Kunden em pfehlungen
Rezensionen von e_kieh:
Gelungen!
Wieso? Weshalb? Warum? Band 66 - Was Tiere alles bauen von Susanne Gernhäuser
Dieses Buch zeigt Kindern auf spannende Weise, was Tiere alles bauen können. Dabei geht es nicht nur um Nester, sondern auch um Höhlen, Tunnel und viele andere Verstecke und Behausungen. So merken Kinder schnell, dass Tiere oft richtig clevere Baumeister sind.
Die Texte sind leicht zu verstehen und die Bilder machen Lust, sich alles genauer anzuschauen.
Besonders schön sind die Klappen, hinter denen immer wieder etwas Neues zu entdecken ist. Dadurch wird das Buch nicht langweilig und Kinder können selbst auf Entdeckungstour gehen.
Mir gefällt, dass das Buch Wissen vermittelt, ohne zu trocken zu sein. Die Informationen sind interessant und passen gut zum Alter der Kinder. Beim Vorlesen gibt es viele Dinge, über die man gemeinsam sprechen und staunen kann.
Fazit:
Ein schönes Sachbuch für neugierige Kinder, die Tiere mögen und gerne Neues lernen. Es macht Spaß, darin zu blättern, und man erfährt viele interessante Dinge darüber, wie Tiere leben und bauen. Eine klare Empfehlung für kleine Tierfans.
Rezensionen von Zaubermasu / Sandra Hennig:
Weiter geht es in Bardolino
Salute - Das letzte Foto von Friedrich Kalpenstein
Die Bücher von Friedrich Kalpenstein sind immer ein Garant für tollen Lesestoff und so habe ich mich unheimlich gefreut, den vierten Band der Salute-Reihe lesen zu dürfen, der den Titel Das letzte Foto trägt :
Der Fotograf Domenico Spina wird tot aufgefunden – schnell wird klar, das war ein Mord.
Aber wer sollte es auf ihn abgesehen haben ? Motive und Verdächtige gibt es wahrlich genug und schon starten Commissario Lanza und der ehemalige Münchner Hauptkommissar Paul Zeitler zu spannenden Ermittlungen.
Friedrich Kalpenstein versteht es perfekt, seinen Figuren Leben einzuhauchen und so sind Lanza und Zeitler mittlerweile wie alte Bekannte, die man im wunderschönen Bardolino trifft ( Jeder Band für sich ist abgeschlossen, es ist also nicht zwingend notwendig, die vorherigen Bücher zu kennen ). Und genau das machen die Bücher des Autors aus : Seine Figuren wachsen von Band zu Band, man trifft „alte Bekannte“, neue Gesichter und auf ein wunderschönes Setting.
Die Dialoge der Figuren sind oft mit Dialekt und witzigen Sprüchen gespickt und auch aktuellen Fall „das letzten Foto“ kommt der Humor nicht zu kurz.
Das macht den Fall besonders lebhaft und realistisch, denn steife Ermittler und trockene Ermittlungsarbeiten sucht man hier vergebens.
Spannung, la dolce vita und eine Menge Humor – das sind die Hauptpfeiler des Buches *Salute – das letzte Foto* und ich hatte wunderschöne Lesestunden, die mich an den traumhaften Gardasee entführt haben.
Für mich hat Friedrich Kalpenstein damit wieder bewiesen, dass seine Bücher absolut überzeugend und lesenswert sind und ich freue mich jetzt schon, wenn es wieder heißt „Salute“ !
Rezensionen von ReiShimura:
Großartige Sprache, unausgereifte Welt
Verrat der Schwäne von A. B. Poranek
Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut, da ich die Idee der Schwanensee Adaption faszinierend fand. Noch dazu ist dies endlich wieder einmal ein Fantasybuch, welches nicht Teil einer Reihe ist. Leider konnte mich das Buch nicht so begeistern wie ich es erhofft hatte.
Den Einstieg ins Buch fand ich ein wenig sperrig und so ging es mir leider auch während des ersten Viertel des Buches.
