Kunden em pfehlungen
Rezensionen von stomic:
Amüsanter Cozy Crime
Mords-Schmäh von Monika Nebl
⭐⭐⭐⭐⭐ Wiener Schmäh trifft bayerisches Herz – Krimi-Minnie auf Bustour!
Mit „Mords-Schmäh" feiert Monika Nebl den zehnten Jubiläumsband ihrer beliebten Wasserburg-Krimi-Reihe – und was für einen! Für mich war es gleichzeitig der erste Fall mit Hobbydetektivin Minnie, und ich kann gleich vorwegnehmen: Man findet sich auch als Quereinsteiger wunderbar zurecht.
Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und verständlich, auch wenn man bei manchen familiären Verbindungen und Hintergrundgeschichten der Figuren das Gefühl hat, etwas zu verpassen – ein kleiner Ansporn, die Vorgängerbände nachzuholen, was ich auf jeden Fall machen werde!
Diesmal verlässt Minnie ihre geliebte Innstadt und besteigt gemeinsam mit ihrer Mutter Traudl einen Bus Richtung Wien. Was als gemütlicher Städteausflug beginnt, entpuppt sich schon bald als mörderisches Abenteuer: Ein Passagier verschwindet spurlos, dann taucht eine Leiche auf – und die Wiener Polizei hat so gar kein Interesse an Minnies detektivischem Einsatz.
Kein Problem: Daheim gründet sich flugs die SOKO „Leiche auf Reisen".
Was Monika Nebl in diesem Band so wunderbar gelingt, ist die perfekte Balance zwischen Spannung und Schmunzeln. Die Busreise-Atmosphäre mit all ihren skurrilen Mitreisenden, dem unvermeidlichen Fremdschämen und dem typischen Wiener Schmäh sorgt für wohlige Unterhaltung, während der Kriminalfall selbst erstaunlich vielschichtig und rätselhaft bleibt. Ich tappte bis zum Ende im Dunkeln – und genoss jede Seite dabei.
Minnie selbst ist eine Ermittlerin zum Liebhaben: empathisch, hartnäckig, manchmal etwas zu neugierig für ihr eigenes Wohl. Ihre Beziehung zu Mutter Traudl bringt herrlich komische Momente mit sich, und auch der Reiterhof-Subplot, der nebenbei wichtige Aspekte des Tierschutzes aufgreift, ist geschickt in die Handlung eingewoben.
Der Schreibstil ist flüssig, lebendig und auch für Nicht-Bayern bestens verständlich – wer trotzdem über ein bayerisches Wort stolpert, findet im Anhang ein liebevoll zusammengestelltes Glossar.
Obendrein gibt es noch eine Karte von Wasserburg und ein Rezept als Zugabe. So macht Lesen Spaß!
Für Fans von Cosy Crime und humorvollen Regionalkrimis à la Rita Falk ist „Mords-Schmäh" eine klare Leseempfehlung – egal ob man die Reihe von Anfang an kennt oder wie ich erst beim zehnten Band einsteigt. Ich für meinen Teil bin restlos begeistert und werde die Vorgängerbände definitiv noch nachlesen!
Rezensionen von PMelittaM:
Zu viel Action, zu wenig historischer Background
Im Auftrag der Fugger - Teufelsreigen von Peter Dempf
Augsburg 1505: Jakob Fugger hat Probleme, seine Warentransporte werden überfallen und ausgeraubt, seine Boten ermordet, und dann hat sich auch noch König Maximilian angekündigt, der auf dem Weg zum Reichstag in Köln in Augsburg Halt machen will, und sicher ein großes Fest sowie eine Geldspritze erwartet.
