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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von GB:

Kein Arztroman

Staying Alive von Eva Mirasol

Kein Arztroman - da hat mich das Cover gleich sehr neugierig gemacht. Mal was ganz anderes - passt aber perfekt zum Buch. Ich-Erzählerin ist Nicki, eine junge Assistenzärztin an einer Berliner Klinik, die von ihrem Leben berichtet. Sie hat es wirklich nicht leicht an Ihren ersten Tagen und Wochen im Krankenhaus.

Zum einen die wirklich extrem verantwortungs- und anspruchsvolle Arbeit mit den unterschiedlichsten Patienten, bei der ja möglichst nichts falsch laufen soll. Die Schichtarbeit mit vielen Überstunden, die schwer zu vermeiden sind und dann ist Nicki ja auch noch eine Frau ...

Leider höre ich aus Berichten von Leuten, die in echt in einem Krankenhaus arbeiten so einiges, was die Berichte von Nicki sehr glaubwürdig machen. Das Buch ist zum Glück so nett und witzig geschrieben, dass man trotzdem sehr gut unterhalten wird. Sonst wäre es fast zum Weinen. Ich kann das Buch nur empfehlen!

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Rezensionen von Skanus:

Jedem seine ganz private Hölle

Devil's Kitchen von Candice Fox

Voller Begeisterung und in der Hoffnung, von Flammen der Spannung quasi verbrannt zu werden, war ich doch einigermaßen ernüchtert, als ich die ersten Seiten las. Die Story entwickelte nicht den erwarteten Sog, den schon so manch anderer Thriller bei mir ausgelöst hat. Die Geschichte ist lesenswert, ohne Frage, aber der "Thrill" fehlt mir.

Die Charaktere sind sehr gut getroffen, die verkorksten, verbrecherischen Männer in ihrer Toxizität ansprechend. Die Sprache passt zum Milieu, sie unterstreicht das Derbe der Fire-Fighter.
Fox ist es hervorragend gelungen, die Ambivalenz der Härte zu der emotionalen Komponente des Berufs Feuerwehrmann herzustellen. Menschliche Schicksale und die Last der eigenen Existenz, in der vieles schief gegangen ist, treffen in den Protagonisten zusammen. Die Verzweiflung am eigenen Schicksal lässt Menschen ungewöhnliche Wege einschlagen, die Schwere der eigenen Seele zu ertragen.
In diesem Falle Mord und andere Verbrechen auf Kosten unschuldiger Zivilisten.
Fox zeichnet in aktiver Handlung der Personen auf, wie die Menschen an sich und dem was sie gemacht haben wachsen oder zerbrechen.
Diverse Handlungsstränge werden miteinander verknüpft, Vergangenheit und Gegenwart sind gleichermaßen Teil der Geschichte.
Das, was den Protagonisten zustößt sprengt nicht unbedingt die Grenzen der menschlichen Fähigkeit, Dinge zu ertragen. Sie leiden, zerbrechen aber an anderen Dingen.
Devil's Kitchen ist ein sehr gut gewählter Titel, weil die Hölle des Teufels viel Feuer enthält und der übertragene Sinn sich wunderbar in den Plot einfügt.

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Rezensionen von ReiShimura:

Düsteres Kopfkino

Glaube Liebe Tod von Gallert Peter; Reiter Jörg

"Glaube Liebe Tod" ist der Auftakt zu einer Krimireihe des Autorenteams Peter Gallert und Jörg Reiter. Die Martin Bauer Krimi Reihe umfasst drei Bände und wie der Name bereits verrät drehen sich alle Bücher um den Polizeiseelsorger Martin Bauer. Dieser ist auch der Grund, warum ich mich für dieses Buch entschieden habe.

