jenen zwar vor ein paar Jahren gelesen, was mir jedoch gar nicht mehr präsent war.
Der Einstieg in die Geschichte war gelungen: Hannah ist verpflichtet, ihr Buch bei möglichst vielen Gelegenheiten zu promoten, so auch bei einer TV-Sendung. Leider ist der Moderator aus Hannahs Sicht einfach zu dumm: „Kann man da nicht glatt sagen, Sie sind der Erbprinz der Dummheit?“ Sie verlässt das Studio – herrlich! Der Lektor schickt Hannah also ins Schreib-Exil nach Sizilien. Nicht schlecht, oder? Aber Hannah hat nicht nur eine Schreibblockade in Sachen Krimi, nein, sie hat auch Liebeskummer, denn ihre Geliebte Margrét ist nach wie vor verheiratet und so können sie nicht offiziell zusammen sein. Kurz nach ihrer Ankunft in Italien steckt sie schon mittendrin in einem realen Mordfall, denn in dem Haus, in dem sie übernachtet hatte, wurde die Hausherrin tot aufgefunden und deren Mann ist verschwunden! Was ist passiert? Für die Polizei ist schnell klar, dass der flüchtige Ehemann wohl der Schuldige sein wird, behält aber auch Hannah im Visier. Hannah muss den wahren Täter finden…
Hannah hat übrigens einen klitzekleinen Hang zur Übertreibung: „Gerade hatte sich alles um viertausend Prozent verschlechtert.“ Okay, wenn’s weiter nichts ist… Es kommt auch zu einem Wiedersehen mit ihrem „Hassobjekt“ Jørn Jensen, dem erfolgreichen Krimischreiber. Es gab immer wieder prekäre Situationen, in die sich Hannah selbst hineinmanövriert hatte. Die Geschichte war in erster Linie unterhaltsam (und zudem alkohollastig), aber wenig spannend – knappe 4 Sterne.
Sehr informativ und unterhaltsam
Patriarchen von Alex Capus
Die Namen Lindt, Bally, Le Coultre, Maggi, Hoffmann-La Roche, Nestlé und deren Firmen sind vielen bekannt. Aber wer steckt eigentlich hinter diesen Namen? Wie begann die Geschichte der Unternehmen? Waren die Firmen gleich auf Erfolgskurs oder mussten sie lange für den Erfolg kämpfen? Alex Capus erzählt von zehn erfolgreichen Erfindern und Firmengründern.
Erster Eindruck: Ein schlichtes Cover – die massive Bergwelt ist beeindruckend genug.
Wie einleitend erwähnt, hat Alex Capus zehn Männer ausgewählt – ja, es sind ausschliesslich Männer, denn zu jener Zeit war das Unternehmertum doch vorwiegend in Männerhand. Der Autor hat Informationen zusammengetragen, die den Werdegang illustrieren und zudem auch gut unterhalten. Am Ende des jeweiligen Porträts gibt es eine Historie über die Familie bzw. die Firma. Hier kleine Einblicke in zwei Geschichten:
- Wer kennt die berühmte Schokolade von Lindt und Sprüngli nicht? Aber wie es dazu kam, dass diese zwei Herren zusammenkamen, war mir nicht bekannt. Über deren Verbindung schreibt Capus unter anderem: „Mit Lindt und Sprüngli waren die grösstmöglichen Gegensätze eine Verbindung eingegangen – der eine ein aristokratischer, dünkelhafter Schöngeist, der andere ein nüchterner, von zwinglianischem Arbeitsethos durchdrungener Kaufmann, dessen Familie sich mit eisernem Fleiss aus bescheidensten Verhältnissen hochgearbeitet hatte.“ Sehr interessant. Die Zusammenarbeit war schon vor über hundert Jahren nicht einfach. Lindt und Sprüngli begannen 1905 einen Rechtsstreit, der erst 1927 endete!
- Ein sehr amüsantes Detail führte zur Gründung der später weltbekannten Firma Bally: Carl Franz Bally reiste im Jahr 1850 nach Paris und wollte seiner Frau ein Paar Stiefel nach Hause bringen. Da ihm die Schuhgrösse nicht bekannt war, brachte er gleich ein Dutzend Paare mit!