Der Roman ist ein Nachfolgeband. Ich kenne den Vorgänger nicht, hatte aber keine Probleme, mich zurechtzufinden, denn die Geschichte ist eigenständig, es kommen aber Charaktere vor, die schon im vorherigen Band handelten. Neben Jakob Fugger sind das vor allem Afra und Herwart, die offenbar schon dort ermittelten und jetzt von Fugger wieder eingesetzt werden, sie sollen herausfinden, wer ihm schaden möchte. Auch einen der möglichen Gegenspieler:innen ist bereits im vorherigen Band aufgetreten, und macht hier eine sehr undurchsichtige Figur.
Die Perspektiven liegen meistens entweder auf Fugger, Afra oder Herwart. Leider muss man sagen, dass mir die Charaktere nicht wirklich nahe gekommen sind, und dass ich ihre Handlungen oft nicht nachvollziehen konnte. Immer wieder wird unlogisch, naiv oder nicht vorausschauend gehandelt, man kommt kaum aus dem Kopfschütteln heraus. Nur Jakob Fugger wurde im Verlauf des Romans für mich greifbarer. Über die Fugger wusste ich schon einiges, was hilfreich war. Es gibt ein paar richtig gute Szenen mit Jakob Fugger, zum Beispiel, wenn er in Betrachtung einer Kreuzspinne, die ihr Nest baut und Beute fängt, sich mit dieser vergleicht, wenn er einen Adeligen in die Schranken weist, oder wenn er jungen Kaufleuten klar macht, wie wichtig er selbst für Augsburg ist. Hier kommt auch das Historische des Romans zum tragen, das dem Roman sonst oft fehlt.
Denn dieser baut vor allem auf Action, dauernd kommt jemand in Gefahr, dauernd muss jemand gerettet werden, es gibt Verfolgungsjagden und viele Tote. Ohne den Hund, den Afra und Herwart meistens mit sich führen, und der auf den Namen „Fugger“ hört, wären die beiden aufgeschmissen, denn dieser kommt in der Regel zur Rettung geeilt und hat zudem eine der besten Hundenasen der Welt. Zu oft regiert hier außerdem der Zufall.
Ich mag historische Romane, die mich in vergangene Zeiten führen und gut recherchiert sind. Über die Recherche will ich hier gar nicht meckern. Peter Dempf ist selbst Augsburger, er kennt die Stadt wahrscheinlich gut und hat schon einige Romane geschrieben, in denen sie oder auch die Fugger eine Rolle spielen. Ich mag es aber nicht so gerne, wenn die Historie Platz machen muss für Action, wenn ich das Gefühl habe, ich lese einen Actionthriller, der halt in vergangenen Zeiten spielt. Spannend darf es schon sein, aber hier wird die Action einfach übertrieben und viele Szenen ähneln sich. Dazu die Charaktere, deren Handeln auch eher der Spannung als der Logik gewidmet zu sein scheint, und der regierende Zufall, das enttäuscht mich doch sehr.
Die Auflösung kann man nachvollziehen, den Umgang damit allerdings nicht. Am Ende hat mich der Roman doch eher genervt als unterhalten.
Ich wollte eigentlich einen guten historischen Roman lesen, bekommen habe ich einen Actionthriller im historischen Gewand. Der historische Hintergrund bleibt mir hier zu sehr im Hintergrund. Die Charaktere kommen mir nicht nahe, sie handeln oft nicht nachvollziehbar und es gibt zu viel Zufall.
Rezensionen von nil_liest:
Eine Schriftstellerin zwischen Federkiel und Konventionen
Jane Austen von Janine Barchas
Graphic Novel-Vibe…
Literarisch, verspielt und inspirierend – eine Mischung aus kluger Biografie, charmanten Zeichnungen und einer Reise durch das Leben einer der berühmtesten Autorinnen der Literaturgeschichte.
Lies diese Graphic Novel, wenn…
du schon immer neugierig warst, wer die Frau hinter den Romanen wie Stolz und Vorurteil oder Emma wirklich war – oder wenn du eine zugängliche, visuelle Einführung in das Leben von Jane Austen suchst.