Ein Ermittlerduo aus einer Kommissarin und einem Seelsorger fand ich unglaublich faszinierend und ich war neugierig in weit religiöse Komponenten in das Buch und vor allem die Ermittlungsarbeit einfließen.
Der Einstieg in die Geschichte war unglaublich packend und fesselnd. Die Spannungskurve ist gleich zu Beginn auf einem Höhepunkt und das Tempo ist auch recht zügig. Dies fand ich einerseits sehr gelungen, da man gleich voll in die Geschichte eintaucht und mitgerissen wird. Andererseits kam aber auch der Gedanke auf, dass es wahrscheinlich nicht möglich sein wird, das Spannungsniveau ständig auf diesem hohen Level halten zu können, geschweige denn das Niveau noch zu erhöhen. Und so kam es dann auch. Nach einem rasanten Beginn, kam dann erst mal eine kleine Flaute, in der man die Möglichkeit hatte durchzuatmen und sich mit den handelnden Personen vertraut zu machen.
Recht schnell musste man sich dann aber wieder neu orientieren und umstellen, denn nach und nach werden mehr Personen und vor allem zusätzliche Handlungsstränge eingeführt. Für mich war der Übergang von einem Handlungsstrang zum nächsten im ersten Augenblick nicht immer ganz logisch oder nachvollziehbar. Ich verstehe aber, warum das Autorenduo die Übergänge so gewählt hat. Das sich die diversen Handlungsstränge mit der Zeit zu einem großen Ganzen verweben werden, ist von Anfang an absehbar, die Art und Weise wie dies geschieht fand ich aber sehr gut gelöst.
Obwohl das Tempo der Geschichte meistens recht hoch ist, wie bereits mehrfach erwähnt, gibt es natürlich auch hier die eine oder andere eher langatmigere Passage. Diese hätte man meiner Meinung nach teilweise ein wenig kürzen können, wenn man ein paar, für den Verlauf der Geschichte nicht notwendigen Handlungsstrang weggelassen hätte.
Ein Sticker auf dem Cover verspricht Kopfkino Edition. Die Befürchtung das dies eine übertriebene Werbemaßnahme ist kam kurz bei mir auf. Ich gebe aber gerne zu, dass diese Befürchtungen unbegründet waren. Denn das Buch hat bei mir wahrlich Kopfkino ausgelöst. Das Autorenduo schafft es eindrucksvoll eine düstere und bedrückende Stimmung zu erzeugen. Die Verzweiflung mancher Protagonisten kann man fast körperlich spüren und als der große Wind aufkam, konnte ich diesen hören.
Die Charaktere fand ich sehr gut beschrieben, wenn auch die meisten keine Sympathieträger sind. Dafür finde ich Protagonisten aber glaubwürdig und authentisch, bei manchen hätte ich mir aber ein wenig mehr Tiefgang und detailliertere Beschreibungen erwartet. Eine religiöse Komponente ist wie erwartet Teil der Geschichte, kommt aber weniger stark zum Vorschein, als ich das vermutet hätte.
Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt, auch wenn das Buch kleinere Schwächen ausweist.

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Rezensionen von jam:

Ein bewegender Nordseeroman mit schweren Themen, sehr lesenswert.

Meerglück, friesisch blau von Stina Jensen; Hannah Juli

"Ich atmete die salzige Luft ein, die sich heilsam um mein Herz legte. Der frische Wind weitete meine Gedanken und pustete mir die letzten dunklen Flecken von der Seele. Ja, ich würde die Hürde überwinden, die mich bis heute davon abgehalten hatte, meinem Traumberuf weiter nachzugehen."
Seit einem traumatischen Ereignis schafft Liv es nicht mehr, ihren Traumberuf Möbelrestauratorin auszuüben.

Ihr Mann weigert sich, in die Scheidung einzuwilligen und ihre Tage sind eintönig mit Geschäftigkeit ausgefüllt. Da lädt ihre Freundin Kristin sie nach Föhr ein. Dort betreibt diese mit Astrid eine Pension und Liv soll ihr helfen, die alten Möbelstücke wieder zum Leben zu erwecken.
In der Scheune findet Liv eine wunderschöne Skulptur und macht sich auf die Suche nach dem Besitzer. Dieser - Matthis - ist überglücklich, sie wiederzuerhalten.
Sonne, Sand, Salz, Meer und ein Geheimnis, was will man als Leserin mehr?! Liv ist eine entzückende Protagonistin mit Ecken und Kanten, die sich mühsam wieder ins Leben kämpft. Die Zeit auf Föhr tut ihr gut, auch die Beschäftigung mit den Möbeln, die Freundschaft mit Kristin - und Matthis. Wie ähnlich sich ihre Schicksale sind und wie sehr sie die Verletzungen des anderen verstehen, wird ihnen langsam klar. Und dass man, wenn man am Boden liegt, auch wieder aufstehen darf, nein, muss.
Matthis und seine entzückende Tochter kommen Liv sehr nahe, die Chemie zwischen den dreien ist greifbar und war schön mitzuerleben. Auch der Nordseeflair, mit Krabben und Fischen kommt nicht zu kurz und hat mich träumen lassen. So hat mich das Buch gut unterhalten, aber auch bewegt.
Denn auf den ersten Blick verspricht "Meerglück friesisch blau" einen locker leichten Nordsee-Roman. Doch es werden ganz schön harte Schicksale thematisiert, deshalb meine
Trigger- und Spoilerwarnung:
In diesem Buch geht es viel um Schwangerschaft, Komplikationen bis hin zur stillen Geburt. Horche gut in dich hinein, ob du dich mit diesen Themen auseinandersetzen willst.
Fazit: Ein bewegender Nordseeroman mit schweren Themen, sehr lesenswert.

