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Rezensionen von C.P.:

Eine starke, weibliche Stimme der High Fantasy Welt, die mich restlos begeistern konnte

Der Untergang der Könige von Jenn Lyons

Khirin wächst behütete von seinem Vater Surdyeh, einem blinden Musiker, und der Bordellbesitzerin Ola auf. Während er tagsüber zusammen mit seinem Vater auftritt, schleicht er sich nachts raus, um zu stehlen. Doch einer seiner Einbrüche geht schief und Khirin sieht sich mit Problemen konfrontiert, die ein Ausmaß annehmen, mit dem er in seinen kühnsten Träumen nicht gerechnet hätte.

In seiner Welt voller Magie, Intrigen, Gewalt und bevölkert von unglaublichen Lebewesen wie uralten Drachen und Göttern muss Khirin sich von nun an behaupten.

Schon in der Verlagsvorschau der Hobbit Presse stach mir dieses Buch ins Auge. Nicht wegen des schlichten Covers oder des Titels, sondern wegen des Autorennamens. Denn High Fantasy – mein liebstes Genre – ist tatsächlich eine eher von männlichen Autoren dominierte Sparte in der Buchwelt.
Ich muss gestehen, dass ich tatsächlich nur aus diesem Grund so gespannt auf die Geschichte war, denn der Klappentext ist so nichtssagend, dass der mich einfach nicht vom Hocker reißen konnte.

Es war definitiv nicht Liebe auf den ersten Blick zwischen „Der Untergang der Könige“ und mir.
Abwechselnd erzählen Khirin und seine Wächterin Klaue die Geschichte von Khirins Leben – zumindest bis zu dem Punkt seiner Gefangennahme. Doch wird die Geschichte von den beiden nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt, sondern in einem steten Wechsel. Khirins Part setzt zu einem viel späteren Zeitpunkt in seinem Leben an und Klaues Strang seines Lebens vor diesem. Ich brauchte einige Kapitel, um mich in der Geschichte zu sortieren und kaum hatte ich mich eingewöhnt, so kam der nächste stilistische Kniff der Autorin. Denn die Geschichte ist durchsetzt von Fußnoten, die sehr detailliert historische Personen, Gegenstände oder Ereignisse der Welt kommentierten.
So vergingen 200 Seiten und ich hatte noch immer nicht das Gefühl, wirklich zu verstehen, was die eigentliche Geschichte des Buches nun sein sollte.
Um vorweg zu greifen: Ich ahne erst jetzt, was eventuell in den beiden folgenden Bänden thematisiert werden könnte. Und bin restlos begeistert!

Ja, es war nicht Liebe auf den ersten Blick, sondern eine Anziehung, die sich im Laufe der Geschichte immer mehr und mehr aufbaute und mich regelrecht süchtig werden ließ.
Auch wenn der Start in die Geschichte lange dauerte, ich mich wirklich auf das Buch konzentrieren musste, so erhöhte sich doch mehr und mehr mein Tempo und die letzten 300 Seiten des Buches musste ich einfach am Stück lesen, da ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Zu spannend war der durchdachte Plot, zu sehr waren mir einige Charaktere ans Herz gewachsen. Und Jenn Lyons schaffte es immer wieder aus Neue, mich zu überraschen.

Auf Grund der Vielschichtigkeit der Geschichte kann das Buch nicht zwischen Tür und Angel gelesen werden. Das musste ich „schmerzlich“ am eigenen Leib erfahren, als ich versuchte, das Buch in der Bahn auf dem Weg in die Uni zu lesen. Da ich mich einfach nicht genug auf die Handlung konzentrieren konnte, verpasste ich wichtige Schritte und musste die Szenen noch einmal in Ruhe zu Hause lesen. (Außerdem tut es nach einer halben Stunde ganz schön in den Fingern weg, wenn man diesen Wälzer mit einer Hand hält. Auch hiervon kann ich nur abraten...)
Neben dem Wechsel der Zeiten und der Fußnoten ist die Handlung selber sehr vielschichtig und anspruchsvoll. Charaktere sind mitunter nicht die, die sie zu sein scheinen beziehungsweise vorgeben, verwandtschaftliche Beziehungen sind so eng verwoben und verstrickt und werden doch aufgelöst und neu verknüpft und die Handlungsorte können ebenso schnell wechseln wie Loyalitäten in dieser Geschichte.
Zugegeben, ein paar Namen mit anderen Anfangsbuchstaben als „K“ und „T“ hätten die Verwirrung mehr eindämmen können.

