Kunden em pfehlungen
Rezensionen von nil_liest:
Zartes Gefühl, harter Preis
Wut und Liebe von Martin Suter
Was haben ein mittelloser Künstler, eine karrierebewusste Buchhalterin und eine wohlhabende, alte Dame gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts – doch in Martin Suters neuem Roman Wut und Liebe kreuzen sich ihre Lebenswege in einer Geschichte über emotionale Abhängigkeiten, moralische Abgründe und die verzweifelte Suche nach Kontrolle über das eigene Leben.
Noah ist Anfang dreißig, ein Maler mit Talent, aber ohne wirtschaftlichen Erfolg. Seine Freundin Camilla – Buchhalterin, rational, zukunftsorientiert – trägt die finanzielle Last der Beziehung. Als sie sich trennt, wirkt es wie eine kluge Entscheidung: „Ich liebe dich, aber nicht das Leben mit dir.“ Eine nüchterne Trennung – oder doch eine Flucht vor einem Leben, das nicht den Erwartungen entspricht?
Was folgt, ist keine klassische Liebesgeschichte. Es ist vielmehr ein Roman über das, was nach dem Liebes-Aus bleibt: Wut, Leere, der Drang, sich zu beweisen – und eine fast groteske Hoffnung, durch materielle Sicherheit die Liebe zurückzugewinnen. Genau an diesem Punkt tritt Betty Hasler auf den Plan. Alt, scharfzüngig und reich, bietet sie Noah einen „Deal“ an, der auf Rache basiert – und auf ein Millionenvermögen. Moralisch fragwürdig? Absolut. Doch Suter macht deutlich: In der Grauzone zwischen verletzter Würde und menschlichem Verlangen gibt es selten eindeutige Entscheidungen.
Was Suter in diesem Roman wieder mal gelingt, ist die Balance zwischen psychologischer Tiefe und leichter, eleganter Erzählweise. Die Figuren wirken nie wie Stereotype – oft verwirrend, manchmal töricht, aber immer nachvollziehbar in ihren Widersprüchen. Besonders Noah, der zwischen Hilflosigkeit, kreativer Sehnsucht und wachsender Wut schwankt, entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einer tragischen Figur – nicht, weil er scheitert, sondern weil er glaubt, mit dem richtigen Einsatz die Liebe zurückkaufen zu können.
Auch Camilla ist mehr als nur die „kalte Berechnende“. Im zweiten Handlungsstrang gewinnt sie an Profil, versucht sich selbst zu behaupten – und verfängt sich dabei in einer eigenen Spirale aus Täuschung, Ernüchterung und Selbstinszenierung. Das Besondere: Auch sie wird von ihrer Version der Liebe angetrieben, aber in einer ganz anderen Tonlage als Noah.
Zwischen den Kapiteln entfaltet sich allmählich ein Beziehungs- und Gesellschaftsdrama, das sich gegen Ende zu einem fast thrillermäßigen Wirtschaftskrimi zuspitzt. Mit einem Gespür für Tempo und Timing lässt Suter die Handlung Fahrt aufnehmen, verwebt Kunstwelt mit Finanzskandalen, persönliche Niederlagen mit struktureller Ungerechtigkeit. Und dabei bleibt stets die titelgebende Ambivalenz: Wut und Liebe – beide Gefühle bedingen einander, nähren sich gegenseitig, fließen ineinander über.
Rezensionen von nil_liest:
Zwischen Schmerz und Sehnsucht
Erdbeeren und Zigarettenqualm von Madeline Docherty
Du bist jung, studierst in Glasgow, küsst zum ersten Mal ein Mädchen, verliebst dich in deine beste Freundin – und liegst plötzlich in der Notaufnahme. So beginnt Madeline Dochertys Debüt Erdbeeren und Zigarettenqualm – direkt, intim, verletzlich. Was wie eine Coming-of-Age-Geschichte klingt, entpuppt sich schnell als ein ebenso intensives wie schmerzhaft schönes Porträt über Freundschaft, Krankheit und das Erwachsenwerden in all seiner Widersprüchlichkeit.
