Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Petra:
Ein gewachsenes Team
Schräge Vögel – SOKO Neuntöter von Anna Täuber
Jeden Sonntag treffen sich fünf Birder oder Vogelbeobachter um Vögel zu schauen und zum Beispiel beim Nestbau zu zuschauen. Man kennt sich kaum, grüsst gerade mal und das wars. Diesen Sonntag fehlt am üblichen Treffpunkt am Chiemsee im Grabenstätter Moor einer. Der liegt tot neben einem Braunkehlchen Nest.
Die Polizei geht von einem Unfall aus. Die vier anderen erscheint das anders, denn ein Vogelbeobachter würde niemals die Vögel stören, sich rücksichtsvoll verhalten. Da passt einiges nicht.
Die Beobachter sind schon ein besonderes Team, die Altersspanne von 25 bis 72 ist schon sehr groß Der berufliche Hintergrund von Student, Verkäuferin, ehemaliger Forensiker und Altphilologin ist auch extrem. Aber jeder bringt eine besondere Fähigkeit ein über die man auch teilweise schmunzeln kann. Sie lernen sich kennen und allmählich auch schätzen. Die schrägen Ermittlungsmethoden haben es in sich, so kann die Polizei beim besten Willen nicht arbeiten. Daher ist es gut das es die Soko Neuntöter gibt. Am Ende harmonieren sie sogar mit der Polizei.
Mir hat dieses Team gefallen, denn alle haben ihre Macken und persönlichen Probleme, wie nach und nach ein richtig gutes Team daraus wird, ist überzeugend dargestellt. Respekt ist alles.
Rezensionen von clematis:
Liebe ohne Worte
Das Lavendelkloster von Alexander Oetker
Mitten in den Lavendelfeldern der Provence treffen ganz unterschiedliche Menschen im Schweigekloster aufeinander. Sie suchen einen Weg zu sich selbst, Lösungen für innere Konflikte und Abstand zum Alltag. Julien und Emma finden überdies noch einander, in der Stille der Woche entsteht eine besondere Zuneigung.
Aber wird so eine Liebe ohne Worte auch fortan existieren können?
Überwiegend aus dem Blickwinkel der beiden Hauptfiguren, Julien und Emma, erzählt Autor Alexander Oetker diese einzigartige Geschichte. Er ist ein Meister der Beobachtung und schildert wunderbare Details, sodass man auch als Leser vollkommen eintauchen kann ins Geschehen. Die Menschen sitzen nicht einfach irgendwie in der Leseecke, nein, man erfährt genau, wer wie sitzt, die Beine beispielsweise fest am Boden abgestellt oder locker übereinandergeschlagen, der Blick ins Buch vertieft oder durch den Raum schweifend. Im Speisesaal werden einfache Gerichte angeboten, dennoch läuft einem schnell das Wasser im Munde zusammen, wenn man Oetkers Beschreibungen folgt, die saftigen tiefroten Tomaten vor Augen hat und der dunkle Thunfisch sein Meeresaroma am Gaumen entfaltet. Ähnlich verhält es sich mit den Beziehungen unter den einzelnen Teilnehmern der Schweigewoche. Perfekt bringt Oetker die Veränderungen auf den Punkt, welche durch die Kommunikation ohne Sprache zutage tritt. Verblüffende Erkenntnisse offenbaren sich hier, besonders die Intensität, welche die Verbindung zwischen dem Geschäftsmann und der geheimnisvollen Frau kennzeichnet. Auf ungeahnte Weise wird der Leser in den Bann der Zeilen gezogen, darf er miterleben, wie sich die Stille auf das Erleben und die Selbstwahrnehmung der zehn Gäste auswirkt.
Ein großartiges Erlebnis bietet dieser tiefgründige Roman, die Ruhe aus der Geschichte legt sich über die Zeit des Lesens und lässt einen ein wenig der Veränderung auch selbst spüren. Liebe ohne Worte, Sprechen mit den Augen – das sollte man durchaus einmal probieren. Wer das Ungewöhnliche sucht, gepaart mit einem phantastischen Schreibstil, der muss ins Lavendelkloster kommen. Absolute Empfehlung meinerseits!
Rezensionen von Petra:
Werkennt einen Serienmörder?