Jenn Lyons hat es geschafft, sich mit ihrem einmaligen und fantastischen Schreibstil verknüpft mit ihrem Geschick für kniffreiche Handlungen und Plottwists etwas holprig aber unumgänglich neben High Fantasy „Meister“ wie Rothfuss oder Sanderson zu stellen. Und kann sich an diesem Platz definitiv behaupten.

Ich kann die Veröffentlichung des zweiten Bandes nicht erwarten und verbleibe voller Hoffnung in diese weibliche Stimme der High Fantasy!

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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Die Vielschreiberin

George Sand und die Sprache der Liebe von Beate Rygiert

Paris lag ihr zu Füssen - wenigstens vom Balkon aus. Denn nicht alle waren begeistert von der fleissigen Schriftstellerin, die sich in Männerhosen kleidete.

Als Aurore Dudevand 1804 geboren, trennte sie sich 1831 von ihrem Mann Casimir und lebte fortan abwechselnd drei Monate in Paris und drei Monate in Nohant im Haus ihrer Grossmutter, welches jedoch Casimir für sich beanspruchte.

Anno 1831 in Paris beginnt daher auch dieser Roman.

In Paris lebte Aurore auf, schrieb viel und verkehrte mit ihren Freunden aus ihrer Kindheit, sie nannten sich die Berrys. Sie arbeiteten fast alle bei Henri de Latouche, dem damaligen Herausgeber des Figaro. Zusammen mit Jules Sandeau, Aurores jüngerem Geliebten schreibt sie ihren ersten Roman unter dem Pseudonym J. Sand. Grosszügig wie sie war, war es Aurore egal, dass alle dachten, das Buch stamme allein von Jules. Doch der wollte das gar nicht, da Aurore das Meiste schrieb und er weder mit ihr mithalten noch alle ihre Ideen teilte. Für ihren zweiten Roman brauchte sie deshalb einen neuen Namen und entschied sich für den "Nom de plume", das Pseudonym George Sand. Fortan liess sie sich als George anreden.

Vielen war George Sand befremdlich - eine Frau, die ihr Geld mit Schreiben von Büchern verdient und in Hosen herum läuft; kommt dazu, dass ihre diversen Liebesbeziehungen oft Stadtgespräch waren.

Und genau darum geht es in "George Sand und die Sprache der Liebe" von Beate Rygiert. Der Roman greift acht Jahre aus Georges Leben auf, ihre Jahre von 1831 bis 1839, und schildert das aufregende Leben der unkonventionellen Autorin.

Wie sie sich um ihre Kinder Solange und Maurice kümmerte oder sich um sie sorgte, wenn sie nicht bei ihr waren. Wie George immer ans Schreiben dachte, ihre grosse Leidenschaft. Mir gefiel sehr, wie Beate Rygiert deutlich macht, dass Georg als Ernährerin der Familie, eben nicht nur Schreiben wollte, sondern auch stetig musste, um mit ihrem Lohn die Lebenskosten von ihr und den beiden Kindern zu decken. Dies im krassen Gegensatz zu ihren Freunden, die fast alle nur an sich selbst dachten. Alfred de Musset kam zum Beispiel gar nicht klar damit, dass George eine Vielschreiberin war, dass sie sich in Venedig strikt immer wieder hinsetzte und schrieb, anstatt das Leben zu geniessen.

