Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Anja :
Ehe
Memories of Heidelberg von Heinz Strunk
Der Roman MEMORIES OF HEIDELBERG von Heinz Strunk handelt vom Ehepaar Bertram und Isolde Grieger, die sich eine Auszeit am Neckar gönnen und dabei zwischen Ehealltäglichkeit und kuriosen Situationen pendeln.
Dieses Mal soll der geliebte Neckarurlaub in einem unbekannten Nobelhotel stattfinden. Doch dann wird es schwierig.
..das Hotel ist trotz horrendem Preis nicht gerade toll, Isolde hat Sorgen wegen ihrer Mutter und abends geht es immer wieder auf ein in die Jahre gekommenes Restaurantschiff, das mehr schlecht als recht funktioniert. Und dazu eingespielte eheliche Dialoge und nervige Situationen. Wie im wahren Leben.
Das Buch ist in vielen Situationen so bekannt alltäglich und die Gespräche oder Gedanken so auf den Punkt gebracht, dass man zwischendurch gar nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Mir hat's gefallen.
Rezensionen von isablue:
Alltagsnahes Wimmelbuch
Mein erstes Sachen suchen Wimmelbuch: Meine Welt von Maria Höck
In diesem Wimmelbuch finden sich viele alltagsnahe Situationen, die den Kindern bereits bekannt sein dürften. Auf jeder Doppelseite gibt es einen sehr kurzen, leicht verständlichen Text, der die Kinder auffordert, etwas Bestimmtes auf dem Bild zu finden. Weiterhin sind immer am Rand einzelne Bildausschnitte abgebildet, die man dann auf dem Bild suchen kann.
Die Wimmelbilder sind detailreich, aber auch nicht zu überladen, sodass die Kleinsten nicht überfordert werden sollten, aber trotzdem immer etwas Neues finden können. Ganz spielerisch können die Kinder hier entdecken, Wörter üben und vielleicht etwas später auch ganze Sätze sagen.
Ich persönlich finde es toll, dass bestimmte Personen mehrfach im Buch vorkommen. Die Figuren sind außerdem ganz vielfältig: weiblich und männlich, unterschiedliche Hautfarben und verschiedene Altersgruppen.
Ein anderer, ganz praktischer positiver Aspekt sind die stabilen Seiten, die für kleine Kinderhände super geeignet sind.
Ich empfehle dieses pädagogisch wertvolle Wimmelbuch!
Rezensionen von Simo.Monet:
Spannung bis in die Tiefe
Be a Light in the Dark Sea 1 von Softcoral
„Be a Light in the Dark Sea“ hat mich wirklich positiv überrascht. Besonders das ungewöhnliche Setting einer Unterwasserstation in 3000 Metern Tiefe sorgt von Anfang an für eine düstere Atmosphäre, die perfekt zur Geschichte passt. Gleichzeitig sind die Charaktere interessant und besonders, sodass man schnell mit ihnen mitfiebert.
Die Handlung ist spannend und hält einige Überraschungen bereit. Besonders gut gefallen haben mir die Themen rund um Moral, Umweltschutz und die Frage, wie Menschen mit Extremsituationen umgehen. Auch die Mischung aus Survival, Spannung und emotionalen Momenten hat für mich sehr gut funktioniert und das ganze Buch umso besser gemacht. An ein paar Stellen hätte die Handlung für meinen Geschmack etwas schneller voranschreiten können, insgesamt wurde ich aber durchgehend gut unterhalten. Das Ende macht definitiv neugierig auf die Fortsetzung. Für mich ein atmosphärisches und spannendes Buch, das ich besonders Fans von Survival-Geschichten und ungewöhnlichen Settings empfehlen kann.
Rezensionen von marcialoup:
Leerstelle... Nicht-Geschichte...Menschsein?
