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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Anja :

Suchtdruck

Im falschen Film von Wiebke Lorenz

Der nüchterne Roman VOLL IM FALSCHEN LEBEN von Wiebke Lorenz handelt von der Schauspielerin und Mutter Nora Stern, die drei Jahre trockene Alkoholikerin war – bis sie niedergeschlagen wird und in einem Partykeller mit viel Alkohol wieder aufwacht – und zurück in die Sucht verfällt.

Ein paar Tage später erwacht sie wieder im Stadtpark und ihr Leben hat sich um 180 Grad gedreht, denn die Sucht bestimmt wieder ihr Leben.

Wem kann sie jetzt noch trauen, wenn sie schon sich selbst kaum trauen kann? Menschen kommen und gehen und die Grenze zwischen Hilfsbereitschaft und Kopfschütteln ist fließend.

Das Buch war sehr intensiv, weil es aus der Sicht einer Alkoholikerin geschrieben ist. Man kann den Suchtdruck regelrecht spüren und die ständige Frage, wie man wieder dort herauskommt und vor allem, für wen oder was sich eine Abstinenz lohnt. Und kann man jedem trauen? Ein offenes Buch, dass durch seine humorvolle Art ein wenig von der Ernsthaftigkeit des Themas abfedert.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine klare Leseempfehlung!

Die Stunde der Frauen von Adèle Bréau

Menie Grégoire ist Radiomoderatorin in den 1960er-Jahren und ihrer Zeit weit voraus. Obwohl schon über 50 Jahre alt, wird sie mit ihrer Radiosendung in ganz Frankreich berühmt. Nicht immer zur Freude mancher erzkonservativen Kräfte. Was ist an Menies Sendung so besonders? In ihr kommen erstmals Frauen zu Wort.

Menie liest entweder Briefe mit den Alltagssorgen und Nöten der Frauen vor, oder telefoniert mit ihnen.

Grégoire gibt Ratschläge, versucht den Frauen Mut zu machen, sich nicht von Ehemännern oder Schwiegermüttern unterbuttern zu lassen und, nimmt ein wichtiges Thema in ihre Sendung auf: Sexuelle Aufklärung und Verhütung. Zu dieser Zeit sind Familien mit 10, 12 Kindern keine Seltenheit. Die Mütter rackern sich zu Tode, sind von den Schwangerschaften, die oft genug mit Fehlgeburten enden, total erschöpft und müssen dennoch Schläge und aufgezwungenen Sex ihrer Männer erdulden.

Wir Leser erfahren auch einiges über Menie Grégoire, die verheiratet ist und drei Töchter zur Welt gebracht hat. Eine ihrer Enkelinnen, die Journalistin Esther, wird Jahre später über Menies Geschichte stolpern. Bei der Durchsicht der Karteikarten, Briefe und Tonbänder erfährt sie viel über das Lebenswerk ihrer Großmutter. Zahlreiche Briefe weisen Esther den Weg aus ihren eigenen toxischen Beziehung.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem sehr interessanten Buch über die Gesellschaft in Frankreich in den 1960er-Jahren, das von Adèle Bréau hinreißend erzählt wird, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Hat mich leider nicht überzeugt

Trauma. 100 Seiten von Julia Tautz

In diesem Buch „Trauma“ aus der Reclam-Reihe „100 Seiten“ versucht Julia Tautz einen Über- bzw. Einblick zum Begriff „Trauma“ zu geben, der meines Erachtens aktuell inflationär gebraucht wird.

Deswegen vermisse ich (als Technikerin) eine Definition des Begriffs Trauma aus den verschiedenen Disziplinen.

So ist für einen Orthopäden ein Knochenbruch ein Trauma und für den Psychotherapeuten Ereignis aus der Vergangenheit, das die Psyche nachhaltig stört. Nicht jede noch so kleine Verletzung an Körper und Seele muss ein Trauma sein. Nicht jeder unerfüllte Wunsch eines (Klein)Kindes hinterlässt ein Trauma, auch wenn uns das Influencer und selbst ernannte Gurus weismachen wollen.

