Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Kat:
Intensiver Roman über weibliche Selbstbestimmung
Das Tränenhaus. Roman von Gabriele Reuter
In „Das Tränenhaus“ führt Gabriele Reuter uns in eine stille, abgelegene Welt irgendwo in der schwäbischen Provinz. Dort betreibt die Hebamme Frau Uffenbacher ein Heim, in dem unverheiratete Frauen ihre Kinder abseits der Öffentlichkeit bekommen sollen – eine Einrichtung, die mehr mit Wegsperren als mit Fürsorge zu tun hat.
In diese Umgebung wird die Schriftstellerin Cornelie Reimann geschickt, die nach einer außerehelichen Affäre schwanger geworden ist. Was als Zuflucht gedacht war, entpuppt sich als Ort der Demütigung und des Zwangs – und zugleich als Labor weiblicher Erfahrung.
Reuter erzählt mit eindringlicher Genauigkeit vom Leben im Schatten gesellschaftlicher Verachtung. Sie kennt den Stoff aus eigener Erfahrung und das merkt man dem Text an. „Das Tränenhaus“ verbindet Beobachtungsgabe mit Reflexion: Neben den knappen, fast dokumentarischen Schilderungen findet sich eine Sprache voller Nachdenken, manchmal pathetisch, aber nie leer. Gerade dieser Wechsel zwischen Gefühl und Analyse verleiht dem Buch seine Intensität.
Cornelie, gebildet, unabhängig und anfangs stolz auf ihre Eigenständigkeit, gerät in eine Umwelt, die mit ihrer Welt nichts gemein hat. Während die anderen Frauen einfache Herkunft, eigene Dialekte und handfeste Überlebensstrategien mitbringen, begegnet Cornelie der Provinz zunächst mit Distanz. Erst allmählich öffnet sie sich – lernt, den Alltag der Mitbewohnerinnen zu verstehen, erkennt in ihnen weniger Fremde als Leidensgenossinnen. Aus Abschottung wird Nähe, aus Scham Solidarität.
Das Heim wird so zum Mikrokosmos gesellschaftlicher Abhängigkeiten. Die männliche Welt bleibt abwesend und taub für das Schicksal dieser Frauen – was bleibt, ist das Mit- und Gegeneinander unter den Zurückgelassenen. Frau Uffenbacher, die das Elend verwaltet, steht dabei exemplarisch für die Macht, die aus Not entsteht: Sie profitiert vom Leid anderer, hält Disziplin aufrecht und verdient an jeder Geburt. Gleichzeitig umgeben die Frauen im Dorf eine fast groteske „Pflegeindustrie“, in der Neugeborene gegen Geld weitergegeben werden – ein System, das das moralische Elend der Zeit bloßlegt.
Doch Reuter geht über Anklage hinaus. In Cornelies Weg liegt etwas Hoffnungsvolles: Sie findet, trotz aller Erniedrigung, zu einer neuen Form von Selbstbewusstsein. Sie entdeckt, dass Unabhängigkeit nicht in Rückzug, sondern in Verbindung liegt – in der Kraft, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Damit wird „Das Tränenhaus“ zu mehr als einem historischen Roman: Es ist eine frühe Studie über weibliche Selbstwerdung und gegenseitige Stärkung.
Der Schreibstil war für mich gewöhnungsbedürftig aber als ich mich einmal eingelesen habe, habe ich diesen Roman als ein ergreifendes Porträt einer Gemeinschaft, die aus Scham geboren ist und in Mitgefühl wächst. Die einzelnen Schicksale haben mich berührt und aufgeregt. Ich danke dem Reclam Verlag, dass er das Buch neu aufgelegt hat denn es ist ein weiteres literarisches Dokument gegen das Vergessen, dass zeigt, wie nah historische Zwänge und aktuelle Fragen nach weiblicher Selbstbestimmung beieinander liegen.
