Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Katharina Grassmugg:
Ein sher interessantes Buch
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman
Jaqueline Harpman hat hier einen dystopischen Romam abgeliefert der sich gewaschen hat.
Vierzig Frauen die in einem unterirdischen Käfig ihr dasein fristen... sie werden bewacht und kontrolliert doch sie kennen alle die Welt wie sie früher war. Alle .. abgesehen von der Protagonisitn.
Sie ist die erste die den Schritt nach draußen wagt nachdem die Wärter verschwunden sind und die Türen des Gefängnisses aufgehen.
Nun müssen die Frauen lernen in dieser Welt zurechtzukommen. Sie bauen sich ein Leben auf, werden älter und sterben. Alle bis auf die protagonisitn die die Außenwelt nicht kannte. Nun muss sie lernen alleine in einer ihr unbekannten Welt zu überleben.
Dieser Roman hat mich teilweise sehr verstört und teilweise sehr beeindruckt. Die Schilderungen der Protagonistin waren wirklich spannend und interessant. Die Geschichte ist sowohl sehr originell als auch wirklich spannend und man versucht immer wieder zu verstehen wir die prtagonisitn sich in der ihr unbekannten Welt zurechtfinden wird.
Ein wirklich interessanter Roman
Rezensionen von evaki:
Eine Liebeserklärung an Schmetterlinge
Das Jahr der Schmetterlinge von Lea Korsgaard
Ein Blick auf das traumhafte Cover von Lea Korsgaard's Buch, mit dem deutschen Titel "Das Jahr der Schmetterlinge", sagt schon viel über das, was wir hier als Zaungast miterleben dürfen. Es pendelt zwischen Sachbuch und Roman, verbindet viel Wissenswertes mit Erlebtem. Der Anfang ist leicht erzählt: die dänische Autorin sieht einen Schmetterling, den sie im Internet sucht und dabei kommt ihr die wirklich herausragende Idee, alle tagaktiven in Dänemark lebenden Schmetterlinge, innerhalb einer Saison, zu sehen.
Wir lesen über die verschiedenen Schmetterlingsphasen von Ei, Raupe, Puppe bis zum Tag an dem sie fliegen und z.B. weite Strecken hinter sich lassen können, so wie Zugvögel, die vor Wintereinbruch zur Eiablage wieder in den Süden fliegen. Historisches und Wissenschaftliches von Aristoteles bis Freud wird genauso eingeflochten, wie schöne Zeichnungen verschiedener Falter der Autorin selbst. Die ausführlichen Quellenangaben spornen an, eigene Recherchen zu beginnen und selbst den Spuren der Schmetterlinge zu folgen. Bleibt noch die tolle Übersetzung von Kerstin Schöps und Dank an den Ullstein Verlag für diese schöne in deutsch erschienene Ausgabe.
Rezensionen von stina23:
Archäologie für Kinder aufbereitet
Der rätselhafte Verwandte aus der Eiszeit von Silke Vry
Im siebten Band der „Dusty Diggers“ wird einer Menschenart auf den Grund gegangen, die es in dieser Form nicht mehr gibt – den Neandertalern. Zu Beginn begegnet man zwei italienischen Arbeitern, die beim Zerhacken einer dicken Lehmschicht in einer Höhle im deutschen Neandertal auf Knochen stoßen.
Durch mehrere glückliche Zufälle und beharrliche Menschen wird dieser Fund der Wissenschaft zugänglich gemacht und nach und nach stellt sich heraus, welche Sensation dahintersteckt. Einige Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen kommen zu Wort und es wird über die neuesten Erkenntnisse über die Lebensweise der Neandertaler berichtet.