Die namenlose Protagonistin erzählt ihre Geschichte in der Du-Perspektive – ein ungewöhnlicher, aber wirkungsvoller Kniff, der sofort Nähe schafft, aber auch anstrengend sein kann. Man wird nicht nur zur Leserin, sondern zur Mitfühlenden, zur Vertrauten, fast zur Beteiligten. Der Stil erinnert an Sally Rooney, auch durch das Fehlen von Anführungszeichen, doch Docherty schafft es, eine ganz eigene Sprache zu finden: roh, direkt, poetisch – mit einem untrüglichen Gespür für Zwischentöne.
Im Zentrum steht die Freundschaft zur charismatischen, lebenshungrigen Ella. Sie ist Stütze und Schwachstelle zugleich, Rettungsanker und Abgrund. Während sich die Ich-Erzählerin durch ein unstetes Leben voller Partys, Jobs, Affären und innerer Unruhe treiben lässt, bleibt Ella der Fixpunkt – bis das Ungleichgewicht ihrer Beziehung zu kippen droht.
Besonders eindringlich ist die Darstellung der chronischen Krankheit Endometriose: Schonungslos, ehrlich und ohne falsches Pathos zeigt Docherty, wie diese Diagnose das Leben der Protagonistin durchzieht – körperlich, psychisch, sozial. Wer selbst betroffen ist oder Betroffene kennt, wird sich gesehen fühlen. Wer davon noch nie gehört hat, wird es nach diesem Buch nicht mehr vergessen.
Was bleibt, ist eine Geschichte voller Widersprüche: wild und traurig, zart und laut, vertraut und fremd. Ein Roman, der nicht nur erzählt, sondern spüren lässt – den Schmerz, die Sehnsucht, die Leere, die Hoffnung. Und die Liebe, die manchmal nicht reicht.
Rezensionen von Marw76:
Düstere Hexengeschichte
Thirteen Witches - Die Erinnerungsdiebin Thirteen Witches von Jodi Lynn Anderson
Cover: Das Cover ist wirklich schön und fällt sofort ins Auge durch den orangenen Ton. Auf dem Cover ist Protagonistin Rosie zu sehen mit ein paar glitzernden Faltern. Wenn man die Geschichte kennt sieht man noch mehr Details auf dem Cover die richtig gut passen.
Inhalt: Rosie hat es nicht leicht, denn ihre Mutter behandelt ihre Tochter sehr kühl und ablehnend.
Eines Tages stößt das Mädchen suf ein Buch über 13 Hexen und kann Geister sehen die ihr zu Hilfe kommen. Nach und nach versteht sie, dass eine der Hexen ihrer Mutter alle schönen Erinnerungen gestohlen hat. Rosie macht sich mit ihren Freunden auf die Suche wie sie die Hexen besiegen kann.
Meine Meinung: Obwohl die Geschichte als Kinderbuch ausgezeichnet ist, ist sie doch von Anfang an sehr düster und bedrohlich geschrieben. Etwas ängstliche Kinder könnten sich deshalb mit dem Buch schwer tun, aber wenn man sich von düsteren und etwas unheimlichen Hexengeschichten angezogen fühlt der bekommt hier eine tolle, spannende Geschichte. Rosie ist ein Mädchen die es im Leben nicht einfach hat, sie merkt das ihre Mutter sie anders behandelt als andere Mütter ihre Kinder und auch Freundschaften schließen fällt ihr schwer. Doch Im Laufe der Geschichte wird Rosie immer mutiger und wächst über sich heraus. Auch die Atmosphäre des Buches ist sehr gelungen. Ich gebe dem Buch 4,5 Sterne und eine Empfehlung an unerschrockene Kinder.
Rezensionen von April1985 :
Schmerzhaft und herzzerreißend und zugleich wunderschön
Moments So Blue Like Our Love von Gabriella Santos de Lima
Ich muss gestehen, dass ich auf das Buch nicht vorbereitet war. Dass ich nicht mit den Ereignissen, die mich hier erwartet haben, gerechnet habe. Hätte ich die Triggerwarnungen im Vorfeld gelesen, hätte ich wahrscheinlich nicht zu dieser Geschichte gegriffen, da Themen behandelt werden, die mich emotional sehr mitnehmen.
Ich möchte nicht zu viel verraten. Es geht um eine unberechenbare Krankheit. Und ich weiß jetzt auch, was unter dem Trope „Ugly Cry“zu verstehen ist.
