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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Petra:

Mehr Kuchen

Der Duft von Kuchen und Meer von Anne Barns

Ich habe schon mehrere Bücher der Autorin gelesen. Mir gefällt die Verbindung von Kuchen, Familie und Meer, egal ob Ost- oder Nordsee.
Ich esse sehr gerne Kuchen und am Ende der Bücher sind immer die Rezepte aufgeschrieben die im Buch erwähnt wurden. Ich fahre gern im Urlaub ans Meer, daher habe ich die Gegenden oder Inseln die beschrieben sind schon gesehen und ab und zu wird eine Erinnerung wach.

Dazu die Familiengeschichte die nicht zu dramatisch beschrieben wird. Ein gelungener Wohlfühlroman mit vielen Details die das Gefühl der Geborgenheit vermitteln.
Die Liebe ist vorhanden aber sie drängt sich nicht in den Vordergrund sondern ist eine angenehme Begleiterscheinung.
Diese Eigenschaften hat auch dieses Buch. Maren wirkt sehr sympathisch und sehr viel reifer als man von ihrem Alter her vermuten könnte. Ihre Ansichten sprechen von soviel Lebenserfahrung wie die einer Hundertjährigen. Dafür sind Mutter, Oma und Tochter weniger abgeklärt.
Gleichzeitig ist sie bereit nach reiflicher Überlegung einen Wechsel in ihrem Leben anzutreten. Dieses Abwägen von Risiken bringt das Ganze in realistische Grenzen. Auch die Rückblicke in vergangene Zeiten sind sehr zurückhaltend erzählt, man kann sich Details selber ausdenken, die schöne Kindheit auf der Insel oder auch die grässliche Schwiegermutter.
Alles in allem ein Buch zum Träumen, zusammen mit einem Stück Kuchen und einen Tee ergibt es einen wunderbar gelungenen Lesegenuss.

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Rezensionen von evaki:

Irgendwie ging es immer weiter

Bis die Sonne scheint von Christian Schünemann

Man muss sich erst einmal einlesen in die Familiengeschichte, die uns Christian Schünemann in seinem neuen Roman 'Bis die Sonne scheint' präsentiert. Wir lesen von den Großeltern und erleben dann mit, wie sich die Eltern kennengelernt haben. Mit wieviel Geschick und Aufopferung wurde aus dem kleinsten Stückchen etwas gemacht.

Wie viele Ansätze man finden kann, um auf jede erdenkliche Art und Weise Geld zu verdienen, um die Familie durchzubringen. Gleichzeitig ist es auch ein Rückblick in die Zeit meiner eigenen Kindheit, die noch frei von Handys war und in der das Briefe schreiben noch eine wichtige Rolle der Kommunikation gespielt hat. Ein wunderbare Rückblende in das Ende des letzten Jahrhunderts, die mir vertraut erscheint, weil dabei gewesen, aber auch stolz, weil diese Zeit viel ermöglicht hat und eben ganz anders als heute war.

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Rezensionen von CanYouSeeMe:

Kurzschluss

Wackelkontakt von Wolf Haas

Die Prämisse dieses Buches hat mich schon beim Lesen des Klappentextes neugierig gemacht: Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte.... Die Verknüpfung der beiden Storylines, die über einander in Büchern lesen ist ein wirklich spannendes Konzept, auf dessen Umsetzung ich sehr gespannt war.

So richtig warm bin ich zunächst aber nicht mit diesem Buch geworden: die ersten 100 Seiten haben sich für mich sehr zäh und langatmig angefühlt, ich musste mich regelrecht durch die Handlung hindurch kämpfen. Das liegt vor allem auch Protagonist Escher, zudem ich die gesamte Handlung hinweg keinen Draht aufbauen konnte. Erst mit fortschreitender Handlung und zunehmender Verstrickung der beiden Handlungsstränge ineinander hat mich das Buch mitnehmen können. Da war ich froh bis zu diesem Punkt ausgehalten zu haben. Zum Ende des Buches war mir die Story-Entwicklung dann leider etwas zu platt und konnte mich auf erzählerischer Ebene nicht mehr mitnehmen.
Dennoch habe ich das Buch insgesamt gern gelesen - es war eine gute Unterhaltung, die bei mir vor allem durch den ungewöhnlichen Aufbau punkten konnte. Der Schreibstil war für mich gewöhnungsbedürftig, dann jedoch im Verlauf zunehmend flüssig zu lesen. Die Entwicklung der Story und Charakterdarstellung hat nicht meinen Geschmack treffen können.

