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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von tinten_fischchen:

Eine Freundschaft die man nie mehr vergisst

Honey und Blondie von Ubin Eoh

In "Honey & Blondie" beschreibt Ubin Eoh eine Freundschaft deren Intensität, Intimität und Dauer wohl die wenigsten Leute jemals erleben dürfen. Dies liegt nicht nur an der geheimen Superkraft die beide verbindet. Honey & Blondie sind mehr als nur Freundinnen, die beiden sind sich enger als die meisten Geschwister und in der Lage gemeinsam über sich selbst hinauszuwachsen.

Eine wunderschöne Idee und als Leser ertappe ich mich oft bei der Frage wie mein Leben wohl verlaufen wäre, hätte ich als ich jung und unsicher war, einen Partner der mich pusht, ohne amouröse Absichten, an meiner Seite gehabt. Hätte ich meine Träumen dann eher verfolgt?

Ubin Eoh macht aber auch vor schweren Themen wie Rassismus und Gaslighting nicht halt. Immer wieder bekommt "in den Schuhen der anderen zu gehen" eine neue, teils auch düstere Bedeutung. Dazu beinhaltet das Buch ganz, ganz viel Retro. Die meisten 90er Kinder werden wohl den einen oder anderen Flashback bekommen.

Das Buch ist in kurzen Passagen, die meist nur ein paar Seiten lang sind, unterteilt. Meist wechseln sich Honeys und Blondies Perspektive ab. Manche Passagen beinhalten auch nur den Chat-Verlauf zwischen den Beiden. Ihre Sprache ist gepickt von Jugendwörtern, was ich so mit 30+, die die Beiden gegen Ende sind, nicht ganz plausibel finde. Aber vielleicht ist Deutschland anders, aber nicht mal meine U30 Coworker verwenden magic und crazy in ihrem normalen Sprachgebrauch.

Alles in allem eine emotional mitreißende Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Die Charaktere sind mir ins Herz gewachsen und ich habe gerne mit ihnen mitgefiebert, in guten wie in schlechten Zeiten.

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Rezensionen von Ameland:

Schnell und kurzweilig

Flip 7 von Ubin Eoh

Nachdem ich so viele Lobeshymnen zu diesem Kartenspiel gehört bzw. gelesen habe, wollte ich es auch unbedingt kennenlernen und spielen. Ein Spieleabend mit Freunden war schnell geplant.

Die wenigen und gut verständlichen Spielregeln waren schnell vorgelesen und die einzige Vorbereitung war das Mischen der Karten.

Und schon konnte das Spiel beginnen.

Ziel ist es, möglichst viele Punkte in jeder Runde zu sammeln. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn zieht man einen bereits vorhandenen Kartenwert ist man in der Runde raus und bleibt ohne Punkte. Es gilt also immer wieder zu entscheiden, ob man aussteigt und seine bisherigen Punkte sichert oder das Risiko einer weiteren Karte eingeht. Ein paar Sonderkarten können den bisherigen Verlauf zusätzlich auf den Kopf stellen.

Aufgrund der einfachen Regeln und der kurzen Spieldauer eignet sich Flip 7 auch für Kinder ab ca. 8 Jahre. Zudem ist keine ausgeklügelte Strategie erforderlich, sondern überwiegend ist Glück gefragt.

Insgesamt ein kurzweiliges Spiel, das je mehr Leute mitspielen, desto mehr Spaß macht. Wir hatten jedenfalls einen vergnüglichen Abend.

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Rezensionen von C. P.:

Wut der letzten Jahrhunderte bahnt sich ihren Weg

Honey von Imani Thompson

Yrsa schreibt als Woman of Colour an ihrer Doktorarbeit an der Fakultät für Soziologie in Cambridge. Nebenbei unterrichtet und betreut sie Studentinnen und Studenten der ersten Semester. Schon früh wurde sie mit Vorurteilen einer misogynen und rassistischen Gesellschaft konfrontiert. In der Sonntagsschule z.

B. mit Auflagen und Verboten, um als ehrbares und wohlerzogenes Mädchen zu gelten. Und zugleich die Erfahrung, wie sich in ihrer Jugend Männer auf einer Datingplattform schamlos bei ihr meldeten, die doppelt so alt waren wie sie und danach gierten, bei ihr zum Zug zu kommen.