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Rezensionen von Beavielleser:

Nicht schlecht, aber mit Schwächen

Das Haus der Türen von Tan Twan Eng

Lesley lebt schon seit über 20 Jahren in Südafrika,  als sie ein Buch von dem Schriftsteller W. Somerset Maugham erhält. Es liegt kein Brief bei, aber durch dieses Geschenk erinnert sich an ihre Zeit in Penang zurück,  als Willie Somerset Maugham sie und ihren Mann in Pengang besuchte.

Der Besuch war damals eine  angenehme Abwechslung und Unterbrechung für  Lesley. Maugham ist eigentlich ein Freund ihres Mannes, aber auch Lesley findet ihn sympathisch und beginnt nach und nach damit  Maugham von Ereignissen zu erzählen,  die schon lange zurück liegen und ihr Leben verändert haben.

Der Schreibstil ist ruhig und poetisch und konnte mich anfangs nicht richtig fesseln. Doch das wurde besser, als Lesley ihre Geschichte erzählt,  die 11 Jahre zurück lag. Dieser Teil ist spannend , während der Rest seine Längen hat.

Ich kann mich nicht richtig entscheiden,  ob 3 oder 4 Punkte. Aber das Gefühl tendiert eher zu 3 Punkten.

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Rezensionen von carola1475:

Unterhaltsam und tiefgründig

Wut und Liebe von Martin Suter

Obwohl sie sich lieben, trennt sich Camilla, Alleinverdienerin des Paares, von Noah, sie will nicht mehr jeden Cent umdrehen müssen, sie will mehr, will ein anderes Leben führen. Noahs Ziel ist es, sie zurück zu gewinnen, da kommt ihm ein Angebot der wohlhabenden Betty Hasler gerade recht.

Martin Suter erzählt 'Wut und Liebe' aus verschiedenen Perspektiven, die Charaktere sind nahbar und durch ihr Auftreten und ihre Dialoge glaubhaft beschrieben, ihre Emotionen erreichen mich und lassen mich mitfühlen, Noahs Trauer und Verzweiflung berühren mich genau so wie Camillas schmerzhafte Konsequenz oder auch Bettys Leid und Wut.

Die Geschichte zieht mich von Beginn an in ihren Bann, sie ist fesselnd, spannend und überrascht mit unerwarteten Wendungen. Humor und Situationskomik haben mich auch schmunzeln lassen.

Suters Schreibstil ist klar, einnehmend und angenehm zu lesen.
Besonders einfallsreich und äußerst unterhaltsam geschildert finde ich, wie und wodurch Noah sich als Künstler weiter entwickelt.

Der Roman stellt nicht nur die Frage, welchen Stellenwert wir der Liebe im Leben einräumen, sondern konfrontiert auch das Sein mit dem Schein und zeigt, wie falsch Handeln auf der Basis unzureichender Informationen sein kann.

Mir hat Suters neuer Roman sehr gut gefallen, er ist unterhaltsam und gleichzeitig tiefgründig.

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Rezensionen von ReiShimura:

Gemächliche Reise durch die Berge

OTTO fährt los – Ein Sommer in den Bergen von Madlen Ottenschläger

Für Otto ist dies bereits die dritte Reise. Nachdem er einen Sommer in Schweden und einen in Italien verbringen durfte macht er sich nun auf eine kleine Rundreise durch Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für uns war es das erste Mal, dass wir mit Otto mitgereist sind.
Die Illustrationen finde ich sehr stimmig und gelungen.

