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Rezensionen von Eternal-Hope:

Über Einsamkeit und Entfremdung zwischen den Kulturen

Die Einsamkeit von Sonia und Sunny von Kiran Desai

Sonia und Sunny, beide ursprünglich aus indischen Familien stammend, scheinen es auf den ersten Blick richtig gut zu haben: ihre Familien sind in der Lage, ihnen jeweils ein Studium in den gepriesenen USA zu ermöglichen. Sonia hat Literatur in Vermont studiert, Sunny Journalismus in New York. So stehen den beiden alle Verheißungen des Westens offen, möchte man glauben: eine Zukunft im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, voll unendlicher Weiten, und ein modernes, freies Leben, frei von den Zwängen alter kultureller Traditionen und familiärer Erwartungen - statt ganz jung heiraten zu müssen, wie viele andere junge Menschen in Indien.

So würde man erwarten, dass die beiden glücklich und erfüllt sind, oder? Das hätten sich zumindest ihre Familien für sie gewünscht, die ihnen dieses Auslandsstudium ermöglicht haben. Dieses Unverstanden-Sein erhöht natürlich das Gefühl der Einsamkeit der jungen Menschen noch einmal mehr, zur äußerlichen kommt noch eine starke innerliche Unverbundenheit und Entfremdung von der Lebenswelt der Herkunftsfamilien dazu:

"Einsam? Einsam?" Für Einsamkeit hatte man in Allahabad kein Verständnis. Sie kannten dort vielleicht die Einsamkeit, die entstand, wenn man sich missverstanden fühlte; sie kannten vielleicht das leere tote Gefühl der Nachmittage von Allahabad, eine Ebbe, die ewig währen mochte; aber sie waren noch nie allein zu Hause gewesen, hatten nie eine Mahlzeit allein eingenommen, nie an einem Ort gelebt, an dem sie Unbekannte waren, waren nie aufgewacht, ohne dass ein Koch ihnen Tee brachte oder ohne mehreren Menschen einen guten Morgen zu wünschen." (S. 9)

Und viele Aspekte des amerikanischen Traums erweisen sich als zerplatzende Seifenblasen: an eine dauerhafte Arbeitsgenehmigung ist nicht so leicht zu kommen, es gibt Vorurteile und Diskriminierung und in manchem sind die beiden in wohlhabenden, behüteten indischen Familien aufgewachsenen jungen Menschen wohl auch psychisch nicht so gut vorbereitet auf die Härten eines Lebens alleine, fernab der Verwandten, in einem fremden Land am anderen Ende der Weltkugel.

Dieses neue monumentale Epos der Booker-Preisträgerin Kiran Desai begleitet also Sonia und Sunny sowie weitere Personen aus ihrem Umfeld über fast 750 dicht erzählte Seiten durch einige prägende Episoden ihres Lebens als junge Erwachsene in ihren 20ern, zwischen den USA und Indien. Natürlich begegnen sich die beiden auch irgendwann, doch bis dahin geschieht noch so einiges andere, und auch danach ist es nicht immer leicht miteinander. Wenn alte kulturelle Normen von Sittsamkeit, Enthaltsamkeit und Ehe wegfallen, aber vielleicht zum Teil noch innerlich nachwirken, und nur stückhaft durch das neue, moderne, westliche Konzept von flexiblen Affären und Beziehungen, in denen alles möglich scheint, ersetzt werden... was hat man dann überhaupt miteinander? Was verbindet einen, wenn überhaupt etwas? Und was macht das mit diesen jungen Menschen?

Es sind viele tiefgründige Themen, die dieses Buch aufwirft:

Es geht um den Preis, den viele junge Menschen zahlen, wenn sie sich durch Wegzug und Studium auch innerlich von den Normen der Herkunftskultur und -familie entfernen und sich gleichzeitig doch nach Zugehörigkeit und Verbundenheit sehnen, aber nicht klar ist, wo diese in ihrem neuen Leben gefunden werden können.

Es geht um ein vielfältiges Indien im Aufbruch, zwischen Tradition und Moderne, zwischen Familienzusammenhalt und Brüchigkeit, mit einer uralten Kultur, Mystik und einzigartiger Kulinarik, aber auch vielfältigen Problemen in Bereichen wie Soziales, Gesellschaft und Umwelt. Dabei spart die schon lange im Ausland lebende indischstämmige Autorin auch nicht mit Kritik am Subkontinent und zeigt an vielen Beispielen, wie tief Klassismus, Misogynie, Korruption und viele weitere Probleme in der Gesellschaft verankert sind und das tägliche Leben der Menschen prägen.

