Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde, Irmgard Gstettner:
Ein Buch zum warm Anziehen
Wild wuchern von Katharina Köller
Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann besinnt sich Maria auf ihre Cousine , die als Eremitin in einer Almhütte in den Tiroler Bergen lebt.
Die kraftvolle Johanna, naturverbunden und schweigsam, ist in allem das Gegenteil ihrer hübschen, modischen Cousine, die ein angepasstes Leben als Schuhdesignerin nach Aufenthalten in New York ,Paris und London in Wien lebt.
Das Zusammenleben gestaltet sich für Johanna und Maria schwierig, denn unterschiedlicher könnten sie gar nicht sein.
Den Schlüssel zu ihrer Verständigung finden sie letztendlich in ihrer Kindheit, wobei Maria erkennt, dass die abgelehnte, aus dem gesellschaftlichen Rahmen gefallene Johanna eine Stärke entwickelt hat, um die sie sie beneidet.
Wortgewaltig, wuchtig und oft bis zur Grenze verdichtet zeichnet Katharina Köller Charaktere und Situationen, die Oberflächlichkeit und den Verlust der Eigenständigkeit im Gegensatz zur Mühe und Ernsthatftigkeit aber auch Schönheit des Lebens in der Natur.
An mehreren berührenden Stellen nimmt mich der Roman gefangen und lässt mich so hautnah miterleben, wie sehr Maria unter der Kälte leidet, dass ich aus dem Bett aufstehe, um mir einen Schal zu holen!
Ein Buch zum warm Anziehen.
Rezensionen von tonton:
Fantasievolle, schräge Geschichte
Super-Dad und die explodierende Kacke von Arttu Unkari
Dieses Buch hat mir positiv überrascht. Die Geschichte ist humorvoll, chaotisch und schreitet atemlos voran. Der Humor ist absurd und ehrfurchtslos. Die Bildungsministerin, die erst vor kurzem alle Buchstaben gelernt hatte, wurde von einer Kack-Explosion zum Mond gejagt. Superd-Dad ist Polizist und ermittelt.
Dabei wird aber der Fall tatsächlich von ihrer Tochter Oona gelöst.
Das Buch wird als "Comic-Krimi" bezeichnet, aber es gibt kaum Comic-Elemente. Die Geschichte ist in Grunde als Roman geschrieben. Die Kapitel sind aber sehr kurz und der Text ist spannend und lässt sich schnell lesen. Das Buch ist also perfekt für junge Leser*innen.
Ich muss aber gestehen, dass der Humor vielleicht nicht dem Geschmack von allem entspricht. Wie bereits im Titel erwähnt, spielt Kacke eine wichtige Rolle. Es gibt auch viel Ironie, die nicht immer von Kindern wahrgenommen wird, aber was Kinder doch verstehen werden sie zum Lachen bringen.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Christian Mischkulnig:
Wertschätzung und Respekt statt Luxus und Disharmonie
Wild wuchern von Katharina Köller
Ein literarisch wahrlich bedeutsames Buch. Marie lebt inmitten des Luxus, auch einigen bekannt als goldener Käfig. Ihre Selbstfindung bleibt größtenteils auf der Strecke. Bis sie zu Ihrer Cousine Johanna "flüchtet". Anfangs noch aus unbekannten Gründen. Angetan war ich vorallem von den Sprachbildern, z.
B. "Wenn einen die Angst mal hat, dann hängt sie dran an einem, als wäre man ins Spinnennetz gerannt. Spinne noch im Nacken, Fäden im Haar"(Seite 8). Die Bilder der Berghütte und der wunderschönen Berglandschaft entstehen durch den Text sehr stimmig im Kopf. Das Thema häusliche Gewalt, kommt so daher, wie ein Schlag in die Magengegend, wo einem bisweilen die Luft wegbleibt! Ein Buch, das lange nachhängt. Der Dialekt ist eventuell gewöhnungsbedürftig, man wird aber alsbald mitgenommen. Ich hätte gut und gerne nach den 200 Seiten weiter lesen wollen. Klare Kaufempfehlung!
Rezensionen von gerlisch:
Am Rand der Hölle
Nachtflut von Stina Westerkamp
Eine Sturmflut bedroht den kleinen Ort direkt an der Ostseeküste. Elisa verpasst die Evakuierung und als auch noch ein Baum ihr Auto zerstört, sitzt sie fest. Überraschenderweise sind ihre Nachbarn auch geblieben und so versucht sie bei ihnen Hilfe zu bekommen, doch sie verhalten sich komisch und scheinen etwas zu verbergen.
Als der Deich bricht und das Wasser immer höher steigt, befinden sie sich in höchster Gefahr.
