Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Marie aus E.:
Ein starker Kluftinger
Lückenbüßer,9 Audio-CD von Volker Klüpfel; Michael Kobr
Eigentlich wollte ich den neuen "Klufti" gar nicht mehr lesen, denn ich muss es zugeben: in den letzten Bänden ist er mir zunehmend auf die Nerven gegangen, ich fand ihn nur noch flach und Klufti war so überzeichnet und als lächerlich dargestellt, dass es mir keinen Spaß mehr mit ihm machte.
Aber wie das so ist, der Gewohnheitsdrang - und diesmal griff ich erstmalig zum Hörbuch.
Ich weiß nicht, ob es das ausgemacht hat oder ob der Kluftinger grundsätzlich zu seiner alten Stärke zurückgefunden hat. Wie auch immer, es hat mir großen Spaß gemacht.
Das Hörbuch mit dem gesprochenen Dialekt war einfach großartig eingesprochen, Für mich war es so viel lebendiger als wenn ich es gelesen hätte. Der Dialekt war auch gut verständlich, das war überhaupt kein Problem.
Die Story an sich beschäftigt sich neben dem Kriminalfall an sich auch mit Politik und Wahlen. Kluftinger kandidiert nämlich für den Gemeinderat. Ursprünglich nur, um seinem alten Widersacher eines auszuwischen, doch der Wahlkampf nimmt eine Eigendynamik auf.
Der Wahlkampfstrang war für mich sogar der Bedeutendere - und hier hat das Buch neben den vordergründigen Schenkelklopfer auch seine leisen Töne angeschlagen und ernste Themen gekonnt transportiert.
Für mich eines der stärksten Kluftinger-Bücher, ich bin wieder an Bord!
Rezensionen von nil_liest:
Nur Fragezeichen statt Kosmetik im Gesicht?
Glow up von Lela Ahlemann
Ich weiß ja nicht wie es euch ergeht, aber ich bin bei der schieren Fülle an Kosmetik die mir überall und gefühlt immer angeboten wird mehr als überfordert. Was muss sein? Was ist add on? Was ist in meinem Alter höchste Eisenbahn und was kann ich gleich lassen, weil es nur ein hohles Werbeversprechen ist?
Daher hat mich das Sachbuch Glow up gut abgeholt und wirklich mal gut informiert.
Spoiler-Alert: Ich habe das Buch recht kreuz und quer in einer unüblichen Manier gelesen, aber ich bin immer mal wieder an Fragestellungen hängen geblieben und wollte das dann gleich ergründen. Etwas die Frage ob LSF 50 immer besser ist als LSF 30! Dann habe ich mir den Index zunutze gemacht, denn hier konnte ich spezifisch nachschlagen und dann erkunden, wie etwa Alpha-Hydroxsäuren. Das ist super praktisch, wenn der Tiegel in der Hand allerlei Begriffe mit sich bringt.
Was aber viel entscheidender ist als alles gecreme der Welt: Schlaf, Bewegung und natürlich: Ernährung! Auch die Haut dankt es einem. Daher auch für diese Bereiche sind viele Hinweise enthalten, die der Haut zu Gute kommen.
Natürlich geht Dr. med. Lela Ahlemann auch auf problematische Hautverhältnisse ein, wie Rosazea, Akne & Co, aber nur in Maßen. Auch gibt es Tipps was zu Hause alles machbar ist mit Hintergrund, wie Microneedling….muss man mögen und was ein Kosmetikstudio Gutes tun kann oder auch die hautärztliche Versorgung.
Fazit: Wer sich mit seiner Haut mehr beschäftigen will und den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, ist mit dieser Lektüre gut beraten, denn hier schreibt eine erfahrene Dermatologin, die mit uns ihr Wissen teilt!
Rezensionen von Miro:
Familiendrama
Die Wortlosen von Marion Haass-Pennings
Moon ist der Indianername von Sonja. Sie hat ihn von ihrem Bruder Uli bekommen und mit einer Mutprobe verdient. Fast wäre sie dabei ertrunken. Ein Schicksal, das Uli wenige Jahre später ereilt. Er ist erst 11 Jahre alt und es ist unklar, warum er in den Fluss gegangen ist.
Die Familie wird diese Wunde nie verarbeiten.