Es geht außerdem um die ursprünglich so schillernden USA, über viele Jahrzehnte der Traum vieler Menschen aus aller Welt, die nach wie vor viele hoffnungsvolle Studierende aus verschiedensten Ländern anziehen, die dann doch in vielen Bereichen desillusioniert werden und erkennen müssen, dass auch diese Gesellschaft bei weitem nicht so frei und gleich ist, wie sie sich gerne marketingmäßig präsentiert, und die scheinbar unendlichen Möglichkeiten für sie selbst ihre Grenzen haben.

Mir hat es etwa in der Seele weh getan, ausführlich darüber zu lesen, wie wenig berufliche Chancen die so hoffnungsvolle, für ihr Fach brennende und intelligente, aber in Beziehungen unerfahrene und etwas naive Sonia für sich allein in den USA hat und wie anfällig es sie dafür macht, eine sehr toxische Affäre mit einem viel älteren, privilegierten, ausbeuterischen Künstler einzugehen, der ihr erst einmal scheinbar berufliche Möglichkeiten und die damit verbundene Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung verschafft, aber sie sonst ausnützt, demütigt und ihren Selbstwert zerstört. Das war ein Teil des Buches, der nicht einfach für mich auszuhalten war, aber gleichzeitig ebenfalls wichtige Aspekte von Einsamkeit und Benachteiligung aufzeigt.

Ich empfehle, sich für dieses Buch mindestens einen Monat konzentrierte Lesezeit zu nehmen. Das gilt selbst für routinierte Leserinnen und Leser. Das Buch ist in seiner Erzählweise dermaßen dicht und reich an Metaphern und Querverbindungen, dass ein schnelles Lesen kaum möglich ist und dabei viel verloren gehen würde.

Eines der prägenden Bilder, das sich durch das Buch zieht und vielleicht auch als Metapher für die Vielschichtigkeit von Verbundenheit, Emotionen, aber auch Einsamkeit, Entfremdung und Überwältigung stehen könnte, ist das Meer:

"Ich hätte schon vor ewigen Zeiten wiederkommen sollen. Du bist das Meer meiner Kindheit." Er schwamm hinaus, bis die Wasser ganz sanft waren, als würden sie noch schlafen." (S. 383)

"In Arossim gingen sie an den Strand. "Wenn du nach langer Zeit zum ersten Mal wieder schwimmen gehst - näher wirst du dem Glück nicht kommen", sagte Sonia." (S. 403)

"Weil dies unabänderlich ihre letzte Vergnügung war, gingen sie ins Wasser und fanden den Wellengang noch heftiger, als er vom Strand aus gewirkt hatte. Die Brecher waren so hoch, dass sie fast bis an den Grund tauchen mussten, damit sie nicht von ihnen mitgerissen wurden. Sie hatten kaum Zeit zum Auftauchen und Luftholen, bevor schon die nächste Welle herangedonnert kam und sie wieder abtauchen mussten, so tief wie möglich, um der Gefahr zu entkommen." (S. 408)

"Am Horizont berührte der Vollmond das Meer, über den Hügeln ging die Sonne auf, und der Mond verschwand wie ein Geist. Sunny schwamm weit hinaus und sah zu, wie die Sonne die ausgedörrten Hügel in Besitz nahm, hinter dem Dorf, das erst langsam erwachte. Er bat den Gott der Dämonen um Schutz für die Sonne, und bat die Sonne, seine Reise zu segnen." (S. 741)

An den zitierten Stellen zeigt sich auch, wie tief in diesem Buch modernes Denken, Fühlen und Genießen mit uralten religiösen, abergläubischen und mystischen Bezügen verbunden sind. Ich habe hier das Beispiel mit dem Meer gewählt, um zu zeigen, wie dieses Buch diesbezüglich funktioniert.

Es gäbe dazu aber auch unzählige weitere Beispiele mit anderen Metaphern, die sich ebenfalls durch das Buch ziehen und sich geschickt immer wieder in unterschiedlichen Kontexten wiederholen und dabei jeweils spiralförmig tiefere Aspekte eines Themas symbolisch aufzeigen. Um diese zu entdecken und zu entschlüsseln, ist Hintergrundwissen in Bezug auf Symbolik, Archetypen und die indische Kultur hilfreich, außerdem braucht es viel Zeit, um der Tiefgründigkeit dieses Werks den angemessenen Raum zu geben.