[Er] hatte aus ihr ein Objekt gemacht, eine Ware mit zugeschriebenem Wert; machtlos. Und sie hatte ihn totgemacht. (Zitat S. 112)

Durch das Thema ihrer Doktorarbeit beschäftigt sich Yrsa stark mit der Ausbeutung der People of Colour (PoC), insbesondere der Frauen. Doch auch in ihrem eigenen Umfeld beobachtet sie, dass die Frau von vielen Männern als Konsumgut betrachtet wird. Frauen werden ausgebeutet bzgl ihres Körpers, ihrer Fähigkeiten, ihres Wissens, bei gleichzeitiger Ignoranz ihrer Sichtweisen. Nachdem ein Professor schamlos ihre Studienkollegin in mehrfacher Hinsicht ausgenutzt hat, besitzt Yrsa keine Skrupel die Gelegenheit zu nutzen, ihm zu schaden. Kein Mord, sie hat nur ein wenig nachgeholfen. Ein Tod, rein durch Zufall entstanden und offiziell als Unfall registriert. Eine Biene war Schuld. Etwas, was Yrsa eine unerwartete Befriedigung verschafft.
Bis zu diesem Punkt bietet der Roman eine brisante Aktualität aus Sicht einer Woman of Colour, die emotional gut mitzuverfolgen ist. Arroganz und Verhaltensweisen einiger männlicher Individuen lassen beim Lesen schnell die Alarmglocken schrillen. Möglich, dass dieser Moment mit der Biene der Wendepunkt in Yrsas Leben ist, ab welchem sie eine Kanalisation für ihre Wut findet. Im Verlauf des Romans vermischt sich die ganze misogyne Gewalt der Männer, welche Frauen im Laufe der Geschichte erfahren mussten (und mit welcher sie sich beruflich durchgängig befasst), in ihrem Kopf mit den Taten der Männer in der Realität. Immer mehr Wut staut sich in ihr auf, immer stärker ist ihr Wunsch nach tödlicher Vergeltung. Und immer größer wird die Gefahr, die eigene Objektivität, sich selbst zu verlieren.

Sie hasst sie alle. (Zitat S. 20)

Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich Yrsas Entwicklung mitverfolgen. Ein paar Einblicke in die Thematik ihrer Doktorarbeit waren da hilfreich oder zumindest interessant. Und dennoch tat ich mich im Verlauf der Handlung immer schwerer damit, Yrsas Charakter zu verstehen, insbesondere der Verlauf ihrer tödlichen Obsession. Es ist nicht allein ihre Distanziertheit, sondern auch ihr Hang zur Unehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber. Sie wirkt über Längen wie emotionslos, nur um im nächsten Moment ihre angestaute Wut wie bei einem Vulkan ausbrechen zu sehen. Doch eine Auseinandersetzung mit gewissen Geschehnissen bleibt den Lesenden oft verwehrt. Auch fehlten mir ausreichend ehrliche Interaktionen, um sie als Charakter greifbar zu machen. Für mich ging die Mischung aus Provokanz, Fakten und Gesellschaftskritik final nicht auf, weil langatmige Abschnitte wiederholt die Handlung ausbremsten, ohne bei mir ein Gefühl des Mehrwertes erzeugen zu können. Für die für meinen Geschmack stellenweise zu langatmige Umsetzung einer gelungenen Idee gebe ich 3,5/5.

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Rezensionen von Eternal-Hope:

Selbstverwirklichung um jeden Preis

Ellen von Franziska zu Reventlow

Die deutsche Schriftstellerin Franziska zu Reventlow, geboren in einer adeligen Familie und später als "Skandalgräfin" bekannt geworden, kam wohl schon mit einem sehr großen Freiheitsdrang zur Welt. Zumindest, wenn wir von dem Alter Ego "Ellen" aus ihrem gleichnamigen autofiktionalen Roman auf ihre Persönlichkeit schließen möchten.

Der Vergleich liegt nahe, da Leserinnen und Leser, die sich auch mit der Biografie der Autorin beschäftigt haben, viele Parallelen entdecken werden.