So poetisch wie der Titel ihrer ‚Blue-Eternity‘-Dilogie, so herzzerreißend und emotional ist die Geschichte. Es geht um Filmstudentin Emmi und Regisseur Sam, die sich im Rahmen eines Praktikums kennen lernen. Dabei ist das erste Aufeinandertreffen der beiden kein Gutes. Sam macht mehr als deutlich, was er von Emmi und ihren Talenten hält. Nämlich nicht viel. An der wunderschönen, pittoresken sardischen Küste kommen sich Emmi und Sam näher. Sie lernen sich besser kennen, öffnen sich füreinander. Aber man spürt trotz der Annäherung, dass ein Geheimnis in den Tiefen vergraben ist. Die große Enthüllung hat mich innerlich komplett zerissen. Ich musste das Buch dann auch pausieren und alles verarbeiten. Ein Abbruch kam aber nicht in Frage, weil ich Emmis und Sams Geschichte nicht unvollendet stehen lassen wollte.
Gabriella hat ein unglaublich tief gehendes Thema angeschnitten. Die Geschichte ist sehr intensiv, tragisch und schmerzhaft. Es gibt aber auch Sonnenschein. Auf Sardinien scheint die Welt in Ordnung. Ich habe vorallem die Szenen am Strand, beim Surfen und beim Filmdreh sehr genossen. Emmi und Sam sind mir auf Sardinien and Herz gewachsen. Umso mehr hat mich der weitere Verlauf erschüttert und mitgenommen, inklusive leise vergossener Tränen.
Fazit
Schmerzhaft und herzzerreißend und zugleich wunderschön. Emmis und Sams Geschichte ist keine leichte. Ich empfehle im Vorfeld die Triggerwarnungen zu lesen.
Rezensionen von Anndlich:
Gefangen in einer Zeitschleife?!
Gestern waren wir unendlich von Dominik Gaida
Louis ist sich sicher, dass er in Henry die Liebe seines Lebens gefunden hat und mit ihm alt werden möchte. Doch das Schicksal macht ihm einen Strich durch die Rechnung, denn die beiden sind in einen schweren Unfall verwickelt, den Henry nicht überlebt. Louis Welt gerät aus den Fugen und wird von der Dunkelheit eingeholt, doch dann öffnet Louis wieder seine Augen und Henry ist wieder da.
Schnell merkt Louis, dass ihm alles verdächtig bekannt vorkommt und der Tag des Unfalls sich wiederholt. Muss Louis den Unfall nochmal erleben oder kann er Henry retten?
Gestern waren wir unendlich von Dominik Gaida ist der erste Teil einer Dilogie. Der Klappentext klang unfassbar vielversprechend und versprach eine Menge Herzschmerz und berührende Momente, doch leider konnte das Buch mir nichts davon geben.
Bereits mit dem Einstieg hatte ich etwas meine Probleme, da ich eher eine rationale Leserin bin, benötige ich eine Beziehung zu den Figuren, um auch emotional berührt zu werden. Da wir aber ziemlich schnell zum Unfall kommen, kann ich diese nicht aufbauen, weswegen ich keinerlei Emotionen entwickeln konnte. Grundsätzlich würde ich es sogar begrüßen, wenn Inhalte des Klappentexts schnell abgehandelt werden und dadurch die Sogwirkung und Spannung erzeugt wird. Doch hier wurden die Figuren und die besondere Beziehung zueinander nicht nur nicht vorgestellt, sondern durch den Einstieg auch in Frage gestellt. Das war für mich leider ein ziemlich unglücklicher Beginn, mag von emotionalen Leser:innen jedoch auch anders empfunden werden.
Die Thematik der Zeitschleife wurde gut umgesetzt, die natürlich eintreffenden Wiederholungen haben das Lesegefühl nicht beeinträchtigt und wurden sehr gering gehalten. Gaidas Schreibstil ist simpel gehalten und verleiht daher ein gutes Lesetempo, an einigen Stellen waren mir die Beschreibungen aber zu trivial, so würde ich zum Beispiel niemals davon ausgehen, dass sich eine Badtür nicht abschließen ließe. Mag es geben, ist aber nicht der Standard und sind daher Anmerkungen, die ich als Leserin nicht benötige, um mir das Szenario vorzustellen.