Dieser Teil war für meinen Geschmack recht langatmig und an vielen Stellen auch langweilig. Mehrmals habe ich überlegt, ob ich das Buch einfach weglegen soll. Ich bin aber drangeblieben und mit der Zeit konnte ich mich immer besser in die Geschichte einfinden. Der zweite Teil des Buches war dann auch deutlich interessanter und vor allem auch spannender. Leider hatte ich gegen Ende das Gefühl, dass die Autorin ein wenig zu schnell zum Abschluss kommen wollte. Meiner Meinung nach hätte die Geschichte deutlich gewonnen, wenn man daraus eine Dilogie gemacht hätte.
Positiv hervorheben möchte ich den Schreib- und Erzählstil der Autorin. Dieses Buch besticht definitiv mit seinen kunstvollen und poetischen Formulierungen. Dies macht das Lesen zwar ein wenig herausfordernd aber dafür umso schöner. Des Weiteren muss ich sagen, dass der Stil wunderbar zu der Grundstimmung der Handlung passt.
Große Schwierigkeiten hatte ich dafür mit der Welt in der das Buch spielt und mit dem Magiesystem. Obwohl es immer wieder mal Erklärungen und Erläuterungen dazu gibt, war mir dies zu wenig. Bis zum Ende des Buches war mir nicht klar wie die Welt aufgebaut ist. Die wenigen Schauplätze der Handlung werden dafür recht detailreich beschrieben.
Wer auf düstere, kunstvolle und poetische Fantasygeschichten steht sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben. Leserinnen die großen Wert auf detaillierte Beschreibungen der Welt und des Magiesystems legen, werden mit diesem Buch wohl eher nicht glücklich werden.
Rezensionen von Shilo:
Im Nebel der Erinnerung
Wo dein Blick mich findet von Dorothea Morgenroth
Lucy hat es im Leben nicht leicht. Als sie nach einem Unfall ohne Erinnerung auf einem schottischen Schloss aufwacht, bleiben viele Fragen offen. Gerade das hat neugierig gemacht, denn nach und nach kommen Dinge ans Licht, die vieles in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Die Geschichte spielt in den 1920er Jahren und greift mit den Magdalenenheimen ein bedrückendes Thema auf.
Trotzdem besteht das Buch nicht nur aus schweren Momenten. Immer wieder gibt es Menschen, die Lucy unterstützen und ihr helfen, ihren Weg zu finden. Besonders die Szenen mit Lady Mae O’Malley haben der Geschichte Wärme gegeben.
Nicht alles wird sofort erklärt. Die Antworten kommen nach und nach ans Licht, wodurch die Neugier bis zum Schluss erhalten bleibt. Lucy wächst einem mit der Zeit ans Herz und ihre Suche nach den verlorenen Erinnerungen wurde nachvollziehbar beschrieben.
Neben den ernsten Themen gibt es immer wieder Augenblicke, die Mut machen. Genau diese Mischung hat das Lesen angenehm gemacht. Nach der letzten Seite blieb das Gefühl zurück, die Figuren ein gutes Stück ihres Weges begleitet zu haben. Sehr gerne vergebe ich für dieses Buch 5 Sterne.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer:
Das Gute im Menschen
Guten Morgen, schönes Wetter heute von Tanja Kokoska
Eine Ausnahmesituation – ein Bombenfund- zwingt die Bewohner einer Siedlung aus ihren symbolischen Schneckenhäusern, lässt sie Grenzen überwinden und neue Einsichten gewinnen. Vieles wendet sich jetzt zum Guten, weil die Leute miteinander sprechen und aufeinander achten.
Die Autorin schaut von oben wie auf ein Schachbrett, auf dem sie sehr behutsam mit ihren Figuren umgeht.
Manchmal wird es spannend, gelegentlich etwas idealisiert und romantisch, aber auch humorvoll beschrieben, auf jeden Fall ist es ein überaus freundliches Buch.
Rezensionen von Karina :
Eine Reise durch die Dorfgemeinschaft
Mirabellentage von Martina Bogdahn
Nun habe ich meinen imaginären Spaziergang durch das fränkische Blumenfeld beendet und dabei so einiges über seine Bewohner erfahren. ????