Damit ist es auch eines der Werke, bei denen es sich definitiv lohnt, es mehrmals zu lesen, dabei Notizen zu machen und es mit anderen zu diskutieren. Im Anhang finden sich Stammbäume von Sonia und Sunny, diese zu konsultieren lohnt sich für eine Einordnung der vielen vorkommenden Figuren.

Für schnelle, oberflächliche Unterhaltung ohne Anspruch eignet sich dieses Buch definitiv nicht, es verlangt und fordert seinen Raum. Es ist ein Buch mit sehr hohem Anspruch, das viel Konzentration, Zeit und Zuwendung erfordert, aber dafür mit einem sehr vielfältigen, reichhaltigen Leseerlebnis und einer umfassenden, tiefgründigen Annäherung an das Thema Einsamkeit zwischen Menschen und Kulturen in seinen vielfältigen Schattierungen belohnt. Es braucht viel Raum, zeitlich genauso wie emotional, sich auf dieses Buch voll und ganz einzulassen. Dann ist es aber ein besonderes Leseerlebnis, das seinesgleichen sucht, viel Tiefe und Wissen vermittelt, verständnisvoller für Menschen aus ganz anderen Kulturen und Lebenssituationen machen kann, zum Nachdenken anregt und auch nach Beendigung der Lektüre innerlich noch lange in einem verweilen wird.

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Rezensionen von Harakiri:

mein Lesehighlight 2026

Vermisst - Der Fall Lucas von Christine Brand

Bereits der dritte Band um Privatdetektivin Malou Löwenberg und mein bisheriges Lesehighlight in 2026.
Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, es war wieder so stark und spannend geschrieben.
Malou wird an das Sterbebett von Lana gerufen. Deren letzter Wunsch ist es, ihren vor 26 Jahren verschwundenen Bruder noch einmal zu sehen.

Doch Lucas hatte einen guten Grund zu verschwinden: er hat zwei Mädchen ermordet und will nicht gefunden werden. Wo soll Malou da mit der Suche beginnen?
Der Fall scheint hoffnungslos, doch dann findet Malou eine kleine Spur und hangelt sich an dieser Schnur entlang. Und genau das fand ich so megaspannend: wie bei einem Puzzle setzt Malou diese kleinen Hinweise zusammen und taucht immer tiefer in die damaligen Vorkommnisse ein. So rast man beim Lesen förmlich durch die Seiten, weil man sich die Auflösung ersehnt. Selten ist es mir so schwergefallen, NICHT gleich am Ende des Buches zu lesen, ob Lucas gefunden wird.
Brand schreibt emotional und mitreißend und baut teilweise wahre Geschehnisse in die Handlung ein, was zu einem noch spannenderen Lesevergnügen beiträgt. Dabei verzichtet sie auf überflüssige Dramatik und setzt auf sauber recherchierte Details.
Einschübe aus der Vergangenheit und die Suche Malous nach ihren Eltern machen das Buch noch mitreißender. Malou als Charakter gefällt mir ausnehmend gut, aber auch die Nebendarsteller, allen voran Bettina, die im Gefängnis sitzt, tragen zu einem runden Erlebnis bei.
Fazit: unbedingt lesen

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Rezensionen von Eternal-Hope:

Persönlich, medizinisch fundiert und hilfreich

Hilfe bei Fehlgeburt von Caroline Lehmann; Shirley Michaela Seul

Fehlgeburten betreffen mindestens jede dritte Frau, sind aber noch immer oft ein Tabuthema. Die Autorin hat mit dem Thema vielseitige Erfahrungen gemacht: einerseits als Ärztin mit Spezialisierung im Bereich genetische Beratungen, andererseits als selbst betroffene Frau, die vier Fehlgeburten ertragen musste, bis es endlich kurz vor 40 in der fünften Schwangerschaft beim letzten Versuch mit dem Wunschkind klappte.

Aus dieser Erfahrung heraus bietet sie nun auch Coaching für von Fehlgeburten betroffene Frauen an.

