Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Streiflicht:
Fast schon poetisch
Die verborgene Tierwelt unserer Städte von Marco Granata
Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, weil ich mich schon beim ersten Blick auf das Cover und den Titel verliebt habe. Leider ist es dann im SUB ein bisschen nach unten gerutscht und wäre mir fast entgangen. Die Wiederentdeckung des Buchs hat mir große Freude gemacht und ich habe es sofort voller Begeisterung gelesen.
Der Autor und Biologe Marco Granata hat eine wunderbar leichte, humorvolle und an vielen Stellen fast schon poetische Schreibweise. Er erzählt über die Tiere so locker und interessant, dass sich das Buch fast wie von selbst liest. Absolut faszinierend, wie Tiere sich anpassen und in unsere Vorgärten, auf Balkonen und an den Fassaden leben. Auf dem Land wird es für Wildtiere immer schwieriger, wohl denen, die es in die Städte schaffen und sich dort ihre Nischen suchen und sie finden. So ist der Lebensraum Stadt für viele zum Unterschlupf geworden. Und davon erzählt Granata gekonnt und mit viel Hintergrundwissen. Man kann bei der Lektüre noch richtig was lernen und erfährt so einiges über alle möglichen Tierarten.
Wer Tiere mag und sich für ihre Lebensweise begeistern kann, ist hier genau richtig! Ein wunderbarer und faszinierende Spaziergang durch eine so ganz andere Stadt. Augen auf, vielleicht siehst Du dann auch Rehe auf der Treppe beim nächsten Sonntagsbesuch auf dem Friedhof ...
Rezensionen von Kat:
Mutige Entscheidungen
Statt aus dem Fenster zu schauen von Anna Katharina Scheidemantel
Die 25jährige Studentin Sophie war schon immer eine, „aus der mal was wird“. Während sie aber in ihrem Praktikum vor Exceltabellen dahindümpelt, trifft sie eine ziemlich spontane und unüberlegte Entscheidung – sie kauft auf ebay-Kleinanzeigen ein verfallenes Haus in der ostdeutschen Pampa. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, bricht sie alle Brücken hinter sich ab, kündigt ihr WG-Zimmer und macht sich nur mit einem Rucksack und ihrem Fahrrad mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg.
Im Laufe der Geschichte begleiten wir Sophie nicht nur beim Streichen von Wänden, Schleifen von Dielen, Anlegen eines Kartoffelackers und dem Verpflegen von Hühnern, sondern auch bei ihrem inneren Wachstum. Dieses zu verfolgen, hat mir großes Vergnügen bereitet. Ich habe Sophies Mut bewundert, ihr Durchhaltevermögen, ihr Angst-Besiegen. Sie erkennt, dass sie was mit den Händen machen will und ihren eigenen Intentionen vertrauen muss, weil die sie schon auf den richtigen Weg führen werden.
Mir hat an dem Buch fast alles gefallen (den Nazi-Part hätte man sich schenken können) - der direkte, witzige, unbeschwerte Schreibstil, mit vielen leisen Tönen, die Charaktere – allen voran Sophie, mit der ich wirklich mitfühlen konnte -, die Landschaft, die Geschichte! Nichts wird beschönigt: Das Aussteigen ist hier nicht Vanlife pur mit Lichterketten und Traumfängern am Strand bei Sonnenuntergang, sondern die Angst, die Unsicherheit, der Dreck und die harte Arbeit werden genau als das benannt, was sie sind.
Nur, dass Sophie ihre Eltern so außen vorlässt, schmerzt mich als Mutter 2er fast erwachsener Kinder sehr, zumal sie selbst sagt, dass ihre Eltern sie mit Sicherheit unterstützt hätten. Ich wünsche mir sehr, dass meine Kinder mehr Vertrauen zu mir haben werden, wenn es mal so weit sein sollte.
Am Ende steht die Erkenntnis:
„Ich muss gar nichts, außer zu leben.“ Seite 340
Für diesen wirklich außergewöhnlichen Debütroman vergebe ich gern 5 Sterne und eine große Leseempfehlung!