Frieda von Geraldine Oetken
Geraldine Oetken geht auf die Suche nach ihrer Urgroßtante Frieda. Durch Zufall hat sie von ihr erfahren, denn über Frieda wurde nie in der Familie erzählt, Frieda gab es einfach nicht. Umso intensiver kümmert sich Geraldine nun um die Wahrheit, die zu Kriegszeiten einfach und gewollt verschütt ging, um die restliche Familie zu schützen, um nicht nachdenken zu müssen, was wirklich im zweiten Weltkrieg mit Frieda passiert ist, um sich der Grausamkeit keiner Schuld bewusst zu machen.
Deshalb gab es Nicht-Geschichten um Frieda, still, verschwiegen, bruchstückhaft herausgeredet.
In der Familie selbst kommt Geraldine also nicht weiter, doch sie möchte Frieda gern kennenlernen und begibt sich auf eine spannende, schockierende und zeitintensive Reise, deckt Wahrheiten auf, die sie in kleinen Puzzleteilen zusammenstecken muss. In akribischer Detailarbeit durchschaut Geraldine Akten der Vergangenheit von unzähligen Betroffenen, die mit Frieda in Blankenburg im Gertrudenheim waren.
Dabei erscheint Frieda immer mehr, wird lebendiger und zu einer eigenen Person, was ihr zur Nazizeit nicht gewährt wurde... Frieda zu sein, eine Persönlichkeit zu sein, eine Stimme zu haben...
Die Autorin schafft eine Frieda, wie sie hätte sein können, selbst die Umgebung wird bildreich recherchiert und sie geht ins Zwiegespräch mit Frieda.
Frieda war in Blankenburg und dann tot.
Dezentrale Euthanasie.
Wegen Krankheiten die es nicht geben durfte.
Unmenschlichkeit in höchster Form.
Geraldine Oetken beschreibt ihre Findung sehr liebevoll, zart annähernd und zwischendurch in Du-Form, als spräche sie Frieda direkt an, und erweckt sie damit zum Leben. Dabei entsteht ein sehr persönlicher Bezug, eine innige Verbundenheit was die tragische Schwere von Frieda's Schicksal in eine dramatische, gefühlsintensive Tonlage bringt.
Mir ist dieses Buch aus eigener Betroffenenheit wichtig, bei mir ist es die Großtante...
Wie viele haben in der Familie eine verborgene Person, die wie ein Geist über denen schwebt, die von ihr wissen, sie aber verschweigen... als Leerstelle... als Nicht-Geschichte... Aus Scham, aus Vergessen-Wollen, aus Gründen des Wegsehens.
Allein deshalb ist Geraldine's Aufarbeitung so wichtig, um Leben in die zu Tode gequälten armen Seelen zu hauchen, die schuldlos sterben mussten und die Schwächsten der Schwachen waren.
Geraldine recherchiert überall und intensiv, bleibt hartnäckig und dringt tief in Verschollenes ein.
Stellenweise wird einiges öfter wiederholt, warum erzählt Geraldine mit anderen Worten immer wieder Gleiches?
Aber im Verlauf merkt man, dass dies eine gewisse Vertiefung erzielt.
Das Buch macht mehr als nachdenklich, denn gibt es nicht Ausläufer von Parallelen auch in heutiger Zeit?!
Blankenburg war auch danach eine Auffangstätte, als Psychiatrie, als Flüchtlingsheim usw.
Einzig die Gender*Sternchen haben mich anfangs beim Lesen gestört. Diese heben jedoch die Wichtigkeit jeder einzelnen Person hervor und genau das, was eben bei Frieda und vielen Leidensgenoss*innen "Damals" niemals akzeptiert wurde. Die Gender* haben hier eine ganz starke und bewusst andere Bedeutung!
Das Cover ist perfekt! Die Brauntöne sind passend gewählt, das angedeutete Fenster mit leicht schimmerndem Lichteinfall, die Gardine, die auch verstecken kann... alles in subtiler Optik, die Einsamkeit und Vergessen darstellt und darüber Frieda in großen Lettern Raum gibt.