Somit kann "Ellen" als ein frühes autofiktionales Werk angesehen werden, das ein ausführliches und inspirierendes bis abschreckendes - je nach Lebensphase der Ellen sowie persönliche Wertehaltung derer, die das Buch lesen - Porträt einer sehr eigenwilligen künstlerisch interessierten Frauenpersönlichkeit zeichnet, die in einer Zeit lebt, in der individuelle Entfaltung insgesamt für die Menschen und noch einmal mehr für Frauen gesellschaftlich nicht erwünscht war und die ihren Weg geht, gegen alle Widerstände und um jeden Preis.

Schon das Kind Ellen ist ein Wildfang, tobt ständig mit dem Bruder und dessen bestem Freund durch die Natur, zerreißt sich dabei die schönen Kleider und versteht nicht, warum es sich in irgendeiner Weise mehr einschränken sollte als männliche Kinder, denen das doch auch alles erlaubt ist. An dieser Stelle hatte das Kind meine großen Sympathien.

Das Kind wächst zu einem jungen Mädchen und dann zu einer jungen Frau heran, die zunehmend radikaler wird in ihrem Freiheitsdrang und sich durch nichts und niemanden einschränken lassen will, dabei aber dennoch einige Zeit lang vorgibt, als Verlobte eines ehrenwerten Mannes den Konventionen ihrer Epoche und Schicht zu folgen, um sich gesellschaftlich nicht gleich alle Chancen zu verspielen, während sie mit verschiedenen Männern schläft.

Introspektiv finde ich die Gedanken und Gefühle Ellens sehr gut dargestellt, wie sich zum Beispiel an dieser Stelle zeigt, als sie über sich nachdenkt und ihre Neigungen mit denen anderer Menschen vergleicht:

„Wie fingen es wohl andere an, um glatt durchs Leben zu kommen, und warum wurde es einem immer so schwer gemacht durch all dies Binden und Verpflichten. In ihrem eigenen Gefühl war nichts, was dem widersprach, mit beiden das Leben zu teilen, weil jeder ihr etwas war, was der andere nicht sein konnte.“ (S. 167)

Ethische Grenzen scheint Ellen kaum zu kennen, so versucht sie sogar, ihrem Verlobten und dann Ehemann das Kind eines anderen unterzuschieben und sie bricht mit ihrer Familie, als diese sie in ihre Schranken weisen will.

An dieser Stelle verliert diese fiktive Persönlichkeit der Ellen für mich an Vorbildwirkung und ist für mich eher ein abschreckendes Beispiel dafür, wozu ein extremer Selbstverwirklichungs- und Darstellungsdrang führt, wenn dabei jegliches Einfühlungsvermögen für davon betroffene Menschen verloren geht.

Im Erwachsenenalter scheint die porträtierte Ellen sich zu einer Egomanin entwickelt zu haben, die sich niemand für die eigene Familie oder im eigenen Freundinnenkreis wünschen würde, dabei spart die Autorin aber auch deren innere Kämpfe und zunehmenden Verfall nicht aus und beschreibt hier, was aus Ellens eigener Sicht alles ihrem extremen Freiheits- und Selbstverwirklichungsdrang zum Opfer gefallen ist:

„Was hatte sie nicht schon alles hingegeben in dem unbändigen Drang nach ihrem innersten Selbst, das so viel zum Opfer wollte – Heimat, Geschwister, selbst den Bruder, den sie so sehr leibte, denn der war schließlich auch von ihr gegangen zu den anderen – den Mann, dem ihre erste große Leidenschaft gehörte – sein Kind – Reinhart, alles, alles von sich geworfen, ihr war, als ob sie immer nur über Leichen hinweg gegangen sei – um schließlich vor ihrer eigenen anzukommen, und daneben stand das Schicksal und grinste sie eisig an: Es ist noch nicht genug – jetzt nehme ich dir auch noch deine letzte Kraft, deinen jungen Körper, der noch blühen wollte, deine jungen Jahre, die noch heißes Verlangen trugen – und schlage dich zum Krüppel. Ohnmächtig sollst du vor mir daliegen, und es war alles umsonst.“ (S. 207)

Es ist also keine reine Lichtgestalt, die im Zentrum dieses Buches steht.