Den Roman könnte man auch mit "Liebe in Zeiten der Cholera" überschreiben: Tuberkulose, Cholera und andere Krankheiten bedrohten das Leben aller, es ging ums Überleben; die einen hatten wahnsinnige Angst, andere versuchten einfach nur zu Überleben. Auch diese Situationen und die unterschiedlichen Haltungen brachte mir die Autorin nahe.

Vor Jahren habe ich Biografien über Frédéric Chopin und über George Sand gelesen, wie auch Sands "Ein Winter in Mallorca". Ich hatte nur noch Georges Faszination von Chopins Musik vor Augen, aber nicht mehr wie hart es für die kleine Familie auf der Insel war. Heute denken wir bei Mallorca an Strand, Sonne und nette Spanier, doch damals waren die Mallorquiner nicht sehr fremdenfreundlich. Eindrücklich, wie Beate Rygiert beschreibt, wie George sich um den kranken Chopin kümmerte und um alles andere, dabei aber auch immer noch schreibt und ihren Vertrag auch unter widrigen Umständen erfüllt.

Von der Autorin hatte ich bisher erst "Herzensräuber" gelesen. Ich war gespannt, wie sie den Sprung vom Unterhaltungs- zum Biografieroman schafft. Es ist ihr gut gelungen, denn von der ersten Seite an war ich gefesselt.

Beate Rygiert konnte mir Georges Leidenschaft für ihre Romane, ihre Ideen zur Gleichstellung der Frauen und auch die Sehnsucht nach einer tiefen, aber unkomplizierten Liebesbeziehung vermitteln.

Fazit: Interessanter und fesselnder Einblick ins aufregende Leben von George Sand, auf ihre Art eine Vorreiterin in Sachen Frauenrechte.
5 Punkte.

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Rezensionen von C. P.:

Erlebnisurlaub der etwas anderen Art – Opfer inklusive

Offline von Arno Strobel

Eine Gruppe bricht zu einer organisierten Digital-Detox-Tour auf. Das Ziel ist ein einsames Hotel in den Bergen, welches wegen Renovierungsarbeiten momentan leer steht und nur von zwei Hausmeistern betreut wird. Gleich die erste Nacht fordert jedoch ihr erstes Opfer - und starker Schneefall verhindert eine Rückkehr ins Tal.

Von der Aussenwelt abgeschnitten muss die Gruppe nun im Hotel ausharren mit einer Person unter ihnen, die vor skrupelloser Brutalität nicht zurückschreckt. Doch wer könnte der Täter sein?
Das Buch gleicht ein wenig einem Kammerspiel: Sobald die Gruppe im Hotel angekommen ist, findet sämtliche Handlung in diesen Räumlichkeiten statt. Ebenso ist die Personenzahl übersichtlich und stressbedingte Auseinandersetzungen sowie gegenseitige Verdächtigungen schnell vorprogrammiert. Die Idee an sich ist natürlich nicht neu, und dennoch möchte man als Leser natürlich wissen, wer der oder die Täter sind und mit welchem Motiv.
Ein Großteil des Buches wird aus der Sicht der Teilnehmerin Jenny König geschildert, welche als Teamleiterin der IT-Branche mit ein paar Mitarbeitern an der Tour teilnimmt. Stellenweise ging mir ihre subjektive Sicht der Dinge etwas auf den Keks, da sie gerne mal zu Vorurteilen neigt. Zum Glück hielt sich das jedoch noch in Grenzen, etwas spezieller waren da eher ein paar andere Anwesende im Hotel, wobei ebensolche Personen natürlich einen Roman umso unterhaltsamer machen.
Es blieb sehr lange undurchsichtig, wer für die brutale Tat verantwortlich ist. Ebenso ist der Stil des Autors recht leichtgängig und lässt sich ganz bequem lesen. Für gute Unterhaltung sorgt das Buch somit auf jeden Fall.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Mehr heimischer Fisch muss auf den Tisch

Das österreichische Fisch-Kochbuch von Taliman Sluga

Taliman Sluga stellt in diesem Buch eine Reihe österreichischer Fischgewässer und ihre Bewohner vor. Recht praktisch nach Bundesländern geordnet, kann man die Region aussuchen. Vielleicht einmal Urlaub machen in einer Gegend mit besonderem Fischreichtum?