Rezensionen von Kat:
Ein Roman voller Trauer - jedoch ohne spürbares Herzklopfen
Unter Wasser von Tara Menon
Leider war für mich „Unter Wasser“ nur mittelmäßig. Dabei wollte ich das Buch schon aufgrund seines wunderschönen Covers unbedingt haben! Auch die Story über ein kleines Mädchen, das mit ihrem Vater nach dem Tod der Mutter nach Thailand zieht und dort in Arielle eine Freundin fürs Leben findet, die ihr aber bei dem Tsunami von 2004, einer der verheerendsten Umweltkatastrophen der jüngeren Geschichte, wieder genommen wurde, hat mich magisch angezogen.
Jetzt musste ich die Geschichte erst einmal ein wenig sacken lassen, bevor ich meine Rezension schreiben konnte, um herauszufinden, was in mir bleibt.
Der Roman ist von Trauer durchdrungen, er fängt den ganz besonderen Schmerz um den Verlust einer Freundin ein, eine Beziehung, die unsere Gesellschaft auch heute noch als zweitrangig betrachtet. Und obwohl ich auf jeder Seite von dem Verlust lese, konnte ich sie doch nicht spüren.
Eventuell waren die zweit Zeitebenen das Problem. Die Handlung erstreckt sich über 8 Jahre und wechselt zwischen Thailand und New York, wo Marissa heute lebt, normalerweise lese ich sehr gern über verschiedene Zeitebenen hinweg. Hier jedoch hätte ich mir gewünscht, länger in einem Handlungsstrang verweilen zu können, die Zeitsprünge kamen mir zu abrupt. Mir fiel es oft schwer, Marissas anhaltende Trauer wirklich nachzuvollziehen. Mir ist bewusst, dass Trauer nicht linear verläuft und oft in Wellen kommt, doch die Intensität des Traumas und der Trauer, die Marissa in der Gegenwart empfindet, wirkte manchmal unverhältnismäßig im Vergleich zu der vergangenen Zeit. Die Freundschaft wirkte auf mich steril. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass sich die Beziehung öffnet, dass ich die Atmosphäre zwischen den Mädchen spüren kann aber da war nichts außer Worte. Auch die Trauer des Vaters wirkte unausgereift. Dabei hätte auch sie viel mehr Raum in der Geschichte verdient.
Die Schilderungen Thailands, des Lebens auf der Insel und der reichen Artenvielfalt ihrer Ozeane waren ein Lesegenuss und machen Lust das direkt zu erleben. Insbesondere die Meeresbewohner hatten es mir angetan. Der Ozean und seine Ökosysteme spiegeln die Instabilität wider, die sich durch die ganze Geschichte zieht. Das hat wirklich gut funktioniert.
Ich habe diesen Roman beim Lesen bewundert, aber ich konnte leider nicht die emotionale Wucht spüren, die ich mir gewünscht habe.
Ich zolle Menon große Anerkennung für ihren Debütroman und denke, dass viele andere ihn genießen werden, aber konnte ihn leider nicht vollends genießen.
Rezensionen von Kat:
Freundschaft, die bleibt
Der Sommer, der uns blieb von Greta Herrlicher
Das aktuelle Buch aus dem Vani Verlag war für mich tatsächlich ein reiner Coverkauf, der Inhalt war zunächst nebensächlich, ich war und bin von der Aufmachung so begeistert, dass ich das Buch unbedingt haben musste. Hier wurde ganze Arbeit geleistet! Vom Einband über den Farbschnitt, der wunderschönen Überraschung im Buchinneren bis hin zum Lesebändchen wurde das Buch perfekt zu einem kleinen Kunstwerk gestaltet.
Die Sprüche und Weisheiten, die jedes Kapitel einleiten, haben mir sehr gut gefallen. Die Geschichte über die Freundschaft von 3 Freunden hat mich größtenteils überzeugt und hat mich an meine eigene Jugend erinnert.