Die Graphic Novel ist gut in folgendem emotionalem Zustand…
wenn du Lust auf inspirierende Lebensgeschichten hast und dich von einer klugen, humorvollen Frau aus der Literaturgeschichte motivieren lassen möchtest.
Geeignet für Leser:innen, die…
Graphic Novels lieben, sich für Literaturgeschichte interessieren oder klassische Romane mögen, aber einmal einen neuen Zugang dazu ausprobieren möchten.
Die Graphic Novel ist
angenehm kompakt – genau richtig, um Austens Leben verständlich und spannend zu erzählen, ohne zu überfrachten.
Ein Satz zur/m Verfasser:in:
Die Literaturwissenschaftlerin Janine Barchas verbindet fundiertes Wissen über Austen mit einer lebendigen Erzählweise, während Isabel Greenberg das Ganze mit einem eigenständigen, detailreichen Illustrationsstil visuell zum Leben erweckt.
Spielt in diesem Land:
Vereinigtes Königreich (England)
Zu dieser Zeit:
Regency-Ära und frühes 19. Jahrhundert (ca. 1790–1817)
Typ Buch:
Graphic Novel
Genre:
biographische Graphic Novel
Sterne (X aus 5): 5 von 5
Rezensionen von stina23:
Neurodivergent und gut so!
Ich erzähle von meinen Beinen von Cornelia Travnicek
Der Alltag und vor allem der Schulalltag gestaltet sich für Valerie und auch für ihre Mutter Wally manchmal herausfordernd. Es wird angeregt die Zehnjährige testen zu lassen, wobei sich herausstellt, dass das Mädchen ADHS hat. Daraufhin stellen sich der Familie viele Fragen, wie zum Beispiel zur Gabe von Medikamenten.
Wally fällt einige Entscheidungen im Alleingang, kämpft für und mit ihrer Tochter. Doch auch in ihrem Leben, besonders in ihrem Inneren, gibt es viele Herausforderungen, die Konzentration und Organisation angehen. All das und noch einige unvorhergesehene Geschehnisse führen dazu, dass es zu der immer wieder in kurzen Absätzen angekündigten Katastrophe kommt.
In Rückblicken erzählt die Autorin mit Wally als Ich-Erzählerin, wie sich die Ereignisse aneinanderreihen, die zu ihrem Nervenzusammenbruch und der Überschwemmung führen.
Die dreiköpfige Familie lebt recht idyllisch in einem Haus am Land nahe einer größeren Stadt. Alles scheint gut zu laufen, doch Wally kosten viele Dinge des Alltags mehr Energie, wo sie doch andererseits nur so vor Ideen und Energie sprudelt. Ihrer Tochter Valerie geht es da ähnlich und bei ihr wird ADHS diagnostiziert. Die Leserschaft darf Wallys täglichen Überlegungen, ihrem Leben in einem kleinen Dorf, dem Anderssein, den vielzähligen Ideen, die auf Umsetzung warten und ihren Bemühungen alles schaffen zu müssen folgen.
Das Buch ist in kurzen Kapiteln und noch kürzeren Einschüben aus Zitaten, Gedanken oder vorausschauenden Erklärungen aufgebaut. Für mich war das interessant und spielgelt auch die Struktur, der ein neurodivergentes Gehirn folgen kann. Mich hat es überaus berührt, wie sehr ich mich in Wallys alltäglichen Abläufen, Gedanken und Problemen wiederfand. Einige Worte der Autorin drückten aus, was auch in mir schlummert, sich jedoch noch nicht bis zur Oberfläche durchgearbeitet hat und sie sprach mir damit oft aus dem Herzen. Die Themen Mental Load, Alltag mit Beruf und Familie, schulische Herausforderungen für Kind und Eltern, die sich von denen neurotypischer Familien sehr unterscheiden können und das fehlende Verständnis des Umfeldes fand ich sehr gut recherchiert (oder sind sie selbst erlebt, denn diesen Eindruck hatte ich oft wegen der präzisen Beschreibungen?). Dabei wohnt der Geschichte auch viel Humor inne, der das Buch zu einer schön und leicht zu lesenden Lektüre macht.