Das mindert die Qualität des Buches aber keineswegs, im Gegenteil dient es genau durch diese ehrliche Darstellung des auch charakterlichen Verfalls einer Person mit einem starken Freiheitsdrang nicht nur als abschreckendes Beispiel und interessantes Zeitporträt, sondern wirft ebenfalls viele interessante philosophische und ethische Fragen zum Thema Grenzen von Freiheit und Selbstverwirklichung und individuelle vs. familiäre und gesellschaftliche Interessen auf, womit es sich auch bestens für Lesekreise und Diskussionsrunden eignet.

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Rezensionen von marli_04:

Zwischen Vergangenheit und Verantwortung

Frieda von Geraldine Oetken

Schon das schlichte Cover hat mich neugierig gemacht, weil es ruhig wirkt und trotzdem etwas Geheimnisvolles ausstrahlt. Der Klappentext hat sofort deutlich gemacht, dass hier keine erfundene Geschichte erzählt wird, sondern eine persönliche Spurensuche. Besonders spannend fand ich, dass Geraldine Oetken ihre fast vergessene Urgroßtante Frieda Schritt für Schritt aus dem Schweigen ihrer Familie herausholen möchte.

Dabei begleitet man sie durch Archive, Akten und viele Recherchen, die zeigen, wie schwierig es sein kann, nach so langer Zeit Antworten zu finden. Gleichzeitig wird deutlich, wie eng ihre Suche mit der Geschichte des Nationalsozialismus verbunden ist und wie Menschen mit Behinderungen damals behandelt wurden. Das hat mich oft nachdenklich gemacht.
Ich mochte, dass die Autorin nicht nur nach Fakten sucht, sondern sich immer wieder fragt, welche Bedeutung Erinnerung heute noch hat. Gerade dieser persönliche Blick hat das Buch für mich lebendig gemacht. Der Schreibstil wirkt ruhig und sehr sorgfältig, an manchen Stellen hätte ich mir allerdings etwas mehr Straffung gewünscht, weil sich einzelne Recherchewege recht ausführlich anfühlten. Trotzdem hatte ich nie den Eindruck, dass das Thema dadurch an Bedeutung verliert. Frieda bleibt zwar in vielem eine unbekannte Person, doch genau das macht die Suche nach ihr so bewegend.
Ich habe das Buch mit vielen Gedanken beendet und finde es wichtig, dass solche Familiengeschichten erzählt werden. Für mich war es eine eindrucksvolle Lektüre, auch wenn ich mir stellenweise etwas mehr Nähe zu Friedas eigenem Leben gewünscht hätte. Deshalb bleibt für mich ein sehr lesenswertes Buch, das ich mit guten 4 von 5 Sternen bewerte.

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Rezensionen von Harakiri:

Wodka-Red Bull

Filmriss auf Immenhof von Karsten Dusse

Nach seinen Erfolgsromanen um Björn Diemel verlegt Karsten Dusse seinen neuen Kriminalfall an einen Ort, den viele noch von früher kennen: Aus dem Immenhof ist inzwischen ein Luxushotel geworden und Kriminalpsychologin Sophia, vom Leben etwas entmutigt, schenkt sich dort einen Aufenthalt zum 45. Geburtstag.

Sie träumt von Pferdehofromantik, Tagen im Spa und einfach nur Ruhe. Sie bekommt: die abgetrennte Hand ihres Ex-Freundes auf dem Kopfkissen. Hat sie etwa ihre Mordfantasien vom Vortag durchgeführt? Ihr Filmriss hilft nicht gerade beim Erinnern.
Und sorgt für gute Unterhaltung beim Leser. Dusse bleibt seiner humorvollen Schreibweise treu. Er spielt mit Worten „… ist Andreas nicht ins Wasser gefallen, sondern der Mordplan wegen der Party ins Wasser gefallen“ und schreibt mit einem Augenzwinkern. Wobei mir diese Wortspielereien im ersten Kapitel schon zu viel waren. Das klang nach erzwungenem Humor.
Zum Glück war damit nach dem ersten Abschnitt Schluss und die Handlung blieb lustig, aber nicht mehr so angestrengt. Sophia will den Mordfall lösen und das ist gar nicht so einfach, wenn man sich mit Wodka-Red Bull abgeschossen hat. Wie sie den Fall dann angeht und auflöst – das ist wieder typisch Karsten Dusse und hat mich begeistert.
Kurze Kapitel und eine lockere Schreibweise sorgen für schnellen Lesefluss, sympathische Charaktere und der ein oder andere Bösewicht für Spannung und die tolle Beschreibung des Gutshofs und des Umfelds dafür, dass man sich auch einen Aufenthalt im Hotel am Kellersee wünscht.
Fazit: nicht nur Fans der Immenhof-Filme kommen hier auf ihre Kosten.