Ich muss ehrlich sagen, dass der sehr allgemein gehaltene Titel und auch das Cover mich kein so tolles Buch erwarten hätten lassen - das Buch hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen! Nahbar und persönlich erzählt die junge Ärztin von den Erfahrungen aus ihrer Kinderwunschzeit, von ihren Fehlgeburten und dem Schweigen darüber, dem Alleine-Sein und dem sterilen, oft unempathischen medizinischen System, das sie aus ihrer Berufspraxis so gut kannte und doch als Betroffene noch einmal ganz anders erlebte. Ihre persönliche Geschichte führt durch das Buch, wird aber jeweils passend durch medizinisches Fachwissen ergänzt.

Auch auf dieser Ebene habe ich viel gelernt, zum Beispiel über die verschiedenen Optionen nach einer Fehlgeburt - zusätzlich zu einer Absaugung ist es auch möglich, einen natürlichen Abgang abzuwarten oder diesen medikamentös einzuleiten - oder auch darüber, dass Frauen, die schnell und leicht schwanger werden, öfter von Fehlgeburten betroffen sind als solche, bei denen es länger dauert.

Viel Raum bekommt auch das Thema Trauern und In-Verbindung-Bleiben mit dem Sternenkind, denn die meisten betroffenen Frauen können und wollen ihre Sternenkinder eben innerlich nicht komplett "loslassen" (ähnlich wie es auch sonst oft Eltern frühzeitig verstorbener Kinder geht), wie ihnen so oft suggeriert wird, dass sie müssten. Überhaupt ist der Umgang mit den Sternenkindern ein sehr wertschätzender und es wird ein Weg vorgestellt, die gemeinsame Zeit, auch wenn sie noch so kurz war, zu würdigen.

Besonders interessant war für mich auch der Ansatz der Gentle Loving Care, zu dem es schon empirische Studien gibt, die nachweisen, dass Frauen, die vom medizinischen System freundlich empfangen werden, jederzeit ihre Gynäkologin oder ihren Gynäkologen aufsuchen dürfen und dort insgesamt menschenfreundliche und gemütliche Rahmenbedingungen erwarten, nach einer ersten Fehlgeburt weit wahrscheinlicher eine erfolgreiche Folgeschwangerschaft haben als solche, für die, wie leider sonst im überlasteten medizinischen System oft üblich, wenig menschenfreundlich und knapp abgefertigt werden. Hier zeigt sich wieder die so wichtige emotionale Komponente und wie bedeutend es wäre, dafür zu sorgen, dass sich nicht nur gebärende, sondern auch schwangere Frauen in dieser so vulnerablen Situation so geborgen und behütet wie möglich fühlen dürfen.

Das sind nur ein paar neue Erkenntnisse, die bei mir persönlich hängen geblieben sind, aber es gibt noch viel mehr davon im Buch. Vor allem aber fühlt sich das Buch an wie eine liebevolle Umarmung, wie ein verständnisvolles Gespräch mit einer Freundin an der Seite, mit einer, die ebenfalls, wie so viele Frauen und Paare heute, eine herausfordernde Kinderwunschzeit hinter sich hat und weiß, wovon sie spricht.

Ich kann dieses großartige Buch allen, die selbst von Fehlgeburten betroffen sind oder Betroffene in ihrem Umfeld haben - und das hat so gut wie jede/r, nur wissen wir es oft nicht - nur ans Herz legen!

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Rezensionen von Anno:

Nur bedingt zu empfehlen

Kinder brauchen Dopamin von Michaeleen Doucleff

Lange nicht mehr hat mich ein Buch so zwiespältig zurückgelassen. Einerseits hat es mich extrem interessiert, wie sich Medienkonsum und hochverarbeitete Lebensmittel auf den Körper auswirken, welche Vorgänge dabei freigesetzt werden und was zu einer Sucht führt. Andererseits folgt diese Autorin einem Ansatz, den ich selbst nicht gutheißen kann.

Ich finde ihn zu radikal und auch nicht allgemein umsetzbar. Sie nutzt die eigene Tochter um ihre Fortschritte darzustellen, doch diese Berichte wirken auf mich zu glatt, als dass sie glaubhaft wären. Und zugleich scheint die Familie für Michaeleen Doucleff so wie sie es hier darstellt eine Mischung aus Versuchkaninchen und Obsession zu sein, immer darauf bedacht noch extremer vorzugehen. Die Gefühlswelt wird dabei fast völlig außen vor gelassen und Kindern nur ein minimales Mitspracherecht eingeräumt. Meinen Wunsch nach einer gewissen Vereinbarkeit läuft dem komplett entgegen. Entsprechend habe und werde ich mir nur die für mich relevanten Infos aus diesem Buch ziehen und den vorgegebenen Plan nicht weiter verfolgen.