Ich habe mit dem siebten Buch mein erstes aus der Dusty-Diggers-Reihe gelesen und mir hat es sehr gut gefallen. Zwar passe ich nicht ins Profil der hauptsächlich angesprochenen Leserschaft (für Leser und Leserinnen ab 8 Jahren), aber auch als Erwachsene darf man sich mit und über Kinderbücher freuen. Und tat ich! Ich war vor allem von der Art, wie (Archäologie-) Geschichte vermittelt wird, begeistert. Die oft so harten Fakten der Geschichte sind in eine schöne Story verpackt, und man lernt einfach nebenher etwas Neues (zB: Warum musste die harte Lehmschicht weggehackt werden?). Mich erinnert die Herangehensweise an einen Podcast, den mein Kind sehr gerne hört und sich dabei einiges über Geschichte merkt. Die Sprache ist an das Alter der angesprochenen Leserschaft angepasst. Am Ende des Buches gibt es einige Seiten, auf denen Wörter, die im Text mit einem Sternchen markiert wurden, erklärt werden. Die Autorin schafft auch etwas sehr Wichtiges - sie gibt Frauen der Wissenschaft einen Platz im Buch. Im 19. Jahrhundert waren es zum allergrößten Teil Männer, die Erwähnung und Beachtung fanden. Silke Vry lässt die Leserschaft an der Arbeit von zwei Frauen und einem Mann im 21. Jahrhundert teilhaben und macht so auch für Kinder sichtbar, dass jede und jeder eine Stimme hat, die gehört werden soll.
Die Illustrationen von Marie Geissler sind wunderbar. Sie begleiten die Geschichte nicht nur sehr gut, sie machen das Buch zu einem Erlebnis. Die bunten und mit Liebe zum Detail gemachten Zeichnungen laden zum Betrachten ein und unterteilen den Text, was für einige junge Leserinnen und Leser motivierend sein kann („schau mal, ich hab bis zu diesem Bild gelesen“).
Ich bin von diesem Buch begeistert und werde die Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen und auch weiterempfehlen!
Rezensionen von Sheilo:
Richtig spannend
Beth is dead von Katie Bernet
Ein Buch, dass für Schlagzeilen sorgt und ein Autor, der das Leben seiner Kinder für einen Bestsellerroman verkauft. Im Buch "Little Women" gab es nur ein Element, welches nicht der Wahrheit entsprach - Beths Tod. Bis Beth dann wirklich gestorben ist, doch wer ist der Mörder / die Mörderin? Denn plötzlich scheint es, als hätte jeder im Umfeld ein Motiv.
"Beth is dead" ist ein packender Thriller von Katie Bernet, dessen Hörbuch wirklich sehr gelungen ist. Durch die verschiedenen Sprecherinnen Jodie Ahlborn, Julia Nachtmann, Nina Reithmeier und Lisa Cardinale wusste man immer sehr gut, welche Perspektive im Hörbuch gerade eingenommen wird, da die Kapitel aus den Sichten der Schwestern beschrieben sind, wobei sich die Vergangenheit und die Gegenwart abwechseln. Jede Schwester hat dabei einen sehr individuellen Charakter, der für mich beim Zuhören sehr hervorgestochen ist.
Besonders raffiniert ist es der Autorin gelungen, immer wieder neue Fährten für Verdächtige zu legen. Plötzlich haben so viele Personen ein Motiv und es kommen kontinuierlich neue Details dazu, wobei sich die Puzzleteile sich langsam zu einem Gesamtbild zusammenfügen und der Verdacht sich auf einzelne Personen konzentriert.
Für mich ist "Beth is death" wirklich ein Highlight, da die Charakter toll aufgebaut werden und die Spannung bis zum Ende des Buches aufrecht gehalten wird. Ich habe viel über Moral nachgedacht, im besonderen bzgl. des Umgangs der Protagonisten miteinander und dem, was der Vater mit seiner Veröffentlichung seiner Familie angetan hat. Ich mag "Beth is dead" sehr und daher gibt es von mir eine große Empfehlung.
Rezensionen von Anjulia :
Geister und Geheimnisse
Weavingshaw von Heba Al-Wasity
Leena hat ein Geheimnis: Sie sieht Geister. Um ihrem Bruder das Leben zu retten, verkauft sie dieses Geheimnis an Saint Silas, den Saint der Stille, der jedes echte Geheimnis großzügig vergütet. Tatsächlich will Silas Leenas Gabe für sich selbst nutzen, um Kontakt zu einem Toten aufzunehmen, und zwingt sie zu einem weiteren Pakt.
