Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Pusteblümchen:
Über Herausforderungen und Menschlichkeit
Pina fällt aus von Vera Zischke
In ihrem neuen Roman schreibt die Autorin, die selbst Mutter eines autistischen Kindes ist über das Leben von Pina, eine Mutter, deren Sohn Leo Autist ist.
Leo ist zwanzig Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt. Pina kennt seine Welt, weiß was für Leo wichtig ist und worauf es ankommt. Sie ist sehr fürsorglich und inzwischen auch sehr erschöpft.
Der Alltag ist einfach anstrengend. Zu ihren Nachbarn Zola, Wojtek und Inge, haben sie und Leo keinen großen Kontakt. Lediglich Inge passt ab und zu auf Leo auf, wenn Pina für sie einkaufen geht. Genau während so eines Einkaufs bricht Pina zusammen und kommt mit einem Magendurchbruch ins Krankenhaus. Niemand weiß, was passiert und nach anfänglicher Konfusion, wachsen die Hausbewohner zu einer Gemeinschaft zusammen.
Die bunte Truppe, die so gar keine Gemeinsamkeiten hat, hat sich während des Lesens in mein Herz geschlichen. Es ist einfach schön zu lesen, wie aus einer Situation der Überforderung und aus der Not heraus ein menschliches Miteinander entsteht, mit dem allen geholfen ist. Es ist nicht immer einfach seine Komfortzone zu verlassen, aber es lohnt sich und sorgt hier für herzerwärmende Momente.
Rezensionen von yellowdog:
Einladung aus Pjöngjang
Freiwürfe mit einem Diktator von Tom Kummer
Tom Kummers letzte Bücher waren autofiktional. Dieser neue Roman ist da anders, dennoch auch sehr raffiniert.
Die Grundidee wirkt absurd. Ein Basketball-Trainer hat vor 30 Jahren den heutigen Diktator von Nordkorea, Kim Jong-un, trainiert. Damals war Kim Jong-un ein Junge, der ein paar Jahre in Bern lebte.
Das basiert offenbar auf Tatsachen.
Der Trainer fühlt sich heute schuldig, damals einen Jungen unterstützt zu haben,der dann ein Monster wurde. Jetzt bekommt er eine Einladung. Er fragt sich, soll er reisen und was dann tun.
Immer wieder erzählt er seiner sterbenden Mutter davon und von der Vergangenheit. So nimmt eine Mutter-Sohn-Beziehung einen wichtigen Aspekt im Buch ein.
Das Buch ist gut gemacht, auch wenn es mich nicht so berührt hatte, wie seine letzten beiden Bücher. Aber wirklich originelle Bücher sind selten, daher empfehle ich Freiwürfe mit einem Diktator.
Rezensionen von Daggy:
Wunderschöne Tierbilder
Lange Schlange stehen von Kathrin Schärer
Schon das Cover zeigt uns einiger der genial gezeichneten Tiere, die hintereinanderstehen und es geht auf jeder der folgenden Seiten so weiter. Und dann ist dort der Eisstand, vor dem sie Schlange stehen. Jedes einzelne der Abgebildeten schaue ich mir ganz in Ruhe an und es gibt so viel zu entdecken, so hat Frau Bär ihr Baby in einer Trage umgebunden.
Dann muss man das Buch hochkant stellen, denn die nächste Schlange steht im Freibad am Sprungturm und an der Rutsche. „(Sch)lange stehen vor dem Klo“ zeigt die nächste Seite und die Tiere stehen schon in Kurven vor dem Häuschen mit dem Herzchen. Frau Känguru lässt die Schüler vor dem Ausflug in einer Reihe anstehen. Und die Schlange an der Supermarkrkasse ist so lang, dass die Seiten ausklappen müssen. Oder sollte man die Schlange wechseln? Wer kennt das Problem nicht? Geburtstag, Jahrmarkt, Schoko-Laden folgen und dann ist da noch eine richtige Schlange. Oweh!!!