Die Autorin beschreibt interessant, gut verständlich und ausführlich. Sie stellt sowohl wissenschaftliche Hintergründe vor, wie auch Anekdoten und Gedanken dahinter. Wenn man ihren Weg annehmen kann, kann dieses Buch trotz seines Umfangs womöglich kurzweilig und erhellend sein. Ich selbst habe jedoch rasch eine innerliche Haltung angenommen, die mir dies erschwerte.

Die Haltung der Autorin spricht klar gegen bedürfnisorientierte Erziehung.

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Rezensionen von lesende_zitrone:

Lügenkonstrukte, falsche Rollen und gefährliche Menschen.

The Exes von Leodora Darlington

In "The Exes” ist niemand der, der sich zuerst so darstellt. Jeder spielt eine Rolle, ein falsches Spiel, und baut Lügen auf weiteren Lügen auf.

Natalie ist gefährlich und arbeitet an sich, um das Biest im Zaum zu halten. Wäre da nicht James, der ihr gewaltig den Kopf verdreht und ihr neuer Mittelpunkt ihres Lebens wird.

Aber nicht nur Natalie versteckt sich, auch ihr Umfeld hat mehr Geheimnisse, als sie jemals ahnen würde.

Natalie ist eine starke Frau, die viel zu verarbeiten hat. Sie ist gefährlich, hat viel im Kopf und will eigentlich nur von ihrer Familie geliebt werden. James ist nett und ein toller Chef. Wäre da nicht das eine oder andere, was er auch versteckt? Die beiden zusammen geben schnell eine extrem spannende Verbindung im Buch wieder, was einen sehr packt.

Das Buch ist äußerst spannend mit vielen Rätseln und Andeutungen geschrieben. Es kommen immer wieder Plottwists, die man gar nicht erwartet, und das Buch lässt sich gar nicht mehr aus den Händen legen. Der Anfang war etwas stockend, aber ab der Hälfte nimmt die Geschichte schnell Fahrt auf und es kommen mehr gefährliche Verstrickungen. Im Laufe des Buches bekommen wir ein paar Kapitel, die aus der Sicht anderer Charaktere geschrieben sind. Was dem Buch noch mehr Tiefe gibt und einem Gänsehaut verpasst.

Große Empfehlung für alle Thriller-Fans, die eine Geschichte über gefährliche Frauen lesen möchten, mit einer fesselnden Vergangenheit.

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Rezensionen von lesende_zitrone:

Absolut fesselnder Thriller in einer reichen Kleinstadt und geheimnisvollen Schülern!

Liars all around me von Clara Blais

Jeder hat seine Geheimnisse und niemand ist so, wie auf den ersten Blick angenommen.
Wie immer morgens in die Schule gehen, doch dieser Morgen ist anders. Averys Mitschülerin und Feindin wird am Leuchtturm erschossen aufgefunden. Und ihr Mitschüler Ryle hat sie direkt als Täterin im Blick. Schließlich muss sich Avery auf die Suche nach dem richtigen Mörder machen und das mit Ryle und ihrer besten Freundin Micah.

Je mehr sie über ihre Mitschüler erfahren, desto schockierender wird es. Aber dabei geraten selbst die tiefsten Geheimnisse der drei ans Licht.
Avery wurde von ihren Eltern zur perfekten Schülerin erzogen. Allerdings sieht es in ihrem Innersten ganz anders aus. Sie kämpft stark mit sich selbst und als der Mord passiert, gerät sie noch mehr in Panik, schließlich steht ihre Zukunft auf der Kippe. Trotzdem ist sie sehr sympathisch und kämpft für sich selbst, auch wenn es ihr schwerfällt. Ryle ist der Kriminelle der Stadt und jede Woche kommt ein neues Gerücht über ihn in der Schule. Er kümmert sich nur um sich und seine Familie mit ganzem Herzen. Obwohl er mit einem schweren Ereignis zu kämpfen hat, ist er eigentlich sehr herzlich und gibt jedem eine Chance. Zu Anfang können die beiden sich nicht ausstehen, durch das Machtverhältnis, das zwischen ihnen steht. Doch mit der Zeit sehen sie, dass der Mord wichtiger ist als ihr Streit.
Das Buch hat mich wahnsinnig schnell gepackt und mich miträtseln lassen. Der Schreibstil war wirklich spannend und hat die Geschichte perfekt erzählt. Die Charaktere und auch das Setting der Kleinstadt wurden ausgezeichnet beschrieben und es hat Spaß gemacht, zu lesen. Der/Die Täter/in wurde nicht einfach gemacht zu erraten und ich habe mit den Charakteren langsam begriffen, wer ein falsches Spiel spielt. Das Ende des Buches finde ich absolut gelungen und es hat mich extrem überrascht.
Eine wahnsinnig große Empfehlung für alle, die gerne Thriller mit Schülern lesen und sich überraschen lassen wollen. Perfekt für ein regnerisches Wochenende auf der Couch!