Zum Inhalt:
Pia, Britta und Martin sind Nachbarskinder und vertraute Freunde in ihrer Kindheit und Jugend bis im Sommer nach Abschluss der Schule etwas passiert, dass die Drei auseinandertreibt. Zwanzig Jahre später passiert erneut etwas Unvorhersehbares und die Drei bekommen eine neue Chance für ihre Freundschaft.
Meine Meinung:
Mit dem wunderschönen und außergewöhnlichen Cover kann die Geschichte nicht ganz mithalten. Ich mochte die behandelten Themen Freundschaft, Schuld, Entscheidungen, das Überdenken des eingeschlagenen Lebensweges und das Umgehen mit unheilbarer Krankheit. Auch der leise Schreibstil und die kurzen Kapitel haben gut zur Geschichte gepasst.
Pias Krankheit hat mich sehr berührt, aber es hätte noch so viele weitere Momente gegeben, wo man uns Leser gefühlsmäßig auf die Achterbahn hätte schicken können. Leider bleiben die Protagonisten allesamt ein bisschen farblos. Vor allem Martin, der unter seiner dominanten Mutter leidet, hätte ich so sehr gewünscht, dass er es schafft, mal eine richtige Distanz zwischen sich und ihr zu schaffen. Durch die fehlende Spannung bleibt alles ein bisschen flach. Die Geschichte ist solide geschrieben aber hält keine Überraschungen bereit. Ich vergebe 3,5 Sterne, die ich auf 4 aufrunde.
Rezensionen von Kat:
Erfolg ist nicht alles
Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo
Marlene Buchholz steht kurz vor einem hart erarbeiteten Karrieresprung, sie soll Vorstandsvorsitzende der Aviola Group werden. Nur eine letzte kleine Hürde gilt es noch zu überwinden – ein Achtsamkeitsseminar in der brandenburgischen Pampa um Ihre Empathiefähigkeit und Sozialkompetenz zu schulen.
Unwillig reist Marlene, die ihr Leben lang nur dem Leistungsgedanken gefolgt ist, und Freundschaften und Beziehungen eher für nebensächlich hält, in das „Umerziehungslager“. Ihr Mentor, Axel Grow, hat schon vielen Klienten dabei geholfen, ihre mentalen Stärken zu finden, allerdings steckt er momentan selbst in einer tiefen Krise. Auch wirtschaftlich läuft „die Acadamy“ nicht so gut und so kommt das Angebot von Marlenes Vorgesetzten, sämtliche Business-Coachings des Konzerns bei ihm abzuhalten, wenn er Marlene erfolgreich „hinbiegt“, gerade recht.
Erzählt wird die Geschichten aus abwechselnden Perspektiven von Marlene und Alex. Maxim Leo spielt dabei gewohnt mit den Emotionen des Lesers, mal ist es schreiend komisch, mal finden leise, traurige Töne ihren Weg in die Geschichte, die zum Nachdenken anregen. Der Schreibstil ist flüssig, sehr unterhaltsam und humorvoll. Ich mochte die Mischung aus der ironischen Marlene, die sich emotional so sehr abgrenzt und dem verständnisvollen Alex, der es allen recht machen will.
Natürlich ist es ist nicht besonders glaubhaft, dass eine einzige, noch dazu von außen aufgezwungene, Fortbildung zur kompletten Lebensveränderung führt. Und dennoch beschreibt Leo die Wandlung von Marlene glaubhaft. So spielt das Treffen mit dem Hausmeister, der Tiere Menschen vorzieht, eine größere Rolle für Marlenes innere Reise als all die Angebote der Acedamy. Ich mochte ihre Suche nach sich selbst und nach ihren Wurzeln. Wir haben in unserer Familiengeschichte ein ähnliches Schicksal wie bei Oma Inge, deshalb kann ich das Schweigen gut nachvollziehen. Auch das offene Ende finde ich richtig gut.