Im Vergleich zu anderen Kinderbüchern finde ich die Farben in diesem Buch ein klein wenig dezenter und gedämpfter als bei anderen. Dies passt aber meiner Meinung nach sehr gut zum Gesamteindruck und verleiht dem ganzen ein klein wenig Retrocharme. Dies passt hervorragend zu Otto, der ja ein alter VW-Bus ist. Durch die zurückhaltenden Farben vermittelt das Buch eine ruhige und gemächliche Stimmung und dies spiegelt sich auch in den Texten wider.
Leider muss ich sagen, dass ich von der Geschichte selbst ein klein wenig enttäuscht bin. Hier hätte ich mir mehr Informationen über die verschiedenen Länder, deren Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten erwartet. Gut gefällt mir hingegen, dass der Natur viel Raum gegeben wird und man einiges über diverse Pflanzen und Sternbilder lernt.
Bereits in anderen Büchern der Autorin Madlen Ottenschläger ist mir aufgefallen, dass die Übergänge in der Geschichte bzw. zwischen den einzelnen Seiten manchmal ein wenig sprunghaft sind. Beim ersten Mal (vor-)lesen habe ich ein, zwei Mal zurückgeblättert, weil ich dachte, dass ich vielleicht eine Seite überblättert habe.
Trotz meiner Vorbehalte und kleinen Kritikpunkte gegenüber dem Buch wird es bei uns sehr regelmäßig gelesen. Hier sieht man wieder wie unterschiedlich der Blickwinkel eines Erwachsenen und eines Kindes sind. Denn das Kind sucht immer wieder bewusst dieses Buch aus und möchte es vorgelesen bekommen. Besonders der Teil in welchem Otto ein kurzes Lied anstimmt muss immer wieder gelesen werden.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir die Idee des sprechenden Zauber-Campingbus sehr gut gefallen hat, die Umsetzung aber ein paar Schwächen aufweist. Aus anderen Rezensionen habe ich auch gelernt, dass die ersten beiden Bände besser sein sollen. Ich denke, dass liegt auch daran, dass in diesem Band drei Länder bereist wurden. Da bleibt eben nicht so viel Raum, um auf jedes Land genauer einzugehen.

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Rezensionen von Nicole Koppandi:

Ein wirklich ungewöhliches Leben

Peggy von Rebecca Godfrey; Leslie Jamison

Wow – dieser Roman hat mich sehr begeistert.

Es ist die erste (Roman-)Biografie, die ich über Peggy Guggenheim gelesen habe. Neben Reichtum musste sie viele Schicksalsschläge ertragen, wie dass ihr Vater bei dem Titanic Untergang ums Leben kam, ihr geliebte Schwester fünf Fehlgeburten erleben musste und dann bei der sechsten Schwangerschaft starb sowie dass ihre jüngere Schwester ihre Zwillinge auf dem Dach eines Hochhauses nicht mehr halten konnte und beide hinunterstürzten.

Auch bei Männern hatte Peggy nicht das richtige Händchen: gewalttätig, voller Minderwertigkeitskomplexe und Alkohol stand am Programm, so lässt sich wohl am besten der Charakter ihres ersten Ehemannes beschreiben, Der zweite starb früh und Samuel Beckett entschied sich dann doch für eine andere Frau.

Peggy Guggenheim selbst musste über 40 Jahre alt werden, bis sie wusste, welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen sollte. Geboren wurde Peggy in ein reiches jüdisches Haus, umgeben von Nachbar*innen wie den Rockefellers und den Astors – das war nicht ihre Welt. Als sie in ihren Zwanzigern nach Paris ging, wollte sie zu den Bohemiens gehören – doch auch das war nicht ihr Platz. Mit dem großen Vermögen, dass sie erbte, war das einfach nicht authentisch. Erst als Kunstsammlerin fand sie ihre Bestimmung.

Ich fand den Roman großartig und bin nur so durch die Seiten geflogen. Ich habe viel Neues über Peggy Guggenheim erfahren. Zu schnell endete dann allerdings der letzte Teil. Gerne hätte ich mehr gelesen über ihre Ehe mit Max Ernst und ihre Zeit in Venedig.

Wer Frauenbiografien mag, für den ist das Buch genau das richtige – ich kann es wirklich sehr empfehlen.

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Rezensionen von Sheilo:

Die Finken schwärmen wieder aus

Season for Scandal von Laura Wood

Marigold wurde von ihrem Verlobten sitzen gelassen, auf den Marigold nicht nur ihre eigene, sondern auch die Zukunft des familiären Blumenladens gesetzt hat. In ihrer Verzweiflung trifft sie auf Oliver und dieser empfiehlt ihr einen Besuch im Finkennest. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf...

