Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Leben mit Krankheiten und Katze
Junge Frau mit Katze von Daniela Dröscher
Junge Frau mit Katze liest sich wie eine Fortsetzung von Daniela Dröschers wunderbaren, autofiktionalen Roman Lügen über meine Mutter.
Es ist wieder ein gut lesbares Buch, der aus der Sicht der Erzählerin geschildert wird. Sie ist inzwischen Mitte Zwanzig und bereitet sich auf ihre Doktorarbeit vor.
Das ist stressig für sie.
Ela lebt mit ihrem sensiblen Kater Sir Winston und hat mit Leo und deren Kind eine gute Freundschaft.
Ihr Leben wird aber beherrscht von Krankheiten verschiedenster Art, wobei man als Leser nicht genau weiß, ob sie teilweise nicht eingebildet sind.
Es scheint, als wenn die Krankheiten psychologisch mit den Problemen der Familienprobleme der Kindheit bedingt sind.
Das ernste Thema wird aber mit Wortwitz abgemildert.
Auch Elas Mutter hat wieder eine Rolle, wenn auch kleiner als im anderen Buch.
Dröschers Art zu schreiben, ermöglicht Anteilnahme am Leben ihrer Figuren.
Rezensionen von M:
Freundschaft nach der wende
Adlergestell von Laura Laabs
Laura Laabs Buch Adlergestell spielt in der Zeit nach der Wende und dem Fall der Berliner Mauer. Es wird von drei Mädchen ab dem Zeitpunkt an dem sie in die Grundschule kommen erzählt, sie verbringen ihre Zeit in der Nähe der breiten und längsten DurchfahrtsStraße Adlergestell in Berlin. Erzählerin ist eine der drei Mädchen.
Die Geschichte handelt von Alltag, Familie, Probleme wie Vernachlässigung und familiäre Gewalt, Arbeitslosigkeit, Schulprobleme und Scheidung finden Erwähnung in der Geschichte. Aber auch Freundschaft mit all ihren Facetten, Streiche und Dummheiten der drei werden erzählt. Manches erkenne ich von früher, wie z.B. Telefonstreiche oder Eierlikörbecher zum essen erkenne ich aus dieser Zeit. In Abschnitten dazwischen wird aus der späteren, erwachsenen Zeit erzählt. Das Buch war sehr gut zu lesen, etwas befremdlich fand ich die kurzen Kapitel dazwischen mit den dunklen Seiten, deren Sinn mir nicht immer so ganz erschlossen war.
Rezensionen von yellowdog:
Moderner Klassiker
Europäische Erziehung von Romain Gary
Europäische Erziehung ist der erste Roman von Romain Gary, noch im Krieg geschrieben. Die Handlung ist 1942 angelegt. Der 14jährige Januk wird von seinem Vater im Wald versteckt während in Stalingrad die Schlacht tobt. Nach dem Tod des Vaters flüchtet Januk zu den Partisanen und wird dort eine Rolle einnehmen.
Er wird schnell vom Kind zum Mann.
Man merkt dem Buch an, wann er entstanden ist, da ein Roman, der z.B. von einem heutigen Autor in diese zeit gelegt ist, niemals so authentisch sein kann.
Romain Gary zeigt die ganze Härte dieser Zeit.
Gleichzeitig hat das Buch doch auch eine Frische, die vermutlich auch von der neuen Übersetzung gespeist wird.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Unterhaltsame Sommerlektüre
Liebe im Sturm von Elena Winzer
Dieser historische Roman entführt uns in die Zeit rund um 1870. Deutschland besteht nach wie vor aus vielen kleinen Fürstentümern sowie den Königreichen Preußen und Bayern. Während Otto von Bismarck an der Verwirklichung von einem vereinigten Deutschland unter Preußens Vorherrschaft arbeitet, werden auch in zahlreichen Adelsfamilien eheliche Bande geknüpft, die mehr machtstrategischen Allianzen dienen als dem zufriedene Zusammenleben eines Paares.