Fazit: Obwohl ich das Buch innerhalb von 2 Tagen weggelesen habe, wird es hängenbleiben. Ich habe mich bestens unterhalten.
Rezensionen von PucKker:
Spirituelle Ansätze
Dein Endometriose-Alltagshelfer von Lena Düsterhus
Ein netter Alltagsbegleiter für Menschen mit Endometriose, der viele Ideen, Tipps und kleine Hilfestellungen sammelt. Das Buch liest sich dabei fast so, als würde einem eine Freundin von ihren Erfahrungen erzählen. Gerade für Menschen, die frisch diagnostiziert wurden, kann das bestimmt hilfreich und entlastend sein.
Schön fand ich außerdem, dass mit Dr. med. Kirsten Hübner auch eine Expertin zu Wort kommt.
Inhaltlich geht es querbeet durch mögliche Unterstützungen im Alltag: Wärme, Ernährung, Atemübungen, Zyklustracking, Bewegung, Partnerschaft, Schlaf und vieles mehr. Dadurch bekommt man viele Denkanstöße und kann sich einzelne Dinge herauspicken, die man ausprobieren möchte.
Für mich persönlich blieb das Ganze allerdings etwas oberflächlich. Viele Tipps werden eher kurz angerissen, ohne größere Einordnung oder wissenschaftliche Einschätzung. Gerade das fand ich manchmal schwierig, weil Methoden wie Störfeldtherapie, Kinesiologie-Tapes oder Impulsströme recht unkritisch neben Physiotherapie, TENS oder anderen etablierteren Ansätzen stehen. Wer mit diesem spirituellen Zugang gut zurechtkommt, wird daran vermutlich auf die eigenen Kosten kommen.
Insgesamt also eher eine persönliche Toolbox voller Erfahrungen und Anregungen als ein wirklich fundiertes Sachbuch.
Rezensionen von Claudia H.:
Das Experiment
Beste männliche Nebenrolle von Stefanie Urbach
Worum es geht:
Wanda ist eine selbstbewusste und emanzipierte Frau. Mit schwachen Männern kann sie ja mal so gar nichts anfangen. Und an Machos arbeitet sie sich gerne mal ab, so wie an ihrem Chef Magnus, auf den sie allerdings dazu noch einen Crush hat. Nachdem sie Magnus wieder einmal Sexismus vorwirft, schmeißt dieser Wanda hochkant raus.
Schnell hat sie eine neue Arbeitsstelle gefunden, doch Magnus geht ihr nicht aus dem Kopf. Dann ergibt sich eine tolle Gelegenheit für Wanda. Sie hilft Magnus und seiner Firma aus den roten Zahlen raus, dafür muss er eine Fake-Beziehung mit Wanda eingehen. Was er nicht weiß, Wanda ist fest entschlossen den größten Macho der Stadt zu einem Frauenversteher umzuerziehen.
Mein Fazit:
Anfangs bin ich etwas schwer in die Story reingekommen, wobei ich doch des Öfteren mal geschmunzelt habe da es so einige lustige Szenen gibt. So richtig warm bin ich mit Wanda nicht geworden, weil sie mich echt genervt hat. Ständig ist sie nur am Meckern und keiner kann es ihr richtig machen. Wobei Wanda zum Schluss hin dann eine tolle Entwicklung mitmacht und ich sie dann schon fast mochte. Ich habe hier eher mit Magnus mitgelitten, der im Laufe der Story immer sympathischer wurde. Was mir sehr gut gefallen hat, war die Nebenhandlung mit dem Vater und Bruder von Wanda. Beide haben psychische Probleme. Der Umgang in der Familie vor allem mit dem Vater ist total liebevoll. Das hat mir sehr gut gefallen.
Insgesamt finde ich, hat das Buch einiges, über das man gut diskutieren kann, sodass ich die Story sehr gerne vor allem für einen Lesekreis empfehlen möchte und ich vergebe 4 Sterne.