"Season for Scandal" ist der zweite, wirklich erfrischende Band der Finkennest-Reihe von Laura Wood.

In meinen Augen gelingt es der Autorin auch diesmal, typische historische Romane mit einer großen Prise Humor zu versehen und daraus fantastische und spannende Geschichten zu schaffen, in denen neben der Liebesgeschichte vor allem die Aufklärung eines Kriminalfalls im Fokus steht. Interessante Plot-Twists in der Geschichte und der fesselnde Schreibstil der Autorin sorgen dafür, dass es wirklich nie langweilig wird und ich das Buch nur schwer zur Seite legen konnte.

Marigold wird in ihrem ersten Auftrag für die Finken die Verlobte von Oliver spielen. Das Kennenlernen der beiden ist wirklich amüsant verlaufen und unvergesslich. Marigold ist eine ehrliche und direkte Persönlichkeit, die nicht den üblichen Standards einer Lady zur damaligen Zeit entspricht, sich aber gerne für das Recht Anderer stark macht. Sie ist eine perfekte Unterstützung für die Geheimorganisation und zeichnet sich durch ihr enormes Wissen rund um Pflanzen aus, die nicht nur zur Dekoration genutzt werden können.

Oliver trat bereits als Nebenfigur im ersten Band der Reihe auf und steht aufgrund seines Auftrages in diesem Teil im Fokus. Er sucht nach seiner verschollenen Schwester, doch die junge Frau und ihre Eltern, die vor seiner Haustür aufgetaucht sind, hinterlassen Zweifel bei ihm. Das Finkennest nimmt sich der Überprüfung an und gräbt so einige interessante Details aus. Oliver lebt zurückgezogen und ist den Umgang mit anderen Menschen nicht gewöhnt, Marigold scheint er aber ab dem ersten Treffen sehr zu schätzen. Oliver ist sehr engagiert, sodass er seinen Reichtum auch nutzt, um anderen benachteiligten Menschen zu helfen.

Neben dem spannenden Kriminalfall und natürlich der sich entwickelnden Gefühle zwischen Oliver und Marigold, fand ich es wunderbar, dass die Protagonisten des ersten Bandes wieder mit dabei waren. Ich selbst freue mich schon sehr auf den nächsten Band und kann diesen zweiten Teil der Reihe sehr empfehlen.

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Rezensionen von Ruth:

Lebenslinien

Flusslinien von Katharina Hagena



2008 erschien Katharina Hagenas äußerst erfolgreiches Debut „ Der Geschmack von Apfelkernen“. Seitdem hat sie zwei weitere Romane veröffentlicht , außerdem u.a. ein Buch über das Singen, eine Passion von ihr.
Nun also ihr vierter Roman mit dem mehrdeutigen Titel „ Flusslinien“: Und am Fluss leben auch ihre drei Protagonisten.