Daneben erhält man eine Übersicht über heimische Fische, über Karpfenartige, Lachsartige oder Störartige.

Und, wer hat schon gewusst, dass es auch Schalentiere in heimischen Gewässern gibt?

Die angegebenen Rezepte machen Lust auf eine der zahlreichen Fischspezialitäten. Es muss nicht immer ein Branzino oder Dorsch sein. Fische aus heimischer Produktion haben wesentlich kürzere Transportwege. Leider liegt der Fischkonsum bei uns in Österreich nur bei statistischen 8 kg pro Kopf und Nase. Und die heimischen Fische sind nur 6% davon. Schade!

Vielleicht kann dieses interessante Buch aus dem Anton-Pustet-Verlag zu einem vermehrten Verzehr heimischen Fisches führen.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Wie ein Chamäleon

Wilhelm Höttl - Spion für Hitler und die USA von Martin Haidinger

Martin Haidinger Historiker und Journalist widmet sich in diesem Buch einer ebenso schillernden wie umstrittenen Person: Dr. Wilhelm Höttl (1915-1999). In zehn Kapiteln versucht der Autor diesem Mann näher zu kommen.

Wer ist er nun, dieser Wilhelm Höttl? Er scheint ein Chamäleon zu sein, jemand, der immer den richtigen Riecher hat, wer ihm gerade nützlich sein könnte, der sich anpasst.

Schon in den frühen 1930er ist er Mitglied der in Österreich (noch) verbotenen NSDAP. Kurz nach dem Einmarsch Hitlers wird er zuerst Vertrauter Reinhard Heydrichs und nach dessen Ermordung Vertrauter von Adolf Eichmann. Obwohl er lügt wie gedruckt, steigt er die Karriereleiter im SD (Sicherheitsdienst der SS) stets hinauf. Er scheint ein gutes Gespür für Menschen zu haben, die manipulierbar waren. Mehrfach fällt er unangenehm auf, aber keiner der Nazi-Bonzen zieht die Konsequenzen. Höttl wird eher wie eine heiße Kartoffel weitergereicht. Niemand setzt ihm Grenzen, was er weidlich ausnützt. Er intrigiert und spielt hochrangige Nazis gegeneinander aus. Auch seine Rolle in Ungarn und später am Balkan ist mehr als undurchsichtig. Als das Ende des Zweiten Weltkriegs naht, versucht er seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. So soll er unter anderem das Vermögen in Ungarn ermordeter Juden im sogenannten „Goldzug“ an sich gebracht haben.

Höttl wird zwar von den Amerikanern verhaftet, kann aber aus einem Mix aus Chuzpe und Manipulation statt als Beschuldigter als Zeuge im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess auftreten. Er deutet einige Geheimnisse an und statt zu hängen, tritt er in den Dienst des amerikanischen Geheimdienstes CIC. Später wird man sich von ihm trennen, denn seine Berichte sind zum größten Teil erlogen.

Ja, sein Umgang mit der Wahrheit ist schon seit je her ein ganz eigenes. Höttl biegt sie sich so zurecht, wie es ihm gerade in den Kram passt. Aussagen von anderen gibt er skrupellos als eine eigene Wahrnehmung aus.

Eine durchaus spannende Geschichte ist, dass er in den 1950er Jahren eine Privatschule gründet und dort (heute) Prominente wie die Rennfahrer Jochen Rindt, Niki Lauda, Helmut Marko, den Schauspieler Klaus Maria Brandauer oder André Heller zu seinen Schülern zählte. Heller, dessen Familie jüdischer Herkunft war, hatte unter ihm zu leiden.

Sein Netzwerk aus SD-Zeiten beschützte ihn bis zu seinem Tod.