Rezensionen von Claudia R.:
Spicy Mafia Romance
Burning Revenge von Nina Martin
Klappentext / Inhalt:
Sie sinnt auf Rache an seiner Familie. Er ist der Bruder ihres Verlobten und will sie nur beschützen.
Eleonora Scarselli lebt ein Leben im Luxus. Die einzige Regel: niemals hinterfragen, womit ihre Familie ihr Geld verdient. Ihre heile Welt zerbricht, als Silvano Mariani, der Erzfeind ihrer Familie, auf einer Feier auftaucht, denn sie erfährt nicht nur, dass ihre Familie Teil der Mafia ist und mit magischen Drogen handelt, auch ihre geliebte Schwester und ihr Vater werden getötet.
Als der Frieden mit einer Hochzeit zwischen Eleonora und Valerio, dem ältesten Mariani-Sohn, wieder hergestellt werden soll, sieht Eleonora ihre Chance auf Rache. Sie trifft auf Dante, Valerios attraktiven Bruder. Unerwartet bietet er ihr seine Hilfe an und zwischen den beiden beginnt es zu knistern. Doch kann Eleonora Dante wirklich vertrauen?
Aufregende Romantic Suspense mit Forbidden Love und einem Funken Magie. Mit wunderschönem Farbschnitt in limitierter Auflage.
Cover:
Das Cover finde ich sehr schön umgesetzt mit den vielen Blüten und der zauberhaften Verzierung. Die Blumendetails strahlen eine gewisse Dramatik, aber auch Romantik aufgrund ihrer Farbe und Anordnung aus. Das Ganze ist sehr schön angerichtet und stimmungsvoll umgesetzt. Der Titel ist optisch und durch eine Glanzprägung sehr gut hervorgehoben. Das Cover finde ich auf jeden Fall sehr ansprechend.
Meinung:
Verrat, Hinterlist und Macht spielen hier eine düstere Rolle. Als Eleonore nach dem Tod einiger ihrer Familienmitglieder versteht, dass sie einer Mafia Familie angehört, gerät sie mehr in das Fadenkreuz der anderen Mafia Familie und lässt sich auf ein Spielchen oder eher Rachegelüste ein.
Was sich genau verbirgt und wo sie das Ganze hinführt, sei hier jedoch noch nicht verraten. Düstere Fänge, gierige Machtspielchen und der Funke von Liebe hängen hier in der Luft. Inhaltlich sei hier jedoch nicht mehr verraten, wer Interesse hat, sollte das Buch auf jeden Fall zur Hand nehmen.
Spicy Mafia Romance mit jede Menge Spannung und Überraschungen. Langweilig wird einem hier nicht. Man wird bereits zu Beginn förmlich ins Geschehen katapultiert und kann dann kaum noch das Buch zur Seite legen. Schnell wird Spannung aufgebaut, welche kontinuierlich weiter zunimmt. Auch in die Charaktere findet man schnell und gut hinein.
Der Schreibstil ist angenehm und fesselnd. Es wird alles gut vorstellbar beschrieben und auch die Emotionen und Gedanken sind gut spürbar. Durch die Ich Perspektive findet man sich besonders in Eleonore, aber auch die anderen hinein und kann auch die Emotionen sehr gut spüren. Die Charaktere sind vielschichtig aufgebaut und so mache Entwicklungen sind dabei durchaus verblüffend.
Die einzelnen Abschnitte haben eine gute und angenehme Länge. Die Kapitelanfänge sind sehr schön herausgearbeitet. Die kleine Illustration und Verzierung zieht dabei die Blicke auf sich. Auch die kleinen Zitate oder Sprüche am Kapitelanfang sind sehr schön gewählt und stimmen teils ein wenig nachdenklich, verraten aber nicht zu viel, sondern wecken eher die Neugier. Gliederung und Gestaltung haben mir hier sehr gut gefallen. Auch der Farbschnitt des Buches rundet das Ganze sehr schön ab.
Der Cliffhanger am Schluss weckt die Neugier auf den zweiten Band der Dilogie und lässt einen rätselnd zurück. Die Spannung hält bis zum Ende an und dies ist auf jeden Fall passend und gut gewählt.