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Rezensionen von CanYouSeeMe:

Prager für Polina

Für Polina von Takis Würger

Wie üblich beim Diogenes-Verlag finde ich die Covergestaltung wunderbar. Das Gemälde von Jan Sluijters »Portrait of a Girl« passt hervorragend zum Klappentext und bringt damit eine gewisse Harmonie in den Gesamteindruck.
Was mich dann aber doch überrascht hat, ist die Großartigkeit von Takis Würgers Geschichte.

Ich habe mir eine nette Geschichte erhofft und habe so viel mehr bekommen. Dabei erzählt Würger in einem fesselnden und beschreibenden Sprachstil, der die Seiten nur so dahin fliegen lässt. Alle Personen in diesem Buch sind für sich spannende Charaktere, die Mischung und Entwicklung dieser macht es spannend und ließ mich alle in mein Herz schließen. Allem voran Hannes Prager, der in seiner speziellen Art durch das Leben zu gehen ein besonders interessanter Protagonist ist. Einzig Polinas Beschreibung "tu nicht so autistisch" hat mich an den Charakterdarstellungen etwas gestört, das wirkte wie ein Label, das es in diesem Buch zu keiner Stelle gebraucht hat.
Die Handlung als solche ist durchaus zügig, jedoch sehr unaufaufgeregt erzählt, so dass ich immer gut im Tempo mitgekommen bin.
Insgesamt konnte mich "Für Polina" auf ganzer Linie überraschen, berühren und begeistern - ein Highlight zum Jahresbeginn!

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Rezensionen von Lilli33:

Der erste Fall für die neue Detektei

Mörderfinder - Das Muster des Bösen von Arno Strobel

Der erste Fall für die neue Detektei

Inhalt:
Ein neunjähriger Junge wurde entführt und ein Häftling befürchtet, indirekt daran Mitschuld zu tragen. Deshalb beauftragt er über einen Freund die neu gegründete Detektei WaBi Investigations, in diesem Fall zu ermitteln. Doch kurz darauf wird der Junge tot aufgefunden und bald darauf eine junge Frau entführt.

Max Bischoff und Marvin Wagner müssen sich beeilen, um deren Leben zu retten.

Meine Meinung:
Ich liebe diese Reihe und habe noch immer nicht genug von Max Bischoff und seinem Freund und jetzt auch Partner Marvin Wagner. Vor allem Letzterer hat es mir mit seiner unkonventionellen, aber sehr intelligenten Art angetan. Max, der ehemalige Ausnahmepolizist, scheint mir heute aber nicht in Bestform zu sein. Seine Entscheidungen kommen zögerlich und seine Schlussfolgerungen sind nicht hundertprozentig durchdacht.

Zu Beginn nimmt die Neueröffnung der Privatdetektei von Max und Marvin und die Vorstellung der handelnden Personen viel Raum ein; der Kriminalfall tritt fast zu sehr in den Hintergrund. Doch dann wird es von Seite zu Seite spannender. Die Ermittlungen kommen langsam voran, wobei gleich drei Personen die Privatdetektive dabei umsonst unterstützen wollen. Dies kam mir doch etwas unwahrscheinlich vor, ebenso wie die vielen anderen „Zufälle“. Nun gut, Arno Strobel hat daraus eine spannende Story kreiert - der Zweck heiligt die Mittel.