Meine Meinung:

Martin Haidinger geht akribisch seit Jahren den Spuren des Wilhelm Höttl nach, vergräbt sich in Akten und Dokumente, die erst seit kurzem zugänglich sind. Dennoch scheint die Person Wilhelm Höttl in ihrem Facettenreichtum nicht fassbar zu sein. Höttl wirkt auch mich wie eine Amöbe - schwammig, glatt, nicht fassbar, weil er ständig seine Gestalt verändert.

Kann es wirklich sein, dass er die amerikanischen Geheimdienste derart an der Nase herumgeführt hat? Oder waren die Amerikaner sosehr mit ihrer eigenen Paranoia den Russen gegenüber so beschäftigt, dass man (wieder einmal) die Laus im eigenen Pelz übersehen hat? Dem widersprechen einige Aussagen von CIA-Mitarbeitern, die Höttl als „geborenen Intriganten und bis in die Wolle gefärbten österreichischen Nazi mit einer Tünche von Wienerischen Graziosität“ (S. 145) bezeichnen.

„Es fällt nicht leicht, durch den Wust an Aussagen und Behauptungen die wahre Figur Willis [Höttls] herauszukristallisieren, aber eine schemenhafte Gestalt erkennen wir dennoch: So groß, dass er den Nazi-Putsch in UNgarn um ein halbes Jahr hätte verzögern können, war er definitiv nicht, aber als bloßes Rädchen im Getriebe der Maschinerie von SS und SD konnte man ihn auch nicht gerade bezeichnen.“ (S.118)

Als der Autor rund um das Jahr 2001 ein paar alte Zeitgenossen Höttls auf ihn ansprach, war die Antwort immer gleich: „Nein, den kenne ich nicht.“ Obwohl Dokumente etwas ganz anders beweisen.

Der Schreibstil des Autors ist ausgezeichnet. Manchmal muss er zu sarkastischen Anmerkungen greifen, um die Präpotenz von Höttl und die Ignoranz der Behörden (Österreichs und/oder der USA) überhaupt auszuhalten. Allerdings darf man die Entscheidungen von damals nicht mit dem Wissen von heute betrachten. Dass es auch bei den Amerikanern Leute gegeben hat, die die Untersuchungen und die Entnazifizierung nicht mit dem nötigen Ernst vorgenommen haben ist ja erweisen.

Das Cover passt ausgezeichnet zum Inhalt: Es dem braunen Aktendeckel eines Dossiers nachempfunden.

Würde dieses Buch als „Spionage-Roman“ deklariert werden, so würde es als unglaubwürdig, übertrieben und unrealistisch beschrieben werden. Doch wir wissen, schreibt das echte Leben die skurrilsten Geschichten.

Fazit:

Wer sich mit umstrittenen Personen der Nazi-Zeit und danach beschäftigen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Aus dem Leben gegriffen

Wir Staatskünstler von Maurer Thomas

Österreichs Kabarettisten hatten es in den letzten Jahren schwer. Kaum war ein Programm fertig geschrieben, so landete es im Mistkübel, weil die Wirklichkeit viel skurriler war, als es sich die Komödianten sich das je vorstellen konnten.

Die legendäre Frage eines Walter Meischbergers „Wo war mei Leistung?“ hat Eingang in den Sprachgebrauch des Alltags gefunden.

Die Frage nach der Leistung braucht man den drei Staatskünstlern Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba nicht stellen, denn eine Auswahl aus den krausen Wortspenden österreichischer Politiker jeglicher Couleur ist Arbeit und Leistung genug.

Zu Beginn wird also der Werdegang der Staatskünstler erzählt. Der erste Auftritt im Jänner 2011 dieses Trios fand nicht auf einer Theaterbühne statt, sondern im AudiMax der Uni Wien statt. Niemand geringerer als der Verfassungsrechtler und damalige Dekan der Rechtswissenschaften Heinz Mayer war der Gastgeber. Niemand konnte ahnen, welchen Anklang das Trio mit seinen Parodien finden würde. Ein großer Teil des Erfolges gebührt auch Florian Klenk, dem investigativen Journalisten der Zeitschrift „Falter“, der die Idee hatte, Auszüge aus dem den Protokollen des BUWOG-Prozesses öffentlich zu machen.

