Kunden em pfehlungen
Rezensionen von nessabo:
Gefühlvoller und poetischer Coming-of-Age-Roman, der zwischen den Zeilen spricht
Palastplatte von Mara Floren
Ich bin in meiner Rezension zwiegespalten, da die erste Hälfte des Romans volle 5 Sterne verdient hätte, mich der spürbare Kurswechsel in der zweiten aber nicht mehr ganz so begeistern konnte.
Eher diese tolle erste Hälfte entspricht dem Coming-of-Age, das ich vom Klappentext erwartet habe. Mara Floren zeigt eindrucksvoll, was für ein Händchen sie für das Subtile hat.
Der Text lebt von Zwischentönen, Atmosphäre und einem Gefühl von Sprachlosigkeit. Das betrifft einerseits die anbahnende Liebesgeschichte von Henri und Mo, die niemals kitschig wird und doch tief emotional ist. Andererseits geht es aber auch viel um die relative Hilflosigkeit Henris angesichts des gesundheitlichen Zustands ihres Vaters.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Warmherzigkeit, mit der Henri ihre Mitmenschen und auch ihr Zuhause beschreibt. Die titelgebende „Palastplatte“ ist durch ihre Augen betrachtet ein liebevoller, lebendiger und bunter Ort, was gängige Vorurteile aufzubrechen vermag. Die Anwohnenden werden voller Sanftheit gezeichnet, ohne dabei zu romantisieren. Klassismus und Armut werden ebenso aufgegriffen wie Migrationsgeschichte und ihre Herausforderungen. Das alles geschieht extrem authentisch mit einem kindlichen Blick, der mit den Lesenden gemeinsam reflektiert, versteht und anschließend neu einordnet.
Mir gingen so viele Momente ans Herz und dafür bewundere ich die Autorin sehr. Denn gerade Leerstellen müssen gut geschrieben sein, sodass sie Raum zum Fühlen eröffnen und nicht dafür sorgen, dass die Leser*innen sich verloren fühlen.
Letzteres war für mich dann aber in der zweiten Buchhälfte wiederholt der Fall. Das liegt auch daran, dass das Tempo spürbar anzieht und wir die erwachsene Henri ziemlich rasant begleiten. Nebenfiguren tauchen aus dem Nichts auf, Orte verändern sich und ich habe immer wieder nach Orientierung gesucht. Durch die zunehmend poetische Sprache und das Rasante der Handlung konnte ich nicht mehr so recht eine emotionale Nähe zu Henri aufbauen. Ich habe mich gefühlt, als würde ich ihr eher hinterherrennen als sie zu begleiten.
Nichtsdestotrotz lobe ich Mara Florens Erzählweise sehr, denn die kindliche Perspektive war wirklich makellos und ging mir oft unter die Haut. Ihr Talent für Leerstellen ging hinter der Poesie und dem Tempo der zweiten Hälfte zwar oft etwas verloren, doch insgesamt hat mich der Roman berührt und ich empfehle ihn gern allen, die sich auf verschiedene Erzählstile einlassen können.
Rezensionen von nessabo:
Eine ruhig-atmosphärische Erzählung mit guter Emotionsdichte
Zugvögel wie wir von Julia Dibbern
Wie schon in ihrem letzten Roman setzt Julia Dibbern auch hier auf eine ruhige Geschichte mit atmosphärischen Naturbeschreibungen. Ruhige Erzählungen haben es bei mir gar nicht mal so leicht, aber der Stil der Autorin macht irgendetwas mit mir. Ihr neues Werk hat mir sogar noch einen Ticken besser gefallen, weil hier hervorragend mit Rückblenden und anderen Textformen gespielt wurde, war für einen wirklich tollen Lesefluss gesorgt hat.