Der Handlungsablauf ist ohne unnötige Ausschweifungen oder Längen. Die Story baut sich kontinuierlich auf und durch mehrere Perspektiven ist das Ganze abwechslungsreich gestaltet. Außerdem erfahren wir durch Tagebucheinträge von einer toxischen Beziehung, deren Hintergründe sich erst ziemlich zum Schluss offenbaren.
Leider haben mir die psychischen Probleme der Protagonistin Elisa etwas zu viel Raum eingenommen.
Stina Westerkamp hat in ihrem Thriller eine beklemmende Atmosphäre geschaffen. Starke Orkanböen, sintflutartiger Regen, ein gebrochener Deich und die stetig steigende Überflutung lassen den Leser die Kraft der Ostsee spüren.
Mit fortschreitender Story werden immer mehr perfide Geheimnisse aufgedeckt und ein unerwarteter Plot-Twist treibt die Spannung nochmal in die Höhe. Keine Frage, der Schreibstil ist fesselnd, aber irgendetwas fehlte, sodass die Handlungen ein bisschen flach blieben.
Rezensionen von Sago:
Winter die verwandeln
Überwintern. Wenn das Leben innehält von Katherine May
"Das ist das Geschenk des Winters, und man kann es nicht ausschlagen: Er zieht Veränderungen nach sich, ob es uns gefällt oder nicht. Am Ende tragen wir womöglich ein anderes Fell."
Katherine May kennt sich aus mit der Grenze zum Anderswo, an der man unversehens in Zeiten fallen kann, in denen man die Zuversicht verliert und sich preisgegeben fühlt.
Nahezu poetisch berichtet sie von ihren persönlichen Wintern und empfiehlt lebensklug, das Auf und Ab des Lebens als zyklische Phasen zu begreifen, denen man sich hingeben muss, denn negative Gefühle können ins Monströse wachsen, wenn man sie verdrängt.
Berührend wird dargestellt, wie May in ihren Wintern der Seele ihren persönlichen Sinn finden konnte. Ob beim Eisbaden, einer Reise zu den Polarlichtern, der Feier der Wintersonnenwende - das Buch atmet nicht nur wunderbar frostige Atmosphäre, sondern gibt auch Halt in schwierigen Phasen. Denn ebenso wie der Winter sind Erfahrungen von Zweifel, Krankheit, Verlust universell und es gilt, die Kraft zu finden, sich davon zu erholen, wie die Natur im Winter Energie für den Frühling schöpft.
Rezensionen von Marie aus E.:
Rasant
Die Nacht (Art Mayer-Serie 3) von Marc Raabe
Teil Drei - und es diesmal geht es um Dana, die vermisste Nachbarin von Art Mayer.
Die Suche nach ihr hat uns ja schon in den Vorgängerbänden begleitet, diesmal ist sie der Hauptpart. Der sonst so ruppige Ermittler wird immer ganz weich, wenn es um das Wohl von Milla, der Tochter der Vermissten geht.
Mit dabei ist auch wieder Nele Tschaikowski , die eine richtig gute Entwicklung über die drei Bände hingelegt hat. Jetzt ist sie Mutter und hat - glaube ich - ihr Standing gegenüber Mayer und auch so endgültig erlangt.
Mit vielen Rückblenden in die Vergangenheit schafft Raabe es wieder, seinen gewohnt temporeichen Thrillerstil ständig auf Hochspannung zu halten. Man merkt es den Büchern an, dass der Autor vorher im TV/Mediengeschäft tätig war, sie haben einen besonderen Stil und sind auch für die große Kinoleinwand geeignet (finde ich). Der Band ganz besonders!
Mayers Privatleben bekommt hier diesmal nicht so viel Raum, weder die Kanzlergattin noch das Vielleicht-Kind nehmen Raum ein. Den hat diesmal Nele bekommen und das hat gut gepasst.
Nur gegen Ende hin flachte für mich die Spannung trotz Showdown ab, da bin ich beim Lesen abgeschweift und die Auflösung fand jetzt auch nicht 100%-ig meine Zustimmung.
Aber geschenkt - insgesamt wieder ein absolut lesenswerter Raabe!
Es wird übrigens auch noch einen Teil Vier geben, das hatte ich gar nicht erwartet, weil es am Ende von Band Drei eigentlich relativ abgeschlossen wirkt, aber ich freue mich natürlich darüber.