Ein guter Blick fürs Böse von Elizabeth Arnott
Drei Freundinnen in Kalifornien in den 60ziger Jahren. Ein für uns altbackenens Frauenbild herrscht. Diese Drei wollen es aufbrechen denn sie haben allen Grund dazu. Sie sind Exfrauen von Serienmördern. Sie wurden genau wie ihre Ehemänner für deren Taten verantwortlich gemacht. Obwohl die Polizei sie nie verdächtigt oder beschuldigt hat glauben Nachbarn und andere " sie müssen doch etwas gewusst oder zumindestens gemerkt haben".
Kein leichtes Leben für Margot, Beverley und Elsie. Dann geschehen in ihrer Stadt erneut Morde. Die den Eindruck einer Serie vermitteln. Die drei Frauen sind traumatisiert und durch die Beschreibung der Morde, vor allem wie über die Frauen berichtet wird, schockiert. Sie beginnen zu ermitteln, denn irgendetwas müssen Serienmörder gemeinsam haben und wer hat sonst Erfahrung mit ihnen?
Ich empfand diesen Krimi als ganz anders wie alles Bekannte. Erstmal die Frauen und dazu dieses Rollenbild, Frauen sind selber schuld wenn sie ermordet werden. Die Auflehnung dagegen war sehr verständlich beschrieben. Dazu machte der Schreibstil den Eindruck man würde ein True Crime lesen. Denn die Autorin hat die Sprache und Verhaltensweisen der damaligen Zeit sehr gut beschrieben. Dazu kam das Gefühl dass wir Zuschauer genau wie die Protagonistinnen keine Ahnung über das Wie und Warum haben. Nur durch Gedankenspiele und Beobachten kommen wir alle zusammen den Mörder auf der Spur.
Rezensionen von clematis:
Drei Männer um Linda
Ein Sommer auf Malta von Marlies Ferber
Linda will eigentlich nach einer herben Enttäuschung einen Sommer ohne Mann verbringen, sich nur auf ihren neuen Job als Sprachlehrerin auf Malta konzentrieren. Aber drei Männer machen der jungen Frau einen Strich durch die Rechnung, eine Flugzeugbekanntschaft, ein Sprachschüler und ihr Ex stolpern immer wieder in ihren Alltag.
Ob sich Linda für einen entscheiden wird oder ihr Vorhaben umsetzt, die Zeit auf Malta allein zu verbringen?
Mit diesem humorvollen Roman bringt Marlies Ferber locker-leichte Unterhaltung in den Alltag der Leser und lässt uns miträtseln darüber, ob einer der Männer das Rennen um Lindas Gunst gewinnt oder ob sich jeder selbst aufgrund seines Auftretens ins Aus katapultiert. Vor Maltas malerischer Kulisse spielt die kurzweilige Handlung, welche bis zum Ende verschiedenste Varianten realistisch erscheinen lässt und dabei nicht nur Linda mitunter in die Irre führt. Dabei erleben wir einen turbulenten Flug Richtung Malta, chaotische Hochzeitsvorbereitungen und sympathische Kollegen in der notorisch unterbesetzten Sprachschule. Durch die Dialoge lernen wir die Figuren näher kennen, aber sind sie tatsächlich so, wie es auf den ersten Blick scheint? Wahrheit, Lüge und Ungesagtes liegen näher beieinander als man glaubt, sodass Missverständnisse fast vorprogrammiert sind. Wie es ausgeht? Ja, das will man bald unbedingt wissen und verliert sich gerne im Sog des Geschehens.
Auf Malta kann man die Seele baumeln lassen, flirten, sich verlieben. Wer nicht selbst in die Ferne schweift, sollte Linda zumindest in diesem Roman nach Malta folgen und dabei eine kurze Auszeit genießen, mir hat die Zeit auf der Insel jedenfalls sehr gut gefallen.
Rezensionen von Tintenteufel:
Gemischter Eindruck
Gemüsepower von Lucia Schauerhammer
Lucia Francesca Schauerhammers Buch verspricht Gemüsepower und eine reiche Ernte. Das hat mich gleich angesprochen, weil ich auch nach 30 Jahren im eigenen Garten noch nicht das richtige Konzept gefunden habe, die bestmöglichen Ernteerfolge zu erzielen. Ihre Ankündigung, auf kleiner Fläche jede Menge Gemüse ernten zu können, klang da sehr verheißungsvoll.
