Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Daggy:

Selektiver Mutismus sehr gut erklärt

Eine Kugel Schoko bitte! Emmos Weg aus dem Selektiven Mutismus von Aniko Lerch

Stolz hält uns Emmo sein Schokoladeneis entgegen, dass er selbst am Eiswagen gekauft hat. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, den Emmo zusammen mit Frau Dr. Sperling und seiner Familie gehen muss.
Denn Emmo spricht ausschließlich zu Hause mit seiner Familie, da plappert er problemlos drauf los, aber wenn er in der Kita ist, hängen die Worte in seinem Hals fest.

Da Emmo uns selbst seine Geschichte erzählt, erfahre wir genau, wie es ihm geht, wenn erwartet wird, dass er spricht. Mit seinem Schweigen macht er aber auch die anderen aggressiv, sie verstehen nicht, warum er nichts sagt. So übernimmt sein kleiner Bruder das Sprechen für ihn und seine Mutter umgibt ihn nur mit Menschen, die Verständnis mit Emmo haben. So lernt Emmo Geige und sein Lehrer hat keine Probleme damit, dass Emmo nicht mit ihm spricht, ihre Sprache ist die Musik. Erst als Emmo zu Frau Dr. Sperling kommt, hat seine „Nichtsprechen“ ein Diagnose „Selektiver Mutismus“, und obwohl ich das Buch „Luftmaschentage“ kenne, war mir der Begriff fremd. Er beschreibt Menschen, die zeitweilig nicht sprechen, obwohl sie es können. Frau Dr. Sperling begleitet Emmo einige Jahre und gemeinsam schaffen sie es, dass Emmo, als er in die Schule kommt mit seinen Mitschülern und mit der Lehrerin spricht. Sie geht da sehr langsam und mit viel Gefühl vor, aber sie ist sehr erfahren und weiß, wie sie Emmo dazu bringt zunächst Buchstaben lautlos zu sprechen.
Im ersten Teil das Buches berichtet Emmo und im zweiten Teil gibt es Tipps, wie man mit Ritualen und ganz viel Lob etwas bewirken kann. Ein Buch, dass Hoffnung macht und uns anderen zeigt, dass wir mehr Verständnis aufbringen müssen, wenn uns ein Kind nicht antwortet.
Neben dem gut verständlichen Text gibt es viele bunte Bilder und Anregungen für Rituale im zweiten Teil.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Daggy

Rezensionen von Daggy:

Witzig und voller Frauenpower

Sigismund lernt brüten von Bettina Wagner

Kräftig krähend sehen wir Sigismund auf dem Cover, dann werden zunächst die drei Hühner vorgestellt. Doris, Rosemarie und Adelheit leiden sehr unter diesem lauten Krähen, dass über den Hof schallt. Adelheit platzt der Kopf, Doris und Rosemarie sorgen sich um Küken und Eier. Und dann fordert Sigismund die Damen noch auf ihn auf seinem Kontrollgang über den Hof zu begleiten.

Stolz schreitet er voran, gefolgt von den Hühner und den Küken. Aber zu den Kühen muss die Gruppe eine Straße überqueren und als es auf dem Rückweg zu einem Unfall kommt bei dem Rosemarie verletzt wird, fordert Adelheit, dass Sigismund die Eier ausbrühten soll.
Trotz aller Tragik eine witzige Geschichte, die zeigt, dass auch solche Machos, wie dieser Hahn klein bei Geben bei so viel Frauenpower. So kommt es, dass Sigismund Carearbeit leisten muss, „es wird höchste Zeit, dass auch mal ein Hahn brütet.“
Die Illustrationen muten ein wenig naiv an, was, wie ich finde, gut zum Bauernhof passt. Der Text ist recht kurz und gut verständlich und mit einem Augenzwinkern geschrieben. Mir gefallen die emanzipierten Hennen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Daggy

Rezensionen von Daggy:

Erstklässlerin Ida

Ich bin Ida von Sabine Westermaier

Eine fröhliche Ida kommt uns da auf dem Cover entgegen, sie freut sich, dass sie nun endlich Schulkind ist. In 20 Kapiteln werden wir sie durch das Schuljahr begleiten.
Zunächst treffen wir sie in ihrer Klasse und hier ruft sei ein Junge „Dieckie!“, da richtet Ida die Spitze ihrer Schultüte auf den Jungen und sie sagt ihm ihre Meinung.