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Rezensionen von Daggy:

Lernen ohne Gluten zu leben

Der unerwünschte Gast von Hendrikje Balsmeyer

„Ein Geschichte über Zöliakie“ heißt der Untertitel und wir sehen eine nett Dame, die bei Lou anschellt.
Leider gibt es immer mehr Menschen, auch Kinder, die unter dieser Autoimmunerkrankung leiden und kein Gluten vertragen.
Lou lebt mit Mama, Papa und ihrem kleinen Bruder Nikki zusammen, die Geschwister mögen beide gerne Gummibärchen, deshalb versteckt sie Lou in der Toilettenpapierrolle.

Lou hat oft Bauchschmerzen und ihre Beine tun ihr weh, außerdem ist sie oft schon früh müde. Deshalb geht sie mit ihren Eltern zu Kinderärztin, die ihr Blut abnimmt. Ein Ergebnis gibt es noch nicht, aber als Lou mit ihren Eltern Memorie spielt schellt eine Frau an, die mit drei Koffern anreist und die für immer bleiben will. Ihr Name ist Zöliakie und sie sortiert alle Lebensmittel aus, die Lou nicht mehr essen darf. Sie erklärt ihr, dass sie den Kleister in manchen Lebensmittel nicht verträgt. Lou findet sie lästig und aufdringlich, erst ihr kleiner Bruder weist sie darauf hin, dass sie ihre gesundheitlichen Probleme los ist, weit Frau Zöliakie sich um sie kümmert.
Die Illustrationen im Buch sind sehr großformatig und sie zeigen sehr genau, wie Lou ihre Ernährung umstellt. Der Text ist schon etwas länger erklärt aber sehr verständlich und kindgerecht diese Krankheit, die nicht heilbar ist, die aber durch konsequente Vermeidung vom Gluten verhindert wird.
Das Buch klärt nicht nur Betroffene auf, sondern es zeigt auch allen anderen, wie genau man es mit der Ernährung nehmen muss.

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Rezensionen von Daggy:

Beängstigend und voller Spannung

Bis der Regen Feuer fängt von Stefanie Höfler

Tonia lebt im Jahr 2065 zusammen mit ihren Eltern und ihren älteren Bruder Rudi zusammen in einer überwachten Welt. Ein Sensor am Arm und ein Smartphon in der Hand, so sind die Menschen unterwegs. Vitamine werden durch Pillen ersetzt und es ist wichtig sich anzupassen und dem Normensystem zu entsprechen.

Die Ressourcen sind knapp und es regnet kaum noch.
Doch dann verschwindet Rudi nach einem Streit mit den Eltern und Sol taucht in der Klasse auf. Sie hat genau wie Rudi Narben an den Fingern und sie gefällt Tonia. Doch dann, als es anfängt zu regnen, entschließt sich Tonia ihren Bruder im Wald zu suchen. Rudi ist ein Regenkind, auch wenn wir lange nicht verstehen, was das bedeutet.
Die Dystopie ist nicht so düster und vieles fühlt sich noch sehr vertraut an, anderes ist beängstigen, wie sie ständige Überwachung durch Kameras und den Sensor. Die festen Regeln, aus denen man nicht ausbrechen darf, weil man dann nicht studieren darf. So sind auch gleichgeschlechtliche Paare genauso verboten, wie uneheliche Kinder.
Tonia schafft es dann im Wald zu überleben, weil sie vieles von ihrem Bruder gelernt hat, der sich sehr mit der verbliebenen Natur beschäftigt hat.
Neben der Erzählung, die immer wieder auch in die vergangenen Tage abschweift, gibt es Briefe du Texte, die ich nicht zuordnen konnte, die erst im Nachhinein Sinn ergeben. Fast möchte ich das Buch noch einmal mit dem Wissen, dass das Ende mit sich bringt, lesen.
Manchmal zog sich die Geschichte etwas, zumal ich ja wissen wollte, was hinter den Regenkindern steckt.
Ein ungewöhnliches, spannendes Buch, dass von einer Zukunft berichtet, die wir hoffentlich verhindern können.