Rezensionen von Ryria:
Geschichte wiederholt sich
Vor hundert Sommern von Katharina Fuchs
Die Autorin nimmt uns mit auf zwei Zeitebenen: Im Jahre 2024 verfolgen wir das Leben der jungen Studentin Lena, ihrer Mutter Anja und der Großmutter, die sich an das neue Leben im Heim gewöhnen muss. Ihre Erzählungen der Vergangenheit zentrieren sich auf Clara, die sich 1924 durchschlägt.
Besonders gut gefallen haben mir die zahlreichen Parallelen: Lena und Clara trennen genau 100 Jahre und ähneln sich in gewisser Weise sehr, während gleichzeitig aber auch die Unterschiede deutlich werden, vor allem bedingt durch die Probleme der damaligen Zeit.
Dass unsere Gesellschaft jedoch noch längst nicht frei davon ist, wird im Verlauf der Geschichte auch immer wieder deutlich, so wiederholt sich beispielsweise der Antisemitismus. Die Botschaft ist klar und eindrücklich: Es sind 100 Jahre vergangen und die Menschheit hat teilweise nichts dazugelernt.
Aktuelle politische und gesellschaftliche Themen miteinzubeziehen finde ich grundsätzlich super und ich mochte auch die Idee hier sehr, jedoch kam es mir teilweise doch etwas zu überladen vor, als ob möglichst viele Themen untergebracht werden sollen, anstatt sich auf ein paar zu konzentrieren. Manches wirkte zwischendurch auch schon fast ein wenig klischeehaft und übertrieben, wie die Influencer-Karriere von Lenas Schwester oder Lenas Obsession mit dem Veganismus.
Das Spiel mit den Parallelen zu Clara führte auch dazu, dass es sehr viele "Zufälle" gab, die manchmal dann doch arg konstruiert gewirkt haben.
Der Schreibstil hat mir dafür gut gefallen, die Geschichte war durchweg angenehm zu lesen. Meine Favoriten waren hierbei die Clara-Kapitel, ich fand den Einblick in das damalige Leben und die Rolle der Frau sehr spannend und interessant. Als Kontrast dazu wurde ich nie so richtig warm mit Lena, was ich aber nicht als negativ empfunden habe - wir lernen viele Frauen kennen und manche davon findet man natürlich auch sympathischer als andere, hier wurde eine gute Mischung gefunden.
Durch Infos am Kapitelanfang weiß man auch immer, um wen es gerade geht und wann bzw. wo die Handlung spielt.
Ein paar Sachen sind mir unlogisch erschienen, wie kleinere Logikfehler oder nicht nachvollziehbare Entscheidungen bzw. Verhalten mancher Charaktere, jedoch hielt sich dies in Grenzen.
Dafür fand ich es schön, dass die Geschichte der Vergangenheit auf wahren Verwandten der Autorin beruht und man deren Zuneigung auch durch die Seiten hinweg spüren kann, ohne dass es unangenehm auffällt.
Insgesamt eine gelungene Familiengeschichte mit kleinen Mängeln, die das Lesevergnügen aber nicht stark beeinträchtigen.
Rezensionen von stina23:
Beeindruckend geschrieben
Schwimmen im Glas von Eva Lugbauer
Eva Lugbauer erzählt in ihrem Roman von Lore und ihrer Familie. Hauptsächlich behandelt sie darin die Kindheit des Mädchens, die ungefähr in den 1980er und 1990er Jahren in einem Dorf in Österreich stattfindet. In kürzeren Sequenzen springt sie auch zur erwachsenen Lore, die von ihrer Kindheit geprägt, nicht von ihr losgelassen wird.
Viel Unausgesprochenes gibt es in der Familie. Besonders all das, was der Großvater nicht sagt, bleibt Lore in Erinnerung. Das, wofür der alte Mann keine Worte findet, handelt meist vom Krieg. Mit patriarchalischem Gehabe und starren Strukturen und Werten will er den Ton in der Familie angeben. Die Frauen gehen je nach Generation und Lebensumfeld unterschiedlich damit um. Die Großmutter fügt sich, Tante Ursula akzeptiert es nicht und kämpft dagegen an und Lore wächst heran, indem sie sehr genau beobachtet und kluge Fragen stellt, auf die sie leider oft keine oder keine befriedigende Antwort erhält und deshalb sehr oft in sich selbst zu ihren Antworten finden muss.
Mir sagt der Schreibstil der Autorin sehr zu. Die oft kurzen Sätze und Gedankensprünge machen die in der dritten Person geschriebene Geschichte zu einer interessanten Reise in den Alltag und besonders in die Gefühls- und Gedankenwelt von Lore und einigen ihrer Familienmitglieder.
