Kunden em pfehlungen
Rezensionen von KimVi:
Temporeicher Thriller
Die Schanze von Lars Menz
Direkt nach dem Abitur ist Ellen in ihrem Heimatort Schreckliches widerfahren. Deshalb kehrte sie dem Ort und seinen Bewohnern den Rücken. Doch nun ist sie zurück, um eine Arztpraxis zu übernehmen. Bereits auf ihrer ersten abendlichen Joggingrunde sieht sie einen Toten an der Schanze hängen. Schon bald stellt sich heraus, dass der Mann ermordet wurde.
Ellen erkennt den Ermordeten sofort, denn er ist mit dafür verantwortlich, dass Ellen damals fluchtartig den Ort verließ. Ist es Zufall, dass der Mord ausgerechnet an Ellens erstem Abend passiert? Und wird sie in den Fokus der Ermittlungen geraten?
Der Einstieg in diesen Thriller gelingt mühelos. Man befindet sich sofort mitten im Geschehen. Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert. Da die Kapitel recht kurz sind und häufig an entscheidenden Stellen zur nächsten Perspektive wechseln, gerät man früh in den Sog der Ereignisse.
Die angespannte Atmosphäre, die im Heimatort der Hauptprotagonistin herrscht, wird hervorragend vermittelt. Man kann sie förmlich spüren. Dadurch entwickelt dieser Thriller einen zusätzlichen Reiz. Die Protagonisten wirken authentisch, sind aber schwer einzuschätzen. In dem kleinen Ort scheint es einige Geheimnisse zu geben und man weiß nicht, was man glauben soll oder wem man vertrauen kann. Dadurch wird man dazu angeregt, eigene Überlegungen anzustellen. Doch es kommt immer wieder zu unerwarteten Wendungen, wodurch man die eigenen Schlussfolgerungen überdenken muss. Die früh aufgebaute Spannung kann dadurch durchgehend gehalten werden und sich im Verlauf der Ereignisse sogar stetig steigern. Einmal angefangen, mag man das Buch kaum aus der Hand legen.
Ein temporeicher Thriller, der durch Spannung und überraschende Wendungen überzeugen kann.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Hörbuch nicht zu empfehlen
Spellcraft, Band 1 - Die Magie der silbernen Flamme von R. L. Ferguson
Der Einstieg versprüht bereits Magie und lässt einen, gemeinsam mit Oma Serena und Lucy, die das magische Handwerk der Glasbläserkunst ebenfalls beherrscht, neugierig in diese magische Welt der Spellcrafter, Septs, Greeder und der Äther Magie eintauchen.
Oma Serena wird entführt und durch einen verzauberten Glaslöffel wird Lucy klar, dass ihre Erinnerungen daran manipuliert wurden.
Mit der Hilfe von Freunden macht Lucy sich auf die abenteuerliche Suche nach der Wahrheit und nach ihrer Großmutter.
«Spellcraft» ist voller fantastischer Einfälle, lässt sich leicht lesen und ist ereignisreich und unterhaltsam geschrieben. Restlos begeistern konnte es mich aber leider nicht. Ich hatte Schwierigkeiten, Lucys Entscheidungen nachzuvollziehen und empfand die Figuren oberflächlich dargestellt. Man könnte meinen, dass dafür die Handlung hervorsticht, aber so temporeich und durchgehend spannend war es gar nicht. Von dem Londoner-Setting darf man auch nicht zu viel erwarten. Mich konnte es nicht so packen, aber für die Zielgruppe könnte es durchaus interessant sein. Erwachsene, die gern fantasievolle Kinderbücher lesen, könnten enttäuscht sein.
Das Hörbuch kann ich allerdings gar nicht empfehlen. Die Sprecherin konnte mich überhaupt nicht überzeugen. Sie spricht so unlebendig und hastig, dass es schwer fällt, zuzuhören. Ich bin dann auf das Buch umgestiegen. Deshalb fließt das nicht in die Bewertung ein, sondern ist lediglich ein Hinweis.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Schwächer als die Vorgänger
Vielleicht hat das Leben Besseres vor von Anne Gesthuysen
Anna von Betteray, die evangelische Pastorin der kleinen Gemeinde, und
Heike, erschüttert von einem tragischen Unfall ihrer 15-jährigen Tochter Raffaela, sind Hauptfiguren in diese Roman, der eine Mischung aus Krimi und Familiengeschichte ist.