In 'Mirabellentage' erzählt Anna, die langjährige Haushälterin des verstorbenen Ortspfarrers Josef, so allerhand Anekdoten aus vergangenen Zeiten. Für sie ist das eine Form der Trauerbewältigung - und gleichzeitig ihre ganz eigene Art, den neuen Priester Fridjof in sein Amt einzuführen.
Dabei hat es Fridjof nicht leicht: Er tritt in große Fußstapfen und wird als junger Mann von einer Hallig an der Nordsee von den Dorfbewohnern oft kaum verstanden. Umso besser, dass Anna ihm den Tipp gibt, die Gemeinde einfach mit seinem 'Latein' zu beeindrucken. ????
Für mich war dieser Roman ein schöner sommerlicher Lesehappen für zwischendurch. Die Erzählungen sind mal traurig und nachdenklich, mal humorvoll, manchmal auch etwas gewöhnungsbedürftig (ich sage nur: Gänseessen ????).
Besonders gefallen hat mir, wie sehr die zwischenmenschlichen Beziehungen im Mittelpunkt stehen. Immer wieder wird deutlich, wie wichtig Zusammenhalt und Gemeinschaft sind - etwas, das dem Roman viel Wärme verleiht.
Zeitweise waren mir die vielen aneinandergereihten Anekdoten allerdings etwas zu viel, sodass ich hin und wieder aus dem Lesefluss geraten bin. Es fühlte sich ein wenig so an, als würde die nette ältere Dame von nebenan einem bei jedem Treffen noch schnell eine weitere Geschichte von früher erzählen - manchmal charmant, manchmal auch ein kleines bisschen anstrengend. ????
Trotzdem habe ich mich in Blumenfeld sehr wohlgefühlt und könnte mir durchaus vorstellen, dort ein Plätzchen unter den Einwohnern zu finden. ????
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine Leseempfehlung
Wir überlebten die Nacht von Julian Brave NoiseCat
In diesem autobiografischen Buch erzählt Julian Brave NoiseCat, die Geschichte seiner indigenen Familie. Dabei spart er Grausamkeiten der Behörden, die den Ureinwohnern Kanadas ihre Kinder entrissen haben, um sie in Klosterschulen umzuerziehen. Man kennt dies aus zahlreichen anderen Romanen und Sachbüchern wie z.
B. jenen von Michel Jean, der über ähnliche Schicksale der Inuit schreibt.
Dieses hier ist ein wenig anders, denn es bindet die indigenen Mythen prominent in die Ich-Erzählung ein. Gleichzeitig schildert Julian Brave NoiseCat die epigenetischen Traumata seiner Familie, von denen auch er nicht verschont bleibt. Sein Vater ist eines jener Babys, das in der berüchtigten St. Joseph‘s Mission geboren worden ist und getötet werden sollte. Nur durch eine glücklich Fügung ist er gerettet worden. Julian Brave NoiseCat hat eine Notiz über dessen Rettung in der Williams Lake Tribune vom 28. Oktober 1959 entdeckt:
„Neugeborenes Kind aus der Müllverbrennungsanlage gerettet“.
Dass ein solcher Start in das Leben ein lebenslanges Trauma verursacht, ist wohl verständlich.
Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Recherche rund um seine Herkunft, die eigene und fremde Erinnerung sowie indigener Erzähltradition mit zahlreichen Gleichnissen. Julian Brave NoiseCat rechnet sich zu den Coyote People, in dem ein Koyote als „Trickser“ eine große Rolle mythologischer Ahne spielt.
„Jene, die nicht bei ihren Namen gerufen werden und deren Zeit noch nicht gekommen ist, werden ins Land der Lebenden zurückgeschickt. Einigen gibt der Häuptling ein Lied mit auf den Weg zurück und lässt den Coyote People ausrichten, sie sollen weiter im Uhrzeigersinn im Kreis tanzen, so wie es die Ahnen auf der jenseitigen Seite tun. Wenn wir dies täten, so sagt der Häuptling der Toten, würde der Tod rückgängig gemacht werden, unsere Länder und Flüsse wieder so wunderschön und fischreich sein wie einst, unsere Vorfahren würden zurückkehren und mit ihnen Kojote.“ (S. 469 eBook)
Fazit:
Gerne gebe ich diesem interessanten Buch über die Geschichte der Vernichtung der indigenen Bevölkerung Kanadas, das nicht immer leicht zu lesen ist, 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine klare Leseempfehlung!
