Kunden em pfehlungen
Rezensionen von katl2:
Eine berührende Geschichte
Die Ballade von Ronan McCoy von Colin Morgan
Die Ballade von Ronan McCoy ist, um es in schlichten Worten zu verpacken, von der ersten Seite an, eine berührende Sicht auf das Leben, durch die Augen eines Jungen, welcher an der Schwelle des Erwachsenwerdens steht. Dieses letzte Jahr, in dem sich die großen Veränderungen deutlich anbahnen, aber noch in der Zukunft liegen, verändert sich für ihn alles, denn sein bester Freund, Ronan McCoy, ist nicht mehr derselbe.
“An einem einzigen Tag bekommt die Glocke, die das ganze Jahr einsam schlägt, Gesellschaft und läutet nicht mehr allein. Ich frage mich, ob diese Glocke, an diesem einen Tag im Jahr mit allen übrigen vereint, am lautesten schlägt”*
Colin Morgan führt uns mit wunderschöner und eleganter Sprache durch die Geschichte. Erzählt wird sie von dem jungen Brandan, ein ruhiger Junge, mit einem klaren, ruhigen Blick auf das Leben um ihn herum. In der Schule wird er kaum beachtet, eher sogar gemoppt, aber er weiß, wer er ist. Brendan genügt einzig die Freundschaft zu Ronan, der, im Gegensatz zu ihm, zu den beliebteren gehört. Es ist eine ungewöhnliche Freundschaft, aber eine tiefe. Wie stark ihre gemeinsamen Wurzeln sind, zeigt sich immer wieder in der Geschichte. Brendan zweifelt nie daran, lernt mit der neuen Situation umzugehen trägt nicht nur die Leserinnen und Leser, sondern auch die Erwachsenen und Ronan durch diese schwere Zeit.
“Trauer ist eine seltsame Angelegenheit [...] Niemand empfindet sie auf dieselbe Weise, und niemand ist danach derselbe”*
Es ist eine ernste, traurige, aber gleichzeitug unglaublich berührende Geschichte. Auf der einen Seite kämpft Brendan mit der neuen Situation, befindet sich aber gleichzeitig in einer Phase seines Lebens, in welcher sich alles verändert. Schulabschluss, Führerschein, Berufswahl und vor allem seine treue Freundschaft zu Ronan gönnen ihm kaum eine Pause. Doch anstatt zu verzweifeln sucht er nach Wegen, alles zu vereinen, sein Leben zu meistern und macht dabei, ohne es wirklich zu merken, die entscheidenden Schritte aus dem Jugendalter.
“Manchmal spüren wir einfach Worte in uns, wissen aber nicht, in welcher Reihenfolge sie rauskommen werdn, bis wir ihnen die Führung überlassen, also lass dich einfach führen”*
Die Ballade von Ronan McCoy ist eine unglaubliche Geschichte, bei der es vermutlich keinem Auge gelingt trocken zu bleiben und dessen Worte im Alltag nachhallen.
“Auf der anderen Seite der Sonne Ronan, ich weiß nicht mal, ob es da eine Straße gibt”*
*diese Passagen wurden direkt aus dem Buch übernommen
Rezensionen von ekiam:
Ein ungewöhnliches Setting mit ganz viel Spice
The Brave and the Reckless von Dilan Dyer
Ein Wildwest-Themenpark als Schauplatz einer Romance? Das klang für mich nach einer spannenden Abwechslung zu den üblichen Kleinstadtgeschichten. Und tatsächlich hat mich The Brave and the Reckless vor allem mit seinem ungewöhnlichen Setting und der Gemeinschaft hinter den Kulissen überzeugen können.
Fangen wir mit dem Cover an: Das wirkt auf mich leider ziemlich kitschig und altbacken. Immerhin passt es damit zum Wildwest-Thema. Innerhalb der Buchklappen erwartet einen dann allerdings eine deutlich modernere Illustration, in der sowohl Esra und Noah als auch ihre Bühnenfiguren Annie Lou und Ace Ryder vorgestellt werden. Das hat mir richtig gut gefallen!