Die Lektüre hat bei mir innerlich einiges ausgelöst in Bezug auf Eltern-Kind-Beziehungen und deren Abbruch. Das ist ein so heikles Thema, bei dem noch immer zu sehr die Schuld bei den abbrechenden Kindern gesucht wird, dass ich dieses Buch wirklich als ein eher positives Beispiel einordnen würde. Ich habe es nämlich an keiner Stelle als wertend empfunden und auch, wenn Eva als Mutter hier im Fokus steht, konnte ich Sophies Position wirklich gut nachvollziehen. Die Text-Kommunikation zwischen den beiden schafft es, in ganz wenigen Worten unglaublich viel zu transportieren. Das Ende ist extrem offen gehalten, was ich als die einzig richtige Entscheidung empfinde - alles andere wäre unglaubwürdig gewesen.
Um die reale Schwere durch die belastete Mutter-Tochter-Beziehung aufzulockern - ohne dabei zu romantisieren - webt die Autorin immer mal wieder Gespräche zwischen Sophie und ihrer Oma ein, die mein Herz bis ganz tief drinnen gewärmt haben. Besonders hervorheben möchte ich, dass wieder ein Idealismus spürbar war in dieser Geschichte - diesmal vor allem in Bezug auf Tierschutz, der einen besonderen Platz in meinem Herzen hat. Es hätte manchmal noch ein wenig tiefer gehen können und einige Mini-Nebenhandlungen dienten mir zu eindeutig nur der Figurenentwicklung Evas, aber insgesamt überzeugt dieser sehr runde Roman mit Emotionen, die unter die Haut gehen.
Nicht alles ist leicht an diesem Buch und obwohl die Protagonistin eine Art Selbstfindungsreise unternimmt, bleibt es angenehm authentisch und driftet nicht ab in eine unglaubwürdige Geschichte, in der eine einzige Begegnung das ganze Leben verändert. Stattdessen bekommen wir eine ehrliche Selbstreflexion, auch wenn die noch radikaler hätte ausfallen dürfen. Ehrliche Empfehlung für alle, die ruhig-atmosphärische Geschichten mögen und sich für Beziehungsdynamiken interessieren.
4,5 Sterne
Rezensionen von gabiliest:
Cosy bis kriminell: Sektparty mit Mörderjagd
Mordseeparty von Emmi Johannsen
Mit “Mordseeparty” hat die bekannte Autorin Emmi Johanssen bereits den siebenten Band ihrer Borkum- Krimireihe vorgelegt. Das humorvolle Cover stimmt auf einen heiteren Küstenkrimi ein, wieder mit den bereits aus den Vorbänden bekannten Hobbyermittlern Caro Falk und Jan Akkermann. Dennoch kann dieser Band ohne Vorwissen gelesen werden, die Geschichte ist in sich abgeschlossen.
Caro bereitet die Party zu ihrem vierzigsten Geburtstag vor, Jan hilft ihr natürlich. Auch wenn es zwischen ihnen immer wieder knistert, näher gekommen sind die beiden einander noch nicht. Da muss erst Caros Schwester Conny kommen, zur Party angereist und gleich von Jan begeistert. Caro ist verwirrt, aber sie hat jetzt etwas anderes im Kopf: Auf der Seehundbank vor dem Nordstrand wurde eine nackte männliche Leiche gefunden. Der Tote ist Uwe Petersen, ehemals Milchbudenkönig, mittlerweile pleite. Wer hat nach seinem Leben getrachtet? Diese Person, die ihre Wut und ihren Hass in der Ich- Form beschreibt, weiß, dass Petersen schwere Schuld auf sich geladen hat. Noch ist nicht erkennbar, ob ein Mann oder eine Frau die Tat begangen haben könnten. Jan und Caro ermitteln in alle Richtungen, denn viele Menschen hätten ein Motiv gehabt, sich an Petersen zu rächen. Er hat Tiere wie Menschen gleichermaßen gequält und schlecht behandelt. Waren es Tierschützer oder eine Frau, an der er sich vergangen hat? Neben Partyvorbereitungen und Familienchaos versuchen Caro und Jan, diesen verzwickten Mordfall zu lösen.
