Kunden em pfehlungen
Rezensionen von stomic:
Eine aufwühlende Geschichte
Bipolaras Glassprünge von Julika Lee
Bipolaras Glassprünge von Julika Lee erzählt die Geschichte von Lara, einer Frau, deren Leben durch eine bipolare Störung immer mehr aus dem Gleichgewicht gerät. Anfangs wirkt ihr Alltag noch relativ normal: Sie ist verheiratet mit Matthias und hat Zukunftspläne. Doch schnell wird klar, dass diese scheinbare Stabilität brüchig ist.
Lara durchlebt starke Stimmungsschwankungen. In manischen Phasen ist sie überdreht, trifft unüberlegte Entscheidungen und entfernt sich zunehmend von der Realität. In den depressiven Phasen dagegen fühlt sie sich leer, verzweifelt und antriebslos. Diese extremen Wechsel zerstören nach und nach ihr Leben.
Besonders belastend ist dabei ihre Beziehung zu Matthias. Er unterstützt sie nicht wirklich, sondern trägt eher dazu bei, dass sie sich noch unsicherer und allein gelassen fühlt. Dadurch wird deutlich, wie wichtig ein verständnisvolles Umfeld wäre – und wie sehr es fehlt.
Als sich ihr Zustand zuspitzt, kommt Lara in eine psychiatrische Klinik. Dort erlebt sie die Situation oft als Zwang und Kontrollverlust, was ihre Lage zusätzlich verschärft. Sie muss sich nicht nur mit ihrer Krankheit auseinandersetzen, sondern auch mit dem Gefühl, keine Kontrolle mehr über ihr eigenes Leben zu haben.
Das Buch basiert auf einer wahren Begebenheit, was die Geschichte besonders intensiv und erschütternd macht. Meiner Meinung nach ist es eine sehr berührende und zugleich aufrüttelnde Erzählung. Sie zeigt eindringlich, wie wichtig es ist, Depressionen und bipolare Störungen ernst zu nehmen und offen darüber zu sprechen. Gerade weil solche Themen oft tabuisiert werden, ist dieses Buch ein wichtiger Beitrag, um mehr Verständnis zu schaffen.
Wenn die Vergangenheit keine Ruhe lässt
Die Stimmen der Nacht von Tochi Eze
Wenn die Vergangenheit keine Ruhe lässt
Lagos in den 1960ern: Nigeria hat gerade seine Unabhängigkeit errungen, und die Luft ist geschwängert von Aufbruch und neuen Möglichkeiten. In diese elektrisierende Atmosphäre hinein erzählt Tochi Eze die Geschichte von Margaret und Benjamin – zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und sich trotzdem finden.
Oder vielleicht gerade deswegen.
Was diesen Roman so besonders macht, ist seine Vielschichtigkeit. Eze erzählt nicht einfach eine Liebesgeschichte, sondern webt daraus etwas viel Komplexeres: eine Familiengeschichte über Schuld, Glaube und die Last von Geheimnissen, die sich über Generationen schleppen.
Margaret ist eine starke, faszinierende Figur – und gerade deshalb trifft es umso mehr, wenn man beobachtet, wie sie zunehmend ins Straucheln gerät.
Die Zeitsprünge verlangen durchaus Aufmerksamkeit. Man muss sich wirklich einlassen und konzentriert lesen – aber Eze macht es einem zum Glück leicht, denn jedes Kapitel gibt einem direkt zu Beginn den zeitlichen Anker.
Sobald man den Rhythmus des Buches verinnerlicht hat, fügt sich alles wie ein Puzzle zusammen, und genau das ist eines der großen Vergnügen dieses Romans.
Wer bereit ist, sich auf dieses erzählerische Muster einzulassen, wird mit einer Geschichte belohnt, die noch lange nachhallt. Ein beeindruckendes Debüt.
Ein kurzweiliger Roman über Freundschaft und Karma
Zweimal Karma und zurück von Christiane Köhn-Ladenburger
Stell dir vor, du reist nach Indien und lässt dir in einer Palmblattbibliothek dein Schicksal voraussagen – und die Prophezeiung gefällt dir gar nicht. Was tust du? Genau mit dieser Frage hat mich Christiane Köhn-Ladenburger von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen.
Die Protagonistinnen Anne und Cathy lernen sich in Indien kennen und besuchen gemeinsam die sagenumwobenen Palmblattbibliotheken – eine uralte indische Tradition, bei der das Schicksal einzelner Menschen auf Palmblättern aufgezeichnet sein soll.
Beide erhalten dort eine Prophezeiung, die ihr Leben auf den Kopf stellen könnte. Zurück in Deutschland gehen sie damit aber völlig unterschiedlich um – und bleiben sich dabei als Freundinnen trotzdem nah.
Genau dieses Nebeneinander zweier so verschiedener Charaktere macht den Roman so besonders. Man begleitet beide Frauen hautnah durch ihre Entscheidungen, zweifelt mit ihnen, fiebert mit – und fragt sich dabei ständig, was man selbst an ihrer Stelle tun würde.