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus Esras und Noahs Perspektive. Während ich mich zunächst gut in Noah hineinversetzen konnte, hatte ich mit Esra ungefähr in der ersten Hälfte meine Schwierigkeiten. Ihre trotzige und aufmüpfige Art ist angesichts ihrer familiären Situation und der Erwartungen, unter denen sie steht, durchaus nachvollziehbar. Trotzdem war mir ihr Verhalten an manchen Stellen einfach zu viel oder wirkte auf mich kindisch und verwöhnt. Mit der Zeit konnte ich jedoch immer besser mit ihr warm werden.
Die Dynamik zwischen den beiden hat mir dafür umso besser gefallen, je weiter sich die Handlung entwickelt hat. Die Wortgefechte hinter den Kulissen sorgen für unterhaltsame Momente und passen wunderbar zum Haters-to-Lovers-Trope. Irgendwann verschwimmen die Grenzen zwischen ihrer Show und ihren tatsächlichen Gefühlen immer mehr und spätestens dann habe ich richtig mit den beiden mitgefiebert.
Wer bei einer Cowboy-Romance auf ordentlich Spice hofft, kommt hier ebenfalls auf seine Kosten. Der Anteil ist hoch und die entsprechenden Szenen sind heiß. Gleichzeitig beschränkt sich die Geschichte aber nicht auf die Liebesgeschichte zwischen Esra und Noah.
Denn Esra muss sich auch mit der Frage auseinandersetzen, was sie eigentlich selbst vom Leben möchte, unabhängig von den Erwartungen ihrer Eltern. Ihre Suche nach dem eigenen Weg nimmt viel Raum ein und verleiht der Handlung zusätzliche Tiefe. Dadurch wird auch verständlicher, warum sie sich so verhält, wie sie es tut, und ihre Entwicklung wirkt insgesamt authentisch.
The Brave and the Reckless punktet bei mir vor allem mit seinem ungewöhnlichen Wildwest-Setting, der tollen Gemeinschaft im Themenpark und einer Liebesgeschichte, deren Dynamik sich mit der Zeit immer besser entfaltet. Eine unterhaltsame Romance mit viel Knistern und einer Protagonistin, die ihren eigenen Weg finden muss.
Rezensionen von C. P.:
Düster-amüsanter Einstieg, unterwegs mit einigen Längen
The Dark Lord's Guide to Dating (and Other War Crimes) von Tiffany Hunt
Lord Kazimir Blackrose, vielen auch bekannt als Dark Lord, steht kurz vor der Weltherrschaft. Einzig die Magie des Allmacht-Artefakts fehlt ihm noch. Dumm nur, dass dieses seine Kraft erst rausrückt, wenn er mit einem Nachfahren (m/w/d) des Ersten Helden eine eheliche Verbindung eingeht. Doch woher so einen Nachfahren nehmen, wenn nicht stehlen? Moment, stehlen? STEHLEN!
Das Universum hat einen grausamen Sinn für Humor.
(...) Das Potential apokalyptischer Macht... fein säuberlich verknüpft mit der größten Schwachstelle, die ich seit Jahren gehabt habe. (Zitat S. 52)
Nach intensivem Brainstorming entscheidet Kazimir sich, Lady Arabella Evenfall zu entführen, die gerade mit der Kutsche in die Sommerresidenz unterwegs ist. Gesagt, getan, auch wenn Arabella ihm ordentlich Contra bietet. Dass Kaz ihr dabei zugleich den Gefallen getan hat, sie aus den Fängen ihres Vaters zu befreien, der sie wie eine Trophäe weggesperrt hat, ahnt er nicht. Arabella hingegen sieht schnell ihre Chancen, die sich ihr in der Schwebenden Festung des Dunklen Lords bieten, und handelt einige Bedingungen zu ihren Gunsten aus, bevor sie die offizielle Dark Lady wird. Win-Win für beide. Anfassen ist natürlich verboten! Vorerst...