Emmi Johannsen hat mit “Mordseeparty” einen spannenden und gut durchdachten Küstenkrimi geschrieben, der Jan und Caro, genau so wie die Lesenden, immer wieder in die Irre führt und unerwartete Twists bietet. Die Charaktere der Protagonisten sind alle sympathisch und zugewandt. Caro erinnert sehr an Miss Marple, auch wenn sie jünger ist, ist sie doch genau so neugierig und hartnäckig. Jan, ein bodenständiger und verlässlicher Mann, ist sichtbar in Caro verknallt, doch zu schüchtern, um auf sie zuzugehen. So ist dieser Roman ein unterhaltsamer Cosy-Krimi, denn er bietet auch eine schöne, sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte. Dazu gibt es jede Menge Familienleben, denn Caros Geschwister samt Nachwuchs, Eltern und Freunden wollen natürlich bei der Geburtstagsparty dabei sein. Auch hier hat die Autorin viele witzige Situationen eingebaut und die Lesenden würden Caro gerne einen kleinen Schubs geben, um ihre Beziehung mit Jan zu vertiefen.
Obwohl “Mordseeparty” heiter und fröhlich ist, zeigt das Buch doch auch Hintergründe eines Verbrechens auf. So war der Tote in der Kindheit selbst Opfer prekärer Familienverhältnisse, später dann manchmal großzügig der Gemeinde oder Menschen in Not gegenüber. Trotzdem wurde er in der Gemeinschaft nie akzeptiert und bekam als Kind keine Hilfe. So zeichnet das Buch ein differenziertes Bild des Mordopfers, der gleichzeitig Täter, aber in seiner Kindheit auch Opfer war.
Emmi Johannsen hat einen heiteren, gut lesbaren Kriminalroman geschrieben, der mit spektakulären Szenen genau so aufwartet wie mit unverhofften Wendungen. Die Protagonisten wirken lebendig, leichthändig erzählt die Autorin eine beschwingte und pointierte Geschichte. Sofort fühlt man sich auf die schöne Insel Borkum versetzt und würde an liebsten, dort am Strand liegend, dieses Buch lesen. So entsteht perfektes Urlaubsfeeling, daher empfehle ich diesen beschwingten und launigen Roman gerne weiter und bewerte ihn mit fünf Sternen.
Rezensionen von Philiene :
Zwei spannende Zeitebenen
In Zeiten des blauen Lichts von Paula McLain
Dieser Roman erzählt uns zwei Geschichten in einem Buch. Zum eine geht es um Alouette die im siebzehnten Jahrhundert in Paris lebt und erkennen muss das sie als Frau nicht anerkannt wird und das es keine gute Idee ist sich mit der Zunft der Färber anzulegen.
Der zweite Teil des Romans spielt auch in Paris aber zur Zeit des zweiten Weltkrieges in der sich der Arzt Kristof Fragen muss wem er trauen kann und dessen jüdischen Nachbarn zunehmend unter den Nazies leiden müssen.
Eigentlich haben die Beiden Geschichten nicht viel miteinander zu tun, außer das beide in Paris spielen und trotzdem ergänzen sie sich zu einem spannenden und interessanten Roman. Die Autorin wechselt immer wieder zwischen beiden Erzählsträngen und so drängt sich keine Geschichte in den Vordergrund. Mir haben beide Erzählstränge gut gefallen. Alouette war eine starke junge Frau der viel Ungerechtes widerfahren ist und die trotzdem nicht aufgibt.
In der Zeit um 1940 hat mich vor allem Sascha die Nachbarin von Kristopf sehr berührt.
Ein sehr emotionaler und nachhallender Roman.
Rezensionen von nessabo:
Als Kurzgeschichte betrachtet: Super Unterhaltung und tolles Setting
Two Can Play - Die spielerische Weiterentwicklung von Liebe von Ali Hazelwood
Ich finde diese kurze Geschichte, die ja immerhin gerade einmal halb so viele Seiten umfasst wie übliche Bücher dieses Genres, wirklich gut gelungen für das, was sie sein möchte. Ja, natürlich kann auf gut 200 Seiten nicht extrem tief auf die Gaming-Branche und auch die Figuren eingegangen werden.
Aber dafür ist ja auch der Charme an kurzen Geschichten, dass sie vielleicht sogar in einem Rutsch gelesen werden können und so ein richtiges Eintauchen ermöglichen.