Danach ist sie zunächst über sich selbst erschrocken doch ihre Lehrerin gibt ihr Recht und Ida setzt sich neben Esra, die dann ihre Freundin wird. Ein doppelseitiges Bild zeigt wie Ida wüten auf den Jungen zugeht, es zeigt sehr gut ihre Wut und sein Erschrecken. Ida lebt mit ihren Zwei Papas zusammen Papa Till und Papa Tom. Ihre Mama wohnt in Kalifornien auf einem Berg und dort gibt es Pfauen, diese Vögel sind Idas Lieblingstiere und sie tauchen immer wieder auf, zum Schluss wird sogar eine Seifenkiste mit Pfauenfedern geschmückt.
Meine Enkelin kommt in diesem Jahr in die Schule, aber ich weiß nicht, ob ich ihr das Buch gebe, denn sie wird sicher nicht verstehen, dass ein Kind so weit von seiner Mama entfernt lebt. Sie weint sogar, wenn die Pinguine ihre Eltern verlassen. Obwohl es natürlich wichtig ist, auch andere Familienformen kennenzulernen und zu erleben, dass Ida sehr glücklich mit ihren Papas ist. In einigen Geschichten geht es um Abkürzungen wie LOL oder BFF, ich habe solche Begriffe noch nicht bei meinem Enkel gehört, aber vielleicht tauche sie in anderen Schulen auf.
Der Text beginnt immer mit dem Alter von Ida, leider ändert sich das von 6 auf 7, obwohl der Geburtstag erst in einem späteren Kapitel gefeiert wird. Ich mag solche unlogische Sachen nicht so gerne.
Ein Buch mit schönen Erlebnissen im ersten Schuljahr und vielen schönen bunten, teilweise großen Illustrationen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Daggy

Rezensionen von Daggy:

Auch die Trauer und der Tod haben Platz in unserem Leben

Wenn die Trauer zu dir kommt von Roland Kachler


In diesem Buch, dessen Cover zwei Kinder zeigt, eines, das traurig ist und eines, dass tröstet, werden konkrete Trauerfälle beschrieben. Da Roland Kachler Theologe ist, meist aus der Sicht des christlichen Glaubens, obwohl es auch Informationen zu anderen Religionen gibt.
Im Vorwort wird der Lesende direkt angesprochen und Hilfe in der Zeit der Trauer angeboten, mit dem Ziel auch wieder fröhlich sein zu können.

Mia fragt ihre Oma, wie der Opa verstorben ist, der Oma fällt es nicht zunächst nicht leicht darüber zu sprechen und sie benutzt das Wort „Abschied“. Neben der kleinen Geschichte, die mit einigen Bildern ausgeschmückt wird, gibt einen blau unterlegten Text, der sachlich über die Trauer informiert. Unter der Überschrift „Was wir bei Abschieden machen“ gibt es viele Punkte zu dem Thema und die Kinder werden aufgefordert noch über weiter nachzudenken. Mateo erfährt, dass sein Opa schwer erkrankt ist und dass mit seinem Tod zu rechnen ist. Er geht mit dem Eltern ins Krankenhaus, um sich zu verabschieden. Hier gibt es viele blauunterlegte Text zum Tod und zur Beerdigung. Eine Todesanzeige wird abgebildet und die unterschiedlichen Bestattungsarten werden erklärt. Danach gehen wir mit Luisa, die ihre Tante verloren hat auf den Friedhof. Benni und Sofie müssen erfahren, dass ihr Vater einen Herzinfarkt hatte. Maxis Bruder ist mit dem Roller tödlich verunglückt und auch nach 6 Monaten traut sie noch sehr.
Mir gefällt sehr gut, dass es sowohl eine Zeit für die Trauer gibt als auch für Fröhlichkeit, man darf wieder lachen. Denn oft schafft man es nur schwer die Trauer wieder abzulegen. Sei ist, weil ein anderes Familienmitglied auch traurig ist oder weil man glaubt den Tod verschuldet zu haben, wie Maxi. Es gibt viele Sachinformationen, aber auch Gedanken darüber, was mit der Verstorbenen oder dem Verstorben geschieht. Nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit der Seele.
Das Buch ist gut strukturiert und beschreibt sehr traurige Situationen, die Bilder sind einfach gehalten. Das Kind sollte das Buch immer nur in Begleitung lesen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Daggy