Ich habe schon zuvor Menschen verführt. - Ja. Um an Geheimnisse zu kommen oder sie abzulenken, bevor du ihnen die Kehle durchschneidest. (Zitat S. 148)
Das war meine erste Dark Fantasy, die in der RomCom-Variante überraschend amüsant an den Start ging. Jedenfalls hab ich gleich zu Beginn so einige Male vor mich hin schmunzeln müssen. Mit Arabella wird Kaz im Roman eine Gegnerin auf Augenhöhe präsentiert, die sich nichts gefallen lässt und somit dem passiven Blödchen- oder Mistress-in-Distress-Klischee die kalte Schulter zeigt. Regelrecht gefeiert habe ich, wie sie immer mehr Gefallen an den magischen Kräften findet, welche sich ihr in ihrer neugewonnenen Fast-Freiheit bieten.
Der Dark Lord ist übrigens in erster Linie nach außen hin düster und gnadenlos, man(n) muss schließlich an seinem Image arbeiten. Im Kreise seiner engsten Vertrauten ist er eher der strenge, aber (im Rahmen seiner Möglichkeiten) faire Chef. Bella gegenüber maximal provokant frech, ohne übergriffig zu werden.
Mit der Zeit kommen zur Handlung ein paar politische Intrigen dazu und das Artefakt zickt auch ein wenig rum. Und was wäre Fantasy ohne Drachen? Genau, unvollständig.
Einzig ermüdend waren die x Wiederholungen irgendwelcher Trainingsstunden für Bella, die haben mir für die Handlung gar nichts gebracht ausser ein paar wiederholter Flirtereien zwischen Kaz und Bella. Was jetzt nicht sooo spannend war, da sie ihre expliziten Szenen im Buch längst hatten. Die waren wiederum recht abwechslungsreich, wenn auch etwas platzeinnehmend. Ebenso hätte ich das Klischee nicht gebraucht, dass man(n) direkt nach einem erschöpfenden Endkampf doch noch genügend Energie für eine Runde Rambazamba direkt vor Ort hat (ist wohl so ein Dark Lord/Lady Ding).
Mit deutlich weniger Trainingseinheiten und etwas weniger Rambazamba hätte die Handlung die Straffheit eines Knackpos gehabt und mich vollends überzeugen können, so hing mir die Spannung in der zweiten Hälfte wiederholt einige Male zu sehr durch.
Dies ist der erste Band einer Trilogie. Ich werde auf jeden Fall weiterlesen, denn ich glaube, da braut sich noch irgendwas Böses zusammen, was es zu bekämpfen gilt. Warten wir es ab.
Rezensionen von Tara:
Über Kunst, Natur und Einsamkeit
Nach der Sonne schauen von Martina Hefter
„Nach der Sonne schauen“ ist ein ungewöhnlicher Roman der in Leipzig lebenden Autorin Martina Hefter.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die Künstlerin Iona Bartschok. Nachdem ein Künstlerkollege ihre Diplomarbeit - ein begehbares Baumhaus – in aller Öffentlichkeit mit dem Wort „Bullshit“ besprüht hat, zieht sie sich verletzt in eine Industriehalle im Leipziger Umland zurück, um zu sich zurückzufinden.
Viel mehr muss ich zu der Handlung gar nicht sagen, der Roman lebt weniger von seiner Handlung, sondern vielmehr von Ionas Gedanken. Diesen zu folgen fiel mir allerdings nicht leicht. Sie sind sprunghaft voller Details und setzen an so unterschiedlichen Punkten an, dass es mir schwer fiel, einen roten Faden in der Handlung zu entdecken. Iona kam mir unglaublich verkopft vor und ich konnte keinen Zugang zu ihr finden. Mit den Nebencharakteren ging es mir ähnlich, da diese immer nur kurz auftauchten und recht blass blieben.
