Kunden em pfehlungen
Rezensionen von CanYouSeeMe:
Prager für Polina
Für Polina von Takis Würger
Wie üblich beim Diogenes-Verlag finde ich die Covergestaltung wunderbar. Das Gemälde von Jan Sluijters »Portrait of a Girl« passt hervorragend zum Klappentext und bringt damit eine gewisse Harmonie in den Gesamteindruck.
Was mich dann aber doch überrascht hat, ist die Großartigkeit von Takis Würgers Geschichte.
Ich habe mir eine nette Geschichte erhofft und habe so viel mehr bekommen. Dabei erzählt Würger in einem fesselnden und beschreibenden Sprachstil, der die Seiten nur so dahin fliegen lässt. Alle Personen in diesem Buch sind für sich spannende Charaktere, die Mischung und Entwicklung dieser macht es spannend und ließ mich alle in mein Herz schließen. Allem voran Hannes Prager, der in seiner speziellen Art durch das Leben zu gehen ein besonders interessanter Protagonist ist. Einzig Polinas Beschreibung "tu nicht so autistisch" hat mich an den Charakterdarstellungen etwas gestört, das wirkte wie ein Label, das es in diesem Buch zu keiner Stelle gebraucht hat.
Die Handlung als solche ist durchaus zügig, jedoch sehr unaufaufgeregt erzählt, so dass ich immer gut im Tempo mitgekommen bin.
Insgesamt konnte mich "Für Polina" auf ganzer Linie überraschen, berühren und begeistern - ein Highlight zum Jahresbeginn!
Rezensionen von Lilli33:
Der erste Fall für die neue Detektei
Mörderfinder - Das Muster des Bösen von Arno Strobel
Der erste Fall für die neue Detektei
Inhalt:
Ein neunjähriger Junge wurde entführt und ein Häftling befürchtet, indirekt daran Mitschuld zu tragen. Deshalb beauftragt er über einen Freund die neu gegründete Detektei WaBi Investigations, in diesem Fall zu ermitteln. Doch kurz darauf wird der Junge tot aufgefunden und bald darauf eine junge Frau entführt.
Max Bischoff und Marvin Wagner müssen sich beeilen, um deren Leben zu retten.
Meine Meinung:
Ich liebe diese Reihe und habe noch immer nicht genug von Max Bischoff und seinem Freund und jetzt auch Partner Marvin Wagner. Vor allem Letzterer hat es mir mit seiner unkonventionellen, aber sehr intelligenten Art angetan. Max, der ehemalige Ausnahmepolizist, scheint mir heute aber nicht in Bestform zu sein. Seine Entscheidungen kommen zögerlich und seine Schlussfolgerungen sind nicht hundertprozentig durchdacht.
Zu Beginn nimmt die Neueröffnung der Privatdetektei von Max und Marvin und die Vorstellung der handelnden Personen viel Raum ein; der Kriminalfall tritt fast zu sehr in den Hintergrund. Doch dann wird es von Seite zu Seite spannender. Die Ermittlungen kommen langsam voran, wobei gleich drei Personen die Privatdetektive dabei umsonst unterstützen wollen. Dies kam mir doch etwas unwahrscheinlich vor, ebenso wie die vielen anderen „Zufälle“. Nun gut, Arno Strobel hat daraus eine spannende Story kreiert - der Zweck heiligt die Mittel.
Erzählt wird wie immer in der 3. Person aus Max’ Perspektive. Die Kapitel sind relativ kurz gehalten und enden oft mit einem Cliffhanger, was die Spannung noch steigert. Wenige kursiv gedruckte Kapitel legen die Sicht des Täters dar, ohne einen direkten Hinweis auf ihn zu geben. Die Beschreibungen der bestialischen Taten sind drastisch und nichts für zart besaitete Gemüter.
Dies ist bereits der 5. Band der Reihe und der erste, in dem Max und Marvin als gleichberechtigte Partner zusammen ermitteln. Man braucht aber keine Vorkenntnisse; das Buch ist genauso für Quereinsteiger wie für langfristige Fans zu empfehlen.