Den porträtierten Herren war eines gemein: Es war nicht immer ein einfacher, gradliniger Weg. Es brauchte zuweilen sehr viel Durchhaltewillen oder nach vernichtenden Rückschlägen Mut zum Neustart; dafür zolle ich ihnen Respekt. Das Buch hat mir sehr gut gefallen – 5 Sterne.
Schöne Fortsetzung
Wiedersehen im Kamelienhaus von Tabea Bach
Kamelienhaus, Band 2: Lucinde „Lucy“ Riwall ist Geschäftsführerin der Kamelienöl-Manufaktur auf der japanischen Insel Soshima. Ihr ist bewusst, dass sie eine grosse Last geschultert hat, denn so viele Menschen sind von ihr abhängig. Die Bank sitzt ihr im Nacken – sie muss das marode Unternehmen im Schnellzugstempo sanieren.
Sie denkt immer wieder mal an Finn und fragt sich, ob sie je wieder zusammenkommen. Aber für solche Sehnsüchte bleibt aufgrund der vielen Arbeit keine Zeit. Und dann ist da das Jubiläumsfest des elterlichen Betriebes auf der Kamelieninsel in der Bretagne. Auch für ihre Mutter gibt es geschäftlich einige Stürme zu überstehen…
Erster Eindruck: Ein schönes Cover mit Berg, Wasser und Kirschblüten – gefällt mir sehr gut.
Dies ist Band 2 der Reihe, kann jedoch ohne Kenntnis des Vorgängerbandes gelesen werden. Da es bei mir erst drei Wochen seit der Lektüre von Band 1 her ist, war ich gleich wieder in der Geschichte drin.
Lucys Aufgabe ist gigantisch: Als noch junge Geschäftsführerin muss sie den vor der ausländischen Übernahme geretteten Betrieb schnellstens in die schwarzen Zahlen bringen. Nicht alle trauen ihr dies zu. Sie arbeitet so viel, dass wenig Zeit zum Zweifeln bleibt: Es muss einfach funktionieren! Der Austausch mit ihrer Familie in der Bretagne ist für Lucy sehr wichtig, denn einerseits ist ihre Familie in der gleichen Branche und andererseits sind ihre Eltern erfahrene Geschäftsleute. Lucy denkt oft an Finn und fragt sich, ob es eine gemeinsame Zukunft geben kann. Er meint, sich beweisen zu müssen und dass er sich erst dann wieder mit Lucy treffen kann, wenn er sein Leben „auf die Reihe“ bekommen hat. Diese Geheimniskrämerei führt zu Unsicherheiten und Spannungen. Hat ihre Liebe überhaupt eine Chance? Sie senden sich über lange Zeit nur Fotos von Brücken – warum sie dies machen, verrate ich nicht. Manche mögen dies als romantisch empfinden, mich hat es zunehmend gestört.
Das Buch hat sich wiederum flüssig lesen lassen. Die Herausforderung war für mich auch dieses Mal, die zahlreichen Protagonisten korrekt zuzuordnen; glücklicherweise gibt es in den Umschlagklappen Personenlisten. Des Weiteren gibt es ein Glossar mit japanischen, französischen oder englischen Ausdrücken. Überraschend fand ich die rege Reisetätigkeit der Personen aus Frankreich und Japan. Die jeweiligen Reiseziele sind nicht gerade nahe beieinander… Interessant waren die Einblicken in die japanische Kultur. Für mich ist klar, dass ich meine zuweilen sehr direkte Art ziemlich „runterschrauben“ müsste, um nicht überall anzuecken. Aber das wäre wohl für viele Europäer:innen ein grosser Lernprozess. Am besten gefallen haben mir Lucys Halbbruder Noah und Lili. Von mir gibt es 4 Sterne und ich freue mich auf Band 3 (ist schon lange vorbestellt).