Rezensionen von Shilo:
Zwischen Schuld, Sehnsucht und Hoffnung
Die Gesetze von Liebe und Logik von Debra Curtis
Manche Bücher erzählen nicht nur von Liebe, sondern auch von Entscheidungen, die ein ganzes Leben nachhallen. Genau darum geht es hier. Die Geschichte begleitet Lily über viele Jahre und zeigt, wie stark Erinnerungen sein können, selbst wenn das Leben längst in eine andere Richtung gegangen ist.
Schon die ersten Seiten erzeugen eine ruhige und leicht wehmütige Stimmung. Die Zeit am Meer, gemeinsame Abende mit Freunden und das Gefühl der ersten großen Liebe wirken lebendig und glaubwürdig. Gleichzeitig ist früh zu merken, dass ein Ereignis alles verändern wird. Dadurch blieb die Geschichte auch in den ruhigeren Passagen interessant.
Besonders angenehm ist die zurückhaltende Art, mit der die Autorin Gefühle beschreibt. Vieles wirkt nachvollziehbar und natürlich. Gerade dadurch kommen manche Szenen stärker an als große dramatische Momente. Lily steht oft zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Erinnerung an ihre Jugendliebe begleitet sie ständig, obwohl sie mit Marshall ein anderes Leben aufgebaut hat. Seine ruhige und verlässliche Art bildet einen starken Gegensatz zu den Erinnerungen an früher.
Lily wirkt über die vielen Jahre hinweg glaubwürdig. Nicht jede ihrer Entscheidungen ist leicht nachzuvollziehen, aber genau das macht sie menschlich. Auch die Nebenfiguren passen gut in die Geschichte, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Besonders die Rückblicke in die Jugendzeit haben viele Bilder entstehen lassen.
Der Schreibstil liest sich flüssig und ruhig. Die Geschichte lebt weniger von überraschenden Wendungen als von Gedanken, Erinnerungen und den Beziehungen der Figuren untereinander. Manche Abschnitte hätten etwas kürzer sein können, weil sich einzelne Gefühle wiederholt haben. Trotzdem bleibt der Roman nahbar und emotional greifbar.
Gut gefallen hat mir außerdem, dass die Geschichte nicht nur von Sehnsucht erzählt, sondern auch von Verantwortung, Vertrauen und den Spuren, die Entscheidungen hinterlassen können. Vor allem in den späteren Kapiteln wird deutlich, wie sehr manche Erlebnisse Menschen ein Leben lang begleiten.
Insgesamt ist dies ein ruhiger und gefühlvoller Roman über Liebe, Verlust und verpasste Möglichkeiten. Die Geschichte setzt eher auf leise Töne und wirkt gerade deshalb lange nach. Wer emotionale Familien- und Liebesgeschichten mit ernsterem Unterton mag, wird hier viele berührende Momente finden. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Kanielvörb:
Schönes Buch mit wichtigen Themen, teilweise etwas sprunghaft und mit fehlender Triggerwarnung
Die Briefträgerin von Francesca Giannone
Francesca Giannone hat mit Die Briefträgerin einen bewegenden und gleichzeitig vielschichtigen Roman geschaffen, der weit mehr ist als nur eine historische Familiengeschichte. Im Mittelpunkt steht Anna, eine Frau, die ihrer Zeit weit voraus ist und mit ihren fortschrittlichen Gedanken und ihrem selbstbewussten Auftreten im konservativen Lizzanello immer wieder für Kopfschütteln sorgt.
Gerade dieser Kontrast zwischen Tradition und Veränderung macht den Roman so spannend.
Besonders gelungen fand ich die Darstellung von Emanzipation und weiblicher Selbstbestimmung. Anna widersetzt sich den klassischen Rollenbildern der 1930er-Jahre und kämpft als erste Briefträgerin ihres Dorfes um Unabhängigkeit, Anerkennung und ein Leben nach ihren eigenen Vorstellungen. Dabei greift die Autorin viele wichtige Themen auf: Gewalt gegen Frauen, die Stellung der Frau in der Gesellschaft, festgefahrene Rollenbilder, aber auch Globalisierung, zwischenmenschliche Beziehungen und den historischen Alltag in Italien.