Danke für das verständnisvolle, tröstende, tiefgründige und humorige Buch!
Rezensionen von nishi93:
Cosy Crime
Die Rätsel meines Großvaters von Masateru Konishi
Die Rätsel meines Großvaters setzt die Geschichte von Kaede und ihrem Großvater Himonya-san fort.
Dabei fügen sich kleinere Rätsel und ordentliche Kriminalfälle wie spielerisch in die eigentliche Geschichte ein, die dem ganzen den Rahmen vorgibt.
Mit dabei sind wieder die bereits etablierten Charaktere, entsprechend werden sie nicht nochmal eingeführt.
Für neue Leser vielleicht etwas unpraktisch.
Die Rätsel und Fälle fand ich dieses Mal nicht ganz so tricky wie in Teil eins und das eine oder andere habe ich vorhergesehen.
Insgesamt ist es ein gemütliches Buch, dessen Formulierungen aufgrund der Übersetzung aus dem japanischen manchmal etwas anecken. Es ist eine entspannte Lektüre mit kurzen Unterkapiteln und eignet sich so auch für den klassischen Feierabendleser, der nicht ganz so viel Zeit hat. Das japanische Flair kommt immer wieder schön durch und versetzt einen in die passende Stimmung
Rezensionen von Fluxx:
Viel Atmosphäre, aber keine Spannung!
The House Witch 1 von Delemhach Emilie Nikota
Das Buch ist optisch ein wunderschöner Blickfang. Cover und Farbschnitt erzeugen eine gemütliche Stimmung, die ich auch beim Lesen wieder fand und die mir sehr gut gefallen hat.
Schon als ich die ersten Seiten gelesen hatte, befand ich mich komplett in dieser heimeligen Welt, was auch durch den anschaulichen Schreibstil gefördert wurde.
Durch die detailreichen Beschreibungen konnte ich mir die Szenerie des Schlosses, der Küche und der Menschen, die dort leben und arbeiten, sehr gut vorstellen.
Die Charaktere waren alle interessant und glaubwürdig dargestellt, wobei mir der Protagonist, Haushexe und Koch Finlay, mit seiner meist schroffen, aber geradlinigen Art am sympathischsten war. Seine manchmal beleidigenden Kommentare und amüsanten Wortgefechte waren treffsicher auf den Punkt und konnten mir oft ein Schmunzeln entlocken. Ebenso die witzigen Wortspielereien mit den anzüglichen Namen einiger Personen fand ich sehr erheiternd. Die gesamte Atmosphäre war meistens sehr warmherzig bis auf einige kurze Phasen, wenn die Menschen, die Fin am Herzen lagen, ungerecht oder gemein behandelt wurden. Da konnte er richtig ungemütlich werden! Erwähnen muss ich auch unbedingt das Kätzchen Kraken, was perfekt zu dieser Welt passte und von dem ich gerne noch mehr gelesen hätte.
Leider fehlte es mir bei der Handlung insgesamt an Spannung, obwohl es einige vielversprechende Ansätze dazu gab. Ein drohender Krieg, Spionage und ein wieder aufgetauchter, gewalttätiger Vater wären dafür der passende Stoff gewesen, aber stattdessen waren die strategischen Diskussionen nur langweilig und die Dialoge kreisten immer wieder um die gleichen Themen. Selbst die Liebesgeschichte, die mich zu Anfang noch begeistern konnte, empfand ich durch das ständige Hin und Her zum Schluss nur noch lächerlich und ermüdend.