Die Geschichte selbst wird und auf zwei Zeitebenen und aus zwei Perspektiven erzählt. Diese Aufteilung hat mir sehr gut gefallen, wobei mir die Rückblicke deutlich besser gefielen, da sie mehr Tiefe und eine für mich nachvollziehbarere Gedankenwelt hatten.
Problematisch war für mich leider Louis’ Perspektive. Seine Verhaltensweise war für mich an vielen Stellen nicht nachvollziehbar. Das hätte man ändern können bzw. zumindest ein Verständnis für rational nicht ganz verständliche Handlungen erzeugen können, wenn man die psychische Belastung der Situation herangeführt hätte, aber das blieb aus und ist für mich - anders als abgeschlossene Badtüren - kein Aspekt, der sich aus der Situation heraus ergibt und vom Leser als gegeben gesehen werden muss. Diese Tiefgründigkeit fehlte mir nicht nur im Bezug auf Louis’ gegenwärtige Situation, sondern auch bezüglich seiner Vergangenheit, in der besonders eine Sache in den Fokus gerückt wird und dadurch die Last der Jahre verliert, weswegen es am Ende nicht stimmig wirkt.
Zeitweise konnte mich der Autor nochmal etwas mitnehmen, weil einzelne Sequenzen einen Tiefgang besaßen, den ich mir so sehr gewünscht habe. Doch mit dem Ende kam dann die große Enttäuschung. Die Auflösung war für mich leider gar nichts. Sie war für mich weder inhaltlich ersichtlich und selbst wenn sie es gewesen wäre, wäre sie mir doch zu gewollt. Diesen Willen gewisse moralische Ansichten durchzubringen, merkt man dem Buch leider immer wieder an. Ich find Werte und Botschaften durchaus wichtig, mag es aber mehr, wenn diese nicht auf dem Tablett serviert werden, sondern sich durch die Szenen ergeben und zum Nachdenken anregen. Auch das ist dem Autoren durchaus gelungen, nur leider wurde auch häufiger der Holzhammer geschwenkt.
Gestern waren wir unendlich von Dominik Gaida konnte mich daher leider nicht von sich überzeugen und das obwohl mir die Grundidee weiterhin sehr gut gefällt und ich auch viele tolle Ansätze entdeckt habe, aber insgesamt war es mir leider zu oberflächlich.
Rezensionen von Jule:
Voller Zynismus und Sarkasmus
Geht so von Beatriz Serrano
"Geht so" von Beatriz Serrano ist ein Roman, der sein Facettenreichtum erst im Laufe der Zeit offenbart. Mit einer Protagonistin, die kein Blatt vor den Mund nimmt, ergibt sich so eine durchaus interessante Geschichte. Doch ist es wirklich nur eine fiktive Geschichte und geht es nicht vielen so wie Marisa?
Doch zuerst der Schreibstil: Hier wird definitiv nicht an zynischen Bemerkungen und Sarkasmus gespart.
Es werden wichtige Themen rund um das Arbeitsleben thematisiert und dennoch kommt der Humor nicht zu kurz. Die Geschichte generell ist authentisch und ehrlich. Es wird nichts beschönigt und wenn etwas schlecht läuft, dann ist das eben auch so. Der Job im Büro ist dann eben ein blöder Job und dann lenkt man sich halt mit YouTube ab, wenn nichts zu tun ist.
Mit Marisa findet sich zudem die perfekte Protagonistin für das gesamte Setting. Den Arbeitsausflug aus ihrer Perspektive zu sehen? Definitiv ein Erlebnis. Doch es geht nicht immer nur um die Arbeit, sondern auch mal um die Männer, die ihr begegnen.
Es ist definitiv ein einzigartiges Erlebnis, auch wenn sich manche Dinge etwas repetitiv angefühlt haben und der Sarkasmus doch an manchen stellen too much war.
Es ist allerdings eine Empfehlung für alle, die sich mal an etwas Neues wagen möchten und vor einer etwas sehr ehrlichen Protagonistin nicht zurückschrecken
Rezensionen von Sophie H.:
Zukunftstrümmer
Die Trümmerschule - Zeit der Hoffnung von Beate Maly
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt die Jüdin Stella in ihre Heimat zurück. Doch sie muss erkennen, dass Wien nicht mehr die Stadt ist, die sie einst war. Stella beginnt am renommierten Lindengymnasium als Lehrerin zu arbeiten. Zu gerne möchte sie dort neue pädagogische Maßstäbe setzen. Der Direktor ist zwar sehr aufgeschlossen, aber einige Kollegen sind immer noch dem braunen Denken verhaftet.