Etwas ernüchternd war dann ihre Erklärung, dass an die Stelle ihres Balkongartens längst ein riesiger Market Garden getreten ist. Aber ich hoffte, trotzdem von Erfahrungen der Autorin profitieren zu können.
Ihr Buch folgt grob dem Jahresablauf und gibt entsprechende Anregungen. Gut gefallen mir die Übersichten über Aussaatbedingungen und Zeiten. Parallel dazu hätte ich mir aber auch ebenso übersichtliche Angaben zu Wuchsgeschwindigkeit und Platzbedarf sowie Erntezeiten und empfohlene zeitliche Saatabstände für das versetzte Ernten gewünscht. Ein paar konkrete Pflanzpläne aus ihrer (offenbar semiprofessionellen) gärtnerischen Praxis wären auch interessant gewesen. Immerhin stellt sie z.B. im Herbst- und Winterkapitel super schnelle und ‚längste‘ Wurzeln im Beet vor. Also werde ich mal einen Planungsversuch starten…
Ihre Steckbriefe widmet Lucia Francesca Schauerhammers ihren persönlichen Favoriten, das ist in Ordnung, weil sie ja nicht alle Gemüsesorten vorstellen kann. Aber sie hätte auch Gelegenheiten nützen können, das Potenzial mehr oder weniger freiwilliger Gartenbewohner vorzustellen: Beikräuter werden aufgelistet und mit (nicht näher erläuterten?) Symbolen gekennzeichnet, aber es wird kaum auf ihre kulinarischen Möglichkeiten eingegangen. Für ein Konzept ressourcenschonender Selbstversorgung wäre das doch naheliegend?!
Zusammenfassend hätte ich mir anstelle relativ umfangreichen biografischen Texte und inszeniert wirkenden fotografischen Selbstporträts der Autorin lieber mehr kurze und knackige Informationen zur eigenen Gartenplanung gewünscht.
Rezensionen von Tintenteufel:
Kunterbuntes Allerlei
Pflück dich glücklich! von Sandra Jägers
Bei Sandra Jägers Buch ‚Pflück dich glücklich‘ weckt der Untertitel ‚Beeren, Kräuter und Gemüse. Dein schneller Weg zum Naschgarten‘ die Erwartung, unkomplizierte Anregungen für einen Garten voller Nasch- und Glückmomente zu erhalten: unkompliziert und sinnenfroh. Stattdessen fand ich ein kunterbuntes Allerlei verschiedenster Gartenerfahrungen der Autorin, welches ich sogar als langjährige Gartenbesitzerin an einigen Stellen eher verwirrend als hilfreich fand.
Obwohl die Autorin selbst auf den ersten Seiten empfiehlt, die Sache locker anzugehen und nicht gleich eine Selbstversorgung zu planen, geht sie mir oft viel zu perfektionistisch und output-maximierend vor. Spätestens bei ihren seitenlangen Ausführungen zu Perl- und Tropfschläuchen, Tropfsystemen, Sprüh- und Nebeldüsen sowie Versenkregnern und Baumtaschen fragte ich mich, wie mein Garten in den letzten 30 Jahren ohne diesen Aufwand überleben konnte.
Und ähnlich erging es mir an vielen Stellen des Buches: Die Autorin wollte offenbar keinen Aspekt auslassen, doch leider geht diese Vollständigkeit auf Kosten konkret hilfreicher Tipps und motivierender Vorschläge! Bei o.g. Bewässerungskapitel sind ihr z.B. die hilfreichen DIY-Gießringe keinen erklärenden Halbsatz mehr wert.
Anfänger wird sie mit diesem Ansatz verschrecken, Fortgeschrittenen nicht viel Neues anbieten können. Denn leider sind die zusammengetragenen Informationen weder für einen Gartenneustart noch für die Neugestaltung eines vorhandenen Gartens wirklich hilfreich! Schade!
Rezensionen von melanie82:
Historisch dicht und anspruchsvoll
Alma von Federica Manzon
Alma von Federica Manzon ist ein literarisch anspruchsvoller Roman, der viel Aufmerksamkeit und Geduld verlangt. Die Autorin verwebt eine dichte Erzählweise mit zahlreichen historischen Details, die dem Buch zwar Tiefe verleihen, es aber gleichzeitig nicht gerade zu einer leichten Lektüre machen.