Eine neugierig machende Wendung oder einen atemberaubenden Höhepunkt habe ich ebenfalls vermisst und daher lässt mich dieses Buch, was so vielversprechend begonnen hatte, etwas enttäuscht zurück. Trotzdem würde ich den Fortsetzungen eine Chance geben und sie gerne lesen, um herauszufinden, wie die noch offenen Handlungsstränge weitergeführt werden.
Rezensionen von Anjulia :
Liebe zwischen Yaks, Alpakas und Hundewelpen
Die Liebe trägt Gummistiefel - Lakeland Love von Alexandra Zöbeli
Tess ist beruflich eigentlich erfolgreich, bis eine Routineuntersuchung sie aus der Bahn wirft. Als ihr ein Kollege auf der Arbeit böse mitspielt, braucht sie eine Auszeit. Eine Wanderung auf dem Pennine Way soll ihr helfen, zu sich selbst zu finden. Stattdessen findet sie zunächst schlechtes Wetter und Blasen an den Füßen, sowie einen attraktiven Bergretter und ein ländliches Cottage.
Die Liebe trägt Gummistiefel von Alexandra Zöbeli ist der zweite Band einer Reihe, die sich um die Liebesgeschichte der sympathischen Familie Watts in englischen Cumbria dreht. Die Teile sind unabhängig voneinander lesbar. Das Buch hätte wirklich locker, leicht und humorvoll sein können wäre Krebs nicht immer wieder ein Thema gewesen. Tess läuft, ihrer Vergangenheit geschuldet, vor einer Untersuchung davon, glaubt, todkrank zu sein, und gibt daher einer Beziehung mit Gregg keine Chance. An manchen Stellen hätte ich ihr für ihr Verhalten am liebsten ordentlich den Kopf gewaschen. Trotzdem mochte ich Tess und Gregg und fand, dass die Chemie zwischen beiden gepasst hat. Auch Greggs Familie ist einfach toll. Der Schreibstil der Autorin holt mich, wie im ersten Band, schon nicht ganz ab. Er wirkt einfach an manchen Stellen zu wenig modern. Auch gab es inhaltlich zwei kleinere Fehler, die überarbeitet werden sollten. Insgesamt ein schöner, etwas vorhersehbarer, Liebesroman der ins wunderschöne, ländliche Cumbria entführt.
Rezensionen von Anjulia :
Fremdes Island
Moosland von Katrin Zipse
Elsa kommt im Sommer 1949 in Island an. Der isländische Bauernverband hat junge Frauen aus Deutschland angeworben, um dort mindestens ein Jahr als Landarbeiterinnen oder Haushaltshilfen zu arbeiten. Elsa findet sich nur schwer ein, ist sprachlos und kann die Erwartungen der Familie, die sie aufgenommen hat, kaum erfüllen.
Moosland von Katrin Zipse ist kein leichtes Buch. Man spürt die Sprachlosigkeit der Protagonistin, die schwer auf der Geschichte lastet. Nicht nur die fremde Sprache lässt Elsa verstummen, sondern auch das Kriegstrauma, das sie in sich trägt. Ihre Vergangenheit wird jedoch nur bruchstückhaft beleuchtet. Vielmehr konzentriert sich die Geschichte auf Elsas Gefühl, fremd zu sein. Einen Zugang zu den Figuren habe ich nicht gefunden, vermutlich, weil die Autorin stark auf das Stilmittel des Schweigens setzt. Dialoge sind selten, stattdessen erhält man tiefe Einblicke in Elsas Gedankenwelt. Die harte Arbeit der Familie wird eindrücklich geschildert und auch die Differenzen und Unzulänglichkeiten die Elsa fühlt. Gut gefallen haben mit die eindrücklichen Landschaftsbeschreibungen und der interessante historische Hintergrund, über Frauen die nach Island zogen um den Trümmern und der Armut der Nachkriegszeit in Deutschland zu entfliehen. Insgesamt verläuft die Handlung eher ruhig. Das Buch ist zwar interessant zu lesen, wirkt durch Elsas Perspektive aber stellenweise auch unangenehm. Es bleibt einfach zu viel ungesagt.