Eine Deutsche im Ukraine-Krieg von Savita Diana Wagner
Dieses Buch ist das Vermächtnis von Savita Diana Wagner, die sich kurz nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 als humanitäre Helfern freiwillig gemeldet hat. Warum? Weil ihr die zögerliche Haltung des Westens und besonders Deutschlands der Ukraine zu helfen, unerträglich schien.
In chronologischer Reihenfolge werden Auszüge aus Wagners E-mails, Chats, Blog Posts und anderen Nachrichtenkanälen zu einem fiktiven Tagebuch verarbeitet. Herausgekommen ist eine erschütternde und sehr berührende sowie authentische Bestandsaufnahme über das Leben an der Front. Denn Savita Diana Wagner tritt, nachdem ihr ihre humanitäre Hilfe zu gering erscheint, in die ukrainische Armee ein und dient bis zu ihrem Tod am 31. Jänner 2024 als Combat Medic, also als Kampfsanitäterin. Sie gewährt uns einen Einblick in das reale dramatische Kampfgeschehen an der Front, von dem wir im allgemeinen durch amerikanische Serien wie M.A.S.H. nur eine eher unrealistische Vorstellung haben.
Zudem korrigiert sie mit ihren Schilderungen die oft abstrahierten Nachrichten. Sie zeigt den Alltag an der Front, der sie nach Butscha oder nach Charkiw geführt hat. Sie schildert Luftalarm, Artilleriebeschuss, die Versorgung Verwundeter unter Feuer und sowie die permanente Unsicherheit, den nächsten Tag zu erleben. Sie schreibt über Angst und Solidarität, über Kameradschaft, Zweifel und Entschlossenheit, sowie darüber, dass es an manchen Tagen sehr schwer ist, nicht die Hoffnung zu verlieren. Aus ihrem Tagebuch kann man herauslesen, wie sich das Denken und Handeln verändern. Mehrmals lässt sie ihrer Wut über die zögerliche Bereitschaft der Ukraine Waffen und Munition zur Verfügung zu stellen, freien Lauf. So hat sie ihr eigenes Fahrzeug mitgebracht, da zu wenige geländegängige SUVs zur Verfügung stehen.
Savita Diana Wagner malt sich aus, welche Folgen ein Sieg von Putins über die Ukraine haben könnte und welche was das für Europa bedeuten könnte. Allerdings nicht in einer warmen Amtsstube fernab, sondern in Schmutz und Kälte, mitten drin im Geschehen.
Besonders berührend sind jene Worte vom 2. Jänner 2023, die sie bei einem kurzen Heimaturlaub niederschreibt und die ihre Mutter im Nachwort zitiert:
„In Deutschland an der Seitenlinie zu sitzen und zuzusehen, wie meine Leute in der Ukraine fertiggemacht werden, ist so unglaublich anstrengend... Ich bin wütend und fühle mich gleichzeitig irgendwie völlig leer....Ich möchte einfach nur durch diese Türe rennen, zurück auf die andere Seite, und wenn das bedeutet, dass ich dort in einem Meer von Blut ertrinken werde, dann ist es so.“
Ihre Mutter wird sie nicht mehr wiedersehen.
Noch am 20. Jänner 2024 schreibt sie, dass sie sich des Risikos bewusst ist, dass sie
„lieber aufrecht kämpfend für etwas, an das ich glaube, sterben, als die nächsten 50 Jahre nichts zu tun, ...“
Am 31. Jänner 2024 erfüllt sich ihr Schicksal. Combat Medic Savita Diana Wagner, die Deutsche in der Ukraine, wird beim Versuch zwei Verwundete zu bergen, tödlich verletzt. Als Angehörige der Ukrainischen Armee erhält sie ein Begräbnis mit allen militärischen Ehren auf dem Lukianivske-Friedhof in Kiew. Savita Diana Wagner gilt in der Ukraine als Heldin, weil sie Dutzenden verwundeten Soldatinnen und Soldaten durch ihren Einsatz das Leben gerettet hat.