Ich fand den Schreibstil der Autorin wieder einmal sehr unterhaltsam, mit einem tollen Humor, der mich einfach an den Stil Ali Hazelwoods erinnert. Die Einblicke in diese männerdominierte Branche fand ich wieder sehr interessant und natürlich hätte ich da auch gerne noch mehr gelesen, aber siehe oben. Ich habe die Details dazu insgesamt als ausreichend empfunden und die Leidenschaft der beiden Protas fühlen können.
Die Dynamik zwischen Viola und Jesse ist aufgeladen, aber später dann auch echt lieb. Dass es sich am Ende in Bezug auf den Spice so verdichtet und drum herum nicht mehr so wirklich viel passiert, würde ich schon ein wenig kritisieren, und auch das absolute Begehren für die weibliche Hauptfigur war mir too much, aber insgesamt fand ich die Geschichte wirklich rund für die wenigen Seiten.
Vielleicht liegt es daran, dass ich den Roman als Hörbuch gehört habe, denn das hat auch den Nebenfiguren noch mal ein bestimmtes Profil gegeben, das mir gut gefallen hat. Ich bin angesichts der geringen Seitenzahl schon mit der Erwartung einer Art Kurzgeschichte rangegangen und das hat sich wirklich bewährt. Ein knackiges Vergnügen für alle, die Ali Hazelwoods Stil und Humor mögen.
4,5 Sterne
Rezensionen von peedee:
Sehr guter Reiheneinstieg
Amalfi Mortale. Kein Urlaub ohne Mord von Catherine Mack
Vacation Mysteries, Band 1: Eleanor Dash ist eine Bestsellerautorin und dabei, das zehnte Buch mit ihrer Hauptfigur Connor Smith zu schreiben. Vorher muss sie jedoch noch auf eine Lesereise an die Amalfiküste, die der Verlag organisiert hat. Ja, für sie ist diese Reise ein Müssen, denn sie hat absolut keine Lust.
Auch nicht darauf, Connor Smith, den es in echt gibt und der ebenfalls an dieser Reise teilnimmt, wiederzusehen. Sie will ihn lesetechnisch umbringen, was er jedoch noch nicht weiss. Als der echte Connor nur knapp einem Attentat entkommt, wird sie zu Hilfe gerufen, um den Fall zu lösen. Literarische Konkurrenten, eine Gruppe Fans, ein Stalker mit Kontaktverbot, zwei Ex-Freunde – und darunter muss die Täterschaft sein…
Erster Eindruck: Ein auffälliges Cover, eine geprägte Schrift – passt gut.
Eleanor wird von ihrer Schwester Harper, die als ihre Assistentin arbeitet, begleitet. Harper ist topporganisiert und managt Eleanors berufliches und privates Leben. Selbstverständlich hat sie Eleanor eine detaillierte Reisebeschreibung vorgelegt, die sie nicht gelesen hat – wie immer. Wenn sie diese gelesen hätte, hätte sie auch gewusst, auf welche Teilnehmer sie stossen würde. Aber mit solchen Dingen will sie sich nicht beschäftigen. Ihr geht es nur darum, wie sie Connor am besten loswerden könnte. Nun, man könnte denken, dass sie ihn im Buch einfach umbringen könnte und fertig, oder? Nein, so einfach ist es eben nicht, denn die beiden haben seit zehn Jahren ein Geheimnis. Nicht einmal Harper weiss davon. Connor ist wie eh und je nervig. Und nun jammert er davon, dass ihn jemand umbringen will! Wirklich? Beweise dafür hat er nicht. Will er sich nur wieder in den Mittelpunkt drängen? Nachdem zwei, drei merkwürdige Dinge passieren, stellt sich die Frage, ob an Connors Behauptungen doch etwas dran ist. Als Krimiautorin wäre es doch gelacht, wenn sie nicht selbst die Lösung herausfände…
Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Mir hat insbesondere der schräge Humor von Eleanor gefallen. Des Weiteren fand ich die Fussnoten, die sie zuhauf verwendet hat – und die die Lektorin eigentlich nicht wollte – absolut gelungen! Witzig war die Zwiesprache, die sie mit den Leser:innen hält. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen; ich fühlte mich sehr gut unterhalten. Ich vergebe gerne 4 Sterne und freue mich auf die Fortsetzung.