Die Angstspirale durchbrechen
Dein Leben ohne Angst von Beck Martha
Viele Menschen sind ständig von Ängsten geplagt; oftmals sind sie in Angstspiralen gefangen. Wie kann man die Angst überwinden, damit sie einem nicht mehr beherrscht? Wie können Angstspiralen durchbrochen werden? Martha Beck, Sozialwissenschaftlerin, Autorin und Life Coach, erklärt ihr dreistufiges System, das aus der Angst hinausführt: Zuerst gilt es, die Veranlagung zur Angst zu verstehen; sodann wird das kreative Selbst aktiviert, um Neugier, Verbundenheit und Mitgefühl zu fördern; abschliessend folgt ein Zustand, in dem die Angst abnimmt und neue Spielräume entstehen.
Mit vielen Reflexionsimpulsen und Übungen.
Erster Eindruck: Ein luftiges Cover, neugierig machender Titel/Untertitel – sehr gut!
Das Buch ist in drei grosse Kapitel unterteilt: „Die Kreatur“, „Das Kreative“, „Die Kreation“. Als ich diese Begriffe im Inhaltsverzeichnis las, war ich sehr gespannt, was sich dahinter verstecken würde.
Einleitend wird Forbes Health zitiert, dass weltweit über 284 Millionen Menschen mit einer Form von Angststörung zu kämpfen haben, wobei das nur die Zahl der diagnostizierten Fälle ist (ohne Dunkelziffer). Das ist eine immense Zahl und zeigt, dass man mit seinen Ängsten – in welcher Ausprägung sie auch vorhanden sein mögen – nicht allein ist. Selbstverständlich hilft einem dieses Wissen im Alltag nicht wirklich weiter, aber in den stillen Momenten eben doch. Martha Beck kennt Ängste aus eigener Erfahrung und weiss daher sehr genau, wie sich diese anfühlen. Und sie erklärt auch, wie sie selbst damit umgeht. Das ist sehr wertvoll.
Hier drei Zitate, die mich enorm angesprochen haben:
- „Aber egal, wohin ich ging und was ich tat, ich war immer, immer, immer ängstlich.“ Die Angst als ständige Begleitung…
- „Ich bekam mich so weit in den Griff, dass ich tagsüber lächeln und nachts schlafen konnte, aber es kostete mich ständig Kraft.“ Das kenne ich nur zu gut.
- „Ängstliche Menschen meiden oft alles, was ihnen nicht sicher erscheint, und je mehr sie sich von neuen Erfahrungen zurückziehen, desto ängstlicher werden sie.“ Stimmt leider absolut!
Ich habe bisher noch keine Buch der Autorin gelesen, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Obwohl das Buch „nur“ 360 Seiten hat, kam es mir viel länger vor, was aber nicht negativ gemeint ist: Aufgrund der Fülle von Informationen dachte ich, das Buch müsste eigentlich viel mehr Seiten haben. Überraschend war für mich, dass es kein Quellenregister gibt wie sonst bei Sachbüchern üblich. Hat das Buch nun sämtliche Probleme gelöst? Nein, aber so etwas zu erwarten, wäre ja auch vermessen! Es hat mir viele Impulse geliefert und mich nicht nur von Seiten Wissenschaft und Alltag informiert, sondern auch sehr gut unterhalten. Von mir gibt es daher 5 Sterne.
Arbeit, Arbeit, Arbeit
Herzklopfen to go von Catherine Bybee
Ein Milliardär fürs Glück, Band 3: Alexandrea „Alex“ Stone leitet mit ihren Brüdern das milliardenschwere Familienunternehmen. Nicht alle Geschäftspartner:innen oder Mitarbeitenden sind den Geschwistern wohlgesonnen. Als eine Bombendrohung eingeht, die persönlich an Alex gerichtet ist, gerät ihr Leben aus den Fugen.
Ein grosses Sicherheitsdispositiv wird aufgezogen, dazu gehört Hawk Bronson, der fortan ihr persönlicher Leibwächter ist. Er hat die dunkelsten Seiten der Welt gesehen und weiss, dass Gefühle ein grosses Risiko darstellen. Aber schliesslich ist dies hier nur ein Job, nichts Persönliches – auch wenn Alex ihm ausnehmend gut gefällt…
Erster Eindruck: Ein sehr schönes Cover auf überraschend dunklem Violett – gefällt mir.