Erzählt wird wie immer in der 3. Person aus Max’ Perspektive. Die Kapitel sind relativ kurz gehalten und enden oft mit einem Cliffhanger, was die Spannung noch steigert. Wenige kursiv gedruckte Kapitel legen die Sicht des Täters dar, ohne einen direkten Hinweis auf ihn zu geben. Die Beschreibungen der bestialischen Taten sind drastisch und nichts für zart besaitete Gemüter.

Dies ist bereits der 5. Band der Reihe und der erste, in dem Max und Marvin als gleichberechtigte Partner zusammen ermitteln. Man braucht aber keine Vorkenntnisse; das Buch ist genauso für Quereinsteiger wie für langfristige Fans zu empfehlen.

Die Max-Bischoff-Reihe „Mörderfinder“:
1. Die Spur der Mädchen
2. Die Macht des Täters
3. Mit den Augen des Opfers
4. Stimme der Angst
5. Das Muster des Bösen

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Rezensionen von Camilla :

sehr gut

Valdombra (Bd. 1) von Martina Folena

Meinem Sohn (10 Jahre) hat des Buch sehr gut gefallen. Er ist ja genau in der Zielgruppe :) Das Cover hat ihn angesprochen (wovon er schon deutlich bessere gesehen hatte) . Die Bilder dann im Buch waren sehr gut gewählt und auch die Kapitellänge war angemessen. Die Idee mit dem farbigen Tagebuch in der Mitte ist natürlich klasse.

.. ABER leider spoilert es total... die Bilder verraten teilweise das Ende. Das hat dann einen bisschen den Lesefluss gestoppt weil er ja schon quasi wusste wie es im groben Enden wird... Aber abgesehen davon fand er es gut. Ein bisschen wenig "böse" Gegenspieler waren für seinen Geschmack. Also somit nicht zu gruslig und actionreich und somit auch für jüngere Leser geeignet. Die Charaktere des Buchs fand er alle sympathisch und er hatte jetzt aber keine besondere Lieblingsfigur. Fortsetzung ist schon angekündigt. Er hofft es sind die gleichen Kinder nur älter und keine neuen.

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Rezensionen von EvaLiest:

Gelungenes Debüt!

Unter Grund von Annegret Liepold

Auf Unter Grund von Annegret Liepold bin ich wegen des mega Covers aufmerksam geworden. Aber ich kann euch versichern: da steckt auch ein richtig gutes Buch dahinter.
Wir begleiten Franka auf zwei Zeitebenen: als Jugendliche im Jahr 2006 und als Referendarin zur Zeit der NSU-Prozesse etwa 12 Jahre später.