«Vielleicht hat das Leben Besseres vor» knüpft an das Buch «Wir sind doch wer» an und war für mich leider eine Enttäuschung.
Mir war das Buch einfach zu überladen und oberflächlich. Ob gewichtige Themen, Klischees oder übertriebene Figurendarstellung. Hier fehlte ein ausgeglichenes Maß und die humorvolle Leichtigkeit, die der Klappentext erhoffen ließ. Ich war zunehmend gelangweilt, auch von der Konstruiertest, und hätte das Buch am liebsten abgebrochen. Das war einfach nichts für mich und ist nicht mit «Wir sind doch Schwestern» vergleichbar. Allerdings kann der Roman auch ohne Vorkenntnisse der zwei Vorgänger gelesen werden.
Rezensionen von nessabo:
Wie sollen Worte die Schönheit dieser Geschichte beschreiben?
Für Polina von Takis Würger
Ich verstehe wirklich nicht, was hier während der Lektüre mit mir passiert ist. Zu Beginn war ich kurz skeptisch, ob das sanfte Beobachten und die Ruhe der Erzählstimme mich würden mitreißen können. Und ich bin ganz ehrlich: Selten wurde ich so überrascht.
Denn Takis Würger muss zaubern können, anders kann ich es mir nicht erklären, dass sich knapp 300 Seiten angefühlt haben wie 30.
Dabei war ich nicht in einem fast ungesunden Leserausch, wie ihn manche Fantasy bei mir hervorruft, sondern fühlte mich innerlich ganz ruhig, während ich die Figuren einfach nicht loslassen wollte.
Neben einem mir unbegreiflichen Talent für eine Sprache, die bannt ohne aufzuregen, hat Würger ein ebenso großes Feingefühl für seine Figuren. Alle, ausnahmslos alle Charaktere sind von ihm auf irgendeine Art mit Liebe gezeichnet. Nicht immer wirkt es im ersten Moment so, doch spätestens in Beziehung zu anderen zeigt sich ihre Sanftheit und Tiefe. Diese Wärme ist es schließlich, die der oft alltäglichen Handlung eine unglaubliche Fülle verleiht.
„Für Polina“ dreht sich um Zuneigung, menschlichen Zusammenhalt trotz aller Unterschiede und um Liebe in jeglicher Form. Außerdem geht es natürlich um die Bedeutung von Musik, die in den Hörenden selbst ihre tatsächliche und individuelle Wirkung entfaltet. Und das Geniale dabei ist, dass der Autor selbst genau das mit seinen Worten erwirkt. Denn trotz aller Klarheit steckt in der gewählten Sprache auch sehr viel Subtiles, das von den Lesenden selbst gefunden und interpretiert werden darf.
Ich bleibe im Unvermögen zurück, meine Begeisterung für dieses Buch in adäquate Worte zu packen. Es hat mich vollständig überzeugt und in eine warme Umarmung gehüllt. Auf zwei rassistische Bezeichnungen hätte ich im Text noch verzichten können, doch das ändert nichts daran, dass dieser leise und doch ausdrucksvolle Roman ein Highlight dieses Jahres ist.
Rezensionen von Anndlich:
Mücken, die zu Elefanten werden.
Neun Tage Wunder von Kristina Moninger
Anni ist sich sicher, dass sie in ihrem Nachmieter Lukas die Liebe ihres Lebens gefunden hat. Doch neun Tage später erkennt sie eine Wahrheit, die eine gemeinsame Zukunft unmöglich macht und Anni verlässt nicht nur ihre alte Wohnung, sondern auch ihre Liebe des Lebens.
Zehn Jahre später ist Anni mit dem bekannten Schriftsteller Ben zusammen und lebt mittlerweile nicht mehr in München, sondern in Glückstadt.
Gemeinsam mit Ben, seiner Tochter Lena und ihren Familienhund Fieps. Doch dann holt ihre Vergangenheit sie ein, denn Ben trifft auf Lukas und kommt Annis Geheimnissen verdammt nah.