Wer kennt es nicht, das leidige Schlangestehen, es ist langweilig und kostet uns Nerven. Hier gibt es so viel zu sehen und zu entdecken, da sollten wir das Buch am besten mitnehmen und beim Schlange stehen anschauen. Die Texte sind ja nur ganz kurz und auch ohne sie kann man die Bilder anschauen.
Rezensionen von Daggy:
Streit und Versöhnung
Erde nervt! Und Mond haut ab von David Duff
Schon auf dem Cover sehen wir den Mond mit brummigen Gesicht und einem Rucksack auf langen Beinen davon stolzieren.
„Mond und Erde hatten Streit“ so beginnt der Text und beide wenden ich sauer voneinander ab. Keiner gibt nach und „der Mond hat die Nase voll.“ Er macht sich auf und trifft auf die Venus.
Sie ist heiß und hat eine „schädliche Atmosphäre.“ Da geht es weiter zum Merkur, der sich sehr schnell bewegt und so ist der Mond bald bei der Sonne angekommen und muss feststellen, dass so zu heiß ist. Mit einem traurigen und sehnsüchtigen Blick auf die Erde, ist das nächste Ziel der Mars. Beide Namen beginnen mit M, doch der Mars hat schon zwei Monde. Und der riesige Jupiter sogar 95!
Die Bilder sind sehr kindlich gezeichnet und die Himmelkörper haben bekleidet Beine und die Sonne trägt eine Sternensonnenbrille. Aber vielleicht kommen den Kindern die Planten gerade deshalb so vertraut vor und vielleicht können sie sich das Planetensystem so besser vorstellen und merken? Aber das Wichtigste ist natürlich, dass Erde und Mond sich am Ende wieder vertragen und den wichtigen Satz „Es tut mir leid“ aussprechen. Denn wäre es nicht schrecklich, wenn der Mond abhauen würde?
Rezensionen von Verena:
Erzählung auf Abstand
Grüne Welle von Esther Schüttpelz
Zu „Grüne Welle“ gibt es viele begeisterte Stimmen, aber ich habe ich damit leider eher schwergetan.
Die Ausgangssituation an sich ist aber schonmal sehr catchy: eine Frau fährt nachts nach einem Kinobesuch nach Hause, kommt durch eine Umleitung vom Weg ab, fährt aber immer weiter und weiter.
Als Leser:in ist man allein im Auto mit der namenlosen Protagonistin und ihrer Gedankenwelt. Ein vielversprechender Beginn. Wovon fährt sie davon? Wo will sie hin?
Sprachlich empfand ich die vielen langen Schachtelsätze eher bremsend als vertiefend. Mehr Sinn hätte diese Satzstruktur für ich ergeben, wenn der Text konsequent als Stream of Consciousness verfasst worden wäre. So war es mir stellenweise ein bisschen zu konstruiert und hat eher dazu beigetragen, die Distanz zum Text zu verstärken. (Ich fühle mich direkt ein bisschen mies das zu schreiben, weil ich selbst oft zu Schachtelsätzen neige.)
Inhaltlich geht es spannend los, aber dann plätschert der an sich sehr kurze Roman über weite Strecken vor sich hin. Man versteht früh, worauf es hinausläuft, was grundsätzlich nicht stört, aber auch hier half mir die Distanz zum Text nicht. Gerade weil ich parallel einen anderen Roman mit ähnlicher Thematik gelesen habe, der emotional deutlich zugänglicher erzählt war, fiel mir das hier besonders auf.
Etwas mehr Fahrt bringen dann allerdings die beiden jungen Anhalterinnen in die Geschichte, die die Protagonistin mitnimmt. Hier war ich zum ersten Mal die Distanz verloren, vielleicht auch, weil die Frau sich nicht mehr nur passiv treiben lassen kann (wenn natürlich das stete Weiterfahren auch schon eine aktive Entscheidung gegen das Nachhause Fahren ist).
Beim Ende bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich es deuten soll. Einerseits lässt es viel Raum für Interpretation, andererseits verstärkt es aber auch das Gefühl, nie so ganz in die Geschichte hineingefunden zu haben.