Fazit:
Spicy Mafia Romance mit jede Menge Spannung und Überraschungen.
Rezensionen von Streiflicht:
Die faszinierende Welt der Hühner
Mein Leben mit Hühnern von Arthur Parkinson
Ich liebe Tiere und eine Arten faszinieren mich ganz besonders. Hühner gehören neben Katzen schon immer dazu. Seit meine Schwester vor einiger Zeit vier Hühner aus einer Legebatterie gerettet hat, bin ich noch begeisterter. Anfangs zerzaust und stinkend, nervös und unruhig, haben sich die vier zu Individuen entwickelt, die jede auf ihre Art bezaubernd waren.
Für mich sind Tiere Mitbewohner auf unserer Erde, die es gut haben sollen. Schon seit Längerem esse ich kaum mehr Fleisch - wenn ich Bücher wie dieses lese, dann weiß ich auch wieder ganz genau warum.
Dieses besonder Buch zeigt, wie vielfältig alleine die Welt der Hühner ist. Ich habe mit Erstaunen und Begeisterung gelesen, wie viele Arten und Unterarten es gibt. Einfach faszinierend! Schon das Cover hat mich auf den ersten Blick fasziniert und mir Lust auf das Buch gemacht. Auch wenn ich dem Autor nicht in allen Punkten zustimmen kann - ich verstehe, dass es schwierig ist, mehrere Hähne zu haben, aber sie bereits als Jungtiere zu töten erscheint mir trotzdem grausam - habe ich das Buch mit großer Freude gelesen. Vor allem die Beschreibungen und Skizzen zu den vielen verschiedenen Tieren haben mir besonders gut gefallen. Auch die vielen Tipps und Tricks sind wirklich gut und praktisch, gerade wenn es konkret um die Haltung der verschiedenen Hühner und deren Ansprüche geht oder um die Gestaltung des Gartens, der zu den Tieren passt.
Wer Hühner mag oder überlegt, welche anzuschaffen, ist mit diesem Buch bestens beraten! Ich habe hier viel Neues erfahren und werde das Buch sicherlich gerne nochmal lesen. Eines Tages möchte ich einen großen Garten auf dem Land haben und da wird dann auf jeden Fall auch eine Hühnerschar einziehen!
Rezensionen von Claudia R.:
packender Thriller
Meine tote Schwester: Psychothriller von Catherine Shepherd
Klappentext / Inhalt:
Der atemberaubende Auftakt einer neuen Psychothriller-Reihe von Bestseller-Autorin Catherine Shepherd
Zwischen Mias Fenster und der verlassenen Nachbarvilla liegen dreißig Meter Rasen. Dreißig Meter bis zu dem Ort, an dem ihre Schwester starb. Seit elf Jahren steht das Haus leer.
Niemand will dort leben. Bis jetzt. Dann zieht Lukas mit seiner Mutter ein. Die Gerüchte über ihn sind verstörend: Er soll an seiner alten Schule seine Freundin getötet haben. Mia weiß, dass sie sich von ihm fernhalten sollte. Doch Lukas findet etwas in der Villa – etwas, das ihrer toten Schwester gehörte. Obwohl Mia geschworen hat, das Nachbarhaus nie wieder zu betreten, bricht sie ihr Versprechen. Ein Fehler. Denn kurz darauf wird eine Mitschülerin ermordet. Der Verdacht fällt sofort auf Lukas. Mia muss sich entscheiden: Ist er wirklich der Freund, den sie in ihm sieht? Oder derjenige, der sie als Nächste töten wird?
Cover:
Das Cover ist spannend und geheimnisvoll umgesetzt. Die Silhouette einer Frau am Fenster ist hier erkennbar. Auch optisch und farblich ist das Ganze sehr schön umgesetzt.
Meinung:
Ein geheimnisvoller und spannender Thriller, der so einige Überraschungen bereit hält. Mia muss nach dem mysteriösen Tod ihrer Schwester mit dieser Vergangenheit leben und als plötzlich in die alte Villa neben, nach mehr als zehn Jahren Leerstand, Lukas mit seiner Familie einzieht, weiß Mia nicht so recht, was sie davon halten soll und ob sie ihm trauen kann, zumal heftige Ereignisse das Ganze überschatten.