Rezensionen von Pusteblümchen:

Humorvolle RomCom

Annie Knows Everything von Rachel Wood

Annie weiß eigentlich immer alles. Aber nun gerät ihr Leben gerade ein wenig aus den Fugen, da sie ihre Arbeitsstelle verliert. Dank ihrer Freundin Carrie erhält sie direkt einen neuen Job. Das einzige Problem ist, dass ihr für diesen die Kompetenzen fehlen. Natürlich hält das Annie nicht davon ab, die Stelle anzutreten.

Nun muss sie nur ihren neuen Chef Connor davon überzeugen, dass sie die Richtige ist.
Gleichzeitig steht noch die Verlobungsfeier ihrer Schwester Shannon an, die Annie bereits vor drei Jahren erfolgreich verhindert hat, was ihr ihre Schwester noch immer verübelt.

Der Plot bietet eine gelungene Mischung aus Unterhaltung, Humor und Lovestory. Sie Charaktere sind liebenswert, aber auch durchaus anstrengend. Genau das ist es, was diesen Roman ausmacht. Sie wirken dadurch menschlich und authentisch, ich konnte mit ihnen mitfühlen und lachen.

Die Handlung ist mitreißend und unterhaltsam wodurch sie bei mir ein wunderbares "Feel-Good"-Gefühl erzeugt hat.
Ich kann diese witzige RomCom bedingungslos empfehlen kann.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Pusteblümchen

Rezensionen von ekiam:

Ein liebevoller Begleiter für das letzte Kita-Jahr

Die Vorschulprofis: Wir sind die Großen in der Kita von Jasmin Schaudinn

In diesem Buch begleiten kleine Leserinnen und Leser die Vorschulkinder Alma, Kisi, Pippa, Aziz und Emil aus der Kita Kichererbse durch ihr letztes Kindergartenjahr. Die elf Kurzgeschichten erzählen vom ersten Treffen der Vorschulgruppe mit Erzieher Joschi, einem Schulbesuch, Emils Geburtstagsparty oder einem Nachmittag bei Aziz bis hin zum Abschiedsfest in der Kita.

(Angehende) Vorschulkinder werden hier in vielen Situationen abgeholt, die sie selbst bereits kennen oder bald erleben werden.
Besonders positiv fällt auf, wie selbstverständlich Vielfalt dargestellt wird: Kinder mit Beeinträchtigungen, unterschiedliche Hautfarben und verschiedene Familienmodelle sind ganz natürlich in die Geschichten integriert.

Die Kapitel haben eine angenehme Länge und eignen sich hervorragend zum Vorlesen. Im Anschluss an jedes Kapitel folgt eine Doppelseite mit passenden Spiel- und Bastelideen. Neben Materiallisten und Anleitungen wird auch erläutert, welche Fähigkeiten dabei gefördert werden – ein schöner Mehrwert, der das Buch über die reinen Geschichten hinaus bereichert.