Die Eltern ziehen mit Moon aufs Land und versuchen neu anzufangen. Doch das gelingt nicht wirklich. Die Mutter ertränkt ihrem Kummer in Alkohol und der Vater sucht sein Glück bei anderen Frauen. Nur für Moon scheint sich langsam alles zu bessern. Sie findet eine Freundin im Nachbarskind und es entwickelt sich ein starkes Band zwischen den beiden Mädchen, dass ganz einiges aushält.
Als Teenager beginnt Moon sich wieder stärker an ihrem Bruder zu erinnern und fängt an nachzuforschen, was damals wirklich geschah. Immer wieder durchlebt sie problematische Flashbacks und die Realität beginnt immer stärker in Visionen abzugleiten. Gegenwart und Vergangenheit verwischen mit den aufkommenden Erinnerungen immer mehr. Das ist für uns Leser*innen nicht immer einfach. Moon wird zu einer unzuverlässigen Erzählerin ihrer eigenen Geschichte und es wird immer schwerer zu erkennen, was wahr ist und was der Fantasie entsprungen. Klar ist von Anfang an, dass in dieser Familie etwas gröber im Argen liegt. Immer wieder gibt es Andeutungen und es gilt Schlimmes zu vermuten. Leider bleibt es auch bei Andeutungen.
Es liegt mir fern, mir in der Literatur detaillierte Beschreibungen des Grauens zu wünschen. Doch wenn es zu wage bleibt, ist es schwierig, die Auswirkungen dem Auslöser zuzuordnen. Für mich fühlt sich das hier etwas ambivalent an. Hier hätte die Autorin etwas konkreter werden können. Für meinen Geschmack hängt hier zu viel in der Luft.
Auch den Titel finde ich nicht optimal gewählt, denn wenn man dann das Ende kennt, weiß man, warum in der Familie nicht über das Unglück gesprochen wurde. Außerdem schafft es Moon ganz gut, mit ihrer Freundin über ihre Probleme zu reden. Meiner Meinung nach ist nicht die Wortlosigkeit in Familien Thema des Romans, sondern Schuld und Sühne.
Eine abschließende Bewertung fällt mir hier besonders schwer. Nach langem Nachdenken über das Gelesene habe ich mich für 3,5 Sterne entschieden, die hier zu 4 aufgerundet werden. Eine Empfehlung gebe ich nur an jene Leser*innen, die mit offenen Enden gut leben können.
Rezensionen von clematis:
Himmelfahrtskommando
Kohle, Stahl und Mord: Das 13. Opfer von Martin Conrath
In einer Essener Bergbauzeche werden zwölf Skelette gefunden, welche mit einem Unglück 34 Jahre zuvor in Zusammenhang stehen. Aber halt, da ist ja noch ein dreizehnter Schädel - mit einem Einschussloch an der Stirn. Ein Unfall auf Sohle sieben und ein Mord? Kommissarin Elin Akay und forensische Psychiaterin Jana Fäller stehen vor einem komplexen Fall und vor scheinbar kaum überwindbaren Hürden.
Martin Conrath erschafft in diesem Kriminalroman eine perfekte Atmosphäre aus der Welt des Bergbaus und bringt mit Elin und Jana zwei sympathische und überaus tatkräftige Frauen ins Spiel der Ermittlungen. Interessante Details zu Kohle und Stahl und einem Berg, der stets das sprichwörtliche letzte Wort hat, fließen gekonnt in die gut durchdachte Handlung mit ein, abwechselnde Schauplätze und Rückblenden in die Vergangenheit sorgen für Kurzweil und Neugierde auf das Voranschreiten der Polizeiarbeit. Neben den sorgfältig gezeichneten Charakteren und einer Kulisse mit etlichen weiteren realistischen Themen (Leben einer Bergarbeiterfamilie, Finanzbetrug, politische Intrigen) trägt auch Conraths lebendiger Schreibstil dazu bei, dass der Leser vom Sog der Geschichte gefangen genommen wird und gefesselt dranbleibt bis zum logisch aufgeklärten Ende.