Wir erfahren, dass sie als Teenager immer tiefer in die rechte Szene abgleitet und vor allem erfahren wir auch, wieso und wie das passiert. Ich will gar nicht zu viel vorwegnehmen, aber der Roman führt vor Augen, dass es gar nicht immer unbedingt die Fremdenfeindlichkeit ist, die Menschen in rechtsradikale Gruppierungen treibt. Selbstverständlich entschuldigt dies in keinster Weise die verübten Straf- und Gewalttaten, aber es macht deutlich, wie schnell der Weg gehen kann: von dem Mädchen, das sich für den Naturschutz engagiert zu dem Mädchen, das antisemitische Straftaten begeht, sind es gerade mal ein paar Monate (und einige Schnäpse und Enttäuschungen).
Die Aufarbeitung der eigenen und familiären Vergangenheit und die Konfrontation mit unbequemen Wahrheiten ist auch Thema des Buches. Hier gelingt es der Autorin gut, die Notwendigkeit einer ehrlichen Auseinandersetzung damit aufzuzeigen, ohne dabei jedoch anklagend zu sein. Generell gefällt mir der Ton des Buches sehr gut, denn es wird zwar nichts beschönigt, aber eben auch nicht eindimensional dargestellt. Und so erschreckend es auch zunächst sein mag: irgendwie kann man Frankas Entwicklung nachvollziehen. Die unaufdringliche, aber trotzdem überzeugende Sprache unterstützt hier die Fokussierung auf den Inhalt, und hilft gleichzeitig dabei, dass sich das Buch wunderbar zügig lesen lässt. Ich habe lediglich zwei klitzekleine Kritikpunkte an diesem insgesamt wirklich gelungenen Buch: manchmal fand ich die Zeitsprünge etwas verwirrend und habe ein paar Sätze gebraucht, mich zu orientieren; und ich fand es ein bisschen schade, dass wir über die Zeit zwischen den beiden Zeitebenen nichts erfahren.
Dennoch ist es ein tolles Debut, das hochaktuell ist und zum Nachdenken anregt – auch auf ganz persönlicher Ebene. Ich habe zum Beispiel einiges mit der Protagonistin gemeinsam: ich bin in unmittelbarer Nähe zu ihr aufgewachsen (zumindest bis zu meinem Umzug in ein oberfränkisches Dorf mit mehr Kühen als Einwohner:innen), in den Nullerjahren erwachsen geworden, und habe Lehramt studiert. Hier hören die Parallelen zum Glück auf. Und jetzt überlege ich, ob das vielleicht wirklich einfach Glück war. Natürlich möchte ich von mir behaupten, dass ich unter gar keinen Umständen in die rechte Szene abgedriftet wäre. Aber das Buch zeigt eindrücklich, wie subtil dieser Prozess vonstattengehen kann und dass einige Jugendliche etwas ganz anderes suchen als rechtes Gedankengut: Verständnis, Freundschaft, Zugehörigkeitsgefühl. Und vielleicht ist es auch einfach unsere Aufgabe als Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass sie danach nicht am rechten Rand suchen müssen.

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Rezensionen von stina23:

Richtig gutes Fantasy-Buch

Impossible Creatures – Das Geheimnis der unglaublichen Wesen von Katherine Rundell

Als Christopher seinen Großvater, den er seit vielen Jahren nicht gesehen hat, in Schottland besucht, verändert sich sein Leben, seine Welt und einfach alles wovon er bisher dachte, dass es Realität sei. Er findet heraus, dass er aus einer langen Linie von Hütern stammt, die den Durchgang zu einem magischen Reich beschützen.

In dieses gelangt der Junge, um mit dem Mädchen Mal herauszufinden, was die Magie nach und nach zerstört und mit ihr die magischen Wesen.
Schon der Aufbau des Buches vermittelt Spannung. Gleich am Anfang ist eine Aufzeichnung von den unterschiedlichen mythischen Wesen und ihren Eigenschaften angeführt, das sogenannte „Bestiarium“. Es wird von schönen Zeichnungen begleitet. Die zu Beginn sehr kurzen Kapitel gewähren Einblicke und Vorschauen in die Geschehnisse. Sie enden meist offen, womit das Interesse aufrecht bleibt und man einfach gerne weiterlesen möchte.
Die Welt, die sich die Autorin Katherine Rundell erdacht hat, ist voller mehr oder weniger bekannter Fabelwesen und wunderbarer Abenteuer, in denen aber auch viele Gefahren lauern. Ihr Erzählstil ist passend für Jugendliche und Erwachsene, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das Buch auch wirklich schon für 10-Jährige geeignet ist. Es werden einige Kämpfe und Verwundungen recht genau beschrieben, auch der Tod wird nicht ausgespart. Immer wieder werden Parallelen zwischen dem drohenden Untergang des Archipels und den realen Bedrohungen für unsere Erde gezogen, was der Geschichte eine moderne Relevanz gibt. Zwischendurch wird es auch mal düster. Es ist auf jeden Fall keine „Sonnenschein-Fantasy“-Lektüre. Die ProtagonistInnen sind gut ausgearbeitet, ein bisschen klischeehaft, aber das passt für die Entwicklung der Geschichte gut. Diese verläuft nicht ganz geradlinig, es geschieht Überraschendes und somit bleibt sie spannend.
Dieses Buch hat mir außerordentlich gut gefallen. Ich als Erwachsene wurde richtiggehend in den Bann der Geschichte gezogen, war fasziniert von den Wundern und Gefahren, denen sich die ProtagonistInnen gegenübersahen und ich hatte Spaß am Lesen. Die ProtagonistInnen wuchsen mir ans Herz und ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.
Meine volle Empfehlung!