Beim Lesen wird schnell deutlich, dass hier weniger eine klassische, leicht zugängliche Geschichte erzählt wird, sondern vielmehr ein vielschichtiges Bild entsteht, das man sich Stück für Stück erschließen muss.
Gerade die Vielzahl an Hintergründen und Bezügen kann stellenweise fordernd sein.
Der oft gezogene Vergleich mit Meine geniale Freundin von Elena Ferrante erscheint mir dabei etwas weit hergeholt. Während Ferrantes Werk stark von lebendigen Figuren und emotionaler Nähe lebt, bleiben die Charaktere in Alma eher auf Distanz. Sie wirken schwer greifbar und entwickeln für mich nicht die gleiche Tiefe oder Bindung.
Ein literarisch dichter Roman, der auch als historisches Zeugnis dient, auf den man sich aber einlassen muss.
Rezensionen von PMelittaM:
Ausführlicher Ratgeber
Geldanlage für Einsteigerinnen von Maike Backhaus
Der Ratgeber wendet sich, wie schon der Titel sagt, speziell an Frauen. Diese scheinen sich nicht so sehr mit Geldanlagen zu beschäftigen wie Männer, was, laut Autorin, bereits durch ihre Sozialisation bedingt ist. Dazu werden auch Quellen geliefert. Frauen haben aber mindestens genauso viele Gründe wie Männer vorzusorgen, sie dabei zu unterstützen und zu ermutigen ist Intention dieses Buches.
Wer investieren möchte, benötigt im besten Fall eine gute Finanzbildung, auch hier hilft der Ratgeber weiter. So gibt es zunächst eine Einführung in das Thema, bevor ins Detail gegangen wird. Der Ratgeber informiert umfassend über alles, was man zum Thema wissen muss. Je nach Intention zum Sparen, zum Beispiel als Altersvorsorge, für eine teuere Anschaffung, oder als Notgroschen, bieten Geldanlagen unterschiedliche Möglichkeiten.
Jede Art Geldanlage wird angesprochen, Sparkonten verschiedener Art, Aktien und ETF, Anleihen, Gold, Kryptowährungen, Immobilien, jeweils mit Vor- und Nachteilen, aber auch, wie man daran kommt, was man dabei beachten muss und so weiter.
Die Autorin spricht auch explizit Frauen an, die in der Familienphase stecken, und dadurch womöglich nur wenig investieren können. Gerade, aber nicht nur, für sie ist auch das Thema Altersvorsorge interessant.
Angesprochen werden auch die Steuern von Geldanlagen und was man darüber wissen muss. All das sehr detailliert, so dass jede bei ihrem Wissensstand abgeholt wird. Enthalten sind auch mehrere Checklisten und ein Glossar.
Der Ratgeber vermittelt umfassend, was Geldanlagenneulinge zum Thema wissen sollten, und kann sicher auch unabhängig vom Geschlecht interessant sein.
Rezensionen von Philiene :
Mord im Hotel
Die Hoteldetektivin von Alexander Eden
Ein Luxushotel in Berlin, eine gewitzte Detektivim, ein toter Gast. Klingtnach einer spannendenGeschichte. Ist es auch.
Emma ist Hoteldetektivin und ihrer Spürnase wird gewecktals ein Gast tod in seinem Zimmer gefundenwird. Alles deutet auf Selbstmord hin, aber Emma hat Zweifel und beginnt zu ermitteln doch das ist gefährlicher als sie denkt.
..
Der Roman beginnt relativ ruhig und nimmt dann richtig Fahrt auf. Der Spannungsbogen steigt schnell an und die Vorgänge haben mich immer wieder überrascht.
Dazu kommt eine taffe Ermittlerin die sich nicht von ihrem Weg abbringen lässt. Nebenher gibt es auch noch Probleme in ihrer Familie die sich aber gut in die Geschichte einfügen und das Ganze abrunden.
Ein spannender Krimi der immer wieder überrascht mit einer Ermittlerin die überzeugt.
Rezensionen von Ruth:
Anders und besonders
Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher
Die Bachmannpreisträgerin Birgit Birnbacher gilt als eine der wichtigen Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur. Nun hat sie mit „Sie wollen uns erzählen“ ihren vierten Roman vorgelegt.