Anschließend gibt es ein „Best of“ und es werden u.a. Alt-Bundeskanzler Sebastian Kurz, Frank Stronach, die FPÖ-Truppe oder das marode Bundesheer aufs Korn genommen. Herrlich auch, die Parodien, deren Titel Fernsehsendungen nachempfunden sind wie „Liebesgeschichten und Alltagssachen“: Einmal mit „Michi und Mary“ und ein anderes Mal „Ali und Maria“.

Die Staatskünstler machen sich auf die „Wahrheit von KHG“, der Pröll’schen Privatstiftung und besuchen „Die Ideenschmiede“.

Tja, dieses Buch ist das Resümee aus zahlreichen Auftritten seit 2011. Dass den Staatskünstlern die Themen und Pointen ausgehen könnten, ist nicht wahrscheinlich.

Fazit:

Bissige Satire, die vor nichts zurückschreckt, dem (Polit)Volk auf‘s Maul schaut und häufig ihre Programme umschreiben muss, weil sie von der Wirklichkeit überholt wird. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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Rezensionen von Almuth-Rexer@web.de:

Zu blauäugiger Held

Zack Herry / In den Klauen des Falken von Kallentoft Mons; Karolina Anna

Als eine junge Frau in der Stockholmer U-Bahn Passanten mit einer Axt angreift und einen Sprengstoffgürtel entblößt, zögert Zack Herry einen Moment. Die Selbstmordattentäterin ist noch sehr jung, und er hat den Eindruck, als habe sie ihn direkt angesehen. Doch um das Schlimmste zu verhindern, muss Zack das Mädchen erschießen.

Gibt es womöglich Verbindungen zum IS? Zack hat allerdings wenig Zeit, sich mit der Tat und seiner Reaktion auseinanderzusetzen, denn er wird schnell auf einen anderen Fall angesetzt. Ein Drogenermittler, den Zack aus seiner Ausbildungszeit kennt und der immer ein Konkurrent für ihn war, wurde brutal gefoltert und umgebracht. Da er kurz davor stand, einen mächtigen Drogenring auszuheben, werden die Täter im Drogenmilieu vermutet. Zack soll die Ermittlungen des ermordeten Polizisten weiterführen und auch dessen geheimnisvollen Informanten ,,Copper“ übernehmen. Unterstützung holt sich Zack bei seinem Freund Abdula, den er seit seiner Kindheit kennt und der sich als Dealer gut in der Szene auskennt. Doch damit bringt Zack seinen Freund Abdula in große Gefahr und ihre Freundschaft wird auf eine sehr harte Probe gestellt.
Dieser 5. Band der Zack-Herry-Reihe kann einerseits punkten durch die charakterstarken Figuren wie Zack Herry selbst, aber auch seine Kollegen Deniz, Rudolf, Sirpa usw. Ein rasantes Tempo hält die Spannung durchgehend aufrecht. Allerdings wundert man sich etwas über Zacks Blauäuigkeit, die schon an Naivität grenzt, was seine Frauenbekanntschaften angeht. Auch geht den Ermittlern erst sehr spät auf, worauf es die Täter eigentlich abgesehen haben, was dem Leser durch so manchen Hinweis schon deutlich früher klar sein dürfte. Dies passt nicht so ganz zu dem Bild, das man in den vorigen vier Bänden von Zack Herry und seinen Kollegen bekommen hat. Ob es an der neuen Co-Autorenschaft liegt? Das wird sich wohl im nächsten Band zeigen.

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Rezensionen von Manfred Fürst:

Besondere Hausforderung des Lesers

Die Frau aus Oslo von Dahl Kjell Ola

Kjell Ola DAHLs „Die Frau aus Oslo“ ist seine literarische norwegische Vergangenheitsbewältigung. Von Oslo Oktober 1942, über Stockholm Dezember 1942 und Oslo November 1967, bis Oslo August 2015.
Von der Besatzungszeit der Deutschen Armee, den Judenverfolgungen der SS, den Widerstandskämpfer und Widerstandskämpferinnen, den nach Schweden Geflohenen, den Überlebenden (und den Toten) in Oslo nach 25 und 73 Jahren.