Ich habe mich sehr auf Neun Tage Wunder von Kristina Moninger gefreut, da ich die Breaking-Waves-Reihe der Autorin geliebt und innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. Doch leider kam ich nur sehr schwer in das Buch rein und konnte mit den Protagonisten keine richtige Beziehung aufbauen. Anni ging mir phasenweise sehr auf die Nerven, weil sie durch ihr Verhalten aus Mücken einen Elefanten macht und vieles mit ein bisschen Kommunikation schnell aus der Welt geschafft wäre. Ben und Lukas waren größtenteils hingegen liebenswert gestaltete Charaktere, wenngleich auch hier einige Aussagen seltsam waren. Diese Konstellation hat für mich jedoch auch dazu geführt, dass ich nicht unbedingt das Ende erreichen wollte, denn ein ‚Happy End‘ schien hier unmöglich.
Für mich war allerdings das größte Problem, dass ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass ein ‚dunkler Schleier‘ über der Geschichte liegt. Möglicherweise einmal wegen des Wissens, dass ein ‚netter Kerl‘ am Ende nicht unbedingt glücklich sein wird, aber auch weil Lügen und Geheimnisse dauerpräsent waren und mir in diesem Maße - und wegen unnötigen Dingen - zu viel wurde. Besonders Maren war als Charakter anstrengend, nahm allerdings sehr viel Platz ein und am Ende wird ihre Geschichte leider auch nicht gänzlich aufgelöst.
Lena, Bens Tochter, war ein Lichtblick. Den Humor, den sie (in Kombination mit Ben und Anni) reingebracht hat, war ab und an wirklich erfrischend, wenngleich er aufgrund des ‚dunklen Schleiers‘ leider nicht häufig die Wirkung entfalten konnte.
Ich war kurz davor das Buch abzubrechen, allerdings hat mich brennend interessiert, wie es enden würde und das Ende hat noch einmal eine schöne Seite Bens gezeigt, die mir sehr gefiel und aufzeigt, was Liebe bedeutet. Die Auflösung des Neun Tage Wunders war passend für Anni, aber leider nur zum Kopfschütteln.
Rezensionen von peppi:
Zweite Chance
Luzie in den Wolken von Charlotte Lucas
Die Autorin erzählt in ihrem Buch "Luzie in den Wolken" die Geschichte von Miriam, einer junge Frau und Mutter, die vor vier Jahren ihren Mann verlor. Tapfer versucht sie sich und ihre siebenjährige Tochter Luzie mit ihrem Second Hand Shop für Kinderbedarf über Wasser zu halten.
Aber Luzie wünscht sich einen Vater, so wie ihn alle anderen Kinder auch haben.
Neben Miriam kommt ihm Buch der ausgebrannte Schriftsteller Gabriel Bach zu Wort. Als er einen Luftballon von Luzie findet, an dem eine Karte mit dem Wunsch nach einem Vater, hängt, kommt ihm eine spontane Idee, die sein Leben und das von Miriam und Luzie ziemlich durcheinander wirbelt.
Die Geschichte ist berührend. Aber ich fand sie oft ein wenig überzogen und ehrlich gesagt auch recht unrealistisch. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, dass es etwas zu viel wird. Beispielsweise, dass Gabriel noch ein Verhältnis mit der Reporterin hatte, die einen Artikel über den Laden schreiben wollte.
Rezensionen von nessabo:
Ein weiterer, äußerst lesenswerter #MeToo-Roman
Service von Sarah Gilmartin
Wer „Prima facie“ mochte, wird hier eine würdige Alternative finden, denn wenig überraschend ist es völlig egal, in welcher Branche oder in welchem Land sich ein 6ueller Übergriff ereignet - das Victim Blaming und die juristischen Hürden sind überall gleich.
Während „Prima facie“ aber einen starken Fokus auf das Rechtssystem und den Wandel der Protagonistin von Verteidigerin zu Betroffener legte, setzt „Service“ die Komplexität der Tat anders um.
So gibt es hier drei Erzählstimmen, die den zu Beginn nur zaghaft angedeuteten Vorfall vielschichtig betrachten.
Ich mag verschiedene Perspektiven sehr, weil sie, wenn gut geschrieben, ein komplexes Gesamtbild schaffen können. Das ist Sarah Gilmartin eindeutig geglückt! Kellnerin Hannah, die sehr jung im gehobenen Restaurant T anfängt, schildert zunächst eindrücklich die Atmosphäre in der Gastronomie. Wer dort schon einmal gearbeitet hat, wird das Geschriebe wohl körperlich fühlen, so authentisch ist es.