Das dreizehnte Opfer ist der Beginn der Serie „Kohle, Stahl und Mord“, welche noch viel Spannung, gepaart mit guter Unterhaltung verspricht. Ich jedenfalls hatte großen Spaß beim Lesen und empfehle dieses Buch daher sehr gern weiter.
Rezensionen von nil_liest:
Nicht ihr bestes Buch
Vielleicht hat das Leben Besseres vor von Anne Gesthuysen
Manchmal greift man zu einem Buch in der Hoffnung, alte Bekannte wiederzutreffen – genau dieses Gefühl hatte ich bei Anne Gesthuysens neuem Roman Vielleicht hat das Leben Besseres vor. Doch obwohl mir der typische rheinische Humor der Autorin vertraut ist und ich die Dorfidylle wiedererkennen konnte, ließ mich die Geschichte diesmal etwas enttäuscht zurück.
Die Charaktere wirkten häufig stereotyp, und das Lokalkolorit des Niederrheins wurde eher schematisch und wenig überraschend dargestellt. Insgesamt wirkte die Handlung auf mich vorhersehbar und zu schablonenhaft, um wirklich fesselnd zu sein.
Zwar schätze ich den leichten, humorvollen Schreibstil der Autorin sowie ihre Fähigkeit, ernste Themen mit einer gewissen Leichtigkeit zu erzählen. Dennoch konnte dies für mich die Schwächen der Handlung nicht ausgleichen. Besonders störte mich, dass zu viele Zufälle und Unglücke auf eine einzige Person konzentriert wurden, was die Glaubwürdigkeit beeinträchtigte.
Positiv hervorzuheben ist jedoch, wie lebendig Anne Gesthuysen die Dorfgemeinschaft mit ihren typischen Klatsch- und Tratschgeschichten einfängt. Ihr rheinischer Humor und die detailreiche Schilderung der dörflichen Idylle sind auch in diesem Buch wieder präsent und machen es dann doch zu einer unterhaltsamen Lektüre – gerade für ein gemütliches Wochenende. Wer den Vorgängerband Wir sind schließlich wer gelesen hat, wird die vertraute Atmosphäre sofort wiedererkennen. Aber auch ohne Vorkenntnisse ist der Roman problemlos lesbar.
Trotz meiner Kritik hat das Buch einen gewissen Charme, der vor allem durch Gesthuysens Erzählstil getragen wird. Insgesamt gebe ich dem Roman drei von fünf Sternen: unterhaltsam, aber leider zu klischeehaft und stellenweise unglaubwürdig, um wirklich zu begeistern.
Rezensionen von Sheilo:
Ein wirklich tolles Buch
Was? Chemnitz?! von Stefan Tschök
"Was? Chemnitz?!" war auch meine erste Reaktion, als ich davon hörte, dass Chemnitz unsere europäische Kulturhauptstadt werden soll, daher finde ich den Titel des Buches wirklich sehr perfekt. Ich selbst bin in Chemnitz geboren und bin auch bis heute durch meine Familie mit der Stadt verbunden.
Dieses Buch ist eine wirkliche gelungene Zusammenstellung verschiedenster Fakten rund um das Thema Kulturhauptstadt Chemnitz mit ein klein wenig Kritik hier und da zwischen den Zeilen und einer wirklich großen Prise Humor. Ich habe beim Lesen sehr viel geschmunzelt und muss sagen, dass es dem Autor perfekt gelungen ist, auch für Fremde ein realistisches Bild von Chemnitz zu zaubern. Durch den flüssigen und amüsanten Schreibstil fliegt man quasi durch die Kapitel des Buches und es wird wirklich nie langweilig beim Lesen.
Von der Apfelbaumparade bis zur Zentralhaltestelle gibt es dabei für jeden Buchstaben ein Kapitel, auf dem ein bestimmtes Thema auf einer Doppelseite erläutert wird. Somit bleibt es kurz und knapp und man verliert sich nicht in einer Fülle von Informationen.
Ich selbst kann dieses Buch wirklich sehr empfehlen, auch allen, die Chemnitz bereits kennen. Vielleicht sehen wir so unsere "Stadt der Moderne" noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Miriam Brandl:
Die große Freiheit... oder doch nicht?