Von Åse und Ester, zwei Judenmädchen, von Gerhard und dessen Tochter Turid (schöne Göttin) und einem Goldarmband mit einem Edelstein.
Dieses Armband gehörte einst der Familie von Ester, die von der SS deportiert und von Gerhard 25 Jahre später am Arm von Turid entdeckt wurde. Diese gibt es ihrem Vater Gerhard als Andenken, wieder im Besitz von Ester gibt sie es ihrem Sohn Jonatan weiter. Am Ende (des Romans) gelangt es wieder in den Besitz von Turid. Insofern schließt sich der Kreis.
Die ersten Seiten wecken Spannung, denn es geht um den Verbleib des Armbandes und die letzten Seiten bieten mit der Auflösung des Rätsels nochmals Spannung. Die 350 Seiten dazwischen bieten Aneinanderreihung von Szenen, die den Leser mehr ermüden, als zum spannungsgeladenen Weiterlesen ermuntern. Nicht nur einmal stellt man sich die Frage; Was? Wie? Und Warum? Sätze wie „als er Stockholm verließ, muss er ja ein Reiseziel gehabt haben!“ rufen mehr Verwunderung als Euphorie hervor. Der Mittelteil - Ester und Gerhard, ein ehemaliges und wieder aufgewärmtes Liebespaar belauern sich, spielen bis zum bitteren Ende „Katz und Maus“ - liest sich sehr zäh und vermittelt den Eindruck eines breit gewalzten Teiges. Der Plot verwirrt den Leser in einer Weise, wie wenn man sich zweimal im Kreis um die eigene Achse dreht und danach nicht mehr weiß wo Nord und Süden ist.
Die Besatzungszeit Norwegens während des II. Weltkrieges und der Bewältigung deren Nachwehen sind ein beliebtes Thema der norwegischen Literatur. Das Jahr 2015 ist deshalb bemerkenswert, weil Kjell Ola DAHLs „Die Frau aus Oslo“ als bester Krimi Norwegens ausgezeichnet wurde. Ich teile diese Auszeichnung nicht, Norwegen hat viel bessere Krimis zu bieten. Kjell Ola DAHL werde ich mir nicht merken.

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Rezensionen von dorli:

Das Weingut. Tage des Schicksals

Das Weingut. Tage des Schicksals von Marie Lacrosse

„Das Weingut. Tage des Schicksals“ ist der dritte und abschließende Band rund um die fiktive Weinbauerfamilie Gerban aus Schweighofen. Die Ereignisse des zweiten Teils liegen fast vier Jahre zurück - Weinguterbe Franz Gerban und das ehemalige Dienstmädchen Irene sind mittlerweile verheiratet und führen mit ihren Kindern Fränzel und den Zwillingsmädchen Sophia und Klara ein glückliches Familienleben.

Diese Geschichte beginnt im Oktober 1877. Das Weingut hat sich nach Wilhelm Gerbans Machenschaften erholt und Franz strebt – zum Leidwesen von Irene – zusätzlich zu seiner Arbeit als Weinhändler eine politische Karriere an. Irene fühlt sich aufgrund von Franz’ häufigen Reisen einsam und sehnt sich nach einer sinnvollen Aufgabe…

Schon nach wenigen Seiten hat mich die Welt der Gerbans wieder gefangen genommen und ich habe gespannt das Geschehen verfolgt. Marie Lacrosse lässt ihre Protagonisten auch in diesem Band viele Höhen und Tiefen durchmachen. Es ist vor allen Dingen Franz’ Eifersucht, als Irene sich für die Rechte der Arbeiterfrauen engagiert und im Zuge dessen auch wieder Kontakt zu ihrem ehemaligen Geliebten Josef Hartmann hat, die die Ehe der Gerbans ins Trudeln bringt.