Ich wünsche diesem Buch viele Leser*innen, damit niemals und Nichts vergessen wird!
Rezensionen von Nicole (Abby1810):
Tragisch-Mutig-Resilient
Ungebrochen - Mein Wille zu leben von Bar Kupershtein
Mir ist der Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 sehr nahegegangen. Da ich jüdische Freundinnen habe, war ich auch stets über die tragischen Neuigkeiten informiert. Auch wir hatten in Wien einen "Platz zur Erinnerung an die Geisel", inklusive Mahnwachen und Gedenkveranstaltungen. In der Wiener Innenstadt wurden mehrere Vermisstenplakate der Geisel an die äußere Fensterleiste der Wohnhäuser angebracht.
Daher war ich unglaublich neugierig auf Bars Buch. Und ich wurde nicht enttäuscht. Er schreibt seine tragische und traumatisierende Geschichte voller Gefühle, Authentizität und Stärke. Das Buch ist aus der Ich-Perspektive von Bar und seinen Eltern geschrieben. Ich war erstaunt wie stark Julie, Bars Mutter ist. Sie hat sich für ein Gebetszelt am Platz der Geisel stark gemacht, dank ihr wurden im ganzen Land Gebete für die Vermissten gesprochen, und sie hat die Hoffnung nie aufgegeben Bar wieder in ihre Arme schließen zu können.
Bar beschreibt sehr eindrucksvoll wie er am Morgen des 7. Oktobers 2023 vielen Menschen geholfen hat aus dem Schußfeld zu kommen. Verletzte wurden dank ihm versorgt, und auch ein Stau wurde dank seines Einschreitens aufgelöst, sodass die Besucher schneller flüchten konnten. Dabei gerät er in die Fänge der Hamas. Nichtsahnend, dass er für die nächsten 738 Tage seine Familie und Freunde nicht mehr sehen wird.
Mit anderen Geiseln verbringt er eine schreckliche Zeit in Wohnungen und Tunnel in Gaza. Folter, Hunger, prekäre hygienische Umstände und Angst, sind sein täglicher Begleiter. Doch Bar bleibt stark. Er hat ein unglaubliches Gottvertrauen und weiß, dass seine Identität in Gott liegt. Trotz der mühsamen Umstände ist er nicht gewillt aufzugeben. Er setzt sich sogar immer wieder bei seinen Bewachern durch.
Das Buch hat einen angenehmen und unterhaltsamen Schreibstil. Die Sicht aus den verschiedenen Perspektiven ist eindrucksvoll beschrieben und der Leser hofft und zittert mit jeder Geisel mit. Es ist wie Meron Mendel es im Vorwort schreibt:" Man kann Bars Geschichte lesen, seinen Schmerz und den seiner Familie wahrnehmen und zugleich um die getöteten Zivilisten, darunter unzählige Kinder, in Gaza trauern. Die Anerkennung des einen Leids nimmt dem anderen nichts. Menschlichkeit ist kein begrenztes Gut.“
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und bin nur so durch die Seiten geflogen. Absolute Leseempfehlung meinerseits!
Rezensionen von Bücherfreundin:
Inspirierendes Buch mit wunderbaren Fotos
KUNTH Bildband Erlebnis Flusskreuzfahrt von Katinka Holupirek
Das Interesse an entspannten Reisen auf hoher See und Flüssen ist groß, immer mehr Urlauber buchen Flusskreuzfahrten und genießen die zahlreichen Vorteile dieser Urlaubsform. Auf dem Hotelschiff geht es ruhig und gemütlich zu, niemand wird seekrank, der Blick auf die schönen Flusslandschaften ist Balsam für die Seele.
Obwohl der Standort ständig wechselt, entfällt das lästige Kofferpacken, nach einem gemütlichen Frühstück startet man zu seinem Tagesausflug und besucht historische Orte und die interessantesten Sehenswürdigkeiten entlang der Route.