Diese Themenvielfalt ist einerseits eine große Stärke des Romans, andererseits hat sie bei mir auch dazu geführt, dass manche Übergänge etwas sprunghaft wirkten. Einige Handlungsstränge und emotionale Momente wurden sehr knapp abgehandelt, während andere Szenen viel Raum bekommen haben. Gerade dadurch hatte ich manchmal das Gefühl, dass bestimmte Entwicklungen nicht die Tiefe bekommen haben, die sie eigentlich verdient hätten.
Außerdem hätte ich mir für das Buch eine Triggerwarnung gewünscht. Vor allem das Thema Fehlgeburten wird behandelt und kann bei vielen Leserinnen und Lesern starke Emotionen auslösen. Eine entsprechende Warnung wäre daher aus meiner Sicht sinnvoll gewesen.
Sprachlich ließ sich der Roman insgesamt angenehm lesen, auch wenn mir vereinzelt Grammatikfehler aufgefallen sind. Eine Szene rund um die Verkündung des Kriegsendes hat mich zudem etwas verwirrt: Erst heißt es „Morgen, er schläft sicher schon.“ und kurz darauf „Während du friedlich geschlafen hast…“. Für mich war an dieser Stelle kein klarer Zeitsprung erkennbar, weshalb die zeitliche Abfolge etwas unklar wirkte.
Die Figuren hingegen haben mir sehr gut gefallen. Anna ist eine starke und interessante Protagonistin, aber auch die anderen Charaktere werden lebendig eingeführt und verleihen der Geschichte viel Atmosphäre. Teilweise waren es mir jedoch etwas zu viele Nebenfiguren, sodass ich gelegentlich überlegen musste, wer genau welche Rolle spielt.
Trotz kleiner Schwächen ist Die Briefträgerin ein eindrucksvoller Roman über Mut, gesellschaftlichen Wandel und den Kampf einer Frau um Selbstbestimmung. Besonders Leserinnen und Leser, die historische Familiengeschichten mit starken Frauenfiguren mögen, werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen.
Rezensionen von Kanielvörb:
Schönes Buch mit wichtigen Themen, teilweise etwas sprunghaft und mit fehlender Triggerwarnung
Die Briefträgerin von Francesca Giannone
Francesca Giannone hat mit Die Briefträgerin einen bewegenden und gleichzeitig vielschichtigen Roman geschaffen, der weit mehr ist als nur eine historische Familiengeschichte. Im Mittelpunkt steht Anna, eine Frau, die ihrer Zeit weit voraus ist und mit ihren fortschrittlichen Gedanken und ihrem selbstbewussten Auftreten im konservativen Lizzanello immer wieder für Kopfschütteln sorgt.
Gerade dieser Kontrast zwischen Tradition und Veränderung macht den Roman so spannend.
Besonders gelungen fand ich die Darstellung von Emanzipation und weiblicher Selbstbestimmung. Anna widersetzt sich den klassischen Rollenbildern der 1930er-Jahre und kämpft als erste Briefträgerin ihres Dorfes um Unabhängigkeit, Anerkennung und ein Leben nach ihren eigenen Vorstellungen. Dabei greift die Autorin viele wichtige Themen auf: Gewalt gegen Frauen, die Stellung der Frau in der Gesellschaft, festgefahrene Rollenbilder, aber auch Globalisierung, zwischenmenschliche Beziehungen und den historischen Alltag in Italien.