Zwei Faktoren, die mich dem Buch nicht so recht warm werden lassen, darf ich noch wie folgt anführen:

Erstens: Die Gliederung des Inhaltes finde ich nicht gut gelungen
Zweitens: Die Autorin ist selbst eine Betroffene

Zu Gute halten muss ich Autorin und Verlag, dass sie sich des Themas annehmen. Der Begriff „Trauma“ ist ein recht komplexer, weshalb diese 100 Seiten nur sehr rudimentär an der Oberfläche kratzen können. Und genau hier beißt sich meiner Meinung nach die Katze in den Schwanz: Zahlreiche selbst ernannte Ratgeber bemächtigen sich, ohne fundierte Ausbildung, dieses Themas, dass nun in aller Munde ist und für jegliche Befindlichkeit her halten muss.

Fazit:

Dieses Buch aus der bekannten Sachbuch-Reihe des Reclam-Verlages hat mich leider nicht ganz gepackt, daher kann ich nur 3 Sterne vergeben.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine klare Leseempfehlung!

Signora Verdi. Die Primadonna des Komponisten von Verena Maatman

Nach „Die rebellische Pianistin“, „Signorina Vivaldi“ und „Madame Mozart“ ist diese Romanbiografie die vierte (von Fünfen), die ich von Verena Maatman gelesen habe. Biografien von Komponisten und Musikern gibt es wie Sand am Meer, doch über die Frauen, die an ihrer Seite gestanden sind und ihre eigene Karriere geopfert haben, werden nur wenige Worte verloren.

Verena Maatman, selbst Geigerin und Mitglied eines Orchesters, gibt mit ihren Romanbiografien diesen Frauen buchstäblich ihre Stimmen zurück. Diesmal stellt sie uns die gefeierte italienische Sopranistin Giuseppina (Peppina) Strepponi (1815-1897) vor, die beinahe in Vergessenheit geraten ist.

Wie im 19. Jahrhundert üblich bewundert das Publikum die Opersängerin frenetisch, um sie gleichzeitig in die Kategorie Prostituierte einzuordnen, weil sie drei uneheliche Kinder zur Welt bringt, die sie zu Pflegeeltern bzw. ins Waisenhaus geben muss. Ob Operndirektor, Impresario oder Kollege - die Frauen in der Opern- und Theaterwelt werden quasi als „Freiwild“ betrachtet. Me Too ist also nicht Neues (siehe auch Artemisia Gentileschi, die Barockmalerin, die im 16. Jahrhundert einen Vergewaltigungsprozess gewonnen hat).

Um den Lebensunterhalt ihrer Kinder bzw. ihrer verwitwete Mutter und die Geschwister zu finanzieren, muss sie jahrelang sechs Mal in der Woche auftreten, was ihre Stimme ruiniert. Sie gibt Gesangsstunden und lernt den noch unbekannten Komponisten Giuseppe Verdi kennen. Sie kommen sich näher. Doch da Verdi verheiratet ist, ist die Beziehung wieder nur, wie man in Wien sagt, ein „schlampertes Verhältnis“. Dass die Strepponi einen gewichtigen Anteil an Verdis Erfolg hat, wird kaum anerkannt. Sie ist ihm Sekretärin, korrigiert seine Kompositionen, schreibt die Noten ab, übersetzt die Libretti und berät ihn bei den Vertragsverhandlungen mit Opernhäuser und Sängern.

Erst 1859 wird ihre Beziehung durch eine kirchliche Hochzeit legitimiert. Giuseppina Strepponi stirbt nach langer Krankheit hochbetagt. Giuseppe Verdi (1813-1901) wird sie nur um wenige Jahre überleben.

Wie in den anderen Romanbiografien hält sich Verena Maatman eng an die Fakten. Nur dort, wo es aus dramaturgischen Gründen notwendig ist, glättet sie historische Details. Wir erleben das (gesellschafts)politische Umfeld, das Italien zu dieser Zeit bewegt. Es ist ja das Jahrhundert der Revolution(en), die Europa abermals erschüttern und zur Gründung von Nationalstaaten führen werden. Verdi wird, ohne sein Zutun die Ikone des Kampfes gegen das Habsburgerreiches. Die Buchstaben seine Namens VERDI dienen als Kampfansage des Risorgimentos: Vittorio Emanuele Rei D’Italia - also, zur Loslösung vom Kaiserreich Österreich, was 1861, nach zahlreichen Kämpfen, zu einem eigenem Königreich Italien führen wird. Diese historischen Ereignisse webt Verena Maatman dezent als Hintergrund ein.