Dieses Buch hat mich tief berührt. Es ist ein außergewöhnliches Zeugnis von Mut und Courage sowie eine Hommage an das ukrainische Volk, das sich gegen einen übermächtigen Aggressor stellt. Leider sieht es aktuell so aus, als ob Trump der Ukraine die Unterstützung durch die USA und die NATO entzieht, weil er sich in seinem eigenen verqueren Weltbild, das sich nur wenig von dem Putins unterscheidet, verschanzt und das, in der Ukraine dringend benötigte Material, in dem von ihm selbst angezettelten Krieg gegen den Iran verschleudert.
Zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos ergänzen und illustrieren sehr anschaulich sowohl die schonungslosen Texte als auch das Ausmaß der der Zerstörung. Gleichzeitig bieten private Fotos unvergleichliche Einblicke in das kurze, aber für Savita Diana Wagner erfüllende Leben an der Front.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem schonungslosen Fronttagebuch, das Savita Diana Wagners Mutter gemeinsam mit Karl Stenerud im Verlag Herder herausgegeben hat, und eine Liebeserklärung an eine Frau ist, die bewusst diesen Weg gewählt hat, 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung, auch wenn manche Stellen schwer zu ertragen sind.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Die frühe Frauenbewegung - fesselnd erzählt
Die Vorkämpferinnen von Bianca Walther
Historikerin und Autorin Bianca Walther lässt in diesem Buch die Vorkämpferinnen der ersten deutschen Frauenrechte aufmarschieren. Ja, ich wähle bewusst diese martialische Einleitung. Dann, dass deutsche Frauen ab Jänner 1919 erstmals wählen durften, ist ein langer, zermürbender Kampf. Österreich ist da ein bisschen schneller.
Zeitgleich mit der Ausrufung der Republik dürfen Frauen ab 12. November 1918 ihr aktives und passives Wahlrecht ausüben.
In fünf großen Abschnitten, die in zahlreiche Kapitel gegliedert sind, stellt uns Bianca Walther die Pionierinnen der frühen Frauenbewegung von 1848 bis 1919 vor:
Die enttäuschten Töchter der Revolution
Nach der Revolution: Eine Bewegung im Aufbau
Gründerzeit: Erfolge, Rückschläge und der Beginn einer Massenbewegung
Eine gesellschaftliche Kraft: Die Kämpfe werden vielfältiger
Krieg und Umbruch
Beginnend mit der Französin Olympe de Gouges (1748-1793), die für ihre Forderung nach Freiheit und Gleichheit für Frauen, hingerichtet worden ist, über Louise Otto-Peters (1819-1865), Helene Lange (1848-1930) sowie Minna Cauer (1841-1922)und Anita Augspurg (1857-1943) bis hin zu Clara Zetkin (1857-1933) - um nur einige zu nennen - spannt die Autorin den Bogen zu all jenen Frauen, die für ihre Rechte mehr oder weniger militant aufgetreten sind und mitunter auch auf die sprichwörtlichen Barrikaden gegangen sind.
Nicht immer agieren die unterschiedlichen Frauengruppen geschickt und ziehen selten an einem Strang. So bemerken einzelne bürgerliche Frauengruppen, die von Hauspersonal umgeben sind, dass das Engagement der Arbeiterinnen für die Vereinstätigkeit zu wünschen übrig lässt. Ja, eh! Nach einem 12-Stunden-Tag in der Fabrik, Care-Arbeit vor und nach der Erwerbsarbeit sowie Pflichten der Kindererziehung und Hausarbeit, der kaum Zeit zum Durchschnaufen lässt, ist es kaum möglich, zu einer der Versammlungen zu gehen. Zudem fragt zunächst keine der bürgerlichen Damen, was denn die Arbeiterinnen zu ihrer Entlastung bräuchten. Das Wahlrecht oder doch eher einen Acht-Stunden-Tag und Kinderbetreuung. Erst Arbeitervereine schaffen es, Arbeiterinnen zu mobilisieren.