Weavingshaw von Heba Al-Wasity ist ein herausragendes Buch aus dem Bereich der gothic Romantasy. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen. Es ist eins dieser Bücher, in denen man noch ein Kapitel lesen möchte, und dann die halbe Nacht um ist. Die Autorin legt viel Wert auf Stimmung und Setting der Geschichte. Morland erinnert mich an das historische England zur Zeit der industriellen Revolution. Leena hat als Migrantin mit Ungerechtigkeiten zu kämpfen. St. Silas ist geheimnisvoll, undurchschaubar hat durch die Geheimnisse, die er sammelt, eine gewisse Macht. Seine Handlungen sind tatsächlich morally grey. Welches Ziel er hat und welches Geheimnis er verbirgt, offenbart sich im Laufe der Geschichte. Das Verhältnis zwischen Silas und Leena ist zunächst von Machtungleichgewicht geprägt, und geht dann Richtung Slow Burn Romance. Mir hat die Anziehungskraft zwischen beiden gut gefallen. Als Auftaktband ist die Geschichte nicht in sich abgeschlossen, weshalb ich aufgrund des offenen Endes auf die Fortsetzung gespannt bin.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Über Einsamkeit und Entfremdung zwischen den Kulturen
Die Einsamkeit von Sonia und Sunny von Kiran Desai
Sonia und Sunny, beide ursprünglich aus indischen Familien stammend, scheinen es auf den ersten Blick richtig gut zu haben: ihre Familien sind in der Lage, ihnen jeweils ein Studium in den gepriesenen USA zu ermöglichen. Sonia hat Literatur in Vermont studiert, Sunny Journalismus in New York. So stehen den beiden alle Verheißungen des Westens offen, möchte man glauben: eine Zukunft im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, voll unendlicher Weiten, und ein modernes, freies Leben, frei von den Zwängen alter kultureller Traditionen und familiärer Erwartungen - statt ganz jung heiraten zu müssen, wie viele andere junge Menschen in Indien.
So würde man erwarten, dass die beiden glücklich und erfüllt sind, oder? Das hätten sich zumindest ihre Familien für sie gewünscht, die ihnen dieses Auslandsstudium ermöglicht haben. Dieses Unverstanden-Sein erhöht natürlich das Gefühl der Einsamkeit der jungen Menschen noch einmal mehr, zur äußerlichen kommt noch eine starke innerliche Unverbundenheit und Entfremdung von der Lebenswelt der Herkunftsfamilien dazu:
"Einsam? Einsam?" Für Einsamkeit hatte man in Allahabad kein Verständnis. Sie kannten dort vielleicht die Einsamkeit, die entstand, wenn man sich missverstanden fühlte; sie kannten vielleicht das leere tote Gefühl der Nachmittage von Allahabad, eine Ebbe, die ewig währen mochte; aber sie waren noch nie allein zu Hause gewesen, hatten nie eine Mahlzeit allein eingenommen, nie an einem Ort gelebt, an dem sie Unbekannte waren, waren nie aufgewacht, ohne dass ein Koch ihnen Tee brachte oder ohne mehreren Menschen einen guten Morgen zu wünschen." (S. 9)
Und viele Aspekte des amerikanischen Traums erweisen sich als zerplatzende Seifenblasen: an eine dauerhafte Arbeitsgenehmigung ist nicht so leicht zu kommen, es gibt Vorurteile und Diskriminierung und in manchem sind die beiden in wohlhabenden, behüteten indischen Familien aufgewachsenen jungen Menschen wohl auch psychisch nicht so gut vorbereitet auf die Härten eines Lebens alleine, fernab der Verwandten, in einem fremden Land am anderen Ende der Weltkugel.
Dieses neue monumentale Epos der Booker-Preisträgerin Kiran Desai begleitet also Sonia und Sunny sowie weitere Personen aus ihrem Umfeld über fast 750 dicht erzählte Seiten durch einige prägende Episoden ihres Lebens als junge Erwachsene in ihren 20ern, zwischen den USA und Indien. Natürlich begegnen sich die beiden auch irgendwann, doch bis dahin geschieht noch so einiges andere, und auch danach ist es nicht immer leicht miteinander. Wenn alte kulturelle Normen von Sittsamkeit, Enthaltsamkeit und Ehe wegfallen, aber vielleicht zum Teil noch innerlich nachwirken, und nur stückhaft durch das neue, moderne, westliche Konzept von flexiblen Affären und Beziehungen, in denen alles möglich scheint, ersetzt werden... was hat man dann überhaupt miteinander? Was verbindet einen, wenn überhaupt etwas? Und was macht das mit diesen jungen Menschen?