Rezensionen von Daggy:
Was ein Junge denkt, der nicht schlafen kann
Kant oder Was ist hinter dem Weltraum? von Jon Fosse
Der Autor Jon Fosse wurde 2023 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet und hier haben wir eine Bilderbuch für Grundschulkinder zum Vor- oder Selberlesen. Es hat großformatige wunderschöne Illustrationen, die die Geschichte hervorragend unterstützen.
Das Cover zeigt Kristoffer in seinem Bett und die Angst, die er vom Nachdenken bekommt, kannst du seinem Gesicht ansehen.
In der Hand hält er einen Comic, denn die liest Kristoffer am liebsten. Kristoffer ist 8 Jahre alt und in der dritte Klasse, da morgen wieder Schule ist, soll er bald schlafen. Aber Kristoffer denkt nach über den Weltraum und wie er wohl enden könnte. Das Nachdenken macht ihm Angst und er ruft einen Vater, der im Wohnzimmer liest. Er tröstet und streichelt Kristoffer und gemeinsam überlegen sie, was sein könnte. Der Vater erwähnt Kant und meint, dass Kristoffer später seine Bücher lesen können.
Ich konnte mich sehr gut in Kristoffer und seinen Überlegungen hineinversetzten und einem Kind in seinem Alter wird es ähnlich gehen. Ein sehr einfühlsam geschriebenes philosophisches Buch, verständlich schon für neugierige Grundschulkinder.
Lediglich der Satz „Wegen dem Weltraum“ tut mir ein wenig weh, schade, dass der Genitiv tot ist.
Rezensionen von Dragon:
Inspirierender Ratgeber voller wertvoller Impulse
Der Rikscha-Fahrer, der dir das Glück zeigt von Biyon Kattilathu
Rikscha-Fahrer Rahul nimmt in seinem gelben Tuk-Tuk-Taxi die verschiedensten Leute mit und schenkt jedem am Ende der Fahrt nicht nur einen materiellen Gegenstand aus seinem kleinen Koffer, sondern oft so viel mehr durch seine klugen Gespräche mit weisen Gedanken.
Die ganze Aufmachung des Buches entspricht dem oft gebrauchten Wort „Wohlfühlbuch“.
Und genau das ist es tatsächlich. Die fröhlichen, lebendigen Farben, die treffenden wundervollen Illustrationen, die Gestaltung und allem voran die Texte, die genau ins Herz treffen, geben einem von der ersten Seite bis zur letzten ein Gefühl der Ruhe, der Erkenntnis und des Verstandenwerdens.
Autor Biyon Kattilathu zeigt mit seinen kleinen Geschichten und Vergleichen treffend auf, was wir oft im Leben vergessen. Da tut es gut, daran erinnert zu werden, wie wertvoll und schön das Leben in unserer hektischen, neidischen und lauten Gesellschaft ist, in der man sich selbst manchmal im Wege steht. Kattilathu holt einen ganz sanft mit seiner Geschichten-Rikscha ab, lässt einen zur Ruhe kommen und einem wieder Dinge bewusstwerden, die man schon vergessen glaubte. Er gibt einem gute Ratschläge, um sein Leben schöner und erfüllter zu gestalten und tut dies mit doch ganz einfachen Mitteln. Ich habe beim Lesen gemerkt, wie viel Leidenschaft und Liebe in diesem Buch steckt. Rahul kann man einfach nur vom ersten Moment an gern haben, als er uns in seiner Rikscha begrüßt. Die Fahrt mit ihm durch seine Geschichten waren für mich oft Erkenntnis. Ohne beeinflussen oder ermahnen zu wollen, schenkt der Autor dem Lesenden Mut, Zuversicht, Glück und Dankbarkeit.
Dieser Ratgeber zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll kleine Veränderungen und neue Denkanstöße sein können. Mit seinen verständlichen Erklärungen und alltagstauglichen Tipps lädt er dazu ein, das Gelesene direkt umzusetzen. Ein rundum gelungener Begleiter, den ich allen empfehlen kann, die sich weiterentwickeln und neue Inspiration finden möchten.