Einfühlsam sind die Gewissensbisse der Strepponi geschildert, weil sie ihre Kinder nicht selbst großziehen darf. Die Verachtung, die außerhalb der Familie arbeitenden Frauen entgegen gebracht wird, macht mich ziemlich wütend.

Fazit:

Giuseppina Strepponi bleibt vor allem als Lebensgefährtin und spätere Ehefrau Verdis in Erinnerung. Ihr eigenes Wirken und ihre Erfolge sind zunehmend in Vergessenheit geraten. Verena Maatman hat diese bemerkenswerte Frau mit dieser Romanbiografie wieder vor den Vorhang geholt. Dafür gebühren der Autorin und ihrem Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Winter im Aquitaine

Silberküste von Alexander Oetker

In seinem 11. Fall für Luc Verlain und sein Team entführt uns Alexander Oetker in das tief verschneite Aquitaine. Es ist wenige Tage vor Weihnachten als ein Spaziergänger bei seinem Rundgang mit dem Hund die Leiche der beliebten Gemeindekrankenschwester findet. Bei oberflächlicher Betrachtung der Toten sieht es so aus, als handle es sich um einen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht, wenn, wenn da nicht die Würgemale am Hals der Toten wären.

Recht schnell stoßen Luc und seine Kollegin Rose Schillinger nicht nur auf den gewalttätigen Ex-Ehemann sondern auch auf eine ungewöhnlich hohe Todesrate bei älteren Menschen, die augenscheinlich keine Verwandten mehr haben. Es scheint, als hätte das Opfer eine Entdeckung gemacht, die weite Kreise zieht. Als sich ein schwerwiegender Verdacht gegen mehrere honorige Personen erhärtet, greift Luc Verlain zu einer nicht ganz ungefährliche Maßnahme.

Während sie sich in diesen neuen Fall hineinknieen, muss sich Yacine, der im letzte Fall („Strandgut“) einen Verdächtigen erschossen hat, vor Gericht verantworten. Bei einer Verurteilung wegen ungerechtfertigten Schusswaffengebrauchs, droht ihm die Entlassung aus dem Polizeidienst und Gefängnis. Auch Luc, als Vorgesetzter und Augenzeuge, muss aussagen. Wie wird das Urteil ausfallen?

Meine Meinung:

Wie in den Vorgängern präsentiert uns Alexander Oetker Land und Leute des Aquitaine, diesmal aber tief verschneit, ohne Horden von Touristen, sondern zurückgeworfen auf sich selbst. So muss ein Hotel extra für Verlain und Schillinger die Winterruhe unterbrechen und der hektische Betrieb ist einer glitzernden Schneelandschaft gewichen. Natürlich dürfen, neben den durchaus unkonventionellen Ermittlungen, man will ja das kommende Weihnachtsfest in Ruhe feiern, ein paar Minuten des Innehaltens, um das silberfarben glänzende Meer zu betrachten, nicht fehlen.

Alexander Oetker spricht ein ernstes Thema an, das komplex und nicht nur in Frankreich zu finden ist: Die Landflucht und Überalterung der Gesellschaft sowie das Fehlen von Infrastruktur wie Geschäfte und medizinischer Versorgung. Zudem spricht der Autor die gesellschaftliche Veränderung an, die Polizisten immer wieder zu Feindbildern deklariert, wie Medien, die über ausufernde Polizeigewalt schreiben, ohne nähere Hintergründe des Einsatzes zu kennen.

Spannende Szenen wechseln sich mit Einblicken in das persönliche Leben der Protagonisten ab. Der Krimi liest flüssig und stimmig, auch wenn die aktuell herrschenden Temperaturen von jenseits der 30 Grad keine winterliche Stimmung aufkommen hat lassen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der uns in das winterliche Aquitaine entführt, 5 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Günter Neuwirth einmal anders

Des Winters helle Tage von Günter Neuwirth

Günter Neuwirth, dessen Krimi-Reihen rund um Bruno Zabini (Triest), Christina Keyserling (Steyr bzw. Steiermark) oder Wolfgang Hoffmann (Wien) ich mit großer Begeisterung verfolge, hat mit „Des Winters helle Tage“ eine neue Richtung in seinem Dasein als Schriftsteller eingeschlagen. Nicht allen Fans wird das gefallen.

Ich persönlich bin ziemlich überrascht, welche Ideen in Neuwirths Kopf stecken.