Rezensionen von nessabo:
Wirklich gute Unterhaltung mit politischer Aussagekraft
Frankie - Unter Menschen von Jochen Gutsch
Diesen Roman kann mensch wirklich in sehr kurzer Zeit lesen und so hatte ich eine unterhaltsame Lektüre. Auch wenn ich den Vorgänger nicht kannte, habe ich mich sofort in die Handlung eingefunden. Der Ton ist flapsig, ungefiltert und einfach ziemlich passend für den Kater. Seine Sicht auf die Welt war oft witzig und manchmal auch echt erschütternd.
Das ist auch der größte Punkt, den ich dem Roman explizit positiv anrechne: Die politischen Aussagen, vor denen der Autor nicht zurückschreckt. Aus Sicht des Katers kommen uns Dinge wie Ländergrenzen, Kriege und Intensivtierhaltung noch einmal doppelt so sinnlos und grausam vor. Ich erhoffe mir, dass über den Unterhaltungswert der Geschichte diese Ansichten auch in das Bewusstsein der Lesenden eindringen.
Für mich hätte es allerdings noch deutlich emotionaler sein dürfen. Die Katerperspektive sorgt durch ihre Nüchternheit leider auch für eine gewisse emotionale Distanz - was für mich ein eher negativer Nebeneffekt ist. Dennoch empfehle ich den Roman gern für eine unterhaltsame Lektüre mit Tiefgang und politischer Dimension.
Rezensionen von clematis:
Gewitter über der Insel
Träume aus Salz von Anika Landsteiner
Gewitter über der Insel
Flo und Matty sind noch in der „frisch verliebt“-Phase als sie einen erholsamen Urlaub auf einer kleinen griechischen Insel verbringen. Am Strand liegen, lesen, gutes Essen genießen und die Seele baumeln lassen. Das ist der Plan, Flos nächtliche Träume und Erinnerungen jedoch ziehen wie dräuende Gewitterwolken herauf und überschatten die Idylle.
Aus verschiedenen Perspektiven erfahren wir, was auf der Urlaubsinsel – und nicht nur dort – geschieht, Flo, Matty und die Griechin Sofia leihen uns dafür ihren Blick auf die Dinge. Griechische Mythologie, Tarotkarten und Sofias richtige Gespür für ihre Mitmenschen bringen Knistern ins Geschehen, dazu Flos Gedanken an frühere Ereignisse, dennoch will der gewisse Funke nur schwer überspringen, verliert sich die Handlung immer wieder in alltäglichen Nichtigkeiten, bringt die Intention des Ganzen nie richtig auf den Punkt – das ist zumindest mein Eindruck. Melancholie und eine gewisse Schwere liegen über dem glitzernden Meer, den köstlichen kulinarischen Verführungen. Die zeitweise poetische und überaus angenehme Sprachmelodie vermag den zerfaserten Handlungsverlauf kaum wettzumachen. Obwohl nur wenige Figuren im Mittelpunkt stehen, bleiben diese ein wenig unnahbar, deren Gefühle zwar transparent, aber kaum spürbar. Die Auflösung ist dann auch deutlich weniger spektakulär als zu erwarten war.
Die Geschichte selbst überzeugt nicht unbedingt, aufgrund des schönen Urlaubssettings und der bemerkenswerten Sprachmelodie vergebe ich nun gerne drei Sterne.
Rezensionen von Tara:
Ein mitreißender Thriller voller Überraschungen
Der Fjord von Sarah Goodwin
„Der Fjord“ ist bereits der vierte Thriller der in Hertfordshire lebenden Autorin Sarah Goodwin.
Nach einem Streit hat sich sich Amelias Schwester Rose nicht mehr bei ihr gemeldet. Inzwischen hat Amelia ihre Schwester seit über einem Jahr nicht mehr gesehen. Sie ist davon überzeugt, dass ihr etwas passiert sein muss.