Rezensionen von Daggy:
Gutenachgeschichten aus dem Wald
Herr Hütchen sagt Gute Nacht - Neue Einschlaf-Geschichten aus dem Wald von Katrin Pokahr
Mit seinem Leuchtpilz, eine Art biologische Taschenlampe leuchtet Herr Hütchen, eine Eichel, der Beine gewachsen sind, auf die schlafenden Tiere. Denn Her Hütchen ist dafür zuständig, dass die Tiere brav einschlafen.
Seine Stationen im Wald sind mit Zahlen gekennzeichnet und hinten im Buch sind Runde Zeichnungen, die ausgeschnitten in die Felder geklebt werden können.
Im ersten Teil wird uns das Eichelmännchen vorgestellt und im nächsten Abschnitt treffen wir auf seinen Freund den Kickklack einen Käfer mit Uhr auf dem Bauch, der Herrn Hütchen am Abend weckt, damit der seiner Arbeit nachgehen kann.
Im ersten Kapitel treffen die beiden im Wedelwald azf den Wolf, der einen Alptraum hatte und Herr Hütchen kann ihn davon überzeugen mutig zu sein und dann wandelt sich der Traum völlig und unser Wolf muss keine Angst mehr haben.
So lernen wir eine Menge Tiere kennen, die nicht einschlafen können oder wollen und unser kleines Eichelmännchen weiß immer Rat und hat eine Lösung parat. Neben dem vielen schönen Illustrationen, die so gemütlich aussehen ist jedes Kapitel sehr tröstlich und liebevoll geschrieben. Jeder wird sich wünschen, dass Herr Hütchen am Abend vorbeikäme und immer eine hilfreiche Idee mitbringt oder uns einfach in den Arm nimmt. Da macht es nichts, dass auch nachtaktive Tiere schlafen und die Größenverhältnisse nicht immer stimmen. Im Wedelwald ist da nicht so wichtig, Hauptsache am Ende sind auch die Kinder müde und die Vorlesenden können das Lesebändchen weiter hinten im Buch einklemmen.
Rezensionen von div:
Liebe und Mut
Der Gesang der See von Trude Teige
Liebe und Mut
Kristiane hat sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Sie hat mit sehr erfolgreichen Männern verhandelt und konnte einiges für sich und ihre Mitmenschen tun. Gedankt wurde es ihr nicht. Neid und Missgunst sind starker Gegner progressiver Menschen.
Die Protagonistin Kristiane ist mir sehr ans Herz gewachsen.
Ich konnte ihre Pläne und ihr Verhalten gut verstehen.
Ich bin sehr gespannt, wie es mit ihr und Lars weitergeht und ob es überhaupt weitergeht, denn Lars wurde schwer enttäuscht. Ich habe dieses Buch von Trude Teige sehr genossen und ich freue mich schon auf den nächsten Teil.
Rezensionen von yellowdog:
Porträt zweier Frauen
Sonnenspiel von Andrea Grill
Sonnenspiel ist ein sprachlich ansprechender Roman über zwei Frauen, der in Italien angesiedelt ist.
Im Mittelpunkt: Die Näherin und 3fache Mutter Loredana und die unabhängige Modejournalistin Stella, die halb Schweizerin, halb Amerikanerin ist. Sie sind sehr unterschiedlich, haben aber auch Gemeinsamkeiten.
Andrea Grill wird beiden Figuren gerecht und porträtiert sie glaubwürdig und ohne Kitsch. Man erfährt von ihren Leben.
Stella will über Loredana schreiben, das passt der überhaupt nicht.
Ungewöhnlich ist, dass Lordana schon früh im Roman genervt die Journalistin in die Speisekammer einsperrt. Das gibt dem Plot eine feine Spannungsnote.
Trotzdem verstehen die Frauen sich auf eine gewisse Weise. Es entsteht eine immer tiefer werdende Verbundenheit.
Die Erzählperspektiven wechseln zwischen ihnen, zum Teil zeitlich auch verschoben. Das ist geschickt gemacht, so kann die Geschichte in mehreren Ebenen erzählt werden.