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Rezensionen von Eternal-Hope:

Arnos Innenleben

Doras Licht von Friederike Köpf

Eine junge Frau soll sich an der französischen Atlantikküste das Leben genommen haben, ihre Leiche wurde auf einer Sandbank gefunden. Es handelt sich um die 26-jährige Österreicherin Dora und ein paar von ihr geschriebene Worte weisen auf eine Verbindung zu Arno Andrich hin, ihrem Dozenten und Mentor an einer Wiener Kunstuni, mit dem sie vor eineinhalb Jahren einen One-Night-Stand hatte.

So weit so gut, was Dora angeht.

Viel erfahren wir auch nicht über sie, zwar kommt sie immer wieder in ganz kurzen Passagen am Anfang eines Kapitels vor, doch im Mittelpunkt des Romans steht jemand anderer: der Kunstprofessor Arno Andrich. Ihm sind wir in diesem Roman ganz nahe, erleben sein Denken und Fühlen aus seinem Kopf heraus, die Erinnerungen an die schwierige Kindheit und das Verhältnis zu dem herabwürdigenden Vater, das berufliche Getrieben-Sein, die erotischen Reize, die verschiedene junge Frauen auf ihn ausüben, seine Beziehung zu Ildiko, ohne viel Commitment eingehen zu wollen, denn sie hat ein Kind und Ersatzvater werden will er nicht.

Es ist ein ruhig, in poetischer Sprache und feinsinnig erzähltes Buch und Psychogramm eines Mannes, der neben anderen Dingen auch von Doras Suizid in seinem Leben beeinflusst und berührt wurde und sich rückblickend - wir wissen nun, dass er einige Jahre später mehrere Kinder hat - fragt, was so kommen musste und was wozu geführt hat.

Ich kann das Buch insbesondere jenen empfehlen, die gerne tiefgehende psychologische Charakterstudien von einzelnen Personen und ihren zwischenmenschlichen Beziehungen lesen und die leisen Töne schätzen.

Auch wenn eine Person ums Leben gekommen ist, hat das Buch in Bezug auf seine Erzählweise nichts von der rasanten, handlungsgetriebenen Dynamik eines Kriminalromans, sondern nimmt sich viel Zeit für die kleinen Alltagsmomente, die dabei differenziert und detailliert geschildert sind und es damit ermöglichen, dem Mann im Zentrum dieses Romans sehr nahe zu kommen.

Aus feministischer Perspektive wiederum könnte man sich wünschen, dass tatsächlich die verstorbene junge Frau etwas mehr Raum bekommen hätte, mir persönlich war es etwas zu viel Arno und seine Befindlichkeiten und etwas zu wenig Dora.

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Rezensionen von nanu?!:

Female Rage

Honey von Imani Thompson

Yrsa schreibt gerade ihre Doktorarbeit an der Cambridge Universität. Als sie mitbekommt, dass ihre Freundin von einem der Professoren ausgenutzt wurde und dieser als Mann, natürlich keinerlei Konsequenzen befürchten muss, nutzt Yrsa eine günstige Gelegenheit aus, um den Prof sterben zu lassen.
Dieser Tod macht etwas mit Yrsa, so hat sie sich schon lange nicht mehr gefühlt.

Und dieses Geräusch, das er beim Sterben machte, ...