Frederike von Berstein ist anders als ihre ältere Schwester, die sich für schöne Kleider und einen passenden Ehemann interessiert. Frederike liest heimlich die Zeitung und macht sich so ihre Gedanken über das Gelesene. Da man auch sie als Heiratskapital ansieht, wird sie kurzerhand an den Badischen Hof, zu Großherzogin Luise, einer Frau mit weitreichenden Beziehungen und Humor, gesandt, um etwas mehr als den üblichen Feinschliff zu bekommen. Wie es natürlich kommen muss, trifft sie auf August von Troich, dessen Vater auch eine vorteilhafte Heirat einfädeln will. Doch es muss schon etwas Bedeutenderes als die kleine Grafentochter sein. Theres, eine bayerische Prinzessin, käme Augusts Vater gerade recht, doch die hat andere Pläne ...
Meine Meinung:
Was ein bisschen an einen Liebesroman denken lässt, ist bei näherer Betrachtung ein Bild der Monate rund um den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 sowie rund um die Entstehung des Deutschen Kaiserreichs und der Proklamation des preußischen König Wilhelm I., zum deutschen Kaiser.
Geschickt flicht die Autorin den Krieg mit Frankreich sowie die Meinung einiger deutscher Fürsten, die Bismarcks Bestrebungen Wilhelm zum deutschen Kaiser zu machen, argwöhnisch betrachten. Genützt hat es, wie man weiß nichts. So lässt die Autorin Frederikes Schwester und Großmutter jenem Telegramm lauschen, das als Emser Depesche in die Geschichte eingegangen ist.
Die Charaktere, vor allem Großherzogin Luise, Frederike und August, haben mich immer wieder schmunzeln lassen.
Fazit:
Eine gelungene Sommerlektüre, der ich gerne 4 Sterne gebe.
Rezensionen von Emmmbeee:
Schlaf, der sich rar macht
Der Schlaf der Anderen von Tamar Noort
Ja, genau um das geht es in diesem Roman: um Schlaf, weniger um den eigenen, als um den der anderen. So gesehen ist der Titel sehr treffend, und auch das Cover sagt genau das aus: quälende, sich unendlich in die Länge dehnende Schlaflosigkeit.
Janis und Sina treffen zum ersten Mal in einem Schlaflabor aufeinander.
Im Lauf dieser Nacht ereignet sich vieles, was das Leben der beiden von Grund auf ändert. Die Leben der beiden Frauen schlängeln sich von Kapitel zu Kapitel umeinander. Das zeigt sich auch daran, wie die einzelnen Abschnitte gestaltet sind, zu Beginn jeder Einheit. Der ganze Roman ist unterteilt in Nacht und Tag, in Janis und Sina. Raffiniert, dass die beiden Namen bis auf das J dieselben Buchstaben haben. Noch dazu heißt Sina, die ohne J, mit Familiennamen Jott. Ein Kunstgriff auch, dass mal in der Ich-Form (Janis), mal in der 3. Person erzählt wird.
Mir gefiel, dass diverse Lebensfragen und -themen angesprochen wurden. Das gibt etliche Denkanstöße für den Leser. Auch kann man einiges aus dem Fachwissen durchaus für sich nutzen. Liebenswert sind die Augenblicke, wenn Sinas Tochter Ida pantomimisch ein Luftkonzert aufführt, gar noch in aller Öffentlichkeit.
Gut gefiel mir auch die Szene mit Janis‘ Stiefeln beim Versuch, bei Schmittie daheim Erotik ins Spiel zu bringen. Immer wieder werden überraschende Szenen hineingestreut, bunt, vielfältig, lebensnah. Originelle Figuren sind im Spiel, die sofort vor dem inneren Auge erstehen und den Text plastisch werden lassen.
Ich muss beschämt gestehen, dass ich aufgrund des Titels ein eher langweiliges Buch erwartet habe, aber das ist es keineswegs. Nach diesem lesenswerten Roman bin ich neugierig auf Tamar Noorts anderes Werk, ihren Erstling „Die Ewigkeit ist ein guter Ort“. Den muss ich unbedingt auch lesen.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Fakten und Fiktion gut verknüpft
Kurz vor Kassenschluss von Julia Heinecke
Diesem Krimi, der im Jahr 1993 spielt, liegt, ein echter Bankraub mit Geiselnahme zu Grunde, der am 30. Dezember 1968 in Badenweiler stattgefunden hat und als erster Banküberfall mit Geiselnahme in Deutschland gilt. Auf der abenteuerlichen Flucht starb die Geisel.