Die farbenfrohen und humorvollen Illustrationen unterstützen den Text auf gelungene Weise und laden zum gemeinsamen Entdecken ein. Ein kleiner Kritikpunkt ist jedoch die Platzierung der Doppelseite zur Vorstellung der Vorschulkinder, die sich erst am Ende des Buches befindet und dadurch leicht übersehen werden kann. Die erste Doppelseite hingegen ist wie ein Freundebuch gestaltet und bietet Platz für eigene Eintragungen – eine nette Idee.

Insgesamt ist dies ein liebevoll gestaltetes Buch zur Vorbereitung auf die Vorschulzeit, das Kindern spielerisch Sicherheit vermittelt und mögliche Ängste nehmen kann.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von ekiam

Rezensionen von bedard:

Auf der Suche nach Heimat und Zugehörigkeit

Halber Stein von Iris Wolff

Zur Beerdigung ihrer Großmutter Agneta reist Sine gemeinsam mit ihrem Vater Johann nach Michelsberg in Siebenbürgen. Hier hat sie die Sommer ihrer Kindheit verbracht, bevor ihre Eltern einen Ausbürgerungsantrag stellten. Mit der Rückkehr in das Haus der Großmutter und der erneuten Erkundung der Umgebung kehren auch längst vergessene Erinnerungen zurück.

Sine begegnet Julian, ihrem Freund aus Kindertagen, der das Dorf nie verlassen hat. Gemeinsam besuchen sie vertraute Orte wieder, Sine entdeckt deren Schönheit dabei neu und sie erkennt ihre anhaltende Bedeutung für ihr eigenes Leben.

Sines Reise nach Michelsberg fällt in eine Phase des Umbruchs. Sie hat ihr Studium abgeschlossen, ist zu ihren Eltern zurückgezogen und hat sich bislang eher halbherzig und erfolglos beworben. Der Aufenthalt im Haus der Großmutter gibt ihr den notwendigen Raum zur Reflexion und hilft ihr, Klarheit über ihre Zukunft und anstehende Entscheidungen zu gewinnen.

Trotz des traurigen Anlasses ist Halber Stein kein deprimierender Roman. Er lebt von einer poetischen, ruhigen Sprache sowie von eindrucksvollen Beschreibungen der landschaftlich reizvollen Region und der inneren Prozesse der Protagonistin. Zwar gibt es einzelne dramatischere Begegnungen, insgesamt bleibt der Roman jedoch zurückhaltend und entfaltet gerade dadurch eine nachhaltige, nachdenklich stimmende Wirkung. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Heimat, Erinnerung und Zugehörigkeit.

Auch die Geschichte und Kultur der Siebenbürger Sachsen sowie die Situation der ausgebürgerten und in Deutschland oft unwillkommenen Menschen werden sensibel und unaufdringlich in die Handlung eingeflochten, ohne belehrend zu wirken.

Halber Stein ist ein leiser, atmosphärischer Roman, der durch Tiefe, Sprachgefühl und emotionale Ehrlichkeit überzeugt und lange nachhallt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von bedard

Rezensionen von bookloving:

Zwischen Schatten und Spiegelbildern - Ein eindringlicher Roman

Lola im Spiegel von Trent Dalton

Mit dem aufrüttelnden Roman „Lola im Spiegel" ist dem australischen Bestsellerautor Trent Dalton eine faszinierende Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte, vielschichtiger Milieustudie und deutlicher Gesellschaftskritik gelungen, die im letzten Drittel sogar mit Thrillerelementen aufwartet. Dalton erzählt eine ungewöhnliche, intensive und berührende Geschichte von Liebe, Verlust und Entwurzelung, zugleich aber auch von Widerstandskraft, Hoffnung und der rettenden Kraft der Kunst.