Zu viel vom Inhalt möchte ich hier noch nicht verraten und halte mich mit weiteren Details und Informationen dazu zurück.
Der Schreibstil ist bildlich und packend. Schnell findet man in Charaktere und Situationen hinein. Es wird sehr gut und detailreich beschrieben, so dass man sich alles sehr gut vorstellen kann. Besonders in Mia und Mias Gedanken findet man sich nah und spürbar hinein. Man kann ihre Gedanken und Emotionen gut nachempfinden. Die Geschichte ist packend und voller Gänsehautmomente umgesetzt.
Die einzelnen Kapitel haben eine schöne und angenehme Länge, so dass sie einen guten Lesefluss ermöglichen. Die Anfänge der Kapitel sind gut und deutlich erkennbar. Die Kapitel selbst sind einfach durchnummeriert. Gliederung und Gestaltung haben mir gut gefallen.
Die Geschichte und das drumherum ist gut durchdacht. Das Ganze wird fesselnd und packend erzählt und auch die Spannung baut sich mehr und mehr auf. Wenn man den Hinweisen folgt, kommt man mehr und mehr auf die gelegte Spur und so fügt sich am Ende alles sehr stimmig zusammen. Die Emotionen sind packend und mitreißend und so manch düstere Erzählung macht kleinere und größere Gänsehautmomente aus.
Fazit:
Ein geheimnisvoller und spannender Thriller, der so einige Überraschungen bereit hält.
Rezensionen von Kat:
Ein Neuanfang
Dieser Sommer gehört mir von Claudia Schaumann
Dies war mein erstes Buch der Autorin und ich habe ihr Buch sehr gern gelesen. Die Geschichte ist herzlich, es gibt wunderschöne Landschaftsbeschreibungen und der Schreibstil ist mitreißend, warmherzig und bildhaft.
Im Roman begegnen wir Charlotte, die sich von ihrem Mann getrennt hat, mit ihm aber noch zusammen unter einem Dach lebt, die beiden Töchter sind gerade auf Auslandsjahr.
Charlotte ist zu Beginn der Geschichte ein Luxusweibchen, die immer auf der Sonnenseite des Lebens steht, noch nie wirklich etwas geleistet hat, sondern ihre Zeit am liebsten mit Feiern und schönen Dingen verbringt. Ihre Anspruchshaltung hat sie mir ziemlich unsympathisch gemacht. Nichts desto trotz konnte ich ihre Wünsche nach Neuanfang gut nachvollziehen – ihr Kinderbekleidungsladen macht ihr keine Freude mehr, seit ihre eigenen Kinder groß sind, ihre Freundinnen haben alle eine Leidenschaft, für die sie brennen und ihre Mädchen beziehen sie nicht mehr in ihr Leben ein. In dieser Lebenssituation trifft sie zwei sehr spontane Entscheidungen, sie übernimmt eine Kneipe und zieht zu 2 Männern in ein Tiny Haus, nachdem ihr Noch-Ehemann ihr vorsichtig klargemacht hat, dass es nicht üblich ist, nach einer Trennung noch ewig zusammenzuleben und das Haus nun mal ihm gehört. Beide Entscheidungen hätte ich so nicht getroffen aber wenigstens bewegt sich Charlotte und ihr Zweifeln, ihr Suchen, ihre Freude und Trauer… der ganze Weg, den sie geht, haben mich berührt.
Ein zweiter Erzählstrang erzählt von der jüngsten Tochter Leni, die gerade ihr Auslandsjahr in England begonnen hat, zu dem sie von ihrer Mutter überredet wurde und die ebenfalls mit allerlei Problemen zu kämpfen hat. Im Gegensatz zu ihrer Mutter war mir Leni unglaublich sympathisch und hat mich in ihrem Denken und Handeln sehr an meine beiden Kinder im selben Alter erinnert.