Nincshof von Johanna Sebauer
In dem kleinen burgenländischen Dorf Nincshof ( = Keindorf) versuchen Anhänger des Oblivismus, ihre Ideen in die Tat umsetzen. Der Begriff Oblivismus geht auf das lateinische oblivisci zurück und bedeutet soviel wie „vergessen“ bzw „nicht beachten“. Oblivisten finden, dass dieses Vergessen-werden der Königsweg in die Freiheit ist.
Und ich gestehe, dass ich hin und wieder tatsächlich viel übrig habe für den Wunsch, der Welt abhanden zu kommen.
Johanna Sebauer spinnt in ihrem Debütroman diesen Gedanken auf äußerst charmante Weise weiter: ist es möglich, ein kleines Dorf von allen Landkarten verschwinden zu lassen? Jedes Wissen darum auszulöschen?
Die Autorin lässt ihre Protagonisten diese Ziele beharrlich verfolgen – und so machen nächtliche (nur halb legale) Plantschereien in fremden Pools eine ältere Dame zu einer unfreiwilligen Untergrundkämpferin und trächtige Irrziegen zu Saboteuren. Neugierig? Der Ausflug ins burgenländische Schilf lohnt sich!
Dieser Roman ist eine gelungene Kombination aus skurrilen, aber durchaus liebenswerten Charakteren und zum Teil absurden, witzigen Situationen. Sebauers Stil vereint Märchenhaftes mit Gesellschaftskritik und ihre Sprache ist gleichzeitig realistisch und phantastisch.
Diese ganz besondere Mischung garantiert originell-vergnügliche Lesestunden!
Rezensionen von atlaentis:
Streit mit Worten lösen
Streit! Und nun? Das artgerecht-Bilderbuch von Nicola Schmidt von Nicola Schmidt
Das Bilderbuch spricht mich rein optisch schon einmal total an, da die Tiere sehr liebevoll gestaltet wurden, auch wenn das Reh für mich im ersten Moment eher wie ein Wildschwein aussah, da die Proportionen, insbesondere die Länge der Beine, gar nicht passt. Daran gewöhnt man sicher aber schnell, sodass die detailreichen Bilder gerne betrachtet werden.
Auch die kleinen Suchrätsel am Ende des Buches waren eine nette Überraschung, die das Thema ein wenig auflockerten. Grundsätzlich fokussiert sich die Geschichte auf das, was im Titel versprochen wird, wobei die Streitsituation nicht künstlich provoziert wirkt, sondern genau so aus dem Alltag gegriffen sein könnte. Ebendas macht es einfach, sich in die Lage der Tiere hineinzuversetzen. Besonders schön finde ich, dass das Buch von Anfang an Wert darauflegt, dass ein Streit mit Worten zu lösen ist, was unter Kindern absolut nicht selbstverständlich ist. Die Fragen der Erwachsenen regen zum Nachdenken an, auch wenn ich hier einen kleinen Kritikpunkt benennen muss, da die Antworten der Tierkinder utopisch sind und in der Realität wohl weniger zu erwarten sind. Vor allem der Perspektivwechsel, also wie sich der Gegenüber wohl fühlen mag, fällt den Kindern in jungen Jahren noch sehr schwer, weshalb diese Frage eher weniger zielführend ist. Die anderen Fragen kann man dennoch gut einsetzen, um Kinder über die Situation und ihr Handeln nachdenken zu lassen, damit eine gewaltfreie Lösung gefunden werden kann, die nicht nur sie selbst zufrieden stellt. Insgesamt ist das Bilderbuch eine tolle Starthilfe, um mit Kindern den Umgang mit Streit zu thematisieren, auch wenn man bei so manch einer vorgestellten Frage nicht unbedingt die Antwort wie im Buch erwarten sollte.
Rezensionen von manu63:
Kann man den Pakt lösen
Das Erbe der Macht - Band 38: Ein Hauch von Anbeginn von Andreas Suchanek
Band 38 der Reihe Das Erbe der Macht geschrieben vom Autor Andreas Suchanek trägt den Titel Ein Hauch von Anbeginn.
Es wird immer noch nach einem Mittel gesucht den Pakt den Merlin über seine Jünger geworfen hat zu lösen. Dabei stoßen die Hauptcharaktere der Reihe nach auf immer neue Rätsel und knoten lose Fäden aus den Vorbänden zusammen.