Worum geht’s also in diesem Roman?

Dieser Roman beginnt mit einem Prolog, in dem Carl Schreiner, Salzburger Salzburger Philosoph und Autor zahlreiche Bestseller just während einer Live-Übertragung von der Leipziger Buchmesse einen Herzinfarkt erleidet, den er gerade noch überlebt. Nach Wochen in der Intensivstation und der Rekonvaleszent scheint sein Wesen völlig verändert. Plötzlich sind ihm Ruhm, Anerkennung und Anzahl der verkauften Bücher nicht mehr wichtig.

Carls britische Frau Ashton, selbst als Übersetzerin renommiert, sorgt sich begreiflicherweise und rät ihm, ein paar Tage auf dem unbewohnten Bergbauernhof seiner Großeltern in Tamsweg auszuspannen. Obwohl sie bei ihrem Vorschlag mit Widerstand rechnet, ist Carl Feuer und Flamme, reist ab und beginnt den Bauernhof zu renovieren, lebt asketisch im Einklang mit der Natur, betrachtet sein Leben und die aktuelle Weltlage. Er schreibt seine Gedanken nieder, die ihn in die Vergangenheit und eine dystopische Zukunft abgleiten lassen.

Dann taucht eine ehrgeizige Person aus seiner Vergangenheit in Tamsweg auf, die ihr eigenes Süppchen kocht.

»Dieser Text soll niemals veröffentlicht werden. Ich will das wirklich nicht. Veronika, ich denke, du hast dir einen ganzen Nachmittag über ausführlich ein Bild von meiner neuen Lebensweise machen können. Ich will nicht mehr ins grelle Licht der Scheinwerfer treten müssen, ich habe diesen Ehrgeiz zum Glück hinter mir, ich werde die mir noch verbleibenden Jahre hier in der Stille der Berge verbringen. Ich bringe mich hier in Sicherheit vor einer wahnsinnig gewordenen Welt. Kannst du das verstehen?«

Der Roman endet mit einem Epilog, aus dem hervorgeht - nein, das verrate ich jetzt nicht.

Meine Meinung:

Dieses Buch von Günter Neuwirth ist so anders als seine Krimis und, wenn man sich darauf einlässt, sehr gut gelungen. Ich persönlich mag ja philosophische Betrachtungen und dystopische Gedanken nicht gar so gerne, trotzdem hat mir das Buch gefallen. In der Einsamkeit der Bergwelt lassen sich Imaginationen sehr gut darstellen, was durch das Auftreten von Carls Großvater Ignaz, der seit vielen Jahren tot ist, sehr gut gelungen ist.

Fazit:

Wie schon oben erwähnt, ein Roman auf den man sich einlassen muss. Gerne gebe ich diesem ungewöhnlichen Buch aus Günter Neuwirths Feder 4 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Fesselnd bis zur letzten Seite

Tatort Hafen - Der Tote von Lagerhaus F von Kästner & Kästner

Ganz Hamburg feiert mit abertausenden Touristen und prächtigen Shows, dem Barkassen-Ballett sowie der legendären Schiffsparade den mehrtägigen Hafengeburtstag. Da hat eigentlich niemand Zeit für einen schnöden Mordfall. Doch als unweit des Festgeländes, am alten Moldauhafen, in einem geparkten Oldtimer eine Leiche gefunden, müssen Tom Bedixen von der Wasserschutzpolizei und Jonna Jacobi vom LKA ausrücken, um zu ermitteln.

Die Überraschung ist groß, als sich herausstellt, dass der Tote der Privatermittler Rainer Francke ist, der im bislang ungeklärten Mord an Vanessa Berger arbeitet. Brisant ist auch, dass erstens der Oldtimer einem Mitglied der Hamburger Reederfamilie Blankenhagen gehört und zweitens in dem Auto winzige Blutspuren von Vanessa Berger zu finden sind.

Die Indizien zu den beiden Todesfällen deuten auf das Umfeld der Blankenhagen hin, was die obere Polizeihierarchie dazu veranlasst, den Ermittlern einen Maulkorb zu verpassen und größtmögliche Schonung der Reederfamilie zu befehlen.