Rezensionen von gabiliest:
Diesseits und jenseits des Flusses
Der Fährmann von Regina Denk
Dieser Fluss, das ist die Salzach, die Österreich von Deutschland trennt.
Der die an ihrem Ufer liegenden Dörfer seit jeher durch ein Fähre verbindet, und durch Hannes, den Fährmann.
Diesen Fluss nimmt Regina Denk als Grundlage für ihren Roman, der in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg beginnt und das Leben von drei Kindern prägt.
Annemarie und Elisabeth, die gerne am Fluss spielen, ungeachtet seiner Gefahren. Hannes, den nur eine beherzte Hand aus den Fluten der Salzach rettet und der Gott gelobt, nie mehr Unrechtes zu tun. Eine Freundschaft entsteht, die auch der Fluss nie wird trennen können.
Annemarie ist Wirtstochter auf deutscher Seite, arbeitet bereits als Kind im Gasthaus der Eltern, lernt, dass man zu den Gästen immer freundlich zu sein hat. Lernt, dass man sich gegen sexuelle Übergriffe nicht wehrt, lernt, dass man willfährig ist. So auch dem Steiner Josef gegenüber, einem Großbauern aus Österreich. Den Elisabeth heiraten soll und der in der Ehe zu einem gewalttätigen Tyrann wird, seine Frau misshandelt, aber seine Geliebte Annemarie nicht aufgibt. Und auch zu ihr brutal ist, um seinen Willen zu bekommen.
Ein Hauptthema in Regina Denks ungewöhnlich dicht gewebter und mit großer Erzählkunst geschriebener Geschichte ist die Situation der Frauen am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Die, obwohl von den Männern geschunden, auch bei den eigenen Müttern keine Zuflucht finden. Ein paar Ohrfeigen, einige blaue Flecken, das müsse man in Kauf nehmen und dem Mann recht schön tun. Eine aussichtslose Zwangslage für Annemarie und Elisabeth, die immer wieder bei Hannes Zuflucht suchen. Hannes, der Elisabeth seit seiner Kindheit liebt und erkennt, dass seine Gefühle erwidert werden. Hannes, der keine Familie haben darf, da seine Arbeit so gefährlich ist. Annemarie, die sich wünscht, dass Hannes sie lieben würde.
Als der erste Weltkrieg ausbricht, gibt es Hoffnung für Elisabeth. Josef meldet sich zum Militär. Hoffnung, dass er nie zurückkommt, auf Befreiung von Gewalt und Misshandlung. Hoffnung, dass ihre Kinder nicht mehr unter dem brutalen Vater leiden müssen. Doch die Salzach, der Fluss, der noch nie vermocht hat, Elisabeth und Hannes zu trennen, holt sich einen von Elisabeths Söhnen und über die Salzach wird ihr schwer kriegsversehrter Mann zurückgebracht, dessen Wut und Raserei keine Grenzen mehr kennt. Als Hannes sein Gott gegebenes Versprechen bricht ist es die Salzach, die helfen wird, ein Geheimnis zu bewahren.
Regina Denk hat mit “Der Fährmann” einen Roman von großer Kraft und Tiefe geschaffen. Selten werden Brutalitäten explizit beschrieben, dennoch sind die Lesenden hineingezogen in das Geschehen, fühlen die Angst der Frauen, empfinden ihren Ekel und Abscheu, genau wissend, dieser unerträglichen Situation nicht entrinnen zu können. Diese Realitätsnähe, die klare Sprache und das Aufzeigen der Bruchlinien zwischen Lebenswunsch und Wirklichkeit machen den Roman zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis. Jedes Kapitel ist mit dem Namen der jeweiligen Hauptperson und ihrem Alter überschrieben, was die Einordnung des Geschehens erleichtert. Dazwischen gibt es Einschübe, das “Anderswo” wird beschrieben. Anderswo, das ist das, was der Fluss bewirken kann, der Wunsch, in diesem Wasser zu versinken, ihm die geheimsten Wünsche anzuvertrauen und sich wegtragen zu lassen in eine andere Zeit und eine andere Welt. Es ist der Fluss, dessen Kraft die Lesenden schon auf dem Buchumschlag von Regina Denks Roman erkennen und der, unbeeindruckt von den Schicksalen der Menschen, selbst zu ihrem Schicksal wird.