In seinem aktuellen Bildband "Erlebnis Flusskreuzfahrt: Reisen auf den schönsten Wasserwegen Europas" stellt der renommierte Kunth Verlag auf 288 Seiten die schönsten und beliebtesten Flusskreuzfahrten unseres Kontinents vor. Die ersten beiden Seiten der 28 Kapitel beschreiben die einzelnen Schifffahrtsrouten und nennen ihre Länge, die Reisezeit und Reisedauer. Auf den Folgeseiten finden wir Beschreibungen und einzigartige Farbfotos der schönsten Küstenorte entlang der europäischen Flüsse, Kanäle und Seen in Irland, Großbritannien, Schweden, Frankreich, Spanien, Portugal, der Niederlande, Belgien, Deutschland, der Schweiz und Italien. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Donau, die vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer durch Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Moldawien und die Ukraine fließt.
Da ich in der Nähe von Köln lebe, waren für mich natürlich die Routen auf dem schönen Rhein von besonderem Interesse, ganz besonders die 490 km lange Fahrt zwischen Köln und Basel sowie die unterschiedlichen Fahrten in die Niederlande. Ein großer Traum wäre neben einer Kreuzschifffahrt auf der Donau auch eine Reise auf Rhône und Saône, um in Arles auf Vincent van Goghs Spuren zu wandeln.
Der übersichtlich gestaltete Bildband im Großformat mit den umfassenden Informationen, Anregungen und wunderschönen Farbfotos lädt zum Träumen ein, er hat mich begeistert und mir viel Lesefreude bereitet. Er hat mir umfangreiches Hintergrundwissen vermittelt und ist für mich die ideale Unterstützung bei der Planung meiner nächsten Flusskreuzfahrten. Die Übersichtskarten, die den genauen Verlauf der Flussreisen darstellen, fand ich sehr hilfreich. Hervorheben möchte ich die sehr hochwertige Gestaltung, die das Buch auch zu einem kostbaren Geschenk macht.
Absolute Leseempfehlung!
Rezensionen von Ameland:
Briefe bedeuten auch Wertschätzung
Der Briefladen, in dem ich dich fand von Baek Seungyeon
Wer schreibt heute noch persönliche Briefe? In unserer schnelllebigen Welt findet der Austausch überwiegend nur noch digital statt. Ganz anders stellt sich das in dem Roman der koreanischen Autorin Baek Seungyeon dar. Die Beschreibung des Briefladens mit seinem wunderschönen Briefpapier, der leisen Musik im Hintergrund und den liebenswürdigen Angestellten machte mir Lust auf einen Besuch dieses Geschäfts.
Besonders gefallen hat mir, die Idee dort auch Brieffreundschaften knüpfen zu können. Ein persönlicher Brief, für den sich jemand Zeit genommen und sich Gedanken gemacht hat, ist doch ganz etwas anderes als eine WhatsApp-Nachricht.
Die Autorin hat einen ruhigen und wohltuenden Schreibstil, der teils poetisch und teils philosophisch anmutet. Die vielen enthaltenen Lebensweisheiten ließen mich öfters innehalten und regten zum Nachdenken an. Die andere Sichtweise der Koreaner auf das Leben unterscheidet sich schon sehr von unserer westlichen Einstellung. Manchmal habe ich mir gewünscht, dass wir uns einiges von dieser asiatischen Einstellung abgucken würden.
Die Protagonisten, die zu Beginn in einer Übersicht mit ein paar Sätzen vorgestellt werden, fand ich sympathisch und liebenswürdig. Ihr Umgang miteinander war sehr wertschätzend und darauf bedacht, niemanden zu brüskieren oder zu verletzen. Ob es nach der Trennung von Hyoyeong und Yeonggwang eine zweite Chance für die Liebe gibt oder ob sie sich jeweils für einen anderen Partner entscheiden steht auf Messers Schneide.