Dies ist Band 3 der Reihe, kann aber ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden (aber auf eigenes Risiko, denn es wird Lesegenuss verpasst!).
Alex ist ein Workaholic: Obwohl ihr ihr verstorbener Vater verhasst war, will sie dessen Erbe – Stone Enterprises – nicht einfach sich selbst überlassen. Es sind so viele Menschen von ihr abhängig, und die will sie nicht im Stich lassen. Unablässig versucht sie, das Unternehmen auf Kurs zu halten und die Unsicherheiten, die durch den Tod des Firmengründers entstanden sind, zu beseitigen. Die Bombendrohung scheint für Alex zuerst nur lästig, denn sicherlich wird es eine Finte sein. Als sie dann erfährt, dass die Drohung ihr persönlich galt, ändert sich alles. Die Jagd nach demjenigen, der hinter der Bombendrohung steckt, gestaltet sich erwartungsgemäss sehr mühsam. Und es sollte nicht die letzte Drohung sein…
Wenn ich mir nur vorgestellt habe, wie viel Alex arbeitet, war ich schon müde. Sie hatte gar keine Zeit, sich etwas zu gönnen. Immer nur Arbeit, Arbeit, Arbeit! Für Privates blieb sie keine Zeit. Und für die Liebe schon gar nicht. Sie erwähnte, dass es für Frauen mit hohem IQ und/oder hohem Vermögen schwierig ist, einen Mann zu finden, der ihr auf Augenhöhe begegnet. Das ist traurig, aber wohl leider wahr.
Alex hat mir sehr gefallen, ebenso Hawk. Seine Vergangenheit beschert ihm Alpträume, aber er nimmt sich keine Zeit, diese aufzuarbeiten. Das Wiedersehen mit den anderen war gelungen. Die 475 Seiten waren viel zu schnell ausgelesen – 4 Sterne für diesen lesetechnischen Ausflug in die Welt von Macht und Geld.
Spannend, verwirrend, düster
Moorland. Die Zwillinge von Andreas Winkelmann
Moorland, Band 1: Das Moor lehrt den Menschen Geduld und Demut. Die Düsterheit und das Mystische des Moores verleiten aber auch zu unüberlegten Handlungen. Die 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana präsentieren sich gerne in den Social Media und produzieren fleissig Content. Von einem ihrer Ausflüge kehren sie jedoch nicht zurück – und es tauchen verstörende Bilder auf ihrem Kanal auf.
Ein schwieriger Einstand für Kommissarin Malia Gold in ihrer alten Heimat: Sie muss nicht nur auf Hochtouren ermitteln, sondern sich auch den eigenen Dämonen der Vergangenheit stellen…
Erster Eindruck: Das Cover ist durch seine dunkle Farbgebung ziemlich düster – eine prima Einstimmung auf das Buch!
Malia Gold kehrt nach Riedberg zurück. In ihre alte Heimat. Und zu ihrer Familie. Es ist kein freudiges Nachhausekommen, aber sie will sich der Vergangenheit stellen, um endlich anzukommen und zu bleiben. Der Einstieg ist heftig: 18-jährige Zwillinge, die einen Ausflug ins Moor gemacht haben, sind nicht nach Hause gekehrt. Das Moor hat seine Tücken, das weiss Malia aus eigener Erfahrung nur zu gut. Sie kennt das Team noch nicht und hat auch nicht damit gerechnet, dass sich die Gegenwart und ihre Vergangenheit so schnell überlappen.
Die Zwillinge Nike und Jana sind eineiig und schön – und das nutzen sie auch aus. Sie spielen „doppeltes Lottchen“, wie und wann es ihnen gerade passt. Verständlicherweise kommt das nicht überall gut an, was sie jedoch wenig schert. Ihr Interesse – ganz im Sinne von Social Media – ist die Aufmerksamkeit: Wie generiere ich am meisten Aufmerksamkeit, Likes, neue Follower? Spanisch- oder Französisch-Vokabeln pauken? Wozu? Lieber noch ein wenig effektvollen Content für ihren Instagram-Account produzieren!