Das Thema der Palmblattbibliotheken hat mich persönlich so fasziniert, dass ich nach der Lektüre sofort angefangen habe zu recherchieren und darüber nachgedacht habe, was wohl in meinem Palmblatt steht, doch will ich es wirklich wissen?
Dieser mystische indische Hintergrund gibt dem Roman eine ganz besondere Tiefe – ohne je schwer oder esoterisch zu wirken.
Christiane Köhn-Ladenburger schreibt locker, flüssig und mit viel Gefühl. Man gleitet durch die Seiten, ohne es zu merken. Ein Buch, das ich wirklich jeder Leserin empfehlen kann – absolute Leseempfehlung!
Amüsanter Cozy Crime
Mords-Schmäh von Monika Nebl
⭐⭐⭐⭐⭐ Wiener Schmäh trifft bayerisches Herz – Krimi-Minnie auf Bustour!
Mit „Mords-Schmäh" feiert Monika Nebl den zehnten Jubiläumsband ihrer beliebten Wasserburg-Krimi-Reihe – und was für einen! Für mich war es gleichzeitig der erste Fall mit Hobbydetektivin Minnie, und ich kann gleich vorwegnehmen: Man findet sich auch als Quereinsteiger wunderbar zurecht.
Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und verständlich, auch wenn man bei manchen familiären Verbindungen und Hintergrundgeschichten der Figuren das Gefühl hat, etwas zu verpassen – ein kleiner Ansporn, die Vorgängerbände nachzuholen, was ich auf jeden Fall machen werde!
Diesmal verlässt Minnie ihre geliebte Innstadt und besteigt gemeinsam mit ihrer Mutter Traudl einen Bus Richtung Wien. Was als gemütlicher Städteausflug beginnt, entpuppt sich schon bald als mörderisches Abenteuer: Ein Passagier verschwindet spurlos, dann taucht eine Leiche auf – und die Wiener Polizei hat so gar kein Interesse an Minnies detektivischem Einsatz.
Kein Problem: Daheim gründet sich flugs die SOKO „Leiche auf Reisen".
Was Monika Nebl in diesem Band so wunderbar gelingt, ist die perfekte Balance zwischen Spannung und Schmunzeln. Die Busreise-Atmosphäre mit all ihren skurrilen Mitreisenden, dem unvermeidlichen Fremdschämen und dem typischen Wiener Schmäh sorgt für wohlige Unterhaltung, während der Kriminalfall selbst erstaunlich vielschichtig und rätselhaft bleibt. Ich tappte bis zum Ende im Dunkeln – und genoss jede Seite dabei.
Minnie selbst ist eine Ermittlerin zum Liebhaben: empathisch, hartnäckig, manchmal etwas zu neugierig für ihr eigenes Wohl. Ihre Beziehung zu Mutter Traudl bringt herrlich komische Momente mit sich, und auch der Reiterhof-Subplot, der nebenbei wichtige Aspekte des Tierschutzes aufgreift, ist geschickt in die Handlung eingewoben.
Der Schreibstil ist flüssig, lebendig und auch für Nicht-Bayern bestens verständlich – wer trotzdem über ein bayerisches Wort stolpert, findet im Anhang ein liebevoll zusammengestelltes Glossar.
Obendrein gibt es noch eine Karte von Wasserburg und ein Rezept als Zugabe. So macht Lesen Spaß!
Für Fans von Cosy Crime und humorvollen Regionalkrimis à la Rita Falk ist „Mords-Schmäh" eine klare Leseempfehlung – egal ob man die Reihe von Anfang an kennt oder wie ich erst beim zehnten Band einsteigt. Ich für meinen Teil bin restlos begeistert und werde die Vorgängerbände definitiv noch nachlesen!
Ein lustiger Alpenkrimi
Alpenmord und Almgedudel von Tim Eckhaus
Die Wiener Familie Brunner fährt in den Tiroler Bergen in den Urlaub – doch statt Erholung wartet gleich zu Beginn eine Leiche auf sie. Was die Polizei als Wanderunfall abhakt, lässt den Brunners keine Ruhe, und so ermitteln sie kurzerhand selbst, unterstützt von der Pensionswirtin Mili. Dabei treffen sie auf einen ehrgeizigen Hotelier, einen kauzigen Bergbauern und jede Menge Geheimnisse.
Ein lustiges Buch, welches mir sehr viel Spaß bereitet hat, zumal es landschaftlich direkt vor meiner Haustür spielt. Als jemand, der die Tiroler Bergwelt kennt, hat es mir ein besonderes Vergnügen bereitet, die Gegenden und die typischen Eigenheiten der Menschen dort wiederzuerkennen.
Besonders gut gefallen haben mir die kleinen Spitzen bezüglich der Animositäten zwischen Tirolern und Wienern – die sind herrlich getroffen und sorgen immer wieder für ein Schmunzeln. Eine klare Leseempfehlung für alle, die einen kurzweiligen Regionalkrimi mit viel Witz und Lokalkolorit suchen!