Den ersten Band hatte ich vorher nicht gelesen, habe aber keine Verständnisprobleme gehabt. Ein Roman, der entschleunigt und mich beim Lesen zur Ruhe kommen ließ.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Unglaublich packend erzählt, mit kleinen Schwächen in Bezug auf die historische Authentizität
Eine einfache Wahrheit von Corinna Krenzer
"Eine einfache Wahrheit" ist das Romandebüt der 1989 in Frankfurt am Main, also in der damaligen BRD, geborenen Autorin Corinna Krenzer. Von dieser Autorin werden wir hoffentlich noch viel hören, denn die Geschichte ist von einer außergewöhnlich starken, besonderen Stimme erzählt, die die Leserinnen und Leser von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann zieht und in Atem hält.
Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen, einerseits um das Jahr 2019, als die 44-jährige Schriftstellerin Janna See nach vielen Jahren und lange nach dem Tod beider Eltern für kurze Zeit wieder in ihren alten Heimatort im mecklenburgischen Kohltal zurückkehrt. Sie ist auf der Flucht vor sich selbst, mitten in der Midlife-Crisis, entfremdet von ihrem Ehemann, der gleichzeitig ihr Literaturagent ist, außerdem in einer Beziehungskrise mit ihrer lesbischen Affäre Marie sowie enttäuscht von ihrem Verlag, der ihre letzte Romanidee zurückgewiesen hat. Gleichzeitig quält sie sich seit 30 Jahren damit, dass sie sich die Schuld am Suizid ihres Vaters gibt.
Ihr Vater Ulli See war ursprünglich als junger Mann mit hohen Idealen und verliebt in eine junge Frau aus der DDR, die er bei einem Besuch dort kennen gelernt hatte, aus der BRD in die DDR gezogen, aber schnell von der realen Umsetzung des Sozialismus desillusioniert worden, hatte zu viele kritische Gedanken geäußert, wurde in Folge degradiert und gedemütigt und schließlich hatte die Familie sehr plötzlich kurz vor der Wende aus der DDR fliehen müssen und in der BRD von ganz unten noch einmal anfangen müssen. Daran und an der Entfremdung in der Familie war er verzweifelt und hatte sich kurz nach der Flucht das Leben genommen.
Auf der zweiten Zeitebene erleben wir also die Familie See in der DDR. Hier gibt es durchaus idyllische Kindheitsmomente mit einer berührenden Kinderfreundschaft zwischen Janna und Oskar, dessen Mutter gestorben ist und der von seinem Vater, Arzt und eine mächtige Figur in der lokalen SED, nicht viel Liebe erfährt, und in Jannas Familie warmherzig aufgenommen wird und hier viele Nachmittage verbringt. Doch ist wirklich alles so gewesen, wie es damals schien?
Dramaturgisch ist die Geschichte sehr gut aufgebaut und äußerst packend und einfühlsam erzählt. Wichtige zwischenmenschliche Themen insbesondere zu Eltern-Kind-Beziehungen und was das Leben in einem unterdrückerischen Regime mit diesen machen kann, welche Distanz und welches Misstrauen auch aus einer ursprünglich guten familiären Verbindung entstehen können, werden in dem Buch nachdrücklich und einprägsam verhandelt.
Auch sprachlich finden sich viele sehr prägnante Stellen insbesondere zu den Themen Anpassung vs. Rebellion, Unterdrückung vs. Freiheit, Individualität vs. Kollektiv:
""Janna wusste es. Ihre Mutter sagte es ihr oft. Dass sie sich benehmen musste. Keinen Blödsinn machen. Tun, was die Erwachsenen ihr sagten, so wie Oskar, schneller noch als Oskar. Weil alles, was Janna tat, und alles, was Janna nicht tat, auf ihren Vater zurückfiel und ihr Vater schon genug daran zu tragen hatte, dass alles, was er selbst tat und nicht tat, auf ihn zurückfiel." (S. 59 im E-Book)
"Stattdessen Schweigen. Wirf die Tagebücher weg. Alles ins Feuer beim Hexenbrennen, worüber besser nie wieder zu sprechen war. Gut möglich, dass sie es immer so machten. Dass die Kohltaler es deshalb so viele Jahrzehnte miteinander aushielten, ohne dass sich je etwas zu ändern schien. Und ohne das Bedürfnis, davonzulaufen." (S. 147 im E-Book)
Somit handelt es sich insbesondere für ein Debüt um ein außergewöhnlich starkes Werk, das von einem besonderen schriftstellerischen Talent zeugt.