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Rezensionen von nessabo:

Literarisch beeindruckendes Werk über Schweigen, Sprache und ein „Nicht weiter so“

Portrait meiner Mutter mit Geistern von Rabea Edel

Ich kann diesem Werk unmöglich gerecht werden und bin sehr dankbar dafür, dass ich es im Austausch mit vielen anderen Bookies lesen durfte. Das kann ich vorab schon einmal klar empfehlen - dieser Roman benötigt Reflexion, Austausch und ggf. wiederholtes Lesen.

Rabea Edels Buch ist zeitgeschichtlich unglaublich dicht und arbeitet mit einer eher poetisch-assoziativen Sprache verschiedener Formen, die viel Aufmerksamkeit und Mündigkeit erfordert.

Manchmal, vor allem im späteren Handlungsverlauf, fließt die Sprache auch deutlich klarer, aber die Autorin verweigert es oft, eine klare Deutung der Dinge vorzugeben - das müssen die Leser*innen selbst machen. Das Buch fordert damit ein hohes Maß an Konzentration und ich würde ganz klar empfehlen, sich wirklich Zeit zu nehmen und möglichst viel am Stück zu lesen, um die unzähligen Zusammenhänge zu erfassen. Denn die Zeitsprünge mit vielen Figuren und das Viele, das nur angedeutet wird, machen das Lesen zu einer herausfordernden Sache. Doch wer dazu bereit ist, wird mit einem literarischen Meisterinnenwerk belohnt. Edel versteht ihr Handwerk und macht diesen Roman zu einem, den wir in so einer Form wohl nur selten in der Hand haben werden.

Die Handlung kann ich kaum beschreiben, weil sie unfassbar komplex (der netterweise abgedruckte Stammbaum lässt das schon erahnen) und damit auch schwer spoilerfrei zusammenzufassen ist. Primär geht es um weibliches Leben, teilweise in der NS-Zeit, teils jüdisch, teils nicht-jüdisch (wobei auch das nie vollständig geklärt wird). Es geht um die Weitergabe von Traumata und eine Wiederholung von Schicksalen (z. B. toten Erstgeborenen). Der einzige Mann, der wirklich Raum bekommt, ist Jakob - den fand ich sprachlich schwer greifbar und wahrscheinlich ist das gewollt: Er sucht Worte für das, was er nicht greifen kann, für das, was passiert ist und für alles, an das er sich verzweifelt zu erinnern versucht. Ansonsten spielen Männer bzw. Väter eine untergeordnete Rolle, zumal sie oft die Auslöser der Traumata sind, von denen sich die Frauen zu befreien versuchen. Stark fand ich im späteren Verlauf, wie Raisa (die einzige Ich-Erzählerin) sich Klarheit einfordert in Bezug auf Dinge, die vor ihrer Geburt passiert sind. Nur mit Wissen können diese traumatischen Zirkel durchbrochen werden!

Das Buch lebt auch erzählerisch von zahlreichen Parallelen, die sich in verschiedenen Generationen wiederfinden. Und vor allem die weiblichen Figuren sind vielschichtig dargestellt, die meisten Details ihrer Geschichte erfahren wir erst nach und nach, während einige nur so zaghaft und bildhaft angedeutet werden, dass sie der Interpretation der Lesenden überlassen bleiben. Die Geschichte thematisiert das Schweigen innerhalb von Familien, aber ebenso auch Akzeptanz und Verständnis - welches seinerseits von den Leser*innen gefordert wird, denn das meiste im Leben ist schließlich nicht schwarz-weiß. Damit bewegt sich das Buch selbst auf dem schmalen Grat zwischen Akzeptieren und Widerstand gegen erfahrene Ungerechtigkeit.