Valerie Neumann, die junge Volontärin bei der Badischen Zeitung, soll zum 25-jährigen Erinnern an den beim Überfall getöteten Filialleiter Erich Schmid einen Artikel schreiben.
Sie sieht darin ihre große Chance. Gewissenhaft recherchiert die junge Frau das Verbrechen und interviewt den Bankräuber Kuno Mattusch sogar im Gefängnis. Mattusch behauptet, nicht er, sondern die Polizei hätte die Geisel erschossen. Diese Meinung vertritt er so eloquent, dass sie Valerie Neumann plausibel erscheint. Sie versteht deshalb nicht, warum ihre Eltern so vehement dagegen sind, dass sie diesen Artikel schreibt. Selbst als sie erfährt, dass der Filialleiter Erich Schmid der Bruder ihrer Mutter war, will sie ihre Arbeit gewissenhaft zu Ende bringen.
Meine Meinung:
Als True-Crime-Krimi kann ich dieses Buch leider nicht bezeichnen. Ja, okay - rund um ein wahres Verbrechen ist hier eine Kriminalroman drapiert worden, aber eben ein Roman, kein Sachbuch, in dem Polizei- und/oder Gerichtsprotokolle zu lesen sind oder Zeugen zu Wort kommen. Trotzdem ist der Krimi fesselnd, denn es ist interessant zu lesen, wie sich die unsichere Volontärin in diesen Artikel verbeißt. Beinahe erliegt sie den manipulativen Erzählungen des Täters, für den immer die anderen schuld sind.
Die Charaktere sind recht gut ausgearbeitet. Wobei natürlich Mattusch die „bessere Rolle“ hat, als die junge Valerie Neumann, die ich an manchen Stellen, ob ihrer Naivität am liebsten ein wenig geschüttelt hätte. Die Erklärung, warum die Eltern so vehement gegen diese Aufgabe, diesen Artikel zu schreiben, sind, ist letztlich sehr gut aufgelöst (wenn auch frei erfunden).
Im Nachwort erklärt die Autorin unter „Wahres, Erfundenes und Dank“ wie sie Fakten und Fiktion miteinander verknüpft hat.
Fazit:
Unter einem True-Crime-Krimi stelle ich mir etwas anderes vor, dennoch hat mich dieser Kriminalroman gefesselt. Daher bekommt er von mir 4 Sterne.
Rezensionen von yellowdog:
Unterhaltungsroman mit Krimielementen
Die Bibliothek meines Großvaters von Masateru Konishi
Der Großvater der Lehrerin Kaede ist an Demenz erkrankt, dennoch ist er noch ein scharfsinniger Mann. Ihr Verhältnis zueinander ist liebevoll und eng. Sie teilen auch die Liebe zu Büchern, zum Beispiel den klassischen Kriminalromanen, wie z.B. Cornell Woolrich, Conan Doyle oder Dickson Carr. Das wird wichtig für da Buch, denn Kaede und ihr Großvater sprechen intensiv über rätselhafte Kriminalfälle.
Die Dialoge zwischen den beiden sind brillant und machen einen Großteil des Buches aus. Manchmal gibt es aber auch fast poetische Beschreibungen.
Für japanische Romane ist es typisch, dass die Erzählerin zurückhaltend und nachdenklich ist. Das trifft auf Kaede sehr zu.
Der Krimianteil könnte das Buch für Cozy-Fans interessant machen, aber es ist auch ein Roman mit gefühlvollen Momenten. So ist es in erster Linie ein guter Unterhaltungsroman.
Rezensionen von C. P.:
Emotional überzeugender Whodunnit in einer damals stark queer-feindlichen Gesellschaft
Lavender House von Lev AC Rosen
Dieses Buch ist für mich ein Lese-Highlight, mit welchem ich anfangs gar nicht gerechnet hatte und das ich an dieser Stelle sehr gerne weiterempfehle. Dass mich das Buch dermaßen überzeugen konnte liegt weniger an dem schlüssig konstruierten Kriminalfall selbst, sondern vielmehr an der Kombination des Falls mit dem ganzen Drumherum.
Angesiedelt ist die Erzählung im San Francisco der 1950er Jahre. Eine Zeit, in der Homophobie den Menschen das Recht gab, andere zu entlassen, aus der Wohnung zu werfen oder ungesühnt bis zur Unkenntlichkeit zu verprügeln. Nicht viele führen ein Doppelleben, mit der steten Angst, bei einer Razzia erwischt oder anderweitig für ihr vermeintlich schändliches Verhalten angeprangert zu werden.