Es hat insgesamt wirklich Spaß gemacht, die Entwicklung von Mutter und Tochter zu verfolgen, die sich entfernen und dann wieder annähern, die beide mit ähnlichen Themen zu kämpfen haben, sich nur eben in anderen Stadien ihres Lebens befinden.
Wer einen leichten Unterhaltsroman sucht, der sich wunderbar für die Liege am Strand eignet, von Neuanfängen handelt und mehr Wert auf die Atmosphäre als auf die Geschichte an sich legt, der ist mit diesem Buch gut beraten.
Rezensionen von Kat:
Intensiver Roman über weibliche Selbstbestimmung
Das Tränenhaus. Roman von Gabriele Reuter
In „Das Tränenhaus“ führt Gabriele Reuter uns in eine stille, abgelegene Welt irgendwo in der schwäbischen Provinz. Dort betreibt die Hebamme Frau Uffenbacher ein Heim, in dem unverheiratete Frauen ihre Kinder abseits der Öffentlichkeit bekommen sollen – eine Einrichtung, die mehr mit Wegsperren als mit Fürsorge zu tun hat.
In diese Umgebung wird die Schriftstellerin Cornelie Reimann geschickt, die nach einer außerehelichen Affäre schwanger geworden ist. Was als Zuflucht gedacht war, entpuppt sich als Ort der Demütigung und des Zwangs – und zugleich als Labor weiblicher Erfahrung.
Reuter erzählt mit eindringlicher Genauigkeit vom Leben im Schatten gesellschaftlicher Verachtung. Sie kennt den Stoff aus eigener Erfahrung und das merkt man dem Text an. „Das Tränenhaus“ verbindet Beobachtungsgabe mit Reflexion: Neben den knappen, fast dokumentarischen Schilderungen findet sich eine Sprache voller Nachdenken, manchmal pathetisch, aber nie leer. Gerade dieser Wechsel zwischen Gefühl und Analyse verleiht dem Buch seine Intensität.
Cornelie, gebildet, unabhängig und anfangs stolz auf ihre Eigenständigkeit, gerät in eine Umwelt, die mit ihrer Welt nichts gemein hat. Während die anderen Frauen einfache Herkunft, eigene Dialekte und handfeste Überlebensstrategien mitbringen, begegnet Cornelie der Provinz zunächst mit Distanz. Erst allmählich öffnet sie sich – lernt, den Alltag der Mitbewohnerinnen zu verstehen, erkennt in ihnen weniger Fremde als Leidensgenossinnen. Aus Abschottung wird Nähe, aus Scham Solidarität.
Das Heim wird so zum Mikrokosmos gesellschaftlicher Abhängigkeiten. Die männliche Welt bleibt abwesend und taub für das Schicksal dieser Frauen – was bleibt, ist das Mit- und Gegeneinander unter den Zurückgelassenen. Frau Uffenbacher, die das Elend verwaltet, steht dabei exemplarisch für die Macht, die aus Not entsteht: Sie profitiert vom Leid anderer, hält Disziplin aufrecht und verdient an jeder Geburt. Gleichzeitig umgeben die Frauen im Dorf eine fast groteske „Pflegeindustrie“, in der Neugeborene gegen Geld weitergegeben werden – ein System, das das moralische Elend der Zeit bloßlegt.
Doch Reuter geht über Anklage hinaus. In Cornelies Weg liegt etwas Hoffnungsvolles: Sie findet, trotz aller Erniedrigung, zu einer neuen Form von Selbstbewusstsein. Sie entdeckt, dass Unabhängigkeit nicht in Rückzug, sondern in Verbindung liegt – in der Kraft, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Damit wird „Das Tränenhaus“ zu mehr als einem historischen Roman: Es ist eine frühe Studie über weibliche Selbstwerdung und gegenseitige Stärkung.
Der Schreibstil war für mich gewöhnungsbedürftig aber als ich mich einmal eingelesen habe, habe ich diesen Roman als ein ergreifendes Porträt einer Gemeinschaft, die aus Scham geboren ist und in Mitgefühl wächst. Die einzelnen Schicksale haben mich berührt und aufgeregt. Ich danke dem Reclam Verlag, dass er das Buch neu aufgelegt hat denn es ist ein weiteres literarisches Dokument gegen das Vergessen, dass zeigt, wie nah historische Zwänge und aktuelle Fragen nach weiblicher Selbstbestimmung beieinander liegen.