Die Max-Bischoff-Reihe „Mörderfinder“:
1. Die Spur der Mädchen
2. Die Macht des Täters
3. Mit den Augen des Opfers
4. Stimme der Angst
5. Das Muster des Bösen
Rezensionen von Camilla :
sehr gut
Valdombra (Bd. 1) von Martina Folena
Meinem Sohn (10 Jahre) hat des Buch sehr gut gefallen. Er ist ja genau in der Zielgruppe :) Das Cover hat ihn angesprochen (wovon er schon deutlich bessere gesehen hatte) . Die Bilder dann im Buch waren sehr gut gewählt und auch die Kapitellänge war angemessen. Die Idee mit dem farbigen Tagebuch in der Mitte ist natürlich klasse.
.. ABER leider spoilert es total... die Bilder verraten teilweise das Ende. Das hat dann einen bisschen den Lesefluss gestoppt weil er ja schon quasi wusste wie es im groben Enden wird... Aber abgesehen davon fand er es gut. Ein bisschen wenig "böse" Gegenspieler waren für seinen Geschmack. Also somit nicht zu gruslig und actionreich und somit auch für jüngere Leser geeignet. Die Charaktere des Buchs fand er alle sympathisch und er hatte jetzt aber keine besondere Lieblingsfigur. Fortsetzung ist schon angekündigt. Er hofft es sind die gleichen Kinder nur älter und keine neuen.
Rezensionen von EvaLiest:
Gelungenes Debüt!
Unter Grund von Annegret Liepold
Auf Unter Grund von Annegret Liepold bin ich wegen des mega Covers aufmerksam geworden. Aber ich kann euch versichern: da steckt auch ein richtig gutes Buch dahinter.
Wir begleiten Franka auf zwei Zeitebenen: als Jugendliche im Jahr 2006 und als Referendarin zur Zeit der NSU-Prozesse etwa 12 Jahre später.
Wir erfahren, dass sie als Teenager immer tiefer in die rechte Szene abgleitet und vor allem erfahren wir auch, wieso und wie das passiert. Ich will gar nicht zu viel vorwegnehmen, aber der Roman führt vor Augen, dass es gar nicht immer unbedingt die Fremdenfeindlichkeit ist, die Menschen in rechtsradikale Gruppierungen treibt. Selbstverständlich entschuldigt dies in keinster Weise die verübten Straf- und Gewalttaten, aber es macht deutlich, wie schnell der Weg gehen kann: von dem Mädchen, das sich für den Naturschutz engagiert zu dem Mädchen, das antisemitische Straftaten begeht, sind es gerade mal ein paar Monate (und einige Schnäpse und Enttäuschungen).
Die Aufarbeitung der eigenen und familiären Vergangenheit und die Konfrontation mit unbequemen Wahrheiten ist auch Thema des Buches. Hier gelingt es der Autorin gut, die Notwendigkeit einer ehrlichen Auseinandersetzung damit aufzuzeigen, ohne dabei jedoch anklagend zu sein. Generell gefällt mir der Ton des Buches sehr gut, denn es wird zwar nichts beschönigt, aber eben auch nicht eindimensional dargestellt. Und so erschreckend es auch zunächst sein mag: irgendwie kann man Frankas Entwicklung nachvollziehen. Die unaufdringliche, aber trotzdem überzeugende Sprache unterstützt hier die Fokussierung auf den Inhalt, und hilft gleichzeitig dabei, dass sich das Buch wunderbar zügig lesen lässt. Ich habe lediglich zwei klitzekleine Kritikpunkte an diesem insgesamt wirklich gelungenen Buch: manchmal fand ich die Zeitsprünge etwas verwirrend und habe ein paar Sätze gebraucht, mich zu orientieren; und ich fand es ein bisschen schade, dass wir über die Zeit zwischen den beiden Zeitebenen nichts erfahren.
Dennoch ist es ein tolles Debut, das hochaktuell ist und zum Nachdenken anregt – auch auf ganz persönlicher Ebene. Ich habe zum Beispiel einiges mit der Protagonistin gemeinsam: ich bin in unmittelbarer Nähe zu ihr aufgewachsen (zumindest bis zu meinem Umzug in ein oberfränkisches Dorf mit mehr Kühen als Einwohner:innen), in den Nullerjahren erwachsen geworden, und habe Lehramt studiert. Hier hören die Parallelen zum Glück auf. Und jetzt überlege ich, ob das vielleicht wirklich einfach Glück war. Natürlich möchte ich von mir behaupten, dass ich unter gar keinen Umständen in die rechte Szene abgedriftet wäre. Aber das Buch zeigt eindrücklich, wie subtil dieser Prozess vonstattengehen kann und dass einige Jugendliche etwas ganz anderes suchen als rechtes Gedankengut: Verständnis, Freundschaft, Zugehörigkeitsgefühl. Und vielleicht ist es auch einfach unsere Aufgabe als Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass sie danach nicht am rechten Rand suchen müssen.