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Rezensionen von bookloving:

Wenn Freiheit verboten wird - Eine beklemmende Parabel

Der letzte Sommer der Tauben von Abbas Khider

MEINE MEINUNG

In seinem beeindruckenden neuen Roman Der letzte Sommer der Tauben erzählt Abbas Khider von einer Gesellschaft, die sich unter der sich allmählich ausbreitenden Terrorherrschaft eines islamistischen Kalifats immer weiter verdüstert. Im Mittelpunkt der bedrückenden Geschichte steht der vierzehnjährige Ich Erzähler Noah, der mit seiner Familie in einer Stadt lebt, deren Namen bewusst unerwähnt bleibt.

Khider verzichtet bewusst auf konkrete geografische und zeitliche Verortung, wodurch der Roman eine beklemmende Allgemeingültigkeit erhält. Die schleichende Veränderung des Alltags ist nicht auf einen Ort beschränkt, sondern ist universell und könnte in vielen totalitären Diktaturen und fundamentalistischen Regimen geschehen. Noahs größter Stolz ist seine Taubenzucht hoch über den Dächern seiner Stadt. Von diesem kleinen Rückzugsort aus beobachtet er ihren Flug und verbindet mit ihnen ein Gefühl von Schönheit, Ruhe und Weite, symbolisieren diese wunderschönen Vögel doch Freiheit und vertrauensvolle Bindung. Als die neuen islamistischen Machthaber jedoch zunehmend das öffentliche und private Leben streng zu kontrollieren beginnen, gerät seine fragile Welt zunehmend unter Druck und das vertraute Umfeld verwandelt sich in ein System aus Verboten, Angst und wachsender Gewalt. In kurzen, Schlaglicht-artigen Kapiteln werden wir Zeugen eines schleichend um sich greifenden Ausnahmezustands. Jedes für sich genommen eher unspektakulär, entfalten sie dennoch in ihrer Abfolge eine beklemmende Wucht.

Khider versteht es hervorragend, die tief in den Alltag eingreifende Ideologie und Veränderungen äußerst anschaulich und nuanciert zu beschreiben. Ob nun das Verschwinden der Musik aus den Cafés, das Verhüllen der Frauen, Schwärzen von Bildern oder das Konfiszieren und Verbrennen von verbotenen Gegenständen - die rigiden Maßnahmen und religiösen Vorschriften dringen Schritt für Schritt bis in die kleinsten Bereiche des Alltagslebens vor. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, werden plötzlich verdächtig oder verboten, so dass sich immer deutlicher die umfassende Umstrukturierung des Lebens offenbart. In eindrücklichen Szenen, in denen das Banale bisweilen ins Groteske kippt, wird die Absurdität der Ideologie ebenso greifbar wie ihre zerstörerische Konsequenz.

Um die Brutalität des Systems sichtbar zu machen verzichtet Khider in seiner eindringlich erzählten Geschichte bewusst auf Pathos und dramatische Überhöhung. Der schlichte, prägnant gehaltene Sprachstil passt hervorragend zu der Perspektive des jugendlichen Ich-Erzählers, der vieles zunächst nur bruchstückhaft versteht und viele Vorgänge mit Staunen, Angst und Unverständnis wahrnimmt. Gerade Noahs scheinbare Naivität legt die Widersprüche, Grausamkeiten und Absurditäten der neuen Gegebenheiten umso schonungsloser frei. Gekonnt lässt Khider zudem eine leise, oft bittere Ironie einfließen, die sich vor allem in beiläufigen Bemerkungen und im familiären Miteinander zeigt.

Zu den stärksten Charakteren gehört die Figur des widerständigen Onkels Ali, der trotz der Verbote heimlich raucht, trinkt und schreibt. Als ein stiller, ironischer und weiser Gegenpol zu den sich die immer weiter zuspitzenden Verhältnissen erklärt er Noah die politischen Hintergründe und eröffnet ihm durch seine stille oppositionelle Art einen Raum des Denkens und Zweifelns. In ihm verdichtet sich ein widerständiger Rest von Eigenständigkeit in dieser trostlosen Zeit.Khider versteht es, die wachsende Bedrohung nicht über spektakuläre Zuspitzungen, sondern über Verdichtung zu verdeutlichen. Gekonnt zeichnet er ein bedrückendes, aber auch sehr bewegendes Bild davon, was religiöser Fanatismus im Alltag anrichtet.