“Der Fährmann” ist ein wirkmächtiges Buch, dem man sich als Lesender nicht entziehen kann, das die Schicksale der Protagonisten mit dem Fluss verbindet, dessen Wasser ihn immer wieder zu einem anderen macht, und der doch immer wieder derselbe bleibt. Ich war von diesem außergewöhnlichen Roman sehr beeindruckt, dieses Buch sollte man gelesen haben.
Rezensionen von Alais:
Ein Buch, das verzaubert und beglückt
Die Rätsel meines Großvaters von Masateru Konishi
Dieser Roman, in dem ein liebenswerter, älterer und literaturverliebter Meisterdetektiv und seine Enkeltochter Kaede die Hauptfiguren darstellen, ist unterhaltsam und von einer freundlichen, optimistischen Grundhaltung geprägt. Dabei kämpfen die beiden Protagonisten in der Rahmenhandlung mit gleich zwei beängstigenden Themen – der Großvater mit seiner Demenz und Kaede mit einer Bedrohung aus ihrer Vergangenheit.
Trotz dieser bedrückenden, aber behutsam behandelten Themen liest sich der Roman leicht und er fasziniert durch die seltsamen Rätsel, die Kaedes Großvater zu lösen versucht. Diese rätselhaften Geschichten wirken teilweise so bizarr, dass ich mir anfangs gar nicht vorstellen konnte, dass sie, zumindest in dieser Romanwelt, wahr sein könnten. Doch der Großvater nähert sich ihnen mit Offenheit und überzeugender Logik, die dann doch noch einen (möglichen) Sinn finden – was mal wieder zeigt, dass nicht alles, was man nicht gleich versteht, deshalb auch gleich falsch bzw. unwahr ist. Aber der Roman handelt auch von Zusammenhalt, Freundschaft und Liebe, von Traumata und ihrer Überwindung. Und er konnte mich immer wieder überraschen und verzaubern.
An einigen Stellen wirkten auf mich allerdings die Dialoge seltsam gekünstelt, wobei ich vermute, dass dies an der mir leider nicht sehr vertrauten Kultur liegt. Dabei mochte ich an dem Roman gerade die Zartheit, respektvolle Annäherung an die Figuren und sanfte Poesie, die ich schon so oft bei japanischer Literatur gefunden habe. Und gerade, weil dieses Buch in mir die Lust weckte, noch tiefer in die japanische Kultur einzutauchen, hätte ich mich sehr über ein kleines Glossar gefreut, denn es gibt ein paar (zum Glück wenige) japanische Begriffe (sempai, dimsun …), für die ich mir eine Erklärung gewünscht hätte, ohne selbst auf Google zurückgreifen zu müssen. Auch eine Liste der erwähnten Bücher und Filme hätte ich im hinteren Teil des Buches hilfreich gefunden, da ich beim Lesen immer gleich weiterlesen und nicht pausieren wollte, um mir etwas zu notieren. Dafür freute ich mich über die wunderschöne Gestaltung des Farbschnitts und des Vorsatzes mit Pflanzenmotiven, die an Japan erinnern - und es war auch sehr schön, wenn auch überraschend, an die Filmwelt Alfred Hitchcocks erinnert zu werden, die auch eine kleine Rolle in diesem Roman spielt.
Für mich eine in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Lektüre, die ich daher sehr mochte!