Rezensionen von Kat:
Ein Roman voller Trauer - jedoch ohne spürbares Herzklopfen
Unter Wasser von Tara Menon
Leider war für mich „Unter Wasser“ nur mittelmäßig. Dabei wollte ich das Buch schon aufgrund seines wunderschönen Covers unbedingt haben! Auch die Story über ein kleines Mädchen, das mit ihrem Vater nach dem Tod der Mutter nach Thailand zieht und dort in Arielle eine Freundin fürs Leben findet, die ihr aber bei dem Tsunami von 2004, einer der verheerendsten Umweltkatastrophen der jüngeren Geschichte, wieder genommen wurde, hat mich magisch angezogen.
Jetzt musste ich die Geschichte erst einmal ein wenig sacken lassen, bevor ich meine Rezension schreiben konnte, um herauszufinden, was in mir bleibt.
Der Roman ist von Trauer durchdrungen, er fängt den ganz besonderen Schmerz um den Verlust einer Freundin ein, eine Beziehung, die unsere Gesellschaft auch heute noch als zweitrangig betrachtet. Und obwohl ich auf jeder Seite von dem Verlust lese, konnte ich sie doch nicht spüren.
Eventuell waren die zweit Zeitebenen das Problem. Die Handlung erstreckt sich über 8 Jahre und wechselt zwischen Thailand und New York, wo Marissa heute lebt, normalerweise lese ich sehr gern über verschiedene Zeitebenen hinweg. Hier jedoch hätte ich mir gewünscht, länger in einem Handlungsstrang verweilen zu können, die Zeitsprünge kamen mir zu abrupt. Mir fiel es oft schwer, Marissas anhaltende Trauer wirklich nachzuvollziehen. Mir ist bewusst, dass Trauer nicht linear verläuft und oft in Wellen kommt, doch die Intensität des Traumas und der Trauer, die Marissa in der Gegenwart empfindet, wirkte manchmal unverhältnismäßig im Vergleich zu der vergangenen Zeit. Die Freundschaft wirkte auf mich steril. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass sich die Beziehung öffnet, dass ich die Atmosphäre zwischen den Mädchen spüren kann aber da war nichts außer Worte. Auch die Trauer des Vaters wirkte unausgereift. Dabei hätte auch sie viel mehr Raum in der Geschichte verdient.
Die Schilderungen Thailands, des Lebens auf der Insel und der reichen Artenvielfalt ihrer Ozeane waren ein Lesegenuss und machen Lust das direkt zu erleben. Insbesondere die Meeresbewohner hatten es mir angetan. Der Ozean und seine Ökosysteme spiegeln die Instabilität wider, die sich durch die ganze Geschichte zieht. Das hat wirklich gut funktioniert.
Ich habe diesen Roman beim Lesen bewundert, aber ich konnte leider nicht die emotionale Wucht spüren, die ich mir gewünscht habe.
Ich zolle Menon große Anerkennung für ihren Debütroman und denke, dass viele andere ihn genießen werden, aber konnte ihn leider nicht vollends genießen.
Rezensionen von Kat:
Freundschaft, die bleibt
Der Sommer, der uns blieb von Greta Herrlicher
Das aktuelle Buch aus dem Vani Verlag war für mich tatsächlich ein reiner Coverkauf, der Inhalt war zunächst nebensächlich, ich war und bin von der Aufmachung so begeistert, dass ich das Buch unbedingt haben musste. Hier wurde ganze Arbeit geleistet! Vom Einband über den Farbschnitt, der wunderschönen Überraschung im Buchinneren bis hin zum Lesebändchen wurde das Buch perfekt zu einem kleinen Kunstwerk gestaltet.
Die Sprüche und Weisheiten, die jedes Kapitel einleiten, haben mir sehr gut gefallen. Die Geschichte über die Freundschaft von 3 Freunden hat mich größtenteils überzeugt und hat mich an meine eigene Jugend erinnert.