Die Handlung ist im heutigen australischen Brisbane angesiedelt und entwickelt schon bald eine fesselnde, sehr eindringliche Atmosphäre.
Im Mittelpunkt steht die namenlose Protagonistin und Ich-Erzählerin, deren Identität von Ungewissheiten und Geheimnissen überschattet ist. Sie wächst am Rand der Gesellschaft unter ärmlichen Verhältnissen auf Schrottplätzen und in ausrangierten Autos auf, weil sie mit ihrer Mutter vor dem gewalttätigen Vater auf der Flucht ist. Schon früh lernt sie, dass sie möglichst unter dem Radar bleiben müssen, denn Namen sind gefährlich und könnten fatale Spuren hinterlassen. Mit großer Empathie und feinem Gespür für soziale Härten zeichnet Dalton nicht nur das facettenreiche Porträt eines Mädchens, das in einer illustren, prekären Gemeinschaft aus Obdachlosen und Gestrandeten aufwächst, sondern zugleich ein schonungsloses, sehr nachdenklich stimmendes Gesellschaftsportrait. Diese so unterschiedlichen Menschen sind geprägt von Schicksalsschlägen, Verlusten, Gewalterfahrungen und täglichem Überlebenskampf. Dalton gelingt es dabei hervorragend, diese mit all ihren Brüchen, Eigenheiten, Verletzlichkeiten sowie ihren traurigen bis skurrilen Geschichten sichtbar zu machen, ohne ihnen jemals die Würde zu nehmen.
Sehr gelungen ist die Erzählperspektive, aus der die Ich-Erzählerin als spätere Künstlerin von einem gewissen Abstand rückblickend auf ihre Kindheit und ihre schwierige Vergangenheit schaut. Das verletzliche Mädchen von einst, das durch das Zeichnen einen Weg findet, sich selbst und ihre verwirrende Welt zu begreifen und das Unsagbare und ihre Ängste sichtbar zu machen, wird so zur Beobachterin und Deuterin ihres eigenen Lebens. Diese künstlerische Ebene des Romans ist äußerst faszinierend. Jedem Kapitel vorangestellt sind Illustrationen von Paul Heppell, die mit kurzen Beschreibungen versehen sind.
Ein zentrales Motiv ist dabei der Spiegel und die Figur der Lola, einer idealisierten, stärkeren Version ihrer selbst, der Mädchen im Spiegel begegnet. Diese imaginierte Doppelgängerin fungiert als Schutzmechanismus, als Trostspenderin und Projektionsfläche für Sehnsüchte. In ihr verdichtet der Autor auf gelungene Weise das Spannungsverhältnis zwischen Realität und Wunschdenken, zwischen Verletzlichkeit und Selbstermächtigung.
Besonders beeindruckt und berührt hat mich die vielschichtige Persönlichkeit der Protagonistin selbst. Der Autor hat ihr mit ihrer wachen, sensiblen Art eine sehr eigenständige, eindrucksvolle Erzählstimme verliehen. Er zeichnet sie als eine sympathische, künstlerisch hochbegabte Figur mit einem ungebrochenen Überlebenswillen, die sich trotz Verletzlichkeiten und vieler widriger Umstände zu behaupten weiß und dabei stets zutiefst menschlich bleibt.
Auch Daltons bildreicher, opulenter Erzählstil hat mich sehr überzeugt. Immer wieder finden sich eindrucksvolle poetische Passagen, die den Roman atmosphärisch verdichten und mich rasch in seinen Bann gezogen haben. Gerade diese sprachliche Wucht verleiht der Geschichte eine besondere Intensität. Während die Handlung zunächst vergleichsweise ruhig und beinahe fast episodisch verläuft, gewinnt diese jedoch im weiteren Verlauf deutlich an Dynamik und Tempo. Vor allem im letzten Drittel überschlagen sich die Geschehnisse mit immer neuen Wendungen regelrecht und die sich extrem zuspitzende Handlung gleicht stellenweise immer mehr einem Thriller. Diese dramatische Entwicklung mit dem großen Showdown und dem finalen Kampf zwischen Gut und Böse wirkte auf mich allerdings stellenweise zu überzeichnet und nicht ganz überzeugend. Dadurch tritt die Aufarbeitung der Vergangenheit der Protagonistin leider etwas in den Hintergrund und verliert ein Stück ihrer emotionalen Wucht.
FAZIT
Ein intensiver, bewegender und literarisch eindrucksvoller Roman über Verletzlichkeit, Resilienz und die rettende Kraft der Kunst. Besonders stark sind Daltons empathischer Blick auf die Ausgestoßenen der Gesellschaft und die vielschichtige Persönlichkeit seiner Ich-Erzählerin.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von bookloving