Daniel, der Beschuldigte, ist ein arrogantes Ekel und ich habe mich einfach kontinuierlich aufgeregt. Andere schreiben davon, dass sie sogar fast auf seine Sicht hereingefallen sind, das war bei mir gar nicht der Fall. Auch, wenn der Charakter eines Menschen nicht zwangsläufig auf sein Verhalten schließen lässt, war für mich hier von Anfang an alles klar. Seine Sicht, so gut sie auch in die Handlung passt, ist der Grund, warum ich einen halben Stern weniger vergebe als für „Prima facie“ - es hat mich einfach zu sehr aufgewühlt, ihn wiederholt in meinem Kopf zu haben.
Julie, seine Ehefrau, ist eine faszinierende Figur, die erst im Laufe der Geschichte Vergangenes neu einordnet und damit die für mich spannendste Entwicklung durchläuft. Sie ist die Figur, die zwischen den beiden anderen steht und deren Urteil wiederholt schwankt.
Ein großes Plus des Romans ist die Solidarität unter den Kellnerinnen und die war für mich auch das, was das Buch zum Schluss durchaus empowernd machte, ohne angesichts der bitteren Realität naiv zu sein. Eine Geschichte, die schmerzvoll und zum Schreien, aber eine klare Empfehlung ist!
4,5 Sterne
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TW: Vergew@ltigung, 6uelle Übergriffe, Substanzmissbrauch
Rezensionen von nessabo:
Fragmentarisches Porträt einer ganz persönlichen Mutterschaft
Die bärtige Frau von Bettina Wilpert
Obwohl ich selbst kinderfrei und zufrieden damit bin, lese ich gern Romane über Mutter-/Elternschaft. Da ich außerdem die Arbeit der Autorin schätze, wollte ich nach den ersten beiden nun auch ihren dritten Roman lesen. Und auch, wenn ich mit ihm nicht ganz warm geworden bin, empfehle ich ihn!
Denn wenn Bettina Wilpert eines kann, dann ist es das Abbilden komplexer Realitäten.
Wir begleiten Alex auf zwei sich abwechselnden Zeitebenen: Einerseits in der Gegenwart beim viertägigen Besuch bei ihrer Mutter, wofür sie zum ersten Mal ihre einjährige Tochter allein beim Vater lässt, und andererseits in den Rückblenden auf die Zeit vor bzw. kurz nach der Geburt.
Der Erzählstil ist dieses Mal in erlebter und nicht indirekter Rede verfasst, was mir das Lesen etwas leichter machte. Gleichzeitig forderte mich dann aber der fragmentarische Stil, in welchem sich Alex ihre Gedanken zu einer Fülle an Themen macht. Es geht um die grundlegende Frage, ob der eigene Kinderwunsch wirklich von innen kommt oder vielmehr eine Folge gesellschaftlicher Erwartungen ist (eine Frage, die sich wohl nie abschließend wird aufklären lassen). Es geht um Abhängigkeiten von Partner und Kind, um die Schwierigkeiten gleicher Aufgabenteilung zwischen den Elternteilen, sich verändernde Freund*innenschaften, Geschlechtsidentität und das Lösen von einer christlichen Sozialisierung. Und es geht ganz zentral immer wieder um Körper.
Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie gut Wilpert komplexe Zusammenhänge abzubilden vermag, ohne je in ein vereinfachtes Denken abzugleiten. Mehrfach hatte ich schon beim Lesen ein „Ja, aber ..“ im Kopf, nur um direkt im nächsten Satz genau das thematisiert zu sehen, was sich in meinen Überlegungen herumtrieb. Ich mag es unglaublich gern, gefordert zu werden und meine eigenen Überzeugungen zu hinterfragen. Dafür ist der Roman wirklich perfekt geeignet.
Da es kaum eine äußere Handlung gibt, fiel es mir recht schwer, in einen guten Lesefluss zu kommen. Gleichzeitig fand ich es aber auch interessant, Alex’ Gedanken zu folgen. Besonders gefiel mir außerdem die schonungslose und hochpersönliche Schilderung einer Geburt. Insgesamt war mir der Roman trotzdem ein wenig überladen, sodass ich oft Lesepausen brauchte.