Rezensionen von stina23:
Richtig gutes Fantasy-Buch
Impossible Creatures - Das Geheimnis der unglaublichen Wesen von Katherine Rundell
Als Christopher seinen Großvater, den er seit vielen Jahren nicht gesehen hat, in Schottland besucht, verändert sich sein Leben, seine Welt und einfach alles wovon er bisher dachte, dass es Realität sei. Er findet heraus, dass er aus einer langen Linie von Hütern stammt, die den Durchgang zu einem magischen Reich beschützen.
In dieses gelangt der Junge, um mit dem Mädchen Mal herauszufinden, was die Magie nach und nach zerstört und mit ihr die magischen Wesen.
Schon der Aufbau des Buches vermittelt Spannung. Gleich am Anfang ist eine Aufzeichnung von den unterschiedlichen mythischen Wesen und ihren Eigenschaften angeführt, das sogenannte „Bestiarium“. Es wird von schönen Zeichnungen begleitet. Die zu Beginn sehr kurzen Kapitel gewähren Einblicke und Vorschauen in die Geschehnisse. Sie enden meist offen, womit das Interesse aufrecht bleibt und man einfach gerne weiterlesen möchte.
Die Welt, die sich die Autorin Katherine Rundell erdacht hat, ist voller mehr oder weniger bekannter Fabelwesen und wunderbarer Abenteuer, in denen aber auch viele Gefahren lauern. Ihr Erzählstil ist passend für Jugendliche und Erwachsene, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das Buch auch wirklich schon für 10-Jährige geeignet ist. Es werden einige Kämpfe und Verwundungen recht genau beschrieben, auch der Tod wird nicht ausgespart. Immer wieder werden Parallelen zwischen dem drohenden Untergang des Archipels und den realen Bedrohungen für unsere Erde gezogen, was der Geschichte eine moderne Relevanz gibt. Zwischendurch wird es auch mal düster. Es ist auf jeden Fall keine „Sonnenschein-Fantasy“-Lektüre. Die ProtagonistInnen sind gut ausgearbeitet, ein bisschen klischeehaft, aber das passt für die Entwicklung der Geschichte gut. Diese verläuft nicht ganz geradlinig, es geschieht Überraschendes und somit bleibt sie spannend.
Dieses Buch hat mir außerordentlich gut gefallen. Ich als Erwachsene wurde richtiggehend in den Bann der Geschichte gezogen, war fasziniert von den Wundern und Gefahren, denen sich die ProtagonistInnen gegenübersahen und ich hatte Spaß am Lesen. Die ProtagonistInnen wuchsen mir ans Herz und ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.
Meine volle Empfehlung!
Rezensionen von nessabo:
Literarisch beeindruckendes Werk über Schweigen, Sprache und ein „Nicht weiter so“
Portrait meiner Mutter mit Geistern von Rabea Edel
Ich kann diesem Werk unmöglich gerecht werden und bin sehr dankbar dafür, dass ich es im Austausch mit vielen anderen Bookies lesen durfte. Das kann ich vorab schon einmal klar empfehlen - dieser Roman benötigt Reflexion, Austausch und ggf. wiederholtes Lesen.
Rabea Edels Buch ist zeitgeschichtlich unglaublich dicht und arbeitet mit einer eher poetisch-assoziativen Sprache verschiedener Formen, die viel Aufmerksamkeit und Mündigkeit erfordert.
Manchmal, vor allem im späteren Handlungsverlauf, fließt die Sprache auch deutlich klarer, aber die Autorin verweigert es oft, eine klare Deutung der Dinge vorzugeben - das müssen die Leser*innen selbst machen. Das Buch fordert damit ein hohes Maß an Konzentration und ich würde ganz klar empfehlen, sich wirklich Zeit zu nehmen und möglichst viel am Stück zu lesen, um die unzähligen Zusammenhänge zu erfassen. Denn die Zeitsprünge mit vielen Figuren und das Viele, das nur angedeutet wird, machen das Lesen zu einer herausfordernden Sache. Doch wer dazu bereit ist, wird mit einem literarischen Meisterinnenwerk belohnt. Edel versteht ihr Handwerk und macht diesen Roman zu einem, den wir in so einer Form wohl nur selten in der Hand haben werden.