Nur einen kleinen Kritikpunkt habe ich und der betrifft die historische Authentizität. Klarerweise kann eine 1989 in der BRD geborene Autorin rein aus ihrer eigenen Lebens- und Familiengeschichte kein tiefgründiges Erfahrungswissen über die DDR oder die heutigen neuen Bundesländer Deutschlands haben.
Ein authentischer Roman aus dieser Perspektive braucht also eine umso tiefer gehende Recherche, die die Autorin zum Teil sicher auch gemacht hat. Dennoch sind mir ein paar kleine Unstimmigkeiten aufgefallen, wenn ich das Buch mit vielen anderen Werken von Menschen, die die DDR erlebt haben, vergleiche: beispielsweise ist es mehrmals Thema, dass Menschen in Kohltal der Familie auch nach 30 Jahren noch nachtragen würden, dass sie ohne Abschied gegangen wären. Das war aber meines Wissens damals üblich: wer wirklich aus der DDR flüchten musste und so einen Außenseiterstatus hatte, wie diese Familie zu diesem Zeitpunkt, der konnte sich nicht unbedingt noch von allen im Ort ausgiebig verabschieden und kaum jemand hätte mit dieser Familie öffentlich in Verbindung gebracht werden wollen.
Weiters wirken die ostdeutschen Figuren in der heutigen Zeitebene so, als ob seit 1989 keine Zeit vergangen wäre und es keine Entwicklung gegeben hätte: sie werden so dargestellt, als ob sie die direkten Nachfolger ihrer 30 Jahre jüngeren Ichs oder sogar ihrer Eltern aus der DDR-Zeit wären: ohne irgendeine Reue oder Reflexion. Da ist die damalige überzeugte Parteigenossin und Lehrerin auch als alte Frau 30 Jahre später noch genauso wie damals, und alle anderen eigentlich auch. Dass wir uns 30 Jahre nach der Wende befinden sollen, habe ich den Figuren also nicht wirklich angemerkt.
Ich glaube, dass der Roman damit den heute in den neuen Bundesländern lebenden Menschen nichts Gutes tut, weil dadurch eher verbreitete Klischees noch verstärkt werden (was vermutlich nicht die Absicht der Autorin war).
Ich rate also dazu, dieses wirklich sehr spannend und auch zum Nachdenken anregende Werk eher als sehr fiktive Geschichte in einer fiktiven DDR und einem fiktiven wiedervereinigten Deutschland zu lesen und nicht als eine zwar erfundene Geschichte, die aber stark in historischen Tatsachen wurzeln würde, denn in dieser Hinsicht gibt es noch Luft nach oben.
Rezensionen von @lust_auf_literatur:
Mehr Himmel, als gut für uns ist
Mehr Himmel, als gut für uns ist von Dominika Meindl
Ich liebe die Berge und natürlich auch Romane über das Bergsteigen. So wurde ich auch von dem Cover und der Kurzbeschreibung von “Mehr Himmel, als gut für uns ist” von Dominika Meindl magisch angezogen. Und im Klappentext wird sogar eine projektierte Besteigung des Mount Everest durch den Protagonisten erwähnt - I’m all in.
Allerdings startet der Roman erst einmal ganz anders und kommt dann erst im letzten Drittel zu besagter Himalaya-Reise.