Auch wenn ich das Buch in großen Anteilen recht anstrengend fand und es eine Menge Konzentration gefordert hat, gab es auch viele Stellen, die mich nachdenklich gemacht und mir gut gefallen haben.
So gelingt es Martina Hefter, die Natur auf eine ganz einzigartige Weise zu beschreiben. Ich hatte sie nicht nur bildlich vor Augen, sondern konnte sie auch hören, riechen und schmecken. Die Autorin hat die Natur für mich mehr als nur verbildlicht, sie hat sie direkt lebendig gemacht. Auch Ionas Erinnerungen an ihre Vergangenheit, an ihr Leben auf der Alm haben mir gut gefallen und hatten spannende sowie interessante Aspekte.
Mir fällt es schwer das Gelesene einzuordnen. Es gab Stellen, die mich berührt haben und welche, die mich geschockt haben. Eines ist sicher, mir wird das Buch noch lange im Gedächtnis bleiben und es wird in mir arbeiten.
Rezensionen von askyfullofpages:
Wenn plötzlich alles fremd erscheint
Mondblau von Fatma Mittler-Solak
Wow, das war ein richtig starkes Debüt!
Mit „Mondblau“ ist Fatma Mittler-Solak ein unglaublich berührender Roman gelungen, der sich wahnsinnig gut liest. Sie erzählt von Herkunft, Mutterschaft und Freundschaft und von dem Druck, allen Erwartungen gerecht werden zu wollen.
Die Geschichte handelt von Ayla.
Ihre beste Freundin Victoria spielt eine große Rolle in ihrem Leben, doch die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Ayla wächst in einem strengen türkischen Elternhaus auf und möchte mit einem Einser-Abitur und einem Jurastudium glänzen. Sie will allen beweisen, dass Kinder, Karriere und ein perfektes Leben zusammenpassen.
Ayla bekommt mit 42 ihr viertes Kind und rutscht danach in eine postpartale Depression. Die drei Großen kommen ganz nach dem Papa, nur das Baby sieht aus wie sie. Ayla kann keine Bindung zu ihm aufbauen und ist sich sicher, dass es gar nicht ihr Kind ist.
Genau in dieser schweren Zeit merkt sie, wie weit sie und Victoria sich voneinander entfernt haben. Sie weiß kaum noch, was im Leben ihrer Freundin los ist, und wird das Gefühl nicht los, dass Victoria ihr etwas verheimlicht.
Ayla hat mich beim Lesen sehr beschäftigt. Schon als Kind fühlt sie sich neben Victoria minderwertig und dieses Gefühl begleitet sie ihr ganzes Leben. Aus Bewunderung wird mit der Zeit Neid. Victorias Leben verfolgt sie fast nur noch über Instagram und was sie dort sieht, macht sie eifersüchtig. Immer mehr steigert sie sich in ihre Gedanken und Fantasien hinein.
Der Druck, unter dem Ayla steht, hat auch viel mit ihrer Herkunft zu tun. Ihre Eltern sind mit vielen Träumen und Wünschen für ein besseres Leben nach Deutschland gekommen und Ayla will ihnen beweisen, dass sich das gelohnt hat. Doch beruflich verläuft ihr Leben ganz anders, als sie es sich einmal vorgestellt hat.
Ganz viele Frauen erleben nach der Geburt einen Babyblues, doch bei manchen wird daraus mehr. Die Autorin beschreibt sehr eindringlich, wie die postpartale Depression Ayla immer mehr im Griff hat. Sie schafft es kaum noch aus dem Bett und kann sich weder um die größeren Kinder noch um das Baby kümmern.
Mit der Zeit gerät sie in eine richtige Ausnahmesituation, die sich für mich immer mehr in Richtung einer postpartalen Psychose entwickelt hat. Das war wirklich gut beschrieben und hat mich sehr bewegt.