Und dann ist da noch die Vergangenheit, die Stella auf Schritt und Tritt wieder einholt. Soll sie aufgeben und wieder nach London zurückkehren? Aber da sind die Kinder, die ihr sehr ans Herz gewachsen sind und auch der Tischler Leopold Moser ist ihr nicht gleichgültig.
Die Erinnerungen der Pädagogin Stella Klein-Löw inspirierten Beate Maly zu diesem Roman. Zwar hat sich Maly an der Lebensgeschichte von Klein-Löw orientiert, dennoch ist der Roman fiktiv. Der Autorin ist es gelungen, dass mich die Handlung des Buches sehr schnell in ihren Bann gezogen hat, sodass ich das Buch kaum beiseitelegen konnte und nun schon der Fortsetzung entgegenfiebere. Der Schreibstil ist gut verständlich und leicht lesbar. Ich habe mir vorher noch nie Gedanken gemacht, wie es in Wien nach dem Krieg ausgesehen hat und wie es den Juden ergangen ist, die nicht aufgegeben haben und an dem Wiederaufbau einer besseren Zukunft mitwirken wollten. Gerade in der heutigen Zeit ein sehr wichtiges Buch.
Rezensionen von buchina:
Hintergründe zu den Orten der Weltliteratur
Schauplätze der Weltliteratur von John Sutherland
"Schauplätze der Weltliteratur" ist ein beeindruckendes Werk, das die bedeutendsten literarischen Orte und deren Einfluss auf die Literaturgeschichte erkundet. John Sutherland führt den Leser auf eine spannende Reise durch verschiedene Schauplätze, die in der Weltliteratur eine zentrale Rolle spielen.
Dabei verbindet er historische Hintergründe, kulturelle Kontexte und literarische Analysen, um die Bedeutung dieser Orte zu verdeutlichen.
Die einzelnen Texte sind sehr abwechslungsreich gestaltet. Während manche Kapitel besonders spannend und mitreißend sind, wirken andere etwas langatmiger. Das macht das Buch zu einer vielseitigen Lektüre, die sowohl kurze, inspirierende Einblicke als auch ausführlichere Überlegungen bietet.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Vielfalt der behandelten Orte, von bekannten Metropolen wie Paris, London oder New York bis hin zu weniger bekannten, aber ebenso faszinierenden Schauplätzen. Der Autor zeigt, wie diese Orte die Handlung, die Charakterentwicklung und die Themen der jeweiligen Werke beeinflusst haben.
Besonders hervorzuheben sind die wunderschönen Illustrationen, die das Buch schmücken. Sie verleihen den Texten eine lebendige Atmosphäre.
Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die bereits klassische Literatur kennen und lieben, aber auch neugierig sind, sich neu inspirieren zu lassen. Es ist eine tolle Möglichkeit, bekannte Werke aus einer neuen Perspektive zu entdecken und die faszinierenden Schauplätze hinter den Geschichten zu erkunden.
Rezensionen von nil_liest:
Familienbande mit Sogwirkung
Die Garnett Girls von Georgina Moore
Manchmal sind es die leisesten Romane, die am lautesten nachhallen. Die Garnett Girls ist genau so ein Buch: kein krachendes Drama, kein atemloser Plot – sondern ein fein gewobenes Familienporträt, das sich behutsam, aber mit Nachdruck ins Herz der Leser:innen schreibt.
Der Sommer auf der Isle of Wight scheint golden, die salzige Luft flimmert über dem alten Cottage am Meer – und doch brodelt es unter der Oberfläche.
Hier lebt Margo Garnett, einst wild und glamourös, heute charismatisch und unnahbar. Sie schweigt über die Vergangenheit, über Richard, den Mann, der ging. Doch ihr Schweigen ist laut – und es hallt nach in den Leben ihrer drei Töchter.