Aber auch davor gibt es genügend Bergsteiger Action. Arthur, der Ich-Erzähler und Protagonist, liegt nämlich gleich zu Beginn mit verletztem Knie in den österreichischen Bergen und kann unmöglich weitergehen. Rettung oder Hilfe rufen kann er selbst verschuldet auch nicht mehr.
Und so bleibt ihm nur darauf zu hoffen, dass ihn irgendjemand vor dem Tod findet.
Da bleibt ihm so einige Zeit, um über sein Leben und seine Lieben nachzudenken.
Für mich ist es das erste Buch von Meindl und ich bin überrascht, wie lustig und ungewöhnlich ihr neuer Roman ist, obwohl die österreichische Journalistin und Schriftstellerin wohl für ihre scharfzüngigen, humorvollen und gesellschaftskritischen Texte bekannt ist.
Ungewöhnlich und sehr spannend finde ich, wie sie mit gängigen Romankonstruktionen bricht und eben nicht die mutmaßlichen Erwartungen der Leser*innen erfüllt.
Auch ich hatte an einen anderen Verlauf der Geschichte gedacht und blieb des Öfteren ohne befriedigende Auflösung.
Doch darum geht es Meindl nicht, es geht ihr gerade um ein Störgefühl, wie es auch ihren Erzähler Arthur öfter überfällt.
Im Laufe des Romans eröffnet sich außerdem eine kleine Metaebene und ich zweifle kurz, ob die Autorin Dominika Meindl wirklich existiert. Warum musst du aber selber herausfinden ☺️.
Ein Thema das Meindl immer wieder aufgreift ist der Overtourismus. Und zwar nicht nur der offensichtliche, wie wir ihn wohl alle von den Dokus, Reportagen und Bildern vom Mount Everest kennen, sondern auch der in ihrem Heimatland Österreich.
“Einmal möchte ich noch darüber nachdenken, was uns seit der Jahrtausendwende in solchen Massen an Orte treibt, die wir damit ruinieren.”
Für mich war “Mehr Himmel, als gut für uns ist” gerade perfekt, da ich gerade selbst als Touristin in der gleichen österreichischen Region Bergtouren gemacht habe wie Arthur, und gleichzeitig ein recht willkommener Bruch mit meinen Lesegewohnheiten.
Rezensionen von Bücherwurm78:
Wieder sehr spannender Krimi
Alles wird Asche von Nele Neuhaus
Ein Bauunternehmer kommt nie zu seiner Geburtstagsfeier an, er wird kurze Zeit später in einem Hochhaus-Rohbau tot gefunden, aufgehängt an seinen Füßen. Und es bleibt nicht bei einem Mord.
Ich habe mich sehr gefreut, dass endlich der 12. Fall um Oliver von Bodenstein und Pia Sander erscheint.
Und wie erhofft wurde ich auch bei diesem Krimi nicht von Nele Neuhaus enttäuscht. Ich habe ja bei solchen Reihen immer die Befürchtung, dass mal ein Buch weniger gut ist, aber die Sorge war umsonst. Wie gewohnt war es aber der ersten Seite spannend. Die Spannung hat auch während des ganzen Buches bis zum Schluss gehalten und erst wirklich zum Schluss stellte sich heraus wer hinter der Mordserie steckt. Die Story, um die es hier geht, ist wieder sehr gut durchdacht und umgesetzt. Ein aktuelles Thema (KI) wurde aufgegriffen, für mich war das ganze technische Wissen fast ein bisschen zu viel.
Für den Fall selbst muss man die Vorgängerbücher nicht gelesen haben, aber für die privaten Seiten des Ermittlerduos ist es schon sehr von Vorteil. Ich fand vor allem die Geschichte um Pia unerwartet, aber irgendwie schön.
Das Cover des Krimis ist wieder sehr schön gestaltet, diesmal auch etwas aufwendiger.
Fazit: Klare Leseempfehlung für alle Neuhaus-Fans.