Margrit ist 102 Jahre alt und lebt seit zehn Jahren in einer Seniorenresidenz an der Elbe. Täglich lässt sie sich von dem vierundzwanzigjährigen Arthur zum Römischen Garten fahren, wo sie ihren Gedanken und Erinnerungen nachhängen kann. Zu Besuch kommt regelmäßig ihre Enkelin Luzie.
Der Einstieg in den Roman fällt leicht und die Figuren bekommen schnell Konturen. Vor allem Margrit hat es mir angetan. Mag auch ihr Körper alt geworden sein, ihr Geist ist noch sehr wach. Sie nimmt regen Anteil an ihrer Umgebung und ist offen für Neues. Es ist ein bewegtes Leben, auf das sie zurückblicken kann, mit einer Kindheit ohne Vater, dem frühen Tod der Mutter, die im Bombenhagel ums Leben kam, einem Ehemann und einem Geliebten. Mutter wurde sie erst spät. Sohn Frieder lebt mittlerweile mit seiner zweiten Frau und den gemeinsamen Kindern in Australien. Erfüllung fand Margrit in ihrem Beruf als Unterrichtende in Stimmbildung und Atemtherapie.
Mit dem Römischen Garten verbindet sie die Erinnerung an ihre Mutter. Wurde dieser Garten doch von Else Hoffa in den 1920er Jahren angelegt. Else Hoffa war damals die Obergärtnerin der jüdischen Familie Warburg und zeitweise die Geliebte ihrer Mutter.
Hier verbindet die Autorin ihre fiktive Geschichte mit einer historisch verbürgten Figur. Else Hoffa gab es wirklich und ihre Biographie wird in den Roman eingeflochten.
Zwischen den drei Hauptfiguren liegen Jahrzehnte. Während die eine auf viel Vergangenheit zurückblicken kann und nur noch wenig Zukunft vor sich hat, liegt das Leben noch vor den anderen beiden. Trotzdem tragen auch sie schon schwer an Vergangenem. Welche Traumata sie quälen, welche Verluste sie erlitten haben, erfährt der Lesende erst nach und nach.
Luzie hat kurz vor dem Abitur die Schule abgebrochen und lebt nun ganz allein in einem DLRG- Häuschen unten an der Elbe. Der Grund dafür liegt in einem Vorfall während ihres Auslandaufenthalts in Australien. Ihre Verletztheit und ihr dadurch bedingtes sprödes Verhalten beschreibt die Autorin mit sehr viel Empathie. Verständnis und Unterstützung erfährt das junge Mädchen kaum. Ihr Vater lebt weit weg und ihre Mutter ist dabei, sich selbst zu finden. Nur bei Margrit fühlt sie sich wohl. Die unterstützt sie auch in ihrem Ziel, Tätowiererin zu werden und bietet sich selbst als Übungsobjekt an. Den Einwand, ein Tatoo sei für immer, wehrt sie ab: „ …mein für immer ist eine sehr absehbare Zeit.“
Auch bei Arthur rätselt der Leser lange, was ihn so belastet. Früher arbeitete er gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder als Taucher. Nun jobbt er als Fahrer in der Seniorenresidenz, kutschiert die Betagten zur Dialyse oder in den Römischen Garten. Daneben erfindet er Sprachen, sog. Conlang ( = Constructed language) für Science Fiction- oder Fantasy- Geschichten , oder sucht mit seiner Sonde den Elbstrand ab.
Es sind alle drei ungewöhnliche Figuren mit einem interessanten Hintergrund, die uns Katharina Hagena mit viel Empathie nahebringt. Äußere Geschehnisse fließen in den Text ein, so wie sie unser aller Leben beeinflussen, so z.B. Margrits Erinnerungen an den Krieg oder an die Shoa ( eine Musiklehrerin verschwindet von einem Tag auf den andern) oder der Klimawandel, der sich auch in der Elblandschaft ablesen lässt. Manches dagegen, vor allem zum Ende hin, wirkt etwas gewollt wie z.B. Arthurs Reise nach Belarus.
Die Handlung erstreckt sich über zwölf Tage, denen jeweils ein längeres Kapitel gewidmet ist. Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive der drei Hauptfiguren. Jeder Tag wird eingeleitet mit einer kurzen, aber sehr atmosphärischen und poetischen Beschreibung der Natur am Rande der Elbe. Erst am Ende wird aufgelöst von wem diese lyrischen Passagen stammen.
Es ist eine ruhige Erzählweise, wie die Elbe fließt sie dahin. Das meiste findet in den Gedanken und Erinnerungen der Figuren statt. Dabei gibt es viele kluge, nachdenkenswerte Überlegungen , z.B. über die verschiedenen Formen von Stille ( „ …jene Stille, die eintritt, nachdem der Besuch gegangen ist“ ) oder von Schweigen. ( „ Es gibt so viele Schweigen, wie es Gefühle gibt….Ein beredtes Schweigen klingt anders als ein vielsagendes Schweigen.“) Daneben finden sich humorvolle Wortverdrehungen wie „ Internetz“, das voll ist von Leuten, die „ nur senden, und niemand mehr empfangen.“ Oder die App, mit der man Pflanzen erkennen kann, wird bei Margrit zum „ Pflanzenerkennungssepp“.
Leider verliert sich der positive Leseeindruck zum Ende hin. Einige Episoden sind nicht nur unnötig, sondern verwässern das Ganze. Manches ist schlicht unglaubwürdig . Schade!
Trotzdem halte ich „ Flusslinien“ für einen lesenswerten Roman, der Themen wie Alter und Tod, Familie und Freundschaft, Traumata und Verluste auf berührende Weise verhandelt. Ein Buch voller Symbolik und Anspielungen, die sich möglicherweise erst bei einer zweiten Lektüre ganz erschließen.

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