Diese Themenvielfalt ist einerseits eine große Stärke des Romans, andererseits hat sie bei mir auch dazu geführt, dass manche Übergänge etwas sprunghaft wirkten. Einige Handlungsstränge und emotionale Momente wurden sehr knapp abgehandelt, während andere Szenen viel Raum bekommen haben. Gerade dadurch hatte ich manchmal das Gefühl, dass bestimmte Entwicklungen nicht die Tiefe bekommen haben, die sie eigentlich verdient hätten.
Außerdem hätte ich mir für das Buch eine Triggerwarnung gewünscht. Vor allem das Thema Fehlgeburten wird behandelt und kann bei vielen Leserinnen und Lesern starke Emotionen auslösen. Eine entsprechende Warnung wäre daher aus meiner Sicht sinnvoll gewesen.
Sprachlich ließ sich der Roman insgesamt angenehm lesen, auch wenn mir vereinzelt Grammatikfehler aufgefallen sind. Eine Szene rund um die Verkündung des Kriegsendes hat mich zudem etwas verwirrt: Erst heißt es „Morgen, er schläft sicher schon.“ und kurz darauf „Während du friedlich geschlafen hast…“. Für mich war an dieser Stelle kein klarer Zeitsprung erkennbar, weshalb die zeitliche Abfolge etwas unklar wirkte.
Die Figuren hingegen haben mir sehr gut gefallen. Anna ist eine starke und interessante Protagonistin, aber auch die anderen Charaktere werden lebendig eingeführt und verleihen der Geschichte viel Atmosphäre. Teilweise waren es mir jedoch etwas zu viele Nebenfiguren, sodass ich gelegentlich überlegen musste, wer genau welche Rolle spielt.
Trotz kleiner Schwächen ist Die Briefträgerin ein eindrucksvoller Roman über Mut, gesellschaftlichen Wandel und den Kampf einer Frau um Selbstbestimmung. Besonders Leserinnen und Leser, die historische Familiengeschichten mit starken Frauenfiguren mögen, werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen.
Rezensionen von bookloving:
Zerbrechliche Freundschaft - Ein vielversprechendes Debüt
Spielverderberin von Marie Menke
Der Roman „Spielverderberin“ von Marie Menke ist ein vielversprechendes Debüt, das sich den subtilen Verwerfungen einer weiblichen Dreierfreundschaft auseinandersetzt.
Im Mittelpunkt stehen die drei jungen Frauen Sophie, Lotte und Romy, deren Beziehung schon während der Schulzeit von Nähe, Faszination, verdeckter Konkurrenz und unausgesprochenen Verletzungen geprägt war.
Anschaulich erzählt Menke vom Aufwachsen in der Stadt und auf dem Land, von auseinanderdriftenden Lebensentwürfen und dem schmerzhaften Moment, wenn aus kindlicher Vertrautheit die unüberbrückbare Distanz Erwachsener entsteht.
Während Sophie und Lotte in einem kleinen Bauerndorf zusammen zur Schule gehen und seit Kindertagen unzertrennlich sind, stößt das Stadtkind Romy erst in der Oberstufe hinzu. Mit ihrer selbstbewussten Art wirkt sie auf die beiden Freundinnen gleichermaßen faszinierend und irritierend. Schon bald verschiebt sie das Gleichgewicht der vertrauten Zweierfreundschaft. Aus der engen Freundschaft erwächst eine fragile Dreierbeziehung, in der sich Bewunderung, Eifersucht, Unsicherheit und subtile Machtspiele immer stärker überlagern. Menke gelingt es hervorragend, dieses labile Gleichgewicht zwischen den Mädchen sehr eindrucksvoll einzufangen und eine unheilvolle Vorahnung heraufzubeschwören.
Erzählt wird die Geschichte unchronologisch und auf wechselnden Zeitebenen. So begleiten wir die Figuren durch ihre Jugend, die Zeit nach dem Abitur und die frühen Jahre des Erwachsenenlebens. Nach und nach wird deutlich, wie sich die Vertrautheit langsam auflöst, ihre gemeinsamen Wege sich trennen, sie auf Distanz gehen und die Figuren schließlich unterschiedlichen Zukunftsplänen folgen. Während Sophie und Romy in Köln studieren, verbleibt Lotte in ihrem Dorf.