Wer die Vorgänger kennt, ahnt schon, dass sich weder Tom Bendixen noch Jonna Jacobi davon abhalten lassen, penibel zu ermitteln. Zumal es den Anschein hat, dass die Kollegen bei den Ermittlungen im Mordfall Vanessa nicht ganz so gründlich vorgegangen sind, aus welchen Gründen auch immer.

Meine Meinung:

Angélique und Andreas Käster ist wieder ein spannender Einblick in die Tätigkeit der Wasserschutzpolizei gelungen. Vor allem vor dem Hintergrund des Hafengeburtstages, bei dem die Nerven aller Ordnungskräfte bis zum Zerreißen gespannt ist. Man weiß ja nie, auf welche dämliche Ideen Besucher kommen könnten. Das eine oder andere wird auch erwähnt. Sehr interessant ist der Funkverkehr zwischen den Polizisten der WSP zu lesen, die immer wieder Privatgespräche aus ihren dienstlichen Funkfrequenzen vertreiben müssen. Daneben erfahren wir auch einiges über Abläufe im Hafen, wenn z. B. der Verdacht besteht, dass auf einem Schiff eine ansteckende Krankheit ausgebrochen ist und das Schiff plötzlich die Quarantänefahne hissen muss. Interessant ist auch die Geschichte des Moldauhafens zu lesen, der im Rahmen des Versailler Vertrages von 1919 der damaligen Tschechoslowakei, ab 1929 als zollfreien (!) Zugang zum Meer dienen muss. Der auf 99 Jahre ausgelegte Pachtvertrag läuft demnächst aus. Die Stadt Hamburg hat mit den Flächen am Grasbrook bereits interessante Pläne.

Als erklärter Hamburg-Fan habe ich bei dieser Reihe immer das Gefühl des Heimkommens, was nicht nur an der Stadt selbst, sondern auch an dem Stammpersonal liegt. Daher gefällt es mir sehr, an den persönlichen Schicksalen der Protagonisten teilhaben zu können. Jede bzw. jeder hat so sein eigenes Päckchen zu tragen. Sei Daan, dessen Vater immer tiefer in der Demenz verschwindet, oder Tom, dessen Ehe mit Lisa sichtlich auf der Kippe steht, oder Charlotte, die im nächsten, dem 5. Fall, vermutlich eine größere Rolle spielen wird. Doch auch jene Charaktere, die wie Marvin, diesmal einen kleineren Auftritt haben, sind authentisch dargestellt und sehr gut herausgearbeitet. Und so manchem könnte in weiteren Fortsetzungen ein größeres Gewicht zugedacht sein. Mich würd’s freuen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der bis zur letzten Seite fesselt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.

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Rezensionen von HEYN Leserunde, Miriam Brandl:

Truth is the daughter of time

Alibi für einen König von Josephine Tey

Ein ganz besonderer Krimi, eigentlich ein „cold case“, den die Autorin bereits im Jahre 1951 veröffentlichte und der von der englischen Autorenvereinigung Crime Writers‘ Association zum besten Krimi überhaupt gewählt wurde.
Josephine Trey lässt Inspector Alan Grant vom Scotland Yard, der ans Krankenbett gefesselt ist, über Richard III (1452 - 1485) recherchieren.

War Richard III tatsächlich der grausame Mörder seiner Neffen, wie es Shakespeare darstellte? Oder verbreitete er nur fake news? Und welches Ziel verfolgte der Historiker Thomas More? Diente er der Wahrheit oder seinen eigenen Interessen?

Gemeinsam mit einem jungen Historiker, arbeitet sich Grant durch zahlreiche historische Dokumente und findet immer wieder Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass Richard II unschuldig des Doppelmordes und anderer Gräueltaten beschuldigt wurde. Die Wahrheit ist tatsächlich eine Tochter der Zeit!

Kein Krimi im üblichen Sinn, aber ein äußerst unterhaltsamer spannender und kluger Ausflug in die englische Geschichte. Mit zahlreichen Erkenntnissen über Geschichtsschreibung, Autoritäten und Vorurteile!
Lesenswert!

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Rezensionen von Kwinsu:

Leicht, sommerlich und informativ

Im Sommer der Wildbienen von Nina Mayen

Flora ist Autistin und tut sich unheimlich schwer mit Geräuschen jeglicher Art - und auch mit Menschen. Nachdem sie wieder einmal eine Panikattacke hatte, ihr das Familienleben Zuhause zu viel wird und sie keine Lust mehr an ihrem Studium in der Großstadt hat, beschließt sie, in das Haus ihrer verstorbenen Großmutter zu ziehen, das zwei Stunden entfernt in einem kleinen Dorf in der Eifel liegt.