Dieses Cover mit der Honigschrift, finde ich unheimlich passend, obwohl an Yrsa überhaupt nichts süß oder klebrig ist. Im Gegenteil, an ihr perlt alles ab und brav oder angepasst, ist nur ihre Fassade.
Als WOC hat sie schon immer mit Benachteiligung und Ungerechtigkeit zu kämpfen gehabt. Deswegen nimmt sie sich auch, was sie haben will. Nur, driftet sie in ihrem Fall, immer mehr in die Psycho-Ecke ab.
Den Weg dahin, fand ich richtig spannend, denn nachvollziehen kann man ihre Absicht dahinter ja schon, irgendwie. Denn jeder Mord ist anders und wird von ihr auch stets anders begründet. Eine gewisse Moral steht immer dahinter.
Und dann war ich auch ständig gespannt darauf, ob Yrsa mit ihren Taten davonkommt. Ob sie vielleicht irgendwann unvorsichtig wird, oder es knallhart durchzieht.

Gleichzeitig erfährt man auch einiges über Yrsas Doktorarbeit über den Afropessimismus, einem Thema, von dem ich vorher noch nie gehört habe.
Ihre Überlegungen und Ansätze dazu nehmen einiges an Raum ein, die ich auch interessant fand, aber sie bremsen auch ein wenig den Lesefluss.
Zudem wird man als Leser auch mit anderen gesellschaftskritischen Problemen konfrontiert.

Den Erzählstil fand ich meistens flüssig zu lesen, nur in manchen Situationen ändert er sich, wird temporeicher und abgehakter, aber es passt zum Moment. Nur zunächst war ich davon etwas irritiert.
Insgesamt hat mich Yrsa und ihre Kaltschnäuzigkeit fasziniert. Sie ist keine Figur, die man besonders mögen kann, aber ihre eigene Art zu Denken hatte schon was.
Dieses Buch ist speziell, einfach mal etwas anderes.

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Rezensionen von kabo16:

Echter Dorfkrimi mit nicht alltäglichen Typen

Septembermord von Chris Chibnall

Das kleine Dörfchen Fleetcombe in England ist ein Ort, den es auch bei uns hier genau so geben könnte. Zumindest vor einiger Zeit, denn da gab es hier auch noch zwei Dorfkneipen.
Jim Tiernan, Pubbesitzer vom "White Hart" wird tot auf einem Stuhl aufgefunden. Das bizarre an der Situation: Der Stuhl steht auf einer Bundesstraße, der Tote ist nackt und hat ein Hirschgeweih auf dem Kopf.

DC Nicola Bridge und DC Harry Ward müssen diesen Fall gemeinsam lösen.
Erstere ist noch nicht lange wieder in ihrer Heimat, Harry ist ein Quereinsteiger und es ist sein erster Mord.
Am Anfang lernt der Leser die wichtigsten Personen dieses Krimis kennen. Hier kennt jeder jeden, viele Geheimnisse, skurille Typen - halt ein ganz normales Dorfleben; das wunderbar und sehr vielschichtig vom Autor beschrieben wird. Menschen die so facettenreich nach und nach daher kommen. Das ist an diesem soliden Krimi das Besondere für mich gewesen. Teilweise gewürzt mit einer Prise englischen Humors.
Hoffentlich ist es nicht der letzte Fall für Bridge und Ward.

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Rezensionen von brauneye29:

War nicht schlecht

Gardasee-Gold von Marta Donato

Zum Inhalt:
Kommissar Breitwieser aus Traunstein hatte sich sehr auf ein Wiedersehen mit Stefania gefreut, doch so hatte er sich das nicht vorgestellt. Denn die Winzerin liegt in einer Blutlache am Stand der Fachmesse Vinitaly. Er selbst gerät auch unter Verdacht, hat er sie schließlich aufgefunden.

Und so kommt es wie es kommen muss, er hilft den italienischen Kollegen bei den Ermittlungen.
Meine Meinung:
Ja, so zwischendurch ist man dann auch mal kurz am Gardasee, aber die Hauptstory spielt auch zum großen Teil in Verona oder auch in Soave statt. Dennoch kommt auf jeden Fall trotzdem Italienfeeling auf, aber eben nicht so viel Gardasee Feeling. Die Story ist sehr vielschichtig, man bekommt es mit sehr vielen Protagonisten zu tun und muss schon alle Sinne zusammen halten, damit man nicht den Überblick verliert. Den Schreibstil fand ich ganz angenehm und gut lesbar. Das war mein erster Roman der Autorin, kenne also die anderen Teile der Serie nicht, hatte aber auch nicht wirklich das Gefühl, dass das unbedingt notwendig wäre.
Fazit:
War nicht schlecht

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