Mich hat dieser Roman sehr berührt. An vielen Stellen konnte ich in meiner Erinnerung ähnliche Szenen wiederfinden. Das Unverständnis gegenüber den patriarchalischen Strukturen, das „Das-Ist-Halt-So“ und das unaufhaltsame Gefühl, dass das so aber überhaupt nicht sein sollte, kamen mir nur allzu bekannt vor. Der Text transportiert für mich eine etwas düstere und eingeengte Stimmung, der ich mich kaum entziehen konnte, und die ich als tragend für das gesamte Buch empfand.
Ein Buch voller Erkenntnisse einer Heranwachsenden, die aus der Beobachtung der Generationen vor ihr entstehen und die sie nie ganz loslassen. Für mich ein Volltreffer.
Rezensionen von Ele:
Familienschuld
Stromlinien von Rebekka Frank
Stromlinien, Roman von Rebekka Frank, Fischer Verlag, 512 Seiten.
Ein Familiendrama die sich über drei Generationen zieht, sehr sensibel erzählt.
Enna und Jale sind Zwillinge, sie sind sich selbst genug. Sie leben in den Elbmarschen, wo sie die Tiere und die Natur beobachten, mit ihrem Boot Sturmhöhe sind sie gemeinsam unterwegs und sich selbst genug.
Die Zwillinge leben bei ihrer Oma, denn ihre Mutter Alea ist im Gefängnis, sehr lange, doch bald soll sie entlassen werden. Voller Vorfreude zählen sie die tage bis dahin, doch als endlich der große Tag gekommen ist, ist Jale verschwunden, dabei wollten die beiden ihre Mutter gemeinsam abholen. Als Enna alleine vor dem Gefängnis wartet, erfährt sie, dass auch die Mutter schon früher freikam und seither verschwunden ist.
Das Buch teilt sich in 57 Kapitel, die jeweils mit Datum versehen sind. Das ist hilfreich, denn dass Buch spielt in verschiedenen Zeitebenen, in unterschiedlichen Perspektiven. Einzig die Kapitel, aus der Sicht der Protagonistin Enna, erscheinen in der Ich-Form. Am meisten beindruckt hat mich der bildhafte Erzählstil. Ich hatte als Leser das Gefühl, zusammen mit den Figuren auf dem Boot unterwegs zu sein. Die Landschaft und die Tierwelt sind überaus stark beschrieben. Der Roman entwickelte einen Sog, der mich immer tiefer in die Geschichte gezogen hat.
Durch die diversen Zeitebenen und die verschiedenen Ansichten hatte ich anfangs, etwas Probleme ins Buch und in Lesefluss zu kommen. Doch das hat sich schnell gelegt, als die Geschichte fortschreitet. Die Spannung ist hoch und zieht sich durchs gesamte Buch. Die vollständige Aufklärung, der Zusammenhänge geschieht erst am Ende. Die Ereignisse, die das Erleben von drei Generation umfassen, sind so gewaltig, ich war beeindruckt. Dabei haben sich tiefgreifende Verwicklungen ergeben, die mich bestens unterhalten haben. Des Öfteren habe ich die Luft angehalten und weitergelesen, ich wollte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin hat einige wahre Begebenheiten sehr geschickt in die Geschichte integriert.
Die Figuren waren überwiegend gut charakterisiert. Vor allem Enna. Meine Lieblingsfiguren waren jedoch Lucas, der Enna unterstützt und Greetje, selbstlos und aufopfernd.
Wer Familiengeschichten mag, die mit vielen Wendungen immer spannender werden, die sich über mehrere Generationen, mit etlichen Schicksalsschlägen präsentieren, der ist hier genau richtig. Mir hat das Buch gut gefallen, eine Empfehlung und 5 Sterne.
Rezensionen von nishi93:
Einfach ein tolles Buch!
Nachtlügen von Lisanne Surborg
Ich fand die Leseprobe schon toll und bin dennoch mit eher kleinen Erwartungen eingestiegen. Ich wurde hier allerdings sehr positiv überrascht.
Die Story war spannend und ich möchte die Einflechtung der Wissenschaft (die natürlich trotzdem Fiktion war) wirklich gut gelungen. Die Charaktere waren zwar etwas flach und so mancher Handlingsfaden wurde am Ende nicht mehr aufgelöst, dennoch war das Buch sehr flüssig zu lesen und hat mich gut unterhalten.
Der Gedanke, dass Alben so unter uns leben könnten und dass sie für unsere Albträume verantwortlich sein könnten, die parallele Regulation innerhalb einer normalen Behörde. Man hätte hier noch deutlich mehr in die Tiefe gehen können, ohne, dass es langweilig geworden wäre.
Insgesamt finde ich die Geschichte absolut gut gelungen und würde gerne mehr von dieser Autorin lesen.