Die Handlung kann ich kaum beschreiben, weil sie unfassbar komplex (der netterweise abgedruckte Stammbaum lässt das schon erahnen) und damit auch schwer spoilerfrei zusammenzufassen ist. Primär geht es um weibliches Leben, teilweise in der NS-Zeit, teils jüdisch, teils nicht-jüdisch (wobei auch das nie vollständig geklärt wird). Es geht um die Weitergabe von Traumata und eine Wiederholung von Schicksalen (z. B. toten Erstgeborenen). Der einzige Mann, der wirklich Raum bekommt, ist Jakob - den fand ich sprachlich schwer greifbar und wahrscheinlich ist das gewollt: Er sucht Worte für das, was er nicht greifen kann, für das, was passiert ist und für alles, an das er sich verzweifelt zu erinnern versucht. Ansonsten spielen Männer bzw. Väter eine untergeordnete Rolle, zumal sie oft die Auslöser der Traumata sind, von denen sich die Frauen zu befreien versuchen. Stark fand ich im späteren Verlauf, wie Raisa (die einzige Ich-Erzählerin) sich Klarheit einfordert in Bezug auf Dinge, die vor ihrer Geburt passiert sind. Nur mit Wissen können diese traumatischen Zirkel durchbrochen werden!
Das Buch lebt auch erzählerisch von zahlreichen Parallelen, die sich in verschiedenen Generationen wiederfinden. Und vor allem die weiblichen Figuren sind vielschichtig dargestellt, die meisten Details ihrer Geschichte erfahren wir erst nach und nach, während einige nur so zaghaft und bildhaft angedeutet werden, dass sie der Interpretation der Lesenden überlassen bleiben. Die Geschichte thematisiert das Schweigen innerhalb von Familien, aber ebenso auch Akzeptanz und Verständnis - welches seinerseits von den Leser*innen gefordert wird, denn das meiste im Leben ist schließlich nicht schwarz-weiß. Damit bewegt sich das Buch selbst auf dem schmalen Grat zwischen Akzeptieren und Widerstand gegen erfahrene Ungerechtigkeit.
Das Buch hinterlässt mich mit einer Vielzahl an Gefühlen. Die widerständen Frauen haben mich beeindruckt, ihr Verhalten aber auch fassungslos gemacht. Nicht alles konnte ich verstehen, einiges würde ich sogar verurteilen, aber doch kann ich vieles in seiner Komplexität akzeptieren. Transgenerationale Traumata sind schwer zu begreifen und noch schwerer zu durchbrechen - dies begleiten zu dürfen und das langsame Verstehen am eigenen Leib zu spüren, war ein einzigartiges Erleben. Sprachlich ist es wirklich, wirklich anspruchsvoll und besonders das erste Viertel fand ich ziemlich anstrengend. Komplexe Familiengeschichten finde ich total reizvoll, hier war ich aber fast überreizt. Doch es steckt so viel Stärke in diesem Roman, dass ich mich im weiteren Verlauf überaus gern auf ihn eingelassen habe. Die Leerstellen im Buch konnte ich erstaunlich gut akzeptieren - das spricht auch wieder für das schriftstellerische Talent Edels.
Ein großes Werk, das ich gern auf der Longlist des Buchpreises wiedersehen würde. Für mich hätte es besonders am Anfang und auch manchmal zwischendrin noch etwas zugänglicher sein können, aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau. Viele von uns kennen wohl das Schweigen innerhalb von Familien und ich hoffe, dass dieses Buch hier seinen Beitrag leisten kann, um es zu brechen.
4,5 Sterne
Rezensionen von LeserinLu :
Norddeutscher Roman über Pflege und Opioide
Die erste halbe Stunde im Paradies von Janine Adomeit
Janine Adomeit erzählt in „Die erste halbe Stunde im Paradies“ von Kai und Anne, die als Kinder zu früh erwachsen werden mussten. Die Geschwister wuchsen mit ihrer chronisch kranken, alleinerziehenden Mutter auf – und hatten bald mehr und mehr die Rolle der Pflegenden, halten jedoch fest zusammen.