Zum Inhalt:
Pia, Britta und Martin sind Nachbarskinder und vertraute Freunde in ihrer Kindheit und Jugend bis im Sommer nach Abschluss der Schule etwas passiert, dass die Drei auseinandertreibt. Zwanzig Jahre später passiert erneut etwas Unvorhersehbares und die Drei bekommen eine neue Chance für ihre Freundschaft.
Meine Meinung:
Mit dem wunderschönen und außergewöhnlichen Cover kann die Geschichte nicht ganz mithalten. Ich mochte die behandelten Themen Freundschaft, Schuld, Entscheidungen, das Überdenken des eingeschlagenen Lebensweges und das Umgehen mit unheilbarer Krankheit. Auch der leise Schreibstil und die kurzen Kapitel haben gut zur Geschichte gepasst.
Pias Krankheit hat mich sehr berührt, aber es hätte noch so viele weitere Momente gegeben, wo man uns Leser gefühlsmäßig auf die Achterbahn hätte schicken können. Leider bleiben die Protagonisten allesamt ein bisschen farblos. Vor allem Martin, der unter seiner dominanten Mutter leidet, hätte ich so sehr gewünscht, dass er es schafft, mal eine richtige Distanz zwischen sich und ihr zu schaffen. Durch die fehlende Spannung bleibt alles ein bisschen flach. Die Geschichte ist solide geschrieben aber hält keine Überraschungen bereit. Ich vergebe 3,5 Sterne, die ich auf 4 aufrunde.
Rezensionen von Kat:
Erfolg ist nicht alles
Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo
Marlene Buchholz steht kurz vor einem hart erarbeiteten Karrieresprung, sie soll Vorstandsvorsitzende der Aviola Group werden. Nur eine letzte kleine Hürde gilt es noch zu überwinden – ein Achtsamkeitsseminar in der brandenburgischen Pampa um Ihre Empathiefähigkeit und Sozialkompetenz zu schulen.
Unwillig reist Marlene, die ihr Leben lang nur dem Leistungsgedanken gefolgt ist, und Freundschaften und Beziehungen eher für nebensächlich hält, in das „Umerziehungslager“. Ihr Mentor, Axel Grow, hat schon vielen Klienten dabei geholfen, ihre mentalen Stärken zu finden, allerdings steckt er momentan selbst in einer tiefen Krise. Auch wirtschaftlich läuft „die Acadamy“ nicht so gut und so kommt das Angebot von Marlenes Vorgesetzten, sämtliche Business-Coachings des Konzerns bei ihm abzuhalten, wenn er Marlene erfolgreich „hinbiegt“, gerade recht.
Erzählt wird die Geschichten aus abwechselnden Perspektiven von Marlene und Alex. Maxim Leo spielt dabei gewohnt mit den Emotionen des Lesers, mal ist es schreiend komisch, mal finden leise, traurige Töne ihren Weg in die Geschichte, die zum Nachdenken anregen. Der Schreibstil ist flüssig, sehr unterhaltsam und humorvoll. Ich mochte die Mischung aus der ironischen Marlene, die sich emotional so sehr abgrenzt und dem verständnisvollen Alex, der es allen recht machen will.
Natürlich ist es ist nicht besonders glaubhaft, dass eine einzige, noch dazu von außen aufgezwungene, Fortbildung zur kompletten Lebensveränderung führt. Und dennoch beschreibt Leo die Wandlung von Marlene glaubhaft. So spielt das Treffen mit dem Hausmeister, der Tiere Menschen vorzieht, eine größere Rolle für Marlenes innere Reise als all die Angebote der Acedamy. Ich mochte ihre Suche nach sich selbst und nach ihren Wurzeln. Wir haben in unserer Familiengeschichte ein ähnliches Schicksal wie bei Oma Inge, deshalb kann ich das Schweigen gut nachvollziehen. Auch das offene Ende finde ich richtig gut.
Fazit: Obwohl ich das Buch innerhalb von 2 Tagen weggelesen habe, wird es hängenbleiben. Ich habe mich bestens unterhalten.