Ein persönliches Werk, das auch keinen Anspruch erhebt auf Generalisierung und ein Buch für alle, die Komplexität aushalten können und sich nicht vor einer fragmentarischen Erzählweise scheuen. Abschließend möchte ich noch ein Lob für die tolle Covergestaltung aussprechen, die von einem besonderen Detail geprägt ist!
3,5 Sterne
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TW: Geburt, Fehlgeburt, essgestörtes Verhalten, illegaler Substanzkonsum
Rezensionen von nessabo:
In seiner Banalität irgendwie ein faszinierend-anstrengendes Buch
Die bärtige Frau von Bettina Wilpert
Zum Hörbuch: Ein wirklich großartiges Hörbuch mit einer Sprecherin, die den trockenen Humor und die grundlegende Banalität des Inhalts perfekt umzusetzen vermag. Ich denke, als Hörbuch funktioniert dieser Roman auch wirklich noch besser, weil mensch sich dann im Dahinplätschern der Geschichte verlieren kann und weniger dazu neigt, Verständnisfragen zu stellen - denn darum geht es auch gar nicht.
Das Hörbuch reißt meine Wertung wirklich noch einmal etwas nach oben.
Zum Buch selbst: „Xerox“ ist ein so skurriler Roman, dass meine Meinung zu ihm nicht leicht zu greifen ist. Es fiel mir eher schwer, in die Geschichte einzusteigen und bis zum Schluss konnte ich keine Beziehung zur namenlosen Protagonistin aufbauen. Ich denke, genau darum geht es aber auch und mit entsprechend gesetzten Erwartungen wäre mir das alles etwas leichter gefallen.
Fien Veldman hat einen so banalen, eigenartigen Roman geschrieben, dass es eigentlich schon wieder gut ist. Sie schafft es durch Stilmittel wie das völlige Auslassen von Figurennamen, die Unbedeutsamkeit und Austauschbarkeit der arbeitenden Menschen darzustellen. Der trockene Humor, welcher mir sehr gefallen hat, unterstreicht das zusätzlich.
Und doch war es für mich nicht unbedingt ein Match. Ich habe zu lange kämpfen müssen, um mich auf das Buch einzustellen und war oft verwirrt von den Rückblenden, der dargestellten Mensch-Drucker-Beziehung und später auch von der Drucker-Erzählperspektive. Als Mensch, der viel um Verständnis bemüht ist, geriet ich mit „Xerox“ stark an meine Grenzen. In der zweiten Hälfte hat es grundsätzlich besser geklappt, aber das Buch wird mir dadurch nicht sonderlich in Erinnerung bleiben.
Ich halte es für wirklich wichtig, dass mensch mit entsprechenden Vorstellungen in die Lektüre geht. Am besten ist es, die Geschichte einfach nur hinzunehmen, sie um sich herumfließen zu lassen und nichts zu hinterfragen. In dem Fall kann es eine kurzweilige Lektüre sein, die jedoch gleichzeitig gesellschaftskritische Fragen rund um Hustle Culture und Sinnhaftigkeit im Kapitalismus aufwirft. Menschen, die keine Beziehungsebene zu den Figuren brauchen und vielleicht sogar selbst einen öden Bürojob haben, werden hier sicher mehr Freude haben als ich.
2,5 Sterne
Rezensionen von nislin:
Interessant und wichtig!
Digitale Diagnosen von Laura Wiesböck
Die Autorin Laura Wiesböck thematisiert in diesem Sachbuch die gesellschaftliche Entwicklung dahingehend, dass immer öfter Diagnosen wie ADHS, Trauma oder Angstzustände aus der Ferne gestellt werden. Der Ansatz ist gut und auch die Ausführungen finde ich nachvollziehbar. Mir haben an einigen Stellen kurze Ausführungen in Form von Fußnoten gefehlt, die den Inhalt hätten besser abrunden können.
Sie sensibilisiert in dem Hinblick, dass in den sozialen Plattformen nicht unbedingt ausgebildete Fachexperten ihre Meinungen kundtun, sodass man selbst stets mit einem kritischen und hinterfragenden Blick durch die Inhalte scrollen sollte. Auch das Thema von Fragebögen, die tendenziell auf Diagnosen hinweisen, ist kritisch zu betrachten und mit Vorsicht zu nutzen. Laura Wiesböck greift wichtige Themen auf, die unseren Alltag bereits stark prägen und uns in unserem täglichen digitalen Konsum begegnen.