Der Raum, in dem sich Noah bewegen kann, wird Schritt für Schritt enger, das Misstrauen wächst, Beziehungen zerbrechen oder werden von Angst unterwandert. Öffentliche Gewalt wie Verhaftungen, Misshandlungen oder sogar Steinigungen ist keine Ausnahme, sondern logische Konsequenz eines Systems auf, das sich über absolute Deutungshoheit definiert.

Geschickt hat der Autor die Tauben als zentrales Motiv seines Romans gewählt. Sie stehen nicht nur für Noahs Leidenschaft, sondern symbolisieren zudem eine Idee von Freiheit, die sich dem Zugriff der Macht und Kontrolle zunächst entziehen kann. Als sogar das Taubenzüchten schließlich verboten wird und der Himmel selbst zum verdächtigen Raum deklariert wird, fällt schließlich auch der letzte Rückzugsort. Eindrucksvoll führt Khider uns hierbei vor Augen, dass eine Herrschaft, die den freien Flug fürchtet, letztlich jede Form von Autonomie fürchtet und unterdrücken will. Ein beklemmender Ausklang angesichts von Noahs fatalen, unwiederbringlichen Verlusts und seiner äußerst ungewissen Zukunft, aber auch ein kleiner hoffnungsvoller Ausblick, dass sich ein kleiner Rest Widerstand gegen eine vollständige Unterwerfung regt.

FAZIT

Ein beeindruckender, leiser Roman, der mit großer Eindringlichkeit vom Alltag unter religiösem Fanatismus und schwindender Freiheit erzählt..
Es ist ein ebenso beklemmender wie berührender Roman, der lange nachwirkt! Sehr lesenswert!

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Rezensionen von Daggy:

Selektiver Mutismus sehr gut erklärt

Eine Kugel Schoko bitte! Emmos Weg aus dem Selektiven Mutismus von Aniko Lerch

Stolz hält uns Emmo sein Schokoladeneis entgegen, dass er selbst am Eiswagen gekauft hat. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, den Emmo zusammen mit Frau Dr. Sperling und seiner Familie gehen muss.
Denn Emmo spricht ausschließlich zu Hause mit seiner Familie, da plappert er problemlos drauf los, aber wenn er in der Kita ist, hängen die Worte in seinem Hals fest.

Da Emmo uns selbst seine Geschichte erzählt, erfahre wir genau, wie es ihm geht, wenn erwartet wird, dass er spricht. Mit seinem Schweigen macht er aber auch die anderen aggressiv, sie verstehen nicht, warum er nichts sagt. So übernimmt sein kleiner Bruder das Sprechen für ihn und seine Mutter umgibt ihn nur mit Menschen, die Verständnis mit Emmo haben. So lernt Emmo Geige und sein Lehrer hat keine Probleme damit, dass Emmo nicht mit ihm spricht, ihre Sprache ist die Musik. Erst als Emmo zu Frau Dr. Sperling kommt, hat seine „Nichtsprechen“ ein Diagnose „Selektiver Mutismus“, und obwohl ich das Buch „Luftmaschentage“ kenne, war mir der Begriff fremd. Er beschreibt Menschen, die zeitweilig nicht sprechen, obwohl sie es können. Frau Dr. Sperling begleitet Emmo einige Jahre und gemeinsam schaffen sie es, dass Emmo, als er in die Schule kommt mit seinen Mitschülern und mit der Lehrerin spricht. Sie geht da sehr langsam und mit viel Gefühl vor, aber sie ist sehr erfahren und weiß, wie sie Emmo dazu bringt zunächst Buchstaben lautlos zu sprechen.
Im ersten Teil das Buches berichtet Emmo und im zweiten Teil gibt es Tipps, wie man mit Ritualen und ganz viel Lob etwas bewirken kann. Ein Buch, dass Hoffnung macht und uns anderen zeigt, dass wir mehr Verständnis aufbringen müssen, wenn uns ein Kind nicht antwortet.
Neben dem gut verständlichen Text gibt es viele bunte Bilder und Anregungen für Rituale im zweiten Teil.

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