Es sind viele tiefgründige Themen, die dieses Buch aufwirft:
Es geht um den Preis, den viele junge Menschen zahlen, wenn sie sich durch Wegzug und Studium auch innerlich von den Normen der Herkunftskultur und -familie entfernen und sich gleichzeitig doch nach Zugehörigkeit und Verbundenheit sehnen, aber nicht klar ist, wo diese in ihrem neuen Leben gefunden werden können.
Es geht um ein vielfältiges Indien im Aufbruch, zwischen Tradition und Moderne, zwischen Familienzusammenhalt und Brüchigkeit, mit einer uralten Kultur, Mystik und einzigartiger Kulinarik, aber auch vielfältigen Problemen in Bereichen wie Soziales, Gesellschaft und Umwelt. Dabei spart die schon lange im Ausland lebende indischstämmige Autorin auch nicht mit Kritik am Subkontinent und zeigt an vielen Beispielen, wie tief Klassismus, Misogynie, Korruption und viele weitere Probleme in der Gesellschaft verankert sind und das tägliche Leben der Menschen prägen.
Es geht außerdem um die ursprünglich so schillernden USA, über viele Jahrzehnte der Traum vieler Menschen aus aller Welt, die nach wie vor viele hoffnungsvolle Studierende aus verschiedensten Ländern anziehen, die dann doch in vielen Bereichen desillusioniert werden und erkennen müssen, dass auch diese Gesellschaft bei weitem nicht so frei und gleich ist, wie sie sich gerne marketingmäßig präsentiert, und die scheinbar unendlichen Möglichkeiten für sie selbst ihre Grenzen haben.
Mir hat es etwa in der Seele weh getan, ausführlich darüber zu lesen, wie wenig berufliche Chancen die so hoffnungsvolle, für ihr Fach brennende und intelligente, aber in Beziehungen unerfahrene und etwas naive Sonia für sich allein in den USA hat und wie anfällig es sie dafür macht, eine sehr toxische Affäre mit einem viel älteren, privilegierten, ausbeuterischen Künstler einzugehen, der ihr erst einmal scheinbar berufliche Möglichkeiten und die damit verbundene Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung verschafft, aber sie sonst ausnützt, demütigt und ihren Selbstwert zerstört. Das war ein Teil des Buches, der nicht einfach für mich auszuhalten war, aber gleichzeitig ebenfalls wichtige Aspekte von Einsamkeit und Benachteiligung aufzeigt.
Ich empfehle, sich für dieses Buch mindestens einen Monat konzentrierte Lesezeit zu nehmen. Das gilt selbst für routinierte Leserinnen und Leser. Das Buch ist in seiner Erzählweise dermaßen dicht und reich an Metaphern und Querverbindungen, dass ein schnelles Lesen kaum möglich ist und dabei viel verloren gehen würde.
Eines der prägenden Bilder, das sich durch das Buch zieht und vielleicht auch als Metapher für die Vielschichtigkeit von Verbundenheit, Emotionen, aber auch Einsamkeit, Entfremdung und Überwältigung stehen könnte, ist das Meer:
"Ich hätte schon vor ewigen Zeiten wiederkommen sollen. Du bist das Meer meiner Kindheit." Er schwamm hinaus, bis die Wasser ganz sanft waren, als würden sie noch schlafen." (S. 383)
"In Arossim gingen sie an den Strand. "Wenn du nach langer Zeit zum ersten Mal wieder schwimmen gehst - näher wirst du dem Glück nicht kommen", sagte Sonia." (S. 403)
"Weil dies unabänderlich ihre letzte Vergnügung war, gingen sie ins Wasser und fanden den Wellengang noch heftiger, als er vom Strand aus gewirkt hatte. Die Brecher waren so hoch, dass sie fast bis an den Grund tauchen mussten, damit sie nicht von ihnen mitgerissen wurden. Sie hatten kaum Zeit zum Auftauchen und Luftholen, bevor schon die nächste Welle herangedonnert kam und sie wieder abtauchen mussten, so tief wie möglich, um der Gefahr zu entkommen." (S. 408)
"Am Horizont berührte der Vollmond das Meer, über den Hügeln ging die Sonne auf, und der Mond verschwand wie ein Geist. Sunny schwamm weit hinaus und sah zu, wie die Sonne die ausgedörrten Hügel in Besitz nahm, hinter dem Dorf, das erst langsam erwachte. Er bat den Gott der Dämonen um Schutz für die Sonne, und bat die Sonne, seine Reise zu segnen." (S. 741)
An den zitierten Stellen zeigt sich auch, wie tief in diesem Buch modernes Denken, Fühlen und Genießen mit uralten religiösen, abergläubischen und mystischen Bezügen verbunden sind. Ich habe hier das Beispiel mit dem Meer gewählt, um zu zeigen, wie dieses Buch diesbezüglich funktioniert.