Rachel, die Älteste, hält alles zusammen. Sie ist das Rückgrat der Familie, und gerade deshalb vergisst sie sich selbst. Imogen, die Mittlere, lebt zwischen den Zeilen ihres eigenen Theaterstücks, verlobt, aber zweifelnd, mit einem Mann, der zu gut scheint, um wahr zu sein. Und Sasha, die Jüngste, rebellisch, wild, in einer Ehe gefangen, die wie ein Käfig aus Samt ist. Jede von ihnen ringt um Freiheit – und trägt doch das Erbe ihrer Mutter wie ein unsichtbares Gewicht.
Georgina Moore gelingt mit ihrem Debüt das Kunststück, vier Frauenstimmen nicht nur hörbar, sondern fühlbar zu machen. Ihre Figuren sind keine glatten Romanheldinnen, sondern lebendige, widersprüchliche Charaktere – mutig, verletzlich, wütend, liebevoll. Sie lieben sich, sie streiten, sie reden (viel) – und trotzdem bleibt so vieles ungesagt. Diese Dichte an inneren Konflikten, an generationsübergreifenden Prägungen und unausgesprochenen Wahrheiten macht das Buch so tiefgründig – ohne je schwer zu wirken.
Besonders stark ist die Atmosphäre: Die Isle of Wight ist nicht nur Kulisse, sie ist ein eigener Charakter – mit ihren Kreideklippen, verwitterten Dielen, zerfallenden Cottages. Hier wird geschwiegen, gestritten, geliebt, getrunken – und sich langsam versöhnt mit dem, was war.
Moores Sprache ist ruhig, sensibel, voller Beobachtungskraft – und in der Übersetzung von Christiane Burkhardt wunderbar nuanciert ins Deutsche übertragen. Kein Satz ist zu viel, kein Bild zu kitschig. Statt lauter Dramatik gibt es hier Tiefe – und das ganz ohne Pathos.
???? Fazit: Die Garnett Girls ist ein mitreißender, kluger Roman über das, was Familie mit uns macht – und wie schwer es ist, sich davon zu lösen. Ein Buch für alle, die in den kleinen Momenten das Große suchen. Für Sommertage – und lange Nachmittage am Fenster, mit Blick auf die eigene Vergangenheit.
Rezensionen von Karina :
Perlen der Erinnerungen
Perlen von Siân Hughes
Zunächst vorab: Dies ist kein Wohlfühlroman, aber ein äußerst lesenswertes Buch, das tief unter die Haut geht und auch Stellenweise weh tut.
In 'Perlen' von Siân Hughes begleiten wir Marianne, die mit gerade einmal acht Jahren ihre Mutter verliert. Diese liebenswerte Frau verlässt das Haus und kehrt nie wieder zurück.
Zurück bleiben Marianne, ihr kleiner Bruder Joe, der noch ein Baby ist, und der Vater Edward.
Was genau mit der Mutter geschah, können wir im Laufe der Geschichte nur erahnen.
Der Roman trägt durchgehend eine melancholische Grundstimmung, und es ist kaum auszuhalten, wie sehr Marianne unter dem Verlust leidet. Viele Jahre lang versucht sie, zu verstehen, was passiert ist.
Es schien doch alles so schön - ein perfektes Familienidyll, so scheint es auf den ersten Blick.
Doch Marianne wächst mit einer tiefen Verlorenheit und Trauer auf, gespickt mit Schuldgefühlen, die mir sehr ans Herz gegangen sind.
Warum hat sie es nicht bemerkt, als die Mutter ging? Hätte sie sie vielleicht sogar aufhalten können? Diese Fragen beschäftigen sie, und kein Kind sollte ein solches Päckchen mit sich herumtragen müssen.
Als Marianne schließlich selbst Mutter wird und sich die Puzzelteile langsam zusammenfügen, beginnt sie, die Geschehnisse zu verstehen und zu verarbeiten.
Ein Weg dorthin ist hart, und wird auf eine rohe und doch poetische Weise erzählt.
Besonders interessant ist die Verbindung zu dem mittelenglischen Gedicht 'Pearl', das in der Geschichte eine zentrale Rolle spielt.
Nach Beendigung des Buches empfehlen ich, die Übersetzung dieses Gedichtes zu lesen - es bringt noch einmal einiges klarer zum Ausdruck.
'Perlen' ist ein bewegendes Buch mit einer gewissen Schwere und ordentlich Tiefgang, das bei mir lange nachwirkt.