Auch die Beziehung zu ihrem Mann ist nicht einfach. Er übernimmt die Basics, kümmert sich um die Kinder und das Baby und bringt sie zu seiner Mutter. Gleichzeitig macht er Ayla ständig ein schlechtes Gewissen, weil sie nicht funktioniert, und zeigt kaum Verständnis für ihre Situation. Liebevoll wirkt die Ehe auf mich nicht und die große Liebe scheint es für beide nicht zu sein.
Er wollte kein viertes Kind, Ayla aber schon. Gerade diese Situation hat mir sehr zu denken gegeben. Ich finde, wenn er kein Kind mehr möchte, muss er auch selbst Verantwortung dafür übernehmen, dass er keines mehr bekommt. Schließlich hat er diese Entscheidung für sich und sein Leben getroffen. Das kann man natürlich auch anders sehen, aber ich bin für mich zu diesem Schluss gekommen.
„Mondblau“ zeigt, wie man sich selbst verlieren kann, wenn man versucht, es allen recht zu machen. Oft ist es gar nicht nur der Druck von außen, sondern vor allem der, den man sich selbst macht. Ayla jagt einem perfekten, idealisierten Bild von sich hinterher, das sie nie erreichen kann.
Eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die sich gerne mit Themen wie Mutterschaft, Herkunft, Freundschaft und postpartaler Depression auseinandersetzen.
Ein herzliches Dankeschön an die Frankfurter Verlagsanstalt für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt davon wie immer unbeeinflusst.
Rezensionen von Petra:
Überzeugung
Die Akte Alma von Sabine Welk
Nele hilft ihrer Oma beim Umzug, zurück nach Rügen. Dabei findet sie die Stasi Akte und hat auf einmal dutzende Fragen. Langsam taut Alma auf und erzählt wie es zu dieser Akte kam. Die Erzählungen sind aus den letzten Jahren der DDR, wir wissen heute das Regime war da schon am Ende. aber der Umgang mit den Bürgern blieb bis zur Wende brutal und menschenverachtend.
Nele hat sich für die Vergangenheit nie interessiert. Als Medizinstudentin ist das auch nicht wichtig. Oma und Vater haben nie erzählt, kurze Erwähnung das sie aus der DDR ausgereist sind aber mehr nicht.
Dieser Roman beruht auf wahren Begebenheiten, die Erlebnisse von Alma die als Ärztin sich nicht mit dem Regime gemein machen wollte. Nele ist fiktiv, Sie steht für die meisten Menschen die sich nicht betroffen fühlen. Es ist lange her, nach vorne schauen, ähnliche Argumente gab es schon einmal. Das sie ihre Meinung ändert, liegt an der Nähe zu einem Opfer des Systems. Durch die Nachforschungen kommen Tatsache zutage die nicht in der Akte standen. Emotional wird es dadurch noch einmal alles aufgerührt und vor allem entstehen neue Sichtweisen.
Genau so müssen wir die damaligen Zustände betrachten. Denn wenn wir nicht endlich Lehren aus diesem Wissen ziehen, wie Menschen manipuliert und drangsaliert werden, kann es immer wieder geschehen.
Die Autorin schafft es Wissen und gleichzeitig Respekt für Menschen die zu ihrer Überzeugung stehen zu vermitteln. Auch entsteht für uns Leser ein Bild wie sich Einstellungen und Überzeugungen ändern können.
Rezensionen von Petra:
Bücher, Biber, Bäume
Im Dorf der Biber und Bücher von Emma Hamberg
In diesem Buch verschwinden, Bücher oder tauchen in rauen Mengen auf. Es verschwinden Männer und einer taucht auf. Es verschwindet ein Baum und das ist das seltsame an der Geschichte. Er ist mit Wurzelballen und allen drum und dran weg., nicht gefällt oder durch einen Sturm zerstört. Die Menschen haben Verluste erlitten.
Sie sind emotional verletzt. Sie haben sich in ihr Schneckenhaus zurück gezogen.
Mit vielen Beschreibungen und Zitaten versucht die Autorin uns die Menschen näher zu bringen.