In Rose Wohnung findet sie eine Einladung zu einer der Sommerpartys der Familie Fowley. Diese Partys sind legendär und nur ausgewählte Gäste und die Familie dürfen daran teilnehmen. Amelia krempelt ihr Leben komplett um und setzt alles daran, um als Freundin des Cousins des Gastgebers dorthin zu gelangen.
Die Atmosphäre ist von Beginn an angespannt. Amelia gelangt durch ihren Freund Ford auf die Party. Ihr einziges Ziel ist es herauszufinden, was mit Rose passiert ist. Die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Party sind enorm groß und sie muss aufpassen, dass sie nicht auffliegt.
Der Schreibstil von Sarah Goodwin ist leicht und flüssig zu lesen. Sie versteht es die Atmosphäre am Fjord, den weißen Strand, die Partystimmung, den Luxus und die unbedarfte Stimmung der reichen Gesellschaft einzufangen und gleichzeitig eine unterschwellige Bedrohung aufzubauen.
Was geht dort vor sich?
Die Handlung wird aus Amelias Perspektive berichtet, so dass ihre Gedanken und Gefühle sehr nachvollziehbar wurden. Mit ihr hat die Autorin eine geniale Protagonistin geschaffen, mutig und sehr fokussiert.
Die übrigen Charaktere blieben für mich lange Zeit sehr rätselhaft und ich konnte sie nur schwer einordnen.
Für mich waren die Ereignisse absolut nicht vorhersehbar. Ich wurde immer wieder überrascht und es gab Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Das Tempo ist durchgehend hoch und im letzten Drittel überschlagen sich die Ereignisse dermaßen, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte zu lesen.
Ich habe bisher alle Thriller der Autorin gelesen und habe den Eindruck, dass sie mit jedem besser wird. Entsprechend gespannt bin ich auf den nächsten.
Rezensionen von Anndlich:
Bergur
Home Before Dark von Eva Björg Ægisdóttir
Vor zehn Jahren verschwand Marsibils zwei Jahre ältere Schwester Stina spurlos. Einzig ihre blutverschmierte Jacke kann in der Nähe einer Brücke gefunden werden, genau dort, wo Marsibil sich mit ihrem Brieffreund an jenem Abend treffen wollte. Bis heute bleibt Stinas Verschwinden ungelöst und aus Scham Schuld an allem zu sein, hat Marsibil bis heute geschwiegen.
Doch zehn Jahre später erhält sie wieder einen Brief von ihrem ehemaligen Brieffreund und für sie steht fest, dass sie endlich die Wahrheit herausfinden möchte.
Home Before Dark von Eva Björn Ægisdóttir ist ein Psychothriller aus dem isländischen Raum. Wir erleben die Geschichte in der Gegenwart aus Sicht der 24jährigen Marsibil ‚Marsi‘, die weiterhin an dem spurlosen Verschwinden ihrer Schwester leidet und in der Vergangenheit lernen wir Kristin ‚Stina‘ besser durch ihre Perspektive kennen. Die beiden Leseperspektiven haben bei mir auch ein unterschiedliche Lesegefühl ausgelöst, Marsibils Perspektive zog sich an vielen Momenten merklich, da sich einiges wiederholt und ich mir ein paar Auflösungen relativ schnell denken konnte. Stinas Perspektive ist lebendiger und dementsprechend schneller.
In Anbetracht dessen, dass es sich um einen Psychothriller handelt und Marsibil nicht nur unter Schuldgefühlen leidet, sondern aufgrund dieser auch extreme Probleme hat, hat mir das Erleben ihres Gefühlszustand gefehlt. Ich konnte ihn mir zwar vorstellen, aber wahrgenommen habe ich diesen leider nicht, weswegen mir ihre Perspektive auch eher fern blieb. Stinas Gefühlszustand hat mich hingegen besser erreicht.
Home Before Dark hat mich sehr schnell einnehmen können, zeitweise plätscherte es inhaltlich aber etwas vor sich hin und erst gegen Ende konnte es mit der ein oder anderen Überraschung nochmal für Spannung sorgen, sodass es letztendlich ein gutes, aber nicht besonders packendes Leseerlebnis wurde.