Als Erwachsene haben sie sich längst aus den Augen verloren. Doch als Kai sich nach Jahren wieder meldet, muss Anne sich nicht nur ihm, sondern auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen. Sie arbeitet für einen Pharmakonzern, doch ihr zunehmendes Interesse an Opioiden und insbesondere Fentanyl ist mehr als nur berufliche Neugier.
Besonders beeindruckt hat mich, wie der Roman Fragen wie familiäre Verantwortung, die Rolle von Verwandten als Pflegenden und verdrängte Wut mit einer beeindruckenden Klarheit verhandelt. Die Pflegeproblematik wird ungeschönt gezeigt: der immense Druck, die mangelnde Unterstützung, die still ertragenen Opfer. Dennoch wird auch die tiefe Verbundenheit zwischen den Geschwistern gezeigt. Diese realistischen, schmerzhaften Beschreibungen haben mich sehr beschäftigt. Die Einblicke in Annes Arbeit als Pharmareferentin, durch die man die Gelegenheiten bekommt, hinter die Kulissen hinter der Schmerzmittelindustrie zu schauen, fand ich unglaublich spannend. Ich hatte zur Opioidkrise in den USA bereits Dokus und Serien gesehen, aber der Roman zeigt eindrücklich, dass auch Deutschland nicht davor gefeit ist.
Adomeits Stil ist nüchtern, aber genau dadurch so eindringlich – die Emotionen entstehen zwischen den Zeilen. Ich habe den Roman fast an einem Stück gelesen, weil er mich so gefesselt hat. Diejenigen, die nun befürchten, dass es in dem Roman nur um düstere Themen geht, kann ich beruhigen: Es gibt auch in schwierigen Zeiten noch einen Funken Hoffnung auf Zusammenhalt und Verbundenheit.
Rezensionen von rainbowly:
Sehr unterhaltsam
Courting - Be mine through all time von Felicia Kingsley
Inhalt
Rebecca liebt alles an der Regency-Zeit - die Kleider, die Bälle, die Männer. Als sie dann aber tatsächlich als Debütantin der Londoner High Society im Jahr 1816 landet, ist doch alles etwas anders als sie es sich vorgestellt hat.
Meinung
Das Buch hat mich sehr gut unterhalten. Ich habe es abwechselnd gelesen und gehört und kann beide Medien empfehlen.
Sandra Voss schafft es die Stimmung der Geschichte und den Charakter der Protagonistin perfekt einzufangen.
Aber auch beim Lesen bin ich nur so durch das, doch recht umfangreiche, Buch geflogen. Gemeinsam mit Rebecca all die verschiedenen Charaktere der High Society in London kennenzulernen und mit ihr in das Leben einer Debütantin zu stolpern war toll. Und die Spannung zwischen Rebecca und dem skandalösen Reedlan Knox war wirklich klasse, wobei mir die anderen Verehrer schon fast etwas leid taten, weil sie so absolut chancenlos waren. Das Buch wird als spicy vermarktet, aber im letzten Drittel der Geschichte geriet mir dadurch dann doch die Story etwas zu sehr in den Hintergrund. Ich mochte die Spannung zwischen den beiden davor viel lieber.
Zusätzlich zur Liebesgeschichte gibt es auch noch einen Kriminalfall zu lösen. Das war sehr spannend, hat nochmal eine andere Dynamik in die Geschichte gebracht und hat auch Einblick in die düsteren Ecken dieser Zeit gewährt.
Ich denke, man darf dieses Buch absolut nicht als Science-Fiction Geschichte lesen. Die Zeitreise an sich wird nicht erklärt und der Hauptteil der Geschichte dreht sich eben um die Geschehnisse im Jahr 1816. Es gibt nur wenige Szenen in denen der Aspekt ihrer Zeitreise eine wirkliche Rolle spielt. Rebecca lebt sich sehr schnell im 19. Jahrhundert ein und kleine Fauxpas werden einfach mit ihrer stürmischen Art erklärt. Über Gegenstände aus der Zukunft wundern sich die Menschen nie großartig. Und auch das Ende war dahingehend nicht sehr logisch.
Fazit
Aber alles in allem eine sehr unterhaltende Geschichte, die mich oft zum Schmunzeln gebracht hat.
Rezensionen von yellowdog:
Frankas Weg
Unter Grund von Annegret Liepold
Unter Grund ist ein Buch, das Sogwirkung hat und mich sehr gefesselt hat.