Das Buch hinterlässt mich mit einer Vielzahl an Gefühlen. Die widerständen Frauen haben mich beeindruckt, ihr Verhalten aber auch fassungslos gemacht. Nicht alles konnte ich verstehen, einiges würde ich sogar verurteilen, aber doch kann ich vieles in seiner Komplexität akzeptieren. Transgenerationale Traumata sind schwer zu begreifen und noch schwerer zu durchbrechen - dies begleiten zu dürfen und das langsame Verstehen am eigenen Leib zu spüren, war ein einzigartiges Erleben. Sprachlich ist es wirklich, wirklich anspruchsvoll und besonders das erste Viertel fand ich ziemlich anstrengend. Komplexe Familiengeschichten finde ich total reizvoll, hier war ich aber fast überreizt. Doch es steckt so viel Stärke in diesem Roman, dass ich mich im weiteren Verlauf überaus gern auf ihn eingelassen habe. Die Leerstellen im Buch konnte ich erstaunlich gut akzeptieren - das spricht auch wieder für das schriftstellerische Talent Edels.

Ein großes Werk, das ich gern auf der Longlist des Buchpreises wiedersehen würde. Für mich hätte es besonders am Anfang und auch manchmal zwischendrin noch etwas zugänglicher sein können, aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau. Viele von uns kennen wohl das Schweigen innerhalb von Familien und ich hoffe, dass dieses Buch hier seinen Beitrag leisten kann, um es zu brechen.

4,5 Sterne

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Rezensionen von LeserinLu :

Norddeutscher Roman über Pflege und Opioide

Die erste halbe Stunde im Paradies von Janine Adomeit

Janine Adomeit erzählt in „Die erste halbe Stunde im Paradies“ von Kai und Anne, die als Kinder zu früh erwachsen werden mussten. Die Geschwister wuchsen mit ihrer chronisch kranken, alleinerziehenden Mutter auf – und hatten bald mehr und mehr die Rolle der Pflegenden, halten jedoch fest zusammen.

Als Erwachsene haben sie sich längst aus den Augen verloren. Doch als Kai sich nach Jahren wieder meldet, muss Anne sich nicht nur ihm, sondern auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen. Sie arbeitet für einen Pharmakonzern, doch ihr zunehmendes Interesse an Opioiden und insbesondere Fentanyl ist mehr als nur berufliche Neugier.

Besonders beeindruckt hat mich, wie der Roman Fragen wie familiäre Verantwortung, die Rolle von Verwandten als Pflegenden und verdrängte Wut mit einer beeindruckenden Klarheit verhandelt. Die Pflegeproblematik wird ungeschönt gezeigt: der immense Druck, die mangelnde Unterstützung, die still ertragenen Opfer. Dennoch wird auch die tiefe Verbundenheit zwischen den Geschwistern gezeigt. Diese realistischen, schmerzhaften Beschreibungen haben mich sehr beschäftigt. Die Einblicke in Annes Arbeit als Pharmareferentin, durch die man die Gelegenheiten bekommt, hinter die Kulissen hinter der Schmerzmittelindustrie zu schauen, fand ich unglaublich spannend. Ich hatte zur Opioidkrise in den USA bereits Dokus und Serien gesehen, aber der Roman zeigt eindrücklich, dass auch Deutschland nicht davor gefeit ist.

Adomeits Stil ist nüchtern, aber genau dadurch so eindringlich – die Emotionen entstehen zwischen den Zeilen. Ich habe den Roman fast an einem Stück gelesen, weil er mich so gefesselt hat. Diejenigen, die nun befürchten, dass es in dem Roman nur um düstere Themen geht, kann ich beruhigen: Es gibt auch in schwierigen Zeiten noch einen Funken Hoffnung auf Zusammenhalt und Verbundenheit.

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