Es gäbe dazu aber auch unzählige weitere Beispiele mit anderen Metaphern, die sich ebenfalls durch das Buch ziehen und sich geschickt immer wieder in unterschiedlichen Kontexten wiederholen und dabei jeweils spiralförmig tiefere Aspekte eines Themas symbolisch aufzeigen. Um diese zu entdecken und zu entschlüsseln, ist Hintergrundwissen in Bezug auf Symbolik, Archetypen und die indische Kultur hilfreich, außerdem braucht es viel Zeit, um der Tiefgründigkeit dieses Werks den angemessenen Raum zu geben.
Damit ist es auch eines der Werke, bei denen es sich definitiv lohnt, es mehrmals zu lesen, dabei Notizen zu machen und es mit anderen zu diskutieren. Im Anhang finden sich Stammbäume von Sonia und Sunny, diese zu konsultieren lohnt sich für eine Einordnung der vielen vorkommenden Figuren.
Für schnelle, oberflächliche Unterhaltung ohne Anspruch eignet sich dieses Buch definitiv nicht, es verlangt und fordert seinen Raum. Es ist ein Buch mit sehr hohem Anspruch, das viel Konzentration, Zeit und Zuwendung erfordert, aber dafür mit einem sehr vielfältigen, reichhaltigen Leseerlebnis und einer umfassenden, tiefgründigen Annäherung an das Thema Einsamkeit zwischen Menschen und Kulturen in seinen vielfältigen Schattierungen belohnt. Es braucht viel Raum, zeitlich genauso wie emotional, sich auf dieses Buch voll und ganz einzulassen. Dann ist es aber ein besonderes Leseerlebnis, das seinesgleichen sucht, viel Tiefe und Wissen vermittelt, verständnisvoller für Menschen aus ganz anderen Kulturen und Lebenssituationen machen kann, zum Nachdenken anregt und auch nach Beendigung der Lektüre innerlich noch lange in einem verweilen wird.
Rezensionen von Harakiri:
mein Lesehighlight 2026
Vermisst - Der Fall Lucas von Christine Brand
Bereits der dritte Band um Privatdetektivin Malou Löwenberg und mein bisheriges Lesehighlight in 2026.
Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, es war wieder so stark und spannend geschrieben.
Malou wird an das Sterbebett von Lana gerufen. Deren letzter Wunsch ist es, ihren vor 26 Jahren verschwundenen Bruder noch einmal zu sehen.
Doch Lucas hatte einen guten Grund zu verschwinden: er hat zwei Mädchen ermordet und will nicht gefunden werden. Wo soll Malou da mit der Suche beginnen?
Der Fall scheint hoffnungslos, doch dann findet Malou eine kleine Spur und hangelt sich an dieser Schnur entlang. Und genau das fand ich so megaspannend: wie bei einem Puzzle setzt Malou diese kleinen Hinweise zusammen und taucht immer tiefer in die damaligen Vorkommnisse ein. So rast man beim Lesen förmlich durch die Seiten, weil man sich die Auflösung ersehnt. Selten ist es mir so schwergefallen, NICHT gleich am Ende des Buches zu lesen, ob Lucas gefunden wird.
Brand schreibt emotional und mitreißend und baut teilweise wahre Geschehnisse in die Handlung ein, was zu einem noch spannenderen Lesevergnügen beiträgt. Dabei verzichtet sie auf überflüssige Dramatik und setzt auf sauber recherchierte Details.