Rezensionen von bedard:

Die Freiheit der Tauben

Der letzte Sommer der Tauben von Abbas Khider

Auf dem Dach züchtet der vierzehnjährige Noah Tauben. Gemeinsam mit seinem Onkel Ali kümmert er sich um den Schlag, und jede der Tauben trägt einen Namen: Regenbogen, Tänzer oder Schneeweiß. Noch kreisen sie ruhig über der Stadt – bis der Lärm der Helikopter die Idylle zerschneidet. So beginnt Abbas Khiders neuer Roman.

Mit der Ausrufung des Kalifats gerät Noahs Welt aus den Fugen. Für seine Familie hat das unmittelbare Folgen: Die bunten Kleider aus dem Geschäft seines Vaters müssen Niqabs weichen, auf Verpackungen werden weibliche Figuren geschwärzt und schließlich werden die nicht mehr tolerierten modischen Kleidungsstücke öffentlich verbrannt.

Noch stärker treffen die neuen Regeln die Frauen. Sie müssen sich vollständig verhüllen, dürfen ihre Berufe – mit wenigen Ausnahmen – nicht mehr ausüben und das Haus nur noch in Begleitung verlassen. Mädchen werden zwangsverheiratet und über allem wachen die neuen Machthaber.
Mit dem vierzehnjährigen Noah hat Abbas Khider eine sehr passende Erzählerfigur gewählt. Noah ist jung genug, um noch nicht von festen Überzeugungen geprägt zu sein, aber alt genug, um die Veränderungen um ihn herum wahrzunehmen und zu hinterfragen. Als Junge kann er sich trotz aller Einschränkungen noch vergleichsweise frei bewegen – und wird so zum stillen Beobachter der Veränderungen. Gerade dieser Blick von der Schwelle zum Erwachsenwerden funktioniert hier besonders gut.

Innerhalb der Familie zeigen sich unterschiedliche Reaktionen auf das zunehmend totalitäre Regime – Anpassung, leiser Widerstand oder Resignation –, ohne dass der Roman diese Haltungen ausdrücklich bewertet.
Im Laufe der Handlung verliert Noah nach und nach seine kindliche Naivität. Besonders eindrücklich wird das in Szenen wie der, in der er ein Manuskript seines Onkels versteckt, oder später, als ihn sein Vater zwingt, einen Meineid auf den Koran abzulegen. In solchen Momenten wird deutlich, wie Noah den wenigen Handlungsspielraum nutzt und eigene Entscheidungen trifft.

Der Stil passt gut zu dieser Perspektive. Die vielen kurzen Kapitel wirken fast wie Tagebucheinträge oder Momentaufnahmen einzelner Tage. Gleichzeitig ist Khiders Sprache sehr poetisch und stark bildhaft. Besonders in den Passagen über die Tauben entstehen ruhige, fast lyrische Bilder, die einen starken Kontrast zur zunehmenden Brutalität des Regimes bilden. Gerade dieser Gegensatz verstärkt die Wirkung vieler Szenen.