Mit großem Feingefühl beleuchtet Menke das fragile Gefüge weiblicher Freundschaft und arbeitet vor allem die dunklen Schattierungen ihrer Freundschaft heraus, die sich in unheilvollen Abhängigkeiten, Missgunst, Konkurrenz, Minderwertigkeitsgefühlen, unerfüllten Erwartungen sowie Verletzungen zeigen, die sich über Jahre hinziehen. Dabei gelingt es ihr, uns tief in diesen Prozess einzubinden, sodass man den langsamen, schmerzhaften Zerfall ihrer einst so engen Freundschaft hautnah miterlebt. Eindrucksvoll arbeitet sie heraus, dass sich Freundschaften nicht einfach fortführen lassen, wenn die Lebenswege auseinanderdriften und alte Wunden zurück bleiben. Zugleichfällt es aber auch schwer, alte Bindungen loszulassen, die einst so bedeutsam waren.
Ein zentrales Element der Geschichte ist ein dunkles, zunächst nur vage angedeutetes Geheimnis von beklemmender Tragweite, das über Jahre hinweg zwischen den Freundinnen steht. Menke versteht es, eine subtile Spannung aufzubauen, indem alte Verletzungen und Konflikte nicht offen ausgetragen werden, sondern über Schweigen, Blicke, unvollendete Sätze und das Unausgesprochene laufen. Die Spannung wird beständig aufrechterhalten und macht neugierig darauf, welche Ereignisse die Beziehung so nachhaltig belastet haben.
Mit ihren drei Protagonistinnen hat Menke zwar vielschichtige Charaktere mit Ecken und Kanten angelegt, die allerdings zugleich sehr distanziert und unnahbar bleiben und allesamt wenig Sympathien wecken. Die sprunghafte, extrovertierte Romy zieht alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, bleibt jedoch mit ihrer Unzuverlässigkeit schwer zu enträtseln. Auch die sich stets zurückgesetzt fühlende Sophie entwickelt eine fast zwanghafte Fixierung auf Romy und wird später von unerklärlichen Schuldgefühlen geplagt oder schließlich Lottes rätselhaftes Verhalten und ihr Schicksal, Insgesamt blieben ihre Handlungen und Motive für mich nur teilweise nachvollziehbar, was sie als Figuren wenig greifbar macht.
Mit ihrem ruhigen, schnörkellosen Schreibstil gelingt es Menke, die leicht beklemmende Atmosphäre, die stets zwischen den Zeilen mitschwingt, perfekt einzufangen.
In ihrem Roman thematisiert für meinen Geschmack etwas plakativ Memke auch die Gegensätze zwischen ländlichem Milieu, das für Vertrautheit, Gemeinschaft und vermeintliche Sicherheit steht, und dem städtischen Umfeld, das für Freiheit, Selbstverwirklichung, aber auch Anonymität und Entfremdung steht. Die Darstellung wirkt stellenweise etwas schematisch und hätte deutlich tiefgründiger ausgeführt werden können.
Die Auflösung des um Lotte kreisenden Geheimnisses erfolgt erst spät und hinterlässt bewusst Leerstellen, wodurch das unterschwellige Unbehagen bis zum Schluss präsent bleibt. Die eigentliche Erklärung entpuppt sich in ihrer Banalität als etwas enttäuschend, da ich mit einem dramatischeren Hintergrund gerechnet hatte.
FAZIT
Ein fein gezeichneter Debütroman über die Zerbrechlichkeit weiblicher Freundschaft, der eindrucksvoll über Ausgrenzung und schleichende Entfremdung sowie die dunklen Seiten von Nähe und engen Beziehungen erzählt und zum Nachdenken anregt.