In dieser Situation befindet sich Evander (Andy) Mills, vor wenigen Tagen noch angesehener Polizist, bis ihn seine Kollegen mit heruntergelassener Hose in einem Club erwischten. Buchstäblich kurz vor seinem Freitod als letzten Ausweg engagiert ihn eine Frau, die sich als Ehefrau der kürzlich verstorbenen Besitzerin des Lamontaine-Seifenimperiums herausstellt. Irene Lamontaines Tod wurde als Unfall deklariert, doch Pearl glaubt nicht daran und möchte, dass Andy als Privatermittler den mutmaßlichen Mord aufklärt. Der Start eines klassischen Whodunnit (Wer hat es getan? Angelehnt an die klassischen Kriminalromane im Stile von A. Christie, A.C. Doyle u.a.).
Was die Handlung so überaus spannend macht ist der queere Einschlag in Kombination mit der damaligen Zeit. Nicht nur Andy muss einige Male ziemlich einstecken, auch andere haben zu kämpfen oder bereits ihre Strategien entwickelt. Beim Lesen werden Situationen geschildert, in welche Nicht-Betroffene wahrscheinlich nie gekommen wären, was einem die Problematik dadurch erst so richtig bewusst macht. Egal, ob man queer ist oder nicht, so manche Situationen im Roman nehmen wohl jeden emotional mit. Gleichzeitig lernt Andy nun die queere Welt aus einer für ihn neuen Sicht kennen, ebenso wie neue Love Interests, denn Andy kann sich optisch definitiv sehen lassen.
Ein emotional packender, stellenweise schockierender Roman mit vielfältigen Charakteren und einem Whodunnit, der wunderbar zum Mitermitteln einlädt und durchaus plausibel wirkt.
Rezensionen von Anndlich:
Von Braunschweig in die NBA
Wir Jungs vom Prinzenpark (Von Braunschweig in die NBA 1) von Dennis Schröder; Christian Tielmann
Dennis Schröder berichtet in Wir Jungs vom Prinzenpark über seinen Weg vom Braunschweiger Park in die NBA. Christian Tielmann hat diese Geschichte kindgerecht niedergeschrieben, durch Zeichnungen des Illustrators Jan Saße werden außerdem immer wieder Comicelemente eingebaut, die nicht nur gut aussehen, sondern auch Spaß machen.
Empfohlen wird das Buch ab 12, meiner Ansicht nach kann das Buch aber bereits deutlich früher (vor-)gelesen werden.
Dennis Schröders Geschichte ist auf vielen Ebenen durchaus vorbildhaft. Schröder beschreibt seine Zielstrebigkeit in seinem Lieblingssport und auch die (lange) Beziehung zu seiner Frau wird erwähnt. Ein Buch, das nicht nur den Basketball interessant macht, sondern zum Finden eigener Interessen motiviert und zeigt, dass man niemals seinen Traum aufgeben sollte.
Erzähltechnisch fiel auf, dass häufig der WM Titel erwähnt wird. Natürlich ein ganz besonderes Ereignis als deutscher Profi diesen Titel zu holen. Dennoch wurde das Stilmittel des Vorangreifens etwas zu viel ausgenutzt, gerade weil die WM, der Titel oder auch die NBA selbst kaum Beachtung findet und es damit inhaltlich eigentlich kaum Relevanz besaß.
Der Einblick in Schröders frühste Kindheit, der Bund mit seinen Freunden, seiner Familie und auch das Kennenlernen seiner Frau sind durchaus interessant, aber die Kinder hätten gerne noch mehr über den Wechsel in die NBA gelesen und über die Problematik, dass Spieler dort ‚getradet‘ werden. Das wird zwar nebenbei erwähnt, kam ihnen aber einfach zu kurz, sodass sie am Ende inhaltlich etwas enttäuscht waren.
Das Hörbuch wurde von Julian Greis toll eingesprochen und hat super viel Spaß bereitet. Schön war auch, dass Dennis Schröder selbst ein paar Worte gesagt hat und dem ganzen damit einen persönlichen Touch verliehen hat.