Dieses Buch bringt uns diese ereignisreichen Jahrzehnte nahe. Es beleuchtet, welche Widerständen Frauen ausgesetzt sind, wenn sie keine (Versorgungs)Ehe eingehen wollen, dafür aber mehr als häkeln oder stricken lernen wollen. So ihnen Bildung und Berufstätigkeit verwehrt. Ausgenommen sind natürlich die Arbeiterinnen, deren Familien ohne das Zubrot, so gering es auch ausfällt, nicht überleben können. Für bürgerliche Töchter ziemt es sich nicht, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Lediglich eine Anstellung als Gouvernante ist bis zu ihrer Verehelichung opportun.
Jene Frauen, denen es gelingt, an einer der privaten Lehrerinnenakademien eine Ausbildung zu machen, dürfen zunächst nur Privatschulen für Mädchen unterrichten (ein einwandfreier Leumund und Lebenswandel vorausgesetzt). Als Lehrerinnen sind sie dem sogenannten Lehrerinnenzölibat unterworfen: Kaum ist ein Ehemann in Sicht, werden sie aus dem Schuldienst entlassen.
Wenn frau nun aus dem elterlichen Haushalt ausscheiden will (oder muss), bleibt nur das Zusammenleben mit einer anderer Frau, am besten einer Verwandten übrig. Anderes gilt recht schnell als unschicklich. Diese sexuelle Konnotation sagt im allgemeinen mehr über jene aus, die den Frauen unmoralisches Verhalten unterstellen. Mehrere der Vorkämpferinnen, die mit einer Frau zusammenleben, geraten in das Visier der Behörden. Weibliche Homosexualität steht in Deutschland in Gegensatz zu Österreich nicht unter Strafe.
Erst im Ersten Weltkrieg greift man(n) auf das Reservoir an weiblichen Arbeitskräften zurück, die nach Kriegsende sofort wieder den Männern Platz machen müssen.
Auch wenn die frühe Frauenbewegung zwischen 1848 - 1919 zahlreiche Erfolge erreicht hat und Wegbereiterin für weitere Errungenschaften gewesen ist, muss eines klar sein: Der Kampf ist noch lange nicht vorbei! Den Frauen weht, durch die aktuelle politische Lage in zahlreichen Ländern, die Frauen aus ihren mühsam erkämpften Positionen verdrängen will, ein rauer Wind entgegen.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser lebendig und mitreißend erzählte Geschichte der Frauenbewegung, die mehr als siebzig Jahre um politische Rechte und Freiheiten für Frauen gekämpft hat, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Wichtiges Thema gut erklärt
Queer. 100 Seiten von Norma Schneider
Ich mag die Reihe „100 Seiten“ aus dem Reclam Verlag sehr gerne, da zu komplexen Themen ohne viel Geschwurbel ziemlich punktgenaue Informationen geliefert werden.
Diesmal beschäftigen sich die „100 Seiten“ mit dem Begriff „QUEER“, der bei vielen Menschen wegen ihres Unwissens oder Halbwissens Ablehnung und Unverständnis hervorruft.
Norma Schneider, Journalistin und Autorin, bietet hier einen kompakten Überblick, was „queer“ eigentlich bedeutet. Sachlich, aber dennoch kurzweilig beleuchtet sie die Begriffe und gibt uns Leserinnen und Lesern Argumente, um so manche hitzige Diskussion wieder auf den Boden der Objektivität zurück zu holen.
Sehr angenehm finde ich das Cover, das in dunkelblau gehalten ist und auf Farben wie quietschpink oder violett verzichtet.
Das Buch eignet sich sehr gut als Einstieg in das doch komplexe Thema, weshalb ich es von mir 5 Sterne und eine Leseempfehlung erhält.