Die Protagonistin Franka ist junge Lehrerin, die durch ein Wort getriggert wird, das bei ihr Erinnerung an ihre Zeit als Jugendliche auslöst. Man taucht mit ihr ein in die Vergangenheit, in der sie durch Einfluß ihrer Frteunde Jana und Patrick in die rechte Szene abrutscht.
Sie ist in einem Dorf aufgewachsen, dass auch eine Vergangenheit aus der schlimmen Zeit hatte. Dazu gehörte auch die Füchsiin, wie Frankas Großmutter genannt wurde.
Man kann verfolgen, wie Franka sich immer tiewfer verstrickt, schließlich auch gewalttätig wird.
Annegret Liepold hat mich mit ihren suggestiven, eindringlichen Stil überzeugt und begeistert. Es ist ein düsterer Stoff, aber wie Franka dargestellt wird, ist realistsich und glaubhaft.
Es bleibt einiges hängen. Man wünscht sich als Leser, das man Franka helfen könnte, ihren richtigen Weg zu finden. Diese Zuversicht lässt einen die Autorin.
Rezensionen von Bücherfreundin:
Bewegender und faszinierender Generationenroman
Portrait meiner Mutter mit Geistern von Rabea Edel
Im Mittelpunkt von "Portrait meiner Mutter mit Geistern", dem aktuellen Roman von Rabea Edel, dessen Handlung sich durch mehrere Generationen zieht, steht Martha, die Mutter der Autorin.
Zu Beginn lernen wir die Ich-Erzählerin Raisa kennen, Marthas Tochter. Die beiden sind erst vor kurzem mit einsetzender Schulpflicht des Mädchens wieder in Marthas Heimatort sesshaft geworden.
Sie waren auf Wanderschaft und blieben nie lange an einem Ort. Raisa ist nun 7 Jahre alt und beginnt, Fragen nach ihrem Vater und ihren Großeltern zu stellen, die sie nie kennengelernt hat. Doch ihre Mutter schweigt, und es wird Jahre dauern, bis sie sich ihrer Tochter behutsam auf eine ganz besondere Art und Weise öffnet.
Die Geschichte fordert den Leser, sie enthält zahlreiche Zeitsprünge, es geht vor und zurück und umgekehrt. Man muss sich einlassen auf diese anspruchsvolle Lektüre, aufmerksames Lesen ist erforderlich, um den Faden nicht zu verlieren. Der Stammbaum auf den beiden ersten und letzten Buchseiten ist äußerst hilfreich, um jederzeit die Familienstruktur nachvollziehen zu können. Ohne diesen Stammbaum wäre ich verloren gewesen, zumal die Handlung zurückgeht bis in die zwanziger Jahre. Der Leser lernt nach und nach viele Personen kennen, und langsam setzen sich die vielen Puzzlestücke zu einem Ganzen zusammen.
Das Buch gab mir zu Beginn viele Rätsel auf, die Zeitsprünge irritierten mich und störten meinen Lesefluss, doch im Laufe der Handlung faszinierte es mich immer mehr und ließ mich tief eintauchen in die Geschichte einer Familie, in der viel zu oft geschwiegen wurde. Neben Raisa und Martha lernen wir auch Marthas Mutter Selma und Großmutter Dina kennen, verfolgen ihre Lebenswege und erleben dabei ihre Tragödien und ihr Leid. Eine besondere Rolle kommt Jakob zu, der unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit 25 Jahren nach Amerika ausgewandert ist und dessen Schicksal mich ganz besonders berührt hat.
Rabea Edels Sprache ist klar und eindringlich, den sehr speziellen Erzählstil fand ich nicht nur aufgrund der vielen Zeitsprünge etwas gewöhnungsbedürftig. Nicht nur ihre Protagonisten, sondern auch die Nebenfiguren zeichnet die Autorin so bildhaft und authentisch, dass ich sie mir gut vorstellen konnte.
Am Ende bleibt manches offen, es bleibt Raum für eigene Gedanken. Ich habe die fesselnde Geschichte, in der es neben Liebe und Verlust, Schweigen, Lügen und Gewalt auch um traumatische Ereignisse und verdrängte Erinnerungen geht, sehr gern gelesen, sie hat mich gleichermaßen erschüttert und zutiefst berührt.
Absolute Leseempfehlung!