In einem Ort in dem mehr Biber als Menschen leben, die auch ein ähnlich soziales Leben führen, gibt es wenig Gesprächsstoff oder Aufregungen. Ein neues Gesicht ist ein Highlight.
Diese Atmosphäre überträgt sich beim Lesen. Das vorsichtige Öffnen einem Fremden gegenüber erleben wir live mit. Nicht nur die Alleinerziehende lernt wieder zu vertrauen, auch die Frau die sich von den Menschen komplett verabschiedet hat, taut auf.
Eine seltsame Geschichte die berührt und am Ende auch überzeugt.
Rezensionen von jori1020:
Ein bewegendes Stück Geschichte, wunderbar erzählt
Deutsches Kind von Melanie Levensohn
Manche Geschichten berühren nicht nur, sondern lassen einen auch nach dem Hören noch eine Weile nicht los. 'Deutsches Kind' von Melanie Levensohn ist für mich ein solches Hörbuch. Es erzählt von einer kaum bekannten Seite der deutsch-französischen Nachkriegsgeschichte und verbindet sie mit einer bewegenden Familiengeschichte, die mich von Anfang an gefesselt hat.
Im Mittelpunkt steht Liese, die sich nach dem Krieg in den französischen Besatzungssoldaten Michel verliebt und einen Sohn von ihm bekommt. Doch als Johannes gerade einmal zwei Jahre alt ist, wird er seiner Mutter entrissen und nach Frankreich gebracht, wo er unter dem Namen André aufwächst. Jahrzehnte später begibt sich seine Enkelin Maya auf die Suche nach seinen Wurzeln und seiner leiblichen Mutter. Ich habe unglaublich gerne gelauscht und wollte unbedingt wissen, ob Mutter und Sohn nach all den Jahren wieder zueinanderfinden werden.
Besonders bewegt hat mich das Schicksal der Frauen und Kinder, die von diesem dunklen Kapitel der Nachkriegsgeschichte betroffen waren. Sich vorzustellen, dass Mütter ihre Kinder verlieren und diese unter einer neuen Identität aufwachsen mussten, ist erschütternd. Von den Schicksalen der französischen Besatzungskinder hatte ich zuvor nur wenig gewusst. Umso interessanter fand ich es, mehr darüber zu erfahren. Obwohl die Geschichte fiktiv ist, merkt man, wie viel Recherche in ihr steckt. Die historischen Hintergründe sind spannend in die Handlung eingebunden, und auch das Thema Weinbau, das eine wichtige Rolle spielt, hat mir zusätzliche Einblicke eröffnet. Die wechselnden Zeitebenen haben mir ebenfalls sehr gut gefallen, weil sich die Familiengeschichte nach und nach erschließt und deutlich wird, wie weit die Vergangenheit in das Leben späterer Generationen hineinreicht.
Ein ganz besonderes Lob verdient für mich die Hörbuchproduktion. Mit Melanie Levensohn, Nora Schulte, Johanna Zehendner, Timo Weisschnur und Timmo Niesner ist ein tolles Sprecherensemble versammelt. Die unterschiedlichen Stimmen machen die Geschichte lebendig und haben es mir leicht gemacht, in die verschiedenen Perspektiven einzutauchen. Ich fand es ausgesprochen gelungen, dass gleich fünf Sprecher mitwirken. Das gibt der Erzählung eine zusätzliche Lebendigkeit und hat mein Hörerlebnis noch einmal bereichert.
'Deutsches Kind' hat mich emotional mitgenommen, mir ein wenig bekanntes Kapitel der Geschichte nähergebracht und mich zugleich zum Nachdenken angeregt. Die berührende Handlung und das großartige Sprecherensemble haben mich vollkommen mitgerissen. Für mich ist es ein rundum gelungenes Hörbuch, das ich allen empfehlen kann, die bewegende Familiengeschichten mit historischem Hintergrund mögen.