Doch auch hier muss sie mit Menschen umgehen lernen. Nachdem ein Wildbienenschwarm sich in ihren Garten verirrt, kommt ihr August zu Hilfe, mit dem sie langsam ein Vertrauensverhältnis aufbaut. Auch andere Menschen treten in ihr Leben - vor allem Eden, für die sie bald schon mehr als freundschaftliche Gefühle hegt. Doch Flora steht sich selbst im Weg.

"Im Sommer der Wildbienen" ist ein unterhaltsamer und kurzweiliger Coming-of-Age-Roman, der den Lesenden einen besonderen Einblick in die Gedanken und Verhaltensweisen von Menschen mit Autismus gibt. Wir erfahren, was die Protagonistin Flora irritiert, womit sie schwer zurecht kommt und was sie benötigt, damit es ihr gut geht, auch wenn sie das selbst nicht immer so treffsicher weiß. Aber Flora wird nicht nur auf ihr Autismusspektrum reduziert, vor allem ist sie eine junge Erwachsene, die gerade selbstständig wird, sich behaupten muss, über ihre Grenzen geht und die Verliebtsein erlebt. Besonders schön sind die Begegnungen mit den Menschen im Dorf gezeichnet, die Flora allesamt offen gegenübertreten und viel Herzlichkeit ausstrahlen. Auch ihre Familie ist offen und will nur ihr Bestes, dagegen wehrt sich die Protagonistin aber manchmal auch recht übertrieben.

Ich habe abwechselnd das Buch gelesen und das Hörbuch gehört - weil mir aber die Stimme und Erzählweise der Sprecherin Vanessa Bolder so gut gefallen hat, hab ich mir im Anschluss das ganze Hörbuch noch einmal angehört. Es ist ein gelungener, ruhiger Sommerroman, der gut unterhält und aufgrund der manchmal recht pubertierenden Verhaltensweise der Protagonistin vor allem für Jugendliche gut geeignet ist. Auch wenn das Buch nicht sonderlich tiefgründig ist, war es für mich besonders hinsichtlich der Schilderungen über Autismus und kurzweiliger Infos über Wildbienen auch sehr lehrreich. Und wie die Dorfgemeinschaft dargestellt wird, berührt einfach das Herz!

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Rezensionen von CanYouSeeMe:

ein Mord kommt selten allein

Honey von Imani Thompson

„Honey“ von Imani Thompson hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Die Geschichte entwickelt von Beginn an einen starken Sog, der mich über weite Strecken gefesselt hat. Nur vereinzelt gab es für mich kleinere Längen, insgesamt empfand ich die Handlung jedoch als ausgesprochen packend und spannend.

Besonders interessant fand ich die Entwicklung der Protagonistin Yrsa. Sie ist definitiv keine klassische Sympathieträgerin – und gerade das macht sie als Figur so spannend. Trotzdem konnte ich als Leserin mit ihr mitfühlen und ihre Gedanken und Handlungen zumindest teilweise nachvollziehen. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verliert Yrsa die Kontrolle. Ihre Entwicklung wird zunehmend unberechenbarer und intensiver, wodurch sich auch die Spannung immer weiter zuspitzt. Was zunächst vielleicht noch nachvollziehbar erscheint, nimmt nach und nach immer erschreckendere Züge an.

Die Plotentwicklung hat mir dabei besonders gut gefallen. Die Geschichte steigert sich kontinuierlich und baut die Spannung immer weiter auf, bis sie schließlich in einem regelrechten Crescendo gipfelt. Gerade diese zunehmende Eskalation hat für mich einen großen Reiz der Geschichte ausgemacht.

Auch sprachlich konnte mich das Buch überzeugen. Der Schreibstil liest sich angenehm und flüssig, sodass ich schnell in der Geschichte vorankam und mich gut auf die Handlung einlassen konnte.

Insgesamt hat mich „Honey“ vor allem durch seine packende Handlung und die spannende Entwicklung seiner Protagonistin überzeugt. Eine Geschichte, die mich mit ihrem zunehmenden Sog und der immer stärker werdenden Eskalation lange bei der Stange halten konnte.

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