Der Schreibstil ist flüssig und die Geschichte liest sich spannend und die einzelnen Highlights reihen sich gut aneinander. Ereignisse aus der Vergangenheit werden gut in die Geschichte integriert und manches erscheint in einem neuen Licht.
Auf jeden Fall merke ich beim Lesen das sich die Geschichte dem großen Finale annähert das ich mit Neugierde erwarte. Die Reihe hat auch nach fast 40 Bänden nichts an Reiz verloren und spendet mir weiterhin unterhaltsame Lesestunden.
Rezensionen von nessabo:
Eine Geschichte über Care Arbeit, Ausbeutung und menschliches Brückenschlagen
Unter Dojczen von Mia Raben
Mia Raben hat hier ein vielschichtiges und unterhaltsames Debüt geschrieben, welches sich ganz besonders mit der Ausbeutung polnischer Arbeiterinnen in der Pflege beschäftigt.
Jola reist zum wiederholten Male nach Deutschland, um dort nun für die wohlhabende Seniorin Uschi zu arbeiten. Da ihre Tätigkeiten so vielfältig sind und sich in kein Berufsfeld so richtig einordnen lassen, bezeichnet sie sich selbst als Betreuerin.
Und als eine solche hat sie, ebenfalls in Deutschland, eine so traumatische Erfahrung gemacht, dass sie vorübergehend arbeitsunfähig war. Dies brachte sie in eine schwierige Situation mit ihrer Tochter Magda, zu der sie seither keinen Kontakt hat.
Die Autorin möchte ganz klar Einblicke geben in die Welt der vor allem osteuropäischen „betrojerinki“ und das gelingt ihr eindrücklich. Lesende lernen etwas über erpresserische Agenturen, die sich an den Pflegerinnen bereichern. Und über wohlhabende Deutsche, die bei fehlenden Arbeitsverträgen nur zu gern wegschauen. Dabei schafft Mia Raben es jedoch, Uschi nicht zu einer eindimensionalen Ausbeuterin werden zu lassen und gibt ihr stattdessen eine lange nur angedeutete, gewichtige Vergangenheit.
Getragen wird die Geschichte vor allem von einer sehr authentischen Jola, die sich selbst zu behaupten weiß und im Laufe der Handlung trotzdem noch weiter wächst. Sie ist gleichermaßen sanft wie stark und ich wünsche mir deutlich mehr Wertschätzung (und Geld) für genau diese Menschen in der Pflege. Sprachlich ist die Protagonistin so echt, dass sie beim Lesen nahezu neben mir saß. Ganz besonders die polnischen Einsprengsel haben mich begeistert, weil sie so natürlich daherkommen und stets ohne Übersetzung verständlich waren.
Ich mochte Jola und Uschi sehr gern, da beide Figuren ihre Makel haben und in Konflikte geraten, sich dabei jedoch stets mit einem Grundmaß an Respekt begegnen. Durch Uschis Öffnen und Jolas Selbstbehauptung kann die Beziehung der beiden wachsen. Ich hätte jedoch gern einen viel größeren Fokus auf diese Dynamik gehabt, zumal laut Klappentext auch jene besondere Freundschaft im Zentrum stehen sollte. Im letzten Drittel driftet mir die Handlung leider zu sehr ab. Jola besucht da nämlich ihre Tochter Magda, doch die konnte ich emotional gar nicht fassen, weshalb ich die Geschichte an diesen Stellen etwas banal fand. Und auch die Enthüllung von Uschis Geheimnis kam mir am Ende zu plötzlich, obwohl es in meinen Augen ein doch nicht unwichtiges Element ist und der Figur weitere Tiefe gegeben hätte.
Grundlegend ein unterhaltsam-ernster Roman rund um Care Arbeit und die Ausbeutungsstrukturen darin, der mit einer äußerst sympathischen Protagonistin überzeugt. Die Freundinnenschaft hätte ich gern noch ausführlicher genossen, denn die Beziehung ist auf eine gute Art besonders. Trotz kleiner Schwächen am Ende habe ich „Unter Dojczen“ sehr gern gelesen.
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CN: physischer und psychischer Missbrauch in Anstellungsverhältnissen, Obdachlosigkeit