Einschübe aus der Vergangenheit und die Suche Malous nach ihren Eltern machen das Buch noch mitreißender. Malou als Charakter gefällt mir ausnehmend gut, aber auch die Nebendarsteller, allen voran Bettina, die im Gefängnis sitzt, tragen zu einem runden Erlebnis bei.
Fazit: unbedingt lesen
Rezensionen von Eternal-Hope:
Persönlich, medizinisch fundiert und hilfreich
Hilfe bei Fehlgeburt von Caroline Lehmann; Shirley Michaela Seul
Fehlgeburten betreffen mindestens jede dritte Frau, sind aber noch immer oft ein Tabuthema. Die Autorin hat mit dem Thema vielseitige Erfahrungen gemacht: einerseits als Ärztin mit Spezialisierung im Bereich genetische Beratungen, andererseits als selbst betroffene Frau, die vier Fehlgeburten ertragen musste, bis es endlich kurz vor 40 in der fünften Schwangerschaft beim letzten Versuch mit dem Wunschkind klappte.
Aus dieser Erfahrung heraus bietet sie nun auch Coaching für von Fehlgeburten betroffene Frauen an.
Ich muss ehrlich sagen, dass der sehr allgemein gehaltene Titel und auch das Cover mich kein so tolles Buch erwarten hätten lassen - das Buch hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen! Nahbar und persönlich erzählt die junge Ärztin von den Erfahrungen aus ihrer Kinderwunschzeit, von ihren Fehlgeburten und dem Schweigen darüber, dem Alleine-Sein und dem sterilen, oft unempathischen medizinischen System, das sie aus ihrer Berufspraxis so gut kannte und doch als Betroffene noch einmal ganz anders erlebte. Ihre persönliche Geschichte führt durch das Buch, wird aber jeweils passend durch medizinisches Fachwissen ergänzt.
Auch auf dieser Ebene habe ich viel gelernt, zum Beispiel über die verschiedenen Optionen nach einer Fehlgeburt - zusätzlich zu einer Absaugung ist es auch möglich, einen natürlichen Abgang abzuwarten oder diesen medikamentös einzuleiten - oder auch darüber, dass Frauen, die schnell und leicht schwanger werden, öfter von Fehlgeburten betroffen sind als solche, bei denen es länger dauert.
Viel Raum bekommt auch das Thema Trauern und In-Verbindung-Bleiben mit dem Sternenkind, denn die meisten betroffenen Frauen können und wollen ihre Sternenkinder eben innerlich nicht komplett "loslassen" (ähnlich wie es auch sonst oft Eltern frühzeitig verstorbener Kinder geht), wie ihnen so oft suggeriert wird, dass sie müssten. Überhaupt ist der Umgang mit den Sternenkindern ein sehr wertschätzender und es wird ein Weg vorgestellt, die gemeinsame Zeit, auch wenn sie noch so kurz war, zu würdigen.
Besonders interessant war für mich auch der Ansatz der Gentle Loving Care, zu dem es schon empirische Studien gibt, die nachweisen, dass Frauen, die vom medizinischen System freundlich empfangen werden, jederzeit ihre Gynäkologin oder ihren Gynäkologen aufsuchen dürfen und dort insgesamt menschenfreundliche und gemütliche Rahmenbedingungen erwarten, nach einer ersten Fehlgeburt weit wahrscheinlicher eine erfolgreiche Folgeschwangerschaft haben als solche, für die, wie leider sonst im überlasteten medizinischen System oft üblich, wenig menschenfreundlich und knapp abgefertigt werden. Hier zeigt sich wieder die so wichtige emotionale Komponente und wie bedeutend es wäre, dafür zu sorgen, dass sich nicht nur gebärende, sondern auch schwangere Frauen in dieser so vulnerablen Situation so geborgen und behütet wie möglich fühlen dürfen.
Das sind nur ein paar neue Erkenntnisse, die bei mir persönlich hängen geblieben sind, aber es gibt noch viel mehr davon im Buch. Vor allem aber fühlt sich das Buch an wie eine liebevolle Umarmung, wie ein verständnisvolles Gespräch mit einer Freundin an der Seite, mit einer, die ebenfalls, wie so viele Frauen und Paare heute, eine herausfordernde Kinderwunschzeit hinter sich hat und weiß, wovon sie spricht.