Rezensionen von C. P.:
Nicht ernstgemeinte, amüsante Anleitung zur Verteidigung
BuHonDo von Markus Heitz
Da heutzutage kaum noch jemand mit Steintafeln rumläuft, sondern zum gedruckten Buch greift (oder einer digitalen Variante), musste sich auch die Kunst der Verteidigung entsprechend anpassen. Als Sensei (Meister) des BuHonDo, der Kunst der Selbstverteidigung mit Büchern, weiht uns Markus Heitz mit diesem Buch in die Geheimnisse dieser Verteidigungskunst ein.
Das nicht ganz ernstgemeinte Lehrbuch gibt Tipps zur richtigen Buchauswahl und Fingerhaltung, zur Wahl der Buch-Extras wie Lesebändchen und besonderen Buchcovern sowie Ausweichmöglichkeiten bei Nutzung von e-Readern. Als Geheimtipp sei der berüchtigte Papercut zu nennen, welcher einer vorherigen Übung bedarf.
Beispielhafte Illustrationen ergänzen dieses kurzweilige Lehrbuch.
Keine Erfolgsgarantie, für Schäden haftet der jeweilige Anwender selbst.
Rezensionen von haberlei:
Ein beeindruckender Debutroman
Kotzbrocken von Rudle Gerold
„Kotzbrocken“ ist Gerold Rudles erster Roman, ein Roman, der mich berührt hat, der mich überrascht hat, der mich überzeugt hat. Ein Buch, das einen packt, das man nicht mehr aus der Hand legen will.
Wenn man den Autor aus zahlreichen Kabarettprogrammen nur so von der Bühne her kennt, erwartet man zwangsläufig etwas Humoristisches, eine Geschichte zum Schmunzeln und Lachen.
Irgendwie irritierte mich daher auch der Titel „Kotzbrocken“. Diese Diskrepanz machte mich neugierig.
Ein bisschen Bühnenflair spürt man, aber ansonsten findet man (soweit ich das beurteilen kann) nichts Biografisches in diesem Roman. Sondern man wird mit einem mitreißenden, einfühlsamen Schreibstil in das Leben eines Mannes hinein gesogen, dessen Leben sich gerade auf Abwärtsspirale befindet.
Stefan Steiner, so heißt er, feierte viele Jahre große Erfolge als Kabarettist, wurde als Star hofiert und lebte seine Allüren aus. Ichbezogen verfügt er über keinerlei Gespür für seine Umwelt, dafür, dass er durch seine Art die Menschen an seiner Seite ständig verletzt, nicht absichtlich, nicht bewusst, sondern durch Unachtsamkeit. Alles hat sich um ihn zu drehen, jegliche Zuwendung nimmt er als selbstverständlich, interessiert sich jedoch nie dafür, was seine Familie, Frau und Tochter, bewegt, wie es ihnen geht. Glaubt, alles ist gut.
Plötzlich trifft ihn ein Schicksalsschlag. Aus heiterem Himmel. Zuvor schon gesundheitlich angeschlagen, folgt sein Zusammenbruch und ein berufliches Aus.
Das Faszinierende an dem Roman war für mich, dass hier ein Mensch im Mittelpunkt steht, für den man eigentlich wenig Sympathie aufbringen kann, so wie er sich gebärdet. Doch dem Autor gelang es, ihm nicht nur Leben einzuhauchen, sondern zu bewirken, dass man mit Stefan mitfühlt, seine Trauer, seine Hilflosigkeit, seine anfängliche Unfähigkeit, auf Menschen zuzugehen, sich auf sie einzulassen, nicht immer nur sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Es ist ein für ihn schwieriger, schmerzhafter Weg, sich zu ändern – einen neuen Anfang als empathischerer Mensch zu finden.
„Kotzbrocken“ ist ein exzellent gelungener Debutroman, dem hoffentlich noch weitere folgen werden. Eine unbedingte Leseempfehlung meinerseits mit 5 Sternen.