Marie Lacrosse hat das Leben und den Alltag der Gerbans eng mit den tatsächlichen Geschehnissen des 19. Jahrhunderts verflochten. Zahlreiche historische Fakten und reale Ereignisse aus allen Lebensbereichen sorgen für Authentizität und lassen ein vielschichtiges Bild von Ort und Zeit vor den Augen des Lesers entstehen. Neben dem Weinanbau und -handel sowie den damit einhergehenden Aufgaben und Herausforderungen ist besonders die sozialpolitische Entwicklung Thema in diesem Roman. Es gelingt Marie Lacrosse ganz hervorragend, die oft unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen anschaulich und eindringlich zu beschreiben. Sehr mitreißend schildert die Autorin, wie Ausbeutung, Armut, mangelnde Hygiene und Krankheiten wie Diphtherie und Schwindsucht den Alltag besonders für Frauen und Kinder zu einem stetigen Überlebenskampf gemacht haben.

Trotz der gewichtigen Themen lässt sich die Geschichte leicht lesen und bietet gute Unterhaltung. Unerwartete Ereignisse, Intrigen und mitreißende Schicksalsschläge halten das Geschehen lebendig - man kann durchweg mit allen Akteuren mitfiebern und ist stets neugierig darauf, was wohl als nächstes passieren wird.

„Das Weingut. Tage des Schicksals“ hat mir sehr gut gefallen - eine spannende Mischung aus Familiengeschichte und fesselnder Historie, die dank der facettenreichen Schilderungen zu einem Spiegel der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wird.

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Rezensionen von thora01:

wundervoller 3. Band - spannend und emotional

Alia (Band 3): Das Land der Sonne von C. M. Spoerri

Inhalt/Klappentext:
Die Prophezeiung ihrer leiblichen Mutter führt Alia einer unsicheren Zukunft entgegen. Kann sie ihren neuen Freunden trauen, oder wird jemand sie an Xenos, den Zirkelleiter von Lormir, verraten? Gelingt ihr die Flucht vor ihm und die Suche nach ihrer Herkunft? Welches Schicksal ist ihr bestimmt? Ihre Hoffnung: Sie soll im Land der Sonne Antworten auf ihre Fragen finden.

(Quelle: Sternensand Verlag)

Meine Meinung:
Sehr spannender und berührender 3. Teil der Alia Saga. Ich wurde sofort wieder in den Bann der Geschichte gezogen und war sehr gespannt wie die Autorin die Geschichte nach dem Cliffhänger von Band 2 weitergeführt hat. Meine Erwartungen wurden von der Autorin mehr als nur erfüllt. Ich fand es sehr gelungen wie sie die Protas aus ihren anderen Reihen die in dieser Welt spielen in die Geschichte integriert hat. Der Schreibstil hat mich wieder sehr überzeugt und ich konnte mich sofort wieder auf die Story einlassen. Alia hat mich auch in diesem Buch von sich überzeugt. Ich fand es toll wie die Autorin die verschiedenen Emotionen in Szene gesetzt hat. Der Charakter Alia hat für mich viel mehr Tiefe bekommen. Ganz besonders gefällt mir wie sie sich über die Meinungen der anderen hinwegsetzt und dieses Vorgehen sich positiv auf die Story auswirkt. Die Geschichte ist von Beginn an sehr spannend und hat einen sehr straffen Spannungsbogen. Es wechseln sich gekonnt action- und emotionale Szenen ab. Das Ende war für mich nicht vorhersehbar und hat mich sehr überrascht. Endlich durften wir einen kleinen Blick hinter das Geheimnis von Alias Herkunft werfen. Der Cliffhänger war ein sehr angenehmer und ich bin schon sehr gespannt wie es mit Alia und ihre Mitstreiter in nächsten Band weiter geht.

Mein Fazit:
Wundervoller 3. Band. Er hat mich sofort in den Bann gezogen und meine Nacht ist dadurch ziemlich kurz geraten. Ich freue mich sehr über die Entwicklung der Story und bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil.

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