Ich kann dieses großartige Buch allen, die selbst von Fehlgeburten betroffen sind oder Betroffene in ihrem Umfeld haben - und das hat so gut wie jede/r, nur wissen wir es oft nicht - nur ans Herz legen!
Rezensionen von Anno:
Nur bedingt zu empfehlen
Kinder brauchen Dopamin von Michaeleen Doucleff
Lange nicht mehr hat mich ein Buch so zwiespältig zurückgelassen. Einerseits hat es mich extrem interessiert, wie sich Medienkonsum und hochverarbeitete Lebensmittel auf den Körper auswirken, welche Vorgänge dabei freigesetzt werden und was zu einer Sucht führt. Andererseits folgt diese Autorin einem Ansatz, den ich selbst nicht gutheißen kann.
Ich finde ihn zu radikal und auch nicht allgemein umsetzbar. Sie nutzt die eigene Tochter um ihre Fortschritte darzustellen, doch diese Berichte wirken auf mich zu glatt, als dass sie glaubhaft wären. Und zugleich scheint die Familie für Michaeleen Doucleff so wie sie es hier darstellt eine Mischung aus Versuchkaninchen und Obsession zu sein, immer darauf bedacht noch extremer vorzugehen. Die Gefühlswelt wird dabei fast völlig außen vor gelassen und Kindern nur ein minimales Mitspracherecht eingeräumt. Meinen Wunsch nach einer gewissen Vereinbarkeit läuft dem komplett entgegen. Entsprechend habe und werde ich mir nur die für mich relevanten Infos aus diesem Buch ziehen und den vorgegebenen Plan nicht weiter verfolgen.
Die Autorin beschreibt interessant, gut verständlich und ausführlich. Sie stellt sowohl wissenschaftliche Hintergründe vor, wie auch Anekdoten und Gedanken dahinter. Wenn man ihren Weg annehmen kann, kann dieses Buch trotz seines Umfangs womöglich kurzweilig und erhellend sein. Ich selbst habe jedoch rasch eine innerliche Haltung angenommen, die mir dies erschwerte.
Die Haltung der Autorin spricht klar gegen bedürfnisorientierte Erziehung.
Rezensionen von lesende_zitrone:
Lügenkonstrukte, falsche Rollen und gefährliche Menschen.
The Exes von Leodora Darlington
In "The Exes” ist niemand der, der sich zuerst so darstellt. Jeder spielt eine Rolle, ein falsches Spiel, und baut Lügen auf weiteren Lügen auf.
Natalie ist gefährlich und arbeitet an sich, um das Biest im Zaum zu halten. Wäre da nicht James, der ihr gewaltig den Kopf verdreht und ihr neuer Mittelpunkt ihres Lebens wird.
Aber nicht nur Natalie versteckt sich, auch ihr Umfeld hat mehr Geheimnisse, als sie jemals ahnen würde.
Natalie ist eine starke Frau, die viel zu verarbeiten hat. Sie ist gefährlich, hat viel im Kopf und will eigentlich nur von ihrer Familie geliebt werden. James ist nett und ein toller Chef. Wäre da nicht das eine oder andere, was er auch versteckt? Die beiden zusammen geben schnell eine extrem spannende Verbindung im Buch wieder, was einen sehr packt.
Das Buch ist äußerst spannend mit vielen Rätseln und Andeutungen geschrieben. Es kommen immer wieder Plottwists, die man gar nicht erwartet, und das Buch lässt sich gar nicht mehr aus den Händen legen. Der Anfang war etwas stockend, aber ab der Hälfte nimmt die Geschichte schnell Fahrt auf und es kommen mehr gefährliche Verstrickungen. Im Laufe des Buches bekommen wir ein paar Kapitel, die aus der Sicht anderer Charaktere geschrieben sind. Was dem Buch noch mehr Tiefe gibt und einem Gänsehaut verpasst.
Große Empfehlung für alle Thriller-Fans, die eine Geschichte über gefährliche Frauen lesen möchten, mit einer fesselnden Vergangenheit.