Auffällig ist außerdem, dass der Schauplatz bewusst unbestimmt bleibt. Es geht weniger um ein konkretes Land als um die Mechanismen eines religiös legitimierten totalitären Regimes. Auf gut 200 Seiten zeigt Khider, wie eine solche Herrschaft Familien, Nachbarschaften und schließlich ganze Gesellschaften verändern und zerstören kann. Der Ton bleibt dabei meist nüchtern und beobachtend – wodurch die Gewalt der Ereignisse umso eindringlicher wirkt.

Bis zu einem gewissen Punkt – vor allem in den Szenen mit Onkel Ali – wirkt der Ton sogar etwas leichter und stellenweise humorvoll. Spätestens bei den öffentlichen Bestrafungsszenen kippt die Stimmung jedoch deutlich.

Sehr gelungen ist das offene Ende. Es bleibt unklar, ob Noah einfach an einer Hoffnung festhält oder ob sich tatsächlich eine Veränderung abzeichnet. Beides bleibt möglich – und gerade diese Ambivalenz macht den Schluss so überzeugend.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von bedard

Rezensionen von Annabell95:

Piratin bei den Nightweavern

Nightweaver von R. M. Gray

In einer einzigen Nacht verliert Aster alles. Bei einem überraschenden Angriff auf See wird ihr Bruder von einem Nightweaver getötet, obwohl diese mächtigen Wesen das Meer seit Jahrhunderten in Frieden lassen. Als noch gefährlichere Kreaturen auftauchen, die Menschen verschlingen und ihre Seelen rauben, wird Asters Familie gefangen genommen.

Unerwartet bietet ausgerechnet der geheimnisvolle Nightweaver Will ihnen Schutz und Arbeit an. Aster will jedoch Rache nehmen. Dafür müsste sie sich mit jemandem verbünden, dem sie eigentlich misstraut. Während sie auf Wills Anwesen lebt, wächst der Zweifel, ob er ihr Feind ist oder vielleicht doch ihr einziger Verbündeter.

"Nightweaver" ist der Auftakt in die Nightweaver-Saga.

Der Einstieg in die Handlung ist sehr stark und spannend. Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive von Aster erzählt. Dadurch erlebt man ihre Gedanken und Gefühle so intensiv, dass man sofort in die düstere Welt hineingezogen wird. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und bildgewaltig, wodurch die Atmosphäre richtig lebendig wirkt. Man bekommt zu Beginn soagr einen leichten „Fluch der Karibik“-Vibe.

Nach dem starken Start flacht die Spannung etwas ab, bäumt sich aber immer wieder auf. Das Setting bleibt durchgehend düster, atmosphärisch und stellenweise brutal. Beschönigt wird hier nichts. Schade fand ich nur, dass das maritime Flair schnell verschwindet. Der Anfang spielte sich auf dem Meer ab, danach hauptsächlich an Land, wodurch das erhoffte Piratenleben etwas zu kurz kommt. Auch das Ende zieht sich etwas. Da hätte eine kürzere und prägnantere Auflösung gereicht.

Die Grundidee rund um Nightweaver, Sylks, Unterlinge und Elementarmagie ist kreativ und spannend, auch wenn mich die Fülle an Fantasy-Begriffen teilweise etwas überfordert hat. Neben Aster gibt es sehr viele Charaktere. Diese bleiben jedoch eher blass und durch die vielen Namen, kommt man auch mal leicht durcheinander. Trotzdem gibt es immer wieder überraschende Wendungen und Geheimnisse, die die Handlung antreiben.

Die Dynamik zwischen Aster und Will hat definitiv Potenzial, doch die emotionale Zerrissenheit und Spannung zwischen den beiden hätte für mich stärker ausgearbeitet sein dürfen.

Mein Fazit:
Ein düsterer, bildstarker Auftakt mit starker Idee und packendem Start, der trotz kleiner Schwächen bei Figuren, Tempo und Fantasy-Komplexität neugierig auf die weitere Saga macht. Für Fans düsterer Fantasywelten mit Magie, Geheimnissen und starkem Einstieg ist Nightweaver definitiv einen Blick wert.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Annabell95