„Wer den Teufel auf sich aufmerksam machte, musste sich nicht wundern, wenn er schliesslich Interesse fand.“
Der Autor hat es geschafft, mit sehr intelligenten Irrungen und Wirrungen Spannung aufzubauen und diese auch durchwegs zu halten. Die Moorlandschaft generierte eine düstere Atmosphäre und ich konnte die Szenerie förmlich vor meinem inneren Auge sehen. Wie oben angetönt, geht es u.a. um Social Media: Was ist heutzutage noch wahr und was ist gefälscht? Das ist wohl eine der grossen und sehr schwierigen Fragen heutzutage. Wem kann man trauen? Ist das Offensichtliche wirklich das Richtige? Fragen über Fragen… Für mich war es das erste Buch des Autors, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Ich weiss jedoch, dass das vorliegende Buch nicht das letzte für mich gewesen sein wird – ich habe schon nach seinen anderen Werken Ausschau gehalten und freue mich auf die Fortsetzung von Moorland. 5 Sterne für diesen düsteren Reihenstart!
Bonbons für spezielle Fälle
Das Glück schmeckt nach Meer: Die Bonbonkocherei von Birte Stährmann
Das Glück schmeckt nach Meer, Band 1: Für PR- und Eventmanagerin Annika ist gerade einiges im Umbruch: Sie verliert ihren Job, da die Firma Insolvenz anmelden muss, und dann liegt auch noch das Kündigungsschreiben für ihre geliebte Stuttgarter Wohnung im Briefkasten. Des Weiteren hat sie geerbt: Ihre verstorbene Tante hat sie als Alleinerbin eingesetzt, aber nur unter der Bedingung, dass sie nach Maasholm an der Schlei zieht und die Bonbonkocherei weiterführt.
Wie bitte? Ihrer frisch verliebten Tochter Lena wird das nicht gefallen. Aber sind der Job- und Wohnungsverlust vielleicht die Anstösse, die sie braucht, um ihrem Leben eine neue Wendung zu verleihen?
Erster Eindruck: Das Cover vermittelt mir ein Gefühl von Ferien, Freiheit – sehr schön.
Annika hat mir gleich gut gefallen: Sie ist geschieden, lebt mit Lena allein in ihrer schönen Wohnung, hat zu ihrem Ex-Mann Paul aber noch guten Kontakt – das ist toll, im Besonderen für die gemeinsame Tochter. Das Erbe hat sie kalt erwischt, denn sie bedauert, dass sie ihre Tante, die Schwester ihrer ebenfalls bereits verstorbenen Mutter, nicht kennengelernt hat. Aber an die Bonbonkocherei, die bereits ihr Grossvater führte, kann sie sich noch gut erinnern. Sie weiss auch, dass er jeweils ganz spezielle Bonbons hergestellt hat, mit speziellen Aromaölen, von denen die Empfänger nicht wussten, dass sie genau diese benötigten. Ob auch ihre Tante diese Bonbons hergestellt hat?
Die Eröffnung, dass sie nach Maasholm ziehen möchte, kommt bei Lena wie erwartet nicht gut an. Gar nicht gut. Das schmerzt zutiefst, aber sie hat das Gefühl, dass sie dies nun für sich machen muss. Lena ist mittlerweile 16 Jahre alt und würde eh nicht mehr lange bei ihr zu Hause wohnen bleiben. Dass sie bei ihrem Vater Paul und dessen neuer Familie einziehen kann, lindert den Abschiedsschmerz nur wenig.
Die Gemeinschaft auf Maasholm hat mir sehr gut gefallen: Die Bonbonkocherei ist seit jeher beliebt und Annika wird gut aufgenommen. Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und mich sehr gut unterhalten. Von mir gibt es 4 Sterne; ich freue mich auf die Fortsetzung.