Der neunjährige Oz ist anders als seine Mitschüler, tut sich schwer im schulischen Alltag. Er ist nicht langsam, nein, manchmal ist er viel zu schnell.
Da galoppieren seine Gedanken einfach davon. Oz hat ADHS. Seine Mutter Ann hat schon früh bemerkt, dass ihr Sohn ihr ähnelt. In ihr war auch schon immer so eine Unrast; „energiegeladen“ hieß es, eine Diagnose dafür gab es damals noch nicht . „Vom Temperament her ist sie eher der Pulverfass-Typ.“ Das macht ihren nicht gerade einfachen Alltag noch schwieriger. Sie ist zwar promovierte Soziologin, hangelt sich aber von einem befristeten Auftrag zum nächsten. Vom Vater des Jungen lebt sie getrennt. Ständig bewegt sich Ann am Rande der Überforderung. Das weiß Oz und deshalb will er ihr nichts vom Vorfall in der Schule erzählen. Dabei sah es für ihn sehr gut aus. Er hat den Notenschnitt erreicht, der ihm die Qualifikation für das Gymnasium verschafft. Doch nun hat er neben dem Zeugnis noch einen Brief an seine Mutter in der Tasche. Nur wegen dieser dummen Geschichte mit dem Hasen. Und Oz ist wieder einmal an allem schuld.
Auf dem Heimweg wünscht sich der Junge eine kleine Katastrophe, etwas, das seine Mutter ablenkt von dem Brief der Lehrerin.
Als Oz nach Hause kommt, erwarten ihn tatsächlich schlimme Nachrichten. Die Zillyoma ist aus dem Krankenhaus verschwunden und nun muss Ann sich kümmern. Auf ihre Hippie-Schwester Nell ist wenig Verlass. Die schafft es dann nicht einmal, ihren Neffen im Feriencamp für Kinder mit und ohne ADHS abzuliefern.
Was nun folgt ist ein irrer Roadtrip durch das Salzburger Land. Während Ann ihre Mutter im Innergebirg sucht, und Oz von der Bauernhofkommune der Tante flüchtet, braut sich über dem Land ein Unwetter auf „Alarmstufenlevel“ zusammen
Birgit Birnbacher hat mit Ann und Oz zwei unvergessliche Figuren geschaffen.
Oz ist ein besonderes Kind, er spielt nicht die Spiele, die andere Kinder mögen, er hört nur zu, wenn ihn etwas wirklich interessiert, aber er hat ein besonderes Gespür für die Gefühlsregungen anderer Menschen und er ist intelligent. Ann liebt ihren Sohn, so wie er ist und vermittelt ihm das auch. „ Ihn sollen sie nicht zurechtstutzen, wie sie es mit ihr getan haben, er soll wild wachsen dürfen, nicht dauernd deprimiert von diesem diffusen Gefühl sein, irgendwie nicht hineinzupassen…“
Ann ist eine Mutter, die für ihren Sohn immer da ist und für ihn kämpft. Dabei kommt sie selbst oft an ihre Grenzen, auch weil ihre eigene Zündschnur sehr kurz ist.
Wie sich der Alltag für neurodivergente Menschen anfühlt, mit welchen Herausforderungen sie zu kämpfen haben, zeigt die Autorin empathisch und keineswegs belehrend. Sie nimmt uns mit in die Köpfe und Seelen ihrer beiden Hauptfiguren. So spiegelt ihre Sprache die Gedankenwelt von Mutter und Sohn, ist flirrend, sprunghaft und assoziativ. Humor, Ironie und originelle Sprachbilder nehmen dem Thema die Schwere und sorgen für eine heitere Leichtigkeit des Textes.
„Sie wollen uns erzählen“ - sie, das sind die anderen, die der Norm entsprechen, die Norm festlegen. Birgit Birnbacher lässt dagegen Ann und Oz erzählen, ihre Sicht der Dinge. Sie wehren sich gegen die Festschreibung von außen, beharren auf ihrer eigenen „Erzählung“.
So ist dieser Roman ein Plädoyer dafür, Menschen in ihren Eigenheiten und ihren Besonderheiten anzunehmen, sie nicht als Störung, sondern als Bereicherung zu verstehen.











